Tierfotografie – Mein Hund ist mein Model…


Jeder, der ein Haustier sein eigen nennt und sich für die Fotografie interessiert, möchte auch einmal schöne Bilder von seinem Tier haben. In diesem Beitrag möchte ich anhand einiger Beispiele aufzeigen, was geht und was man unterlassen sollte. Die Tipps gelten unabhängig der Tierart und Rasse.

Zunächst einmal ein paar no-gos – was man vermeiden sollte:

1. Fotografiere nie von oben herab!
Bilder aus der menschlichen Augenhöhe sind bequem und schnell gemacht, sehen gewohnt aus und wirken dadurch leider auch schnell langweilig. Jeder Smartphone-Besitzer kann solche Fotos machen, wir nicht. Wir können es besser!
Besser ist es nämlich, wenn wir uns auf Augenhöhe mit dem Tier begeben – auch wenn es für fast alle Tiere bedeutet, dass wir uns auf den Boden legen müssen!

2. Die Richtige Brennweite verwenden!
Wie bei der normalen Porträtfotografie auch sollten die Weitwinkelbereiche des Objektivs vermieden werden. Der Weitwinkel zwingt uns zwar näher ans Modell heran, führt aber auch zu unschönen Verzerrungen in der Abbildung:

Wir verwenden ein Objektiv, welches oberhalb von 50 mm arbeitet und für Porträts Bilder ohne Verzerrungen erlaubt. Außerdem haben wir so die Möglichkeit, aus der Entfernung zu beobachten und wenn es interessant wird, ein Bild zu machen. Die Kamera wird für Porträts eingestellt, damit der Fokus schön auf dem Tier liegt und der Hintergrund möglichst aus dem Schärfebereich heraus fällt. Also offene Blende, so um die 5.6 – noch weiteres öffnen der Blende birgt die Gefahr, dass die Schnauze scharf ist, jedoch schon die Augen in der Unschärfe liegen. Und wenigstens das nahe liegende Auge sollte scharf sein.

Idealerweise läuft das Tier auf uns zu. Schöner ist es auf jeden Fall, den Blick einzufangen, als das Hinterteil. Porträts bieten sich an in der Frontalansicht
in der Seitenansicht
oder auch aus ungewöhnlichen Winkeln, etwa wenn der Hund über die Schulter blickt.


Ganz besonders interessant finde ich auch, wenn man sich auf Details konzentriert und diese schön zur Geltung bringt, wie z. B. eine Pfote
Im Action-Bereich sind natürlich alle Möglichkeiten offen. Beim Toben im Garten sollte die Kamera jedoch anders, als beim Porträtieren eingestellt werden. Hier empfiehlt es sich, die Kamera auf den Serienbildmodus umzustellen, den Fokus nachführen zu lassen (damit bei Änderung der Entfernung zum Tier das Bild weiter scharf bleibt) und darauf zu achten, dass die Verschlusszeit nicht unter 1/250 s fällt, damit keine Bewegungsunschärfe auftritt. Und dann: Feuer frei!
Schön ist es auch wenn beim Spaziergang, z. B. im Winter einfach mal dokumentiert wird, wie wohl das Tier sich fühlt.
Bleibende Erinnerungen – Momente, festgehalten in einem Bild, das aussagt, wir haben gemeinsam etwas erlebt.
Und nicht zu vergessen auch hier gibt es Details zu entdecken, welche sich irgendwann als kleiner Schatz entpuppen können.
Lasst Eurer Fantasie einfach freien Lauf . Fotografieren heißt auch experimentieren. Learning by doing! Es gibt kein Richtig oder Falsch. Jeder hat seinen eigenen Geschmack und weiß selbst am besten was ihm gefällt. Also los! Raus, Probieren, Machen, Tun!

Ich hoffe ich konnte Euch ein paar Tipps und Anregungen geben und wünsche Euch für das kommende Haustiershooting allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

P.S. In memorian Roy 20.10.2001 – 24.01.2017
Der beste Lehrmeister, den man sich vorstellen konnte…

Zeit zum fotografieren…


…nehmen ist eine gute Voraussetzung für gelungene Bilder.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ebenso wichtig ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Man kann den Sonnenaufgang nunmal im Sommer nur vor 6 Uhr einfangen. Da muss der Langschläfer schon mal durch!
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die Uhrzeit keine große Rolle spielt, ist es sehr wohl ein großer Unterschied, ob die Sonne flach am Horizont oder steil am Himmel steht. Und das war der größte Fehler, den auch ich sehr lange begangen habe – ich habe zu wenig früh morgens und spät abends fotografiert und diese Gegebenheiten zu lange zu wenig beachtet.

Oder auch bei schlechtem Wetter. Die heute erwerbbaren Kameras sind alle soweit spritzwassergeschützt,  so dass ein leichter Regenschauer der Elektronik nichts ausmacht. Man muss ja nicht direkt in den Dauerregen stehen, aber ein paar Regentropfen kann jede Kamera ab. Generell ist das Fotografieren tagsüber bei bewölktem oder bedecktem Himmel besser, als wenn die Sonne runterknallt. Bei oder kurz nach dem Regenschauer kommen noch viele weiteren Motivmöglichkeiten hinzu, die schnell übersehen werden: Spiegelungen im Wasser, in Pfützen. Oft lassen sich so kuriose Motive ablichten, bei denen die Welt quasi auf dem Kopf steht.

Oder ein schöner Regenbogen spannt sich am Himmel von einer Seite auf die Andere.

Tagsüber bei hellem Sonnenschein sind die Gegebenheiten meist ungünstig. Personen kneifen die Augen zu, Gebäude und deren Teile werfen äußerst kurze Schatten, so dass die dreidimensionalität der Dinge nahezu verloren geht. Viele Motive werden dadurch schlicht flach, kontrastarm und bei vielen Situationen wird der Sensor der Kamera schlicht überfordert, da er bei weitem nicht diesen großen Dynamikumfang, wie das menschliche Auge abbilden kann. Hier wird dann entweder der helle Bildteil überbelichtet oder das dunkle schlicht schwarz. Wenn man nicht gerade Silhouetten im Gegenlicht aufnehmen will, wartet man leichter, bis z. B,. durch eine Wolke das Licht indirekter und diffuser wird.

Die beste Zeit für Fotografen ist, ohne Zweifel, früh morgens oder am Abend. Morgens hat man den Vorteil, dass z. B. an Seen und Gewässern noch kaum Wind herrscht und so die Szenerie allgemein ruhiger ist. Für die Fotografie mit dem vorhandenen Licht (avaiable light) sind die Zeiten wie folgt aufgeteilt:  Die Nacht, die morgendliche Blaue Stunde und die goldene Stunde am Morgen. Am Abend wiederholt sich das Spektakel in umgekehrter Reihenfolge.
In der Nacht ist der Himmel in der Regel tief schwarz. Hier kann allenfalls der Sternenhimmel, mit der Milchstraße rund um Neumond, fotografisch verwertet werden. Ansonsten muss mit zusätzlichem Lichteinsatz fotografiert werden.

Der Begriff mit der blauen und goldenen Stunde soll nicht bedeuten, dass diese Lichtsituation genau diese Zeitspanne anhält –  nein, das ist eher redensartlich gemeint. Denn je nach Jahreszeit und Ort an dem man sich befindet, ändert sich dieser Zeitraum dramatisch. So sind die Phänomene rund um den Äquator fast gar nicht feststellbar, je näher man den Polen kommt, um so länger dauern diese Phasen bis hin zur Mitternachtssonne am Polarkreis, die wiederum die blaue Stunde und die Nacht verhindert.
Noch lange bevor der erste Sonnenstrahl den Horizont erhellt ändert sich das schwarz der Nacht in ein tiefblau – das erste Licht, welches sich fotografisch abbilden lässt.

Nach der blauen Stunde kommt das eigentliche Farbspektakel, wenn die Sonnenstrahlen den Horizont überqueren. Die Sonne muss hierzu noch gar nicht aufgegangen sein – die Farben sind da, angefangen von einem Ton in Richtung Margenta

der später dann  dominiert wird vom Orangerot der Sonne. Die goldene Stunde hat angefangen.

Wenn die Sonne schließlich der Horizont überquert hat, dauert es nicht mehr lange, bis das Farbenspiel zu Ende geht. Rund um die Mittagszeit – etwa zwischen 10 und 16 Uhr im Sommer – ruht der Landschaftsfotograf, da jetzt die denkbar schlechteste Zeit ist für schöne Bilder. Erst am Abend, wiederholt sich das Spiel in umgekehrter Reihenfolge. Dann wird es wieder Zeit seinen Spot aufzusuchen und nach dem besten Bildauschnitt ausschau zu halten.

Damit möchte ich es für heute belassen und wünsche Euch für Eure Sonnenauf- und untergänge allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 2


Diese Woche bewegen wir uns weiter nach Osten, von Norden und Norddeich, auch ein Stück ins Landesinnere und wieder zurück an die Küste bis Harlesiel.

In Norddeich starten die Autofähren nach Norderney und Juist. Hier ist immer was los und bei gutem Wetter lassen sich auch tolle Aufnahmen von Norderneys weithin sichtbarem Wahrzeichen, dem Leuchtturm, machen. Auch in Norddeich reihen sich Hotels, Gaststätten und Fischbuden aneinander. Die hungrige Seele kann hier von allem etwas abbekommen. Frische Seeluft für die Lungen genau so, wie frischen Fisch für den Magen. Und natürlich finden sich hier auch Plätze am Deich, um einen schönen Sonnenuntergang einzufangen.
Norden ist die nordwestlichste Stadt Deutschlands und so etwas, wie der Hauptort hier oben. Auch hier sind Windmühlen zu bestaunen, auch wenn sich rund um eine ein Einkaufszentrum breit gemacht hat, was für mich etwas verwunderlich wirkt. Ein schönes Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und guten Gaststätten und einer kleinen Fußgängerzone lädt zum Verweilen ein. Im Tee-Museum z. B. kann man sich in alle Geheimnisse und Gepflogenheiten rund um den Ostfriesentee einweisen lassen. Mein Tipp zum Essen ist das Restaurant Minna. Hier gibt es eine kleine, feine Karte – sogar ein vom NDR prämiertes Gericht ist darauf zu finden.

Etwas weiter westlich finden wir das Schloss Lütetsburg, direkt an der alten Landstraße zwischen Norden und Hage.

Hier kann das Fotografenherz im Mai/Juni beinahe aus der Brust springen. Im Schlosspark wurde eine überbordende Anzahl von Rhododendren angepflanzt. Hier müssen im Frühjahr ganze Blütenwände stehen – leider war ich erst Ende Juni in der Gegend und die Blüte schon zum Großteil vorbei. Während der Blüte ist das Mitbringen des Makro-Objektivs Pflicht!
Weiter südwestlich im Landesinneren wartet noch ein Kleinod für den Makroliebhaber: das Ewige Meer.

Eine Moorlandschaft der Extraklasse. Blindschleichen, Salamander, Libellen, seltene Pflanzen – wer hier mit der Makro-Linse nicht fündig wird sollte sich ernsthaft ein anderes Hobby suchen. Ein wunderbarer Holzsteg führt mit einem Naturlehrpfad durch das Hochmoor. 90 Minuten sollte man mindestens einplanen – Fotografen natürlich entsprechend mehr!

Etwas weiter südlich, auch südlich von Aurich, befindet sich eine Gedenkstätte der alten Klosteranlage Ihlow. Stahl und Holz bilden die Pfeiler und das Gewölbe des einst größten Gotteshauses zwischen Bremen und Groningen nach. Wanderwege im Wald laden zum flanieren ein, die künstlerische Aufarbeitung der Vergangenheit lädt zum fotografieren ein. So ist für alle etwas dabei, die mit auf Reisen gehen.

Auf dem Weg nach Norden, zurück an die Küste, machen wir noch halt in einem Windkraftanlagen-Park.  Zwischen Westerholt und Esens gibt es eine begehbare Windkraftanlage – natürlich nur für Schwindelfreie!
Die Plattform befindet sich auf einer Höhe von 62 mt und ist über eine
297 Stufen zählende Wendeltreppe im Turm zu erreichen.
Oben angekommen findet man eine geschlossene Plattform mit schräg gestellten Fenstern vor, die bei guter Sicht einen Ausblick bis nach Holland zulässt. Wenn die Menge der Interessenten überschaubar ist, wird auch schon mal die Luke zum Generator und auch die Dachluke für den ungestörten Ausblick geöffnet. Da wurde allerdings selbst mir ein bisschen Mulmig.

Der Ausblick ist, wenn man es verträgt, jedenfalls überwältigend.

Auf unserem weiteren Weg an die Küste befinden wir uns meistens auf der norddeutschen Straße der Windmühlen. Dies bezieht sich jetzt jedoch auf die historischen Windmühlen und nicht die, zahlenmäßig stark überlegenen, modernen Windkraftanlagen.  In vielen kleinen Dörfern kann man sie besichtigen – ein paar wenige sind sogar noch in Betrieb.

Unterschiedlichste Bauformen treffen hier aufeinander. Viele Mühlen sind zwar mittlerweile von Häusern umringt, ein paar wenige stehen noch so frei, dass sich das Anhalten wirklich lohnt.
Auch hier gilt – bei Weitwinkelaufnahmen nicht zu sehr die Kamera nach oben richten, um stürzende Linien zu vermeiden. Man kann es aber auch absichtlich übertreiben und dies als Stilmittel einsetzen – jede Regel lässt sich brechen.
Bei den meisten Küstendörfern sind die Häfen hinter den Deichen geschützt schön angelegt bzw. restauriert. Ein Spaziergang entlang des Wassers lädt immer wieder zum Fotografieren ein – sind doch die unterschiedlichsten Boote und Schiffe am Kai festgemacht.
Bei all den Schönheiten darf auch das Dorfgeschehen ein paar Meter Abseits der Massen nicht vergessen werden. Wenn an den Flaniermeilen sich Besucherströme durch die Gassen drücken, ist im weiter innen liegenden Dorfkern oft auch noch einiges Fotogenes zu entdecken. Nicht selten durchziehen Grachten die Orte und bewegliche Holzbrücken dienen immer noch als Übergang und auch als Fotomotiv.
Ich könnte noch ein paar Wochen weiter schreiben, so sehr habe ich mich in diesen Küstenabschnitt verliebt. Durchwegs freundliche Menschen machen es einem leicht, hier den Urlaub zu verbirngen. Für Eure schönste Jahreszeit, den Urlaub, und die fotografischen Unternehmungen wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 1

Ostfriesland ist reich an Sehenswürdigkeiten. Der kleinste und der höchste Leuchtturm Deutschlands stehen nur 12 km auseinander. Der schiefste Turm der Welt steht ebenfalls hier und nicht in Italien. Berge von Rhododendren im Schloss Lütetsburg im Mai, die Silhouette einer Kirche im Wald – gewöhnliches und außergewöhnliches reihen sich hier in nächster Nähe aneinander; man muss nur noch die Reihenfolge festlegen und los geht’s. 

Fangen wir im Westen an und arbeiten uns ostwärts voran. An spannenden Orten zum Entdecken, Entspannen und Fotografieren mangelt es sicher nicht.

Emden beherbergt gleich zu Beginn jede Menge interessanter Motive – und ich meine jetzt nicht nur den Ottifanten, der sich mit seinem Kopf durch die Wand aus dem Otto – Huus schleichen will.

Gleich gegenüber ist der schöne Hafen an dem man sich den historisch anmutenden Schiffen nähern kann. Backsteinromatik, wohin das Auge schaut. In der Pelzerstrasse 12 beispielsweise wurde die alte Fassade schön restauriert. Im Inneren ist ein Café, in dem Menschen mit Handicap arbeiten.  So hilft ein Besuch und die Einkehr auch noch einem guten Zweck. Und der Ostfiesentee ist wirklich sehr gut!
Fototechnisch ist bei Architekturbildern hauptsächlich darauf zu achten, dass das Objektiv nicht zu stark nach oben gerichtet wird. Wenn im Weitwinkelbereich hier übertrieben wird, dann entstehen die unschönen „stürzenden Linien“ – eigentlich aufrecht stehende Häuser und Türme sehen dann so aus als würden sie nach hinten stürzen.

14 km weiter westlich ist der Knock – der nordwestliche Zipfel Deutschlands. Hier kann man über den Dollart quasi nach Holland spucken. Der alte Fritz steht am Ufer und wacht darüber, dass der Konsum von Tee und Kaffee nicht überhand nimmt.
Hier kann es sehr schöne Sonnenuntergänge geben, welche im Zusammenspiel mit den vorhandenen Figuren und Gebäuden alles bieten werden, was ein Bild braucht: Vordergrund, die Bildmite und der Sonnenuntergang im Hintergrund. 

Der Kirchturm in Suurhuusen, 6 km nördlich von Emden, welcher eine Schräglage von 5,19 Grad aufweist ist der wirklich schiefste auf Erden. Ganz egal, was die Italiener immer behaupten, der berühmte Turm in Pisa hat nur 3,97! Das alles und der höchste deutsche Leuchtturm in Campen (für meinen Geschmack ein hässlicher Stahlturm ohne „Seele“) ist im Umland von Emden zu finden.

Der kleinste Leuchtturm Deutschlands ist wahrscheinlich auch gleichzeitig der bekannteste. Otto Waalkes hat ihn in seinen Kino–Film „Otto der Ausserfriesische“ 1989 eingebaut und ihm so zu Weltruhm verholfen. Der Pilsumer Leuchtturm ist lediglich 15 mt hoch und somit der kleinste aller Leuchttürme hierzulande. Das für die Schifffahrt wichtige Leuchtfeuer befindet sich gar nur auf 11 Metern. Zu beachten gilt hier, wie an fast allen Deichabschnitten, dass das Mitführen von Hunden wg. der Schafhaltung strengstens verboten ist.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt Greetsiel. Ein malerischer Ort mit seinen engen Gassen und kleinen Grachten. Am Ortsrand gleich gegenüber dem Parkplatz begrüßen einen die Zwillings-Windmühlen – das Wahrzeichen von Greetsiel.

Der Ortskern ist autofrei und so ist dem gemütlichen Flanieren nichts im Weg. Zahllose Lokale und Gaststätten laden zum Genießen und Verweilen ein. Nirgends schmecken Fisch und Krabben so gut, wie hier – direkt an der Küste.
Schön ist es hier vor allem in der endlos erscheinenden Abenddämmerung bis zur blauen Stunde. Herrliche Pflasterstraßen und beleuchtete Gebäude geben einen tollen Rahmen für stimmungsvolle Bilder.

Immer wieder interessant ist auch der Ausblick aufs Meer. Von fas allen Stellen an der Küste ist immer mindestens eine der vorgelagerten ostfriesischen Inseln zu sehen.  Von Borkum ganz im Westen vor Holland bis Wangerooge ganz im Osten – immer hat man „Land in Sicht“.

Das nächste Mal führt  uns unsere Rundfahrt von Norden/Norddeich bis nach Harlesiel – und einmal gehen wir dabei sogar noch hoch hinaus! In diesem Sinne wünsche ich Euch bis nächste Woche alles gute und für die Fotos allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

 

Reisebericht Urwald Sababurg

Knapp südlich des Teutoburger Waldes, im nordhessischen Landkreis Kassel liegt der Urwald Sababurg, auch als Urwald im Reinhardswald bekannt.  Er ist ein unter Natur- und Landschaftsschutz stehendes und aus einem Hutewald hervorgegangenes Waldgebiet und zugleich -biotop. In seiner urwüchsigen Form ist er für ganz Mitteleuropa einzigartig.  Er steht seit 1907 unter Schutz und ist damit Hessens ältestes Naturschutzgebiet.

Der „urige“ Charakter des 92 ha[ großen „Urwaldes“ wird geprägt von alten Hutebäumen. Die mächtigen, knorrigen „800 bis 1000-jährigen Eichen“ und dick- oder mehrstämmigen Buchen sind Zeugen einer jahrhundertelangen Bewirtschaftung. Zudem wächst „meterhoher Farn“, was ihm zudem einen ganz eigenen Charme verleiht. Hutewälder dienten früher als Waldweide für die landwirtschaftlichen Haustiere, u. a. Schweine. Im Wald stehen viele alte Eichen und Buchen, die jeder für sich schon ein Naturdenkmal darstellen.

Der Urwaldcharakter wird dadurch verstärkt, das in diesem Bereich seit über 100 Jahren die Pflanzen sich selbst überlassen werden und der Mensch nur im äußersten Notfall eingreift. Überall liegen Totholz und Ruinen mächtiger Bäume, welche im Lauf der Zeit wieder selbst ein Teil der urigen, sich selbst erneuernden Natur werden. Durch diese Maßnahmen entsteht ein einzigartiger Lebensraum für viele Tiere, Pilze und Pflanzen.

Heutzutage zieht er neben Wanderern vor allem Maler und Fotografen an. Auf den gut gepflegten Wegen lässt sich hier die Natur in ihrer ursprünglichsten Form bestaunen. Die wenigen morastigen und feuchten Stellen wurden mit Holzstegen begehbar gemacht, so dass eigentlich jeder, selbst mit Kinderwagen, in den Genuss dieses Spektakels kommen kann.

Es gibt drei markierte Rundwege, die für alle Altersklassen etwas bieten. Die Länge ist mit 1,8 km für den kurzen und 4 km für den längsten angegeben, so dass es selbst für gehfaule keine Ausrede geben dürfte, sich hier der Natur ganz hin zu geben. Wem das zu wenig ist, kann noch den angrenzenden Tierpark besuchen und sich noch das Schloss Sababurg mit ansehen.

Alles in allem ein lohnender Ausflug in Deutschlands Mitte, wir haben hierfür eigens unsere Heimfahrt von Ostfriesland ins Allgäu unterbrochen. Für  zukünftige Wanderungen und Fotoausflüge wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Harz: Die Teufelsmauer bei Thale

Spricht man einen Harzer auf die Teufelsmauer an, so kann es durchaus passieren, dass man zunächst nach Blankenburg geschickt wird. Hier gibt es nämlich eine offizielle Wanderroute mit dem Namen „teuflischer Wanderspass„. Den Bildern auf der Webseite der Tourismusinfo von Blankenburg  ist aber zu entnehmen, dass die beschriebenen bizarren Felsformationen, verwitterten Gesteine und markanten Klippen relativ stark mit Bäumen eingewachsen sind. Immer wieder durchbrechen die Steinformationen zwischen Blankenburg und Thale das ansonsten eher landwirtschaftlich geprägte Harzvorland.

Mein Ziel war eher der Abschnitt der Mauer bei Thale – genauer gesagt Weddersleben. Hier war aus Google Maps bei der Recherche ersichtlich, dass die Steine relativ frei in der Landschaft stehen und ich mir so für den geplanten Sonnenuntergang interessante Hintergründe für die Bilder erhoffte. Leider spielte mir das Wetter nicht in die Karten – die Sonne zeigte sich überhaupt nicht, so dass mir nichts übrig blieb, als den Himmel dramatisch in Szene zu setzen.

Die Sage um die Teufelsmauer handelt davon, dass zwischen dem Teufel und Gott eine  Wette lief, bei der Gott dem Teufel das Land als Gewinn versprach, welches der Teufel binnen einer Nacht mit einer Mauers umgeben konnte.

Zwischen Weddersleben und Warnstedt reihen sich auf einer Länge von zwei Kilometern der Königsstein, die Mittelsteine und die Papensteine aneinander.  Um deren Abbau zu verhindern wurden die Felsirppen bereits 1833 und 1852 unter Schutz gestellt. Der Abschnitt bei Weddersleben ist außerdem seit 1935 als Naturschutzgebiet gesichert und zählt damit zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands.

Gut beschildert und exzellent ausgebaute Wege und Absperrungen erleichtern es einem, die Gegend zu erkunden. Man kommt sich zwischen all den unwirklich erscheinenden Formen schon ein bisschen ausserirdisch vor. Durch die Lage eignen sich sowohl der Sonnenauf- als auch der Sonnenuntergang für schöne, farbenprächtige Aufnahmen der Felsen im Widerschein des Lichts. Über die bekannten Hilfsmittel für Fotografen lassen sich bequem die optimalen Zeiten für diese Art Bilder übers Jahr bestimmen (z. B. PhotoPills oder Sun Surveyor). Was fehlt ist dann nur noch das passende Wetter – so, wie bei mir…

Ich wünsche Euch für Eure Vorhaben wie immer gutes Gelingen und allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Harz: Die Bodefälle bei Braunlage

Christine fragt mich eben noch, ob sie mir das Stativ abnehmen soll, ich bin aber voll konzentriert dabei die letzten Aufnahmen für das Panorama des Wasserfalls zu machen und reagiere nicht auf ihr Angebot. Also nehme ich Stativ samt Kamera selbst in die Hand, drehe mich um und suche mit den Augen die Steine nach einem gangbaren Weg ab. Der erste Schritt gelingt noch, aber beim nächsten komme ich auf der glitschigen Oberfläche ins rutschen und merke, wie in Zeitlupe, dass ich in Schieflage komme und das Gleichgewicht verliere. Rechts hinten das Smartphone in der Gesässtasche. Links vorne die Kamera auf dem Stativ in der Hand. Ich taumle nach links – vorsicht, die Kamera darf mir nicht entgleiten – ich wanke nach rechts – nur nicht nach hinten fallen! Nach einer gefühlten 360 Grad Wendung schlage ich rechts mit dem Oberschenkel zwischen 2 Felsen ein. Platsch – Hose und Schuhe durchnässt, leichte Prellungen der Weichteile unterhalb der Hüfte, aber das Equipment ist heil geblieben. Am Abend bei der Sichtung der Bilder weiß ich aber sofort: das Panorama war jede Mühe und jeden blauen Fleck wert. 

Die Bodefälle befinden sich nordöstlich von Braunlage am Oberlauf der Warmen Bode. Vom Grossparkplatz an der Wurmbergbahn aus sind der untere und der obere Wasserfall bequem auf guten Wanderwegen zu erreichen. Granitblöcke bilden die Grundlage, damit das Wasser tosend und in Kaskaden in die Tiefe rauschen kann. Der Weg führt, selten weit vom Wasser entfernt, beschattet durch die umstehenden Bäume leicht ansteigend immer tiefer in den Nationalpark Harz hinein. Feste Schuhe sind die einzige Voraussetzung, um hier gut voran zu kommen. Der Weg ist gut ausgeschildert und so kann sich der Fotograf ganz auf die herrliche Natur konzentrieren, um die beste Perspektive für seine Bilder zu finden. Die örtlichen Gegebenheiten laden förmlich dazu ein, immer wieder Wege in die Bode zu suchen, um möglichst nahe an den Windungen des Wassers zu sein.

Der Lauf des Wassers wird auch diesmal am besten mit Langzeitbelichtungen festgehalten. Aus dem Bericht der letzten Woche vom Ilsetal wissen wir ja noch, wie einfach es ist trotz aufgesetztem Filter eine  korrekte Belichtung zu erzielen. Hier kann man ja auch mal ins experimentieren verfallen und beispielsweise ein Panorama eines der Wasserfälle oder bei, geeigneten Lichtverhältnissen, ein HDR-Bild aus unterschiedlich belichteten Aufnahmen der gleichen Szene erstellen .

Ganz korrekt müsste für ein Panorama die Kamera auf dem Stativ mit einem Nodalpunktadapter montiert werden. Dieser Adapter sorgt für eine korrekte Drehung der Kamera und vermindert damit Verzerrungen, da der Sensor nicht genau über der Stativschraube sitzt und so die Drehung hinter dem Sensor statt findet. Auffallend ist es auf jeden Fall in der Architektur, hier im Harz am Bachlauf wird die eventuell entstehende Verzerrung so gering sein und durch die natürlich vorhandene Unebenheit von Mutter Natur nicht ins Auge fallen.

Immer wieder kann man die Felsen im Bach gut zu Fuss erreichen und so die Bilder dramatisch komponieren. Entsprechende Vorsicht natürlich  vorausgesetzt – damit nicht, wie eingangs beschrieben, Mensch oder Technik zu Schaden kommt. Sicherheit geht auf jeden Fall immer vor Dramatik.

Man möchte nicht glauben, wie schnell hier zwei, drei Stunden vergehen und man immer noch das Gefühl hat, nicht alles fotografiert zu haben. Für die Wanderzeit und die damit verbundenen Fotoausflüge wünsche ich Euch allen natürlich, wie immer, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Harz: Das Ilsetal bei Ilsenburg

Das Ilsetal bei Ilsenburg ist ein beliebtes Ausflugsziel. Hier können sowohl Rundwanderungen gemacht, als auch der Grundstein zur Besteigung des Brockens über den Heinrich-Heine-Weg gelegt werden.

Am südlichen Ende von Ilsenburg, in der Straße Ilsetal befindet sich ein Grossparkplatz für unseren fahrbaren Untersatz. Wir starten von hier eine, normalerweise 2 stündige, Wanderung entlang der Ilse, die jedoch auf Grund der zahlreichen Unterbrechungen zum Fotografieren durchaus mal über 5 Stunden dauern kann. Für ausreichend Verpflegung und Getränke ist also zu sorgen, wie auch für wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk.

Gleich im Anschluss an das Kurparkhotel schlagen wir uns links durch den Wald ans Ufer durch und testen schon mal die Ausrüstung. Hier unten kann man sich, bei Bedarf, schon mal mit dem Eisatz der Filter vertraut machen. Es sind hier auch schon Felsen im Bach, der atemberaubende Teil kommt später, und so können die ersten Testbilder gemacht werden, um ein Gefühl für die benötigte Stärke der Filter und der daraus resultierenden Belichtungszeit zu bekommen. Als Filter kommen hier natürlich ND-Filter ebenso in Betracht, wie auch der Pol-Filter. Die Grundlagen und Unterschiede der beiden Filtertypen habe ich ja vor 2 Wochen im Beitrag „Der Unterschied zwischen Pol- und ND-Filter“ beschrieben.

Am Besten kommt man mit dem manzellen Modus der Kamera klar. Nur keine Angst vor den Einstellungen  – einfach mal Schritt für Schritt überlegen, was erreicht werden soll.
Zuerst die ISO. Wir fotografieren vom Stativ aus, verwackeln nahezu ausgeschlossen, also ISO 100.
Dann die Blende. Wir wollen möglichst viel im Bild scharf dargestellt bekommen, also Blende schließen. Jetzt wäre es gut, wenn Du Dein Objektiv einmal getestet hättest, in welchem Bereich Dein verwendetes Objektiv die schärfsten Fotos macht – bei den meisten so zwischen Blende 8 und 11. Da wir Aufnahmen im Weitwinkelbereich machen werden, wird Blende 11 in den allermeisten Fällen ausreichend sein. An meiner Kamera mit APSC-Sensor habe ich beispielsweise bei einer Brennweite von 18 mm, Blende 11 und einem Abstand von 3 mt zum Objekt  alles in einer Entfernung von 1 mt bis unendlich akzeptabel scharf. Die Blende weiter zu schließen bringt für die Tiefenschärfe nichts  – nur wenn die gewünschte Verschlusszeit mit dem eingesetzten Filter nicht lange genug wird, empfehle ich die Blende weiter zu schliessen.
Bleibt nur noch die Verschlusszeit: Je nach verwendetem Filter wird die Verschlusszeit jetzt eingestellt, so dass die Belichtungsmessung der Kamera wieder einen ausgewogenen Wert anzeigt. Möchten wir beispielsweise das Wasser seidig weich aussehen lassen, so stellen wir einen Wert von z. B. 2 Sekunden ein und lesen an der Anzeige der kamerainternen Belichtungsanzeige ab, ob das Bild nun korrekt belichtet oder unter- oder überbelichtet würde. Dementsprechend kann dann das Foto gemacht werden oder die Verschlusszeit verlängert werden (bei Unterbelichtung) oder die Blende weiter geschlossen werden (bei Überbelichtung).

Wir folgen dem Lauf der Ilse einfach immer weiter Flussaufwärts. Ab dem kleinen Türmchen, welches den Ursprung der Prinzess-Ilse-Quelle symbolisiert können wir ein Stück auf der Forststraße laufen, sollten aber die Abzweigung zurück an den Flusslauf nicht verpassen.
Immer wieder bieten sich Möglichkeiten, die Ilse sowohl erhöht vom Weg aus, als auch auf Bachniveau zu fotografieren.  Viele Bilder später gelangt man schließlich an die unteren Ilsefälle, wenige Minuten später auch an die oberen Ilsefälle. Hier bieten sich Gelegenheiten zur Rast und zum Verweile und schließlich auch die Entscheidung, wieder zum Ausgangspunkt zurück zu gehen, oder noch weiter zu wandern.

Für mich war an den Fällen Schluss und ich bin über den Forstweg (schneller) wieder nach unten gelaufen. Die Eindrücke und die Bilder lassen mich auch heute noch an diesen tollen Nachmittag zurückdenken und so wünsche ich Euch, sofern Ihr einmal in die Nähe kommt, das passende Wanderwetter und für die Fotografie allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

 

Der Unterschied zwischen Pol- und ND-Filter


Beim Einsatz von Filtern in der Natur- und Landschaftsfotografie fragt man sich oft: Was bringt das eigentlich? Heute möchte ich Euch anhand von Bildern zeigen, wie die beiden Filtertypen Polfilter und ND-Filter eingesetzt werden können und was sie bewirken.

In meinen Beispielen beziehe ich mich auf die Wirkung der Filter um die Verschlusszeit zu verlängern und so Langzeitbelichtungen möglich zu machen. Warum möchte ich das jetzt haben? Weshalb soll ich mit längerer Verschlusszeit fotografieren?
Wir begeben uns zur Beantwortung dieser Frage in den Nationalpark Harz nach Niedersachsen. Hier am Oberlauf der Warmen Bode habe ich Bilder des fließenden Wassers ohne jeglichen Einsatz von Filter gemacht.
Mir ist klar, dass es sich mit den Bildern von fließendem Wasser verhält, wie mit allem in der Fotografie: der persönliche Geschmack entscheidet. Mir gefallen die Bilder an sich ganz gut, jedoch fehlt mir bei der Ansicht des Wassers, wie es über die Felsen schießt und sich um die Blöcke windet, das gewisse Etwas.

Diese Aufnahmen sind für mich zu gewöhnlich, denn jeder Spaziergänger mit einem halbwegs modernen Smartphone kann solche Aufnahmen machen. Dafür braucht es keine Spiegelreflexkamera und keine besonderen Kenntnisse über die Belichtungstechniken in der Fotografie. Das sind lediglich Schnappschüsse,  die heute jeder im vorbei gehen knipst.

Also: Stativ raus, Kamera drauf geschraubt und mal den ND-Filter ausprobieren.
Der ND-Filter (Neutraldichtefilter oder auch Graufilter) kann direkt auf das Gewinde vorne am Objektiv geschraubt werden oder auch über Adapter und Aufnahmevorrichtungen als Rechteckfilter vors Objektiv geschoben werden.
ND-Filter sind vereinfacht beschrieben, eine graue bis schwarze Scheibe, die es in unterschiedlichen Stärken gibt, welche dann jeweils die Lichtmenge, welche durchs  Objektiv auf den Sensor trifft, reduziert.
Ich besitze ND 8, ND 64 und ND 1000 Filter, welche je nach Einsatz einzeln verwendet werden. Je heller die Umgebung und/oder je länger die Verzögerung ausfallen soll, um so höher muss die Zahl auf dem Filter sein. Für minutenlange Langzeitbelichtungen am Tag, um z. B. Menschen aus Bildern verschwinden zu lassen, wird mindestens der ND 1000 fällig.
In meinem Fall hatte ich Glück, denn es war ein bedeckter Tag und ich war umgeben vom Wald des Harz, so dass es schon von vorne herein nicht allzu hell war.
Mit dem ND8 Filter kann die Belichtung bereits so viel verlängert werden, das auf dem Wasser feine, weisse Schlieren entstehen. Belichtungszeiten von 1 bis 2 Sekunden reichen völlig und schon umschließt  das Wasser seidenweich die Felsblöcke.

Allerdings tritt jetzt auch ein zweiter Effekt in Erscheinung :die Oberfläche des Wassers spiegelt und lässt uns den Grund des Bachs nicht mehr erkennen.  Wen dies stört, der greift einfach zum nächsten Filter : der Polarisationsfilter. Diesen verwende ich jetzt aber nicht zusätzlich,  sondern anstatt dem ND-Filter. Die Abdunklung ist geringer als beim ND 8, dies kompensiere ich dadurch, dass einfach die Blende weiter gescllossen wird. Und wie gesagt: schon 1 Sekunde reicht.  Im folgenden Bild verwendete ich den Polfilter bei Blende 16 und erreichte die gewünschte Belichtungszeit. Dann wird vor dem Auslösen der Ring am Filter so weit gedreht,  bis das Wasser wieder durchsichtig wird.

Die genauen physikalischen Eigenschaften des Filters kann jeder selbst u. a. auf Wikipedia  (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Polarisationsfilter) nachlesen. Was wirklich jeder wissen muss sind die Einsatzmöglichkeiten des Filters:
1. Das Entfernen unerwünschteer Spiegelungen.  Das funktioniert sowohl bei Wasser als auch bei Glas.
2. Das Verstärken von Farben bei Sonnenschein.
Allerdings muss hier für den vollen Effekt ein Winkel von 90 Grad zwischen Sonne un Linse eingehalten werden.  Das bedeutet,  nur wenn Dir die Sonne auf die Schulter scheint, kannst Du den Effekt nutzen. Sonne von vorne oder hinten – keine Chance.

Hier nochmal zum Vergleich die drei Varianten nebeneinander: von oben nach unten: ohne Filter, ND-Filter, Polfilter

Generell ist beim Kauf der Filter schon auf Qualität zu achten, denn die günstigen No-Name-Produkte hinterlassen schnell einen Farbstich auf den Aufnahmen, welcher dann hinterher wieder mühsam entfernt werden muss. Ich hatte am Anfang auch günstige, bin jetzt vor kurzem auf Filter von Haida umgestiegen. Frei nach dem Motto : wer billig kauft kauft zwei mal.

Ich hoffe,  die kurze Einführung war hilfreich und wünsche euch,  wie immer, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Am Scheideweg

Früher oder später ist es bei jedem soweit. Man stellt fest, dass man auf der Stelle tritt und sich nicht mehr so recht motivieren kann. Die anfänglichen Fortschritte werden kleiner und durch das ganze Wissen, welches man sich angeeignet hat, wird die Messlatte für die eigenen Bilder immer höher gelegt. Man hat die Anfängerfehler hinter sich gelassen. Du fotografierst nicht mehr nur auf Augenhöhe (fast alle Anfänger schießen alle ihre Fotos aus ein und der selben Position: Hinstehen, Kamera vor’s Gesicht und abdrücken), legst Dich auch mal hin, gehst wenigstens in die Hocke oder steigst irgendwo drauf um eine neue Position und eine nicht alltägliche Perspektive zu finden. Und jetzt hast Du den Eindruck, dass die Bilder eher schlechter anstatt besser werden.

Ich habe das alles auch durch gemacht. Höhen und Tiefen wechslen sich ab. Ich habe gelesen, Videos geschaut und immer gedacht: So tolle Bilder möchte ich auch mal machen. Je mehr Theorie man sich aneignet, um so mehr steigt der Anspruch und um so enttäuschter ist man, wenn man den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird. Das ist ganz normal! Wenn wir erst mal anfangen uns zu verbessern, kommt automatisch auch ein Punkt, an dem wir glauben, dass es nicht mehr weiter voran geht.

Zuerst einmal muss man wissen, dass auch die besten der Besten nicht „Das Eine Foto“ einfach so im Vorübergehen schießen. Oft sind tage- und monatelange Vorbereitungen und stundenlanges Probieren und Justieren dem eigentlichen Bild voraus gegangen. Von tausenden „Versuchen“ kommt vielleicht nur ein Top-Bild zustande. Man muss erheblich mehr Fotos machen, um ein gutes Bild zu erhalten. Und das geht uns allen so – auch den bestbezahlten Profifotografen! Dessen muss man sich erst mal bewusst werden und darüber wird viel zu selten geschrieben.

Man braucht viel Geduld, denn wenn man sich zurück erinnert, wird man feststellen, dass wir z. B, das Rechnen auch nicht innerhalb eines Wochenendes gelernt haben. Wir sind alle o um die 10, 12 Jahre zur Schule gegangen und haben immer wieder gelernt, geübt und  wiederholt, bis wir schließlich die Prüfung geschafft haben. Warum also glauben wir, dass eine teure Kamera uns über Nacht zum Starfotografen macht? Ja, es bedarf des Lernens und vielleicht auch ein bisschen Arbeit, um sich die Fähigkeiten anzueignen. Die wenigsten sind so große Talente, dass über Nacht die ganz großen Aufträge kommen und diese erfolgreich abgearbeitet werden können.
Ich „gönne“ mir beispielsweise jedes Jahr einen VHS-Fotoworkshop. Der kostet nicht die Welt, bringt aber immer neuen Input und Kontakte zu Menschen, die auch gerne fotografieren. Zur Zeit schaue ich mich  nach einer Fotoreise nach Island um. Ich weiß, dass ich da noch eine Weile sparen muss, aber ich habe mir vorgenommen jetzt lieber darauf zu sparen, als eine neue Kamera zu kaufen.

Eine teure Kanera macht aus einem alten,hässlichen Haus auch kein Empire State Building. Das Haus bleibt hässlich und alt, egal wieviel ich für meine Ausrüstung und Ausbildung ausgebe. Ich muss schon auch zu den tollen Orten gehen, um die tollen Bilder zu bekommen.
Hört auf, immer mehr Zubehör oder immer neuere und vermeindlich bessere Kameras zu kaufen. Investiere in Fotografie nicht in Material zum Fotografieren. Geh raus und fotografiere!
Anstatt in Kameras und Objektive zu investieren, geb‘ das Geld lieber dafür aus, zu interessanten Orten zu reisen. Joe McNally hat einmal gesagt: If you want to photograph more interesting things you have to stay in front of more interesting things. Verlasse die Komfortzone – geh raus – reise – erlebe was. Die Niagarafälle kann man hier zu Lande nun mal nicht vom Wohnzimmerfenster aus fotografieren! Da muss man schon nach Nordamerika. Es muss ja nicht gleich eine Weltreise sein – der nächste Sonnenaufgang an einem Weiher in Deiner Umgebung hat auch einen großen Reiz.

Sei Dir bewusst, dass gerade in der Landschaftsfotografie die besten Bilder nur früh am Morgen oder Abends bei oder nach Sonnenuntergang entstehen werden. Das ist das harte Los, aber es lohnt sich.

Ich werde nie das unbeschreibliche Kribbeln vergessen, dass mich bei meinem ersten Sonnenaufgangs-Shooting in Österreich am Mondsee beschlich. Als die ersten Sonnenstrahlen an den Berghängen entlang sich Richtung See aufmachten, mir den neuen Tag zu bringen und das dunkle Blau der Nacht zu vertreiben – da bekomme ich heute noch Gänsehaut.

Und irgendwann kommt dann der Tag, an dem Du mit Deiner Art der Fotografie und Bearbeitung zufrieden bist. Du fragst Dich nicht mehr, ob Du alles richtig machst, wie in den Lehrbüchern beschrieben oder wie diie Anderen immer sagen. Nein, Du bist so zufrieden,  so wie Du es machst. Denn Du hast Deinen eigenen Stil entwickelt und bist jetzt genau so gut, wie Du immer sein wolltest.

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass Ihr die Zeit nutzt, um mehr zum fotografieren zu gehen und wünsche Euch für diese Vorhaben wie immer allzeit gutes Licht!

Werner Kutter