Multiplikation einer Person

Ich habe ja schon einen Beitrag darüber geschrieben, wie man unerwünschte Personen aus seinen Bildern entfernen kann. Diesmal möchte ich genau das Gegenteil beschreiben: Wie man eine Person im Bild mehrfach darstellen kann:

In Zeiten von Covid 19 hat mein Drang draußen zu fotografieren stark gelitten. Vielleicht ist es ja aber auch nur eine gelungene Ausrede und man steckt wirklich in einem kleinen kreativen Tief und es fällt einem nichts mehr ein, wie man sein fotografisches Talent weiterentwickeln soll.
Ich hatte diese Art von Bildern schon oft gesehen und für mich auch eine Vision im Kopf, wie ich es im eigenen Garten durchführen wollte. Anfang Mai haben wir unsere alte, morsche Hochterrasse abgebrochen und ich war dabei die Unterkonstruktion für die neue Terrasse auszurichten. Sonntags haben die Bohrmaschinen und Kreissägen bekanntlich Feiertag und so kam es mir in den Sinn, diese Multipersonenaufnahme einmal zu versuchen.

Ich war am Ende selbst überrascht, wie schnell ich die ganze Sache erledigt hatte – aber jetzt einmal Schritt für Schritt:
Am Anfang steht die Idee. Was möchte ich darstellen? Personen, die um einen Tisch sitzen? Unterschiedliche Sportarten betreiben?
Bei mir war es, aus aktuellem Anlass der Terassenbau. Ich stellte also die Kamera in den Garten, so dass diese den gesamten Bereich in dem gewählten Ausschnitt abbilden konnte. Als Modus wählte ich die Blendenvorwahl A. Die Blende stellte ich auf 11, damit ein möglichst großer Bereich scharf abgebildet wird. Fokussiert habe ich auf den Grill links vorne, damit zwischen diesem Punkt und dem Haus alles im Schärfeberiech liegt.

Wichtig ist, dass jetzt die Kamera wirklich nicht mehr verändert wird, damit später alle einzelnen Bilder deckungsgleich sind.
Zudem sollte darauf geachtet werden, dass die Aufnahmen möglichst bei gleichartiger Lichtsituation gemacht werden. Wie man auf meinen Einzelaufnahmen sieht, zogen immer wieder Wolken durch und der Unterschied ist in den Bildern deutlich zu sehen.
ISO auf 100 bzw. den niedrigst möglichen Wert der jeweiligen Kamera (es sei denn, es wäre so dunkel, dass dann die Verschlusszeit über 1/250 s steigen würde und die Person unscharf werden könnte) und die Kamera sucht sich dann selbst die passende Verschlusszeit, um ein ausgewogen belichtetes Bild aufzunehmen.

Wenn kein Helfer zur Hand ist, der entweder die Kamera auslöst oder als Model dient, dann stellt Ihr die Kamera, so wie ich, auf Selbstauslösung mit 10 Sekunden Verzögerung und platziert euch in der Zwischenzeit günstig im Bild.
Wenn es irgendwie geht versucht Überlappungen zu vermeiden – es spart in der Nachbearbeitung viel Zeit, wenn man dann nicht so genau arbeiten muss, um die Person korrekt sichtbar werden zu lassen.

Ich habe die gezeigten fünf Bilder gemacht und diese dann in den Computer geladen und die Bearbeitung in Lightroom gestartet. Es geht natürlich auch mit anderen Bearbeitungsprogrammen – wichtig ist jedoch, dass das Programm zum Zusammenfügen der Bilder mit Ebenen (Layern) arbeitet – und deshalb benutze ich zum Abschluss Photoshop.
In Lightroom habe ich die Auswahl getroffen, welche Bilder sich für die Zusammenführung eignen. Dann habe ich versucht, den Bildern alle etwa die gleiche Grundhelligkeit zu verschaffen, damit keine großen Unterschiede sichtbar werden.

Wenn die sog. Grundentwicklung (Lightroom ist ja eigentlich nur ein Programm, um RAW-Dateien zu bearbeiten) durch ist und ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, markiere ich die ausgewählten Bilder und exportiere diese nach Photoshop.
Hierzu kann man der Einfachheit halber mit der rechten Maustaste auf eines der markierten Bilder klicken und aus dem Kontextmenü den Befehl „Bearbeiten in“ – „in Photoshop als Ebenen öffnen“ auswählen. Schon öffnet sich Photoshop und die Bilder liegen übereinander gestapelt in einer Datei.

Jetzt wird über jede Ebene oberhalb der untersten eine schwarze Maske gelegt. Entweder indem man gleichzeitig die ALT-Taste gedrückt hält, wenn man auf das Symbol für die Maskierung klickt oder eine weiße Maske erstellt und diese mit STRG+i in eine schwarze Maske invertiert (umkehrt). Das gesamte Bild oberhalb dem darunter liegenden wird somit ausgeblendet (ausmaskiert).
Auf dieser Maske wird anschließend mit einem weißen Pinsel der Bereich sichtbar gemacht, in dem sich der abgebildete Mensch befindet. Das macht man dann Schritt für Schritt mit jeder weiter darüber liegenden Ebene so. Schwarze Maske erstellen – den Bereich der Person mit einem weißen Pinsel wieder sichtbar machen – fertig!
Das sind genau die weißen Bereiche auf dem Bild oben, welche den Bereich des Bildes anzeigen, der sichtbar gemacht wurde.
Das ist der ganze Trick hinter dem Bild der Fünflinge:

Also Ihr seht – man kann durchaus kreativ aus der Krise heraus kommen. Wenig Aufwand – große Wirkung! Ich hoffe, Ihr findet Spaß einem Projekt, wie diesem. Für gelungene Aufnahmen wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter