Reisebericht Naturschutzgebiet Weitsee – Reit im Winkl – Biathlonzentrum Ruhpolding


Weniger bekannt und dementsprechend auch geringer besucht und nicht überlaufen ist das Naturschutzgebiet Weitsee. Es liegt mit den drei Seen Weitsee, Mittersee, Lödensee direkt an der Bundesstraße B 305 zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl.

Zahlreiche, kostenpflichtige, Parkplätze laden ein, das Auto abzustellen und die Wanderschuhe zu schnüren. Gut ausgeschilderte Wanderwege lassen das Wanderherz auch in diesem Tal höher schlagen. Fast alle Touren lassen sich als Runde gehen, so dass die Rückkehr zum Auto wirklich abwechslungsreich bleibt, da für Hin- und Rückweg nicht derselbe Weg genommen werden muss.

Wir nahmen uns vor den Lödensee und den Mittersee zu umrunden was ein sehr schöner, leichter Spaziergang werden sollte. Vom Parkplatz aus nahmen wir eine Unterführung, um die Bundesstraße zu queren. Die sicherste Alternative, die man sich vorstellen kann, jedoch stellte sich heraus, dass die Unterführung wohl eher dem Abfluss von Schmelzwasser dienen sollte, als Fußgängern die Querung zu ermöglichen.

Anschließend folgten wir den Wanderwegen und Trampelpfaden und gingen gegen den Uhrzeigersinn um die beiden Seen. Die Gesamtstrecke belief sich auf ca. 5 km – alles sehr flach und übersichtlich.

Die erste Tat an diesem Tag war, unseren Hund baden zu schicken. Nachdem die vorangegangenen beiden Tage verregnet waren hatte sich bei ihr ein kleiner Lagerkoller eingestellt. Umso größer war die Freude jetzt, dass sie  aus dem kühlen Nass apportieren durfte.

Das Vorankommen gestaltete sich dann auch noch aus einem weiteren Grund als ziemlich langwierig: Ich musste immer wieder stehen bleiben und nicht nur die Natur genießen sondern auch sie auf den Chip meiner Kamera bannen. Mal den See und die Berge, mal nur den See, mal nur die Berge oder Pflanzen am Wegesrand – kurz gesagt ich wollte alles fotografieren, was nicht weglaufen konnte.

Im Anschluss besuchten wir noch Reit im Winkl und haben hier eine Runde durch die Ortsmitte gedreht. Am Dorfplatz empfing uns eine Holzskulptur – genannt „Der Schifahrer“. Eine ausgemusterte Gondel eines Sesselliftes lud im Hintergrund zum Verweilen ein.

An den Hausfassaden sahen wir überall wieder tolle Malereien. Ganze Geschichten wurden hier erzählt, so dass der Blick öfter nach oben ging, als nach vorne. In der Vorsaison präsentierte sich der Ort überaus aufgeräumt und ruhig – einzig die Suche nach einer Gelegenheit zum Mittagessen gestaltete sich schwierig, da die allermeisten Lokale erst abends öffneten.

Ebenfalls an der B 305 befindet sich das Bundesleistungszentrum des deutschen Biathlonsports. Die Chiemgau-Arena ist wohl jedem ein Begriff, der den Wintersport am Fernseher verfolgt.

Auch in der schneearmen Zeit kann man die Anlage besichtigen und an einigen Tagen finden sogar Führungen statt. So kann man mit eigenen Augen einmal die Schießstände betrachten, die man sonst ja nur aus den Fernsehübertragungen kennt.

Selbst im Mai waren noch Trainingsgruppen auf Rollskier unterwegs – das Trainingszentrum schläft anscheinend nie.
Vor dem Eingang empfängt uns eine Skulptur zu Ehren des erfolgreichen Biathleten Ricco Groß. Das zu der Anlage auch Skisprungschanzen gehören, war mir neu. Das weitläufige Gelände bot viele Motive, die ich so im TV noch nicht gesehen hatte.

Von der Tribüne aus kann der Schießstand genau überblickt werden und man kann sich die Atmosphäre gut vorstellen, wenn hier einer nach dem anderen seine Schießübungen während des Wettkampfs ausübt.
Alles in allem war es ein mehr als gelungener Tag mit vielen schönen Eindrücken aus den verschiedensten Richtungen. Das Berchtesgadener Land ist doch überaus abwechslungsreich und sehr interessant.

Ich hoffe es war wieder etwas für Euch dabei. Für all Eure Unternehmungen wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Königssee und Malerwinkel


Der Königssee ist ein wahrer Touristenmagnet. Aus aller Herren Länder kommen hier Menschen zusammen, um diesen wirklich schön gelegenen See zu bestaunen. Da für die Elektroboote bei Hunden in diesem Jahr ein Maulkorbzwang eingeführt wurde haben wir uns die Überfahrt zur Kirche St. Barthotlomä und dem Obersee gespart. Sollte sich jemand auf den Weg machen wollen: sehr früh kommen und Nebensaison nutzen! Um in eines der ersten Schiffe zu gelangen muss man früh da sein. Sollte man erst gegen Mittag übersetzen wimmelt es an allen sehenswerten Stellen von Touristen und schöne Bilder sind dann nur noch schwer zu bekommen.
Wenn man in Schönau vom Großparkplatz an der Jenner Bahn die Hauptstraße Richtung Königssee läuft kann man sich auch in der Vorsaison gut vorstellen, was sich hier für eine Menschenmenge Richtung Ufer schlängelt, wenn Hochsaison herrscht. Wir waren froh kein Gedränge und Geschiebe erleben zu müssen und konnten uns so in aller Ruhe die Auslagen der Souveniershops ansehen.

Am Schiffsanleger angekommen haben wir uns nach links gewendet und sind am Ufer hinter den Bootshäusern in den Wald marschiert.

Die Malerwinkelrunde ist klasse ausgeschildert und die angesprochenen Aussichtspunkte bieten einen wirklich schönen Blick über den See.

Die Aussicht vom Malerwinkel selbst über den See bis St. Bartholomä ist die bei Landschaftsmalern beliebteste Ansicht des Königssees. Hier wurde quasi der Standard für die klassischen Königsseebilder gesetzt.
Aber Vorsicht! Nicht schon hier die ganzen Bilder verschießen – es folgt noch ein toller Spot, der einen fast noch schöneren Aus- und Überblick bietet!

Der Weg ist breit und gut befestigt. In leichten Anstiegen windet er sich durch den dichten Wald, so dass die Strecke auch im Sommer gut zu gehen ist, da wirklich viel Schatten herrscht. Nach etwas mehr als dem halben Weg zurück zum Parkplatz hat man den höchsten Punkt erreicht. Von hier kann man noch einen Abstecher zur Rabenwand machen.

Ein wenig Trittsicherheit ist hier schon gefragt, aber der Ausblick ist spektakulär. Man ist einige Meter höher als am Malerwinkel und so ist, gutes Wetter vorausgesetzt, auch die Fernsicht einfach toll.

Dieser Weg ist gut gekennzeichnet jedoch nicht so bequem ausgebaut. Hier muss man mehrfach über Wurzeln und Felsblöcke steigen und deshalb ist hier auch dringend festes Schuhwerk angesagt. Der Abstecher dauert einfach etwa eine halbe Stunde, die Pause am Aussichtspunkt kann man aber umso mehr genießen.

Nachdem man wieder zum Hauptweg zurückgelaufen ist geht es nach kurzem Abstieg aus dem Wald heraus; an der Talstation der Jenner Bahn vorbei zurück zum Parkplatz. Alles in allem ist diese Runde ca. 5 km lang und sollte in 2 – 3 Stunden zu schaffen sein. Immer abhängig von der Zeit, in der man die Aussicht von den jeweiligen Punkten aus genießen möchte. Die Höhendifferenz beträgt ungefähr 190 Meter. Bis auf den Abstecher zur Rabenwand sind es durchwegs sehr gut begehbare und breite Fusswege.

Wer mal in der Gegend ist sollte sich diese Rund auf keinen Fall entgehen lassen. Für all Eure Vorhaben wünsche ich Euch, wie immer, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ramsau, Zauberwald und Hintersee

Rund um Ramsau gibt es viele bekannte Fotospots, von denen jeder die Mühe der Anfahrt und/oder des Spazierweges wert ist. Auch wenn die Bilder tausendfach im Netz kursieren, ist es doch ein Erlebnis, selbst die Aufnahme so zu gestalten, wie man es sich vor seinem geistigen Auge vorgestellt hat. Das Erfolgserlebnis, einmal ein Bild, welches man zuerst in der Galerie eines renommierten Fotografen gesehen hat, selbst zu machen, ist doch unbezahlar.
Beginnen möchte ich mit Ramsau selbst. An der Pfarrkirche St. Sebastian spucken in der Hauptreisezeit Reisebusse ganze Horden an asiatischen Gästen aus, um nach 10 Minuten wieder weiter zu fahren. Der bekannte Spot mit der Ramsauer Ache vor der Kirche ist dann immer wieder kurz total überlaufen. Anfang/Mitte Mai kann man es mit etwas Geduld jedoch leicht abwarten, bis die wuseligen Selfietouristen wieder abtransportiert wurden. Wer sich beim Wetter nicht ganz sicher ist kann sich ja die Bilder der Webcam vorher anschauen. Hier sieht man auch direkt die Postkartenidylle, welche man auf die Speicherkarte bannen will.

Was ich leider nicht wusste, aber auch sehr sehenswert gewesen wäre, ist der Friedhof an der Kirche. Zahlreiche mehr oder weniger ernst zu nehmende Sprüche zieren Gräber, Grabsteine und Kreuze. Nicht selten wird kein Hehl daraus gemacht, wie froh die Hinterbliebenen doch über das Verscheiden waren. Vielleicht nimmt sich ja der eine oder andere mal noch die Zeit und schlendert über die letzte Ruhestätte längst verblichener Einwohner.

Wer möchte kann auch direkt ab der Kirche in Richtung Zauberwald wandern – was allerdings knapp 2 ½ km Strecke und gut 80 Höhenmeter an Wanderung voraussetzt – und dann steht man erst am Beginn der interessanten Strecke.

Wir haben den bequemen Weg gewählt und sind bis zum P4 am südwestlichsten Ende des Hintersees gefahren. Von dort machten wir uns auf, den See zu umrunden und bei dieser Gelegenheit auch den Schwenk durch den Zauberwald zu genießen.
Auf der Südostseite führt der Wanderweg knapp 700 Meter getrennt durch die Leitplanke an der Straße entlang. Ab dem Eingang in den Zauberwald ist man jedoch eins mit der Natur. Gut gekennzeichnete Wege durch den Wald und an der Ramsauer Ache entlang lassen einen den Stress komplett vergessen. Für uns Fotografen tun sich hier auf wenigen hundert Metern dutzende von Möglichkeiten auf, das Wasser von all seinen Seiten zu zeigen. Urgewaltig umtost die Wassermacht den Fels, weich und anschmiegsam schleift das Wasser die Steine glatt.

Für meinen Geschmack hat sich im Bezug auf Wasser die Langzeitbelichtung voll durchgesetzt. Ich benutze hierzu meist eine Kombination aus zwei Filtern: einen ND 8 oder ND 64 Filter, um die Verschlusszeit auf mehrere Sekunden zu verlängern und davor einen Polfilter um die Spiegelungen im Wasser zu minimieren. Verschlusszeiten zwischen 2 und 10 Sekunden reichen mir völlig aus, so dass der ND 1000 Filter nur noch sehr selten zum Einsatz kommt.
Immer wieder tun sich kleine Wege auf, über die man direkt an den Rand des wilden Stroms gelangt.

Schier unermesslich sind die Vielzahl der Szenen, welche man hier entlang des tosenden Baches machen kann. Und am eindrucksvollsten sind genau die Bilder, bei denen man denkt das Stativ wäre direkt im Bach gestanden. Also nah ran und tief runter ist hier die Devise.

Am tiefsten Punkt der Runde wendet man sich dann nach links und folgt den Schildern zum Nordufer des Hintersees. Es geht stetig bergauf und man glaubt erst gar nicht, wie tief man hinabgestiegen ist, da das Fotografieren doch ziemlich vom Verlauf der Strecke ablenkt.

Wieder am Hintersee angekommen ging es für mich als erstes darum, den idealen Platz für das Sonnenaufgangsfoto zu finden. Denn ich wollte am nächsten Morgen um fünf Uhr wieder hier sein, um die morgendliche Stimmung am See einzufangen.
Schnell war er gefunden – der Spot, der tausendfach im Internet zu finden ist. Die Bäume auf den Felsen im See und im Hintergrund der Hochkalter – charakteristischer kann ein Landschaftsbild wohl nicht mehr sein. Im Nachmittagslicht sah die ganze Szene allerdings bei weitem nicht so spektakulär aus.

Da ich in der Dunkelheit nicht gerne Überraschungen erlebe, bin ich gerne am Tag vorher hier und kann bei normalem Tageslicht Parkmöglichkeit und Zuwegung abklären, so dass in aller Frühe keine Hektik aufkommt.

Am betreffenden Morgen waren wir dann zu dritt am See und genossen die Ruhe und die Farben, welcher der Tag mit sich brachte.

Man darf bei allem Beharren auf sein Zielbild natürlich auch nicht verpassen, einmal in eine andere Richtung zu fotografieren. Oft ist diese Ansicht deshalb überraschend schön, gerade weil sie nicht pausenlos im Internet zu finden ist.

Und wieder bewahrheitet sich, dass es sich lohnt, früh aufzustehen und die ersten Stunden des Morgens an einem See zu genießen. Es waren traumhaft schöne Minuten, die leider viel zu schnell vergehen aber Gott sei dank lange in Erinnerung bleiben.

Auf dem Weg zurück durch Ramsau lohnt es sich, erneut an der Kirche anzuhalten – die aufgehende Sonne setzt die Berggipfel hinter der Kirche wirklich gekonnt in Szene so dass erneut gute Positionen für weitere Fotos gesucht werden können.

Ich hoffe ich konnte Euch eine kleine Inspiration geben, einmal diese wunderbare Ecke Bayerns zu besuchen. Wir waren im Mai dort und ich werde noch die eine oder auch andere Erfahrung mit Euch teilen. Bis dahin wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Workshop „Ostrachwellen“ im Hintersteiner Tal

Aller guten Dinge sind drei!
Den alten Spruch kennt jeder und so habe ich mich relativ kurzfristig entschlossen, bei Manuela Prediger in diesem Jahr noch einen dritten Workshop zu besuchen.
Nach den Lichtern der Stadt im Frühjahr und dem Viehscheid Gunzesried vor vier Wochen sind nun die Ostrach und die Langzeitbelichtungen am Wasser dran.
Meine Lieblingsdisziplin!
Warum nehme ich dann am Workshop teil?
Weil ich immer auf der Suche nach Inspiration bin und mir das Fotografieren in Gesellschaft von anderen einfach viel mehr Spaß macht!

Pünktlich um viertel vor neun trafen wir uns an der vereinbarten Bushaltestelle am Wanderparkplatz in Hinterstein. So konnten wir uns den kleinen „Luxus“ erlauben, den ersten Teil der Strecke mit dem Linienbus zurückzulegen und die Kräfte fürs kreative Fotografieren aufsparen. An der Haltestelle am Elektrizitätswerk stiegen wir wieder aus und es folgte eine kleine Vorstellungsrunde; schließlich unterhält man sich gleich viel besser, wenn man sich zumindest beim Namen kennt. Dann ging es runter an die Ostrach. Hier wurden noch kurz die Grundlagen besprochen, welche die Arbeit mit Langzeitbelichtungen leichter machen. Welche Filterarten gibt es? Welcher Filter wird wann eingesetzt? Wie stelle ich die Kamera richtig ein. Was muss bei der Verwendung eines Stativs beachtet werden? Lauter kleine Details, die uns aber später bei der „Arbeit“ zwischen den Felsen die Sache ungemein erleichterten. Zum Thema Filter habe ich letztes Jahr bereits einen eigenen Beitrag geschrieben.

Wieder einmal zahlte es sich aus, jemanden zu haben der Ortskenntnis besitzt und die wirklich sehenswerten Locations kennt. Auf einer Wanderung durchs Hintersteiner Tal würde man an diesen Stellen glatt vorbei laufen. Doch Manuela hat sich die Strecke vorab angesehen und so den ein oder anderen Schleichweg gefunden um wirklich einmalige Aufnahmen zu erhalten. Dabei wird selbstverständlich immer größter Wert darauf gelegt die Natur in diesem Landschaftsschutzgebiet nicht mehr als erlaubt zu belasten.

Ich habe mir vorab zu Hause auch so meine Gedanken gemacht, was ich noch gerne ausprobieren möchte und dabei festgestellt, dass ich den sog. Bulb-Modus meiner Kameras so gut wie noch nie benutzt hatte. Dieser Modus erlaubt Aufnahmen über das zeitliche Limit der allermeisten Kameras von 30 Sekunden hinaus. Manche Marken haben ein B für Bulb am Programmwahlrad, andere wiederum schalten in diesen Modus, wenn man bei manueller Einstellung die Belichtungszeit einfach über die 30 Sekunden hinaus verlängert. in diesem Fall bleibt der Verschluss so lange offen, wie der Auslöser gedrückt gehalten wird (unbedingt einen arretierbaren Fernauslöser verwenden).

Also suchte ich mir eine Stelle an der ich damit experimentieren konnte. Da die Schlucht am Morgen noch schön im Schatten lag war ich ziemlich überrascht, wie schnell man Verschlusszeiten von über einer Minute erreichen kann. Ich schloss die Blende auf 16, stellte den niedrigsten ISO Wert von 64 ein und habe mir von der Kamera im Blendenprioritäts-Modus (A oder Av) die erforderliche Belichtungszeit anzeigen lassen. Dieser lag bei einer Sekunde. Diesen Wert gab ich in meine Smartphone-App von Rollei ein (Rollei-Moments ist eine kostenlose App zur Berechnung Verschlusszeit beim Einsatz von einem oder mehreren Filtern)  und bin bei einem Filter ND 6 schon auf eine Minute und vier Sekunden benötigter Verschlusszeit gekommen. ND 6 bedeutet, dass der Filter so stark verdunkelt, dass sich die „normale“ Belichtungszeit sechs mal verdoppelt – also insgesamt 64 mal länger wird (1x2x2x2x2x2x2=64). Das Praktische an der App ist, dass auch gleich ein Countdown gestartet werden kann und so stellte ich meine ersten Versuche mit „Ultralangzeitbelichtungen“ an.

Das Charakteristische an diesen Bildern ist, dass das Wasser extrem glatt gezogen wirkt und Stellen an denen Steine oder ähnliches vom Wasser berührt oder überspült werden sind extrem weich – fast wie gemalt. Mir gefällt dieser Effekt – wie insgesamt die Langzeitbelichtung immer wieder überraschende Ergebnisse bringt, da ja unser Auge nicht die Eindrücke über diesen langen Zeitraum sammelt und das so nie gesehen werden kann.

Bei dieser Art von Fotografie ist es natürlich unumgänglich, ein Stativ zu verwenden oder die Kamera sonst irgendwie sicher abzulegen. Keiner kann die Kamera so lange still halten um ein scharfes Bild zu erhalten. Die Faustformel sagt aus, dass die Umkehrung der Brennweite in etwa der Zeit entspricht, die verwacklungsfreies Fotografieren ermöglicht. Also z. B. bei einer Brennweite von 50 mm gilt 1/50 s als längst möglich Belichtungszeit für ein scharfes Foto aus der Hand. Die gängigen Bildstabilisatoren an Objektiv und Kamera versprechen zwar noch längere Zeiten – wer ein knack scharfes Bild will, dem sei gesagt, dass an einem Stativ definitiv nichts vorbei geht. Erste Regel unter Landschaftsfotografen: Heirate Dein Stativ!

Hier mal zur Veranschaulichung zwei Belichtungen übereinander gelegt:

Das obere Bild wurde mit 13 Sekunden belichtet und zeigt im auslaufenden Wasser deutlich weniger Details als die untere, 4 Sekunden-Belichtung. Es ist reine Geschmackssache, welches Bild einen mehr anspricht. In der Fotografie gibt es kein Richtig oder Falsch. Es ist schließlich eine Kunstform.

Gelegenheit zur Panoramafotografie bot sich ebenfalls.
Da es sich hier um keine Gebäude handelt, ist man beim Anfertigen eines Panoramas relativ schnell fertig. Es gibt kaum Chancen, dass Bildfehler wegen der Drehung der Kamera sichtbar werden – es gibt ja kaum geraden Linien in der Natur. Für ein Panorama werden mehrere Aufnahmen gemacht und es wird darauf geachtet, dass mindestens 25 Prozent des Bildinhaltes überlappen. Anschließend werden die Bilder am Computer zusammengefügt und das jeweilige Programm rechnet die Puzzlestücke so zusammen, dass keine leeren Bildstellen übrig bleiben. Den Aufwand, hier Panoramawinkel und ähnliche Utensilien mit in die Schlucht zu schleppen kann man sich sparen. Sogar Aufnahmen „aus der Hand“ werden, etwas Übung vorausgesetzt, zu brauchbaren Ergebnissen führen.

Aber Vorsicht: Die Aufnahmen der ganzen Szene führen oft dazu, dass das Bild etwas überladen wirkt und der Betrachter gar nicht herausfinden kann, was das eigentliche Motiv sein soll. Oft wirkt es besser, sich nur auf einzelne, kleine Elemente der gesamten Szene zu beschränken. Einen Gegenstand – hier der vom Wasser umspülte Felsen – isoliert darzustellen gibt dem Bild Klarheit.
Im Herbst darf natürlich das obligatorische Blatt auf dem Stein nicht fehlen. Quasi ein Stein-Portrait.

Schön ist es, wenn man bei Gestaltung auf die Linienführung achten kann. Die ganzen Grundlagen der Blickführung und Bildgestaltung können hier trainiert werden. Ein perfektes Übungsgelände für den ambitionierten Hobbyfotografen.  So bringen die S-Kurve
oder auch einfach nur eine Diagonale und ein Sonnenstern
zusätzlich Spannung ins Bild. Ebenso ist es schön, wenn sich die Blätter der umstehenden Bäume im Bach spiegeln und ihn so stellenweise blutrot färben:
Bei dem momentan vorherrschenden Lichtbedingungen in diesem wunderbaren Herbst ist es eigentlich schwieriger kein gutes Bild zu machen als anders herum. Genießen wir die Jahreszeit noch, so lange das Wetter hält.

In diesem Sinne: Geht raus, macht Fotos – die Zeit ist genau jetzt die richtige!

Allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Fotoworkshop „Viehscheid im Gunzesrieder Tal“

Das zweite Mal in diesem Jahr hatte ich die Ehre, bei der wunderbaren Manuela Prediger an einem Workshop teilzunehmen. Es war für mich dennoch eine Premiere, denn noch nie hatte ich einen Viehscheid miterlebt – eigentlich eine Schande für einen Bub aus dem Unterallgäu.

Der frühe Vogel fängt den Wurm sagt der Volksmund. Das gilt auch für uns Fotografen und besonders dann, wenn man bei einer Veranstaltung wie dieser Bilder machen möchte, die sich von der Masse abheben. Also war der Treff aller Teilnehmer für 6.45 Uhr ausgemacht und dementsprechend früh musste ich bei mir zu Hause losfahren. Das beste daran war, dass um diese Uhrzeit am Samstag morgen der Verkehr Richtung Sonthofen sehr überschaubar war und es zu keinen Verzögerungen kam.

Pünktlich um sieben kam das vorbestellte Taxi, welches uns hinter ins Tal brachte – weit weg von den ganzen schaulustigen Touristen. Dort stellten wir uns kurz gegenseitig vor und gingen die grundlegenden Kameraeinstellungen für die bevorstehenden Stunden durch. Wertvolle Tipps für außergewöhnliche Perspektiven und Bildausschnitte erhielten wir ebenfalls von unserer überaus kompetenten Kursleiterin, so dass wir bestens vorbereitet auf das Eintreffen der ersten Herde warteten.
Ich entschied mich dafür mit ISO-Automatik und Bledenvorwahl rund um Blende 5.6 ins Rennen zu gehen. Die anfängliche Belichtungskorrektur von +2/3, die ich wegen den vorhandenen Nebelschwaden eingestellt harre, nahm ich kurz darauf wieder zurück.

Die Spannung wurde immer größer, so dass das eine oder andere Mal bereits das Läuten der Kuhglocken wahrgenommen wurde, obwohl niemand in Sichtweite war. Der Schall findet in den engen Gebirgstäler eben immer einen Weg. Als endlich doch die ersten Teilnehmer zu sehen waren, nahmen wir alle unsere Positionen ein, so dass jeder das bestmögliche Sichtfeld für seine Aufnahmen erhielt.

Die große Begeisterung wich auch bald schon der Ernüchterung, dass nur eine kleine Vorhut – das Kranzrind mit einem Begleiter und zwei Jugendlichen Hirten mit ihrer Mutter – weit vor der großen Herde in Richtung Gunzesried liefen. Trotzdem ergriffen alle die Gelegenheit erste Bilder zu machen. Mir persönlich geht es auch immer so, dass ich mich erst an die Sache herantasten muss und dankbar bin, ein paar Testfotos machen zu können, bevor es ernst wird.

Ich hatte mir extra für die Veranstaltung von Tamron ein 18 – 400 mm Objektiv ausgeliehen. Hier zahlte sich der große Zoombereich sofort aus, da ich bereits aus großer Entfernung die ersten Bilder der Herannahenden machen konnte. Näheres zum Objektiv in zwei Wochen im Testbericht der Linse hier im Blog.

Die Kompression der Telebrennweite verdichtet die Szenerie zusätzlilch, so dass die Kraft und Energie der Tiere, welche durch die Hirten mit den Stäben im Zaum gehalten wurden, besonders gut zur Geltung kommt. Die Rinder sind ja doch mehr als einen Meter lang – auf dem Bild wird diese Szenerie so gestaucht, dass, für mich, eine besondere Dramatik entsteht.

Und für die eigene Sicherheit ist ebenfalls gesorgt, da ich rechtzeitig, bevor die Tiere mich erreichen, für ausreichend Sicherheitsabstand sorgen kann. Für die Schärfe im Bild habe ich einen alten Trick von Scott Kelby angewandt. Der empfiehlt, wenn man sich unsicher ist mit langer Brennweite aus der Hand zu fotografieren den Serienbildmodus an der Kamera einzuschalten. Dann so ca. 3 – 5 Bilder machen – die Ausbeute an scharfen Bildern ist so größer, als wenn immer nur ein Bild gemacht wird, kontrolliert wird, wieder fotografiert wird usw.

So warteten wir auch noch die nächste Gruppe einer weiteren Alpe ab, damit jeder Gelegenheit hatte, unsterschiedliche Positionen und Perspektiven auszuprobieren. Denn nichts ist langweiliger, als immer nur auf Augenhöhe zu fotografieren.

Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück, da die neblige Stimmung ausgezeichnet zur Jahreszeit und Veranstaltung passt. Zudem waren bei der Luftfeuchtigkeit und Kälte die dampfenden Tiere genau das, was ich mir vorher als Zielbild in den Kopf gesetzt hatte.

Auch ich begab mich schließlich auf Tauchstation und legte mich im nebelfeuchten Gras auf den Bauch. Es ging ja schließlich darum ungewöhnliche Ansichten zu finden und das gelang mir in diesem Moment sehr gut.
Diese beiden Bilder oben und unten sind die derzeit am meisten beachteten Bilder von mir auf Facebook. 20.000 Menschen haben diese Bilder in der ersten Woche gesehen, hunderte Likes und mehrere Dutzend Kommentare dazu haben mich sehr stolz gemacht.

Unterwegs kamen wir auch ein einem Hof vorbei, an dem wir das Schmücken des Kranzrindes aus nächster Nähe beobachten konnten.
Hier habe ich mir dann auch die Zeit genommen, um einmal die Details der Veranstaltung festzuhalten. Die festlich gerichteten Haare der Teilnehmerinnen
die Anspannung bei den Teilnehmern
oder auch einfach nur die Tracht und Tradition der Veranstaltung selbst

Aprospos ungewöhnliche Ansichten:
Die Rinder selbst sind ja die Hauptakteure bei dieser Veranstaltug. Also warum nicht diese auch mal ungewöhnlich ablichten?

Vom unten und nur die Füße – reicht doch auch um zu zeigen, wo man war.

Kuriose Bilder lassen sich auch erzielen, wenn man bei ca. 1/20 s Belichtungszeit mit der Herde einen sog. „Mitzieher“ versucht. Man könnte fast meinen, die Herde rennt im Galopp vorbei…

Oder einfach mal die Augen offen halten für die kleinen Randerscheinungen, wie den kleinen Jugen, der anscheinend noch zu jung war, um den ganzen Weg zu Fuß zu laufen. Auf Grund seiner Tracht lässt er aber deutlich erkennen, dass er dazu gehört.

Am Scheidplatz angekommen traf uns die gesamte Wucht der versammtelten Touristenschar mit einem Schlag. es war schon ein gewaltiger Unterschied zur Abgeschiedenheit draußen im Tal – doch das gehört mittlerweile auch dazu.

Der Einlauf der Kühe in den Pferch musste schließlich ebenfalls dokumentiert sein, wie auch die Umrahmung des Spektakels mit den unzähligen Schaulustigen aus Nah und Fern.

Hier waren dann auch Portraits der Hirten möglich, denen man die Erleichterung ansah, das alles zu einem guten Ende gekommen ist.

Auch hier boten sich wieder viele Gelegenheiten zu ungewöhnlichen Ansichten und Bildgestaltungen, wie z. B. die Kuh durch den Schellengurt hindurch fotografiert.

Alles in allem war es ein sehr gelungener Workshop dank der Ortskenntnis von Manuela Prediger. sie wusste, wie der Ablauf sein wird und wo die interessantesten Stellen auf dem Weg durch das Tal sind. Allein die Tatsache, dass ich noch nie an einem halben Tag ca. 1000 Fotos gemacht habe spricht dafür, wie viele Möglichkeiten sich hier geboten haben.

Ich hoffe es ist eine kleine Anregung für Euch dabei, auch einmal ausgetretene Pfade zu verlassen und nicht genau da fotografieren zu wollen, wo alle Bilder machen. In diesem Sinne wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Wie bilde ich mich weiter?

Ohne Weiterbildung geht’s nicht weiter! Auch nicht im Hobby! Deshalb möchte ich heute den Anstoß geben, sich doch mal intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen und einen Fotokurs zu besuchen.
Es lohnt sich!
Versprochen!

Jedes Jahr gönne ich mir mindestens einen Kurs zu einem Thema, welches mich interessiert und bei dem ich noch Entwicklungsmöglichkeiten sehe. So nutze ich jedes Mal die Gelegenheit, mir frische Ideen und Inspirationen zu holen.
Erst letzten Freitag Abend habe ich mich wieder einmal weitergebildet. Und zwar mit einem Workshop zu dem Thema „Lichter der Nacht“ der VHS Memmingen.

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe den Kurs nicht besucht, um einen Beitrag zu verfassen, sondern wirklich aus eigenem Interesse. Ich habe den Kurs auch regulär gebucht und bezahlt und bin nicht Mitarbeiter in der VHS.
Die Idee zu diesem Post kam mir erst jetzt im Laufe dieser Woche nachdem ich den Workshop besucht habe.

Manuela Prediger ist selbstständige Fotografin und leitet neben ihren eigenen Workshops auch immer wieder Kurse bei den VHS-Anbietern im ganzen Allgäu. Sie ist als Profi genau die richtige, um alle aufkommenden Fragestellungen ausführlich zu beantworten und der Gruppe die nötige Anleitung zu geben, um mit schönen Fotos nach Hause zu gehen.

Einen Kurs bei einer VHS vor Ort kann sich eigentlich jeder leisten. Er kostet je nach Art und Umfang im Schnitt zwischen 20 und 50 Euro und ist das Geld jedenfalls wert. Da man alleine immer schnell eine Ausrede findet um nicht zum Fotografieren zu gehen, übt und lernt es sich in der Gemeinschaft Gleichgesinnter leichter und unbeschwerter. Der Austausch  mit den Kollegen hilft mir immer sehr. Jeder hat ein eigenes Auge und sieht die Szene und Situation anders. Anregungen sind somit unumgänglich und jeder profitiert von jedem.

Beispielhaft möchte ich hier den Workshop-Ablauf des VHS-Kurses „Lichter der Nacht“ aus Memmingen wiedergeben:

Nach einer kurzen Einführung in das Thema „Fotografieren bei wenig Licht“ und einer Vorstellungsrunde ging es raus in die kalte Dunkelheit. Wir hatten noch Glück, denn bis einen Abend zuvor herrschten in Memmingen zweistellige Minusgrade. Leichter Schneefall setzte ein und schon überlegte jeder, ob das nun gut oder schlecht für die Fotos und die Ausrüstung sein kann.
Ruhig und sachlich wurden die Bedenken bezüglich der Kameras und Objektive durch die Kursleiterin ausgeräumt. Moderne Kameras sind heute alle so abgedichtet, dass die Schneeflocken der Technik nichts anhaben können. Im Gegenteil – die Flecken durch die Schneeflocken können auch als ein Stilelement in das Bild integriert werden.

In der ersten Aufgabenstellung ging es darum, die Wirkung der Blende bei Gegenlichtsituationen besser zu verstehen. So wurden zuerst mit weit geöffneter Blende (z. B. 4,0 oder 5,6) Bilder der Leuchte an der Stadtmauer aufgenommen.

Anschließend wurden wir gebeten, die Blende, so weit es das Objektiv zulässt, zu schließen (in meinem Fall Blende 22). Die dadurch entstehenden längeren Belichtungszeiten spielten keine Rolle, da alle Teilnehmer vorbildlich vom Stativ aus fotografierten. Das Ergebnis waren schöne Sterne aus der Lichtquelle, die je nach Art und Bauweise des Objektivs eine unterschiedliche Anzahl von Strahlen erzeugten.

Der selbe Effekt läßt sich  auch mit mehreren Leuchten erzielen und kann auch tagsüber beim Fotografieren in die Sonne tolle Effekte mit sich bringen. Jeder kennt doch bestimmt die traumhaften Bilder eines Sonnenunterganges, bei dem einen die Sonnensterne mit ihren langen Strahlen ins Bild hineinziehen wollen.

Dann half uns der Zufall weiter:

Der Räumdienst der Stadt Memmingen kam den Gehweg entlang gefahren. Ein Traktor kam uns mit voller Beleuchtung näher und entfernte sich anschließend im Rückwärtsgang auch wieder. Schnell war die Idee geboren, bei derLangzeitbelichtung mit dem Einsatz einer Taschenlampe Kreativität einzubringen. Den Möglichkeiten sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Den Anfang machte Manuela. Sie hatte extra für diese Versuche eine Taschenlampe dabei, welche sie nun, mit den Armen kreisend, im Laufschritt auf uns zu bewegte. Durch die Tatsache, dass sich der Mensch schnell weiterbewegt und die Lichtquelle der Lampe viel heller ist als die Umgebung, ist der Mensch für die Kamera unsichtbar und nur die Lichtspuren werden auf dem Sensor registriert.

Ein Teilnehmer erbarmte sich einige Minuten später, um Manuela abzulösen und gleich wurden die Wünsche nach Formen laut geäußert. Ein Herz sollte es sein, welches nach mehreren Versuchen auch wirklich gut erkennbar präsentiert wurde.

Dann wurden die Wünsche spezieller. Es sollte ein Wort geschrieben werden. Nachdem bei den ersten Versuchen die Synchronisation zwischen Schreiber und Fotografen nicht ganz rund lief und nur einzelne Buchstaben, wenn überhaupt, auf die Speicherkarte gebannt wurden, stellten sich bald tolle Ergebnisse ein.

Sogar das gelegentliche Blinken der Taschenlampe konnte als kreatives Element gefallen finden. Manuela erwies sich als perfekte Buchstabiererin und brachte es fertig, dass alle Buchstaben nahezu gleich groß und gerade geschrieben waren.


Anschließend wandten wir uns weiteren Locations zu. Der Memminger Marktplatz und die dort beginnende Fußgängerzone bildeten einen würdigen Rahmen für die abschließenden Fotos.
Das Schöne am Lernen in der Gruppe ist auch, dass Manuela uns immer wieder zusammen rief, um uns besonders gelungene Aufnahmen einzelner Teilnehmer zu zeigen und anhand derer die Grundlagen der Bildgestaltung näher brachte. So wurde jeder dazu ermutigt einmal neue Blickwinkel und Positionen zu versuchen, denn auch ein Bild aus der Froschperspektive kann sehr spannend sein.

Hier konnten wir immer wieder staunend erleben, dass durchs Bild laufende Personen dank der Langzeitbelichtung nicht auf dem fertigen Foto zu sehen sind. Nur das, was still verharrt, wird auch abgebildet.
Hier wurde außerdem nochmal vertieft, wie man in der Dunkelheit manuell scharf stellt, da nämlich bei zu wenig Licht der Autofokus nicht mehr funktioniert. Also das Objektiv auf Manuell umstellen und selbst am Ring drehen ist jetzt die Devise.

Das Ensemble des Marktplatzes mit dem wunderschön beleuchteten Rathaus bildet aber auch eine traumhafte Kulisse. Hier an einem Abend alle möglichen Blickwinkel zu finden, ist schlicht unmöglich.

Ich habe auch versucht das Ganze als Panorama einzufangen, jedoch sind auf Grund der Breite der Gebäude sind die Möglichkeiten ohne spezielle Panorama-Ausrüstung doch sehr limitiert.

Dann lieber noch ein paar Spielereien mit den vorbei fahrenden Autos – Lichtspuren, die unser Auge zum Motiv (hier der Martinsturm) hin geleiten, sind auch immer wieder neu und sehenswert. Hier ist es unmöglich zwei gleiche Bilder zu schießen, denn jedes Auto fährt anders.


Zum Abschluss versuchte ich noch die Übung mit dem Einrahmen des Motivs durch die örtlichen Gegebenheiten. Und hier stellte sich mir bei der Bearbeitung auch gleich noch die nächste Frage: Farbe oder Schwarzweiß?

Ich finde, beide Bilder haben etwas.

Als die Kälte drohte, uns in alle Glieder zu fahren, waren die drei Stunden auch schon wieder vorbei. Wir gingen die Erfahrungen nochmal kurz durch und jeder zeigte sich begeistert, wie einfach die Nachtfotografie doch sein kann, wenn man nur ein paar Regeln einhält:
Alle Aufnahmen vom Stativ aus, kleine ISO-Zahl einstellen für wenig Bildrauschen, Fern-  oder Selbstauslöser verwenden, wenn nötig die Spiegelvorauslösung aktivieren um manuelle Unschärfen durch die Bedienung der Kamera auszuschließen und am Objektiv oder der Kamera den Bildstabilisator deaktivieren.
Bei gutem Kontrast der angestrahlten Gebäude kann der Autofokus sogar noch gute Ergebnisse bringen, so dass nicht in jedem Fall manuell fokussiert werden muss. Sollte es doch erforderlich werden, so empfiehlt es sich den Live-View der Kamera zu aktivieren und auf die maximale Vergrößerung der Anzeige zu gehen. Jetzt kann man auch in der Dunkelheit den passenden Bildausschnitt suchen und darauf manuell am Objektiv scharf stellen.

Wer die Bilder in voller Auflösung sehen möchte,  der kann dies in folgendem Online-Album tun: https://spark.adobe.com/page/ADvryqkBql8jK/

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss:
Ich habe mir vor Jahren schon angewöhnt, nach jedem Workshop ein kleines Fotobuch zu erstellen. So kann ich, so lange die Erinnerung noch frisch ist, die einzelnen Aufgaben und Versuche, welche ich unternommen habe, festhalten und über die Jahre die eigene Entwicklung in der Fotografie verfolgen.
Ich kann es Euch nur empfehlen, denn ich habe bei mir erhebliche Fortschritte über die Jahre gesehen, welche mich schließlich dazu gebracht haben, das Hobby bis hier hin zu vertiefen. Der Rückblick und die Erkenntnis der sichtbaren Verbesserung der Fähigkeiten motiviert ungemein.

Natürlich will ich damit nicht generell sagen, dass Lesen oder auch Video-Tutorials für die Weiterbildung ungeeignet sind. Das Entscheidende dabei ist nur, dass man danach auch raus gehen muss um das Erlernte anzuwenden. In so einem Kurs fällt es mir jedenfalls leichter, Neues auszuprobieren und ich habe die Gelegenheit direkt nochmal um Unterstützung oder einen Rat zu bitten. Das Machen macht*s!

In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du auch einen Kurs für Deine Belange findest und bei all Deinen fotografischen Vorhaben in nächster Zeit allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

U-Bahn München 2018

Ich habe es wieder getan! Zum insgesamt vierten Mal war ich in München in der U-Bahn und habe fünf weitere Bahnhöfe fotografiert:

Josephsburg:
Der Bahnhof Josephsburg liegt in einer leichten Kurve und besticht durch das schöne, große Schachbrettmuster der Granitfliesen auf dem Fussboden.

Zusammen mit der (eigenwilligen) Beleuchtung hat dieser Bahnhof eine schöne Dynamik.

Die Deckenleuchten sind immer wieder durch bunte Glaslamellen unterbrochen, so dass das bunte Spiel der Farben für zusätzliche optische Reize sorgt.
Interessant sind die Bilder auch dann, wenn nicht alles scharf dargestellt wird. Durch die Beleuchtungssituation fällt es leicht, die Belichtungszeit so zu erhöhen, dass schöne verschwommene Züge oder geisterhafte Menschen auf den Fotos abgebildet werden. Das gibt die Dynamik wieder, welche an einem solchen Platz herrscht. Schließlich dient der U-Bahnhof ja der Fortbewegung – also darf diese Bewegung gerne auch einmal gezeigt werden.

Kreillerstraße:
Dieser Bahnhof ist dank der verwendeten großen Aluminiumplatten extrem hell.
Die Gestaltung ähnelt stark der ebenfalls hell erleuchteten Station Fürstenried West.
Die indirekte Beleuchtung wird dank der gewölbten Decke über den gesamten Bereich des Bahnhofs geleitet.
Vereinzelte Mosaike in den Seitenwänden lockern die metallisch anmutende Beplankung wieder auf und sorgen für Abwechslung an den Wänden.
Für die bestmögliche Bildwirkung sollte in solchen Fällen das Augenmerk auf die Symmetrie gelegt werden. Anhand der Einrichtung oder der Bodenfliesen lässt sich hier schön ein Mittelpunkt auf dem Bahnsteig finden. Und sollten einmal alle Stricke reißen und eine Rolltreppe allzu dominant in eine Ecke des Bildes ragen, dann hilft in letzter Not immer noch Photoshop. Die gute Seite des Bildes einfach gespiegelt über den Makel legen – wer nicht dabei war, weiß schließlich nicht, dass dort etwas störendes war.

Messestadt Ost:
Die Endstation der U2 hat bereits im Außenbereich ein sehenswertes Detail. Es befindet sich nämlich eine Sonnenuhr direkt vor dem Eingang zur U-Bahn, welche die Uhrzeit in ihrer trichterförmigen Umrandung anzeigt.
Im Inneren sind die bewährten Lichtbänder, welche dafür sorgen, dass überall ausreichend Beleuchtung vorhanden ist.
Da es sich hier um einen Endbahnhof handelt, ist das Aufkommen an Fahrgästen relativ gering, so dass entspannt fotografiert werden kann.

Messestadt West:
Mit seinen rostrot- und orangefarbenen Wänden lädt dieser Bahnhof ein, Bilder im Grungelook zu erstellen.
Der säulenlose Bahnhof, mit seinen blau schimmernden Oberlichtern, bietet die perfekte Spielwiese, um mit der Symmetrie der Architektur zu spielen. An der Ostseite ragen noch Fenster des eingebauten Cafes in den Bahnhof, so dass hier die Gleichförmigkeit gebrochen wird.
Fotografisch kann sowohl die Weite der Anlage im Querformat, als auch die Betonung der Farben und Formen im Hochformat genutzt werden.
In der Architekturfotografie ist es eigentlich verpönt, das Objektiv nach oben zu richten. Man will ja schließlich die sog. stürzenden Linien vermeiden. Es gibt keine Regel, die nicht auch gebrochen werden kann – vor allem, wenn es darum geht, Führungslinien zu erzeugen. Die in der Weite zusammenlaufenden Lichtbänder oder auch Seitenwände saugen den Blick des Betrachters förmlich in die Tiefe hinein. Eine bessere Methode die verloren gegangene Dreidimensionalität zu simulieren gibt es nicht.

Moosfeld:
Charakteristisch für diese Station sind die übergroßen Letter an den Wänden, die den Namen des Bahnhofs weithin sichtbar werden lassen.
An den gegenüberliegenden Wänden sind die Letter einmal rot in grau und einmal grau auf rot eingelassen.
Immer wieder reizt es mich, den einfahrenden Zug als „Geisterzug“ ins Bild zu bekommen. Dabei kann ich nicht einmal ein Rezept vorstellen, nach dem das sicher gelingt. Einfach probieren – wenn der Zug in die Station einfährt, den Auslöser betätigen und sich überraschen lassen, was die Kamera zu Tage bringt. Die Belichtungszeit sollte allerdings schon etwas länger sein, damit die Lichtspuren erscheinen können.
Die immer noch futuristisch anmutenden Leuchten passen perfekt zu dem modern gestalteten Bahnhof.
Dieser Bahnhof war wegen dem markanten Schriftzug für diesen Ausflug mein „must-have“. Trotz diverser Unannehmlichkeiten wegen dem eingeschränkten Betrieb dank der Baustelle Sendlinger Tor war es uns gelungen, der U2 bis zum Ende zu folgen und diese schönen Bahnhöfe einzufangen.

Ich hoffe, dieser Ausflug in den Münchener Untergrund hat wieder etwas Spaß gemacht. Ich habe nun 27 Stationen fotografiert und beschrieben. Von den insgesamt hundert Stationen habe ich also noch eine ganze Menge übrig, wenn sich auch nicht jede unbedingt lohnt, fotografiert zu werden.

Die früheren Beiträge findet Ihr unter:

U-Bahn-Fotografie: Grundsätzliches

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 1

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 2

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 3

U-Bahnhöfe Teil 4:

U-Bahnhöfe Teil 5:

Best of U-Bahn München

Sobald ich mich wieder auf den Weg mache, werde ich auch wieder davon berichten. Bis dahin wünsche ich Euch allen für Eure fotografischen Expeditionen allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Hinweis:
Die Beschreibungen der Stationen sind zum großen Teil an die Beschreibungen auf den  Internetseiten von https://www.u-bahn-muenchen.de/ angelehnt.

5 Tipps für bessere Fotos


Wer kennt sie nicht – Tipps für bessere Kameras, Ausrüstung, Bücher und Workshops. Eins haben sie alle gemeinsam: Sie kosten Geld. In diesem Beitrag möchte ich Euch fünf Tipps näher bringen, die erstens nichts kosten und zweitens trotzdem viel bringen wenn es darum geht seine Skills zu verbessern. Los gehts:

1 Vorausplanen:

Gute Planung ist unerlässlich. Nicht nur die Wettervorhersage, sondern auch die Anfahrt und die Umgebung kann man vorab checken und kommt so besser und verlässlicher zum Ziel.
Bekanntlich ist ja der Morgen und der Abend die beste Zeit zum fotografieren selbst. Was spricht also dagegen, über die Mittagszeit schon mal vorab die gewünschte Location anzuschauen. Wo kann ich parken, wie lange laufe ich zu zum gewünschten Ort, wo sind die besten Stellen, um das Stativ und die Kamera aufzustellen? All diese Fragen lassen sich ohne Stress vorab klären, so dass man zur besten Zeit entspannt sein Equipment einrichten kann und gerüstet ist, sobald z. B, der Sonnenuntergang einsetzt.
Schon von zu Hause lässt sich vorausplanen. Über Programme wie z. B. Google Earth kann man schon vom Wohnzimmer aus mal einen Abstecher an den Urlaubsort machen. Oft sind schon Bilder eingestellt, so dass man sich mögliche Spots schon im Vorfeld notieren kann. Über Apps wie z. B, Photo Pills oder Sun Surveyor (beide gibt es auch als kostenlose Versionen mit geringerem Programmumfang) können im Voraus die Zeiten für Sonnenaufgang und -untergang erfasst und auch der Sonnenstand vor Ort angeschaut werden. (siehe auch Beitrag: Nützliche Apps für Fotografen)
2. In RAW fotografieren:
Zum Thema Nachbearbeitung selbst habe ich schon einen Beitrag geschrieben (Pro und Contra Nachbearbeitung). Deshalb hier nur nochmal kurz quasi als Zusammenfassung:
In der digitalen Zeit findet immer eine Nachbearbeitung statt. Entweder wir überlassen dies der Kamera und fotografieren im Dateiformat jpeg, oder wir übernehmen diese Arbeiten selbst. Es darf also niemand behaupten, seine Bilder sind nicht bearbeitet, denn zumindest die Kamera, mit der ihr die Bilder aufnehmt,  bearbeitet und komprimiert die Bilder im jpeg-Format.
Wer der Kamera nicht die Entscheidung überlassen will, welche Bildbereiche wie bearbeitet werden, der muss schon selbst Hand anlegen. Um hierfür die best möglichen Voraussetzungen zu haben, der sollte im sog. RAW-Modus oder RAW-Format fotografieren. Dann nämlich werden die Rohdaten auf die Speicherkarte geschrieben und keinerlei Manipulation vorgenommen.
Im ersten Moment sehen die Bilder erschreckend flau aus – was daran liegt, dass die kamerainterne Bearbeitung ja vermieden wurde.
Hier sind jedoch alle Reserven enthalten, um selbst zu einem überaus ansehnlichen Ergebnis zu kommen. Die Kamera geht nach Schema F vor und bearbeitet das Bild mit den voreingestellten Parametern immer gleich und komprimiert ziemlich stark, so dass nachträgliche Änderungen meist nicht mehr spurlos möglich sind. Auch Bildteile, die wir gerne separat behandeln würden (z. B. den Himmel abdunkeln u. ä.) werden genau gleich wie alles andere bearbeitet.
Eine selektive Bearbeitung, welche in der Regel zu einem ausgewogenerem Ergebnis führt, kann nur von uns selbst durchgeführt werden. Denn nur der Fotograf selbst weiß, wie intensiv die Farben wirklich waren und welche Bildinhalte eventuell besonders herausgestellt werden sollten.
3. Tiefe position wählen:
Unser ganzes Leben betrachten wir immer alles auf Augenhöhe. Denn die Augen können wir nicht auf den Boden legen, um mal einen anderen Blickwinkel einzunehmen.
Aber unsere Kameras können wir doch aus der Hand legen! Probiert es doch beim nächsten mal gleich aus. Legt die Kamera auf den Boden, auf einen Felsen oder Baumstumpf o. ä. Ihr werdet überrascht sein, wie ungewöhnlich schön dann die Aufnahmen werden. Der Wow-Effekt stellt sich sofort ein, da diese Sichtweise nicht unserer Normalansicht entspricht.
Ganz besonders ansprechend sind auch Bilder von Bächen dicht über dem Wasserspiegel – der Betrachter fühlt sich hier sofort so, als wäre er mittendrin statt nur dabei!

4. Trips rund um Neumond:
Gerade für Nachtaufnahmen mit Sternenhimmel empfiehlt es sich, genau den Mondkalender zu studieren. Rund um Neumond sind die Sterne und die Milchstraße deutlich besser zu sehen, als zu den übrigen Mondphasen.
Das Licht, welches vom Mond reflektiert wird, ist in der Tat so stark, dass neben der störenden Straßen- und Gebäudebeleuchtung unserer Städte auch dieses dazu führt, dass das Sternenzelt nicht in seiner ganzen Pracht wahrgenommen werden kann.
Wer also nicht gerade den Vollmond ablichten will, dem sei geraten er solle die 5 Tage rund um Neumond nutzen, um wunderbare Nachtansichten des Alls zu erhalten.
 5. Früher vor Ort sein, als andere:
Mit dem letzten Tipp schließt sich quasi der Kreis. Er hängt unmittelbar mit dem ersten Tipp zusammen – der Planung.
Viele interessante Plätze werden natürlich auch von anderen Fotografen und Schaulustigen besucht. Deshalb ist bei der ganzen Planung immer zu berücksichtigen, dass wir früher da sein sollten, als die Anderen. Nur dann haben wir freies Feld und können uneingeschränkt entscheiden, wo wir uns hinstellen, um die vermeintlich beste Position für das Bild der Bilder zu erhalten. Generell gilt: mindestens 30 Minuten vor Sonnenaufgang da zu sein, sollte das Minimum sein, was anzustreben ist. Ausreichend Zeit im Vorfeld einplanen ist ein Muss, das um so schwerer wiegt, um so beliebter der Spot ist. Vielleicht kommt man ja nur ein mal im Leben genau hier vorbei. Oder während des Urlaubs lässt das Wetter nur einen Abend für das ultimative Sonnenuntergagsbild zu. Schade wer hier zu spät kommt und immer störende Menschen im Bild hat.

Ich hoffe, es war wieder einmal was für den Einen oder Anderen dabei und Ihr könnt es direkt umsetzen. Ich verbleibe derweil mit den besten Wünschen nach allzeit gutem Licht.
Werner Kutter

Quick-Tipps und schlaue Sprüche


In aller Welt gibt es Sprichwörter und Sprüche, die immer auch einen wahren Kern haben. z. B. kennt jeder Fotograf den Spruch „Wenn die Sonne lacht, nimm Blende 8!“. So oder so ähnlich haben sich zu allen Zeiten selbst die Gelehrten, die Besten der Besten immer wieder Eselsbrücken gebaut, um im Ernstfall zu wissen, wie sie mit der jeweiligen Situation umgehen sollen. In diesem Beitrag möchte ich Euch mal ein paar solcher Sätze näher bringen und „eindeutschen“, die vor allem immer wieder aus Amerika zu uns herüber schwappen. Denn wie sagte schon Goethes Faust? Das also ist des Pudels Kern…

 1. Die „sunny-16-rule“ von Bryan Peterson:
Hierbei geht es um die Vereinfachung des Zusammenspiels von Blende, Belichtungszeit und ISO bei der manuellen Einstellung der Kamera.
Bryan Peterson lehrt, wollen wir ein durchgehend scharfes Bild (vom Vordergrund bis in den Hintergrund), dann benötigen wir eine weit geschlossene Blende. Bei Sonnenschein können wir die Blende auf 16 schließen. Um dann eine korrekte Belichtung zu erhalten werden einfach ISO und die Belichtungszeit gleich gesetzt. Also ISO 100 = 1/100 s Belichtung. Wenn die Zeit noch kürzer sein soll (um etwa Bewegung einzufrieren), dann wird im selben Maße, wie die Belichtung verkürzt wird, die ISO erhöht – z. B, 1/800 s entspricht dann ISO 800. Auf diese Weise werden die Bilder immer ausgewogen belichtet – so lange die Sonne scheint!
Es gibt also noch mehr Möglichkeiten außer Blende 8, wenn die Sonne lacht!
2. Die „loony- 11 – rule“ von David Bergman:
Das  Gegenteil von sonnigen Tagen ist hier die Vollmondnacht. Den Vollmond zu fotografieren hat mich bei meinem ersten Versuch ziemlich überrascht. Man steht in der Dunkelheit und denkt instinktiv daran, dass die Belichtungszeit ziemlich lang sein müsste. Die Kamera lässt sich von dem hohen Anteil schwarz im Sucher bei der internen Belichtungsmessung ebenfalls irritieren. Und so kommt es, dass man bei viel zu langer Belichtungszeit und möglichst offener Blende ein schwarzes Bild mit weißem Fleck erhält. Jeder von uns hat aber schon gesehen, dass es Bilder gibt, auf denen Details der Krater auf der Mondoberfläche zu sehen sind. Der Trick ist: Der Vollmond ist so hell, dass relativ kurze Verschlusszeiten bei mittlerer Blende und sogar niedrigem ISO möglich sind.
Der Fotograf David Bergman hat das in seiner loony-11-rule abgekürzt. Die Regel besagt, ähnlich derer von Bryan Peterson, dass bei Blende 11 die Verschlusszeit und die ISO gleich gesetzt werden können. Also auch hier: Zeit 1/100 s – ISO 100 und Zeit 1/250 s – ISO 250. Die selbe Regel – nur mit Blende 11 statt 16!

3. Der Satz: „When you photograph people in color, you photograph their clothes. But when you photograph people in black and white, you photograph their souls“ von Red Grant:
Sein Leitsatz war eigentlich: If you can see it, you can shoot it – alles was Du sehen kannst, kannst Du auch fotografieren. Doch noch intensiver finde ich den Satz über die Porträtfotografie.  Die farbigen Bilder zeigen, wie die Menschen gekleidet sind, die Schwarzweiß-Fotos hingegen blicken direkt in ihre Seelen. Durch das Weglassen der eventuell ablenkenden Farben wird der Blick auf den Menschen selbst gerichtet und wenn dann das Bild und die Person gut sind, dann hat man das Gefühl durch die Augen in das Innerste des Menschen eintauchen zu können.
Also versucht doch mal einzutauchen in die hohe Kunst der Schwarzweiß-Fotografie – auch oder gerade bei Porträts.

 4. Der Satz: „Gear is good but vision is better“ von David DuChemin
Dieser Satz zielt auf die heutige Mentalität ab, immer das Neuste und somit vermeintlich Beste besitzen zu wollen, ab. Jede neue Kamera versppricht uns noch bessere, noch schärfere Bilder in noch höherer Auflösung.  Allzu leicht vergisst man dabei, dass das Bild nicht die Kamera allein macht, sondern in erster Linie derjenige, der den Auslöser drückt. Die Kamera ist nur unser Werkzeug!
Bitte nicht falsch verstehen – die Ausrüstung ist schon wichtig, aber nicht der alleinige Grund für gute Fotos. Genau so wichtig, wenn nicht sogar wichtiger ist die Vision, der Plan, ein Zielbild zu haben und auf dieses hinzuarbeiten .
Also bitte im kommenden Weihnachtsgeschäft vielleicht auch einmal daran denken, seine Fähigkeiten im Umgang mit der Kamera zu verbessern und lieber mal in einen Fotokurs investieren als gleich die neueste Kamera zu kaufen.
Dieses Bild habe ich vor zwei Jahren mit der selben Kamera aufgenommen, mit der ich auch heute noch fotografiere. Es war das erste von vielen besseren Bildern, die mir nur gelungen sind, weil ich fotografiert habe. Weil ich weiter gemacht habe, die Kamera besser verstanden habe, neues probierte und nicht, weil ich jedes Jahr ein neues Gerät anschaffte.
5. Der Satz: „If you want more interesting pictures, stand in front of more interesting things“ von Joe McNally
Dieser Satz ist die logische Konsequenz aus dem vorher gesagten.  Ich kann tausende von Euro für das beste Equipment der Welt ausgeben und habe dann vielleicht kein Geld mehr, um an tolle Orte zu reisen und dieses dort zu verwenden. Der Eiffelturm steht nun mal in Paris und kann auch mit dem besten Teleobjektiv nicht vom dem Allgäu aus fotografiert werden. Gute Fotos hängen auch ganz stark davon ab, wo man fotografieren geht. Denn auch die Niagara Fälle habe ich nicht in meinem Garten.
 
6. Der Satz: „If your photos aren*t good enough, you werent close enough“ von David Capa
Mit den heute zu erwerbenden Megazoomlinsen ist es ganz aus der Mode gekommen, was früher automatisch gemacht wurde. Mit den Füßen zoomen – sich bewegen, näher ran gehen, den gesamten Bildbereich ausfüllen.
Häufig machen wir den Fehler und wollen möglichst viel in einer Aufnahme abbilden.

Interessanter sind jedoch meist die Bilder, die sich auf das Wesentliche beschränken und Format füllend sich einzig und allein dem Motiv widmen.  Dazu kann es auch mal helfen, den einen oder anderen Schritt näher ran zu gehen, die Perspektive ändern und in die Knie gehen oder gar auf den Boden legen. Ganz nah dran sein bedeutet auch Nähe zeigen, Intimität, alles unwichtige ausblenden. Getreu dem Motto: Weniger ist mehr! Versucht doch einmal eine ganze Woche lang mit einer Festbrennweite zu fotografieren. Ihr werdet sehen, wie sich Euer Verhalten ändern wird.
So will ich es für diese Woche beschließen – der Beitrag ist sowieso schon viel zu lange geraten – und wünsche Euch, dass der eine oder andere Spruch Euch genau dann einfällt, wenn er am dringendsten gebraucht wird.
Allzeit gutes Licht!
Werner Kutter

Makros im Wohnzimmer


Was tun, wenn das Wetter so gar nicht zum draußen sein einlädt? Keller aufräumen? Faulenzen? Alte Bilder sichten und aussortieren? Oder vielleicht mal was neues ausprobieren?
Da bin ich doch gleich dafür, neue Techniken zu üben oder zu erlernen. Wie wäre es z. B.. damit: Wir bauen ein provisorisches Studio auf dem Wohnzimmertisch auf und fotografieren mal Dinge des alltäglichen Lebens im Großformat. Makros im Wohnzimmer halt.

Eins vorweg: Nicht immer braucht man für Makros auch ein Makroobjektiv. Die handelsüblichen Objektive lassen auch Nahaufnahmen zu, welche zwar streng genommen keine Makros sind, weil der Maßstab 1:1 oder größer nicht erreicht werden kann, für Hingucker können sie trotzdem sorgen.
Die Mandarine wurde z. B. mit einer Normallinse bei 135 mm aufgenommen und wirkt durch die Durchleuchtung und den engen Bildausschnitt vor dem Fenster auch wie ein Makro.

Bei den Makros im Wohnzimmer geht es darum, Alltägliches einmal durch das Auge des Fotografen zu sehen. Mit ein bisschen Übung kommen einem von ganz alleine spannende Ideen und damit auch tolle Bilder. Ich behaupte von mir, dass ich auch nicht unbedingt der Kreativste bin, doch mit ein bisschen Phantasie können mit den einfachsten Mitteln tolle Ergebnisse erzielt werden.
Hier zum Beispiel ein Wasserglas mit klarem Boden – ein wenig Wasser, ein paar Tropfen Speiseöl – das ganze auf drei farbige Blätter gestellt und senkrecht von oben fotografiert. Eine Minute Aufbau – ein tolles Bild! Das ganze funktioniert natürlich auch auf einer farbigen Tischdecke, einem gemusterten Tuch u. ä.

Bei der ganzen Sache können gleichzeitig mehrere Komponenten trainiert werden: z. B. das manuelle Fokussieren. Dazu den Autofokus ausschalten, im Liveview die maximale Vergrößerung und den zu fokussierenden Ausschnitt wählen und dann von Hand den Fokusring drehen, bis das Objekt der Begierde am schärfsten dargestellt wird.
Selbst die Staubkörner neben dem Stift sind bei der Schärfe noch zu erkennen. Erwähnenswert ist auch, dass bei der Arbeit mit dem Stativ auch unbedingt der interne Verwackelungsschutz am Objektiv oder in der Kamera abgeschaltet werden sollte. Ebenso führt das Einschalten der Spiegelvorauslösung zu schärferen Ergebnissen. Weiter sollte darauf geachtet werden, dass Kamera und Objektiv absolut gerade auf das Motiv ausgerichtet werden, da schon kleinste Abweichungen der Parallelität zu sofortiger Minderung der Schärfe führt. Im Bereich der Nahaufnahme ist die Schärfentiefe manchmal nur wenige Millimeter groß.
An dem eingerollten Blatt ist schön zu sehen, dass nur wenige Millimeter oberhalb der planen Fläche bereits die Unschärfe beginnt.
Ebenso bietet sich an, mit Blitz und/oder Diffusor zu experimentieren und die Lichtlenkung zu beobachten und zu beeinflussen. Eine gute Gelegenheit bietet sich auch einmal den manuellen Modus der Kamera intensiv zu untersuchen. Wie ändert sich die Belichtung bei Veränderung der einzelnen Komponenten Blende, Zeit und ISO? Wie ändert sich die Schärfentiefe bei unterschiedlichen Blendenöffnungen? Wieviel ISO kann die Kamera vertragen, bevor das Rauschen störend wird?
Alles Dinge, die einmal in Ruhe ausprobiert werden können und in Zukunft hilfreich sind – Lesen hilft viel, aber selber machen vertieft das ganze theoretische Wissen um ein Vielffaches. Ein bis zwei Stunden in häuslicher Umgebung ohne Ablenkung durch Witterungseinflüsse können die fotografischen Fähigkeiten enorm voran bringen.
Selbst mit einer handvoll Buntstiften lassen sich die unterschiedlichsten Formen und Farbabfolgen legen, so dass hier der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt sind.

Also traut Euch ruhig einmal mit offenen Augen durch die Wohnung zu gehen und Sachen, die sonst einen ganz anderen Zweck erfüllen, zu fotografieren. Für den Aufbau reicht wie gesagt ein Tisch, wenn möglich am Fenster, leichte Gardinen als Diffusor und schon hat man herrlich weiches Licht und kann los legen. Für ein gutes Gelingen wünsche ich Euch allzeit gutes Licht.

Werner Kutter