Makros im Wohnzimmer


Was tun, wenn das Wetter so gar nicht zum draußen sein einlädt? Keller aufräumen? Faulenzen? Alte Bilder sichten und aussortieren? Oder vielleicht mal was neues ausprobieren?
Da bin ich doch gleich dafür, neue Techniken zu üben oder zu erlernen. Wie wäre es z. B.. damit: Wir bauen ein provisorisches Studio auf dem Wohnzimmertisch auf und fotografieren mal Dinge des alltäglichen Lebens im Großformat. Makros im Wohnzimmer halt.

Eins vorweg: Nicht immer braucht man für Makros auch ein Makroobjektiv. Die handelsüblichen Objektive lassen auch Nahaufnahmen zu, welche zwar streng genommen keine Makros sind, weil der Maßstab 1:1 oder größer nicht erreicht werden kann, für Hingucker können sie trotzdem sorgen.
Die Mandarine wurde z. B. mit einer Normallinse bei 135 mm aufgenommen und wirkt durch die Durchleuchtung und den engen Bildausschnitt vor dem Fenster auch wie ein Makro.

Bei den Makros im Wohnzimmer geht es darum, Alltägliches einmal durch das Auge des Fotografen zu sehen. Mit ein bisschen Übung kommen einem von ganz alleine spannende Ideen und damit auch tolle Bilder. Ich behaupte von mir, dass ich auch nicht unbedingt der Kreativste bin, doch mit ein bisschen Phantasie können mit den einfachsten Mitteln tolle Ergebnisse erzielt werden.
Hier zum Beispiel ein Wasserglas mit klarem Boden – ein wenig Wasser, ein paar Tropfen Speiseöl – das ganze auf drei farbige Blätter gestellt und senkrecht von oben fotografiert. Eine Minute Aufbau – ein tolles Bild! Das ganze funktioniert natürlich auch auf einer farbigen Tischdecke, einem gemusterten Tuch u. ä.

Bei der ganzen Sache können gleichzeitig mehrere Komponenten trainiert werden: z. B. das manuelle Fokussieren. Dazu den Autofokus ausschalten, im Liveview die maximale Vergrößerung und den zu fokussierenden Ausschnitt wählen und dann von Hand den Fokusring drehen, bis das Objekt der Begierde am schärfsten dargestellt wird.
Selbst die Staubkörner neben dem Stift sind bei der Schärfe noch zu erkennen. Erwähnenswert ist auch, dass bei der Arbeit mit dem Stativ auch unbedingt der interne Verwackelungsschutz am Objektiv oder in der Kamera abgeschaltet werden sollte. Ebenso führt das Einschalten der Spiegelvorauslösung zu schärferen Ergebnissen. Weiter sollte darauf geachtet werden, dass Kamera und Objektiv absolut gerade auf das Motiv ausgerichtet werden, da schon kleinste Abweichungen der Parallelität zu sofortiger Minderung der Schärfe führt. Im Bereich der Nahaufnahme ist die Schärfentiefe manchmal nur wenige Millimeter groß.
An dem eingerollten Blatt ist schön zu sehen, dass nur wenige Millimeter oberhalb der planen Fläche bereits die Unschärfe beginnt.
Ebenso bietet sich an, mit Blitz und/oder Diffusor zu experimentieren und die Lichtlenkung zu beobachten und zu beeinflussen. Eine gute Gelegenheit bietet sich auch einmal den manuellen Modus der Kamera intensiv zu untersuchen. Wie ändert sich die Belichtung bei Veränderung der einzelnen Komponenten Blende, Zeit und ISO? Wie ändert sich die Schärfentiefe bei unterschiedlichen Blendenöffnungen? Wieviel ISO kann die Kamera vertragen, bevor das Rauschen störend wird?
Alles Dinge, die einmal in Ruhe ausprobiert werden können und in Zukunft hilfreich sind – Lesen hilft viel, aber selber machen vertieft das ganze theoretische Wissen um ein Vielffaches. Ein bis zwei Stunden in häuslicher Umgebung ohne Ablenkung durch Witterungseinflüsse können die fotografischen Fähigkeiten enorm voran bringen.
Selbst mit einer handvoll Buntstiften lassen sich die unterschiedlichsten Formen und Farbabfolgen legen, so dass hier der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt sind.

Also traut Euch ruhig einmal mit offenen Augen durch die Wohnung zu gehen und Sachen, die sonst einen ganz anderen Zweck erfüllen, zu fotografieren. Für den Aufbau reicht wie gesagt ein Tisch, wenn möglich am Fenster, leichte Gardinen als Diffusor und schon hat man herrlich weiches Licht und kann los legen. Für ein gutes Gelingen wünsche ich Euch allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Gadgets für Fotografen: Folding Z-Pan


Ab und zu packt es mich und ich muss so einer Werbeanzeige auf Facebook auf den Grund gehen. So geschehen bei der Anzeige des Redfire Store für einen Stativkopf, der verschiedenste Kamerastellungen ermöglichen soll:
Der „Folding Z Pan & Tilt Tripod Head“.

Gesagt getan – als noch ein 10 % Bonus und freier Versand versprochen wurde, habe ich zugeschlagen und ein Exemplar bestellt. Anscheinend wurde der Begriff „shipping“ wörtlich genommen und das Teil mit dem Schiff verschickt, da die Lieferung beinahe vier Wochen dauerte.
Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich hier meine persönliche Meinung vertrete und keine Werbung für das Teil mache. Ich habe es gekauft – nicht gestellt bekommen. Jetzt hatte ich endlich Gelegenheit, es ausführlich zu testen:

Dazu begab ich mich in den Garten, um meinem Sommerflieder etwas mit dem Makroobjektiv auf die Blüten zu rücken. Zugegeben, dass war dann auch schon gemein, denn die Makrolinse ist mein schwerstes Objektiv, aber im Web-Shop wurde auch damit geworben, dass es perfekt für Makroaufnahmen geeignet sein.

Die verschiedenen Winkel und Möglichkeiten begeisterten mich anfangs schon, zumal ich keinen sog. L-Winkel für die Kamera habe, um schnell von vertikal auf horizontal umstellen zu können.
Die Kamera hielt auch tatsächlich in vielen der angepriesenen Zwischenstellungen – fast stufenlos. Jedoch hatte ich schnell insgesamt das Gefühl, dass die ganze Konstruktion nicht so vibrationsarm zu sein schien, wie die Werbung einem suggerieren wollte. Eine Spiegelreflexkamera mit Makroobjektiv ist doch schon ganz schön schwer und brachte die Gelenke an ihre Grenzen.
Und so richtig konnte ich die ganzen verschiedenen Einstellungen auch nicht sofort nutzen, da sich der Bereich der Kamera zu sehr änderte und immer das ganze Stativ neu ausgerichtet werden musste.
Die eingebaute Wasserwaage lässt es wenigsten zu, die Nivellierung genau vorzunehmen, jedoch wenn ich, wie angeboten, diesen Winkel anstelle eines Stativkopfes verwenden würde, müsste ich die Arbeit über das Ein- und Ausfahren der Stativbeine erledigen, was ziemlich mühsam wäre.
Alles in allem ein Nice-To-Have-Teil, eine Anschaffung kann ich jedoch nicht bedingungslos empfehlen. Das Platypod, welches ich vor ein paar Wochen getestet habe, ist ich jetzt schon deutlich mehr im Einsatz gewesen, als ich es mir von diesem Z-Winkel vorstellen kann. Und mit dessen Einsatzmöglichkeiten bin ich deutlich mehr zufrieden.

Fazit: Kann man haben – muss man aber nicht.
In diesem Sinne wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter