Pragser Wildsee

Ich habe den Pragser Wildsee während meines Aufenthalts im Pustertal zweimal besucht. Einmal zum Fotografieren des Sonnenaufgangs und einmal am Vormittag zur Umrundung. Und ich möchte gleich vorausschicken: Ich muss mit der Begeisterung brechen, die andere für diesen Ort haben.

Dank des Internets und einer Fernsehserie mit dem Schauspieler Terence Hill erlebt dieser See einen immensen Zulauf. Die Idylle bekommt hier ganz schnell ihre Risse.

Ein ruhiges Plätzchen zu finden um den Anblick zu genießen ist schlichtweg unmöglich. 
Morgens um sechs tummeln sich bereits Scharen an Fotografen und Schaulustigen am Bootshaus. In den Hängen an den Sitzbänken, von denen aus man den schönsten Überblick hat, wimmelt es von Stativen.
Ich habe mich ans Ende der Schlange gesellt, um „mein“ Sonnenaufgangsfoto zu erhalten und musste da auch noch aufpassen, dass nicht noch der ein oder andere am Wasser steht und die Spiegelung bewundert.
Da der Himmel im Verhältnis zum restlichen Bild doch recht hell war, setzte ich für dieses Bild einen Verlaufsfilter ein. Dieser Filter bietet die Möglichkeit den oberen Bildteil abzudunkeln und damit die im Schatten liegenden Bildteile etwas aus der Dunkelheit hervorzuholen.
So habe nun auch ich ein Bild, dass tausende andere Fotobegeisterte auch auch haben und habe mir geschworen, nicht mehr hinter den schon millionenfach geschossenen Fotos her zu fahren. Lieber die ausgetretenen Wege verlassen und etwas eigenes kreieren.

Was in aller Früh um halb Sechs noch kein Problem darstellt wird im Lauf des Tages aber noch verstärkt. Bei der Zufahrt zum See gilt es in den Sommermonaten strenge Zeiten zu beachten, denn zwischen 10 und 15 Uhr wird die Zufahrt zum See durch die Polizei abgeriegelt. Zu Beginn der Sperrung wird man noch auf den Parkplatz an der Säge geleitet und kann mit dem Bus bis zum See fahren, wenn dieser Parkplatz jedoch ebenfalls voll ist wird man gnadenlos wieder zurück geschickt.

Wir beginnen die Runde, so wie alle anderen auch, am Hotel und gehen nach links zum Bootshaus. Im Film diente dieses als Wohnhaus vom Ranger Pietro (Terence Hill). Hier reiht man sich selbst morgens um 6 zum Sonnenaufgang in eine große Schar von Fotografen ein, die alle ihr Bild vom Stelzenhaus im See machen wollen. Vor allem die Plätze weiter oben, bei den wenigen Bänken im Hang, sind sehr begehrt hat man hier doch die Spiegelung des Berges voll im See. Das Alpenglühen zu Sonnenaufgang ist schon spitze, das muss ich schon zugeben. Wenngleich sich in den Dolomiten noch weitere tolle Massive für solche Bilder befinden, die bei weitem nicht so überlaufen sind.

Am Ufer oder auf dem Weg daneben gehen wir bis zur Brücke um die Seite zu wechseln. Die Spiegelung des Bergmassivs ist schon sehenswert, doch leider bleibt der See dank der Ruderboote nur selten ruhig.

Nach kurzem Marsch durch den Wald kommt auch schon der, einzige, Anstieg auf der Runde. Immer wieder mussten wir halten, um den Anblick zu genießen und Fotos zu machen. Nach dem Abstieg über teils rutschig glatte Steine landen wir im Geröllfeld und lassen erstmal den Hund ausgiebig baden. Das Wasser ist wirklich so kalt, wie es grün ist. Wie unser Hund das immer aushält ist uns ein Rätsel.

Etwa 200 m weiter kommen wir an einem riesigen Feld mit „Steinmännchen“ vorbei. Hier hält die gesamte Wanderer Schar andächtig an und erfreut sich an den kunstvollen „Bauwerken“.

Dann sind wir auch schon am Badestrand auf der Hinterseite des Sees angekommen. Hier tummeln sich Jung und Alt im und am See und es gibt auch öffentliche Toiletten. Tatsächlich trauen sich auch einige Menschen ins kühle Nass.

Über den breiten Forstweg kommen wir schnell wieder nach vorne und schauen uns noch die Kapelle und die weiteren Gebäude, die im Film u. a. als Polizeistation dienten, an. 

Froh, dem Strom der Spaziergänger wieder entkommen zu sein, gönnen wir uns noch ein Eis und schauen dem emsigen Treiben noch ein Weilchen zu, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen.

Auf dem Rückweg machten wir noch Halt an einer Kirche, die mich sehr an die Kirche in Ramsau erinnerte. Schnell noch ein Panorama machen – Frau und Hund warten im schattigen Auto – und zurück geht die Fahrt, um die nächsten Ausflüge zu planen.

Nützliche Infos:
Der Pragser Wildsee befindet sich auf 1496 m Höhe. Das ist nicht zu unterschätzen, wenn man die Höhenlage nicht gewohnt ist.

Ich wünsche Euch für Wanderungen trockenes Wetter und für Eure Bilder immer ein paar Wolken am Himmel, aber vor allem allzeit gutes Licht!


Werner Kutter