Durch das Hochmoor bei Torfhaus

Der Ort Torfhaus war ist die höchst gelegene Siedlung Niedersachsens. Jahrzehntelang war hier der beliebteste und beste Aussichtspunkt für die Westdeutschen um den höchsten Gipfel des deutschen Mittelgebirges, den Brocken, zu sehen. Riesige Richtfunkantennen sowie Sendemaste für Rundfunk- und Fernsehsignale sicherten in den Zeiten des kalten Krieges den Nachrichtenfluss und die Telefonverbindung zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik Deutschland. Zum Abhören des grenzüberschreitenden Telefonverkehrs hat die russische Besatzung auf dem Brocken schließlich Spionageanlagen errichtet und diese mit einer meterhohen Betonmauer gegen unerwünschte Blicke verwehrt.

Heute führt ein herrlicher Naturkundepfad durch dieses Hochmoor. Immer wieder kommt der Brocken in seiner ganzen Pracht in unser Blickfeld. Herrliche Wollgrasbüschel, Moose und andere Moorpflanzen säumen den Weg. Stellenweise wurde ein Holzbohlensteg direkt über das Moor gebaut, so dass die Erlebnisse besonders intensiv werden können.
Allerdings wird der Blick oft auf die abgestorbenen und teils wild verstreut liegenden Bäume gelenkt. Im Nationalpark Harz wird nach dem Prinzip vorgegangen, dass der Mensch nicht mehr in den Lauf der Natur eingreift und so darf man schon mal erschrecken, wenn es hier mitunter wild aussieht.

Die immer trockener werdenden Sommer machen auch vor dem Nationalpark nicht halt. So kommt es, dass in der eigentlich regenreichen Region jetzt auch der Borkenkäfer und Pilzbefall dem Baumbestand arg zusetzt. Und hier auf der Runde kann man sich davon aus nächster Nähe ein Bild davon machen.

Wer auch immer wieder vorkommt ist der Luchs. Immer wieder werden der wieder heimischen Wildkatze Denkmäler errichtet. Auf dem Weg von Torfhaus nach Bad Harzburg wurde ein Luchsgehege samt Beobachtungsplattform an der sog. Rabenklippe errichtet, auf der man auch der Fütterung der „Raubtiere“ beiwohnen kann. Rund 200 Jahre nach ihrer Ausrottung hat 1999 das Land Niedersachsen die Wiederansiedlung der Katze beschlossen. Der wunderschöne Luchs sollte in seine alte Heimat, den Harz zurückkehren und das scheint heute gelungen zu sein.

Der Rundweg durchs Hochmoor kann, dank der guten Anbindung an das vorhandene Wanderwegenetz beliebig ausgedehnt oder auch verkürzt werden. Sonniges Wetter mit schöner Fernsicht auf den Brocken macht die Anstrengungen natürlich angenehmer. Man kann auch von hier aus über den sog. Goetheweg die Brockenbesteigung zu Fuß anstreben und anschließend beispielsweise mit der Brockenbahn Richtung Wernigerode den Rückweg antreten. Der Fantasie und Wanderlust sind im Harz nahezu keine Grenzen gesetzt.

Was an der Aussicht von Torfhaus zum Brocken natürlich auch sehr gelegen kommt, ist das Licht am Morgen zum Sonnenaufgang. Wer sich früh genug aus dem Bett quälen kann und hier hochfährt, der wird hinter dem Torfhaus Nationalpark-Besucherzentrum am Beginn des Fusswegs mit einer tollen landschaftlichen Komposition belohnt, welche in keinem Portfolio fehlen sollte.

Die führende Linie des Weges lenkt den Betrachter ins Bild hinein – direkt auf den markanten Gipfel des Brockens hin, so dass das Bild eine enorme Tiefe erhält. Hier sind alle Elemente einer starken Komposition vorhanden – ein Vordergrund mit dem Weg und den flankierenden Felsen und dem Geländer, eine Bildmitte mit den einzelnen Stufen der bewaldeten Hügel und ein starker Hintergrund mit dem bekannten Gipfelabbild und der imposanten Färbung des morgendlichen Himmels.
Selbst den größten Morgenmuffel sollte bei diesem Anblick in freier Natur eine kleine Gänsehaut heimsuchen.

Für Wanderungen wie diese wünsche ich Euch, wie immer, nur das beste Wetter und für Eure Bilder, die dabei entstehen, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter