Nachbearbeitung pro & contra

Immer wieder wird mir die Frage gestellt:
„Sind deine Bilder bearbeitet?“
Die Antwort ist so simpel, wie ehrlich: Ja, sind sie.
Und heute möchte ich erklären, warum das so ist:

Selbst die alten Meister der Analog-Zeit haben Retusche, Beschneidung und Nachbelichtung betrieben. Wer ein wenig im Internet recherchiert wird herausfinden, das und wie selbst Schwarzweiß-Bilder der Ikonen der Fotografie vor über 50 Jahren nicht nur entwickelt sondern auch bearbeitet wurden.

Vielleicht sollte ich vor diesem Hintergrund auch wirklich nicht mehr von der Bearbeitung sprechen, sondern auch eher von einer Entwicklung meiner Bilder. Ich bin jetzt nicht der Spezialist für Composing und Fantasy-Bilder – ich liebe es eher die Umgebung möglichst detailliert und farbenfroh darzustellen.

Moderne Kameras (nicht nur Spiegelreflexkameras auch Handys) sind in der Lage ein digitales Negativ aufzunehmen – das sog. RAW-Format. In diesem Format sind nur die reinen Farb- und Hellingkeitsinformationen jedes einzelnen Pixels des Chips gespeichert – ohne kamerainterne Komprimierung. Deshalb sind diese Dateien auch größer als die JPEG-Bilder, die schließlich gedruckt oder veröffentlicht werden.
Ein JPEG-Bild direkt aus der Kamera wurde bereits durch die interne Software des jeweiligen Kameraherstellers bearbeitet. Es wurden beispielsweise, je nach Voreinstellungen (sog. Picture-Styles) der Kontrast angehoben, die Sättigung der Farben optimiert und das Bild insgesamt geschärft.
Im Endeffekt ist jedes Bild, wenn man so will,bearbeitet. Die Kamera nimmt einem die Arbeit zwar ab, aber man hat selbst wenig Einfluss darauf, was im Einzelfall passiert.

Programme wie z. B. Adobe Lightroom oder Photoshop überlassen es dem Benutzer, wie er welche Bildteile bearbeiten will. Ein JPEG-Bild ist komprimiert. Das bedeutet, dass die Datenmenge begrenzt wurde auf die Bildteile von denen die Kamera dachte, dass sie wichtig sind.
Wenn jedoch ich, als Fotograf oder auch Künstler, einen ganz bestimmten Look erzeugen will oder nur ganz bestimmte Bereiche eines Bildes hervorheben oder abdunkeln möchte, dann bleibt mir nichts besseres übrig, als selbst Hand anzulegen. Am meisten Informationen steckt hierfür natürlich in der unkomprimierten RAW-Version der Aufnahme. Und hier werden wir auch schon wieder von der Kamera getäuscht. Die Anzeige auf der Rückseite ist nämlich auch eine JPEG-Version des Bildes – es sieht oft toll aus, farblich ansprechend und knack scharf.
Zu Hause am PC überrascht uns die Datei dann aber mit einer total flauen, unschön wirkenden Version des Gesehenen. Hier greift jetzt das zuvor geschriebene: Das RAW-Bild ist definitiv unbearbeitet und benötigt ein wenig Anstrengung unsererseits.

Hier als Beispiel eine Langzeitbelichtung vom Lechfall bei Füssen:

So kommt das Bild unbearbeitet aus der Kamera…

Wenn wir nur ein klein wenig mit den Reglern spielen kann das Ergebnis gleich viel kraftvoller aussehen. Das Ganze dauert keine 5 Minuten und dieses Ergebnis ist der wohl verdiente Lohn:

Hierzu ist lediglich Lightroom erforderlich. Keine komplizierten Ebenenmasken u. ä. in Photoshop oder die Verwendung von Plugins.
Folgende Einstellungen habe ich gewählt, um das flaue Negativ in ein ansehnliche Bild zu verwandeln:
Zuerst habe ich die Farben etwas kräftiger betont in dem ich den Kamerastil im Abschnitt Kamerakalibrierung auf „Landschaft“ gesetzt habe.
Dann gehe ich immer auf die Palette „Grundeinstellungen“ und kümmere mich um die generelle Wahrnehmung des Bildes.
Hier gehe ich fast immer mit den Lichtern runter und helle die Schatten (Tiefen) etwas auf. Wenn hier zu stark aufgehellt wird kann das Bild in diesen Bereichen ein starkes Rauschen zeigen. Kontrast, Dynamik und Details lasse ich fast immer bei +15 stehen. Jeder muss hier für sein Kamera-Objektiv-Duo die passenden Einstellungen finden – bei mir funktioniert es mit +15 gut.
Zum Schluss setzte ich noch den Weiß- und den Schwarz-Punkt, um dem Kontrast noch den letzten Punch zu geben. Kontrolliert hierbei immer das Bild selbst und auch das Histogramm, ob es irgendwo Bereiche gibt, in denen die Lichter ausbrennen oder die dunklen Bereiche absaufen.
Die nächsten Schritte sind wieder einfacher:
Bei der Gradationskurve stelle ich den Graph auf „mittleren Kontrast“.
Bei Details habe ich mir eine Grundeinstellung gespeichert, welche bei Landschaftsfotos gut passt:  Schärfe auf 80, Radius 0,8 und die Details auf die Hälfte von der Schärfe – in diesem Fall 40. Mit der Maskierung wähle ich dann bei gedrückter ALT-Taste einen Wert, bei dem die Flächen nicht geschärft und somit nur Kanten und Komturen hervorgehoben werden. Sollte es Rauschen geben, wähle ich eine Einstellung bei der Rauschreduzierung, die in Summe mit der Schärfe den Wert von 100 nicht übersteigt. Hier wäre 20 das Maximum, jedoch ist für dies Bild keine Korrektur notwendig.
Eine Vignette ist Geschmackssache, ich nehme eine Leichte mit einem Wert zwischen 10 und 15 im Feld „Effekte“.
Die Objektivkorrekturen sind bei mir immer an. So werden Verzerrungen automatisch beseitigt und die chromatische Aberration lasse ich auch vom Programm heraus rechnen.
In seltenen Fällen, wenn es stürzende Linien zu sehen gibt, versuche ich über die Funktionen im Bereich „`Transformieren“ eine Besserung zu erzielen.

Bestimmte Einstellungen, welche immer wieder gleich vorgenommen werden, habe ich als Voreinstellung gespeichert, welche ich bereits beim Import auf die Bilder anwende und so viel Zeit sparen kann.

Wer fleißig ist und noch mehr heraus holen will, dem sei empfohlen eine Belichtungsreihe mit mindestens 3 unterschiedlichen Belichtungen aufzunehmen. In diesem Fall habe ich eine normal belichtete mit einer 2 Stufen über- und einer 2 Stufen unterbelichteten Aufnahme zu einem HDR verrechnen lassen. Dies macht Lightroom mittlerweile sehr gut, wobei der Schwerpunkt auf einer möglichst natürlichen Darstellung liegt.

Unschwer ist zu erkennen, das hiermit nochmal deutlich mehr Details aus der Aufnahme herausgearbeitet wurde.
Für dieses Ergebnis habe ich jedoch eine Bearbeitung in Photoshop mit Verwendung eines Plug ins auf die Grundentwicklung in Lightroom oben drauf geschlagen.

Ich hoffe, ich konnte hiermit zeigen, dass eine Bildbearbeitung Sinn macht und nicht immer als „Manipulation“ verteufelt werden sollte. Jedes Bild, welches in den Medien erscheint, ist bearbeitet. Macht Euch das immer klar. Die Bearbeitung ist erforderlich, da ein RAW-Foto keine Leser zum Kiosk rennen lässt.

In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Spaß bei der Bildbearbeitung und allzeit gutes Licht beim Fotografieren.

Werner Kutter

Die Sache mit dem “Ziel-Bild“

Was ist ein Ziel-Bild?
Lange wusste ich nicht, was ich mit diesem Begriff anfangen soll. Wie soll ich vorher wissen, was ich fotografieren will? Um diese Fragestellung geht es bei dem Begriff gar nicht. Es geht darum eine Vorstellung davon zu bekommen, wie das Bild auf den Betrachter wirken und welche Bildaussage getroffen werden soll.

Je länger ich mich mit dem Thema auseinander gesetzt habe und je mehr Bilder ich gesehen und gemacht habe, um so mehr wurde mir klar, was damit gemeint war. Das Bild entsteht bereits im Kopf! Anhand dieser kleinen Geschichte möchte ich Euch meine Überlegungen zum Thema Zielfoto näher bringen:

Ich habe da ja meinen „Lieblings-Baum“. Lange bin ich an ihm vorbei gefahren und habe mir immer wieder geschworen, dass ich ihn irgendwann mal fotografieren will – in der Kategorie „Einzelner Baum“.
In der Woche vor Weihnachten 2015 war es dann soweit. Die ganze Woche über habe ich vom Büro aus jeden Morgen sehnsüchtig die tollen Sonnenaufgänge durch das Fenster beobachtet und mich geärgert, dass ich arbeiten musste. Am 23. hatte ich endlich frei und unternahm auf dem Weg zum Frühstücks-Bäcker einen Abstecher zu dem Baum.

Mein erstes wirklich gutes Foto war im Kasten und eine erste Idee von der Planung und Gestaltung im Vorgriff hat sich mir gezeigt. Wenn man den Ort kennt, den man fotografieren möchte und die Gegebenheiten von Sonnenauf- und -untergang von den Himmelsrichtungen her weiß, macht man schon den ersten großen Schritt zu einem guten Bild.
Auf der Internetseite von 500px habe ich zum ersten mal eine herausragende Bewertung erhalten und bin noch heute mächtig stolz darauf.

Im Laufe des Jahres 2016 kamen dann immer mehr Meldungen von dem sog. „Mega-Vollmond“ im Herbst in den Medien. In meinem Kopf begann ein Plan zu reifen, den Mondaufgang und den Baum zusammen auf ein Bild zu bannen. Da der Mond tendenziell beim Aufgang über dem Horizont optisch größer erscheint, als zu der Zeit wenn er hoch am Himmel steht, habe ich mich Mitte des Jahres wieder auf den Weg gemacht, um schon mal zu testen wie so ein Bild funktionieren könnte. Ich stellte mir den Mond vor, wie er neben dem Stamm jedoch unterhalb der Krone aufgeht.
Das Bild im Dezember war mit einem Weitwinkel aufgenommen und so dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn, dass ich das mit dem Vollmond auch so machen könnte.

Ziemlich ernüchtert stellte ich dann fest, dass mein geplantes Foto so wohl nicht zu Stande kommt. Irgendwie habe ich mich total getäuscht, was das verwendete Objektiv und das gewünschte Ergebnis betraf. Der Baum war zwar wieder schön groß im Bild, dafür der Mond kaum erkennbar als kleiner weißer Punkt im Hintergrund. So etwas will keiner sehen – dieses Bild wurde deshalb auch noch nie veröffentlicht.

Irgendwie musste ich was an meiner Technik ändern. Ich informierte mich eingehend über die verschiedenen Abbildungseigenschaften der unterschiedlichen Objektivtypen und bin schließlich darauf gestoßen, dass nur ein Teleobjektiv über die Kompression der Bildinhalte den gewünschten Effekt erzielen konnte. Aufgrund seiner Eigenschaften konnte ich mit dem Tele weiter vom Baum weg stehen. Den vollen Zoom genutzt würde ich den Baum trotzdem formatfüllend auf das Bild bekommen und zudem den Hintergrund näher an den Vordergrund heranrücken und dadurch größer erscheinen lassen.
Im November – pünktlich zum vorausgesagten Mega-Vollmond-Event – hatten wir dann den gewohnten Nebel. Keine Chance auch nur einen Schimmer des Erdtrabanten zu sehen.
Für Dezember war besseres Wetter vorhergesagt und der Mond angeblich nur wenige Prozent kleiner, als im November. Voller Spannung wartete ich auf den Tag – mit Handy-Apps genau berechnet, wann er aufgeht und wie er genau hinter meinem Baum zu sehen sein wird.
Es zeichnete sich die interessante Konstellation ab, dass zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang nur wenige Minuten verstreichen würden, so dass ich mich auf ein Mega-Farbspektakel freute – bis sich der Osthimmel mit Wolken bedeckte und keine freie Sicht auf den Mond preis gab.

Ein Bild mit dem Tele habe ich trotzdem gemacht, da sich die Alpen schön hinter dem Baum abzeichneten. So hatte ich wenigstens noch ein Bild hatte, welches bei 500px sogar noch besser ankam, als das erste. Ich war also nicht umsonst gekommen.

Ein Vollmondbild habe ich dann doch noch auf eine ganz andere Art und Weise erstellt:

Mit einem abendlichen Bild vom Bad Grönenbacher Schloss und einem Vollmondbild aus meinem Archiv habe ich ein SW-Composing erstellt. Dieses Bild hatte ich so vorher ebenfalls schon im Kopf, jedoch die Konstellation um dies in natura abzulichten hat sich bisher nicht ergeben. Es wurde das bis dahin am besten bewertete Bild von mir auf 500px.

In diesem Sinne – überlegt vorher relativ genau, welches Bild Ihr Euch wünscht – Ihr werdet überrascht sein, wie einfach es dann oft ist diesem Ideal möglichst nahe zu kommen. Die Vision vom fertigen Bild im Kopf zu haben erleichtert die Planung ungemein, da man dann viel besser weiß, auf was alles geachtet werden sollte.

Für diese Vorhaben wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Langzeitbelichtung an einem Bach…


… am Beispiel Eistobel bei Isny:

Der Eistobel ist ein Abschnitt der Oberen Argen bei Grünenbach, südlich von Isny.  Kaskaden, Wasserfälle und Strudellöcher machen den besonderen Reiz des Eistobels aus. Genauere Informationen zu Öffnungszeiten und Geologie bietet die Seite http://eistobel.de.

Ich habe dem Eistobel zwei Besuche zum fotografieren abgestattet und kann sagen, dass es sich zu jeder Jahreszeit lohnt, sich hier ein bisschen mit Fotowandern die Zeit zu vertreiben.


Im Herbst glänzt die Gegend dank der Laubbäume auch mit einem schönen Farbenspiel im umgebenden Wald. Ab dem Parkplatz an der Argentobelbrücke kann der Abstieg in die Schlucht in Angriff genommen werden. Es sei hier gleich von vornherein darauf hingewiesen, dass auf Grund des Geländes die Wanderung nur mit festem Schuhwerk und Trittsicherheit durchgeführt werden sollte.
Schon hier empfängt einen der Mischwald mit seinen Formen und Farben – der Blick sollte jedoch stets auf den steil nach unten führenden Weg gerichtet sein, gilt es doch knapp 100 Höhenmeter zu überwinden.


Unten an der Argen angekommen deutet zunächst nichts auf irgendetwas spektakuläres hin. Jedoch ist an den Wochenenden bei schönem Wetter anhand der Besucherströme schnell klar: Da kommt noch was.
Man wandert auf gut gepflegtem Weg flussaufwärts und hat das kühle Nass stets an seiner linken Seite.

Die eigentliche Spielwiese zum fotografieren ist dann zwischen den ersten Wasserfällen und dem sog. Zwinger. Hier ist das Gelände so erschlossen, dass man quasi in den Stromschnellen seine Kamera aufbauen kann und tolle Motive findet.
Weiter als bis zum Zwinger (ein Eisensteg welcher über die Felsbrocken führt) bin ich noch nicht gegangen, da mir die sich bietenden Möglichkeiten in diesem Bereich genügten.
Hier gibt es so viele Positionen, dass man direkt erschlagen wird von allen Möglichkeiten.

Über den schmalen Nebenlauf kann auch ein Stativ aufgestellt werden, so dass dort auch tolle Effekte erzielt werden können.
Ich habe für diese Bilder mit dem seidigen Wasser lediglich einen Polfilter verwendet und die Blende auf die kleinst mögiliche Öffnung eingestellt um eine längere Belichtungszeit bei ISO 100 zu erreichen. Mit Zeiten zwischen einer und vier Sekunden sind die Effekte ausreichend und den Polfilter drehe ich so, dass störende Spiegelungen des Wassers ausgeschlossen werden.
So kann man noch die Struktur der unter Wasser liegenden Steine erkennen und das Bild bekommt mehr Tiefe.
Im Winter macht der Tobel seinem Namen alle Ehre – die Argen ist bei lang anhaltendem Frost fast vollständig gefroren und teilweise begehbar (auf eigene Gefahr!). Lange Eiszapfen und frostige Gebilde schmücken die umliegenden Hänge und Abbruchkanten.

Für den steilen Abstieg und auf den Steigungen auf dem Tobelweg sind in dieser Zeit Spikes bzw. Steigeisen an den Wanderschuhen extrem von Vorteil. Von einer Begehung „nur“ mit Turnschuhen oder ähnlichem Schuhwerk ist dringend abzuraten! Der Tobel ist offiziell nicht geöffnet, jede Begehung erfolgt absolut auf eigene Gefahr!
An der gleichen Stelle, den Stromschnellen vor dem Zwinger, sind dann schöne Langzeitbelichtungen an den wenigen offenen Stellen möglich.
Hier habe ich jedoch einen ND-Filter verwendet, um Belichtungszeiten von um die 20 bis 30 Sekunden zu erhalten. In einigen Fällen rentiert sich auch eine Schwarz-Weiß-Umwandlung wobei dann die Eisstrukturen besonders deutlich zu Tage treten.

Wer also mutig und vorsichtig zugleich ist und ein paar Tricks mit Filtern, Kamera und Stativ beherrscht wird garantiert mit tollen Bildern belohnt. In diesem Sinne wünsche ich Euch für diese Tour Hals- und Beinbruch und für die Bilder allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

 

Anfängerfehler Teil 3


5. Die falsche Tageszeit

Morgenstund‘ hat Gold im Mund.
Ein altes Sprichwort, dass jedoch für die Landschaftsfotografie absolut zutreffend ist – denn ein Sonnenaufgang lässt sich in unseren Breiten nun mal nicht Mittags aufnehmen. Man muss schon seinen inneren Schweinehund überwinden, um im Sommer zum Erfolg zu kommen. Aber wer sich vorher über die zu erwartenden Wetterverhältnisse schlau macht, wird jedenfalls nicht enttäuscht werden.
In der folgenden Bilderserie ist schön zu sehen, wie sich auch die Lichtstimmung im Verlauf des Sonnenaufgangs ändert. Das beste Licht ist nämlich unmittelbar bevor die Sonne über den Horizont kommt…

Anfangs dominiert noch das nächtliche Blau die Szenerie. Schüchtern und langsam bahnen sich die ersten Strahlen ihren Weg, um den Nachthimmel zu vertreiben. Für solche Bilder ist unbedingt der Einsatz eines Stativs zu empfehlen oder die Kamera anderweitig gegen Verwackeln zu sichern.


Sobald die Sonne dem Horizont näher kommt nehmen die wärmeren Farbtöne zu und verdrängen nach und nach das kühle Blau der Nacht.

Es wird immer heller und die Farbstimmung ist meiner Meinung nach eigentlich jetzt am schönsten und intensivsten.

Sobald die ersten Sonnenstrahlen richtig das frühmorgendliche Glühen ablösen, nimmt das Orange zu und der Magenta-Anteil verschwindet langsam. Schön weich schmiegt sich das goldene Licht an den Hängen und Bergspitzen entlang, bereit die Szene ganz zu übernehmen.

Wenn die Sonne dann sichtbar wird, hat das Farbspektakel ein Ende. Orange überwiegt nun und bestreicht nun die Hügel und das Wasser mit Wärme. Es ist immer noch ein schönes Licht – besser als das harte Licht zur Mittagszeit, welches speziell im Sommer durch die senkrechte Stellung der Sonne mit kurzen Schatten und greller Anstrahlung für wenig Tiefe und Kontrast in den Urlaubsbildern sorgt.
Für mich hat sich das Aufstehen um 4 Uhr im Juli definitiv gelohnt.

An Abend vollzieht sich das Spektakel selbstverständlich in umgekehrter Reihenfolge erneut. Das Orange verschwindet dann langsam während der sogenannten goldenen Stunde. Die Sonne weicht dem nächtlichen Blauschwarz und kurze Zeit nach dem eigentlichen Sonnenuntergang bleibt für die sogenannte „Blaue Stunde“ noch dieser tiefblaue Nachthimmel, welcher ebenfalls noch sehr stimmungsvolle Bilder entstehen lassen. Für solche Aufnahmen an einem See hat sich jedoch bewährt, am Morgen zu kommen, da es um diese Zeit in der Regel windstill ist und somit der See weniger unruhig ist als beispielsweise am Abend.

6. Achte auf den Rand und den Hintergrund


Das Bild zeigt eine unglaublich schöne Winterstimmung. Feine Nebelschwaden ziehen über den Bach, die tief stehende Sonne zaubert feine Lichtreflexe auf das Wasser – und doch stört das Brückenteil in der rechten oberen Ecke. Jetzt kommt noch dazu, dass ich den Ausschnitt schon enger gewählt habe – ich habe das Foto in Lightroom beschnitten – so dass im Original noch viel mehr störende Elemente rechts am Rand entlang sichtbar waren. Mehr von der Brücke, aber auch ein Geländer am Rand des betonierten Brückenfundamentes.
Das Bild ist erst im Januar 2017 entstanden. Ich bin also trotzdem, dass ich mich schon sehr viel weiter entwickelt habe, immer noch nicht davor gefeit, vor lauter Begeisterung die Bilder vor Ort richtig zu beurteilen. Nur ein kleiner Schwenk, ein Schritt nach vorn oder zur Seite und das Bild wäre perfekt. So lange man vor Ort ist kann das alles schnell und problemlos bereinigt werden. Es müssen keine aufwändigen Retuschen mit Photoshop etc. gemacht werden, um unerwünschte Bildinhalte zu beseitigen.

Oft kommt es auch vor, das wir auf Erinnerungsfotos uns in der Szenerie so platzieren, dass im Hintergrund auffällige Straßenschilder mit im Bild sind. Rote Stopp-Schilder fallen da natürlich besonders krass auf. Auch gibt es viele Aufnahmen bei denen ein Baum aus dem Kopf des Abgelichteten zu wachsen scheint. In der Anfangszeit wird das, wie schon mal gesagt, wenig stören – wer sich jedoch wirklich weiter entwickeln möchte, der wird sich früher oder (selten) später sehr daran stören.

Immer schön wach bleiben und vor Ort genau kontrollieren, was man fotografiert hat! In diesem Sinne wünsche ich Euch allzeit gutes Licht.
Werner Kutter

Anfängerfehler Teil 2


Weiter geht’s und keine Angst, es tut nicht weh – ich habe das alles am eigenen Leib erfahren und fotografiere heute immer noch!

3. zuviel Theorie

Ich war lange Zeit der irrigen Meinung, ich müsste nur noch das nächste Buch oder die neueste Zeitschrift lesen, um besser zu werden.
Das stimmt definitiv nicht!
Du wirst nicht besser nur durch mehr lesen oder mehr Videos sondern allein durch mehr Fotos! Vergeude also nicht zuviel Zeit zu Hause beim Lesen. Gehe raus und fotografiere!
Bitte nicht falsch verstehen – grundlegende Informationen braucht jeder.
Das Kamerahandbuch z. B. sollte man sich schon einmal durchgeschaut haben, um einen Überblick über die Menüs und Knöpfe an seinem Apparat zu erhalten. Besser noch, man besorgt sich ein Kamera-Buch, geschrieben von einem Fotografen. Der erklärt die trockene Materie anhand von Praxisbeispielen und ist meist besser, als die eingedeutschten Beschreibungen der Hersteller. Auch wichtig sind die Grundlagen der Bildgestaltung und Fototechniken. Vieles davon wird im Laufe der Zeit hier Thema werden. Am besten dabei bleiben und an jedem Samstag gespannt sein, was das nächste Kapitel bringt!

Dein zukünftiges Motto sollte sein:
Das Fotografieren selbst lernt man jedoch am Besten durch das Fotografieren.
So einfach ist das.

Ich gönne mir beispielsweise mindestens einmal im Jahr einen Workshop – und wenn es auch „nur“ ein VHS-Kurs ist – egal! Du bekommst neuen Input – neue Ideen – lernst neue Leute kennen und siehst was und wie andere fotografieren. Man sieht andere Perspektiven und Bildausschnitte. Vor allem aber konzentriert man sich auf die eine Sache: Fotos machen. Und gerade bei der örtlichen VHS kostet es nicht die Welt und bringt jede Menge Spaß. Wenn man dann das erste Mal mit richtig guten Bildern heim kommt – das motiviert ungemein!
Wie für alles im Leben gilt auch bei der Fotografie: man lernt nie aus! Und für Aus- und Weiterbildung ist es nie zu spät und für dieses Hobby ist man auch nie zu alt.

Heute im Zeitalter der digitalen  Kameras kostet die „Lehrzeit“ nicht mehr viel Geld und Zeit. Man muss nicht mehr eine Woche warten, bis der Film voll und entwickelt ist, um zu sehen, dass dreiviertel der Bilder Ausschuss sind. Es ist ein unglaublicher Vorteil, gleich nach den Aufnahmen das Ergebnis am PC zu sehen und seine Lehren daraus zu ziehen. Es macht nichts mehr aus, wenn eine Blume oder ein Baum hundert mal aus den verschiedensten Positionen fotografiert wird – man muss es ja keinem zeigen. Es zählt nur das eine Bild – das Bild welches scharf, richtig belichtet und gut komponiert ist.
Dieses Bild wird stolz gezeigt!

4. Die Wahl der Perspektive

Wie schon einmal erwähnt ist die Wahl des Aufnahmestandpunktes oft von entscheidender Bedeutung. Die gewöhnliche Ansicht auf Augenhöhe ist oft wenig spannend, da wir tagtäglich so unterwegs sind. Es tritt schon ein gewisser „Gewöhnungseffekt“ ein.
Warum nicht mal auf den Boden legen? Oder auf eine Bank oder Treppe steigen? Natürlich dürfen wir hier keine unnötigen Risiken eingehen und z. B. in den Bergen die befestigten Wege verlassen, um ungesichert irgend welche Felsen zu besteigen. Aber neue, nicht alltägliche Sichtweisen überraschen uns immer wieder und machen die Bilder gleich viel interessanter.

Ich hätte das Gebäude auch ganz normal aufnehmen können, doch so habe ich mehrere Gestaltungskomponenten genutzt. Die Schiene am rechten Bildrand zieht den Blick als Führungslinie geradezu ins Bild hinein und gibt dem Foto mehr Tiefe. O.k., das Bild an sich ist jetzt nicht der Brüller, jedoch demonstriert es für mich ganz ansehnlich, dass mit dem Wechsel in die Froschperspektive oft auch Hilfslinien gefunden werden können, welche das Bild plastischer erscheinen lassen.
Wir dürfen nie vergessen, dass das Fotografieren eine dreidimensionale Szene auf ein zweidimensionales Medium zusammenstaucht. Um tiefgängige Bilder entstehen zu lassen, sind solche Hilfsmittel unabdingbar.

Also öfter mal auf den Boden schmeißen und dann abdrücken. In diesem Sinne wünsche ich Euch einen trockenen Untergrund und allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Fehler, die (fast) jeder zu Anfang macht…


…ich übrigens auch!

Gerade in der Anfangszeit ist es eher Knipserei als Fotografie. Aber es ist gut so. Vieles kann man erst lernen, wenn man mal die Fehler gemacht und erkannt hat. Fehler machen ist also gut – wenn man auch aus ihnen lernt. Immer noch besser zu fotografieren und Fehler machen, als Equipment kaufen und dann nichts unternehmen.

Einige der häufigsten Fehler habe ich mir aufgeschrieben und auch die Hilfe dazu, möglichst daraus zu lernen und sie zukünftig zu vermeiden. Hier im ersten Teil habe ich zwei Dinge aufgeführt, die jeder mit der Zeit bemerken wird. Einiges muss man jedoch erst mal gesagt bekommen, um sie überhaupt als Fehler wahr zu nehmen. So ging es mir lange Zeit mit dem Ersten:

  1. schiefer Horizont

    In meiner Anfangsphase habe ich das wirklich nicht als störend wahr genommen. Erst als man mich immer wieder darauf hinwies hat sich mein Blick dafür geändert  Wenn ich heute bei Instagram oder 500px durch die Bilder scrolle stechen mir diese Bilder regelrecht ins Auge – ich glaube ich bin mittlerweile allergisch dagegen.
    Jeder, der irgendwann mal als Fotograf ernst genommen werden will sollte unbedingt auf dieses Detail achten. Man kann den schönsten Sonnenuntergang am Meer einfangen – wenn das Wasser aus dem Bild auszulaufen droht, wird keiner dem Bild ein „like“ da lassen. Sobald die Horizontlinie im Bild zu sehen ist, sollte sie gerade sein. An besten gleich beim Fotografieren darauf achten, denn später bei der Bildbearbeitung kann sich durch die Beschneidung beim gerade richten die gesamte Bildwirkung ins Negative verändern.
    Am einfachsten also eine kleine Wasserwaage auf den Blitzschuh stecken, die Libelle im Stativ nutzen, um dieses gerade auszurichten, die Gitternetzlinien im Live-View-Modus einblenden lassen oder, sofern vorhanden, die Wasserwaage der Kamera nutzen und nie wieder schiefe Bilder machen.

    Glaub mir, irgendwann kommt der Tag an dem Du beginnst Dich furchtbar über schiefe Horizonte zu ärgern und ja, auch Hobbyfotografen nehmen ihre Bilder ernst.
  2. zu wenig Zeit nehmen
    Genz lange Zeit habe ich geglaubt, dass die Profis ein Motiv sehen, die Kamera aufbauen, abdrücken und fertig. Maximal 2-3 Aufnahme, dann ist die Szene im Kasten war meine Annahme.
    Falsch gedacht!
    Fotografie hat viel mit Geduld und ausprobieren zu tun. Selbst der Profi macht manchmal über hundert Bilder, bis das eine dabei ist, das er verkaufen kann. Oft kommt er an mehrerenTagen nacheinander zu ein und derselben Stelle, bis alles so passt, wie er es sich vorstellt.
    Ich habe bei mir fest gestellt, dass ich zweierlei Arten von Fotos mache.
    Einmal die, wenn ich beim Wandern bin und im Vorbeigehen ein paar Schnappschüsse mache. Das sind dann auch wirklich Schnappschüsse. Gute Bilder auf die Art zu machen ist reine Glückssache. Oft ist da dann zu wenig Zeit, um mehr zu probieren, andere Aufnahmewinkel zu testen und einfach mehr Möglichkeiten auszuschöpfen. Und zu Hause ärgere ich mich dann, weil ich feststelle, dass vielleicht nur ein halber Meter weiter zur Seite das Bild viel besser ausgesehen hätte.

    Scott Kelby (amerikanischer Fotograf und Photoshop-Guru) sagte in einem Onlinekurs: „You have to work the Scene.“ – Du musst die Situation bearbeiten. So lange, bis das bestmögliche Ergebnis, sprich Bild, heraus kommt.
    Das bringt mich zur zweiten Art Fotos:
    Wenn ich nicht zum Wandern sondern zum Fotografieren gehe. Ich bereite mich dann auf die Bilder vor. Ich schaue mir an, wo interessante Motive lauern, wann der beste Sonnenstand ist – Infos die sich jeder leicht im Internet beschaffen kann. Wenige Minuten (vielleicht mal eine halbe Stunde) Vorbereitung werden sich im Endergebnis auf jeden Fall auszahlen.
    Und dann vor Ort: Zeit lassen – aufs Fotografieren konzentrieren -die gesamte Szenerie aufarbeiten.
    Auch mal einen Schritt zur Seite gehen, irgendwo draufsteigen, auf den Boden legen – nicht immer nur auf Augenhöhe fotografieren sondern ungewöhnliche Perspektiven suchen und verwenden.

    Ich mache selbstverständlich noch diese typischen „Kamera-hoch-und-abdrücken-Schnappschüsse“. Die gehören auch immer noch dazu – aber das richtige Fotografieren wird trotzdem immer mehr… In diesem Sinne wünsche ich Dir für heute und die Zukunft allzeit gutes Licht!
    Werner Kutter

Neuer Foto-Blog


Wieso noch ein Foto-Blog?

Gute Frage!

Ich habe mich in den letzten beiden Jahren  so viel weiter entwickelt, dass ich das Bedürfnis entwickelt habe, diese Erfahrungen zu teilen. Bestimmt gibt es noch viele, die an der selben Schwelle stehen, wie ich vor kurzem  und froh sind, Hilfe zu finden. Viele Dinge rund um die Kamera erscheinen kompliziert, sind in Wahrheit jedoch ganz simpel, wenn man es einfach erklärt bekommt.

Ich bin  Fotograf und fotografiere leidenschaftlich gerne und bin froh, so weit gekommen zu sein, wie ich heute bin. Doch die Reise ist noch nicht zu Ende. Ich lerne ständig dazu und ich möchte Dich mitnehmen auf den weiteren Weg in die große Welt der Fotografie.

Ich fotografiere mit einer Nikon Z6. Hier geht es aber auch nicht um die ewige Frage,  welche Marke besser ist, weil es darauf auch keine allgemein richtige Antwort gibt und es auch keine Rolle spielt, ob mit Canon, Sony oder sonst was fotografiert wird. Man kann mit allen Kameras,  die man heute käuflich erwerben kann sehr gute Bilder machen. Denn nicht das Material macht das Bild,  sondern der Typ, der den Auslöser betätigt.

Ich möchte hier Ideen geben, interessante Sachverhalte einfach erklären, auch mal ein nützliches Buch besprechen, Trends aufzeigen aber auch mal gegen den Trend gehen – einfach über mein Hobby plaudern.

Ich stelle mir außerdem auch vor, interessante Spots für tolle Fotos mit Euch zu teilen und ein klein wenig Anleitungen für bessere Bilder geben.

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

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