Langzeitbelichtung – wie lange ist lang genug?

Bei der Langzeitbelichtung scheiden sich oft die Geister und keiner kann genau sagen, wie lange die Langzeitbelichtung eigentlich sein soll und ab wann ist eine Belichtung eine Langzeitbelichtung?
Abgesehen von den persönlichen Vorlieben gibt es tatsächlich kein Richtig und kein Falsch. Jeder muss für sich selbst und für seinen Geschmack den passenden Stil finden.
Tatsache ist, dass Wasserfälle und Kaskaden in den Schluchten oder einer Klamm je nach Bildaussage mit allen möglichen Geschwindigkeiten fotografiert werden können. Bei schnellen Verschlusszeiten wirken die Wassertropfen wie eingefroren und können z. B. bei einem eingezoomten Detailbild auch sehr toll aussehen.

Ich habe eine Serie mit Bilder unterschiedlicher Belichtungszeiten erstellt und kann anhand derer die Effekte, welche durch die Verlängerung der Verschlusszeit entstehen, anschaulich machen.

Das erste Bild wurde ohne Filter aufgenommen. Da es zum Zeitpunkt der Aufnahme schattig war konnte ich mit ISO 100 und Blende 11 bereits eine Verschlusszeit von 1/10 Sekunde erzielen. Schon mit dieser Belichtungszeit vom Bruchteil einer Sekunde und einer relativ schnellen Fließgeschwindigkeit kann man bei dem Ergebnis von einer Langzeitbelichtung sprechen. Das Wasser hat schon weiße Schlieren und sieht seidig weich aus. Etwas Struktur ist noch vorhanden, was der Spannung im Bild gut tut. Je nach Wassermenge und Fließgeschwindigkeit können bereits bei solchen Belichtungen die Effekte einer Langzeitbelichtung sichtbar werden.

Anschließend habe ich den Pol-Filter aufgesetzt und die Belichtungszeit verlängerte sich hiermit bereits auf 1/4 Sekunden. Ich habe aktuell eine Anfrage erhalten, ob denn die Verwendung eines Polfilters überhaupt Einfluss auf die Verschlusszeit nimmt. Durch dieses Beispiel wäre belegt, dass der Polfilter eine Verlängerung der Belichtung von ein bis zwei Blenden bewirkt (Verdoppelung bis Vervierfachung der Zeit).
In vielen Fällen kann dies bereits ausreichen, um den gewünschten Effekt zu erhalten. Ein Polfilter kommt bei mir im Zusammenhang mit Wasser so gut wie immer zum Einsatz. Er nimmt der Wasseroberfläche den Glanz und mindert Reflektionen. So wird die Wasseroberfläche an vielen Stellen wieder durchsichtig und die Steine auf dem Grund werden sichtbar, was dem Bild zu wesentlich mehr Detailreichtum und Tiefe verhilft.

Dann steckte ich zusätzlich noch einen ND 2 Filter vor den Polfilter. Jetzt kam ich schon auf eine Belichtungszeit von 1 Sekunde. Die Flächen mit dem weißen Schaum werden größer und länger, so dass vom Grund des Baches nicht mehr viel zu erkennen ist. Hier ist für meinen Geschmack für diese Art Bilder die Grenze erreicht. Stärkere Filter braucht es da meiner Meinung nach nicht mehr.

Das nächste Bild wurde mit einem ND 8 Filter aufgenommen und wurde 2 Sekunden belichtet. Das Wasser ist jetzt komplett glatt gezogen und hat jegliche Struktur in den Wellen verloren. Wenn wenig Wasser im Bach oder das Gefälle so gering ist , dass das Wasser nur sehr langsam fließt, kann es durchaus erforderlich werden mit Belichtungen um die zwei Sekunden zu experimentieren. Lieber sicherheitshalber eine Aufnahme mehr machen, als zu Hause festzustellen, dass der Zeitraum noch nicht lang genug gewählt wurde.

Das letzte Bild wurde mit einem ND 64 Filter aufgenommen und hat dann bereits 15 Sekunden Belichtungszeit gebraucht. Das Wasser sieht gegenüber der 2 Sekunden Belichtung nicht anders aus, so dass sich aus der Verlängerung der Verschlusszeit meiner Meinung nach kein Vorteil mehr ergibt. Es ist also mehr oder weniger Zeitverschwendung auf zu lange Belichtungen zu warten.

Selbstverständlich gibt es für diese Art der Fotografie auch Möglichkeiten der Verwendung. Verschlusszeiten von 30 Sekunden und darüber bringen beispielsweise an einem See oder am Meer traumhaft minimalistische Bilder hervor. Ein Stein oder eine Reihe von Buhnen am Strand werden bei diesen langen Zeiten malerisch vom absolut glatt gezogenen Wasser umspült, so dass sich hier ein meditativer Ansatz erreichen lässt.

Die hier beschriebenen Zeiten wurden von mir bei völlig bewölktem Himmel in bewaldeter Umgebung erzielt. Bei Sonnenschein kann der Einsatz von stärkeren Filtern zur Erreichung der Belichtungsverlängerung erforderlich werden. Dies gilt es immer im Einzelfall herauszufinden. Jeder Ort und jede Tageszeit mit der veränderten Belichtungssituation erfordert auch ein Anpassen der Filter bzw. der Blende und Belichtungszeit.
Wichtig ist, dass man mit Stativ und der geringsten ISO-Zahl an die Aufgabe heran geht. Bei weitwinkligen Aufnahmen (z. B. 24 mm) wird mit Blende 11 in der Regel so ziemlich alles im Bild scharf abgebildet.
Von hier ab wird der Normalwert der Belichtung abgelesen und dann mit den passenden Filtern die gewünschte Verschlusszeit herbeigeführt.
Am besten nimmt man sich mal einen Nachmittag Zeit und nimmt seine Ausrüstung mit an einen geeigneten Bachlauf und versucht sich mit den unterschiedlichsten Belichtungszeiten – bis einem das Ergebnis gefällt…

Ich wünsche Euch jetzt ganz viel Spaß beim Experimentieren und vor allem allzeit gutes Licht für die erhofften Bilder

Werner Kutter

Das Bodetal bei Thale

Thale ist rund um die Walpurgisnacht Mekka der Hexen und Magier. Hier liegt der berühmt berüchtigte Hexentanzplatz von dem aus der Sage nach die alten Weiber auf ihren fliegenden Besen in Richtung Brocken starten um dem Teufel zu huldigen. Rund um den Bahnhof in Thale kommt alles zusammen. Hier sind die Parkplätze angelegt und auch der Eingang zur Thale Erlebniswelt mit Hochseilgarten, Seilbahnen und Infopavilliions.

Und hier tritt die Bode aus dem Harz heraus und ergießt sich über Quedlinburg bis in die Magdeburger Börde. Das Bodetal ist wildromantisch und beherbergt noch eine weitere Sage. Gegenüber dem Hexentanzplatz besteht der Aussichtspunkt um den eine märchenhafte Geschichte erzählt wird.
Demnach verfolgte einst Ritter Bodo von Böhmen die Königstocher Brunhilde, die auf ihrem Schimmel vor der ungewollten Vermählung floh. Just an der Stelle setzte die Prinzessin zum Sprung über die Schlucht an und überwand den Abgrund unter Verlust ihres Krönchens. Der Verfolger stürzte in die Tiefe und wurde in einen schwarzen Hund verwandelt, der seitdem die Krone bewacht. Zudem gab der Ritter dem Fluss seinen heutigen Namen. Im Fels ist bis heute der Abdruck des Pferdehufs zu bestaunen – so stark war das Tier bei seinem Absprung gegen den Granit getreten. Unten im Tal kann man heute in der Gaststätte Königsruhe eine kleine Brotzeit genießen und sich dem Flair dieses reizvollen Abschnitts hingeben.

Der einfache Wanderweg folgt der Bode mehr oder weniger stetig. Im Bereich der Teufelsbrücke müssen einige Steigungen überwunden werden, so dass der Weg etwas oberhalb des Bachlaufes entlangführt. Wer möchte und gut zu Fuß ist kann die Strecke bis Treseburg laufen und von dort mit dem Bus wieder nach Thale zurückfahren.

Ich habe die zahlreichen Gelegenheiten dazu genutzt, um wieder einmal Langzeitbelichtungen zu machen. Hierfür ist natürlich ein Stativ unbedingt erforderlich, da es unmöglich ist die Kamera so lange still zu halten. Alternativ kann die Kamera auch auf einer Brüstung oder Felsblock oder Ähnlichem abgelegt werden – dann sind allerdings die Möglichkeiten stark limitiert.

Ich verwende hauptsächlich Rechteckfilter mit 100 mm Breite. Um die Spiegelung des Wassers etwas abzumildern verwende ich in fast allen Fällen einen Polfilter. Mit diesem lese ich dann die erforderliche Belichtungszeit an der Kamera ab und setzte dann zusätzlich, nach Bedarf, noch Neutraldichtefilter (ND-Filter) davor.

So komme ich schnell auf Belichtungszeiten zwischen einer und vier Sekunden, was für den von mir gewünschten Effekt sehr gut ausreicht.

Ich wünsche Euch für die Wanderung gutes Wetter und für die Bilder allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Durch den Gunzesrieder Tobel

Ich wusste lange nicht, dass es im Gunzesrieder Tal außer dem Ostertal Tobel noch ein weiterer existiert. Ein guter Kollege brachte mich drauf, dass man vor Gunzesried Richtung Norden auch durch einen Tobel zur Alpe Derb wandern und dort sehr gut Einkehren kann .

Gesagt getan sind wir an einem schönen Sonntag losgefahren und haben den Parkplatz direkt am Ortseingang von Gunzesried angesteuert. Gegenüber steht auch schon das Törchen, welches den Eingang zu dieser Wanderung markiert.

Zunächst läuft man über eine Wiese bis zur Gunzesrieder Ach um dann im weiteren Verlauf den Gunzesrieder Tobel – auch Haldertobrel genannt – zu erreichen. Gleich zu beginn stürzt die Ach eine Treppe in den folgenden Tobel hinab. NIcht besonders tief und doch sehenswert.

Der Weg führt mehr oder weniger direkt am Wasser entlang. Immer wieder kommen auch Stellen, an denen die Ach weniger wild über die Felsen schießt und an denen man sogar baden könnte – wenn man kaltes Wasser mag.

Ich werde aber natürlich wie magnetisch von den Stromschnellen und wasserumspülten Felsblöcken angezogen. Immer wieder baue ich die Kamera auf und versuche möglichst nahe ans Wasser heranzukommen, um mehr Dramatik im Bild einzufangen.

Ich habe nämlich festgestellt, dass je näher man der Wasseroberfläche ist, desto spannender wirkt die Szene auf den Betrachter. Am besten ist es, wenn das Wasser direkt auf einen zu fließt.

Deshalb habe ich bei diesem Spaziergang auch auf ein Stativ verzichtet und nur mein Platypod mit Kugelkopf mitgenommen. Ein sog. „Bohnensack“ oder ähnliches, um die Kamera auf dem Boden abzulegen, tut es natürlich auch.

Wie immer kommen wir nur sehr schleppend voran und Frau und Hund müssen wieder sehr viel Geduld mit dem Mann aufbringen. Immer wieder finde ich unterwegs Gründe um anzuhalten und die Kamera auszurichten. Im Zusammenhang mit Wasser benutze ich generell einen Polfilter und je nach Lichtsituation zusätzlich einen ND-Filter. Der Polfilter hat die Eigenschaft die Spiegelung im Wasser herauszufiltern und so kann man die Steine am Grund des Baches gut sehen, was dem Bild einen schönen Vordergrund beschert.

Der ND-Filter wirkt wie einen Sonnenbrille vor dem Objektiv. So kann weniger Licht auf den Sensor durchdringen und die Verschlusszeit muss verlängert werden, was den seidigen, weichen Effekt meiner Bilder erklärt. Selten nutze ich mehr als ND 8 (8-fache Verdoppelung der Belichtungszeit), da mehr als 5 Sekunden Belichtungszeit bei fließendem Wasser nichts mehr bringt.

So folgen wir immer weiter dem Weg, überqueren die Gunzesrieder Ach ein paar mal, bis nach einem weiteren kleinen Wasserfall der Wegweiser zur Alpe Derb uns bergan marschieren lässt.

Nach intensivem Anstieg sitzen wir endlich in der Alpe Derb und verspeisen einen hervorragenden Käsesalat (das Pendent zum Wurstsalat nur ohne Wurst). Da hier alles so wunderbar duftet und aussieht machen wir die Kaffeepause gleich noch hintendrein und zum Nachtisch gibt es noch leckeren hausgemachten Kuchen.
Schweren Herzens und vollen Magens machen wir uns wieder auf den Weg zurück. Zuerst gehen wir ein wenig auf der Straße bevor wir bei der Aussiedelei Reute wieder zur Gunzesrieder Ach absteigen. Ab etwa der Mitte der vorherigen Strecke gehen wir auf dem alt bekannten Weg zurück und kommen ohne weitere Bilder zu machen diesmal deutlich schneller voran.

Für Eure Wanderungen in der freien Natur wünschen wir Euch immer das beste Wetter und für tolle Bilder natürlcih allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Der Unterschied zwischen Pol- und ND-Filter


Beim Einsatz von Filtern in der Natur- und Landschaftsfotografie fragt man sich oft: Was bringt das eigentlich? Heute möchte ich Euch anhand von Bildern zeigen, wie die beiden Filtertypen Polfilter und ND-Filter eingesetzt werden können und was sie bewirken.

In meinen Beispielen beziehe ich mich auf die Wirkung der Filter um die Verschlusszeit zu verlängern und so Langzeitbelichtungen möglich zu machen. Warum möchte ich das jetzt haben? Weshalb soll ich mit längerer Verschlusszeit fotografieren?
Wir begeben uns zur Beantwortung dieser Frage in den Nationalpark Harz nach Niedersachsen. Hier am Oberlauf der Warmen Bode habe ich Bilder des fließenden Wassers ohne jeglichen Einsatz von Filter gemacht.
Mir ist klar, dass es sich mit den Bildern von fließendem Wasser verhält, wie mit allem in der Fotografie: der persönliche Geschmack entscheidet. Mir gefallen die Bilder an sich ganz gut, jedoch fehlt mir bei der Ansicht des Wassers, wie es über die Felsen schießt und sich um die Blöcke windet, das gewisse Etwas.

Diese Aufnahmen sind für mich zu gewöhnlich, denn jeder Spaziergänger mit einem halbwegs modernen Smartphone kann solche Aufnahmen machen. Dafür braucht es keine Spiegelreflexkamera und keine besonderen Kenntnisse über die Belichtungstechniken in der Fotografie. Das sind lediglich Schnappschüsse,  die heute jeder im vorbei gehen knipst.

Also: Stativ raus, Kamera drauf geschraubt und mal den ND-Filter ausprobieren.
Der ND-Filter (Neutraldichtefilter oder auch Graufilter) kann direkt auf das Gewinde vorne am Objektiv geschraubt werden oder auch über Adapter und Aufnahmevorrichtungen als Rechteckfilter vors Objektiv geschoben werden.
ND-Filter sind vereinfacht beschrieben, eine graue bis schwarze Scheibe, die es in unterschiedlichen Stärken gibt, welche dann jeweils die Lichtmenge, welche durchs  Objektiv auf den Sensor trifft, reduziert.
Ich besitze ND 8, ND 64 und ND 1000 Filter, welche je nach Einsatz einzeln verwendet werden. Je heller die Umgebung und/oder je länger die Verzögerung ausfallen soll, um so höher muss die Zahl auf dem Filter sein. Für minutenlange Langzeitbelichtungen am Tag, um z. B. Menschen aus Bildern verschwinden zu lassen, wird mindestens der ND 1000 fällig.
In meinem Fall hatte ich Glück, denn es war ein bedeckter Tag und ich war umgeben vom Wald des Harz, so dass es schon von vorne herein nicht allzu hell war.
Mit dem ND8 Filter kann die Belichtung bereits so viel verlängert werden, das auf dem Wasser feine, weisse Schlieren entstehen. Belichtungszeiten von 1 bis 2 Sekunden reichen völlig und schon umschließt  das Wasser seidenweich die Felsblöcke.

Allerdings tritt jetzt auch ein zweiter Effekt in Erscheinung :die Oberfläche des Wassers spiegelt und lässt uns den Grund des Bachs nicht mehr erkennen.  Wen dies stört, der greift einfach zum nächsten Filter : der Polarisationsfilter. Diesen verwende ich jetzt aber nicht zusätzlich,  sondern anstatt dem ND-Filter. Die Abdunklung ist geringer als beim ND 8, dies kompensiere ich dadurch, dass einfach die Blende weiter gescllossen wird. Und wie gesagt: schon 1 Sekunde reicht.  Im folgenden Bild verwendete ich den Polfilter bei Blende 16 und erreichte die gewünschte Belichtungszeit. Dann wird vor dem Auslösen der Ring am Filter so weit gedreht,  bis das Wasser wieder durchsichtig wird.

Die genauen physikalischen Eigenschaften des Filters kann jeder selbst u. a. auf Wikipedia  (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Polarisationsfilter) nachlesen. Was wirklich jeder wissen muss sind die Einsatzmöglichkeiten des Filters:
1. Das Entfernen unerwünschteer Spiegelungen.  Das funktioniert sowohl bei Wasser als auch bei Glas.
2. Das Verstärken von Farben bei Sonnenschein.
Allerdings muss hier für den vollen Effekt ein Winkel von 90 Grad zwischen Sonne un Linse eingehalten werden.  Das bedeutet,  nur wenn Dir die Sonne auf die Schulter scheint, kannst Du den Effekt nutzen. Sonne von vorne oder hinten – keine Chance.

Hier nochmal zum Vergleich die drei Varianten nebeneinander: von oben nach unten: ohne Filter, ND-Filter, Polfilter

Generell ist beim Kauf der Filter schon auf Qualität zu achten, denn die günstigen No-Name-Produkte hinterlassen schnell einen Farbstich auf den Aufnahmen, welcher dann hinterher wieder mühsam entfernt werden muss. Ich hatte am Anfang auch günstige, bin jetzt vor kurzem auf Filter von Haida umgestiegen. Frei nach dem Motto : wer billig kauft kauft zwei mal.

Ich hoffe,  die kurze Einführung war hilfreich und wünsche euch,  wie immer, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Langzeitbelichtung an einem Bach…


… am Beispiel Eistobel bei Isny:

Der Eistobel ist ein Abschnitt der Oberen Argen bei Grünenbach, südlich von Isny.  Kaskaden, Wasserfälle und Strudellöcher machen den besonderen Reiz des Eistobels aus. Genauere Informationen zu Öffnungszeiten und Geologie bietet die Seite http://eistobel.de.

Ich habe dem Eistobel zwei Besuche zum fotografieren abgestattet und kann sagen, dass es sich zu jeder Jahreszeit lohnt, sich hier ein bisschen mit Fotowandern die Zeit zu vertreiben.


Im Herbst glänzt die Gegend dank der Laubbäume auch mit einem schönen Farbenspiel im umgebenden Wald. Ab dem Parkplatz an der Argentobelbrücke kann der Abstieg in die Schlucht in Angriff genommen werden. Es sei hier gleich von vornherein darauf hingewiesen, dass auf Grund des Geländes die Wanderung nur mit festem Schuhwerk und Trittsicherheit durchgeführt werden sollte.
Schon hier empfängt einen der Mischwald mit seinen Formen und Farben – der Blick sollte jedoch stets auf den steil nach unten führenden Weg gerichtet sein, gilt es doch knapp 100 Höhenmeter zu überwinden.


Unten an der Argen angekommen deutet zunächst nichts auf irgendetwas spektakuläres hin. Jedoch ist an den Wochenenden bei schönem Wetter anhand der Besucherströme schnell klar: Da kommt noch was.
Man wandert auf gut gepflegtem Weg flussaufwärts und hat das kühle Nass stets an seiner linken Seite.

Die eigentliche Spielwiese zum fotografieren ist dann zwischen den ersten Wasserfällen und dem sog. Zwinger. Hier ist das Gelände so erschlossen, dass man quasi in den Stromschnellen seine Kamera aufbauen kann und tolle Motive findet.
Weiter als bis zum Zwinger (ein Eisensteg welcher über die Felsbrocken führt) bin ich noch nicht gegangen, da mir die sich bietenden Möglichkeiten in diesem Bereich genügten.
Hier gibt es so viele Positionen, dass man direkt erschlagen wird von allen Möglichkeiten.

Über den schmalen Nebenlauf kann auch ein Stativ aufgestellt werden, so dass dort auch tolle Effekte erzielt werden können.
Ich habe für diese Bilder mit dem seidigen Wasser lediglich einen Polfilter verwendet und die Blende auf die kleinst mögiliche Öffnung eingestellt um eine längere Belichtungszeit bei ISO 100 zu erreichen. Mit Zeiten zwischen einer und vier Sekunden sind die Effekte ausreichend und den Polfilter drehe ich so, dass störende Spiegelungen des Wassers ausgeschlossen werden.
So kann man noch die Struktur der unter Wasser liegenden Steine erkennen und das Bild bekommt mehr Tiefe.
Im Winter macht der Tobel seinem Namen alle Ehre – die Argen ist bei lang anhaltendem Frost fast vollständig gefroren und teilweise begehbar (auf eigene Gefahr!). Lange Eiszapfen und frostige Gebilde schmücken die umliegenden Hänge und Abbruchkanten.

Für den steilen Abstieg und auf den Steigungen auf dem Tobelweg sind in dieser Zeit Spikes bzw. Steigeisen an den Wanderschuhen extrem von Vorteil. Von einer Begehung „nur“ mit Turnschuhen oder ähnlichem Schuhwerk ist dringend abzuraten! Der Tobel ist offiziell nicht geöffnet, jede Begehung erfolgt absolut auf eigene Gefahr!
An der gleichen Stelle, den Stromschnellen vor dem Zwinger, sind dann schöne Langzeitbelichtungen an den wenigen offenen Stellen möglich.
Hier habe ich jedoch einen ND-Filter verwendet, um Belichtungszeiten von um die 20 bis 30 Sekunden zu erhalten. In einigen Fällen rentiert sich auch eine Schwarz-Weiß-Umwandlung wobei dann die Eisstrukturen besonders deutlich zu Tage treten.

Wer also mutig und vorsichtig zugleich ist und ein paar Tricks mit Filtern, Kamera und Stativ beherrscht wird garantiert mit tollen Bildern belohnt. In diesem Sinne wünsche ich Euch für diese Tour Hals- und Beinbruch und für die Bilder allzeit gutes Licht.

Werner Kutter