Reisebericht Harz: Die Bodefälle bei Braunlage

Christine fragt mich eben noch, ob sie mir das Stativ abnehmen soll, ich bin aber voll konzentriert dabei die letzten Aufnahmen für das Panorama des Wasserfalls zu machen und reagiere nicht auf ihr Angebot. Also nehme ich Stativ samt Kamera selbst in die Hand, drehe mich um und suche mit den Augen die Steine nach einem gangbaren Weg ab. Der erste Schritt gelingt noch, aber beim nächsten komme ich auf der glitschigen Oberfläche ins rutschen und merke, wie in Zeitlupe, dass ich in Schieflage komme und das Gleichgewicht verliere. Rechts hinten das Smartphone in der Gesässtasche. Links vorne die Kamera auf dem Stativ in der Hand. Ich taumle nach links – vorsicht, die Kamera darf mir nicht entgleiten – ich wanke nach rechts – nur nicht nach hinten fallen! Nach einer gefühlten 360 Grad Wendung schlage ich rechts mit dem Oberschenkel zwischen 2 Felsen ein. Platsch – Hose und Schuhe durchnässt, leichte Prellungen der Weichteile unterhalb der Hüfte, aber das Equipment ist heil geblieben. Am Abend bei der Sichtung der Bilder weiß ich aber sofort: das Panorama war jede Mühe und jeden blauen Fleck wert. 

Die Bodefälle befinden sich nordöstlich von Braunlage am Oberlauf der Warmen Bode. Vom Grossparkplatz an der Wurmbergbahn aus sind der untere und der obere Wasserfall bequem auf guten Wanderwegen zu erreichen. Granitblöcke bilden die Grundlage, damit das Wasser tosend und in Kaskaden in die Tiefe rauschen kann. Der Weg führt, selten weit vom Wasser entfernt, beschattet durch die umstehenden Bäume leicht ansteigend immer tiefer in den Nationalpark Harz hinein. Feste Schuhe sind die einzige Voraussetzung, um hier gut voran zu kommen. Der Weg ist gut ausgeschildert und so kann sich der Fotograf ganz auf die herrliche Natur konzentrieren, um die beste Perspektive für seine Bilder zu finden. Die örtlichen Gegebenheiten laden förmlich dazu ein, immer wieder Wege in die Bode zu suchen, um möglichst nahe an den Windungen des Wassers zu sein.

Der Lauf des Wassers wird auch diesmal am besten mit Langzeitbelichtungen festgehalten. Aus dem Bericht der letzten Woche vom Ilsetal wissen wir ja noch, wie einfach es ist trotz aufgesetztem Filter eine  korrekte Belichtung zu erzielen. Hier kann man ja auch mal ins experimentieren verfallen und beispielsweise ein Panorama eines der Wasserfälle oder bei, geeigneten Lichtverhältnissen, ein HDR-Bild aus unterschiedlich belichteten Aufnahmen der gleichen Szene erstellen .

Ganz korrekt müsste für ein Panorama die Kamera auf dem Stativ mit einem Nodalpunktadapter montiert werden. Dieser Adapter sorgt für eine korrekte Drehung der Kamera und vermindert damit Verzerrungen, da der Sensor nicht genau über der Stativschraube sitzt und so die Drehung hinter dem Sensor statt findet. Auffallend ist es auf jeden Fall in der Architektur, hier im Harz am Bachlauf wird die eventuell entstehende Verzerrung so gering sein und durch die natürlich vorhandene Unebenheit von Mutter Natur nicht ins Auge fallen.

Immer wieder kann man die Felsen im Bach gut zu Fuss erreichen und so die Bilder dramatisch komponieren. Entsprechende Vorsicht natürlich  vorausgesetzt – damit nicht, wie eingangs beschrieben, Mensch oder Technik zu Schaden kommt. Sicherheit geht auf jeden Fall immer vor Dramatik.

Man möchte nicht glauben, wie schnell hier zwei, drei Stunden vergehen und man immer noch das Gefühl hat, nicht alles fotografiert zu haben. Für die Wanderzeit und die damit verbundenen Fotoausflüge wünsche ich Euch allen natürlich, wie immer, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Fehler, die (fast) jeder zu Anfang macht…


…ich übrigens auch!

Gerade in der Anfangszeit ist es eher Knipserei als Fotografie. Aber es ist gut so. Vieles kann man erst lernen, wenn man mal die Fehler gemacht und erkannt hat. Fehler machen ist also gut – wenn man auch aus ihnen lernt. Immer noch besser zu fotografieren und Fehler machen, als Equipment kaufen und dann nichts unternehmen.

Einige der häufigsten Fehler habe ich mir aufgeschrieben und auch die Hilfe dazu, möglichst daraus zu lernen und sie zukünftig zu vermeiden. Hier im ersten Teil habe ich zwei Dinge aufgeführt, die jeder mit der Zeit bemerken wird. Einiges muss man jedoch erst mal gesagt bekommen, um sie überhaupt als Fehler wahr zu nehmen. So ging es mir lange Zeit mit dem Ersten:

  1. schiefer Horizont

    In meiner Anfangsphase habe ich das wirklich nicht als störend wahr genommen. Erst als man mich immer wieder darauf hinwies hat sich mein Blick dafür geändert  Wenn ich heute bei Instagram oder 500px durch die Bilder scrolle stechen mir diese Bilder regelrecht ins Auge – ich glaube ich bin mittlerweile allergisch dagegen.
    Jeder, der irgendwann mal als Fotograf ernst genommen werden will sollte unbedingt auf dieses Detail achten. Man kann den schönsten Sonnenuntergang am Meer einfangen – wenn das Wasser aus dem Bild auszulaufen droht, wird keiner dem Bild ein „like“ da lassen. Sobald die Horizontlinie im Bild zu sehen ist, sollte sie gerade sein. An besten gleich beim Fotografieren darauf achten, denn später bei der Bildbearbeitung kann sich durch die Beschneidung beim gerade richten die gesamte Bildwirkung ins Negative verändern.
    Am einfachsten also eine kleine Wasserwaage auf den Blitzschuh stecken, die Libelle im Stativ nutzen, um dieses gerade auszurichten, die Gitternetzlinien im Live-View-Modus einblenden lassen oder, sofern vorhanden, die Wasserwaage der Kamera nutzen und nie wieder schiefe Bilder machen.

    Glaub mir, irgendwann kommt der Tag an dem Du beginnst Dich furchtbar über schiefe Horizonte zu ärgern und ja, auch Hobbyfotografen nehmen ihre Bilder ernst.
  2. zu wenig Zeit nehmen
    Genz lange Zeit habe ich geglaubt, dass die Profis ein Motiv sehen, die Kamera aufbauen, abdrücken und fertig. Maximal 2-3 Aufnahme, dann ist die Szene im Kasten war meine Annahme.
    Falsch gedacht!
    Fotografie hat viel mit Geduld und ausprobieren zu tun. Selbst der Profi macht manchmal über hundert Bilder, bis das eine dabei ist, das er verkaufen kann. Oft kommt er an mehrerenTagen nacheinander zu ein und derselben Stelle, bis alles so passt, wie er es sich vorstellt.
    Ich habe bei mir fest gestellt, dass ich zweierlei Arten von Fotos mache.
    Einmal die, wenn ich beim Wandern bin und im Vorbeigehen ein paar Schnappschüsse mache. Das sind dann auch wirklich Schnappschüsse. Gute Bilder auf die Art zu machen ist reine Glückssache. Oft ist da dann zu wenig Zeit, um mehr zu probieren, andere Aufnahmewinkel zu testen und einfach mehr Möglichkeiten auszuschöpfen. Und zu Hause ärgere ich mich dann, weil ich feststelle, dass vielleicht nur ein halber Meter weiter zur Seite das Bild viel besser ausgesehen hätte.

    Scott Kelby (amerikanischer Fotograf und Photoshop-Guru) sagte in einem Onlinekurs: „You have to work the Scene.“ – Du musst die Situation bearbeiten. So lange, bis das bestmögliche Ergebnis, sprich Bild, heraus kommt.
    Das bringt mich zur zweiten Art Fotos:
    Wenn ich nicht zum Wandern sondern zum Fotografieren gehe. Ich bereite mich dann auf die Bilder vor. Ich schaue mir an, wo interessante Motive lauern, wann der beste Sonnenstand ist – Infos die sich jeder leicht im Internet beschaffen kann. Wenige Minuten (vielleicht mal eine halbe Stunde) Vorbereitung werden sich im Endergebnis auf jeden Fall auszahlen.
    Und dann vor Ort: Zeit lassen – aufs Fotografieren konzentrieren -die gesamte Szenerie aufarbeiten.
    Auch mal einen Schritt zur Seite gehen, irgendwo draufsteigen, auf den Boden legen – nicht immer nur auf Augenhöhe fotografieren sondern ungewöhnliche Perspektiven suchen und verwenden.

    Ich mache selbstverständlich noch diese typischen „Kamera-hoch-und-abdrücken-Schnappschüsse“. Die gehören auch immer noch dazu – aber das richtige Fotografieren wird trotzdem immer mehr… In diesem Sinne wünsche ich Dir für heute und die Zukunft allzeit gutes Licht!
    Werner Kutter