Stormchasing light

Stormchasing ist gerade in aller Munde. In Deutschland werden in letzter Zeit Wetterphänomene beobachtet, die man sonst nur aus dem Internet und USA kannte. Plötzlich ergeben sich für uns Fotografen Möglichkeiten diese Sommerstürme und extremen Gewitter teils direkt vor der eigenen Haustüre zu verfolgen und beobachten.

Ein paar Sicherheitshinweise zum Beginn:
Keiner sollte sich auf der Jagd nach dem „besten“ Bild unnötig und leichtsinnig in Gefahr begeben. Sturm, Blitz und Hagel sind nicht zu unterschätzen – es können Schäden am Auto entstehen oder Personen entstehen. Die allgemeinen Sicherheitsaspekte während einem Gewitter sollten auf jeden Fall beachtet werden.
Die Vorhersage ist so zu erstellen, dass man sich zum fotografieren unmittelbar vor dem Unwetter platziert.
Die imposantesten Bilder entstehen natürlich, wenn eine Superzelle kurz vor einem steht. Von dem Moment, an dem die ersten Tropfen fallen hat man, je nach dem wie schnell das Wetter zieht, höchstens noch fünf Minuten Zeit, bis das Unheil über einem herein bricht. Es gilt also spätestens dann die Ausrüstung zusammen zu packen und das Innere des Autos aufzusuchen. Sobald die Wetterfront unmittelbar über einem ist, sollte man das Fahrzeug nicht mehr verlassen.

Der Beitrag heißt absichtlich „Stormchasing light“, da ich hier nicht auf alle Aspekte der Sturmjagd und der Wetterprognose eingehen werde.
Wer hier mehr Infos braucht, dem sei das Buch von Bastian Werner „Fotografieren mit Wind und Wetter“ und auch seine Videokurse auf seiner Homepage bastianw.de wärmstens empfohlen. Ich habe sowohl das Buch gelesen, als auch die Kurse gesehen und kann beides uneingeschränkt empfehlen. Der hier beschriebene Ablauf entspricht der verkürzten Anleitung aus diesen Quellen.

Am Anfang steht, wie bei jedem erfolgreichen Shooting, die Planung. Hierzu benutzte ich zwei Seiten aus dem „Sortiment“ von Kachelmannwetter.de.
Am Morgen habe ich über die Karte „Mitteleuropa Super HD“ mit dem Parameter „Wolken und signifikantes Wetter“ erst einmal gecheckt, ob an diesem Tag überhaupt etwas kommen wird.
Hier werden vorausgesagte Gewitter lila dargestellt und man kann sich in stündlichem Abstand für die kommenden drei Tage den Wetterverlauf ansehen. Je weiter man in die Zukunft geht, desto ungenauer wird die Prognose.

Dort konnte ich erkennen, dass ab ca. 17 Uhr eine breite Front aus Richtung Südwesten quer über Süddeutschland mit Zugrichtung Nordosten hinwegziehen würde. Die prognostizierten Ausmaße ließen mich neugierig werden, so dass ich beschloss an diesem Tag dran zu bleiben.

Ab Mittag überprüfte ich auf der zweiten Seite „Radar HD Stormtracking“ die Zugrichtung der mächtigen Front.

Bald wurde mir auch klar, dass die Wetterfront wiklich riesig war. Sie reichte von der Ausdehnung her von Kempten im Allgäu bis nach Stuttgart in Baden Württemberg. Und schnell konnte ich auch sehen, dass die Ankunft bei mir rund um Memmingen weit vor 17 Uhr sein würde.
Diese Karte wird ca. alle 5 Minuten aktualisiert und zeigt die tatsächliche Wettersituation an – es handelt sich nicht um eine Vorhersage, sondern um ein Abbild des aktuellen Geschehens.
Die Kreise über den gelben Flächen zeigen die stärke der Gewitter an und die Linie davor die Zugrichtung und Geschwindigkeit für die nächste halbe Stunde an.

Ab 14 Uhr wurde es Zeit sich konkret darüber Gedanken zu machen, wo man hinfährt, um das Wetterphänomen abzulichten. Die Zugrichtung wurde immer klarer und um 14.45 meldete ich mich im Geschäft ab und fuhr los. Mir war zu diesem Zeitpunkt klar, dass ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen durfte und ich wurde nicht enttäuscht, als kurz nach 15.15 Uhr die Superzelle über Benningen bei Memmingen stand.

Ich hatte mich auf einer Anhöhe platziert und ließ die Walze auf mich zukommen. Ich war mehr als beeindruckt von der Größe und dem Spektakel, welches sich vor meinen Augen abspielte. Nur durch Zufall kam mir die Idee, ich könnte doch ein Panorama aufnehmen und so machte ich sieben Hochkantaufnahmen, welche ich in Lightroom zu diesem Panorama zusammengefügt habe:

Mit großer Wahrscheinlichkeit ein „once-in-a-lifetime-shot“ – das Bild meines Lebens!

Mit diesen Eindrücken möchte ich die kurze Beschreibung meiner ersten, erfolgreichen Sturmjagd beschließen. Wer noch mehr Bilder sehen möchte kann gerne in meinem Portfolio vorbeischauen:
https://wernerkutter.myportfolio.com/stormchasing

Für Eure eigenen Unternehmungen und Bilder wünsche ich Euch natürlich, wie immer, gutes LIcht!

Werner Kutter