Bad Uracher Wasserfall

Die Wanderung am Bad Uracher Wasserfall hat mich fotografisch sehr überrascht, hat mich doch der eigentliche „Star“ des Tages, der Wasserfall, nicht so sehr begeistert. Um so mehr die Stromschnellen und kleinen Wasserspielereien auf dem Weg zum vermeindlichen Highlight…

Die Anfahrt nach Bad Urach war kurzweilig führt sie doch für uns aus dem Allgäu quasi einmal quer durch die Schwäbische Alb. Nachdem wir an Bad Urach auf der gut zu fahrenden Bundesstraße in gänze vorbei waren konnten wir auch schon die Schilder zur Attraktion sehen. Auf dem geräumigen Wanderparkplatz Uracher Wasserfälle kann es in der Hauptsaison ganz schön eng werden – wir waren am Karfreitag 2018 dort und es hatte schon mehr als genügend Andrang. Also besser nicht zu spät kommen!

Nachdem wir ein Parkticket gelöst und im Auto hinterlegt hatten liefen wir auch gleich los. Immer in Richtung Süden leiten uns die Schilder am Brühlbach entlang. Und schon hatten mich die Motive gefangen. Wir sind nicht weit gekommen und schon musste ich den Rucksack von den Schultern ziehen und das Stativ aufbauen.
Christine und Hope mussten ganz schön Geduld aufbringen, denn jetzt war ich schon in meinem Element noch lange bevor wir den Wasserfall erreicht hatten.
Also Kamera aufs Stativ geschnallt, den richtigen Bildausschnitt gewählt, scharf gestellt und dann kamen wieder mal meine „Zauberfilter“ zum Einsatz. Die dunklen Scheiben vor dem Objektiv lassen weniger Licht durch und so muss ich an der Kamera die Belichtungszeit verlängern. Dies führt wiederum dazu, dass das Wasser seidig weiche Schleier bekommt, die spielerisch zwischen den Felsen hindurch ihren Weg suchen.

Mir gefällt dieser Look unheimlich gut, jedes Foto dauert allerdings dann auch etwas länger, als üblich. Da die Kamera durch den Filter hindurch nicht mehr scharf stellen kann gilt es bei jeder neuen Szene erneut – Filter ab, scharf stellen und Filter wieder drauf.
Die Belichtungszeit liegt dann, je nach Umgebungslicht und verwendetem Filter zwischen einer und bis zu 30 Sekunden.
Nach einigen Spielereien am Wasser kann ich jedoch empfehlen, die Sache nicht bis zum Äußersten zu treiben. Eine bis vier Sekunden sind in den allermeisten Fällen bei Bächen und Flüssen ausreichend. Zu lange Belichtungszeiten lassen die weißen Schlieren auf dem Wasser zu hell werden und dann kann es sein, das wegen der fehlenden Struktur im Wasser das Ganze wie Milch aussieht.
Als geeignete Filter kommen hier einmal ein sog. Polfilter und/oder Neutraldichtefilter (ND-Filter) zum Einsatz. Der Polfilter ist in der Lage Spiegelungen auf der Wasseroberfläche abzumildern (wenn ich den Grund des Baches sehen möchte) oder auch zu verstärken (wenn ich z. B. eine Spiegelung auf einem glatten See intensivieren möchte). Zudem kann er Blau- und Grüntöne in der Landschaftsfotografie verstärken wenn der Filter in einem 90-Grad-Winkel zur Sonne eingesetzt wird.
Den ND-Filter gibt es in unterschiedlichen Abstufungen. Je größer die Zahl (z. B. ND 8 oder ND 1000) um so dunkler ist die Glasscheibe und um so weniger Licht lässt der Filter in Richtung Objektiv durch.
Das hat zur Folge, dass die Belichtungszeit (ND 8 z. B. 3 fach oder ND 1000 10 fach) verlängert werden muss. So bekommen ich es hin, dass ich mitten am Tag ein Bild mit einer Belichtungszeit von 2 Sekunden nicht überbelichte.
Wer noch mehr über die Arbeit mit Filtern erfahren möchte, dem sei mein Beitrag „Der Unterschied zwischen Pol- und ND-Filter“ empfohlen.

Endlich erreichen wir den Wasserfall. Aus 37 Metern Höhe kommt einem hier das Wasser entgegen und verteilt natürlich eine entsprechende Gischt.
Ich tue mir sehr schwer, einen Blickwinkel zu finden, um das ganze Spektakel entsprechend ausdrucksvoll einzufangen. Deswegen bin ich etwas enttäuscht, weil ich von manchen Stellen aus einfach kein gutes Bild bekomme. Man muss schon ganz an den Rand des Wassers stehen, um freie Sicht zu haben -. von dort aus ist es aber dann kaum möglich die gesamte Szenerie auf ein Bild zu bekommen. Zudem bin ich pausenlos am Trockenwischen des Objektivs, so dass mir die kleinen Stromschnellen deutlich sympatischer waren.

Wir machen uns an den Aufstieg über die schmalen Wege und Treppen. Immer wieder hat man Gelegenheit nochmal nahe an das Wasser heranzutreten und eine kleine Dusche zu nehmen. Schließlich oben angekommen freuen wir uns über den großen Bereich, an dem man sich Erfrischungen kaufen, grillen oder einfach nur rasten kann.
Für die Mittagspause haben wir natürlich vorgesorgt und gönnen uns eine ausgiebige Pause. Noch ein kurzer Blick zur Kante, über die das Wasser in die Tiefe rauscht und weiter geht’s – diesmal bleiben wir auf der Höhe und laufen den Wanderweg in Richtung Burgruine Hohenurach. Von dort aus genießen wir noch eine Weile den grandiosen Blick ins „Ländle“ bevor wir uns wieder an den Abstieg und schlussendlich auf den Heimweg machen.

Eine wunderschöne Runde war das in der wunderschönen Schwäbischen Alb. Die Tour war die lange Anfahrt wert und ich wünsche Euch für ähnliche Unternehmungen bestes Wetter und für Eure Bilder allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Langzeitbelichtung – wie lange ist lang genug?

Bei der Langzeitbelichtung scheiden sich oft die Geister und keiner kann genau sagen, wie lange die Langzeitbelichtung eigentlich sein soll und ab wann ist eine Belichtung eine Langzeitbelichtung?
Abgesehen von den persönlichen Vorlieben gibt es tatsächlich kein Richtig und kein Falsch. Jeder muss für sich selbst und für seinen Geschmack den passenden Stil finden.
Tatsache ist, dass Wasserfälle und Kaskaden in den Schluchten oder einer Klamm je nach Bildaussage mit allen möglichen Geschwindigkeiten fotografiert werden können. Bei schnellen Verschlusszeiten wirken die Wassertropfen wie eingefroren und können z. B. bei einem eingezoomten Detailbild auch sehr toll aussehen.

Ich habe eine Serie mit Bilder unterschiedlicher Belichtungszeiten erstellt und kann anhand derer die Effekte, welche durch die Verlängerung der Verschlusszeit entstehen, anschaulich machen.

Das erste Bild wurde ohne Filter aufgenommen. Da es zum Zeitpunkt der Aufnahme schattig war konnte ich mit ISO 100 und Blende 11 bereits eine Verschlusszeit von 1/10 Sekunde erzielen. Schon mit dieser Belichtungszeit vom Bruchteil einer Sekunde und einer relativ schnellen Fließgeschwindigkeit kann man bei dem Ergebnis von einer Langzeitbelichtung sprechen. Das Wasser hat schon weiße Schlieren und sieht seidig weich aus. Etwas Struktur ist noch vorhanden, was der Spannung im Bild gut tut. Je nach Wassermenge und Fließgeschwindigkeit können bereits bei solchen Belichtungen die Effekte einer Langzeitbelichtung sichtbar werden.

Anschließend habe ich den Pol-Filter aufgesetzt und die Belichtungszeit verlängerte sich hiermit bereits auf 1/4 Sekunden. Ich habe aktuell eine Anfrage erhalten, ob denn die Verwendung eines Polfilters überhaupt Einfluss auf die Verschlusszeit nimmt. Durch dieses Beispiel wäre belegt, dass der Polfilter eine Verlängerung der Belichtung von ein bis zwei Blenden bewirkt (Verdoppelung bis Vervierfachung der Zeit).
In vielen Fällen kann dies bereits ausreichen, um den gewünschten Effekt zu erhalten. Ein Polfilter kommt bei mir im Zusammenhang mit Wasser so gut wie immer zum Einsatz. Er nimmt der Wasseroberfläche den Glanz und mindert Reflektionen. So wird die Wasseroberfläche an vielen Stellen wieder durchsichtig und die Steine auf dem Grund werden sichtbar, was dem Bild zu wesentlich mehr Detailreichtum und Tiefe verhilft.

Dann steckte ich zusätzlich noch einen ND 2 Filter vor den Polfilter. Jetzt kam ich schon auf eine Belichtungszeit von 1 Sekunde. Die Flächen mit dem weißen Schaum werden größer und länger, so dass vom Grund des Baches nicht mehr viel zu erkennen ist. Hier ist für meinen Geschmack für diese Art Bilder die Grenze erreicht. Stärkere Filter braucht es da meiner Meinung nach nicht mehr.

Das nächste Bild wurde mit einem ND 8 Filter aufgenommen und wurde 2 Sekunden belichtet. Das Wasser ist jetzt komplett glatt gezogen und hat jegliche Struktur in den Wellen verloren. Wenn wenig Wasser im Bach oder das Gefälle so gering ist , dass das Wasser nur sehr langsam fließt, kann es durchaus erforderlich werden mit Belichtungen um die zwei Sekunden zu experimentieren. Lieber sicherheitshalber eine Aufnahme mehr machen, als zu Hause festzustellen, dass der Zeitraum noch nicht lang genug gewählt wurde.

Das letzte Bild wurde mit einem ND 64 Filter aufgenommen und hat dann bereits 15 Sekunden Belichtungszeit gebraucht. Das Wasser sieht gegenüber der 2 Sekunden Belichtung nicht anders aus, so dass sich aus der Verlängerung der Verschlusszeit meiner Meinung nach kein Vorteil mehr ergibt. Es ist also mehr oder weniger Zeitverschwendung auf zu lange Belichtungen zu warten.

Selbstverständlich gibt es für diese Art der Fotografie auch Möglichkeiten der Verwendung. Verschlusszeiten von 30 Sekunden und darüber bringen beispielsweise an einem See oder am Meer traumhaft minimalistische Bilder hervor. Ein Stein oder eine Reihe von Buhnen am Strand werden bei diesen langen Zeiten malerisch vom absolut glatt gezogenen Wasser umspült, so dass sich hier ein meditativer Ansatz erreichen lässt.

Die hier beschriebenen Zeiten wurden von mir bei völlig bewölktem Himmel in bewaldeter Umgebung erzielt. Bei Sonnenschein kann der Einsatz von stärkeren Filtern zur Erreichung der Belichtungsverlängerung erforderlich werden. Dies gilt es immer im Einzelfall herauszufinden. Jeder Ort und jede Tageszeit mit der veränderten Belichtungssituation erfordert auch ein Anpassen der Filter bzw. der Blende und Belichtungszeit.
Wichtig ist, dass man mit Stativ und der geringsten ISO-Zahl an die Aufgabe heran geht. Bei weitwinkligen Aufnahmen (z. B. 24 mm) wird mit Blende 11 in der Regel so ziemlich alles im Bild scharf abgebildet.
Von hier ab wird der Normalwert der Belichtung abgelesen und dann mit den passenden Filtern die gewünschte Verschlusszeit herbeigeführt.
Am besten nimmt man sich mal einen Nachmittag Zeit und nimmt seine Ausrüstung mit an einen geeigneten Bachlauf und versucht sich mit den unterschiedlichsten Belichtungszeiten – bis einem das Ergebnis gefällt…

Ich wünsche Euch jetzt ganz viel Spaß beim Experimentieren und vor allem allzeit gutes Licht für die erhofften Bilder

Werner Kutter

Das Bodetal bei Thale

Thale ist rund um die Walpurgisnacht Mekka der Hexen und Magier. Hier liegt der berühmt berüchtigte Hexentanzplatz von dem aus der Sage nach die alten Weiber auf ihren fliegenden Besen in Richtung Brocken starten um dem Teufel zu huldigen. Rund um den Bahnhof in Thale kommt alles zusammen. Hier sind die Parkplätze angelegt und auch der Eingang zur Thale Erlebniswelt mit Hochseilgarten, Seilbahnen und Infopavilliions.

Und hier tritt die Bode aus dem Harz heraus und ergießt sich über Quedlinburg bis in die Magdeburger Börde. Das Bodetal ist wildromantisch und beherbergt noch eine weitere Sage. Gegenüber dem Hexentanzplatz besteht der Aussichtspunkt um den eine märchenhafte Geschichte erzählt wird.
Demnach verfolgte einst Ritter Bodo von Böhmen die Königstocher Brunhilde, die auf ihrem Schimmel vor der ungewollten Vermählung floh. Just an der Stelle setzte die Prinzessin zum Sprung über die Schlucht an und überwand den Abgrund unter Verlust ihres Krönchens. Der Verfolger stürzte in die Tiefe und wurde in einen schwarzen Hund verwandelt, der seitdem die Krone bewacht. Zudem gab der Ritter dem Fluss seinen heutigen Namen. Im Fels ist bis heute der Abdruck des Pferdehufs zu bestaunen – so stark war das Tier bei seinem Absprung gegen den Granit getreten. Unten im Tal kann man heute in der Gaststätte Königsruhe eine kleine Brotzeit genießen und sich dem Flair dieses reizvollen Abschnitts hingeben.

Der einfache Wanderweg folgt der Bode mehr oder weniger stetig. Im Bereich der Teufelsbrücke müssen einige Steigungen überwunden werden, so dass der Weg etwas oberhalb des Bachlaufes entlangführt. Wer möchte und gut zu Fuß ist kann die Strecke bis Treseburg laufen und von dort mit dem Bus wieder nach Thale zurückfahren.

Ich habe die zahlreichen Gelegenheiten dazu genutzt, um wieder einmal Langzeitbelichtungen zu machen. Hierfür ist natürlich ein Stativ unbedingt erforderlich, da es unmöglich ist die Kamera so lange still zu halten. Alternativ kann die Kamera auch auf einer Brüstung oder Felsblock oder Ähnlichem abgelegt werden – dann sind allerdings die Möglichkeiten stark limitiert.

Ich verwende hauptsächlich Rechteckfilter mit 100 mm Breite. Um die Spiegelung des Wassers etwas abzumildern verwende ich in fast allen Fällen einen Polfilter. Mit diesem lese ich dann die erforderliche Belichtungszeit an der Kamera ab und setzte dann zusätzlich, nach Bedarf, noch Neutraldichtefilter (ND-Filter) davor.

So komme ich schnell auf Belichtungszeiten zwischen einer und vier Sekunden, was für den von mir gewünschten Effekt sehr gut ausreicht.

Ich wünsche Euch für die Wanderung gutes Wetter und für die Bilder allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Ramsau, Zauberwald und Hintersee

Rund um Ramsau gibt es viele bekannte Fotospots, von denen jeder die Mühe der Anfahrt und/oder des Spazierweges wert ist. Auch wenn die Bilder tausendfach im Netz kursieren, ist es doch ein Erlebnis, selbst die Aufnahme so zu gestalten, wie man es sich vor seinem geistigen Auge vorgestellt hat. Das Erfolgserlebnis, einmal ein Bild, welches man zuerst in der Galerie eines renommierten Fotografen gesehen hat, selbst zu machen, ist doch unbezahlar.
Beginnen möchte ich mit Ramsau selbst. An der Pfarrkirche St. Sebastian spucken in der Hauptreisezeit Reisebusse ganze Horden an asiatischen Gästen aus, um nach 10 Minuten wieder weiter zu fahren. Der bekannte Spot mit der Ramsauer Ache vor der Kirche ist dann immer wieder kurz total überlaufen. Anfang/Mitte Mai kann man es mit etwas Geduld jedoch leicht abwarten, bis die wuseligen Selfietouristen wieder abtransportiert wurden. Wer sich beim Wetter nicht ganz sicher ist kann sich ja die Bilder der Webcam vorher anschauen. Hier sieht man auch direkt die Postkartenidylle, welche man auf die Speicherkarte bannen will.

Was ich leider nicht wusste, aber auch sehr sehenswert gewesen wäre, ist der Friedhof an der Kirche. Zahlreiche mehr oder weniger ernst zu nehmende Sprüche zieren Gräber, Grabsteine und Kreuze. Nicht selten wird kein Hehl daraus gemacht, wie froh die Hinterbliebenen doch über das Verscheiden waren. Vielleicht nimmt sich ja der eine oder andere mal noch die Zeit und schlendert über die letzte Ruhestätte längst verblichener Einwohner.

Wer möchte kann auch direkt ab der Kirche in Richtung Zauberwald wandern – was allerdings knapp 2 ½ km Strecke und gut 80 Höhenmeter an Wanderung voraussetzt – und dann steht man erst am Beginn der interessanten Strecke.

Wir haben den bequemen Weg gewählt und sind bis zum P4 am südwestlichsten Ende des Hintersees gefahren. Von dort machten wir uns auf, den See zu umrunden und bei dieser Gelegenheit auch den Schwenk durch den Zauberwald zu genießen.
Auf der Südostseite führt der Wanderweg knapp 700 Meter getrennt durch die Leitplanke an der Straße entlang. Ab dem Eingang in den Zauberwald ist man jedoch eins mit der Natur. Gut gekennzeichnete Wege durch den Wald und an der Ramsauer Ache entlang lassen einen den Stress komplett vergessen. Für uns Fotografen tun sich hier auf wenigen hundert Metern dutzende von Möglichkeiten auf, das Wasser von all seinen Seiten zu zeigen. Urgewaltig umtost die Wassermacht den Fels, weich und anschmiegsam schleift das Wasser die Steine glatt.

Für meinen Geschmack hat sich im Bezug auf Wasser die Langzeitbelichtung voll durchgesetzt. Ich benutze hierzu meist eine Kombination aus zwei Filtern: einen ND 8 oder ND 64 Filter, um die Verschlusszeit auf mehrere Sekunden zu verlängern und davor einen Polfilter um die Spiegelungen im Wasser zu minimieren. Verschlusszeiten zwischen 2 und 10 Sekunden reichen mir völlig aus, so dass der ND 1000 Filter nur noch sehr selten zum Einsatz kommt.
Immer wieder tun sich kleine Wege auf, über die man direkt an den Rand des wilden Stroms gelangt.

Schier unermesslich sind die Vielzahl der Szenen, welche man hier entlang des tosenden Baches machen kann. Und am eindrucksvollsten sind genau die Bilder, bei denen man denkt das Stativ wäre direkt im Bach gestanden. Also nah ran und tief runter ist hier die Devise.

Am tiefsten Punkt der Runde wendet man sich dann nach links und folgt den Schildern zum Nordufer des Hintersees. Es geht stetig bergauf und man glaubt erst gar nicht, wie tief man hinabgestiegen ist, da das Fotografieren doch ziemlich vom Verlauf der Strecke ablenkt.

Wieder am Hintersee angekommen ging es für mich als erstes darum, den idealen Platz für das Sonnenaufgangsfoto zu finden. Denn ich wollte am nächsten Morgen um fünf Uhr wieder hier sein, um die morgendliche Stimmung am See einzufangen.
Schnell war er gefunden – der Spot, der tausendfach im Internet zu finden ist. Die Bäume auf den Felsen im See und im Hintergrund der Hochkalter – charakteristischer kann ein Landschaftsbild wohl nicht mehr sein. Im Nachmittagslicht sah die ganze Szene allerdings bei weitem nicht so spektakulär aus.

Da ich in der Dunkelheit nicht gerne Überraschungen erlebe, bin ich gerne am Tag vorher hier und kann bei normalem Tageslicht Parkmöglichkeit und Zuwegung abklären, so dass in aller Frühe keine Hektik aufkommt.

Am betreffenden Morgen waren wir dann zu dritt am See und genossen die Ruhe und die Farben, welcher der Tag mit sich brachte.

Man darf bei allem Beharren auf sein Zielbild natürlich auch nicht verpassen, einmal in eine andere Richtung zu fotografieren. Oft ist diese Ansicht deshalb überraschend schön, gerade weil sie nicht pausenlos im Internet zu finden ist.

Und wieder bewahrheitet sich, dass es sich lohnt, früh aufzustehen und die ersten Stunden des Morgens an einem See zu genießen. Es waren traumhaft schöne Minuten, die leider viel zu schnell vergehen aber Gott sei dank lange in Erinnerung bleiben.

Auf dem Weg zurück durch Ramsau lohnt es sich, erneut an der Kirche anzuhalten – die aufgehende Sonne setzt die Berggipfel hinter der Kirche wirklich gekonnt in Szene so dass erneut gute Positionen für weitere Fotos gesucht werden können.

Ich hoffe ich konnte Euch eine kleine Inspiration geben, einmal diese wunderbare Ecke Bayerns zu besuchen. Wir waren im Mai dort und ich werde noch die eine oder auch andere Erfahrung mit Euch teilen. Bis dahin wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Workshop „Ostrachwellen“ im Hintersteiner Tal

Aller guten Dinge sind drei!
Den alten Spruch kennt jeder und so habe ich mich relativ kurzfristig entschlossen, bei Manuela Prediger in diesem Jahr noch einen dritten Workshop zu besuchen.
Nach den Lichtern der Stadt im Frühjahr und dem Viehscheid Gunzesried vor vier Wochen sind nun die Ostrach und die Langzeitbelichtungen am Wasser dran.
Meine Lieblingsdisziplin!
Warum nehme ich dann am Workshop teil?
Weil ich immer auf der Suche nach Inspiration bin und mir das Fotografieren in Gesellschaft von anderen einfach viel mehr Spaß macht!

Pünktlich um viertel vor neun trafen wir uns an der vereinbarten Bushaltestelle am Wanderparkplatz in Hinterstein. So konnten wir uns den kleinen „Luxus“ erlauben, den ersten Teil der Strecke mit dem Linienbus zurückzulegen und die Kräfte fürs kreative Fotografieren aufsparen. An der Haltestelle am Elektrizitätswerk stiegen wir wieder aus und es folgte eine kleine Vorstellungsrunde; schließlich unterhält man sich gleich viel besser, wenn man sich zumindest beim Namen kennt. Dann ging es runter an die Ostrach. Hier wurden noch kurz die Grundlagen besprochen, welche die Arbeit mit Langzeitbelichtungen leichter machen. Welche Filterarten gibt es? Welcher Filter wird wann eingesetzt? Wie stelle ich die Kamera richtig ein. Was muss bei der Verwendung eines Stativs beachtet werden? Lauter kleine Details, die uns aber später bei der „Arbeit“ zwischen den Felsen die Sache ungemein erleichterten. Zum Thema Filter habe ich letztes Jahr bereits einen eigenen Beitrag geschrieben.

Wieder einmal zahlte es sich aus, jemanden zu haben der Ortskenntnis besitzt und die wirklich sehenswerten Locations kennt. Auf einer Wanderung durchs Hintersteiner Tal würde man an diesen Stellen glatt vorbei laufen. Doch Manuela hat sich die Strecke vorab angesehen und so den ein oder anderen Schleichweg gefunden um wirklich einmalige Aufnahmen zu erhalten. Dabei wird selbstverständlich immer größter Wert darauf gelegt die Natur in diesem Landschaftsschutzgebiet nicht mehr als erlaubt zu belasten.

Ich habe mir vorab zu Hause auch so meine Gedanken gemacht, was ich noch gerne ausprobieren möchte und dabei festgestellt, dass ich den sog. Bulb-Modus meiner Kameras so gut wie noch nie benutzt hatte. Dieser Modus erlaubt Aufnahmen über das zeitliche Limit der allermeisten Kameras von 30 Sekunden hinaus. Manche Marken haben ein B für Bulb am Programmwahlrad, andere wiederum schalten in diesen Modus, wenn man bei manueller Einstellung die Belichtungszeit einfach über die 30 Sekunden hinaus verlängert. in diesem Fall bleibt der Verschluss so lange offen, wie der Auslöser gedrückt gehalten wird (unbedingt einen arretierbaren Fernauslöser verwenden).

Also suchte ich mir eine Stelle an der ich damit experimentieren konnte. Da die Schlucht am Morgen noch schön im Schatten lag war ich ziemlich überrascht, wie schnell man Verschlusszeiten von über einer Minute erreichen kann. Ich schloss die Blende auf 16, stellte den niedrigsten ISO Wert von 64 ein und habe mir von der Kamera im Blendenprioritäts-Modus (A oder Av) die erforderliche Belichtungszeit anzeigen lassen. Dieser lag bei einer Sekunde. Diesen Wert gab ich in meine Smartphone-App von Rollei ein (Rollei-Moments ist eine kostenlose App zur Berechnung Verschlusszeit beim Einsatz von einem oder mehreren Filtern)  und bin bei einem Filter ND 6 schon auf eine Minute und vier Sekunden benötigter Verschlusszeit gekommen. ND 6 bedeutet, dass der Filter so stark verdunkelt, dass sich die „normale“ Belichtungszeit sechs mal verdoppelt – also insgesamt 64 mal länger wird (1x2x2x2x2x2x2=64). Das Praktische an der App ist, dass auch gleich ein Countdown gestartet werden kann und so stellte ich meine ersten Versuche mit „Ultralangzeitbelichtungen“ an.

Das Charakteristische an diesen Bildern ist, dass das Wasser extrem glatt gezogen wirkt und Stellen an denen Steine oder ähnliches vom Wasser berührt oder überspült werden sind extrem weich – fast wie gemalt. Mir gefällt dieser Effekt – wie insgesamt die Langzeitbelichtung immer wieder überraschende Ergebnisse bringt, da ja unser Auge nicht die Eindrücke über diesen langen Zeitraum sammelt und das so nie gesehen werden kann.

Bei dieser Art von Fotografie ist es natürlich unumgänglich, ein Stativ zu verwenden oder die Kamera sonst irgendwie sicher abzulegen. Keiner kann die Kamera so lange still halten um ein scharfes Bild zu erhalten. Die Faustformel sagt aus, dass die Umkehrung der Brennweite in etwa der Zeit entspricht, die verwacklungsfreies Fotografieren ermöglicht. Also z. B. bei einer Brennweite von 50 mm gilt 1/50 s als längst möglich Belichtungszeit für ein scharfes Foto aus der Hand. Die gängigen Bildstabilisatoren an Objektiv und Kamera versprechen zwar noch längere Zeiten – wer ein knack scharfes Bild will, dem sei gesagt, dass an einem Stativ definitiv nichts vorbei geht. Erste Regel unter Landschaftsfotografen: Heirate Dein Stativ!

Hier mal zur Veranschaulichung zwei Belichtungen übereinander gelegt:

Das obere Bild wurde mit 13 Sekunden belichtet und zeigt im auslaufenden Wasser deutlich weniger Details als die untere, 4 Sekunden-Belichtung. Es ist reine Geschmackssache, welches Bild einen mehr anspricht. In der Fotografie gibt es kein Richtig oder Falsch. Es ist schließlich eine Kunstform.

Gelegenheit zur Panoramafotografie bot sich ebenfalls.
Da es sich hier um keine Gebäude handelt, ist man beim Anfertigen eines Panoramas relativ schnell fertig. Es gibt kaum Chancen, dass Bildfehler wegen der Drehung der Kamera sichtbar werden – es gibt ja kaum geraden Linien in der Natur. Für ein Panorama werden mehrere Aufnahmen gemacht und es wird darauf geachtet, dass mindestens 25 Prozent des Bildinhaltes überlappen. Anschließend werden die Bilder am Computer zusammengefügt und das jeweilige Programm rechnet die Puzzlestücke so zusammen, dass keine leeren Bildstellen übrig bleiben. Den Aufwand, hier Panoramawinkel und ähnliche Utensilien mit in die Schlucht zu schleppen kann man sich sparen. Sogar Aufnahmen „aus der Hand“ werden, etwas Übung vorausgesetzt, zu brauchbaren Ergebnissen führen.

Aber Vorsicht: Die Aufnahmen der ganzen Szene führen oft dazu, dass das Bild etwas überladen wirkt und der Betrachter gar nicht herausfinden kann, was das eigentliche Motiv sein soll. Oft wirkt es besser, sich nur auf einzelne, kleine Elemente der gesamten Szene zu beschränken. Einen Gegenstand – hier der vom Wasser umspülte Felsen – isoliert darzustellen gibt dem Bild Klarheit.
Im Herbst darf natürlich das obligatorische Blatt auf dem Stein nicht fehlen. Quasi ein Stein-Portrait.

Schön ist es, wenn man bei Gestaltung auf die Linienführung achten kann. Die ganzen Grundlagen der Blickführung und Bildgestaltung können hier trainiert werden. Ein perfektes Übungsgelände für den ambitionierten Hobbyfotografen.  So bringen die S-Kurve
oder auch einfach nur eine Diagonale und ein Sonnenstern
zusätzlich Spannung ins Bild. Ebenso ist es schön, wenn sich die Blätter der umstehenden Bäume im Bach spiegeln und ihn so stellenweise blutrot färben:
Bei dem momentan vorherrschenden Lichtbedingungen in diesem wunderbaren Herbst ist es eigentlich schwieriger kein gutes Bild zu machen als anders herum. Genießen wir die Jahreszeit noch, so lange das Wetter hält.

In diesem Sinne: Geht raus, macht Fotos – die Zeit ist genau jetzt die richtige!

Allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Wie bilde ich mich weiter?

Ohne Weiterbildung geht’s nicht weiter! Auch nicht im Hobby! Deshalb möchte ich heute den Anstoß geben, sich doch mal intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen und einen Fotokurs zu besuchen.
Es lohnt sich!
Versprochen!

Jedes Jahr gönne ich mir mindestens einen Kurs zu einem Thema, welches mich interessiert und bei dem ich noch Entwicklungsmöglichkeiten sehe. So nutze ich jedes Mal die Gelegenheit, mir frische Ideen und Inspirationen zu holen.
Erst letzten Freitag Abend habe ich mich wieder einmal weitergebildet. Und zwar mit einem Workshop zu dem Thema „Lichter der Nacht“ der VHS Memmingen.

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe den Kurs nicht besucht, um einen Beitrag zu verfassen, sondern wirklich aus eigenem Interesse. Ich habe den Kurs auch regulär gebucht und bezahlt und bin nicht Mitarbeiter in der VHS.
Die Idee zu diesem Post kam mir erst jetzt im Laufe dieser Woche nachdem ich den Workshop besucht habe.

Manuela Prediger ist selbstständige Fotografin und leitet neben ihren eigenen Workshops auch immer wieder Kurse bei den VHS-Anbietern im ganzen Allgäu. Sie ist als Profi genau die richtige, um alle aufkommenden Fragestellungen ausführlich zu beantworten und der Gruppe die nötige Anleitung zu geben, um mit schönen Fotos nach Hause zu gehen.

Einen Kurs bei einer VHS vor Ort kann sich eigentlich jeder leisten. Er kostet je nach Art und Umfang im Schnitt zwischen 20 und 50 Euro und ist das Geld jedenfalls wert. Da man alleine immer schnell eine Ausrede findet um nicht zum Fotografieren zu gehen, übt und lernt es sich in der Gemeinschaft Gleichgesinnter leichter und unbeschwerter. Der Austausch  mit den Kollegen hilft mir immer sehr. Jeder hat ein eigenes Auge und sieht die Szene und Situation anders. Anregungen sind somit unumgänglich und jeder profitiert von jedem.

Beispielhaft möchte ich hier den Workshop-Ablauf des VHS-Kurses „Lichter der Nacht“ aus Memmingen wiedergeben:

Nach einer kurzen Einführung in das Thema „Fotografieren bei wenig Licht“ und einer Vorstellungsrunde ging es raus in die kalte Dunkelheit. Wir hatten noch Glück, denn bis einen Abend zuvor herrschten in Memmingen zweistellige Minusgrade. Leichter Schneefall setzte ein und schon überlegte jeder, ob das nun gut oder schlecht für die Fotos und die Ausrüstung sein kann.
Ruhig und sachlich wurden die Bedenken bezüglich der Kameras und Objektive durch die Kursleiterin ausgeräumt. Moderne Kameras sind heute alle so abgedichtet, dass die Schneeflocken der Technik nichts anhaben können. Im Gegenteil – die Flecken durch die Schneeflocken können auch als ein Stilelement in das Bild integriert werden.

In der ersten Aufgabenstellung ging es darum, die Wirkung der Blende bei Gegenlichtsituationen besser zu verstehen. So wurden zuerst mit weit geöffneter Blende (z. B. 4,0 oder 5,6) Bilder der Leuchte an der Stadtmauer aufgenommen.

Anschließend wurden wir gebeten, die Blende, so weit es das Objektiv zulässt, zu schließen (in meinem Fall Blende 22). Die dadurch entstehenden längeren Belichtungszeiten spielten keine Rolle, da alle Teilnehmer vorbildlich vom Stativ aus fotografierten. Das Ergebnis waren schöne Sterne aus der Lichtquelle, die je nach Art und Bauweise des Objektivs eine unterschiedliche Anzahl von Strahlen erzeugten.

Der selbe Effekt läßt sich  auch mit mehreren Leuchten erzielen und kann auch tagsüber beim Fotografieren in die Sonne tolle Effekte mit sich bringen. Jeder kennt doch bestimmt die traumhaften Bilder eines Sonnenunterganges, bei dem einen die Sonnensterne mit ihren langen Strahlen ins Bild hineinziehen wollen.

Dann half uns der Zufall weiter:

Der Räumdienst der Stadt Memmingen kam den Gehweg entlang gefahren. Ein Traktor kam uns mit voller Beleuchtung näher und entfernte sich anschließend im Rückwärtsgang auch wieder. Schnell war die Idee geboren, bei derLangzeitbelichtung mit dem Einsatz einer Taschenlampe Kreativität einzubringen. Den Möglichkeiten sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Den Anfang machte Manuela. Sie hatte extra für diese Versuche eine Taschenlampe dabei, welche sie nun, mit den Armen kreisend, im Laufschritt auf uns zu bewegte. Durch die Tatsache, dass sich der Mensch schnell weiterbewegt und die Lichtquelle der Lampe viel heller ist als die Umgebung, ist der Mensch für die Kamera unsichtbar und nur die Lichtspuren werden auf dem Sensor registriert.

Ein Teilnehmer erbarmte sich einige Minuten später, um Manuela abzulösen und gleich wurden die Wünsche nach Formen laut geäußert. Ein Herz sollte es sein, welches nach mehreren Versuchen auch wirklich gut erkennbar präsentiert wurde.

Dann wurden die Wünsche spezieller. Es sollte ein Wort geschrieben werden. Nachdem bei den ersten Versuchen die Synchronisation zwischen Schreiber und Fotografen nicht ganz rund lief und nur einzelne Buchstaben, wenn überhaupt, auf die Speicherkarte gebannt wurden, stellten sich bald tolle Ergebnisse ein.

Sogar das gelegentliche Blinken der Taschenlampe konnte als kreatives Element gefallen finden. Manuela erwies sich als perfekte Buchstabiererin und brachte es fertig, dass alle Buchstaben nahezu gleich groß und gerade geschrieben waren.


Anschließend wandten wir uns weiteren Locations zu. Der Memminger Marktplatz und die dort beginnende Fußgängerzone bildeten einen würdigen Rahmen für die abschließenden Fotos.
Das Schöne am Lernen in der Gruppe ist auch, dass Manuela uns immer wieder zusammen rief, um uns besonders gelungene Aufnahmen einzelner Teilnehmer zu zeigen und anhand derer die Grundlagen der Bildgestaltung näher brachte. So wurde jeder dazu ermutigt einmal neue Blickwinkel und Positionen zu versuchen, denn auch ein Bild aus der Froschperspektive kann sehr spannend sein.

Hier konnten wir immer wieder staunend erleben, dass durchs Bild laufende Personen dank der Langzeitbelichtung nicht auf dem fertigen Foto zu sehen sind. Nur das, was still verharrt, wird auch abgebildet.
Hier wurde außerdem nochmal vertieft, wie man in der Dunkelheit manuell scharf stellt, da nämlich bei zu wenig Licht der Autofokus nicht mehr funktioniert. Also das Objektiv auf Manuell umstellen und selbst am Ring drehen ist jetzt die Devise.

Das Ensemble des Marktplatzes mit dem wunderschön beleuchteten Rathaus bildet aber auch eine traumhafte Kulisse. Hier an einem Abend alle möglichen Blickwinkel zu finden, ist schlicht unmöglich.

Ich habe auch versucht das Ganze als Panorama einzufangen, jedoch sind auf Grund der Breite der Gebäude sind die Möglichkeiten ohne spezielle Panorama-Ausrüstung doch sehr limitiert.

Dann lieber noch ein paar Spielereien mit den vorbei fahrenden Autos – Lichtspuren, die unser Auge zum Motiv (hier der Martinsturm) hin geleiten, sind auch immer wieder neu und sehenswert. Hier ist es unmöglich zwei gleiche Bilder zu schießen, denn jedes Auto fährt anders.


Zum Abschluss versuchte ich noch die Übung mit dem Einrahmen des Motivs durch die örtlichen Gegebenheiten. Und hier stellte sich mir bei der Bearbeitung auch gleich noch die nächste Frage: Farbe oder Schwarzweiß?

Ich finde, beide Bilder haben etwas.

Als die Kälte drohte, uns in alle Glieder zu fahren, waren die drei Stunden auch schon wieder vorbei. Wir gingen die Erfahrungen nochmal kurz durch und jeder zeigte sich begeistert, wie einfach die Nachtfotografie doch sein kann, wenn man nur ein paar Regeln einhält:
Alle Aufnahmen vom Stativ aus, kleine ISO-Zahl einstellen für wenig Bildrauschen, Fern-  oder Selbstauslöser verwenden, wenn nötig die Spiegelvorauslösung aktivieren um manuelle Unschärfen durch die Bedienung der Kamera auszuschließen und am Objektiv oder der Kamera den Bildstabilisator deaktivieren.
Bei gutem Kontrast der angestrahlten Gebäude kann der Autofokus sogar noch gute Ergebnisse bringen, so dass nicht in jedem Fall manuell fokussiert werden muss. Sollte es doch erforderlich werden, so empfiehlt es sich den Live-View der Kamera zu aktivieren und auf die maximale Vergrößerung der Anzeige zu gehen. Jetzt kann man auch in der Dunkelheit den passenden Bildausschnitt suchen und darauf manuell am Objektiv scharf stellen.

Wer die Bilder in voller Auflösung sehen möchte,  der kann dies in folgendem Online-Album tun: https://spark.adobe.com/page/ADvryqkBql8jK/

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss:
Ich habe mir vor Jahren schon angewöhnt, nach jedem Workshop ein kleines Fotobuch zu erstellen. So kann ich, so lange die Erinnerung noch frisch ist, die einzelnen Aufgaben und Versuche, welche ich unternommen habe, festhalten und über die Jahre die eigene Entwicklung in der Fotografie verfolgen.
Ich kann es Euch nur empfehlen, denn ich habe bei mir erhebliche Fortschritte über die Jahre gesehen, welche mich schließlich dazu gebracht haben, das Hobby bis hier hin zu vertiefen. Der Rückblick und die Erkenntnis der sichtbaren Verbesserung der Fähigkeiten motiviert ungemein.

Natürlich will ich damit nicht generell sagen, dass Lesen oder auch Video-Tutorials für die Weiterbildung ungeeignet sind. Das Entscheidende dabei ist nur, dass man danach auch raus gehen muss um das Erlernte anzuwenden. In so einem Kurs fällt es mir jedenfalls leichter, Neues auszuprobieren und ich habe die Gelegenheit direkt nochmal um Unterstützung oder einen Rat zu bitten. Das Machen macht*s!

In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du auch einen Kurs für Deine Belange findest und bei all Deinen fotografischen Vorhaben in nächster Zeit allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Wie fotografiert man eigentlich…

… die Milchstraße?

Wer sich für diese Thematik interessiert, der ist hier genau richtig. In diesem Beitrag möchte ich Euch die Grundlagen der Sternen- und Milchstraßenfotografie näher bringen. Wenn man erst mal weiß, wie es geht, wird man überrascht sein, welche Möglichkeiten einem sich hier eröffnen.

Mit den heute käuflichen Digitalkameras ist es eigentlich leicht , das Sternenzelt einzufangen. Das größte Hindernis auf dem Weg zum gelungenen Bild ist die in Mitteleuropa vorherrschende Lichtverschmutzung in den Nächten. Wie Käseglocken hängen die Lichtkugeln über den Städten und beeinflussen so unser Sehen. Durch das Restlicht der Straßenbeleuchtung kann man in der Nähe von Städten nur sehr wenige Sterne wahrnehmen. Richtet man jetzt die Kamera in den Nachthimmel wird entweder der Himmel schwarz, wenn die Beleuchtung mit im Bild ist, oder der untere Bildrand überbelichtet und damit ausgebrannt dargestellt.

Einzige Abhilfe für dieses Problem ist es, sich eine Gegend zu suchen, in der man möglichst weit von der Zivilisation entfernt ist, oder in ein einsames Tal  fahren, in dem die Berge die Beeinflussung größtmöglich abschirmen.
Bei der Suche kann man sich im Internet helfen lassen. Zum Beispiel auf der Seite Dark Site Finder können Karten mit der vorhandenen Lichtverschmutzung angeschaut werden und im Vorfeld zur Planung mit einbezogen werden.
Es gibt auch Plugins für z. B. Google Earth, wenn man sich damit näher auseinandersetzen will. Einfach mal den Begriff „Lichtverschmutzung“ oder „light pollution map“ in die Suchmaschine Deines Vertrauens eingeben – da wird man sicher fündig!

Eine weitere Einschränkungen bieten ausserdem noch die Mondphasen. So richtig dunkel ist es nämlich nur, wenn entweder kein Mond am Nachthimmel ist oder rund um Neumond. Selbst das vom Mond reflektierte Sonnenlicht beeinflusst die Szene so, dass die Michstraße nicht in ihrer vollen Pracht fotografiert werden kann.

Als ich eines Nachts bei uns ins Tannheimer Tal an den Vilsalpsee gefahren bin, war ich fünf Minuten nach Verlassen des Autos vollständig geplättet. Als sich die Augen an die dunkle Umgebung angepasst hatten, war es tatsächlich möglich, die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen. Ein Anblick, den ich so zu Hause nicht genießen kann.

Überall dort, wo dies nicht möglich ist, wäre es von Vorteil, wenn Du Dir eine App auf Dein Smartphone ziehst, mit der vor Ort der momentane Stand der Milchstraße abgecheckt werden kann. Solche Apps sind z. B. Sun Surveyor, Photo Pills oder The Photographers Ephemeris (TPE). Letztes Jahr habe ich über nützliche Apps einen eigenen Beitrag geschrieben – einfach mal klicken
Es ist nämlich ziemlich mühsam, wenn man Stück für Stück den Nachthimmel mit der Kamera absucht – immer wieder ein Bild macht und die Kamera anschließend wieder fünf Grad weiter dreht – bis man die Milchstraße endlich gefunden hat.

Wenn man sich schließlich an seinen gewünschten Ort befindet, sich unter Umständen mitten in der Nacht aus dem Bett gequält hat und alles eingerichtet ist, dann kommt die Frage aller Fragen: Welche Einstellungen soll ich verwenden? Benjamin J. aus B. würde sagen: „Sag‘ ma‘ Einstellungen Digga!“
Das die Aufnahmen nur mit Hilfe eines stabilen Stativs gelingen, muss ich ja nicht extra erwähnen.
Grundsätzlich ist ein Weitwinkelobjektiv mit großer Blendenöffnung (f 2,8 oder besser) sehr vorteilhaft. Mein Sigma 10-20 hat jedoch als kleinste Blende nur f 3,5 und mit diesem Objektiv kann ich noch brauchbare Bilder schießen. Also Blende ganz öffnen (kleinst möglichen Wert wählen).
Die Verschlusszeit sollte nicht länger als 25 – 30 Sekunden sein, da ansonsten die Sterne bereits nicht mehr scharf sind. Sollte man gar nicht glauben, wie schnell sich doch die Erde dreht.
Bei der ISO-Zahl kommt es jetzt stark auf die Kamera an. Neuere Modelle verkraften schon mal 1600 oder auch 3200 ISO. Profi-Modelle auch noch mehr. Bei Einsteigermodellen oder älteren Kameras kann das zum Problem werden. Wenn mit der ISO nicht so hoch gegangen werden kann, werden die Bilder auf jeden Fall sehr dunkel werden. Das bedeutet, die Belichtungszeit müsste verlängert werden, was zu unscharfen Sternen führt usw.
Für meine Kamera, Canon EOS 70D, mit dem bereits erwähnten Sigma-Weitwinkelobjektiv habe ich folgende Werte als brauchbar ermittelt:
Blende f 3,5, ISO 3200, Belichtungszeit 25 Sekunden

Was auch noch zu erwähnen wäre, ist bei der Bildkomposition auf einen Vordergrund zu achten. Einfach nur den Nachthimmel vor einer schwarzen Landschaft aufzunehmen ist nicht das Rezept für ein schönes Bild.
Wenn es etwas gibt, was in der Dunkelheit zu verschwinden droht, hilft eine Taschenlampe, die man bei der nächtlichen Exkursion sowieso dabei haben wird, sehr gut weiter. Einfach innerhalb der Belichtungszeit für ca. 5 Sekunden das Objekt mit der Taschenlampe anstrahlen und schon hat man etwas interessantes im Vordergrund vor der Milchstraße.
Im Winter gelingen die Bilder besser, als im Sommer, da erstens der Nachthimmel klarer ist und zweitens bei den kühleren Temperaturen das Rauschverhalten des Kamerasensors erheblich besser ist.

Ich hoffe, es war wieder etwas interessantes für Euch dabei. Es gibt im Internet unzählige Abhandlungen zu diesem Thema – manche machen eine kleine Wissenschaft daraus. Für meine Zwecke reichen die genannten Einstellungen, welche von Fall zu Fall im geringen Umfang modifiziert werden können. Probiert es einfach aus.

Ich wünsche Euch für die Ausflüge in die Nachtfotografie trotzdem allzeit gutes Licht, auch wenn augenscheinlich nicht viel davon zu sehen sein wird.

Werner Kutter

 

 

Zeit zum fotografieren…


…nehmen ist eine gute Voraussetzung für gelungene Bilder.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ebenso wichtig ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Man kann den Sonnenaufgang nunmal im Sommer nur vor 6 Uhr einfangen. Da muss der Langschläfer schon mal durch!
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die Uhrzeit keine große Rolle spielt, ist es sehr wohl ein großer Unterschied, ob die Sonne flach am Horizont oder steil am Himmel steht. Und das war der größte Fehler, den auch ich sehr lange begangen habe – ich habe zu wenig früh morgens und spät abends fotografiert und diese Gegebenheiten zu lange zu wenig beachtet.

Oder auch bei schlechtem Wetter. Die heute erwerbbaren Kameras sind alle soweit spritzwassergeschützt,  so dass ein leichter Regenschauer der Elektronik nichts ausmacht. Man muss ja nicht direkt in den Dauerregen stehen, aber ein paar Regentropfen kann jede Kamera ab. Generell ist das Fotografieren tagsüber bei bewölktem oder bedecktem Himmel besser, als wenn die Sonne runterknallt. Bei oder kurz nach dem Regenschauer kommen noch viele weiteren Motivmöglichkeiten hinzu, die schnell übersehen werden: Spiegelungen im Wasser, in Pfützen. Oft lassen sich so kuriose Motive ablichten, bei denen die Welt quasi auf dem Kopf steht.

Oder ein schöner Regenbogen spannt sich am Himmel von einer Seite auf die Andere.

Tagsüber bei hellem Sonnenschein sind die Gegebenheiten meist ungünstig. Personen kneifen die Augen zu, Gebäude und deren Teile werfen äußerst kurze Schatten, so dass die dreidimensionalität der Dinge nahezu verloren geht. Viele Motive werden dadurch schlicht flach, kontrastarm und bei vielen Situationen wird der Sensor der Kamera schlicht überfordert, da er bei weitem nicht diesen großen Dynamikumfang, wie das menschliche Auge abbilden kann. Hier wird dann entweder der helle Bildteil überbelichtet oder das dunkle schlicht schwarz. Wenn man nicht gerade Silhouetten im Gegenlicht aufnehmen will, wartet man leichter, bis z. B,. durch eine Wolke das Licht indirekter und diffuser wird.

Die beste Zeit für Fotografen ist, ohne Zweifel, früh morgens oder am Abend. Morgens hat man den Vorteil, dass z. B. an Seen und Gewässern noch kaum Wind herrscht und so die Szenerie allgemein ruhiger ist. Für die Fotografie mit dem vorhandenen Licht (avaiable light) sind die Zeiten wie folgt aufgeteilt:  Die Nacht, die morgendliche Blaue Stunde und die goldene Stunde am Morgen. Am Abend wiederholt sich das Spektakel in umgekehrter Reihenfolge.
In der Nacht ist der Himmel in der Regel tief schwarz. Hier kann allenfalls der Sternenhimmel, mit der Milchstraße rund um Neumond, fotografisch verwertet werden. Ansonsten muss mit zusätzlichem Lichteinsatz fotografiert werden.

Der Begriff mit der blauen und goldenen Stunde soll nicht bedeuten, dass diese Lichtsituation genau diese Zeitspanne anhält –  nein, das ist eher redensartlich gemeint. Denn je nach Jahreszeit und Ort an dem man sich befindet, ändert sich dieser Zeitraum dramatisch. So sind die Phänomene rund um den Äquator fast gar nicht feststellbar, je näher man den Polen kommt, um so länger dauern diese Phasen bis hin zur Mitternachtssonne am Polarkreis, die wiederum die blaue Stunde und die Nacht verhindert.
Noch lange bevor der erste Sonnenstrahl den Horizont erhellt ändert sich das schwarz der Nacht in ein tiefblau – das erste Licht, welches sich fotografisch abbilden lässt.

Nach der blauen Stunde kommt das eigentliche Farbspektakel, wenn die Sonnenstrahlen den Horizont überqueren. Die Sonne muss hierzu noch gar nicht aufgegangen sein – die Farben sind da, angefangen von einem Ton in Richtung Margenta

der später dann  dominiert wird vom Orangerot der Sonne. Die goldene Stunde hat angefangen.

Wenn die Sonne schließlich der Horizont überquert hat, dauert es nicht mehr lange, bis das Farbenspiel zu Ende geht. Rund um die Mittagszeit – etwa zwischen 10 und 16 Uhr im Sommer – ruht der Landschaftsfotograf, da jetzt die denkbar schlechteste Zeit ist für schöne Bilder. Erst am Abend, wiederholt sich das Spiel in umgekehrter Reihenfolge. Dann wird es wieder Zeit seinen Spot aufzusuchen und nach dem besten Bildauschnitt ausschau zu halten.

Damit möchte ich es für heute belassen und wünsche Euch für Eure Sonnenauf- und untergänge allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 2


Diese Woche bewegen wir uns weiter nach Osten, von Norden und Norddeich, auch ein Stück ins Landesinnere und wieder zurück an die Küste bis Harlesiel.

In Norddeich starten die Autofähren nach Norderney und Juist. Hier ist immer was los und bei gutem Wetter lassen sich auch tolle Aufnahmen von Norderneys weithin sichtbarem Wahrzeichen, dem Leuchtturm, machen. Auch in Norddeich reihen sich Hotels, Gaststätten und Fischbuden aneinander. Die hungrige Seele kann hier von allem etwas abbekommen. Frische Seeluft für die Lungen genau so, wie frischen Fisch für den Magen. Und natürlich finden sich hier auch Plätze am Deich, um einen schönen Sonnenuntergang einzufangen.
Norden ist die nordwestlichste Stadt Deutschlands und so etwas, wie der Hauptort hier oben. Auch hier sind Windmühlen zu bestaunen, auch wenn sich rund um eine ein Einkaufszentrum breit gemacht hat, was für mich etwas verwunderlich wirkt. Ein schönes Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und guten Gaststätten und einer kleinen Fußgängerzone lädt zum Verweilen ein. Im Tee-Museum z. B. kann man sich in alle Geheimnisse und Gepflogenheiten rund um den Ostfriesentee einweisen lassen. Mein Tipp zum Essen ist das Restaurant Minna. Hier gibt es eine kleine, feine Karte – sogar ein vom NDR prämiertes Gericht ist darauf zu finden.

Etwas weiter westlich finden wir das Schloss Lütetsburg, direkt an der alten Landstraße zwischen Norden und Hage.

Hier kann das Fotografenherz im Mai/Juni beinahe aus der Brust springen. Im Schlosspark wurde eine überbordende Anzahl von Rhododendren angepflanzt. Hier müssen im Frühjahr ganze Blütenwände stehen – leider war ich erst Ende Juni in der Gegend und die Blüte schon zum Großteil vorbei. Während der Blüte ist das Mitbringen des Makro-Objektivs Pflicht!
Weiter südwestlich im Landesinneren wartet noch ein Kleinod für den Makroliebhaber: das Ewige Meer.

Eine Moorlandschaft der Extraklasse. Blindschleichen, Salamander, Libellen, seltene Pflanzen – wer hier mit der Makro-Linse nicht fündig wird sollte sich ernsthaft ein anderes Hobby suchen. Ein wunderbarer Holzsteg führt mit einem Naturlehrpfad durch das Hochmoor. 90 Minuten sollte man mindestens einplanen – Fotografen natürlich entsprechend mehr!

Etwas weiter südlich, auch südlich von Aurich, befindet sich eine Gedenkstätte der alten Klosteranlage Ihlow. Stahl und Holz bilden die Pfeiler und das Gewölbe des einst größten Gotteshauses zwischen Bremen und Groningen nach. Wanderwege im Wald laden zum flanieren ein, die künstlerische Aufarbeitung der Vergangenheit lädt zum fotografieren ein. So ist für alle etwas dabei, die mit auf Reisen gehen.

Auf dem Weg nach Norden, zurück an die Küste, machen wir noch halt in einem Windkraftanlagen-Park.  Zwischen Westerholt und Esens gibt es eine begehbare Windkraftanlage – natürlich nur für Schwindelfreie!
Die Plattform befindet sich auf einer Höhe von 62 mt und ist über eine
297 Stufen zählende Wendeltreppe im Turm zu erreichen.
Oben angekommen findet man eine geschlossene Plattform mit schräg gestellten Fenstern vor, die bei guter Sicht einen Ausblick bis nach Holland zulässt. Wenn die Menge der Interessenten überschaubar ist, wird auch schon mal die Luke zum Generator und auch die Dachluke für den ungestörten Ausblick geöffnet. Da wurde allerdings selbst mir ein bisschen Mulmig.

Der Ausblick ist, wenn man es verträgt, jedenfalls überwältigend.

Auf unserem weiteren Weg an die Küste befinden wir uns meistens auf der norddeutschen Straße der Windmühlen. Dies bezieht sich jetzt jedoch auf die historischen Windmühlen und nicht die, zahlenmäßig stark überlegenen, modernen Windkraftanlagen.  In vielen kleinen Dörfern kann man sie besichtigen – ein paar wenige sind sogar noch in Betrieb.

Unterschiedlichste Bauformen treffen hier aufeinander. Viele Mühlen sind zwar mittlerweile von Häusern umringt, ein paar wenige stehen noch so frei, dass sich das Anhalten wirklich lohnt.
Auch hier gilt – bei Weitwinkelaufnahmen nicht zu sehr die Kamera nach oben richten, um stürzende Linien zu vermeiden. Man kann es aber auch absichtlich übertreiben und dies als Stilmittel einsetzen – jede Regel lässt sich brechen.
Bei den meisten Küstendörfern sind die Häfen hinter den Deichen geschützt schön angelegt bzw. restauriert. Ein Spaziergang entlang des Wassers lädt immer wieder zum Fotografieren ein – sind doch die unterschiedlichsten Boote und Schiffe am Kai festgemacht.
Bei all den Schönheiten darf auch das Dorfgeschehen ein paar Meter Abseits der Massen nicht vergessen werden. Wenn an den Flaniermeilen sich Besucherströme durch die Gassen drücken, ist im weiter innen liegenden Dorfkern oft auch noch einiges Fotogenes zu entdecken. Nicht selten durchziehen Grachten die Orte und bewegliche Holzbrücken dienen immer noch als Übergang und auch als Fotomotiv.
Ich könnte noch ein paar Wochen weiter schreiben, so sehr habe ich mich in diesen Küstenabschnitt verliebt. Durchwegs freundliche Menschen machen es einem leicht, hier den Urlaub zu verbirngen. Für Eure schönste Jahreszeit, den Urlaub, und die fotografischen Unternehmungen wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 1

Ostfriesland ist reich an Sehenswürdigkeiten. Der kleinste und der höchste Leuchtturm Deutschlands stehen nur 12 km auseinander. Der schiefste Turm der Welt steht ebenfalls hier und nicht in Italien. Berge von Rhododendren im Schloss Lütetsburg im Mai, die Silhouette einer Kirche im Wald – gewöhnliches und außergewöhnliches reihen sich hier in nächster Nähe aneinander; man muss nur noch die Reihenfolge festlegen und los geht’s. 

Fangen wir im Westen an und arbeiten uns ostwärts voran. An spannenden Orten zum Entdecken, Entspannen und Fotografieren mangelt es sicher nicht.

Emden beherbergt gleich zu Beginn jede Menge interessanter Motive – und ich meine jetzt nicht nur den Ottifanten, der sich mit seinem Kopf durch die Wand aus dem Otto – Huus schleichen will.

Gleich gegenüber ist der schöne Hafen an dem man sich den historisch anmutenden Schiffen nähern kann. Backsteinromatik, wohin das Auge schaut. In der Pelzerstrasse 12 beispielsweise wurde die alte Fassade schön restauriert. Im Inneren ist ein Café, in dem Menschen mit Handicap arbeiten.  So hilft ein Besuch und die Einkehr auch noch einem guten Zweck. Und der Ostfiesentee ist wirklich sehr gut!
Fototechnisch ist bei Architekturbildern hauptsächlich darauf zu achten, dass das Objektiv nicht zu stark nach oben gerichtet wird. Wenn im Weitwinkelbereich hier übertrieben wird, dann entstehen die unschönen „stürzenden Linien“ – eigentlich aufrecht stehende Häuser und Türme sehen dann so aus als würden sie nach hinten stürzen.

14 km weiter westlich ist der Knock – der nordwestliche Zipfel Deutschlands. Hier kann man über den Dollart quasi nach Holland spucken. Der alte Fritz steht am Ufer und wacht darüber, dass der Konsum von Tee und Kaffee nicht überhand nimmt.
Hier kann es sehr schöne Sonnenuntergänge geben, welche im Zusammenspiel mit den vorhandenen Figuren und Gebäuden alles bieten werden, was ein Bild braucht: Vordergrund, die Bildmite und der Sonnenuntergang im Hintergrund. 

Der Kirchturm in Suurhuusen, 6 km nördlich von Emden, welcher eine Schräglage von 5,19 Grad aufweist ist der wirklich schiefste auf Erden. Ganz egal, was die Italiener immer behaupten, der berühmte Turm in Pisa hat nur 3,97! Das alles und der höchste deutsche Leuchtturm in Campen (für meinen Geschmack ein hässlicher Stahlturm ohne „Seele“) ist im Umland von Emden zu finden.

Der kleinste Leuchtturm Deutschlands ist wahrscheinlich auch gleichzeitig der bekannteste. Otto Waalkes hat ihn in seinen Kino–Film „Otto der Ausserfriesische“ 1989 eingebaut und ihm so zu Weltruhm verholfen. Der Pilsumer Leuchtturm ist lediglich 15 mt hoch und somit der kleinste aller Leuchttürme hierzulande. Das für die Schifffahrt wichtige Leuchtfeuer befindet sich gar nur auf 11 Metern. Zu beachten gilt hier, wie an fast allen Deichabschnitten, dass das Mitführen von Hunden wg. der Schafhaltung strengstens verboten ist.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt Greetsiel. Ein malerischer Ort mit seinen engen Gassen und kleinen Grachten. Am Ortsrand gleich gegenüber dem Parkplatz begrüßen einen die Zwillings-Windmühlen – das Wahrzeichen von Greetsiel.

Der Ortskern ist autofrei und so ist dem gemütlichen Flanieren nichts im Weg. Zahllose Lokale und Gaststätten laden zum Genießen und Verweilen ein. Nirgends schmecken Fisch und Krabben so gut, wie hier – direkt an der Küste.
Schön ist es hier vor allem in der endlos erscheinenden Abenddämmerung bis zur blauen Stunde. Herrliche Pflasterstraßen und beleuchtete Gebäude geben einen tollen Rahmen für stimmungsvolle Bilder.

Immer wieder interessant ist auch der Ausblick aufs Meer. Von fas allen Stellen an der Küste ist immer mindestens eine der vorgelagerten ostfriesischen Inseln zu sehen.  Von Borkum ganz im Westen vor Holland bis Wangerooge ganz im Osten – immer hat man „Land in Sicht“.

Das nächste Mal führt  uns unsere Rundfahrt von Norden/Norddeich bis nach Harlesiel – und einmal gehen wir dabei sogar noch hoch hinaus! In diesem Sinne wünsche ich Euch bis nächste Woche alles gute und für die Fotos allzeit gutes Licht.

Werner Kutter