Reisebericht Naturschutzgebiet Weitsee – Reit im Winkl – Biathlonzentrum Ruhpolding


Weniger bekannt und dementsprechend auch geringer besucht und nicht überlaufen ist das Naturschutzgebiet Weitsee. Es liegt mit den drei Seen Weitsee, Mittersee, Lödensee direkt an der Bundesstraße B 305 zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl.

Zahlreiche, kostenpflichtige, Parkplätze laden ein, das Auto abzustellen und die Wanderschuhe zu schnüren. Gut ausgeschilderte Wanderwege lassen das Wanderherz auch in diesem Tal höher schlagen. Fast alle Touren lassen sich als Runde gehen, so dass die Rückkehr zum Auto wirklich abwechslungsreich bleibt, da für Hin- und Rückweg nicht derselbe Weg genommen werden muss.

Wir nahmen uns vor den Lödensee und den Mittersee zu umrunden was ein sehr schöner, leichter Spaziergang werden sollte. Vom Parkplatz aus nahmen wir eine Unterführung, um die Bundesstraße zu queren. Die sicherste Alternative, die man sich vorstellen kann, jedoch stellte sich heraus, dass die Unterführung wohl eher dem Abfluss von Schmelzwasser dienen sollte, als Fußgängern die Querung zu ermöglichen.

Anschließend folgten wir den Wanderwegen und Trampelpfaden und gingen gegen den Uhrzeigersinn um die beiden Seen. Die Gesamtstrecke belief sich auf ca. 5 km – alles sehr flach und übersichtlich.

Die erste Tat an diesem Tag war, unseren Hund baden zu schicken. Nachdem die vorangegangenen beiden Tage verregnet waren hatte sich bei ihr ein kleiner Lagerkoller eingestellt. Umso größer war die Freude jetzt, dass sie  aus dem kühlen Nass apportieren durfte.

Das Vorankommen gestaltete sich dann auch noch aus einem weiteren Grund als ziemlich langwierig: Ich musste immer wieder stehen bleiben und nicht nur die Natur genießen sondern auch sie auf den Chip meiner Kamera bannen. Mal den See und die Berge, mal nur den See, mal nur die Berge oder Pflanzen am Wegesrand – kurz gesagt ich wollte alles fotografieren, was nicht weglaufen konnte.

Im Anschluss besuchten wir noch Reit im Winkl und haben hier eine Runde durch die Ortsmitte gedreht. Am Dorfplatz empfing uns eine Holzskulptur – genannt „Der Schifahrer“. Eine ausgemusterte Gondel eines Sesselliftes lud im Hintergrund zum Verweilen ein.

An den Hausfassaden sahen wir überall wieder tolle Malereien. Ganze Geschichten wurden hier erzählt, so dass der Blick öfter nach oben ging, als nach vorne. In der Vorsaison präsentierte sich der Ort überaus aufgeräumt und ruhig – einzig die Suche nach einer Gelegenheit zum Mittagessen gestaltete sich schwierig, da die allermeisten Lokale erst abends öffneten.

Ebenfalls an der B 305 befindet sich das Bundesleistungszentrum des deutschen Biathlonsports. Die Chiemgau-Arena ist wohl jedem ein Begriff, der den Wintersport am Fernseher verfolgt.

Auch in der schneearmen Zeit kann man die Anlage besichtigen und an einigen Tagen finden sogar Führungen statt. So kann man mit eigenen Augen einmal die Schießstände betrachten, die man sonst ja nur aus den Fernsehübertragungen kennt.

Selbst im Mai waren noch Trainingsgruppen auf Rollskier unterwegs – das Trainingszentrum schläft anscheinend nie.
Vor dem Eingang empfängt uns eine Skulptur zu Ehren des erfolgreichen Biathleten Ricco Groß. Das zu der Anlage auch Skisprungschanzen gehören, war mir neu. Das weitläufige Gelände bot viele Motive, die ich so im TV noch nicht gesehen hatte.

Von der Tribüne aus kann der Schießstand genau überblickt werden und man kann sich die Atmosphäre gut vorstellen, wenn hier einer nach dem anderen seine Schießübungen während des Wettkampfs ausübt.
Alles in allem war es ein mehr als gelungener Tag mit vielen schönen Eindrücken aus den verschiedensten Richtungen. Das Berchtesgadener Land ist doch überaus abwechslungsreich und sehr interessant.

Ich hoffe es war wieder etwas für Euch dabei. Für all Eure Unternehmungen wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Workshop „Ostrachwellen“ im Hintersteiner Tal

Aller guten Dinge sind drei!
Den alten Spruch kennt jeder und so habe ich mich relativ kurzfristig entschlossen, bei Manuela Prediger in diesem Jahr noch einen dritten Workshop zu besuchen.
Nach den Lichtern der Stadt im Frühjahr und dem Viehscheid Gunzesried vor vier Wochen sind nun die Ostrach und die Langzeitbelichtungen am Wasser dran.
Meine Lieblingsdisziplin!
Warum nehme ich dann am Workshop teil?
Weil ich immer auf der Suche nach Inspiration bin und mir das Fotografieren in Gesellschaft von anderen einfach viel mehr Spaß macht!

Pünktlich um viertel vor neun trafen wir uns an der vereinbarten Bushaltestelle am Wanderparkplatz in Hinterstein. So konnten wir uns den kleinen „Luxus“ erlauben, den ersten Teil der Strecke mit dem Linienbus zurückzulegen und die Kräfte fürs kreative Fotografieren aufsparen. An der Haltestelle am Elektrizitätswerk stiegen wir wieder aus und es folgte eine kleine Vorstellungsrunde; schließlich unterhält man sich gleich viel besser, wenn man sich zumindest beim Namen kennt. Dann ging es runter an die Ostrach. Hier wurden noch kurz die Grundlagen besprochen, welche die Arbeit mit Langzeitbelichtungen leichter machen. Welche Filterarten gibt es? Welcher Filter wird wann eingesetzt? Wie stelle ich die Kamera richtig ein. Was muss bei der Verwendung eines Stativs beachtet werden? Lauter kleine Details, die uns aber später bei der „Arbeit“ zwischen den Felsen die Sache ungemein erleichterten. Zum Thema Filter habe ich letztes Jahr bereits einen eigenen Beitrag geschrieben.

Wieder einmal zahlte es sich aus, jemanden zu haben der Ortskenntnis besitzt und die wirklich sehenswerten Locations kennt. Auf einer Wanderung durchs Hintersteiner Tal würde man an diesen Stellen glatt vorbei laufen. Doch Manuela hat sich die Strecke vorab angesehen und so den ein oder anderen Schleichweg gefunden um wirklich einmalige Aufnahmen zu erhalten. Dabei wird selbstverständlich immer größter Wert darauf gelegt die Natur in diesem Landschaftsschutzgebiet nicht mehr als erlaubt zu belasten.

Ich habe mir vorab zu Hause auch so meine Gedanken gemacht, was ich noch gerne ausprobieren möchte und dabei festgestellt, dass ich den sog. Bulb-Modus meiner Kameras so gut wie noch nie benutzt hatte. Dieser Modus erlaubt Aufnahmen über das zeitliche Limit der allermeisten Kameras von 30 Sekunden hinaus. Manche Marken haben ein B für Bulb am Programmwahlrad, andere wiederum schalten in diesen Modus, wenn man bei manueller Einstellung die Belichtungszeit einfach über die 30 Sekunden hinaus verlängert. in diesem Fall bleibt der Verschluss so lange offen, wie der Auslöser gedrückt gehalten wird (unbedingt einen arretierbaren Fernauslöser verwenden).

Also suchte ich mir eine Stelle an der ich damit experimentieren konnte. Da die Schlucht am Morgen noch schön im Schatten lag war ich ziemlich überrascht, wie schnell man Verschlusszeiten von über einer Minute erreichen kann. Ich schloss die Blende auf 16, stellte den niedrigsten ISO Wert von 64 ein und habe mir von der Kamera im Blendenprioritäts-Modus (A oder Av) die erforderliche Belichtungszeit anzeigen lassen. Dieser lag bei einer Sekunde. Diesen Wert gab ich in meine Smartphone-App von Rollei ein (Rollei-Moments ist eine kostenlose App zur Berechnung Verschlusszeit beim Einsatz von einem oder mehreren Filtern)  und bin bei einem Filter ND 6 schon auf eine Minute und vier Sekunden benötigter Verschlusszeit gekommen. ND 6 bedeutet, dass der Filter so stark verdunkelt, dass sich die „normale“ Belichtungszeit sechs mal verdoppelt – also insgesamt 64 mal länger wird (1x2x2x2x2x2x2=64). Das Praktische an der App ist, dass auch gleich ein Countdown gestartet werden kann und so stellte ich meine ersten Versuche mit „Ultralangzeitbelichtungen“ an.

Das Charakteristische an diesen Bildern ist, dass das Wasser extrem glatt gezogen wirkt und Stellen an denen Steine oder ähnliches vom Wasser berührt oder überspült werden sind extrem weich – fast wie gemalt. Mir gefällt dieser Effekt – wie insgesamt die Langzeitbelichtung immer wieder überraschende Ergebnisse bringt, da ja unser Auge nicht die Eindrücke über diesen langen Zeitraum sammelt und das so nie gesehen werden kann.

Bei dieser Art von Fotografie ist es natürlich unumgänglich, ein Stativ zu verwenden oder die Kamera sonst irgendwie sicher abzulegen. Keiner kann die Kamera so lange still halten um ein scharfes Bild zu erhalten. Die Faustformel sagt aus, dass die Umkehrung der Brennweite in etwa der Zeit entspricht, die verwacklungsfreies Fotografieren ermöglicht. Also z. B. bei einer Brennweite von 50 mm gilt 1/50 s als längst möglich Belichtungszeit für ein scharfes Foto aus der Hand. Die gängigen Bildstabilisatoren an Objektiv und Kamera versprechen zwar noch längere Zeiten – wer ein knack scharfes Bild will, dem sei gesagt, dass an einem Stativ definitiv nichts vorbei geht. Erste Regel unter Landschaftsfotografen: Heirate Dein Stativ!

Hier mal zur Veranschaulichung zwei Belichtungen übereinander gelegt:

Das obere Bild wurde mit 13 Sekunden belichtet und zeigt im auslaufenden Wasser deutlich weniger Details als die untere, 4 Sekunden-Belichtung. Es ist reine Geschmackssache, welches Bild einen mehr anspricht. In der Fotografie gibt es kein Richtig oder Falsch. Es ist schließlich eine Kunstform.

Gelegenheit zur Panoramafotografie bot sich ebenfalls.
Da es sich hier um keine Gebäude handelt, ist man beim Anfertigen eines Panoramas relativ schnell fertig. Es gibt kaum Chancen, dass Bildfehler wegen der Drehung der Kamera sichtbar werden – es gibt ja kaum geraden Linien in der Natur. Für ein Panorama werden mehrere Aufnahmen gemacht und es wird darauf geachtet, dass mindestens 25 Prozent des Bildinhaltes überlappen. Anschließend werden die Bilder am Computer zusammengefügt und das jeweilige Programm rechnet die Puzzlestücke so zusammen, dass keine leeren Bildstellen übrig bleiben. Den Aufwand, hier Panoramawinkel und ähnliche Utensilien mit in die Schlucht zu schleppen kann man sich sparen. Sogar Aufnahmen „aus der Hand“ werden, etwas Übung vorausgesetzt, zu brauchbaren Ergebnissen führen.

Aber Vorsicht: Die Aufnahmen der ganzen Szene führen oft dazu, dass das Bild etwas überladen wirkt und der Betrachter gar nicht herausfinden kann, was das eigentliche Motiv sein soll. Oft wirkt es besser, sich nur auf einzelne, kleine Elemente der gesamten Szene zu beschränken. Einen Gegenstand – hier der vom Wasser umspülte Felsen – isoliert darzustellen gibt dem Bild Klarheit.
Im Herbst darf natürlich das obligatorische Blatt auf dem Stein nicht fehlen. Quasi ein Stein-Portrait.

Schön ist es, wenn man bei Gestaltung auf die Linienführung achten kann. Die ganzen Grundlagen der Blickführung und Bildgestaltung können hier trainiert werden. Ein perfektes Übungsgelände für den ambitionierten Hobbyfotografen.  So bringen die S-Kurve
oder auch einfach nur eine Diagonale und ein Sonnenstern
zusätzlich Spannung ins Bild. Ebenso ist es schön, wenn sich die Blätter der umstehenden Bäume im Bach spiegeln und ihn so stellenweise blutrot färben:
Bei dem momentan vorherrschenden Lichtbedingungen in diesem wunderbaren Herbst ist es eigentlich schwieriger kein gutes Bild zu machen als anders herum. Genießen wir die Jahreszeit noch, so lange das Wetter hält.

In diesem Sinne: Geht raus, macht Fotos – die Zeit ist genau jetzt die richtige!

Allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Testbericht Tamron 18 – 400 mm an Canon EOS 70D

Um es gleich vorweg zu sagen:
Ich habe das Objektiv nicht bereitgestellt oder geschenkt bekommen. Ich habe es mir beim Tamron-Verleih ausgeliehen, um es im Rahmen des Workshops bei der Viehscheid zu testen. In diesem Bericht gebe ich nur meine eigene, von außen unbeeinflusste Meinung wider.

Zur Zeit gibt es im Verleih eine Aktion bei der ausgewählte Objektive in der ersten Woche umsonst ausgeliehen werden können.  Das 18 – 400 mm war auch dabei, so dass ich nur die zweite Woche, in der ich auf dem Viehscheid war, bezahlen musste.
(Foto von Tamron)

Begonnen habe ich den Test natürlich gleich nach Erhalt der Linse. Auf einem Spaziergang mit unserem Hund habe ich den Zoombereich und den Autofokus ausgiebig angetestet. Auf den ersten Blick war ich von der Vergrößerungsleistung des doch recht handlichen Objektivs mehr als überrascht.

Ich konnte problemlos eine ca. 600 mt entfernte Baumgruppe anvisieren und brauchbar scharf ablichten.

Spaß machen sollte es natürlich auch beim Einsatz im familiären Bereich, etwa beim Sport der Kinder, oder, wie bei uns, beim Spiel mit dem Hund. Die Nachführung des Autofokus kommt hier leider schnell an seine Grenzen wenn der Hund sich schnell auf einen zu bewegt. Ob das jetzt allein am Objektiv liegt oder u. U. die Kamera hier nicht mehr mitkommt, kann ich nicht beantworten; jedoch war das Scharfstellen im Endbereich zwischen 300 und 400 mm oftmals sehr langwierig.

Am meisten Respekt hatte ich davor, ob die Bilder bei maximaler Vergrößerung auch noch ausreichend scharf sein würden. Hier legt sich jedoch der Bildstabilisator wirklich voll ins Zeug. Alle Bilder wurde aus der Hand ausreichend scharf, so dass sich die Linse gut für nicht all zu schnelle sportliche Aktivitäten eignet. Selbst ein vorbeifliegender Helikopter war gut zu fotografieren.

Die Randabschattung (Vignettierung) lag im erträglichen Bereich und konnte in Lightroom über die automatische Korrektur bequem behoben werden.
Ich habe jetzt die Schärfe nicht bis in den allerletzten Bildwinkel verfolgt und beurteilt – subjektiv würde ich sagen, dass alle Bilder ausreichend scharf sind. Man wird die Linse ja vielleicht als „Immer-Drauf“ mit in den Urlaub nehmen – anspruchsvolle Bilder werden sicherlich mit einem „besseren“ Glas gemacht werden.

Praktischer Weise kann das Ausfahren des Objektivs während des Transports an der Kamera über einen Schalter oben an der Linse verhindert werden. Zum Lieferumfang gehört auch direkt eine Sonnenblende was nicht bei allen Objektiven der Fall ist. Das Handling war trotz der Länge und des Gewichtes von ca. 715 g gut. Man kann mit dem Objektiv durchaus den ganzen Tag auf Pirsch gehen und gute Fotos machen.
(Foto von Tamron)

Der Service bei Tamron mit dem Ausleihen und Zurückschicken hat ebenfalls problemlos funktioniert. Der Versand und die Rücksendung werden pauschal mit einer einmaligen Gebühr in Höhe von 19,- € verrechnet. Die wöchentliche Miete beträgt z. Zt. 37,- €. Die Anschaffung eines solchen Objektivs für eine Canon APS-C-Kamera würde mit ca. 620,- € zu Buche schlagen.

Ich habe das Objektiv dann guten Gewissens wieder zurückgeschickt. Für meine hauptsächlichen Fotoprojekte werde ich es mir nicht extra anschaffen, für Veranstaltungen, wie z. B. der Viehscheid oder im Urlaub, wenn nur ein Objektiv ins Gepäck passt, ist es ein wirklich guter Helfer. Es hat mir doch jeglichen Objektivwechsel während der Veranstaltung erspart. Für die weite Spanne des Zoombereichs macht es wirklich erstaunlich gute Bilder.

Ich hoffe, ich konnte ein paar hilfreiche Tipps geben, sollte sich jemand mit dem Gedanken tragen,  sich ein Ultrazoom-Objektiv zuzulegen.
Für all Eure Projekte wünsche ich Euch natürlich allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Fotoworkshop „Viehscheid im Gunzesrieder Tal“

Das zweite Mal in diesem Jahr hatte ich die Ehre, bei der wunderbaren Manuela Prediger an einem Workshop teilzunehmen. Es war für mich dennoch eine Premiere, denn noch nie hatte ich einen Viehscheid miterlebt – eigentlich eine Schande für einen Bub aus dem Unterallgäu.

Der frühe Vogel fängt den Wurm sagt der Volksmund. Das gilt auch für uns Fotografen und besonders dann, wenn man bei einer Veranstaltung wie dieser Bilder machen möchte, die sich von der Masse abheben. Also war der Treff aller Teilnehmer für 6.45 Uhr ausgemacht und dementsprechend früh musste ich bei mir zu Hause losfahren. Das beste daran war, dass um diese Uhrzeit am Samstag morgen der Verkehr Richtung Sonthofen sehr überschaubar war und es zu keinen Verzögerungen kam.

Pünktlich um sieben kam das vorbestellte Taxi, welches uns hinter ins Tal brachte – weit weg von den ganzen schaulustigen Touristen. Dort stellten wir uns kurz gegenseitig vor und gingen die grundlegenden Kameraeinstellungen für die bevorstehenden Stunden durch. Wertvolle Tipps für außergewöhnliche Perspektiven und Bildausschnitte erhielten wir ebenfalls von unserer überaus kompetenten Kursleiterin, so dass wir bestens vorbereitet auf das Eintreffen der ersten Herde warteten.
Ich entschied mich dafür mit ISO-Automatik und Bledenvorwahl rund um Blende 5.6 ins Rennen zu gehen. Die anfängliche Belichtungskorrektur von +2/3, die ich wegen den vorhandenen Nebelschwaden eingestellt harre, nahm ich kurz darauf wieder zurück.

Die Spannung wurde immer größer, so dass das eine oder andere Mal bereits das Läuten der Kuhglocken wahrgenommen wurde, obwohl niemand in Sichtweite war. Der Schall findet in den engen Gebirgstäler eben immer einen Weg. Als endlich doch die ersten Teilnehmer zu sehen waren, nahmen wir alle unsere Positionen ein, so dass jeder das bestmögliche Sichtfeld für seine Aufnahmen erhielt.

Die große Begeisterung wich auch bald schon der Ernüchterung, dass nur eine kleine Vorhut – das Kranzrind mit einem Begleiter und zwei Jugendlichen Hirten mit ihrer Mutter – weit vor der großen Herde in Richtung Gunzesried liefen. Trotzdem ergriffen alle die Gelegenheit erste Bilder zu machen. Mir persönlich geht es auch immer so, dass ich mich erst an die Sache herantasten muss und dankbar bin, ein paar Testfotos machen zu können, bevor es ernst wird.

Ich hatte mir extra für die Veranstaltung von Tamron ein 18 – 400 mm Objektiv ausgeliehen. Hier zahlte sich der große Zoombereich sofort aus, da ich bereits aus großer Entfernung die ersten Bilder der Herannahenden machen konnte. Näheres zum Objektiv in zwei Wochen im Testbericht der Linse hier im Blog.

Die Kompression der Telebrennweite verdichtet die Szenerie zusätzlilch, so dass die Kraft und Energie der Tiere, welche durch die Hirten mit den Stäben im Zaum gehalten wurden, besonders gut zur Geltung kommt. Die Rinder sind ja doch mehr als einen Meter lang – auf dem Bild wird diese Szenerie so gestaucht, dass, für mich, eine besondere Dramatik entsteht.

Und für die eigene Sicherheit ist ebenfalls gesorgt, da ich rechtzeitig, bevor die Tiere mich erreichen, für ausreichend Sicherheitsabstand sorgen kann. Für die Schärfe im Bild habe ich einen alten Trick von Scott Kelby angewandt. Der empfiehlt, wenn man sich unsicher ist mit langer Brennweite aus der Hand zu fotografieren den Serienbildmodus an der Kamera einzuschalten. Dann so ca. 3 – 5 Bilder machen – die Ausbeute an scharfen Bildern ist so größer, als wenn immer nur ein Bild gemacht wird, kontrolliert wird, wieder fotografiert wird usw.

So warteten wir auch noch die nächste Gruppe einer weiteren Alpe ab, damit jeder Gelegenheit hatte, unsterschiedliche Positionen und Perspektiven auszuprobieren. Denn nichts ist langweiliger, als immer nur auf Augenhöhe zu fotografieren.

Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück, da die neblige Stimmung ausgezeichnet zur Jahreszeit und Veranstaltung passt. Zudem waren bei der Luftfeuchtigkeit und Kälte die dampfenden Tiere genau das, was ich mir vorher als Zielbild in den Kopf gesetzt hatte.

Auch ich begab mich schließlich auf Tauchstation und legte mich im nebelfeuchten Gras auf den Bauch. Es ging ja schließlich darum ungewöhnliche Ansichten zu finden und das gelang mir in diesem Moment sehr gut.
Diese beiden Bilder oben und unten sind die derzeit am meisten beachteten Bilder von mir auf Facebook. 20.000 Menschen haben diese Bilder in der ersten Woche gesehen, hunderte Likes und mehrere Dutzend Kommentare dazu haben mich sehr stolz gemacht.

Unterwegs kamen wir auch ein einem Hof vorbei, an dem wir das Schmücken des Kranzrindes aus nächster Nähe beobachten konnten.
Hier habe ich mir dann auch die Zeit genommen, um einmal die Details der Veranstaltung festzuhalten. Die festlich gerichteten Haare der Teilnehmerinnen
die Anspannung bei den Teilnehmern
oder auch einfach nur die Tracht und Tradition der Veranstaltung selbst

Aprospos ungewöhnliche Ansichten:
Die Rinder selbst sind ja die Hauptakteure bei dieser Veranstaltug. Also warum nicht diese auch mal ungewöhnlich ablichten?

Vom unten und nur die Füße – reicht doch auch um zu zeigen, wo man war.

Kuriose Bilder lassen sich auch erzielen, wenn man bei ca. 1/20 s Belichtungszeit mit der Herde einen sog. „Mitzieher“ versucht. Man könnte fast meinen, die Herde rennt im Galopp vorbei…

Oder einfach mal die Augen offen halten für die kleinen Randerscheinungen, wie den kleinen Jugen, der anscheinend noch zu jung war, um den ganzen Weg zu Fuß zu laufen. Auf Grund seiner Tracht lässt er aber deutlich erkennen, dass er dazu gehört.

Am Scheidplatz angekommen traf uns die gesamte Wucht der versammtelten Touristenschar mit einem Schlag. es war schon ein gewaltiger Unterschied zur Abgeschiedenheit draußen im Tal – doch das gehört mittlerweile auch dazu.

Der Einlauf der Kühe in den Pferch musste schließlich ebenfalls dokumentiert sein, wie auch die Umrahmung des Spektakels mit den unzähligen Schaulustigen aus Nah und Fern.

Hier waren dann auch Portraits der Hirten möglich, denen man die Erleichterung ansah, das alles zu einem guten Ende gekommen ist.

Auch hier boten sich wieder viele Gelegenheiten zu ungewöhnlichen Ansichten und Bildgestaltungen, wie z. B. die Kuh durch den Schellengurt hindurch fotografiert.

Alles in allem war es ein sehr gelungener Workshop dank der Ortskenntnis von Manuela Prediger. sie wusste, wie der Ablauf sein wird und wo die interessantesten Stellen auf dem Weg durch das Tal sind. Allein die Tatsache, dass ich noch nie an einem halben Tag ca. 1000 Fotos gemacht habe spricht dafür, wie viele Möglichkeiten sich hier geboten haben.

Ich hoffe es ist eine kleine Anregung für Euch dabei, auch einmal ausgetretene Pfade zu verlassen und nicht genau da fotografieren zu wollen, wo alle Bilder machen. In diesem Sinne wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Lightroom Vorlagen erstellen

Wer Adobe Lightroom benutzt, wird früher oder später einmal damit anfangen, sich Vorlagen zur Erleichterung der Arbeit anzulegen. Ich möchte in diesem Beitrag ein paar Tipps geben, warum es nützlich ist, mit Vorlagen zu arbeiten und ein paar Tricks zeigen, die Ihr so vielleicht noch gar nicht gelesen habt.

Vorlagen oder sogenannte Presets werden vielfach im Internet angeboten. Ich habe selbst einige davon heruntergeladen, doch wirklich Verwendung finden die fremden Einstellungen bei mir nicht. Egal ob gekauft oder frei verfügbar – oft sind die Einstellungen darin zu spezifisch auf einen Kameratyp festgelegt oder für meinen Geschmack zu heftig. Und schließlich möchte ich ja auch nicht, dass meine Bilder wie die von jemand anderem aussehen, sondern wie die von mir.

Die Verwendung von Vorgaben soll für das jeweilige Bild auch nur einen Startpunkt darstellen, den es dann individuell zu verfeinern gilt. Es gibt fast keine Situation, bei der ein Bild mit nur einem Klick zu Ende entwickelt sein wird.

Am Anfang habe ich lange auch bei jedem Bild immer wieder von vorne die Einstellungen in den einzelnen Beriechen immer wieder aufs neue durchgeführt. Als nächstes habe ich dann die Funktion, Entwicklungen von einem Bild zu weiteren, gleichartigen, zu synchronisieren benutzt und nur noch kleine Feinheiten nachgebessert.
Doch sobald sich die Lichtsituation änderte, musste ich die Grundeinstellungen wieder von neuem durchexerzieren.
Irgendwann kam ich dann von alleine drauf, dass ich bestimmte Einstellungen immer gleich wähle. Schärfen tat ich immer mit nahezu dem gleichen Betrag, nur die Maskierung ändert sich, die Objektivkkorrekturen hatte ich immer aktiviert genau so wie die Entfernung der chromatischen Aberrationen oder auch der im Bild eingebettete Bildstil . Und so kamen mir doch gleich mehr als zwei Hand voll Einstellungen in den Sinn, die ich kaum änderte, egal was ich fotografierte. Diese waren also so zu sagen Kamera- und Objektivgebunden und so speicherte ich diese „Grundentwicklung“ als solche als Vorlage ab.
Was passiert jetzt bzw. wie komme ich zu der Grundentwicklung?
Zunächst werden in den Einstellungen die groben Parameter ausgewählt und eingestellt, welche bei jedem Bild nahezu unverändert übernommen werden können.
Im Einstellugsmenü werden diese Werte gesetzt. z. B. wählte ich bei den Grundeinstellungen den automatischen Weißabgleich, eine Kontrastverstärkung um +10, das geringe Absenken der Lichter und eine ebenfalls geringe Aufhellung der Schatten, Weiß +15 und Schwarz -15 zur weiteren Steigerung des Kontrastes, eine geringe Verstärkung der Klarheit und der Dynamik.
Im Punkt Gradationskurve stelle ich den mittleren Kontrast ein. Bei Details werde ich den Grad der Schärfe definieren und bei den Objektivkorrekturen die Korrektur der Verzerrung und chromatischen Aberration einschalten.
Bei den Effekten gebe ich mit -11 dem Bild eine ganz leichte Vignette und stelle die Dunst Entfernung auf +10.
Da ich am meisten Natur- und Landschaftsbilder erstelle, habe ich zum Schluss bei der Kamerakalibrierung auch das Profil „Landscape“ vorausgewählt und so kann ich den Prozess der Vorlagenerstellung starten.

Rechts oben bei den Vorgaben auf das Plus klicken und schon erscheint das Dialogfeld zur Erstellung einer neuen Vorgabe.
Hier wird ein sinnvoller Name vergeben, der Speicherort ausgewählt und entschieden, welche der möglichen Parameter mit diesen Einstellungen überschrieben werden sollen. Direkt nach dem Akzeptieren durch Klick auf „Erstellen“ ist die Vorgabe in der ausgewählten Liste abrufbar.

Sollen nur einzelne Parameter verändert werden (z. B. nur der Weißabgleich), dann darf auch nur die betroffene Checkbox ausgewählt sein. Hierzu noch ein Tipp, welcher nicht all zu oft zu finden ist:
Bei RAW-Bildern steht im Punkt „Weißabgleich“ bei der Grundeinstellung immer eine ganze Palette mit Auswahlmöglichkeiten, wie z. B. „Tageslicht“, „Schatten“ oder auch „Leuchtstofflampe“ zur Verfügung. Die korrekte Farbwiedergabe ist hier oft mit einem Klick einstellbar. Bei jpg-Bildern gibt es jedoch nur „wie Aufnahme“, „Auto“ und „benutzerdefiniert“. Wer sich jetzt von einem RAW-Bild nur die Weißabgleichseinstellung als Vorgabe abspeichert, kann diese dann auch bei jpgs einsetzen und kommt so oft um ein manuelles Justieren herum.

Wer fremde Vorgaben installieren möchte, der klickt mit der rechten Maustaste auf die entsprechende Überschrift und wählt aus dem Kontextmenü den Punkt „importieren“.
Bei Bedarf kann so auch ein neuer Ordner für die eigenen Vorgaben angelegt werden.
Im Importdialog navigiert man dann zum Speicherort der gewünschten Vorgabe und lässt diese von Lightroom hinzufügen.

Wie gesagt: Das alles sind Ausgangspunkte für die finale Bearbeitung und doch können pro Bild oft Minuten an Bearbeitungszeit eingespart werden. Nach der Urlaubsreise mit zig tausend Bildern kommen so schnell ein, zwei Stunden zusammen, die wieder besser im Fotografieren selbst angelegt sind.

Für die nächsten Bilder, welche dann mit den Presets bearbeitet werden, wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Was ist der „Sweet-Spot“?

Wem ist dieser Begriff  im Bereich der Fotografie schon einmal begegnet?

Wikipedia bietet einige Erklärungen zu den verschiedensten Bereichen, in denen dieser Begriff Anwendung findet. In der Rubrik Kameraobjektive steht:
Bei einem Kameraobjektiv ist der Sweet Spot jene Blende, bei der ein Objektiv seine beste Schärfe und besten Kontrast erreicht. Bei Zoom-Objektiven wird mit demselben Begriff auch die optimale Brennweite bezeichnet, also wie weit das Objektiv ausgefahren werden muss, um maximale Schärfe zu erzielen. (Quelle Wikipedia)

Warum ist das jetzt wichtig für mich als Hobbyfotograf?
Um die optimale Schärfe im Foto abbilden zu können, müssen einige Faktoren passen. Der Fokuspunkt muss z. B. bei Landschaftsaufnahmen optimaler Weise auf die sog. hyperfokale Distanz (den Abstand, der die Schärfe bis in den Hintergrund – sprich unendlich – ermöglicht) eingestellt sein, die Kamera wird bestenfalls auf ein Stativ gestellt bzw. absolut ruhig gehalten usw.
Jetzt kann es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen immer noch passieren, dass der Eindruck entsteht, das Bild ist irgendwie matschig und nicht ganz scharf.

Da kommt die optimale Blende zur Sprache. Je nach Qualität des Objektivs gibt es einen mehr oder weniger großen Bereich der Blendenöffnungen, welcher ein optimales Abbildungsergebnis bringt. Auch die bei uns Hobbyfotografen üblichen günstigen Kit-Objektive besitzen eine Bereich in dem sie die beste Schärfe erzielen.
Je günstiger das Objektiv war, um so kleiner wird dieser Bereich sein. Und genau deshalb ist es vorteilhaft, wenn wir diesen Bereich kennen.
Stell Dir vor, Du stehst einmal in Deinem Leben am Grand Canyon und zu Hause am Rechner merkst Du, dass alle Bilder irgendwie unscharf sind…
Ärgerlich, oder?
Wenn ich weiß, in welchem Blendenbereich mein Objektiv am schärfsten abbildet, kann ich in diesen Fällen gezielt diese Blendenöffnung wählen, um das optimale Ergebnis zu erzielen.

Folgender Versuchsaufbau wird dafür erforderlich:

Ich stelle die Kamera auf ein Stativ vor einen Tisch o. ä (in meinem Fall habe ich das Bügelbrett gewählt, weil es gerade unnütz im Weg stand). Der Abstand bleibt für jedes Bild mit diesem Objektiv gleich.

Auf dem Tisch wird in geeigneter Weise ein Motiv aufgestellt, so dass es möglichst gerade steht. Der Abstand der Kamera wird in Abhängigkeit von der Brennweite so gewählt, dass das Schriftstück oder die Testkarte formatfüllend abgebildet wird.

Ich habe mir eine Beilage aus einer großen Fotozeitschrift aufgehoben und benutze diese genau für diese Versuche. Alle meine Objektive habe ich auf diese Weise ausgetestet und beschriftet. Solche Vorlagen kann man sich auch aus dem Internet herunterladen und selber ausdrucken. Allerdings sollte der Ausdruck dann auf Karton geklebt werden, damit des wirklich eben aufgestellt werden kann und keine Abbildungsfehler durch Aufrollen oder Falten im Papier entstehen.

Des weiteren muss darauf geachtet werden, dass Kamera und Objekt parallel zueinander ausgerichtet sind.  Sonst wäre auch hier ein Schärfeabfall zu verzeichnen, der aber auf den unterschiedlichen Entfernungen basiert und nicht auf das Objektiv Rückschlüsse zulässt.

Dann stellen wir die Kamera auf Blendenpriorität (Zeitautomatik, die ISO auf den niedrigsten Wert, den eventuell vorhandenen Bildstabilisator aus (auch der kann beim Einsatz auf einem Stativ zu Unschärfen führen!) und, wenn erforderlich, die Spiegelvorauslösung ein. Auch das Hochklappen des Spiegels bei Spiegelreflexkameras kann für kleinste Schwingungen im Inneren der Kamera führen und die Ergebnisse beeinflussen.
Anschließend fokussieren wir auf die Bildmitte und lösen mit der kleinst möglichen Blende aus. In meinem Fall habe ich das kleine 50 mm Canon-Objektiv genommen mit der Anfangsblende von 1.8.

Jetzt machen wir mit der selben Fokussierung (Fokus auf manuell umschalten!) immer weiter Bilder – jedes mal mit einer um einen Wert weiter geschlossenen Blende bis zu kleinst möglichen Blendenöffnung. In meinem Fall ist das die 22.

Anschließend wird das Ergebnis am Rechner betrachtet:

F 2:

F 8:

F22:

In meinem Fall ist es so, dass in den Bereichen der weit geöffneten Blende von 1.8 bis etwa 5.6 die Schärfe deutlich weicher, verschwommener wirkt. Zwischen 8.0 und 13.0 ist die Schärfe nahezu gleichbleibend gut. Zum Ende hin nimmt sie dann wieder spürbar ab, so dass Bilder mit ganz geschlossener Blende bestimmt schöne Sonnensterne erzeugen, aber nicht die beste Schärfe für die gesamte Szene erreichen.

Der Grund für diese Tatsache liegt im Aufbau und Funktion des Objektivs. Mehrere Linsen sind hier in unterschiedlicher Stärke und Wölbung hintereinander verbaut. Vereinfacht beschrieben kann man es sich so vorstellen:
Wenn bei offener Blende nahezu der gesamte Glaskörper von Licht durchdrungen wird, dann geschieht das nach außen hin an unterschiedlichen Krümmungen und Glasstärken. Deshalb erscheinen diese Bilder gerade zu den Rändern hin erheblich unschärfer.
Bei mittlerer Blende wird das Optimum an Abbildungsleistung erreicht, da hier nur der beste Teil der Linsen benutzt wird, die Randbereiche sind durch die  etwas weiter geschlossene Blende ja abgedeckt, so dass nur die große Mitte des Objektivs zur Abbildung herangezogen wird.
Wird die Blende nun ganz geschlossen zwängt sich das Licht durch eine sehr kleine Öffnung. Da der Einfallswinkel von der Frontlinse her nun erheblich weiter ist, als der Raum, den die Blende lässt, wird das Licht an den Kanten der Blende gebrochen und zur Streuung verleitet. Deshalb ist in diesem Bereich der Bildeindruck wieder insgesamt weicher, manchmal auch gerne einmal „matschig“.
Je nach dem, welche Bildaussage getroffen werden soll spricht natürlich z. B. bei Portraits nichts dagegen, mit offener Blende zu fotografieren. Da ist es ja wichtig, das Motiv vom Hintergrund frei zu stellen und ein weiches Bokeh zu erzeugen.

Wie gesagt, habe ich alle meine Objektive getestet und mit kleinen Aufklebern im Objektivdeckel versehen. So kann ich mich immer rückversichern, was ich im entscheidenden Moment für Einstellungen für die optimale Bildwirkung vornehmen kann. Es ist klar, es wird immer ein Kompromiss sein, denn bei Portraits möchte ich ja einen verschwommenen Hintergrund haben und wähle gerade deshalb eine offene Blende. Besonders bei den weiblichen Models wird es hier auch keine Rolle spielen, wenn die Schärfe dann nicht 100 prozentig ist – wer will schon jede Pore im Gesicht knackscharf sehen? Aber es ist gut zu wissen, woran es noch liegen kann, wenn man das Gefühl hat, die Bilder könnten schärfer sein – nicht immer ist gleich ein Fehlfokus des Objektivs der Grund.

Ich hoffe es waren ein paar nützliche Informationen dabei und wünsche Euch für die Bilder allezeit gutes Licht!

Werner Kutter

Wie bilde ich mich weiter?

Ohne Weiterbildung geht’s nicht weiter! Auch nicht im Hobby! Deshalb möchte ich heute den Anstoß geben, sich doch mal intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen und einen Fotokurs zu besuchen.
Es lohnt sich!
Versprochen!

Jedes Jahr gönne ich mir mindestens einen Kurs zu einem Thema, welches mich interessiert und bei dem ich noch Entwicklungsmöglichkeiten sehe. So nutze ich jedes Mal die Gelegenheit, mir frische Ideen und Inspirationen zu holen.
Erst letzten Freitag Abend habe ich mich wieder einmal weitergebildet. Und zwar mit einem Workshop zu dem Thema „Lichter der Nacht“ der VHS Memmingen.

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe den Kurs nicht besucht, um einen Beitrag zu verfassen, sondern wirklich aus eigenem Interesse. Ich habe den Kurs auch regulär gebucht und bezahlt und bin nicht Mitarbeiter in der VHS.
Die Idee zu diesem Post kam mir erst jetzt im Laufe dieser Woche nachdem ich den Workshop besucht habe.

Manuela Prediger ist selbstständige Fotografin und leitet neben ihren eigenen Workshops auch immer wieder Kurse bei den VHS-Anbietern im ganzen Allgäu. Sie ist als Profi genau die richtige, um alle aufkommenden Fragestellungen ausführlich zu beantworten und der Gruppe die nötige Anleitung zu geben, um mit schönen Fotos nach Hause zu gehen.

Einen Kurs bei einer VHS vor Ort kann sich eigentlich jeder leisten. Er kostet je nach Art und Umfang im Schnitt zwischen 20 und 50 Euro und ist das Geld jedenfalls wert. Da man alleine immer schnell eine Ausrede findet um nicht zum Fotografieren zu gehen, übt und lernt es sich in der Gemeinschaft Gleichgesinnter leichter und unbeschwerter. Der Austausch  mit den Kollegen hilft mir immer sehr. Jeder hat ein eigenes Auge und sieht die Szene und Situation anders. Anregungen sind somit unumgänglich und jeder profitiert von jedem.

Beispielhaft möchte ich hier den Workshop-Ablauf des VHS-Kurses „Lichter der Nacht“ aus Memmingen wiedergeben:

Nach einer kurzen Einführung in das Thema „Fotografieren bei wenig Licht“ und einer Vorstellungsrunde ging es raus in die kalte Dunkelheit. Wir hatten noch Glück, denn bis einen Abend zuvor herrschten in Memmingen zweistellige Minusgrade. Leichter Schneefall setzte ein und schon überlegte jeder, ob das nun gut oder schlecht für die Fotos und die Ausrüstung sein kann.
Ruhig und sachlich wurden die Bedenken bezüglich der Kameras und Objektive durch die Kursleiterin ausgeräumt. Moderne Kameras sind heute alle so abgedichtet, dass die Schneeflocken der Technik nichts anhaben können. Im Gegenteil – die Flecken durch die Schneeflocken können auch als ein Stilelement in das Bild integriert werden.

In der ersten Aufgabenstellung ging es darum, die Wirkung der Blende bei Gegenlichtsituationen besser zu verstehen. So wurden zuerst mit weit geöffneter Blende (z. B. 4,0 oder 5,6) Bilder der Leuchte an der Stadtmauer aufgenommen.

Anschließend wurden wir gebeten, die Blende, so weit es das Objektiv zulässt, zu schließen (in meinem Fall Blende 22). Die dadurch entstehenden längeren Belichtungszeiten spielten keine Rolle, da alle Teilnehmer vorbildlich vom Stativ aus fotografierten. Das Ergebnis waren schöne Sterne aus der Lichtquelle, die je nach Art und Bauweise des Objektivs eine unterschiedliche Anzahl von Strahlen erzeugten.

Der selbe Effekt läßt sich  auch mit mehreren Leuchten erzielen und kann auch tagsüber beim Fotografieren in die Sonne tolle Effekte mit sich bringen. Jeder kennt doch bestimmt die traumhaften Bilder eines Sonnenunterganges, bei dem einen die Sonnensterne mit ihren langen Strahlen ins Bild hineinziehen wollen.

Dann half uns der Zufall weiter:

Der Räumdienst der Stadt Memmingen kam den Gehweg entlang gefahren. Ein Traktor kam uns mit voller Beleuchtung näher und entfernte sich anschließend im Rückwärtsgang auch wieder. Schnell war die Idee geboren, bei derLangzeitbelichtung mit dem Einsatz einer Taschenlampe Kreativität einzubringen. Den Möglichkeiten sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Den Anfang machte Manuela. Sie hatte extra für diese Versuche eine Taschenlampe dabei, welche sie nun, mit den Armen kreisend, im Laufschritt auf uns zu bewegte. Durch die Tatsache, dass sich der Mensch schnell weiterbewegt und die Lichtquelle der Lampe viel heller ist als die Umgebung, ist der Mensch für die Kamera unsichtbar und nur die Lichtspuren werden auf dem Sensor registriert.

Ein Teilnehmer erbarmte sich einige Minuten später, um Manuela abzulösen und gleich wurden die Wünsche nach Formen laut geäußert. Ein Herz sollte es sein, welches nach mehreren Versuchen auch wirklich gut erkennbar präsentiert wurde.

Dann wurden die Wünsche spezieller. Es sollte ein Wort geschrieben werden. Nachdem bei den ersten Versuchen die Synchronisation zwischen Schreiber und Fotografen nicht ganz rund lief und nur einzelne Buchstaben, wenn überhaupt, auf die Speicherkarte gebannt wurden, stellten sich bald tolle Ergebnisse ein.

Sogar das gelegentliche Blinken der Taschenlampe konnte als kreatives Element gefallen finden. Manuela erwies sich als perfekte Buchstabiererin und brachte es fertig, dass alle Buchstaben nahezu gleich groß und gerade geschrieben waren.


Anschließend wandten wir uns weiteren Locations zu. Der Memminger Marktplatz und die dort beginnende Fußgängerzone bildeten einen würdigen Rahmen für die abschließenden Fotos.
Das Schöne am Lernen in der Gruppe ist auch, dass Manuela uns immer wieder zusammen rief, um uns besonders gelungene Aufnahmen einzelner Teilnehmer zu zeigen und anhand derer die Grundlagen der Bildgestaltung näher brachte. So wurde jeder dazu ermutigt einmal neue Blickwinkel und Positionen zu versuchen, denn auch ein Bild aus der Froschperspektive kann sehr spannend sein.

Hier konnten wir immer wieder staunend erleben, dass durchs Bild laufende Personen dank der Langzeitbelichtung nicht auf dem fertigen Foto zu sehen sind. Nur das, was still verharrt, wird auch abgebildet.
Hier wurde außerdem nochmal vertieft, wie man in der Dunkelheit manuell scharf stellt, da nämlich bei zu wenig Licht der Autofokus nicht mehr funktioniert. Also das Objektiv auf Manuell umstellen und selbst am Ring drehen ist jetzt die Devise.

Das Ensemble des Marktplatzes mit dem wunderschön beleuchteten Rathaus bildet aber auch eine traumhafte Kulisse. Hier an einem Abend alle möglichen Blickwinkel zu finden, ist schlicht unmöglich.

Ich habe auch versucht das Ganze als Panorama einzufangen, jedoch sind auf Grund der Breite der Gebäude sind die Möglichkeiten ohne spezielle Panorama-Ausrüstung doch sehr limitiert.

Dann lieber noch ein paar Spielereien mit den vorbei fahrenden Autos – Lichtspuren, die unser Auge zum Motiv (hier der Martinsturm) hin geleiten, sind auch immer wieder neu und sehenswert. Hier ist es unmöglich zwei gleiche Bilder zu schießen, denn jedes Auto fährt anders.


Zum Abschluss versuchte ich noch die Übung mit dem Einrahmen des Motivs durch die örtlichen Gegebenheiten. Und hier stellte sich mir bei der Bearbeitung auch gleich noch die nächste Frage: Farbe oder Schwarzweiß?

Ich finde, beide Bilder haben etwas.

Als die Kälte drohte, uns in alle Glieder zu fahren, waren die drei Stunden auch schon wieder vorbei. Wir gingen die Erfahrungen nochmal kurz durch und jeder zeigte sich begeistert, wie einfach die Nachtfotografie doch sein kann, wenn man nur ein paar Regeln einhält:
Alle Aufnahmen vom Stativ aus, kleine ISO-Zahl einstellen für wenig Bildrauschen, Fern-  oder Selbstauslöser verwenden, wenn nötig die Spiegelvorauslösung aktivieren um manuelle Unschärfen durch die Bedienung der Kamera auszuschließen und am Objektiv oder der Kamera den Bildstabilisator deaktivieren.
Bei gutem Kontrast der angestrahlten Gebäude kann der Autofokus sogar noch gute Ergebnisse bringen, so dass nicht in jedem Fall manuell fokussiert werden muss. Sollte es doch erforderlich werden, so empfiehlt es sich den Live-View der Kamera zu aktivieren und auf die maximale Vergrößerung der Anzeige zu gehen. Jetzt kann man auch in der Dunkelheit den passenden Bildausschnitt suchen und darauf manuell am Objektiv scharf stellen.

Wer die Bilder in voller Auflösung sehen möchte,  der kann dies in folgendem Online-Album tun: https://spark.adobe.com/page/ADvryqkBql8jK/

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss:
Ich habe mir vor Jahren schon angewöhnt, nach jedem Workshop ein kleines Fotobuch zu erstellen. So kann ich, so lange die Erinnerung noch frisch ist, die einzelnen Aufgaben und Versuche, welche ich unternommen habe, festhalten und über die Jahre die eigene Entwicklung in der Fotografie verfolgen.
Ich kann es Euch nur empfehlen, denn ich habe bei mir erhebliche Fortschritte über die Jahre gesehen, welche mich schließlich dazu gebracht haben, das Hobby bis hier hin zu vertiefen. Der Rückblick und die Erkenntnis der sichtbaren Verbesserung der Fähigkeiten motiviert ungemein.

Natürlich will ich damit nicht generell sagen, dass Lesen oder auch Video-Tutorials für die Weiterbildung ungeeignet sind. Das Entscheidende dabei ist nur, dass man danach auch raus gehen muss um das Erlernte anzuwenden. In so einem Kurs fällt es mir jedenfalls leichter, Neues auszuprobieren und ich habe die Gelegenheit direkt nochmal um Unterstützung oder einen Rat zu bitten. Das Machen macht*s!

In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du auch einen Kurs für Deine Belange findest und bei all Deinen fotografischen Vorhaben in nächster Zeit allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

U-Bahn München 2018

Ich habe es wieder getan! Zum insgesamt vierten Mal war ich in München in der U-Bahn und habe fünf weitere Bahnhöfe fotografiert:

Josephsburg:
Der Bahnhof Josephsburg liegt in einer leichten Kurve und besticht durch das schöne, große Schachbrettmuster der Granitfliesen auf dem Fussboden.

Zusammen mit der (eigenwilligen) Beleuchtung hat dieser Bahnhof eine schöne Dynamik.

Die Deckenleuchten sind immer wieder durch bunte Glaslamellen unterbrochen, so dass das bunte Spiel der Farben für zusätzliche optische Reize sorgt.
Interessant sind die Bilder auch dann, wenn nicht alles scharf dargestellt wird. Durch die Beleuchtungssituation fällt es leicht, die Belichtungszeit so zu erhöhen, dass schöne verschwommene Züge oder geisterhafte Menschen auf den Fotos abgebildet werden. Das gibt die Dynamik wieder, welche an einem solchen Platz herrscht. Schließlich dient der U-Bahnhof ja der Fortbewegung – also darf diese Bewegung gerne auch einmal gezeigt werden.

Kreillerstraße:
Dieser Bahnhof ist dank der verwendeten großen Aluminiumplatten extrem hell.
Die Gestaltung ähnelt stark der ebenfalls hell erleuchteten Station Fürstenried West.
Die indirekte Beleuchtung wird dank der gewölbten Decke über den gesamten Bereich des Bahnhofs geleitet.
Vereinzelte Mosaike in den Seitenwänden lockern die metallisch anmutende Beplankung wieder auf und sorgen für Abwechslung an den Wänden.
Für die bestmögliche Bildwirkung sollte in solchen Fällen das Augenmerk auf die Symmetrie gelegt werden. Anhand der Einrichtung oder der Bodenfliesen lässt sich hier schön ein Mittelpunkt auf dem Bahnsteig finden. Und sollten einmal alle Stricke reißen und eine Rolltreppe allzu dominant in eine Ecke des Bildes ragen, dann hilft in letzter Not immer noch Photoshop. Die gute Seite des Bildes einfach gespiegelt über den Makel legen – wer nicht dabei war, weiß schließlich nicht, dass dort etwas störendes war.

Messestadt Ost:
Die Endstation der U2 hat bereits im Außenbereich ein sehenswertes Detail. Es befindet sich nämlich eine Sonnenuhr direkt vor dem Eingang zur U-Bahn, welche die Uhrzeit in ihrer trichterförmigen Umrandung anzeigt.
Im Inneren sind die bewährten Lichtbänder, welche dafür sorgen, dass überall ausreichend Beleuchtung vorhanden ist.
Da es sich hier um einen Endbahnhof handelt, ist das Aufkommen an Fahrgästen relativ gering, so dass entspannt fotografiert werden kann.

Messestadt West:
Mit seinen rostrot- und orangefarbenen Wänden lädt dieser Bahnhof ein, Bilder im Grungelook zu erstellen.
Der säulenlose Bahnhof, mit seinen blau schimmernden Oberlichtern, bietet die perfekte Spielwiese, um mit der Symmetrie der Architektur zu spielen. An der Ostseite ragen noch Fenster des eingebauten Cafes in den Bahnhof, so dass hier die Gleichförmigkeit gebrochen wird.
Fotografisch kann sowohl die Weite der Anlage im Querformat, als auch die Betonung der Farben und Formen im Hochformat genutzt werden.
In der Architekturfotografie ist es eigentlich verpönt, das Objektiv nach oben zu richten. Man will ja schließlich die sog. stürzenden Linien vermeiden. Es gibt keine Regel, die nicht auch gebrochen werden kann – vor allem, wenn es darum geht, Führungslinien zu erzeugen. Die in der Weite zusammenlaufenden Lichtbänder oder auch Seitenwände saugen den Blick des Betrachters förmlich in die Tiefe hinein. Eine bessere Methode die verloren gegangene Dreidimensionalität zu simulieren gibt es nicht.

Moosfeld:
Charakteristisch für diese Station sind die übergroßen Letter an den Wänden, die den Namen des Bahnhofs weithin sichtbar werden lassen.
An den gegenüberliegenden Wänden sind die Letter einmal rot in grau und einmal grau auf rot eingelassen.
Immer wieder reizt es mich, den einfahrenden Zug als „Geisterzug“ ins Bild zu bekommen. Dabei kann ich nicht einmal ein Rezept vorstellen, nach dem das sicher gelingt. Einfach probieren – wenn der Zug in die Station einfährt, den Auslöser betätigen und sich überraschen lassen, was die Kamera zu Tage bringt. Die Belichtungszeit sollte allerdings schon etwas länger sein, damit die Lichtspuren erscheinen können.
Die immer noch futuristisch anmutenden Leuchten passen perfekt zu dem modern gestalteten Bahnhof.
Dieser Bahnhof war wegen dem markanten Schriftzug für diesen Ausflug mein „must-have“. Trotz diverser Unannehmlichkeiten wegen dem eingeschränkten Betrieb dank der Baustelle Sendlinger Tor war es uns gelungen, der U2 bis zum Ende zu folgen und diese schönen Bahnhöfe einzufangen.

Ich hoffe, dieser Ausflug in den Münchener Untergrund hat wieder etwas Spaß gemacht. Ich habe nun 27 Stationen fotografiert und beschrieben. Von den insgesamt hundert Stationen habe ich also noch eine ganze Menge übrig, wenn sich auch nicht jede unbedingt lohnt, fotografiert zu werden.

Die früheren Beiträge findet Ihr unter:

U-Bahn-Fotografie: Grundsätzliches

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 1

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 2

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 3

U-Bahnhöfe Teil 4:

U-Bahnhöfe Teil 5:

Best of U-Bahn München

Sobald ich mich wieder auf den Weg mache, werde ich auch wieder davon berichten. Bis dahin wünsche ich Euch allen für Eure fotografischen Expeditionen allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Hinweis:
Die Beschreibungen der Stationen sind zum großen Teil an die Beschreibungen auf den  Internetseiten von https://www.u-bahn-muenchen.de/ angelehnt.

Wie plane ich mein Jahr?

Seit Anfang 2017 habe ich damit begonnen mir meine Ziele und Etappen zur Zielerreichung schriftlich zu fixieren. Ständig kamen mir neue Ideen in den Sinn-  natürlich am meisten im Zusammenhang mit dem Blog – und so musste ich ständig nachbessern und zugleich das im Auge behalten, was ich mir ursprünglich mal vorgenommen hatte.

Wenn man weiter kommen möchte, dann ist es schon von Vorteil, wenn man sich ein Ziel steckt und dieses zur Erreichung in kleinere Schritte oder Teilziele oder Meilensteine oder wie man es auch immer nennen möchte, untergliedert. Viele der großen Ziele werden erst erreichbar, wenn man sich selbst vor Augen hält, welche einzelnen Schritte man gehen muss, um am Ende – dem Erfolg –  anzukommen. Auch die längste Reise beginnt mit einem ersten, kleinen Schritt.

Als Plattform für die Notizen und ToDo-Listen benutze ich Evernote.
 Notizen kann ich so auch vom Handy aus erstellen oder ansehen, genau so wie zu Hause am Rechner. Überall habe ich immer den selben, aktuellen Stand.
Und wenn mir unterwegs eine neue Idee in den Sinn kommt, kann ich diese gleich an Ort und Stelle notieren. Das Handy hat man schließlich öfter dabei, als würde man ein Notizbuch mit sich rumschleppen.
Für größere Aktionen, wie z. B,. die Liste der Blog-Artikel-Ideen oder auch die Planung der Fotospots im Urlaub, nehme ich in Evernote jeweils eine eigene Notiz, die ich ergänze sobald mir wieder etwas einfällt oder ich neue Infos über interessante Motive erhalte. Und wenn man einmal damit angefangen hat, sich Notizen zu machen, merkt man erst, wie viel einem einfällt um es zu vergessen. Der Kopf ist überraschend frei für neue Inspirationen, wenn man sich sicher sein kann, das alles notiert ist und nichts mehr in Vergessenheit geraten kann.

Letztes Jahr war mein erster Eintrag auf der Liste eigentlich nur, dass ich mehr investieren wollte. Mehr investieren in die Fotografie und zwar nicht monetär, sondern in Zeit und Mühe beim Fotografieren selbst. Ich wollte mehr Anstrengungen unternehmen, um zu besseren Bildern zu gelangen. Das war mein primäres Ziel für 2017.
Dazu stellte ich an mich selbst die Anforderung, jeden Monat mindestens ein Mal bewusst zum Fotografieren zu gehen. Nicht einfach nur wandern gehen und dabei knipsen – sondern gezielt planen, was es Interessantes zu fotografieren gibt.  Ich notierte mir in jeder Zeile den Monat und da die Urlaubsplanung bereits fix war konnte ich auch schon gleich die ersten Zielbilder und Orte im Juni notieren.
Im Februar war ein VHS-Workshop gebucht – also war auch für diesen Monat schnell der passende Eintrag vorhanden.
Stück für Stück und Monat für Monat füllte ich die Liste auf – nicht alles was ich erledigt habe wusste ich am Jahresanfang schon. Aber durch die fortlaufenden Notizen war ich doch gezwungen, mich an die Vorgabe „jeden Monat einmal bewusst fotografieren gehen“ zu halten und nachzudenken, was es an Möglichkeiten im jeweiligen Zeitraum gibt.

Für dieses Jahr sieht es ähnlich aus. Die Liste ist noch ziemlich leer – ich bin mir jedoch sicher, dass ich mit dieser Technik auch heuer wieder viele interessante Punkte finden und erledigen werde.

Etwas Großes habe ich bereits Anfang Dezember begonnen: Ich nehme an einem 52-Wochen-Projekt teil. Somit ist auch gewährleistet, dass ich jeden Monat mindestens ein Mal bewusst fotografiere – genauer gesagt vier Mal, da ich ja  jede Woche eine Aufgabe aus der Challenge lösen muss. Gleichzeitig wartet jede Woche eine interessante Aufgabe, welche mir dabei hilft mich fotografisch weiter zu entwickeln.

Zielbilder und Meilensteine des Jahres werden die beiden geplanten Urlaube im Berchtesgadener Land und der Toskana werden. Hier habe ich in eigenen Kapiteln bereits Listen angelegt mit den Fotos, die ich auf jeden Fall mit Heim bringen möchte.

Auf einer eigenen Liste führe ich die Fotoideen mit, die ich im laufe des Jahres sammle. Nicht jedes Ausflugsziel kann gleich am nächsten Tag angefahren werden, doch eines Tages bin ich froh, wenn ich für das Wochenende noch ein paar Ideen in der Hinterhand habe.

Vielleicht kommt der Eine oder Andere von Euch ja auch auf die Idee und fixiert seine Planungen schriftlich. Ich habe jedenfalls festgestellt, dass ich seit dem mehr von den Sachen die ich „immer schon mal machen wollte“ auch tatsächlich in Angriff genommen habe. Die Bilder wurden mehr und besser und so habe ich auch zusätzlich noch den Erfolg des Ganzen überprüfen können.

Für die erfolgreiche Durchführung Eurer Projekte und Vorhaben in diesem Jahr wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

 

 

Jahresrückblick 2017 – Wer hätte das gedacht?

Das Jahr 2017 – was hat es gebracht?
Bevor ich in den Weihnachtsurlaub verschwinde möchte ich kurz mit Euch gemeinsam zurückblicken, denn am Anfang des Jahres hätte ich nie gedacht, was dieses Jahr alles mit sich bringt und das ich das Bloggen bis zum Ende des Jahres durchhalten werde.

Am Beginn des Jahres habe ich mir zu ersten Mal überhaupt eine ToDo-Liste angelegt. Ganz untypisch ist diese im Lauf des Jahres mitgewachsen – ich habe die Erfolge und die Ziele einfach das ganze Jahr über mitgeschrieben und ständig erweitert. Eigentlich sollte man sich ja vorab die Ziele vorgeben und dann an deren Erreichung arbeiten – aber da sich das Jahr so turbulent entwickelte, habe ich die Dynamik einfach in der LIste mit übernommen.

Im Frühjahr war ich wieder einmal zu einem VHS-Foto-Workshop angemeldet und neben so vielem kam mit mit einem Mal in den Sinn,, dass ich für mein Vorhaben einen eigenen Blog im Internet einzurichten ein Logo benötige. Kurzerhand habe ich einer Bekannten meine Kamera in die Hand gedrückt, mit der Bitte mich im Vorübergehen zu fotografieren. Ich wollte mich absichtlich als Silhouette vor dem hellen Hintergrund haben, also war heute der perfekte Tag dafür. Die Schwarzweiß-Umwandlung war am PC auch schnell geschehen – so hatte ich von der Idee zur Ausführung in weniger als einem halben Tag mein Logo erschaffen und gleich noch eine Visitenkarte bestellt.

Ende Januar war es dann soweit. Der erste Blogartikel erschien am 14.01. und ich hatte keine Ahnung, wie weit es mich bringen würde. Bis heute habe ich insgesamt 45 Beiträge veröffentlicht – jede Woche einen. Die ersten fünf Themen habe ich so im Kopf gehabt, das was weiter alles kam ist mir so nach und nach in den Sinn gekommen. Wieder habe ich, neben der ToDo-Liste, eine Themen-Liste geführt, die ich dann nach und nach abgearbeitet habe. Kurzfristige Sachen, wie z. B. Reviews habe ich spontan geschrieben und online gestellt. Die Rückmeldungen sind bisher kaum messbar, aber es macht Spaß, ich habe noch Themen und Ideen und so werde ich die Seite auch in 2018 erst einmal weiter führen.

Im Februar und April konnte ich endlich noch zwei Mal einen lang gehegten Wunsch wahr werden lassen: Ich begab mich mit zwei Fotoverrückten wieder nach München in die U-Bahn um zu fotografieren. Hieraus sind auch einige Blogeinträge entstanden, welche meine Begeisterung für diese Art der Fotografie widerspiegeln:
Grundlagen
Bahnhöfe Teil 1
Bahnhöfe Teil 2
Bahnhöfe Teil 3
Bahnhöfe Teil 4
Bahnhöfe Teil 5
Best of

Ebenfalls im Frühjahr hat der AKF Kaufbeuren die Bayerische Fotomeisterschaft ausgerichtet. Hier habe ich zum ersten Mal Bilder für eine große Fotoschau eingereicht und zu meiner eigenen Überraschung ist sogar die Annahme eines Bildes zur Jurierung dabei heraus gesprungen. Dieses Bild aus dem Eistobel hat es geschafft und wurde auch im Katalog abgedruckt.

Bei meinem Arbeitgeber der LEW Verteilnetz GmbH wurden meine Bilder von der Beleuchtungssarnierung in der Memminger Fussgängerzone von höherer Stelle wohlwollend zur Kenntnis genommen. Im der Folgezeit wurden diese in Artikeln im „LEW-Magazin“und in der Kommunalzeitung „LEW kommunal“ abgedruckt. Ich war mächtig stolz darauf, Bilder von mir in öffentlichen Publikationen abdruckt zu sehen.

Jetzt, pünktlich zum ersten Advent, bekam ich noch mit, dass ein weiteres meiner Bilder in einer Werbeanzeige Verwendung gefunden hat. Ich könnte stolzer nicht sein.

Der sog. „Youtube-Fotograf“ Stephan Wiesner startete einen Aufruf im Internet, damit Fotografen, die ihm folgten für ein geplantes Magazin Bilder und Plätze mit außergewöhnlichem Fotografiepotenzial ihm zukommen zu lassen. Ich meldete mich mit ein paar Bildern aus meinem geliebten Eistobel bei Isny und trotz anfänglicher Skepsis, da der Spot nicht in den Alpen lag, wurde ich mit einer Doppelseite belohnt für die ich den Entwurf des Textes gleich mitliefern durfte. Das Magazin hieß damals noch „go!“ , jetzt „Zielfoto“ und ist ausschließlich im Web-Shop bei Stephan Wiesner bestellbar.

In der Memminger Zeitung – lokaler Ableger der Allgäuer Zeitung – stand ein Aufruf an alle, doch Bilder vom Allgäu und der schönen Natur einzureichen. Arbeitskollegen, die mich und meine Bilder kannten, machten mich darauf aufmerksam und so habe ich im Mai ein paar Bilder eingereicht. Lange habe ich nichts gehört und ehrlich gesagt auch gar nicht mehr daran gedacht, bis mich im Oktober eine Bekannte benachrichtigte, dass sie ein Bild von mir in der Zeitung gesehen hat. Schnell bin ich noch an den Bahnhof gefahren und habe mir die Ausgabe gekauft – und tatsächlich war ganz unten links mein Bild vom allein stehenden Baum vor den Allgäuer Alpen abgebildet. Wieder eine Veröffentlichung, die mich stolz machte.

Da ich ja mittlerweile viel im Bereich Social Media unterwegs war habe ich über Facebook bei befreundeten Fotografen gesehen, dass es von der Zeitschrift Stern die View-Community gibt. Also habe ich mich hier auch einmal angemeldet und Bilder hochgeladen. In den ersten zehn Tagen habe ich direkt zwei Mal ein Bild des Tages abgeliefert.

Meine Hauptaktivitäten habe ich auf die Community von 500px gelegt. Seit 2016 poste ich dort jeden Tag ein Bild und habe mir dort eine Basis mit über 1700 Followern aufgebaut. Weihnachten 2015 hatte ich da mein erstes richtig erfolgreiches Bild mit dem Sonnenaufgang am allein stehenden Baum mit einer Bewertung von 97,8 von 100 Punkten.
Die Bewertung errechnet sich aus der Anzahl der Likes in den ersten 24 Stunden ab Veröffentlichung. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich noch keine hundert Follower – um so erstaunlicher war für mich die hohe Anzahl an Zustimmungen. Üblicherweise war ich damals froh über 90 Punkte zu kommen.. Seit ich die 1000er Grenze an „Folgern“ am 08.02.2017 überschritten habe, sind die Bewertungen konstant über 95 Punkte. Pro Monat bekomme ich im Schnitt 70 Follower dazu und das spornt mich immer weiter an, täglich ein neues Bild zu posten.

Um den Blog bekannter zu machen habe ich auf meinem Facebook-Account eine eigene Seite engerichtet, auf der ich ebenfalls jeden Tag ein Bild poste, aber auch die wöchentlichen Blogartikel vorstelle. Zusätzlich teile ich hier auch andere Beiträge aus der Welt der Fotografie sowie Beiträge die so zu sagen den Blick hinter die Kamera zulassen. Zwischen dem 01.06. und heute habe ich hier bereits über 120 Personen gefunden, die das regelmäßig lesen und kommentieren.

Bei meinen Ausflügen in den Münchener Untergrund wurde ich mit einem Mitglied des Memminger Fotoclubs bekannt gemacht. Neugierig wie ich bin, habe ich mir diesen dann im Frühjahr ein paar mal angeschaut. Die Bildbesprechungen und Aktivitäten haben mir dann so zugesagt, dass ich im Juli hier beigetreten bin und seitdem wieder vielen neuen Ideen entwickel konnte. Danke dafür allen, die mich so freundlich aufgenommen haben.

Da ich mittlerweile mit dem Schreiben in den „Flow“ gekommen bin und meine Liebe zur Fotografie von Wasser – im Besonderen im Eistobel – dieses Jahr so richtig aufgeblüht ist, habe ich mir jetzt im Herbst und für den Winter noch ein neues Projekt auferlegt. Ich bin dabei ein E-Book zu schreiben und hoffe, dass ich es auf der ToDo-Liste für 2018 auch sehr bald als erledigt abhaken kann.

Es bleibt also auch für nächstes Jahr spannend. Für dieses Jahr bedanke ich mich ganz herzlich für Euer aller Geduld und die Unterstützung, welche mir zu Teil wurde. Ich wünsche allen Freunden und Lesern eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Für all Eure fotografischen Vorhaben wünsche ich Euch natürlich auch heute wieder allzeit gutes Licht!

Werner Kutter