Workshop „Ostrachwellen“ im Hintersteiner Tal

Aller guten Dinge sind drei!
Den alten Spruch kennt jeder und so habe ich mich relativ kurzfristig entschlossen, bei Manuela Prediger in diesem Jahr noch einen dritten Workshop zu besuchen.
Nach den Lichtern der Stadt im Frühjahr und dem Viehscheid Gunzesried vor vier Wochen sind nun die Ostrach und die Langzeitbelichtungen am Wasser dran.
Meine Lieblingsdisziplin!
Warum nehme ich dann am Workshop teil?
Weil ich immer auf der Suche nach Inspiration bin und mir das Fotografieren in Gesellschaft von anderen einfach viel mehr Spaß macht!

Pünktlich um viertel vor neun trafen wir uns an der vereinbarten Bushaltestelle am Wanderparkplatz in Hinterstein. So konnten wir uns den kleinen „Luxus“ erlauben, den ersten Teil der Strecke mit dem Linienbus zurückzulegen und die Kräfte fürs kreative Fotografieren aufsparen. An der Haltestelle am Elektrizitätswerk stiegen wir wieder aus und es folgte eine kleine Vorstellungsrunde; schließlich unterhält man sich gleich viel besser, wenn man sich zumindest beim Namen kennt. Dann ging es runter an die Ostrach. Hier wurden noch kurz die Grundlagen besprochen, welche die Arbeit mit Langzeitbelichtungen leichter machen. Welche Filterarten gibt es? Welcher Filter wird wann eingesetzt? Wie stelle ich die Kamera richtig ein. Was muss bei der Verwendung eines Stativs beachtet werden? Lauter kleine Details, die uns aber später bei der „Arbeit“ zwischen den Felsen die Sache ungemein erleichterten. Zum Thema Filter habe ich letztes Jahr bereits einen eigenen Beitrag geschrieben.

Wieder einmal zahlte es sich aus, jemanden zu haben der Ortskenntnis besitzt und die wirklich sehenswerten Locations kennt. Auf einer Wanderung durchs Hintersteiner Tal würde man an diesen Stellen glatt vorbei laufen. Doch Manuela hat sich die Strecke vorab angesehen und so den ein oder anderen Schleichweg gefunden um wirklich einmalige Aufnahmen zu erhalten. Dabei wird selbstverständlich immer größter Wert darauf gelegt die Natur in diesem Landschaftsschutzgebiet nicht mehr als erlaubt zu belasten.

Ich habe mir vorab zu Hause auch so meine Gedanken gemacht, was ich noch gerne ausprobieren möchte und dabei festgestellt, dass ich den sog. Bulb-Modus meiner Kameras so gut wie noch nie benutzt hatte. Dieser Modus erlaubt Aufnahmen über das zeitliche Limit der allermeisten Kameras von 30 Sekunden hinaus. Manche Marken haben ein B für Bulb am Programmwahlrad, andere wiederum schalten in diesen Modus, wenn man bei manueller Einstellung die Belichtungszeit einfach über die 30 Sekunden hinaus verlängert. in diesem Fall bleibt der Verschluss so lange offen, wie der Auslöser gedrückt gehalten wird (unbedingt einen arretierbaren Fernauslöser verwenden).

Also suchte ich mir eine Stelle an der ich damit experimentieren konnte. Da die Schlucht am Morgen noch schön im Schatten lag war ich ziemlich überrascht, wie schnell man Verschlusszeiten von über einer Minute erreichen kann. Ich schloss die Blende auf 16, stellte den niedrigsten ISO Wert von 64 ein und habe mir von der Kamera im Blendenprioritäts-Modus (A oder Av) die erforderliche Belichtungszeit anzeigen lassen. Dieser lag bei einer Sekunde. Diesen Wert gab ich in meine Smartphone-App von Rollei ein (Rollei-Moments ist eine kostenlose App zur Berechnung Verschlusszeit beim Einsatz von einem oder mehreren Filtern)  und bin bei einem Filter ND 6 schon auf eine Minute und vier Sekunden benötigter Verschlusszeit gekommen. ND 6 bedeutet, dass der Filter so stark verdunkelt, dass sich die „normale“ Belichtungszeit sechs mal verdoppelt – also insgesamt 64 mal länger wird (1x2x2x2x2x2x2=64). Das Praktische an der App ist, dass auch gleich ein Countdown gestartet werden kann und so stellte ich meine ersten Versuche mit „Ultralangzeitbelichtungen“ an.

Das Charakteristische an diesen Bildern ist, dass das Wasser extrem glatt gezogen wirkt und Stellen an denen Steine oder ähnliches vom Wasser berührt oder überspült werden sind extrem weich – fast wie gemalt. Mir gefällt dieser Effekt – wie insgesamt die Langzeitbelichtung immer wieder überraschende Ergebnisse bringt, da ja unser Auge nicht die Eindrücke über diesen langen Zeitraum sammelt und das so nie gesehen werden kann.

Bei dieser Art von Fotografie ist es natürlich unumgänglich, ein Stativ zu verwenden oder die Kamera sonst irgendwie sicher abzulegen. Keiner kann die Kamera so lange still halten um ein scharfes Bild zu erhalten. Die Faustformel sagt aus, dass die Umkehrung der Brennweite in etwa der Zeit entspricht, die verwacklungsfreies Fotografieren ermöglicht. Also z. B. bei einer Brennweite von 50 mm gilt 1/50 s als längst möglich Belichtungszeit für ein scharfes Foto aus der Hand. Die gängigen Bildstabilisatoren an Objektiv und Kamera versprechen zwar noch längere Zeiten – wer ein knack scharfes Bild will, dem sei gesagt, dass an einem Stativ definitiv nichts vorbei geht. Erste Regel unter Landschaftsfotografen: Heirate Dein Stativ!

Hier mal zur Veranschaulichung zwei Belichtungen übereinander gelegt:

Das obere Bild wurde mit 13 Sekunden belichtet und zeigt im auslaufenden Wasser deutlich weniger Details als die untere, 4 Sekunden-Belichtung. Es ist reine Geschmackssache, welches Bild einen mehr anspricht. In der Fotografie gibt es kein Richtig oder Falsch. Es ist schließlich eine Kunstform.

Gelegenheit zur Panoramafotografie bot sich ebenfalls.
Da es sich hier um keine Gebäude handelt, ist man beim Anfertigen eines Panoramas relativ schnell fertig. Es gibt kaum Chancen, dass Bildfehler wegen der Drehung der Kamera sichtbar werden – es gibt ja kaum geraden Linien in der Natur. Für ein Panorama werden mehrere Aufnahmen gemacht und es wird darauf geachtet, dass mindestens 25 Prozent des Bildinhaltes überlappen. Anschließend werden die Bilder am Computer zusammengefügt und das jeweilige Programm rechnet die Puzzlestücke so zusammen, dass keine leeren Bildstellen übrig bleiben. Den Aufwand, hier Panoramawinkel und ähnliche Utensilien mit in die Schlucht zu schleppen kann man sich sparen. Sogar Aufnahmen „aus der Hand“ werden, etwas Übung vorausgesetzt, zu brauchbaren Ergebnissen führen.

Aber Vorsicht: Die Aufnahmen der ganzen Szene führen oft dazu, dass das Bild etwas überladen wirkt und der Betrachter gar nicht herausfinden kann, was das eigentliche Motiv sein soll. Oft wirkt es besser, sich nur auf einzelne, kleine Elemente der gesamten Szene zu beschränken. Einen Gegenstand – hier der vom Wasser umspülte Felsen – isoliert darzustellen gibt dem Bild Klarheit.
Im Herbst darf natürlich das obligatorische Blatt auf dem Stein nicht fehlen. Quasi ein Stein-Portrait.

Schön ist es, wenn man bei Gestaltung auf die Linienführung achten kann. Die ganzen Grundlagen der Blickführung und Bildgestaltung können hier trainiert werden. Ein perfektes Übungsgelände für den ambitionierten Hobbyfotografen.  So bringen die S-Kurve
oder auch einfach nur eine Diagonale und ein Sonnenstern
zusätzlich Spannung ins Bild. Ebenso ist es schön, wenn sich die Blätter der umstehenden Bäume im Bach spiegeln und ihn so stellenweise blutrot färben:
Bei dem momentan vorherrschenden Lichtbedingungen in diesem wunderbaren Herbst ist es eigentlich schwieriger kein gutes Bild zu machen als anders herum. Genießen wir die Jahreszeit noch, so lange das Wetter hält.

In diesem Sinne: Geht raus, macht Fotos – die Zeit ist genau jetzt die richtige!

Allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Fotoworkshop „Viehscheid im Gunzesrieder Tal“

Das zweite Mal in diesem Jahr hatte ich die Ehre, bei der wunderbaren Manuela Prediger an einem Workshop teilzunehmen. Es war für mich dennoch eine Premiere, denn noch nie hatte ich einen Viehscheid miterlebt – eigentlich eine Schande für einen Bub aus dem Unterallgäu.

Der frühe Vogel fängt den Wurm sagt der Volksmund. Das gilt auch für uns Fotografen und besonders dann, wenn man bei einer Veranstaltung wie dieser Bilder machen möchte, die sich von der Masse abheben. Also war der Treff aller Teilnehmer für 6.45 Uhr ausgemacht und dementsprechend früh musste ich bei mir zu Hause losfahren. Das beste daran war, dass um diese Uhrzeit am Samstag morgen der Verkehr Richtung Sonthofen sehr überschaubar war und es zu keinen Verzögerungen kam.

Pünktlich um sieben kam das vorbestellte Taxi, welches uns hinter ins Tal brachte – weit weg von den ganzen schaulustigen Touristen. Dort stellten wir uns kurz gegenseitig vor und gingen die grundlegenden Kameraeinstellungen für die bevorstehenden Stunden durch. Wertvolle Tipps für außergewöhnliche Perspektiven und Bildausschnitte erhielten wir ebenfalls von unserer überaus kompetenten Kursleiterin, so dass wir bestens vorbereitet auf das Eintreffen der ersten Herde warteten.
Ich entschied mich dafür mit ISO-Automatik und Bledenvorwahl rund um Blende 5.6 ins Rennen zu gehen. Die anfängliche Belichtungskorrektur von +2/3, die ich wegen den vorhandenen Nebelschwaden eingestellt harre, nahm ich kurz darauf wieder zurück.

Die Spannung wurde immer größer, so dass das eine oder andere Mal bereits das Läuten der Kuhglocken wahrgenommen wurde, obwohl niemand in Sichtweite war. Der Schall findet in den engen Gebirgstäler eben immer einen Weg. Als endlich doch die ersten Teilnehmer zu sehen waren, nahmen wir alle unsere Positionen ein, so dass jeder das bestmögliche Sichtfeld für seine Aufnahmen erhielt.

Die große Begeisterung wich auch bald schon der Ernüchterung, dass nur eine kleine Vorhut – das Kranzrind mit einem Begleiter und zwei Jugendlichen Hirten mit ihrer Mutter – weit vor der großen Herde in Richtung Gunzesried liefen. Trotzdem ergriffen alle die Gelegenheit erste Bilder zu machen. Mir persönlich geht es auch immer so, dass ich mich erst an die Sache herantasten muss und dankbar bin, ein paar Testfotos machen zu können, bevor es ernst wird.

Ich hatte mir extra für die Veranstaltung von Tamron ein 18 – 400 mm Objektiv ausgeliehen. Hier zahlte sich der große Zoombereich sofort aus, da ich bereits aus großer Entfernung die ersten Bilder der Herannahenden machen konnte. Näheres zum Objektiv in zwei Wochen im Testbericht der Linse hier im Blog.

Die Kompression der Telebrennweite verdichtet die Szenerie zusätzlilch, so dass die Kraft und Energie der Tiere, welche durch die Hirten mit den Stäben im Zaum gehalten wurden, besonders gut zur Geltung kommt. Die Rinder sind ja doch mehr als einen Meter lang – auf dem Bild wird diese Szenerie so gestaucht, dass, für mich, eine besondere Dramatik entsteht.

Und für die eigene Sicherheit ist ebenfalls gesorgt, da ich rechtzeitig, bevor die Tiere mich erreichen, für ausreichend Sicherheitsabstand sorgen kann. Für die Schärfe im Bild habe ich einen alten Trick von Scott Kelby angewandt. Der empfiehlt, wenn man sich unsicher ist mit langer Brennweite aus der Hand zu fotografieren den Serienbildmodus an der Kamera einzuschalten. Dann so ca. 3 – 5 Bilder machen – die Ausbeute an scharfen Bildern ist so größer, als wenn immer nur ein Bild gemacht wird, kontrolliert wird, wieder fotografiert wird usw.

So warteten wir auch noch die nächste Gruppe einer weiteren Alpe ab, damit jeder Gelegenheit hatte, unsterschiedliche Positionen und Perspektiven auszuprobieren. Denn nichts ist langweiliger, als immer nur auf Augenhöhe zu fotografieren.

Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück, da die neblige Stimmung ausgezeichnet zur Jahreszeit und Veranstaltung passt. Zudem waren bei der Luftfeuchtigkeit und Kälte die dampfenden Tiere genau das, was ich mir vorher als Zielbild in den Kopf gesetzt hatte.

Auch ich begab mich schließlich auf Tauchstation und legte mich im nebelfeuchten Gras auf den Bauch. Es ging ja schließlich darum ungewöhnliche Ansichten zu finden und das gelang mir in diesem Moment sehr gut.
Diese beiden Bilder oben und unten sind die derzeit am meisten beachteten Bilder von mir auf Facebook. 20.000 Menschen haben diese Bilder in der ersten Woche gesehen, hunderte Likes und mehrere Dutzend Kommentare dazu haben mich sehr stolz gemacht.

Unterwegs kamen wir auch ein einem Hof vorbei, an dem wir das Schmücken des Kranzrindes aus nächster Nähe beobachten konnten.
Hier habe ich mir dann auch die Zeit genommen, um einmal die Details der Veranstaltung festzuhalten. Die festlich gerichteten Haare der Teilnehmerinnen
die Anspannung bei den Teilnehmern
oder auch einfach nur die Tracht und Tradition der Veranstaltung selbst

Aprospos ungewöhnliche Ansichten:
Die Rinder selbst sind ja die Hauptakteure bei dieser Veranstaltug. Also warum nicht diese auch mal ungewöhnlich ablichten?

Vom unten und nur die Füße – reicht doch auch um zu zeigen, wo man war.

Kuriose Bilder lassen sich auch erzielen, wenn man bei ca. 1/20 s Belichtungszeit mit der Herde einen sog. „Mitzieher“ versucht. Man könnte fast meinen, die Herde rennt im Galopp vorbei…

Oder einfach mal die Augen offen halten für die kleinen Randerscheinungen, wie den kleinen Jugen, der anscheinend noch zu jung war, um den ganzen Weg zu Fuß zu laufen. Auf Grund seiner Tracht lässt er aber deutlich erkennen, dass er dazu gehört.

Am Scheidplatz angekommen traf uns die gesamte Wucht der versammtelten Touristenschar mit einem Schlag. es war schon ein gewaltiger Unterschied zur Abgeschiedenheit draußen im Tal – doch das gehört mittlerweile auch dazu.

Der Einlauf der Kühe in den Pferch musste schließlich ebenfalls dokumentiert sein, wie auch die Umrahmung des Spektakels mit den unzähligen Schaulustigen aus Nah und Fern.

Hier waren dann auch Portraits der Hirten möglich, denen man die Erleichterung ansah, das alles zu einem guten Ende gekommen ist.

Auch hier boten sich wieder viele Gelegenheiten zu ungewöhnlichen Ansichten und Bildgestaltungen, wie z. B. die Kuh durch den Schellengurt hindurch fotografiert.

Alles in allem war es ein sehr gelungener Workshop dank der Ortskenntnis von Manuela Prediger. sie wusste, wie der Ablauf sein wird und wo die interessantesten Stellen auf dem Weg durch das Tal sind. Allein die Tatsache, dass ich noch nie an einem halben Tag ca. 1000 Fotos gemacht habe spricht dafür, wie viele Möglichkeiten sich hier geboten haben.

Ich hoffe es ist eine kleine Anregung für Euch dabei, auch einmal ausgetretene Pfade zu verlassen und nicht genau da fotografieren zu wollen, wo alle Bilder machen. In diesem Sinne wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Wie bilde ich mich weiter?

Ohne Weiterbildung geht’s nicht weiter! Auch nicht im Hobby! Deshalb möchte ich heute den Anstoß geben, sich doch mal intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen und einen Fotokurs zu besuchen.
Es lohnt sich!
Versprochen!

Jedes Jahr gönne ich mir mindestens einen Kurs zu einem Thema, welches mich interessiert und bei dem ich noch Entwicklungsmöglichkeiten sehe. So nutze ich jedes Mal die Gelegenheit, mir frische Ideen und Inspirationen zu holen.
Erst letzten Freitag Abend habe ich mich wieder einmal weitergebildet. Und zwar mit einem Workshop zu dem Thema „Lichter der Nacht“ der VHS Memmingen.

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe den Kurs nicht besucht, um einen Beitrag zu verfassen, sondern wirklich aus eigenem Interesse. Ich habe den Kurs auch regulär gebucht und bezahlt und bin nicht Mitarbeiter in der VHS.
Die Idee zu diesem Post kam mir erst jetzt im Laufe dieser Woche nachdem ich den Workshop besucht habe.

Manuela Prediger ist selbstständige Fotografin und leitet neben ihren eigenen Workshops auch immer wieder Kurse bei den VHS-Anbietern im ganzen Allgäu. Sie ist als Profi genau die richtige, um alle aufkommenden Fragestellungen ausführlich zu beantworten und der Gruppe die nötige Anleitung zu geben, um mit schönen Fotos nach Hause zu gehen.

Einen Kurs bei einer VHS vor Ort kann sich eigentlich jeder leisten. Er kostet je nach Art und Umfang im Schnitt zwischen 20 und 50 Euro und ist das Geld jedenfalls wert. Da man alleine immer schnell eine Ausrede findet um nicht zum Fotografieren zu gehen, übt und lernt es sich in der Gemeinschaft Gleichgesinnter leichter und unbeschwerter. Der Austausch  mit den Kollegen hilft mir immer sehr. Jeder hat ein eigenes Auge und sieht die Szene und Situation anders. Anregungen sind somit unumgänglich und jeder profitiert von jedem.

Beispielhaft möchte ich hier den Workshop-Ablauf des VHS-Kurses „Lichter der Nacht“ aus Memmingen wiedergeben:

Nach einer kurzen Einführung in das Thema „Fotografieren bei wenig Licht“ und einer Vorstellungsrunde ging es raus in die kalte Dunkelheit. Wir hatten noch Glück, denn bis einen Abend zuvor herrschten in Memmingen zweistellige Minusgrade. Leichter Schneefall setzte ein und schon überlegte jeder, ob das nun gut oder schlecht für die Fotos und die Ausrüstung sein kann.
Ruhig und sachlich wurden die Bedenken bezüglich der Kameras und Objektive durch die Kursleiterin ausgeräumt. Moderne Kameras sind heute alle so abgedichtet, dass die Schneeflocken der Technik nichts anhaben können. Im Gegenteil – die Flecken durch die Schneeflocken können auch als ein Stilelement in das Bild integriert werden.

In der ersten Aufgabenstellung ging es darum, die Wirkung der Blende bei Gegenlichtsituationen besser zu verstehen. So wurden zuerst mit weit geöffneter Blende (z. B. 4,0 oder 5,6) Bilder der Leuchte an der Stadtmauer aufgenommen.

Anschließend wurden wir gebeten, die Blende, so weit es das Objektiv zulässt, zu schließen (in meinem Fall Blende 22). Die dadurch entstehenden längeren Belichtungszeiten spielten keine Rolle, da alle Teilnehmer vorbildlich vom Stativ aus fotografierten. Das Ergebnis waren schöne Sterne aus der Lichtquelle, die je nach Art und Bauweise des Objektivs eine unterschiedliche Anzahl von Strahlen erzeugten.

Der selbe Effekt läßt sich  auch mit mehreren Leuchten erzielen und kann auch tagsüber beim Fotografieren in die Sonne tolle Effekte mit sich bringen. Jeder kennt doch bestimmt die traumhaften Bilder eines Sonnenunterganges, bei dem einen die Sonnensterne mit ihren langen Strahlen ins Bild hineinziehen wollen.

Dann half uns der Zufall weiter:

Der Räumdienst der Stadt Memmingen kam den Gehweg entlang gefahren. Ein Traktor kam uns mit voller Beleuchtung näher und entfernte sich anschließend im Rückwärtsgang auch wieder. Schnell war die Idee geboren, bei derLangzeitbelichtung mit dem Einsatz einer Taschenlampe Kreativität einzubringen. Den Möglichkeiten sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Den Anfang machte Manuela. Sie hatte extra für diese Versuche eine Taschenlampe dabei, welche sie nun, mit den Armen kreisend, im Laufschritt auf uns zu bewegte. Durch die Tatsache, dass sich der Mensch schnell weiterbewegt und die Lichtquelle der Lampe viel heller ist als die Umgebung, ist der Mensch für die Kamera unsichtbar und nur die Lichtspuren werden auf dem Sensor registriert.

Ein Teilnehmer erbarmte sich einige Minuten später, um Manuela abzulösen und gleich wurden die Wünsche nach Formen laut geäußert. Ein Herz sollte es sein, welches nach mehreren Versuchen auch wirklich gut erkennbar präsentiert wurde.

Dann wurden die Wünsche spezieller. Es sollte ein Wort geschrieben werden. Nachdem bei den ersten Versuchen die Synchronisation zwischen Schreiber und Fotografen nicht ganz rund lief und nur einzelne Buchstaben, wenn überhaupt, auf die Speicherkarte gebannt wurden, stellten sich bald tolle Ergebnisse ein.

Sogar das gelegentliche Blinken der Taschenlampe konnte als kreatives Element gefallen finden. Manuela erwies sich als perfekte Buchstabiererin und brachte es fertig, dass alle Buchstaben nahezu gleich groß und gerade geschrieben waren.


Anschließend wandten wir uns weiteren Locations zu. Der Memminger Marktplatz und die dort beginnende Fußgängerzone bildeten einen würdigen Rahmen für die abschließenden Fotos.
Das Schöne am Lernen in der Gruppe ist auch, dass Manuela uns immer wieder zusammen rief, um uns besonders gelungene Aufnahmen einzelner Teilnehmer zu zeigen und anhand derer die Grundlagen der Bildgestaltung näher brachte. So wurde jeder dazu ermutigt einmal neue Blickwinkel und Positionen zu versuchen, denn auch ein Bild aus der Froschperspektive kann sehr spannend sein.

Hier konnten wir immer wieder staunend erleben, dass durchs Bild laufende Personen dank der Langzeitbelichtung nicht auf dem fertigen Foto zu sehen sind. Nur das, was still verharrt, wird auch abgebildet.
Hier wurde außerdem nochmal vertieft, wie man in der Dunkelheit manuell scharf stellt, da nämlich bei zu wenig Licht der Autofokus nicht mehr funktioniert. Also das Objektiv auf Manuell umstellen und selbst am Ring drehen ist jetzt die Devise.

Das Ensemble des Marktplatzes mit dem wunderschön beleuchteten Rathaus bildet aber auch eine traumhafte Kulisse. Hier an einem Abend alle möglichen Blickwinkel zu finden, ist schlicht unmöglich.

Ich habe auch versucht das Ganze als Panorama einzufangen, jedoch sind auf Grund der Breite der Gebäude sind die Möglichkeiten ohne spezielle Panorama-Ausrüstung doch sehr limitiert.

Dann lieber noch ein paar Spielereien mit den vorbei fahrenden Autos – Lichtspuren, die unser Auge zum Motiv (hier der Martinsturm) hin geleiten, sind auch immer wieder neu und sehenswert. Hier ist es unmöglich zwei gleiche Bilder zu schießen, denn jedes Auto fährt anders.


Zum Abschluss versuchte ich noch die Übung mit dem Einrahmen des Motivs durch die örtlichen Gegebenheiten. Und hier stellte sich mir bei der Bearbeitung auch gleich noch die nächste Frage: Farbe oder Schwarzweiß?

Ich finde, beide Bilder haben etwas.

Als die Kälte drohte, uns in alle Glieder zu fahren, waren die drei Stunden auch schon wieder vorbei. Wir gingen die Erfahrungen nochmal kurz durch und jeder zeigte sich begeistert, wie einfach die Nachtfotografie doch sein kann, wenn man nur ein paar Regeln einhält:
Alle Aufnahmen vom Stativ aus, kleine ISO-Zahl einstellen für wenig Bildrauschen, Fern-  oder Selbstauslöser verwenden, wenn nötig die Spiegelvorauslösung aktivieren um manuelle Unschärfen durch die Bedienung der Kamera auszuschließen und am Objektiv oder der Kamera den Bildstabilisator deaktivieren.
Bei gutem Kontrast der angestrahlten Gebäude kann der Autofokus sogar noch gute Ergebnisse bringen, so dass nicht in jedem Fall manuell fokussiert werden muss. Sollte es doch erforderlich werden, so empfiehlt es sich den Live-View der Kamera zu aktivieren und auf die maximale Vergrößerung der Anzeige zu gehen. Jetzt kann man auch in der Dunkelheit den passenden Bildausschnitt suchen und darauf manuell am Objektiv scharf stellen.

Wer die Bilder in voller Auflösung sehen möchte,  der kann dies in folgendem Online-Album tun: https://spark.adobe.com/page/ADvryqkBql8jK/

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss:
Ich habe mir vor Jahren schon angewöhnt, nach jedem Workshop ein kleines Fotobuch zu erstellen. So kann ich, so lange die Erinnerung noch frisch ist, die einzelnen Aufgaben und Versuche, welche ich unternommen habe, festhalten und über die Jahre die eigene Entwicklung in der Fotografie verfolgen.
Ich kann es Euch nur empfehlen, denn ich habe bei mir erhebliche Fortschritte über die Jahre gesehen, welche mich schließlich dazu gebracht haben, das Hobby bis hier hin zu vertiefen. Der Rückblick und die Erkenntnis der sichtbaren Verbesserung der Fähigkeiten motiviert ungemein.

Natürlich will ich damit nicht generell sagen, dass Lesen oder auch Video-Tutorials für die Weiterbildung ungeeignet sind. Das Entscheidende dabei ist nur, dass man danach auch raus gehen muss um das Erlernte anzuwenden. In so einem Kurs fällt es mir jedenfalls leichter, Neues auszuprobieren und ich habe die Gelegenheit direkt nochmal um Unterstützung oder einen Rat zu bitten. Das Machen macht*s!

In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du auch einen Kurs für Deine Belange findest und bei all Deinen fotografischen Vorhaben in nächster Zeit allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Wie plane ich mein Jahr?

Seit Anfang 2017 habe ich damit begonnen mir meine Ziele und Etappen zur Zielerreichung schriftlich zu fixieren. Ständig kamen mir neue Ideen in den Sinn-  natürlich am meisten im Zusammenhang mit dem Blog – und so musste ich ständig nachbessern und zugleich das im Auge behalten, was ich mir ursprünglich mal vorgenommen hatte.

Wenn man weiter kommen möchte, dann ist es schon von Vorteil, wenn man sich ein Ziel steckt und dieses zur Erreichung in kleinere Schritte oder Teilziele oder Meilensteine oder wie man es auch immer nennen möchte, untergliedert. Viele der großen Ziele werden erst erreichbar, wenn man sich selbst vor Augen hält, welche einzelnen Schritte man gehen muss, um am Ende – dem Erfolg –  anzukommen. Auch die längste Reise beginnt mit einem ersten, kleinen Schritt.

Als Plattform für die Notizen und ToDo-Listen benutze ich Evernote.
 Notizen kann ich so auch vom Handy aus erstellen oder ansehen, genau so wie zu Hause am Rechner. Überall habe ich immer den selben, aktuellen Stand.
Und wenn mir unterwegs eine neue Idee in den Sinn kommt, kann ich diese gleich an Ort und Stelle notieren. Das Handy hat man schließlich öfter dabei, als würde man ein Notizbuch mit sich rumschleppen.
Für größere Aktionen, wie z. B,. die Liste der Blog-Artikel-Ideen oder auch die Planung der Fotospots im Urlaub, nehme ich in Evernote jeweils eine eigene Notiz, die ich ergänze sobald mir wieder etwas einfällt oder ich neue Infos über interessante Motive erhalte. Und wenn man einmal damit angefangen hat, sich Notizen zu machen, merkt man erst, wie viel einem einfällt um es zu vergessen. Der Kopf ist überraschend frei für neue Inspirationen, wenn man sich sicher sein kann, das alles notiert ist und nichts mehr in Vergessenheit geraten kann.

Letztes Jahr war mein erster Eintrag auf der Liste eigentlich nur, dass ich mehr investieren wollte. Mehr investieren in die Fotografie und zwar nicht monetär, sondern in Zeit und Mühe beim Fotografieren selbst. Ich wollte mehr Anstrengungen unternehmen, um zu besseren Bildern zu gelangen. Das war mein primäres Ziel für 2017.
Dazu stellte ich an mich selbst die Anforderung, jeden Monat mindestens ein Mal bewusst zum Fotografieren zu gehen. Nicht einfach nur wandern gehen und dabei knipsen – sondern gezielt planen, was es Interessantes zu fotografieren gibt.  Ich notierte mir in jeder Zeile den Monat und da die Urlaubsplanung bereits fix war konnte ich auch schon gleich die ersten Zielbilder und Orte im Juni notieren.
Im Februar war ein VHS-Workshop gebucht – also war auch für diesen Monat schnell der passende Eintrag vorhanden.
Stück für Stück und Monat für Monat füllte ich die Liste auf – nicht alles was ich erledigt habe wusste ich am Jahresanfang schon. Aber durch die fortlaufenden Notizen war ich doch gezwungen, mich an die Vorgabe „jeden Monat einmal bewusst fotografieren gehen“ zu halten und nachzudenken, was es an Möglichkeiten im jeweiligen Zeitraum gibt.

Für dieses Jahr sieht es ähnlich aus. Die Liste ist noch ziemlich leer – ich bin mir jedoch sicher, dass ich mit dieser Technik auch heuer wieder viele interessante Punkte finden und erledigen werde.

Etwas Großes habe ich bereits Anfang Dezember begonnen: Ich nehme an einem 52-Wochen-Projekt teil. Somit ist auch gewährleistet, dass ich jeden Monat mindestens ein Mal bewusst fotografiere – genauer gesagt vier Mal, da ich ja  jede Woche eine Aufgabe aus der Challenge lösen muss. Gleichzeitig wartet jede Woche eine interessante Aufgabe, welche mir dabei hilft mich fotografisch weiter zu entwickeln.

Zielbilder und Meilensteine des Jahres werden die beiden geplanten Urlaube im Berchtesgadener Land und der Toskana werden. Hier habe ich in eigenen Kapiteln bereits Listen angelegt mit den Fotos, die ich auf jeden Fall mit Heim bringen möchte.

Auf einer eigenen Liste führe ich die Fotoideen mit, die ich im laufe des Jahres sammle. Nicht jedes Ausflugsziel kann gleich am nächsten Tag angefahren werden, doch eines Tages bin ich froh, wenn ich für das Wochenende noch ein paar Ideen in der Hinterhand habe.

Vielleicht kommt der Eine oder Andere von Euch ja auch auf die Idee und fixiert seine Planungen schriftlich. Ich habe jedenfalls festgestellt, dass ich seit dem mehr von den Sachen die ich „immer schon mal machen wollte“ auch tatsächlich in Angriff genommen habe. Die Bilder wurden mehr und besser und so habe ich auch zusätzlich noch den Erfolg des Ganzen überprüfen können.

Für die erfolgreiche Durchführung Eurer Projekte und Vorhaben in diesem Jahr wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

 

 

Jahresrückblick 2017 – Wer hätte das gedacht?

Das Jahr 2017 – was hat es gebracht?
Bevor ich in den Weihnachtsurlaub verschwinde möchte ich kurz mit Euch gemeinsam zurückblicken, denn am Anfang des Jahres hätte ich nie gedacht, was dieses Jahr alles mit sich bringt und das ich das Bloggen bis zum Ende des Jahres durchhalten werde.

Am Beginn des Jahres habe ich mir zu ersten Mal überhaupt eine ToDo-Liste angelegt. Ganz untypisch ist diese im Lauf des Jahres mitgewachsen – ich habe die Erfolge und die Ziele einfach das ganze Jahr über mitgeschrieben und ständig erweitert. Eigentlich sollte man sich ja vorab die Ziele vorgeben und dann an deren Erreichung arbeiten – aber da sich das Jahr so turbulent entwickelte, habe ich die Dynamik einfach in der LIste mit übernommen.

Im Frühjahr war ich wieder einmal zu einem VHS-Foto-Workshop angemeldet und neben so vielem kam mit mit einem Mal in den Sinn,, dass ich für mein Vorhaben einen eigenen Blog im Internet einzurichten ein Logo benötige. Kurzerhand habe ich einer Bekannten meine Kamera in die Hand gedrückt, mit der Bitte mich im Vorübergehen zu fotografieren. Ich wollte mich absichtlich als Silhouette vor dem hellen Hintergrund haben, also war heute der perfekte Tag dafür. Die Schwarzweiß-Umwandlung war am PC auch schnell geschehen – so hatte ich von der Idee zur Ausführung in weniger als einem halben Tag mein Logo erschaffen und gleich noch eine Visitenkarte bestellt.

Ende Januar war es dann soweit. Der erste Blogartikel erschien am 14.01. und ich hatte keine Ahnung, wie weit es mich bringen würde. Bis heute habe ich insgesamt 45 Beiträge veröffentlicht – jede Woche einen. Die ersten fünf Themen habe ich so im Kopf gehabt, das was weiter alles kam ist mir so nach und nach in den Sinn gekommen. Wieder habe ich, neben der ToDo-Liste, eine Themen-Liste geführt, die ich dann nach und nach abgearbeitet habe. Kurzfristige Sachen, wie z. B. Reviews habe ich spontan geschrieben und online gestellt. Die Rückmeldungen sind bisher kaum messbar, aber es macht Spaß, ich habe noch Themen und Ideen und so werde ich die Seite auch in 2018 erst einmal weiter führen.

Im Februar und April konnte ich endlich noch zwei Mal einen lang gehegten Wunsch wahr werden lassen: Ich begab mich mit zwei Fotoverrückten wieder nach München in die U-Bahn um zu fotografieren. Hieraus sind auch einige Blogeinträge entstanden, welche meine Begeisterung für diese Art der Fotografie widerspiegeln:
Grundlagen
Bahnhöfe Teil 1
Bahnhöfe Teil 2
Bahnhöfe Teil 3
Bahnhöfe Teil 4
Bahnhöfe Teil 5
Best of

Ebenfalls im Frühjahr hat der AKF Kaufbeuren die Bayerische Fotomeisterschaft ausgerichtet. Hier habe ich zum ersten Mal Bilder für eine große Fotoschau eingereicht und zu meiner eigenen Überraschung ist sogar die Annahme eines Bildes zur Jurierung dabei heraus gesprungen. Dieses Bild aus dem Eistobel hat es geschafft und wurde auch im Katalog abgedruckt.

Bei meinem Arbeitgeber der LEW Verteilnetz GmbH wurden meine Bilder von der Beleuchtungssarnierung in der Memminger Fussgängerzone von höherer Stelle wohlwollend zur Kenntnis genommen. Im der Folgezeit wurden diese in Artikeln im „LEW-Magazin“und in der Kommunalzeitung „LEW kommunal“ abgedruckt. Ich war mächtig stolz darauf, Bilder von mir in öffentlichen Publikationen abdruckt zu sehen.

Jetzt, pünktlich zum ersten Advent, bekam ich noch mit, dass ein weiteres meiner Bilder in einer Werbeanzeige Verwendung gefunden hat. Ich könnte stolzer nicht sein.

Der sog. „Youtube-Fotograf“ Stephan Wiesner startete einen Aufruf im Internet, damit Fotografen, die ihm folgten für ein geplantes Magazin Bilder und Plätze mit außergewöhnlichem Fotografiepotenzial ihm zukommen zu lassen. Ich meldete mich mit ein paar Bildern aus meinem geliebten Eistobel bei Isny und trotz anfänglicher Skepsis, da der Spot nicht in den Alpen lag, wurde ich mit einer Doppelseite belohnt für die ich den Entwurf des Textes gleich mitliefern durfte. Das Magazin hieß damals noch „go!“ , jetzt „Zielfoto“ und ist ausschließlich im Web-Shop bei Stephan Wiesner bestellbar.

In der Memminger Zeitung – lokaler Ableger der Allgäuer Zeitung – stand ein Aufruf an alle, doch Bilder vom Allgäu und der schönen Natur einzureichen. Arbeitskollegen, die mich und meine Bilder kannten, machten mich darauf aufmerksam und so habe ich im Mai ein paar Bilder eingereicht. Lange habe ich nichts gehört und ehrlich gesagt auch gar nicht mehr daran gedacht, bis mich im Oktober eine Bekannte benachrichtigte, dass sie ein Bild von mir in der Zeitung gesehen hat. Schnell bin ich noch an den Bahnhof gefahren und habe mir die Ausgabe gekauft – und tatsächlich war ganz unten links mein Bild vom allein stehenden Baum vor den Allgäuer Alpen abgebildet. Wieder eine Veröffentlichung, die mich stolz machte.

Da ich ja mittlerweile viel im Bereich Social Media unterwegs war habe ich über Facebook bei befreundeten Fotografen gesehen, dass es von der Zeitschrift Stern die View-Community gibt. Also habe ich mich hier auch einmal angemeldet und Bilder hochgeladen. In den ersten zehn Tagen habe ich direkt zwei Mal ein Bild des Tages abgeliefert.

Meine Hauptaktivitäten habe ich auf die Community von 500px gelegt. Seit 2016 poste ich dort jeden Tag ein Bild und habe mir dort eine Basis mit über 1700 Followern aufgebaut. Weihnachten 2015 hatte ich da mein erstes richtig erfolgreiches Bild mit dem Sonnenaufgang am allein stehenden Baum mit einer Bewertung von 97,8 von 100 Punkten.
Die Bewertung errechnet sich aus der Anzahl der Likes in den ersten 24 Stunden ab Veröffentlichung. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich noch keine hundert Follower – um so erstaunlicher war für mich die hohe Anzahl an Zustimmungen. Üblicherweise war ich damals froh über 90 Punkte zu kommen.. Seit ich die 1000er Grenze an „Folgern“ am 08.02.2017 überschritten habe, sind die Bewertungen konstant über 95 Punkte. Pro Monat bekomme ich im Schnitt 70 Follower dazu und das spornt mich immer weiter an, täglich ein neues Bild zu posten.

Um den Blog bekannter zu machen habe ich auf meinem Facebook-Account eine eigene Seite engerichtet, auf der ich ebenfalls jeden Tag ein Bild poste, aber auch die wöchentlichen Blogartikel vorstelle. Zusätzlich teile ich hier auch andere Beiträge aus der Welt der Fotografie sowie Beiträge die so zu sagen den Blick hinter die Kamera zulassen. Zwischen dem 01.06. und heute habe ich hier bereits über 120 Personen gefunden, die das regelmäßig lesen und kommentieren.

Bei meinen Ausflügen in den Münchener Untergrund wurde ich mit einem Mitglied des Memminger Fotoclubs bekannt gemacht. Neugierig wie ich bin, habe ich mir diesen dann im Frühjahr ein paar mal angeschaut. Die Bildbesprechungen und Aktivitäten haben mir dann so zugesagt, dass ich im Juli hier beigetreten bin und seitdem wieder vielen neuen Ideen entwickel konnte. Danke dafür allen, die mich so freundlich aufgenommen haben.

Da ich mittlerweile mit dem Schreiben in den „Flow“ gekommen bin und meine Liebe zur Fotografie von Wasser – im Besonderen im Eistobel – dieses Jahr so richtig aufgeblüht ist, habe ich mir jetzt im Herbst und für den Winter noch ein neues Projekt auferlegt. Ich bin dabei ein E-Book zu schreiben und hoffe, dass ich es auf der ToDo-Liste für 2018 auch sehr bald als erledigt abhaken kann.

Es bleibt also auch für nächstes Jahr spannend. Für dieses Jahr bedanke ich mich ganz herzlich für Euer aller Geduld und die Unterstützung, welche mir zu Teil wurde. Ich wünsche allen Freunden und Lesern eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Für all Eure fotografischen Vorhaben wünsche ich Euch natürlich auch heute wieder allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 2


Diese Woche bewegen wir uns weiter nach Osten, von Norden und Norddeich, auch ein Stück ins Landesinnere und wieder zurück an die Küste bis Harlesiel.

In Norddeich starten die Autofähren nach Norderney und Juist. Hier ist immer was los und bei gutem Wetter lassen sich auch tolle Aufnahmen von Norderneys weithin sichtbarem Wahrzeichen, dem Leuchtturm, machen. Auch in Norddeich reihen sich Hotels, Gaststätten und Fischbuden aneinander. Die hungrige Seele kann hier von allem etwas abbekommen. Frische Seeluft für die Lungen genau so, wie frischen Fisch für den Magen. Und natürlich finden sich hier auch Plätze am Deich, um einen schönen Sonnenuntergang einzufangen.
Norden ist die nordwestlichste Stadt Deutschlands und so etwas, wie der Hauptort hier oben. Auch hier sind Windmühlen zu bestaunen, auch wenn sich rund um eine ein Einkaufszentrum breit gemacht hat, was für mich etwas verwunderlich wirkt. Ein schönes Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und guten Gaststätten und einer kleinen Fußgängerzone lädt zum Verweilen ein. Im Tee-Museum z. B. kann man sich in alle Geheimnisse und Gepflogenheiten rund um den Ostfriesentee einweisen lassen. Mein Tipp zum Essen ist das Restaurant Minna. Hier gibt es eine kleine, feine Karte – sogar ein vom NDR prämiertes Gericht ist darauf zu finden.

Etwas weiter westlich finden wir das Schloss Lütetsburg, direkt an der alten Landstraße zwischen Norden und Hage.

Hier kann das Fotografenherz im Mai/Juni beinahe aus der Brust springen. Im Schlosspark wurde eine überbordende Anzahl von Rhododendren angepflanzt. Hier müssen im Frühjahr ganze Blütenwände stehen – leider war ich erst Ende Juni in der Gegend und die Blüte schon zum Großteil vorbei. Während der Blüte ist das Mitbringen des Makro-Objektivs Pflicht!
Weiter südwestlich im Landesinneren wartet noch ein Kleinod für den Makroliebhaber: das Ewige Meer.

Eine Moorlandschaft der Extraklasse. Blindschleichen, Salamander, Libellen, seltene Pflanzen – wer hier mit der Makro-Linse nicht fündig wird sollte sich ernsthaft ein anderes Hobby suchen. Ein wunderbarer Holzsteg führt mit einem Naturlehrpfad durch das Hochmoor. 90 Minuten sollte man mindestens einplanen – Fotografen natürlich entsprechend mehr!

Etwas weiter südlich, auch südlich von Aurich, befindet sich eine Gedenkstätte der alten Klosteranlage Ihlow. Stahl und Holz bilden die Pfeiler und das Gewölbe des einst größten Gotteshauses zwischen Bremen und Groningen nach. Wanderwege im Wald laden zum flanieren ein, die künstlerische Aufarbeitung der Vergangenheit lädt zum fotografieren ein. So ist für alle etwas dabei, die mit auf Reisen gehen.

Auf dem Weg nach Norden, zurück an die Küste, machen wir noch halt in einem Windkraftanlagen-Park.  Zwischen Westerholt und Esens gibt es eine begehbare Windkraftanlage – natürlich nur für Schwindelfreie!
Die Plattform befindet sich auf einer Höhe von 62 mt und ist über eine
297 Stufen zählende Wendeltreppe im Turm zu erreichen.
Oben angekommen findet man eine geschlossene Plattform mit schräg gestellten Fenstern vor, die bei guter Sicht einen Ausblick bis nach Holland zulässt. Wenn die Menge der Interessenten überschaubar ist, wird auch schon mal die Luke zum Generator und auch die Dachluke für den ungestörten Ausblick geöffnet. Da wurde allerdings selbst mir ein bisschen Mulmig.

Der Ausblick ist, wenn man es verträgt, jedenfalls überwältigend.

Auf unserem weiteren Weg an die Küste befinden wir uns meistens auf der norddeutschen Straße der Windmühlen. Dies bezieht sich jetzt jedoch auf die historischen Windmühlen und nicht die, zahlenmäßig stark überlegenen, modernen Windkraftanlagen.  In vielen kleinen Dörfern kann man sie besichtigen – ein paar wenige sind sogar noch in Betrieb.

Unterschiedlichste Bauformen treffen hier aufeinander. Viele Mühlen sind zwar mittlerweile von Häusern umringt, ein paar wenige stehen noch so frei, dass sich das Anhalten wirklich lohnt.
Auch hier gilt – bei Weitwinkelaufnahmen nicht zu sehr die Kamera nach oben richten, um stürzende Linien zu vermeiden. Man kann es aber auch absichtlich übertreiben und dies als Stilmittel einsetzen – jede Regel lässt sich brechen.
Bei den meisten Küstendörfern sind die Häfen hinter den Deichen geschützt schön angelegt bzw. restauriert. Ein Spaziergang entlang des Wassers lädt immer wieder zum Fotografieren ein – sind doch die unterschiedlichsten Boote und Schiffe am Kai festgemacht.
Bei all den Schönheiten darf auch das Dorfgeschehen ein paar Meter Abseits der Massen nicht vergessen werden. Wenn an den Flaniermeilen sich Besucherströme durch die Gassen drücken, ist im weiter innen liegenden Dorfkern oft auch noch einiges Fotogenes zu entdecken. Nicht selten durchziehen Grachten die Orte und bewegliche Holzbrücken dienen immer noch als Übergang und auch als Fotomotiv.
Ich könnte noch ein paar Wochen weiter schreiben, so sehr habe ich mich in diesen Küstenabschnitt verliebt. Durchwegs freundliche Menschen machen es einem leicht, hier den Urlaub zu verbirngen. Für Eure schönste Jahreszeit, den Urlaub, und die fotografischen Unternehmungen wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 1

Ostfriesland ist reich an Sehenswürdigkeiten. Der kleinste und der höchste Leuchtturm Deutschlands stehen nur 12 km auseinander. Der schiefste Turm der Welt steht ebenfalls hier und nicht in Italien. Berge von Rhododendren im Schloss Lütetsburg im Mai, die Silhouette einer Kirche im Wald – gewöhnliches und außergewöhnliches reihen sich hier in nächster Nähe aneinander; man muss nur noch die Reihenfolge festlegen und los geht’s. 

Fangen wir im Westen an und arbeiten uns ostwärts voran. An spannenden Orten zum Entdecken, Entspannen und Fotografieren mangelt es sicher nicht.

Emden beherbergt gleich zu Beginn jede Menge interessanter Motive – und ich meine jetzt nicht nur den Ottifanten, der sich mit seinem Kopf durch die Wand aus dem Otto – Huus schleichen will.

Gleich gegenüber ist der schöne Hafen an dem man sich den historisch anmutenden Schiffen nähern kann. Backsteinromatik, wohin das Auge schaut. In der Pelzerstrasse 12 beispielsweise wurde die alte Fassade schön restauriert. Im Inneren ist ein Café, in dem Menschen mit Handicap arbeiten.  So hilft ein Besuch und die Einkehr auch noch einem guten Zweck. Und der Ostfiesentee ist wirklich sehr gut!
Fototechnisch ist bei Architekturbildern hauptsächlich darauf zu achten, dass das Objektiv nicht zu stark nach oben gerichtet wird. Wenn im Weitwinkelbereich hier übertrieben wird, dann entstehen die unschönen „stürzenden Linien“ – eigentlich aufrecht stehende Häuser und Türme sehen dann so aus als würden sie nach hinten stürzen.

14 km weiter westlich ist der Knock – der nordwestliche Zipfel Deutschlands. Hier kann man über den Dollart quasi nach Holland spucken. Der alte Fritz steht am Ufer und wacht darüber, dass der Konsum von Tee und Kaffee nicht überhand nimmt.
Hier kann es sehr schöne Sonnenuntergänge geben, welche im Zusammenspiel mit den vorhandenen Figuren und Gebäuden alles bieten werden, was ein Bild braucht: Vordergrund, die Bildmite und der Sonnenuntergang im Hintergrund. 

Der Kirchturm in Suurhuusen, 6 km nördlich von Emden, welcher eine Schräglage von 5,19 Grad aufweist ist der wirklich schiefste auf Erden. Ganz egal, was die Italiener immer behaupten, der berühmte Turm in Pisa hat nur 3,97! Das alles und der höchste deutsche Leuchtturm in Campen (für meinen Geschmack ein hässlicher Stahlturm ohne „Seele“) ist im Umland von Emden zu finden.

Der kleinste Leuchtturm Deutschlands ist wahrscheinlich auch gleichzeitig der bekannteste. Otto Waalkes hat ihn in seinen Kino–Film „Otto der Ausserfriesische“ 1989 eingebaut und ihm so zu Weltruhm verholfen. Der Pilsumer Leuchtturm ist lediglich 15 mt hoch und somit der kleinste aller Leuchttürme hierzulande. Das für die Schifffahrt wichtige Leuchtfeuer befindet sich gar nur auf 11 Metern. Zu beachten gilt hier, wie an fast allen Deichabschnitten, dass das Mitführen von Hunden wg. der Schafhaltung strengstens verboten ist.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt Greetsiel. Ein malerischer Ort mit seinen engen Gassen und kleinen Grachten. Am Ortsrand gleich gegenüber dem Parkplatz begrüßen einen die Zwillings-Windmühlen – das Wahrzeichen von Greetsiel.

Der Ortskern ist autofrei und so ist dem gemütlichen Flanieren nichts im Weg. Zahllose Lokale und Gaststätten laden zum Genießen und Verweilen ein. Nirgends schmecken Fisch und Krabben so gut, wie hier – direkt an der Küste.
Schön ist es hier vor allem in der endlos erscheinenden Abenddämmerung bis zur blauen Stunde. Herrliche Pflasterstraßen und beleuchtete Gebäude geben einen tollen Rahmen für stimmungsvolle Bilder.

Immer wieder interessant ist auch der Ausblick aufs Meer. Von fas allen Stellen an der Küste ist immer mindestens eine der vorgelagerten ostfriesischen Inseln zu sehen.  Von Borkum ganz im Westen vor Holland bis Wangerooge ganz im Osten – immer hat man „Land in Sicht“.

Das nächste Mal führt  uns unsere Rundfahrt von Norden/Norddeich bis nach Harlesiel – und einmal gehen wir dabei sogar noch hoch hinaus! In diesem Sinne wünsche ich Euch bis nächste Woche alles gute und für die Fotos allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

 

Reisebericht Urwald Sababurg

Knapp südlich des Teutoburger Waldes, im nordhessischen Landkreis Kassel liegt der Urwald Sababurg, auch als Urwald im Reinhardswald bekannt.  Er ist ein unter Natur- und Landschaftsschutz stehendes und aus einem Hutewald hervorgegangenes Waldgebiet und zugleich -biotop. In seiner urwüchsigen Form ist er für ganz Mitteleuropa einzigartig.  Er steht seit 1907 unter Schutz und ist damit Hessens ältestes Naturschutzgebiet.

Der „urige“ Charakter des 92 ha[ großen „Urwaldes“ wird geprägt von alten Hutebäumen. Die mächtigen, knorrigen „800 bis 1000-jährigen Eichen“ und dick- oder mehrstämmigen Buchen sind Zeugen einer jahrhundertelangen Bewirtschaftung. Zudem wächst „meterhoher Farn“, was ihm zudem einen ganz eigenen Charme verleiht. Hutewälder dienten früher als Waldweide für die landwirtschaftlichen Haustiere, u. a. Schweine. Im Wald stehen viele alte Eichen und Buchen, die jeder für sich schon ein Naturdenkmal darstellen.

Der Urwaldcharakter wird dadurch verstärkt, das in diesem Bereich seit über 100 Jahren die Pflanzen sich selbst überlassen werden und der Mensch nur im äußersten Notfall eingreift. Überall liegen Totholz und Ruinen mächtiger Bäume, welche im Lauf der Zeit wieder selbst ein Teil der urigen, sich selbst erneuernden Natur werden. Durch diese Maßnahmen entsteht ein einzigartiger Lebensraum für viele Tiere, Pilze und Pflanzen.

Heutzutage zieht er neben Wanderern vor allem Maler und Fotografen an. Auf den gut gepflegten Wegen lässt sich hier die Natur in ihrer ursprünglichsten Form bestaunen. Die wenigen morastigen und feuchten Stellen wurden mit Holzstegen begehbar gemacht, so dass eigentlich jeder, selbst mit Kinderwagen, in den Genuss dieses Spektakels kommen kann.

Es gibt drei markierte Rundwege, die für alle Altersklassen etwas bieten. Die Länge ist mit 1,8 km für den kurzen und 4 km für den längsten angegeben, so dass es selbst für gehfaule keine Ausrede geben dürfte, sich hier der Natur ganz hin zu geben. Wem das zu wenig ist, kann noch den angrenzenden Tierpark besuchen und sich noch das Schloss Sababurg mit ansehen.

Alles in allem ein lohnender Ausflug in Deutschlands Mitte, wir haben hierfür eigens unsere Heimfahrt von Ostfriesland ins Allgäu unterbrochen. Für  zukünftige Wanderungen und Fotoausflüge wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Harz: Die Teufelsmauer bei Thale

Spricht man einen Harzer auf die Teufelsmauer an, so kann es durchaus passieren, dass man zunächst nach Blankenburg geschickt wird. Hier gibt es nämlich eine offizielle Wanderroute mit dem Namen „teuflischer Wanderspass„. Den Bildern auf der Webseite der Tourismusinfo von Blankenburg  ist aber zu entnehmen, dass die beschriebenen bizarren Felsformationen, verwitterten Gesteine und markanten Klippen relativ stark mit Bäumen eingewachsen sind. Immer wieder durchbrechen die Steinformationen zwischen Blankenburg und Thale das ansonsten eher landwirtschaftlich geprägte Harzvorland.

Mein Ziel war eher der Abschnitt der Mauer bei Thale – genauer gesagt Weddersleben. Hier war aus Google Maps bei der Recherche ersichtlich, dass die Steine relativ frei in der Landschaft stehen und ich mir so für den geplanten Sonnenuntergang interessante Hintergründe für die Bilder erhoffte. Leider spielte mir das Wetter nicht in die Karten – die Sonne zeigte sich überhaupt nicht, so dass mir nichts übrig blieb, als den Himmel dramatisch in Szene zu setzen.

Die Sage um die Teufelsmauer handelt davon, dass zwischen dem Teufel und Gott eine  Wette lief, bei der Gott dem Teufel das Land als Gewinn versprach, welches der Teufel binnen einer Nacht mit einer Mauers umgeben konnte.

Zwischen Weddersleben und Warnstedt reihen sich auf einer Länge von zwei Kilometern der Königsstein, die Mittelsteine und die Papensteine aneinander.  Um deren Abbau zu verhindern wurden die Felsirppen bereits 1833 und 1852 unter Schutz gestellt. Der Abschnitt bei Weddersleben ist außerdem seit 1935 als Naturschutzgebiet gesichert und zählt damit zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands.

Gut beschildert und exzellent ausgebaute Wege und Absperrungen erleichtern es einem, die Gegend zu erkunden. Man kommt sich zwischen all den unwirklich erscheinenden Formen schon ein bisschen ausserirdisch vor. Durch die Lage eignen sich sowohl der Sonnenauf- als auch der Sonnenuntergang für schöne, farbenprächtige Aufnahmen der Felsen im Widerschein des Lichts. Über die bekannten Hilfsmittel für Fotografen lassen sich bequem die optimalen Zeiten für diese Art Bilder übers Jahr bestimmen (z. B. PhotoPills oder Sun Surveyor). Was fehlt ist dann nur noch das passende Wetter – so, wie bei mir…

Ich wünsche Euch für Eure Vorhaben wie immer gutes Gelingen und allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Harz: Die Bodefälle bei Braunlage

Christine fragt mich eben noch, ob sie mir das Stativ abnehmen soll, ich bin aber voll konzentriert dabei die letzten Aufnahmen für das Panorama des Wasserfalls zu machen und reagiere nicht auf ihr Angebot. Also nehme ich Stativ samt Kamera selbst in die Hand, drehe mich um und suche mit den Augen die Steine nach einem gangbaren Weg ab. Der erste Schritt gelingt noch, aber beim nächsten komme ich auf der glitschigen Oberfläche ins rutschen und merke, wie in Zeitlupe, dass ich in Schieflage komme und das Gleichgewicht verliere. Rechts hinten das Smartphone in der Gesässtasche. Links vorne die Kamera auf dem Stativ in der Hand. Ich taumle nach links – vorsicht, die Kamera darf mir nicht entgleiten – ich wanke nach rechts – nur nicht nach hinten fallen! Nach einer gefühlten 360 Grad Wendung schlage ich rechts mit dem Oberschenkel zwischen 2 Felsen ein. Platsch – Hose und Schuhe durchnässt, leichte Prellungen der Weichteile unterhalb der Hüfte, aber das Equipment ist heil geblieben. Am Abend bei der Sichtung der Bilder weiß ich aber sofort: das Panorama war jede Mühe und jeden blauen Fleck wert. 

Die Bodefälle befinden sich nordöstlich von Braunlage am Oberlauf der Warmen Bode. Vom Grossparkplatz an der Wurmbergbahn aus sind der untere und der obere Wasserfall bequem auf guten Wanderwegen zu erreichen. Granitblöcke bilden die Grundlage, damit das Wasser tosend und in Kaskaden in die Tiefe rauschen kann. Der Weg führt, selten weit vom Wasser entfernt, beschattet durch die umstehenden Bäume leicht ansteigend immer tiefer in den Nationalpark Harz hinein. Feste Schuhe sind die einzige Voraussetzung, um hier gut voran zu kommen. Der Weg ist gut ausgeschildert und so kann sich der Fotograf ganz auf die herrliche Natur konzentrieren, um die beste Perspektive für seine Bilder zu finden. Die örtlichen Gegebenheiten laden förmlich dazu ein, immer wieder Wege in die Bode zu suchen, um möglichst nahe an den Windungen des Wassers zu sein.

Der Lauf des Wassers wird auch diesmal am besten mit Langzeitbelichtungen festgehalten. Aus dem Bericht der letzten Woche vom Ilsetal wissen wir ja noch, wie einfach es ist trotz aufgesetztem Filter eine  korrekte Belichtung zu erzielen. Hier kann man ja auch mal ins experimentieren verfallen und beispielsweise ein Panorama eines der Wasserfälle oder bei, geeigneten Lichtverhältnissen, ein HDR-Bild aus unterschiedlich belichteten Aufnahmen der gleichen Szene erstellen .

Ganz korrekt müsste für ein Panorama die Kamera auf dem Stativ mit einem Nodalpunktadapter montiert werden. Dieser Adapter sorgt für eine korrekte Drehung der Kamera und vermindert damit Verzerrungen, da der Sensor nicht genau über der Stativschraube sitzt und so die Drehung hinter dem Sensor statt findet. Auffallend ist es auf jeden Fall in der Architektur, hier im Harz am Bachlauf wird die eventuell entstehende Verzerrung so gering sein und durch die natürlich vorhandene Unebenheit von Mutter Natur nicht ins Auge fallen.

Immer wieder kann man die Felsen im Bach gut zu Fuss erreichen und so die Bilder dramatisch komponieren. Entsprechende Vorsicht natürlich  vorausgesetzt – damit nicht, wie eingangs beschrieben, Mensch oder Technik zu Schaden kommt. Sicherheit geht auf jeden Fall immer vor Dramatik.

Man möchte nicht glauben, wie schnell hier zwei, drei Stunden vergehen und man immer noch das Gefühl hat, nicht alles fotografiert zu haben. Für die Wanderzeit und die damit verbundenen Fotoausflüge wünsche ich Euch allen natürlich, wie immer, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter