Reisebericht Königssee und Malerwinkel


Der Königssee ist ein wahrer Touristenmagnet. Aus aller Herren Länder kommen hier Menschen zusammen, um diesen wirklich schön gelegenen See zu bestaunen. Da für die Elektroboote bei Hunden in diesem Jahr ein Maulkorbzwang eingeführt wurde haben wir uns die Überfahrt zur Kirche St. Barthotlomä und dem Obersee gespart. Sollte sich jemand auf den Weg machen wollen: sehr früh kommen und Nebensaison nutzen! Um in eines der ersten Schiffe zu gelangen muss man früh da sein. Sollte man erst gegen Mittag übersetzen wimmelt es an allen sehenswerten Stellen von Touristen und schöne Bilder sind dann nur noch schwer zu bekommen.
Wenn man in Schönau vom Großparkplatz an der Jenner Bahn die Hauptstraße Richtung Königssee läuft kann man sich auch in der Vorsaison gut vorstellen, was sich hier für eine Menschenmenge Richtung Ufer schlängelt, wenn Hochsaison herrscht. Wir waren froh kein Gedränge und Geschiebe erleben zu müssen und konnten uns so in aller Ruhe die Auslagen der Souveniershops ansehen.

Am Schiffsanleger angekommen haben wir uns nach links gewendet und sind am Ufer hinter den Bootshäusern in den Wald marschiert.

Die Malerwinkelrunde ist klasse ausgeschildert und die angesprochenen Aussichtspunkte bieten einen wirklich schönen Blick über den See.

Die Aussicht vom Malerwinkel selbst über den See bis St. Bartholomä ist die bei Landschaftsmalern beliebteste Ansicht des Königssees. Hier wurde quasi der Standard für die klassischen Königsseebilder gesetzt.
Aber Vorsicht! Nicht schon hier die ganzen Bilder verschießen – es folgt noch ein toller Spot, der einen fast noch schöneren Aus- und Überblick bietet!

Der Weg ist breit und gut befestigt. In leichten Anstiegen windet er sich durch den dichten Wald, so dass die Strecke auch im Sommer gut zu gehen ist, da wirklich viel Schatten herrscht. Nach etwas mehr als dem halben Weg zurück zum Parkplatz hat man den höchsten Punkt erreicht. Von hier kann man noch einen Abstecher zur Rabenwand machen.

Ein wenig Trittsicherheit ist hier schon gefragt, aber der Ausblick ist spektakulär. Man ist einige Meter höher als am Malerwinkel und so ist, gutes Wetter vorausgesetzt, auch die Fernsicht einfach toll.

Dieser Weg ist gut gekennzeichnet jedoch nicht so bequem ausgebaut. Hier muss man mehrfach über Wurzeln und Felsblöcke steigen und deshalb ist hier auch dringend festes Schuhwerk angesagt. Der Abstecher dauert einfach etwa eine halbe Stunde, die Pause am Aussichtspunkt kann man aber umso mehr genießen.

Nachdem man wieder zum Hauptweg zurückgelaufen ist geht es nach kurzem Abstieg aus dem Wald heraus; an der Talstation der Jenner Bahn vorbei zurück zum Parkplatz. Alles in allem ist diese Runde ca. 5 km lang und sollte in 2 – 3 Stunden zu schaffen sein. Immer abhängig von der Zeit, in der man die Aussicht von den jeweiligen Punkten aus genießen möchte. Die Höhendifferenz beträgt ungefähr 190 Meter. Bis auf den Abstecher zur Rabenwand sind es durchwegs sehr gut begehbare und breite Fusswege.

Wer mal in der Gegend ist sollte sich diese Rund auf keinen Fall entgehen lassen. Für all Eure Vorhaben wünsche ich Euch, wie immer, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ramsau, Zauberwald und Hintersee

Rund um Ramsau gibt es viele bekannte Fotospots, von denen jeder die Mühe der Anfahrt und/oder des Spazierweges wert ist. Auch wenn die Bilder tausendfach im Netz kursieren, ist es doch ein Erlebnis, selbst die Aufnahme so zu gestalten, wie man es sich vor seinem geistigen Auge vorgestellt hat. Das Erfolgserlebnis, einmal ein Bild, welches man zuerst in der Galerie eines renommierten Fotografen gesehen hat, selbst zu machen, ist doch unbezahlar.
Beginnen möchte ich mit Ramsau selbst. An der Pfarrkirche St. Sebastian spucken in der Hauptreisezeit Reisebusse ganze Horden an asiatischen Gästen aus, um nach 10 Minuten wieder weiter zu fahren. Der bekannte Spot mit der Ramsauer Ache vor der Kirche ist dann immer wieder kurz total überlaufen. Anfang/Mitte Mai kann man es mit etwas Geduld jedoch leicht abwarten, bis die wuseligen Selfietouristen wieder abtransportiert wurden. Wer sich beim Wetter nicht ganz sicher ist kann sich ja die Bilder der Webcam vorher anschauen. Hier sieht man auch direkt die Postkartenidylle, welche man auf die Speicherkarte bannen will.

Was ich leider nicht wusste, aber auch sehr sehenswert gewesen wäre, ist der Friedhof an der Kirche. Zahlreiche mehr oder weniger ernst zu nehmende Sprüche zieren Gräber, Grabsteine und Kreuze. Nicht selten wird kein Hehl daraus gemacht, wie froh die Hinterbliebenen doch über das Verscheiden waren. Vielleicht nimmt sich ja der eine oder andere mal noch die Zeit und schlendert über die letzte Ruhestätte längst verblichener Einwohner.

Wer möchte kann auch direkt ab der Kirche in Richtung Zauberwald wandern – was allerdings knapp 2 ½ km Strecke und gut 80 Höhenmeter an Wanderung voraussetzt – und dann steht man erst am Beginn der interessanten Strecke.

Wir haben den bequemen Weg gewählt und sind bis zum P4 am südwestlichsten Ende des Hintersees gefahren. Von dort machten wir uns auf, den See zu umrunden und bei dieser Gelegenheit auch den Schwenk durch den Zauberwald zu genießen.
Auf der Südostseite führt der Wanderweg knapp 700 Meter getrennt durch die Leitplanke an der Straße entlang. Ab dem Eingang in den Zauberwald ist man jedoch eins mit der Natur. Gut gekennzeichnete Wege durch den Wald und an der Ramsauer Ache entlang lassen einen den Stress komplett vergessen. Für uns Fotografen tun sich hier auf wenigen hundert Metern dutzende von Möglichkeiten auf, das Wasser von all seinen Seiten zu zeigen. Urgewaltig umtost die Wassermacht den Fels, weich und anschmiegsam schleift das Wasser die Steine glatt.

Für meinen Geschmack hat sich im Bezug auf Wasser die Langzeitbelichtung voll durchgesetzt. Ich benutze hierzu meist eine Kombination aus zwei Filtern: einen ND 8 oder ND 64 Filter, um die Verschlusszeit auf mehrere Sekunden zu verlängern und davor einen Polfilter um die Spiegelungen im Wasser zu minimieren. Verschlusszeiten zwischen 2 und 10 Sekunden reichen mir völlig aus, so dass der ND 1000 Filter nur noch sehr selten zum Einsatz kommt.
Immer wieder tun sich kleine Wege auf, über die man direkt an den Rand des wilden Stroms gelangt.

Schier unermesslich sind die Vielzahl der Szenen, welche man hier entlang des tosenden Baches machen kann. Und am eindrucksvollsten sind genau die Bilder, bei denen man denkt das Stativ wäre direkt im Bach gestanden. Also nah ran und tief runter ist hier die Devise.

Am tiefsten Punkt der Runde wendet man sich dann nach links und folgt den Schildern zum Nordufer des Hintersees. Es geht stetig bergauf und man glaubt erst gar nicht, wie tief man hinabgestiegen ist, da das Fotografieren doch ziemlich vom Verlauf der Strecke ablenkt.

Wieder am Hintersee angekommen ging es für mich als erstes darum, den idealen Platz für das Sonnenaufgangsfoto zu finden. Denn ich wollte am nächsten Morgen um fünf Uhr wieder hier sein, um die morgendliche Stimmung am See einzufangen.
Schnell war er gefunden – der Spot, der tausendfach im Internet zu finden ist. Die Bäume auf den Felsen im See und im Hintergrund der Hochkalter – charakteristischer kann ein Landschaftsbild wohl nicht mehr sein. Im Nachmittagslicht sah die ganze Szene allerdings bei weitem nicht so spektakulär aus.

Da ich in der Dunkelheit nicht gerne Überraschungen erlebe, bin ich gerne am Tag vorher hier und kann bei normalem Tageslicht Parkmöglichkeit und Zuwegung abklären, so dass in aller Frühe keine Hektik aufkommt.

Am betreffenden Morgen waren wir dann zu dritt am See und genossen die Ruhe und die Farben, welcher der Tag mit sich brachte.

Man darf bei allem Beharren auf sein Zielbild natürlich auch nicht verpassen, einmal in eine andere Richtung zu fotografieren. Oft ist diese Ansicht deshalb überraschend schön, gerade weil sie nicht pausenlos im Internet zu finden ist.

Und wieder bewahrheitet sich, dass es sich lohnt, früh aufzustehen und die ersten Stunden des Morgens an einem See zu genießen. Es waren traumhaft schöne Minuten, die leider viel zu schnell vergehen aber Gott sei dank lange in Erinnerung bleiben.

Auf dem Weg zurück durch Ramsau lohnt es sich, erneut an der Kirche anzuhalten – die aufgehende Sonne setzt die Berggipfel hinter der Kirche wirklich gekonnt in Szene so dass erneut gute Positionen für weitere Fotos gesucht werden können.

Ich hoffe ich konnte Euch eine kleine Inspiration geben, einmal diese wunderbare Ecke Bayerns zu besuchen. Wir waren im Mai dort und ich werde noch die eine oder auch andere Erfahrung mit Euch teilen. Bis dahin wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Workshop „Ostrachwellen“ im Hintersteiner Tal

Aller guten Dinge sind drei!
Den alten Spruch kennt jeder und so habe ich mich relativ kurzfristig entschlossen, bei Manuela Prediger in diesem Jahr noch einen dritten Workshop zu besuchen.
Nach den Lichtern der Stadt im Frühjahr und dem Viehscheid Gunzesried vor vier Wochen sind nun die Ostrach und die Langzeitbelichtungen am Wasser dran.
Meine Lieblingsdisziplin!
Warum nehme ich dann am Workshop teil?
Weil ich immer auf der Suche nach Inspiration bin und mir das Fotografieren in Gesellschaft von anderen einfach viel mehr Spaß macht!

Pünktlich um viertel vor neun trafen wir uns an der vereinbarten Bushaltestelle am Wanderparkplatz in Hinterstein. So konnten wir uns den kleinen „Luxus“ erlauben, den ersten Teil der Strecke mit dem Linienbus zurückzulegen und die Kräfte fürs kreative Fotografieren aufsparen. An der Haltestelle am Elektrizitätswerk stiegen wir wieder aus und es folgte eine kleine Vorstellungsrunde; schließlich unterhält man sich gleich viel besser, wenn man sich zumindest beim Namen kennt. Dann ging es runter an die Ostrach. Hier wurden noch kurz die Grundlagen besprochen, welche die Arbeit mit Langzeitbelichtungen leichter machen. Welche Filterarten gibt es? Welcher Filter wird wann eingesetzt? Wie stelle ich die Kamera richtig ein. Was muss bei der Verwendung eines Stativs beachtet werden? Lauter kleine Details, die uns aber später bei der „Arbeit“ zwischen den Felsen die Sache ungemein erleichterten. Zum Thema Filter habe ich letztes Jahr bereits einen eigenen Beitrag geschrieben.

Wieder einmal zahlte es sich aus, jemanden zu haben der Ortskenntnis besitzt und die wirklich sehenswerten Locations kennt. Auf einer Wanderung durchs Hintersteiner Tal würde man an diesen Stellen glatt vorbei laufen. Doch Manuela hat sich die Strecke vorab angesehen und so den ein oder anderen Schleichweg gefunden um wirklich einmalige Aufnahmen zu erhalten. Dabei wird selbstverständlich immer größter Wert darauf gelegt die Natur in diesem Landschaftsschutzgebiet nicht mehr als erlaubt zu belasten.

Ich habe mir vorab zu Hause auch so meine Gedanken gemacht, was ich noch gerne ausprobieren möchte und dabei festgestellt, dass ich den sog. Bulb-Modus meiner Kameras so gut wie noch nie benutzt hatte. Dieser Modus erlaubt Aufnahmen über das zeitliche Limit der allermeisten Kameras von 30 Sekunden hinaus. Manche Marken haben ein B für Bulb am Programmwahlrad, andere wiederum schalten in diesen Modus, wenn man bei manueller Einstellung die Belichtungszeit einfach über die 30 Sekunden hinaus verlängert. in diesem Fall bleibt der Verschluss so lange offen, wie der Auslöser gedrückt gehalten wird (unbedingt einen arretierbaren Fernauslöser verwenden).

Also suchte ich mir eine Stelle an der ich damit experimentieren konnte. Da die Schlucht am Morgen noch schön im Schatten lag war ich ziemlich überrascht, wie schnell man Verschlusszeiten von über einer Minute erreichen kann. Ich schloss die Blende auf 16, stellte den niedrigsten ISO Wert von 64 ein und habe mir von der Kamera im Blendenprioritäts-Modus (A oder Av) die erforderliche Belichtungszeit anzeigen lassen. Dieser lag bei einer Sekunde. Diesen Wert gab ich in meine Smartphone-App von Rollei ein (Rollei-Moments ist eine kostenlose App zur Berechnung Verschlusszeit beim Einsatz von einem oder mehreren Filtern)  und bin bei einem Filter ND 6 schon auf eine Minute und vier Sekunden benötigter Verschlusszeit gekommen. ND 6 bedeutet, dass der Filter so stark verdunkelt, dass sich die „normale“ Belichtungszeit sechs mal verdoppelt – also insgesamt 64 mal länger wird (1x2x2x2x2x2x2=64). Das Praktische an der App ist, dass auch gleich ein Countdown gestartet werden kann und so stellte ich meine ersten Versuche mit „Ultralangzeitbelichtungen“ an.

Das Charakteristische an diesen Bildern ist, dass das Wasser extrem glatt gezogen wirkt und Stellen an denen Steine oder ähnliches vom Wasser berührt oder überspült werden sind extrem weich – fast wie gemalt. Mir gefällt dieser Effekt – wie insgesamt die Langzeitbelichtung immer wieder überraschende Ergebnisse bringt, da ja unser Auge nicht die Eindrücke über diesen langen Zeitraum sammelt und das so nie gesehen werden kann.

Bei dieser Art von Fotografie ist es natürlich unumgänglich, ein Stativ zu verwenden oder die Kamera sonst irgendwie sicher abzulegen. Keiner kann die Kamera so lange still halten um ein scharfes Bild zu erhalten. Die Faustformel sagt aus, dass die Umkehrung der Brennweite in etwa der Zeit entspricht, die verwacklungsfreies Fotografieren ermöglicht. Also z. B. bei einer Brennweite von 50 mm gilt 1/50 s als längst möglich Belichtungszeit für ein scharfes Foto aus der Hand. Die gängigen Bildstabilisatoren an Objektiv und Kamera versprechen zwar noch längere Zeiten – wer ein knack scharfes Bild will, dem sei gesagt, dass an einem Stativ definitiv nichts vorbei geht. Erste Regel unter Landschaftsfotografen: Heirate Dein Stativ!

Hier mal zur Veranschaulichung zwei Belichtungen übereinander gelegt:

Das obere Bild wurde mit 13 Sekunden belichtet und zeigt im auslaufenden Wasser deutlich weniger Details als die untere, 4 Sekunden-Belichtung. Es ist reine Geschmackssache, welches Bild einen mehr anspricht. In der Fotografie gibt es kein Richtig oder Falsch. Es ist schließlich eine Kunstform.

Gelegenheit zur Panoramafotografie bot sich ebenfalls.
Da es sich hier um keine Gebäude handelt, ist man beim Anfertigen eines Panoramas relativ schnell fertig. Es gibt kaum Chancen, dass Bildfehler wegen der Drehung der Kamera sichtbar werden – es gibt ja kaum geraden Linien in der Natur. Für ein Panorama werden mehrere Aufnahmen gemacht und es wird darauf geachtet, dass mindestens 25 Prozent des Bildinhaltes überlappen. Anschließend werden die Bilder am Computer zusammengefügt und das jeweilige Programm rechnet die Puzzlestücke so zusammen, dass keine leeren Bildstellen übrig bleiben. Den Aufwand, hier Panoramawinkel und ähnliche Utensilien mit in die Schlucht zu schleppen kann man sich sparen. Sogar Aufnahmen „aus der Hand“ werden, etwas Übung vorausgesetzt, zu brauchbaren Ergebnissen führen.

Aber Vorsicht: Die Aufnahmen der ganzen Szene führen oft dazu, dass das Bild etwas überladen wirkt und der Betrachter gar nicht herausfinden kann, was das eigentliche Motiv sein soll. Oft wirkt es besser, sich nur auf einzelne, kleine Elemente der gesamten Szene zu beschränken. Einen Gegenstand – hier der vom Wasser umspülte Felsen – isoliert darzustellen gibt dem Bild Klarheit.
Im Herbst darf natürlich das obligatorische Blatt auf dem Stein nicht fehlen. Quasi ein Stein-Portrait.

Schön ist es, wenn man bei Gestaltung auf die Linienführung achten kann. Die ganzen Grundlagen der Blickführung und Bildgestaltung können hier trainiert werden. Ein perfektes Übungsgelände für den ambitionierten Hobbyfotografen.  So bringen die S-Kurve
oder auch einfach nur eine Diagonale und ein Sonnenstern
zusätzlich Spannung ins Bild. Ebenso ist es schön, wenn sich die Blätter der umstehenden Bäume im Bach spiegeln und ihn so stellenweise blutrot färben:
Bei dem momentan vorherrschenden Lichtbedingungen in diesem wunderbaren Herbst ist es eigentlich schwieriger kein gutes Bild zu machen als anders herum. Genießen wir die Jahreszeit noch, so lange das Wetter hält.

In diesem Sinne: Geht raus, macht Fotos – die Zeit ist genau jetzt die richtige!

Allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

5 Tipps für bessere Fotos


Wer kennt sie nicht – Tipps für bessere Kameras, Ausrüstung, Bücher und Workshops. Eins haben sie alle gemeinsam: Sie kosten Geld. In diesem Beitrag möchte ich Euch fünf Tipps näher bringen, die erstens nichts kosten und zweitens trotzdem viel bringen wenn es darum geht seine Skills zu verbessern. Los gehts:

1 Vorausplanen:

Gute Planung ist unerlässlich. Nicht nur die Wettervorhersage, sondern auch die Anfahrt und die Umgebung kann man vorab checken und kommt so besser und verlässlicher zum Ziel.
Bekanntlich ist ja der Morgen und der Abend die beste Zeit zum fotografieren selbst. Was spricht also dagegen, über die Mittagszeit schon mal vorab die gewünschte Location anzuschauen. Wo kann ich parken, wie lange laufe ich zu zum gewünschten Ort, wo sind die besten Stellen, um das Stativ und die Kamera aufzustellen? All diese Fragen lassen sich ohne Stress vorab klären, so dass man zur besten Zeit entspannt sein Equipment einrichten kann und gerüstet ist, sobald z. B, der Sonnenuntergang einsetzt.
Schon von zu Hause lässt sich vorausplanen. Über Programme wie z. B. Google Earth kann man schon vom Wohnzimmer aus mal einen Abstecher an den Urlaubsort machen. Oft sind schon Bilder eingestellt, so dass man sich mögliche Spots schon im Vorfeld notieren kann. Über Apps wie z. B, Photo Pills oder Sun Surveyor (beide gibt es auch als kostenlose Versionen mit geringerem Programmumfang) können im Voraus die Zeiten für Sonnenaufgang und -untergang erfasst und auch der Sonnenstand vor Ort angeschaut werden. (siehe auch Beitrag: Nützliche Apps für Fotografen)
2. In RAW fotografieren:
Zum Thema Nachbearbeitung selbst habe ich schon einen Beitrag geschrieben (Pro und Contra Nachbearbeitung). Deshalb hier nur nochmal kurz quasi als Zusammenfassung:
In der digitalen Zeit findet immer eine Nachbearbeitung statt. Entweder wir überlassen dies der Kamera und fotografieren im Dateiformat jpeg, oder wir übernehmen diese Arbeiten selbst. Es darf also niemand behaupten, seine Bilder sind nicht bearbeitet, denn zumindest die Kamera, mit der ihr die Bilder aufnehmt,  bearbeitet und komprimiert die Bilder im jpeg-Format.
Wer der Kamera nicht die Entscheidung überlassen will, welche Bildbereiche wie bearbeitet werden, der muss schon selbst Hand anlegen. Um hierfür die best möglichen Voraussetzungen zu haben, der sollte im sog. RAW-Modus oder RAW-Format fotografieren. Dann nämlich werden die Rohdaten auf die Speicherkarte geschrieben und keinerlei Manipulation vorgenommen.
Im ersten Moment sehen die Bilder erschreckend flau aus – was daran liegt, dass die kamerainterne Bearbeitung ja vermieden wurde.
Hier sind jedoch alle Reserven enthalten, um selbst zu einem überaus ansehnlichen Ergebnis zu kommen. Die Kamera geht nach Schema F vor und bearbeitet das Bild mit den voreingestellten Parametern immer gleich und komprimiert ziemlich stark, so dass nachträgliche Änderungen meist nicht mehr spurlos möglich sind. Auch Bildteile, die wir gerne separat behandeln würden (z. B. den Himmel abdunkeln u. ä.) werden genau gleich wie alles andere bearbeitet.
Eine selektive Bearbeitung, welche in der Regel zu einem ausgewogenerem Ergebnis führt, kann nur von uns selbst durchgeführt werden. Denn nur der Fotograf selbst weiß, wie intensiv die Farben wirklich waren und welche Bildinhalte eventuell besonders herausgestellt werden sollten.
3. Tiefe position wählen:
Unser ganzes Leben betrachten wir immer alles auf Augenhöhe. Denn die Augen können wir nicht auf den Boden legen, um mal einen anderen Blickwinkel einzunehmen.
Aber unsere Kameras können wir doch aus der Hand legen! Probiert es doch beim nächsten mal gleich aus. Legt die Kamera auf den Boden, auf einen Felsen oder Baumstumpf o. ä. Ihr werdet überrascht sein, wie ungewöhnlich schön dann die Aufnahmen werden. Der Wow-Effekt stellt sich sofort ein, da diese Sichtweise nicht unserer Normalansicht entspricht.
Ganz besonders ansprechend sind auch Bilder von Bächen dicht über dem Wasserspiegel – der Betrachter fühlt sich hier sofort so, als wäre er mittendrin statt nur dabei!

4. Trips rund um Neumond:
Gerade für Nachtaufnahmen mit Sternenhimmel empfiehlt es sich, genau den Mondkalender zu studieren. Rund um Neumond sind die Sterne und die Milchstraße deutlich besser zu sehen, als zu den übrigen Mondphasen.
Das Licht, welches vom Mond reflektiert wird, ist in der Tat so stark, dass neben der störenden Straßen- und Gebäudebeleuchtung unserer Städte auch dieses dazu führt, dass das Sternenzelt nicht in seiner ganzen Pracht wahrgenommen werden kann.
Wer also nicht gerade den Vollmond ablichten will, dem sei geraten er solle die 5 Tage rund um Neumond nutzen, um wunderbare Nachtansichten des Alls zu erhalten.
 5. Früher vor Ort sein, als andere:
Mit dem letzten Tipp schließt sich quasi der Kreis. Er hängt unmittelbar mit dem ersten Tipp zusammen – der Planung.
Viele interessante Plätze werden natürlich auch von anderen Fotografen und Schaulustigen besucht. Deshalb ist bei der ganzen Planung immer zu berücksichtigen, dass wir früher da sein sollten, als die Anderen. Nur dann haben wir freies Feld und können uneingeschränkt entscheiden, wo wir uns hinstellen, um die vermeintlich beste Position für das Bild der Bilder zu erhalten. Generell gilt: mindestens 30 Minuten vor Sonnenaufgang da zu sein, sollte das Minimum sein, was anzustreben ist. Ausreichend Zeit im Vorfeld einplanen ist ein Muss, das um so schwerer wiegt, um so beliebter der Spot ist. Vielleicht kommt man ja nur ein mal im Leben genau hier vorbei. Oder während des Urlaubs lässt das Wetter nur einen Abend für das ultimative Sonnenuntergagsbild zu. Schade wer hier zu spät kommt und immer störende Menschen im Bild hat.

Ich hoffe, es war wieder einmal was für den Einen oder Anderen dabei und Ihr könnt es direkt umsetzen. Ich verbleibe derweil mit den besten Wünschen nach allzeit gutem Licht.
Werner Kutter

Reisebericht Harz: Das Ilsetal bei Ilsenburg

Das Ilsetal bei Ilsenburg ist ein beliebtes Ausflugsziel. Hier können sowohl Rundwanderungen gemacht, als auch der Grundstein zur Besteigung des Brockens über den Heinrich-Heine-Weg gelegt werden.

Am südlichen Ende von Ilsenburg, in der Straße Ilsetal befindet sich ein Grossparkplatz für unseren fahrbaren Untersatz. Wir starten von hier eine, normalerweise 2 stündige, Wanderung entlang der Ilse, die jedoch auf Grund der zahlreichen Unterbrechungen zum Fotografieren durchaus mal über 5 Stunden dauern kann. Für ausreichend Verpflegung und Getränke ist also zu sorgen, wie auch für wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk.

Gleich im Anschluss an das Kurparkhotel schlagen wir uns links durch den Wald ans Ufer durch und testen schon mal die Ausrüstung. Hier unten kann man sich, bei Bedarf, schon mal mit dem Eisatz der Filter vertraut machen. Es sind hier auch schon Felsen im Bach, der atemberaubende Teil kommt später, und so können die ersten Testbilder gemacht werden, um ein Gefühl für die benötigte Stärke der Filter und der daraus resultierenden Belichtungszeit zu bekommen. Als Filter kommen hier natürlich ND-Filter ebenso in Betracht, wie auch der Pol-Filter. Die Grundlagen und Unterschiede der beiden Filtertypen habe ich ja vor 2 Wochen im Beitrag „Der Unterschied zwischen Pol- und ND-Filter“ beschrieben.

Am Besten kommt man mit dem manzellen Modus der Kamera klar. Nur keine Angst vor den Einstellungen  – einfach mal Schritt für Schritt überlegen, was erreicht werden soll.
Zuerst die ISO. Wir fotografieren vom Stativ aus, verwackeln nahezu ausgeschlossen, also ISO 100.
Dann die Blende. Wir wollen möglichst viel im Bild scharf dargestellt bekommen, also Blende schließen. Jetzt wäre es gut, wenn Du Dein Objektiv einmal getestet hättest, in welchem Bereich Dein verwendetes Objektiv die schärfsten Fotos macht – bei den meisten so zwischen Blende 8 und 11. Da wir Aufnahmen im Weitwinkelbereich machen werden, wird Blende 11 in den allermeisten Fällen ausreichend sein. An meiner Kamera mit APSC-Sensor habe ich beispielsweise bei einer Brennweite von 18 mm, Blende 11 und einem Abstand von 3 mt zum Objekt  alles in einer Entfernung von 1 mt bis unendlich akzeptabel scharf. Die Blende weiter zu schließen bringt für die Tiefenschärfe nichts  – nur wenn die gewünschte Verschlusszeit mit dem eingesetzten Filter nicht lange genug wird, empfehle ich die Blende weiter zu schliessen.
Bleibt nur noch die Verschlusszeit: Je nach verwendetem Filter wird die Verschlusszeit jetzt eingestellt, so dass die Belichtungsmessung der Kamera wieder einen ausgewogenen Wert anzeigt. Möchten wir beispielsweise das Wasser seidig weich aussehen lassen, so stellen wir einen Wert von z. B. 2 Sekunden ein und lesen an der Anzeige der kamerainternen Belichtungsanzeige ab, ob das Bild nun korrekt belichtet oder unter- oder überbelichtet würde. Dementsprechend kann dann das Foto gemacht werden oder die Verschlusszeit verlängert werden (bei Unterbelichtung) oder die Blende weiter geschlossen werden (bei Überbelichtung).

Wir folgen dem Lauf der Ilse einfach immer weiter Flussaufwärts. Ab dem kleinen Türmchen, welches den Ursprung der Prinzess-Ilse-Quelle symbolisiert können wir ein Stück auf der Forststraße laufen, sollten aber die Abzweigung zurück an den Flusslauf nicht verpassen.
Immer wieder bieten sich Möglichkeiten, die Ilse sowohl erhöht vom Weg aus, als auch auf Bachniveau zu fotografieren.  Viele Bilder später gelangt man schließlich an die unteren Ilsefälle, wenige Minuten später auch an die oberen Ilsefälle. Hier bieten sich Gelegenheiten zur Rast und zum Verweile und schließlich auch die Entscheidung, wieder zum Ausgangspunkt zurück zu gehen, oder noch weiter zu wandern.

Für mich war an den Fällen Schluss und ich bin über den Forstweg (schneller) wieder nach unten gelaufen. Die Eindrücke und die Bilder lassen mich auch heute noch an diesen tollen Nachmittag zurückdenken und so wünsche ich Euch, sofern Ihr einmal in die Nähe kommt, das passende Wanderwetter und für die Fotografie allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

 

Anfängerfehler Teil 3


5. Die falsche Tageszeit

Morgenstund‘ hat Gold im Mund.
Ein altes Sprichwort, dass jedoch für die Landschaftsfotografie absolut zutreffend ist – denn ein Sonnenaufgang lässt sich in unseren Breiten nun mal nicht Mittags aufnehmen. Man muss schon seinen inneren Schweinehund überwinden, um im Sommer zum Erfolg zu kommen. Aber wer sich vorher über die zu erwartenden Wetterverhältnisse schlau macht, wird jedenfalls nicht enttäuscht werden.
In der folgenden Bilderserie ist schön zu sehen, wie sich auch die Lichtstimmung im Verlauf des Sonnenaufgangs ändert. Das beste Licht ist nämlich unmittelbar bevor die Sonne über den Horizont kommt…

Anfangs dominiert noch das nächtliche Blau die Szenerie. Schüchtern und langsam bahnen sich die ersten Strahlen ihren Weg, um den Nachthimmel zu vertreiben. Für solche Bilder ist unbedingt der Einsatz eines Stativs zu empfehlen oder die Kamera anderweitig gegen Verwackeln zu sichern.


Sobald die Sonne dem Horizont näher kommt nehmen die wärmeren Farbtöne zu und verdrängen nach und nach das kühle Blau der Nacht.

Es wird immer heller und die Farbstimmung ist meiner Meinung nach eigentlich jetzt am schönsten und intensivsten.

Sobald die ersten Sonnenstrahlen richtig das frühmorgendliche Glühen ablösen, nimmt das Orange zu und der Magenta-Anteil verschwindet langsam. Schön weich schmiegt sich das goldene Licht an den Hängen und Bergspitzen entlang, bereit die Szene ganz zu übernehmen.

Wenn die Sonne dann sichtbar wird, hat das Farbspektakel ein Ende. Orange überwiegt nun und bestreicht nun die Hügel und das Wasser mit Wärme. Es ist immer noch ein schönes Licht – besser als das harte Licht zur Mittagszeit, welches speziell im Sommer durch die senkrechte Stellung der Sonne mit kurzen Schatten und greller Anstrahlung für wenig Tiefe und Kontrast in den Urlaubsbildern sorgt.
Für mich hat sich das Aufstehen um 4 Uhr im Juli definitiv gelohnt.

An Abend vollzieht sich das Spektakel selbstverständlich in umgekehrter Reihenfolge erneut. Das Orange verschwindet dann langsam während der sogenannten goldenen Stunde. Die Sonne weicht dem nächtlichen Blauschwarz und kurze Zeit nach dem eigentlichen Sonnenuntergang bleibt für die sogenannte „Blaue Stunde“ noch dieser tiefblaue Nachthimmel, welcher ebenfalls noch sehr stimmungsvolle Bilder entstehen lassen. Für solche Aufnahmen an einem See hat sich jedoch bewährt, am Morgen zu kommen, da es um diese Zeit in der Regel windstill ist und somit der See weniger unruhig ist als beispielsweise am Abend.

6. Achte auf den Rand und den Hintergrund


Das Bild zeigt eine unglaublich schöne Winterstimmung. Feine Nebelschwaden ziehen über den Bach, die tief stehende Sonne zaubert feine Lichtreflexe auf das Wasser – und doch stört das Brückenteil in der rechten oberen Ecke. Jetzt kommt noch dazu, dass ich den Ausschnitt schon enger gewählt habe – ich habe das Foto in Lightroom beschnitten – so dass im Original noch viel mehr störende Elemente rechts am Rand entlang sichtbar waren. Mehr von der Brücke, aber auch ein Geländer am Rand des betonierten Brückenfundamentes.
Das Bild ist erst im Januar 2017 entstanden. Ich bin also trotzdem, dass ich mich schon sehr viel weiter entwickelt habe, immer noch nicht davor gefeit, vor lauter Begeisterung die Bilder vor Ort richtig zu beurteilen. Nur ein kleiner Schwenk, ein Schritt nach vorn oder zur Seite und das Bild wäre perfekt. So lange man vor Ort ist kann das alles schnell und problemlos bereinigt werden. Es müssen keine aufwändigen Retuschen mit Photoshop etc. gemacht werden, um unerwünschte Bildinhalte zu beseitigen.

Oft kommt es auch vor, das wir auf Erinnerungsfotos uns in der Szenerie so platzieren, dass im Hintergrund auffällige Straßenschilder mit im Bild sind. Rote Stopp-Schilder fallen da natürlich besonders krass auf. Auch gibt es viele Aufnahmen bei denen ein Baum aus dem Kopf des Abgelichteten zu wachsen scheint. In der Anfangszeit wird das, wie schon mal gesagt, wenig stören – wer sich jedoch wirklich weiter entwickeln möchte, der wird sich früher oder (selten) später sehr daran stören.

Immer schön wach bleiben und vor Ort genau kontrollieren, was man fotografiert hat! In diesem Sinne wünsche ich Euch allzeit gutes Licht.
Werner Kutter