Reisebericht Harz: Die Bodefälle bei Braunlage

Christine fragt mich eben noch, ob sie mir das Stativ abnehmen soll, ich bin aber voll konzentriert dabei die letzten Aufnahmen für das Panorama des Wasserfalls zu machen und reagiere nicht auf ihr Angebot. Also nehme ich Stativ samt Kamera selbst in die Hand, drehe mich um und suche mit den Augen die Steine nach einem gangbaren Weg ab. Der erste Schritt gelingt noch, aber beim nächsten komme ich auf der glitschigen Oberfläche ins rutschen und merke, wie in Zeitlupe, dass ich in Schieflage komme und das Gleichgewicht verliere. Rechts hinten das Smartphone in der Gesässtasche. Links vorne die Kamera auf dem Stativ in der Hand. Ich taumle nach links – vorsicht, die Kamera darf mir nicht entgleiten – ich wanke nach rechts – nur nicht nach hinten fallen! Nach einer gefühlten 360 Grad Wendung schlage ich rechts mit dem Oberschenkel zwischen 2 Felsen ein. Platsch – Hose und Schuhe durchnässt, leichte Prellungen der Weichteile unterhalb der Hüfte, aber das Equipment ist heil geblieben. Am Abend bei der Sichtung der Bilder weiß ich aber sofort: das Panorama war jede Mühe und jeden blauen Fleck wert. 

Die Bodefälle befinden sich nordöstlich von Braunlage am Oberlauf der Warmen Bode. Vom Grossparkplatz an der Wurmbergbahn aus sind der untere und der obere Wasserfall bequem auf guten Wanderwegen zu erreichen. Granitblöcke bilden die Grundlage, damit das Wasser tosend und in Kaskaden in die Tiefe rauschen kann. Der Weg führt, selten weit vom Wasser entfernt, beschattet durch die umstehenden Bäume leicht ansteigend immer tiefer in den Nationalpark Harz hinein. Feste Schuhe sind die einzige Voraussetzung, um hier gut voran zu kommen. Der Weg ist gut ausgeschildert und so kann sich der Fotograf ganz auf die herrliche Natur konzentrieren, um die beste Perspektive für seine Bilder zu finden. Die örtlichen Gegebenheiten laden förmlich dazu ein, immer wieder Wege in die Bode zu suchen, um möglichst nahe an den Windungen des Wassers zu sein.

Der Lauf des Wassers wird auch diesmal am besten mit Langzeitbelichtungen festgehalten. Aus dem Bericht der letzten Woche vom Ilsetal wissen wir ja noch, wie einfach es ist trotz aufgesetztem Filter eine  korrekte Belichtung zu erzielen. Hier kann man ja auch mal ins experimentieren verfallen und beispielsweise ein Panorama eines der Wasserfälle oder bei, geeigneten Lichtverhältnissen, ein HDR-Bild aus unterschiedlich belichteten Aufnahmen der gleichen Szene erstellen .

Ganz korrekt müsste für ein Panorama die Kamera auf dem Stativ mit einem Nodalpunktadapter montiert werden. Dieser Adapter sorgt für eine korrekte Drehung der Kamera und vermindert damit Verzerrungen, da der Sensor nicht genau über der Stativschraube sitzt und so die Drehung hinter dem Sensor statt findet. Auffallend ist es auf jeden Fall in der Architektur, hier im Harz am Bachlauf wird die eventuell entstehende Verzerrung so gering sein und durch die natürlich vorhandene Unebenheit von Mutter Natur nicht ins Auge fallen.

Immer wieder kann man die Felsen im Bach gut zu Fuss erreichen und so die Bilder dramatisch komponieren. Entsprechende Vorsicht natürlich  vorausgesetzt – damit nicht, wie eingangs beschrieben, Mensch oder Technik zu Schaden kommt. Sicherheit geht auf jeden Fall immer vor Dramatik.

Man möchte nicht glauben, wie schnell hier zwei, drei Stunden vergehen und man immer noch das Gefühl hat, nicht alles fotografiert zu haben. Für die Wanderzeit und die damit verbundenen Fotoausflüge wünsche ich Euch allen natürlich, wie immer, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Harz: Das Ilsetal bei Ilsenburg

Das Ilsetal bei Ilsenburg ist ein beliebtes Ausflugsziel. Hier können sowohl Rundwanderungen gemacht, als auch der Grundstein zur Besteigung des Brockens über den Heinrich-Heine-Weg gelegt werden.

Am südlichen Ende von Ilsenburg, in der Straße Ilsetal befindet sich ein Grossparkplatz für unseren fahrbaren Untersatz. Wir starten von hier eine, normalerweise 2 stündige, Wanderung entlang der Ilse, die jedoch auf Grund der zahlreichen Unterbrechungen zum Fotografieren durchaus mal über 5 Stunden dauern kann. Für ausreichend Verpflegung und Getränke ist also zu sorgen, wie auch für wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk.

Gleich im Anschluss an das Kurparkhotel schlagen wir uns links durch den Wald ans Ufer durch und testen schon mal die Ausrüstung. Hier unten kann man sich, bei Bedarf, schon mal mit dem Eisatz der Filter vertraut machen. Es sind hier auch schon Felsen im Bach, der atemberaubende Teil kommt später, und so können die ersten Testbilder gemacht werden, um ein Gefühl für die benötigte Stärke der Filter und der daraus resultierenden Belichtungszeit zu bekommen. Als Filter kommen hier natürlich ND-Filter ebenso in Betracht, wie auch der Pol-Filter. Die Grundlagen und Unterschiede der beiden Filtertypen habe ich ja vor 2 Wochen im Beitrag „Der Unterschied zwischen Pol- und ND-Filter“ beschrieben.

Am Besten kommt man mit dem manzellen Modus der Kamera klar. Nur keine Angst vor den Einstellungen  – einfach mal Schritt für Schritt überlegen, was erreicht werden soll.
Zuerst die ISO. Wir fotografieren vom Stativ aus, verwackeln nahezu ausgeschlossen, also ISO 100.
Dann die Blende. Wir wollen möglichst viel im Bild scharf dargestellt bekommen, also Blende schließen. Jetzt wäre es gut, wenn Du Dein Objektiv einmal getestet hättest, in welchem Bereich Dein verwendetes Objektiv die schärfsten Fotos macht – bei den meisten so zwischen Blende 8 und 11. Da wir Aufnahmen im Weitwinkelbereich machen werden, wird Blende 11 in den allermeisten Fällen ausreichend sein. An meiner Kamera mit APSC-Sensor habe ich beispielsweise bei einer Brennweite von 18 mm, Blende 11 und einem Abstand von 3 mt zum Objekt  alles in einer Entfernung von 1 mt bis unendlich akzeptabel scharf. Die Blende weiter zu schließen bringt für die Tiefenschärfe nichts  – nur wenn die gewünschte Verschlusszeit mit dem eingesetzten Filter nicht lange genug wird, empfehle ich die Blende weiter zu schliessen.
Bleibt nur noch die Verschlusszeit: Je nach verwendetem Filter wird die Verschlusszeit jetzt eingestellt, so dass die Belichtungsmessung der Kamera wieder einen ausgewogenen Wert anzeigt. Möchten wir beispielsweise das Wasser seidig weich aussehen lassen, so stellen wir einen Wert von z. B. 2 Sekunden ein und lesen an der Anzeige der kamerainternen Belichtungsanzeige ab, ob das Bild nun korrekt belichtet oder unter- oder überbelichtet würde. Dementsprechend kann dann das Foto gemacht werden oder die Verschlusszeit verlängert werden (bei Unterbelichtung) oder die Blende weiter geschlossen werden (bei Überbelichtung).

Wir folgen dem Lauf der Ilse einfach immer weiter Flussaufwärts. Ab dem kleinen Türmchen, welches den Ursprung der Prinzess-Ilse-Quelle symbolisiert können wir ein Stück auf der Forststraße laufen, sollten aber die Abzweigung zurück an den Flusslauf nicht verpassen.
Immer wieder bieten sich Möglichkeiten, die Ilse sowohl erhöht vom Weg aus, als auch auf Bachniveau zu fotografieren.  Viele Bilder später gelangt man schließlich an die unteren Ilsefälle, wenige Minuten später auch an die oberen Ilsefälle. Hier bieten sich Gelegenheiten zur Rast und zum Verweile und schließlich auch die Entscheidung, wieder zum Ausgangspunkt zurück zu gehen, oder noch weiter zu wandern.

Für mich war an den Fällen Schluss und ich bin über den Forstweg (schneller) wieder nach unten gelaufen. Die Eindrücke und die Bilder lassen mich auch heute noch an diesen tollen Nachmittag zurückdenken und so wünsche ich Euch, sofern Ihr einmal in die Nähe kommt, das passende Wanderwetter und für die Fotografie allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

 

Der Unterschied zwischen Pol- und ND-Filter


Beim Einsatz von Filtern in der Natur- und Landschaftsfotografie fragt man sich oft: Was bringt das eigentlich? Heute möchte ich Euch anhand von Bildern zeigen, wie die beiden Filtertypen Polfilter und ND-Filter eingesetzt werden können und was sie bewirken.

In meinen Beispielen beziehe ich mich auf die Wirkung der Filter um die Verschlusszeit zu verlängern und so Langzeitbelichtungen möglich zu machen. Warum möchte ich das jetzt haben? Weshalb soll ich mit längerer Verschlusszeit fotografieren?
Wir begeben uns zur Beantwortung dieser Frage in den Nationalpark Harz nach Niedersachsen. Hier am Oberlauf der Warmen Bode habe ich Bilder des fließenden Wassers ohne jeglichen Einsatz von Filter gemacht.
Mir ist klar, dass es sich mit den Bildern von fließendem Wasser verhält, wie mit allem in der Fotografie: der persönliche Geschmack entscheidet. Mir gefallen die Bilder an sich ganz gut, jedoch fehlt mir bei der Ansicht des Wassers, wie es über die Felsen schießt und sich um die Blöcke windet, das gewisse Etwas.

Diese Aufnahmen sind für mich zu gewöhnlich, denn jeder Spaziergänger mit einem halbwegs modernen Smartphone kann solche Aufnahmen machen. Dafür braucht es keine Spiegelreflexkamera und keine besonderen Kenntnisse über die Belichtungstechniken in der Fotografie. Das sind lediglich Schnappschüsse,  die heute jeder im vorbei gehen knipst.

Also: Stativ raus, Kamera drauf geschraubt und mal den ND-Filter ausprobieren.
Der ND-Filter (Neutraldichtefilter oder auch Graufilter) kann direkt auf das Gewinde vorne am Objektiv geschraubt werden oder auch über Adapter und Aufnahmevorrichtungen als Rechteckfilter vors Objektiv geschoben werden.
ND-Filter sind vereinfacht beschrieben, eine graue bis schwarze Scheibe, die es in unterschiedlichen Stärken gibt, welche dann jeweils die Lichtmenge, welche durchs  Objektiv auf den Sensor trifft, reduziert.
Ich besitze ND 8, ND 64 und ND 1000 Filter, welche je nach Einsatz einzeln verwendet werden. Je heller die Umgebung und/oder je länger die Verzögerung ausfallen soll, um so höher muss die Zahl auf dem Filter sein. Für minutenlange Langzeitbelichtungen am Tag, um z. B. Menschen aus Bildern verschwinden zu lassen, wird mindestens der ND 1000 fällig.
In meinem Fall hatte ich Glück, denn es war ein bedeckter Tag und ich war umgeben vom Wald des Harz, so dass es schon von vorne herein nicht allzu hell war.
Mit dem ND8 Filter kann die Belichtung bereits so viel verlängert werden, das auf dem Wasser feine, weisse Schlieren entstehen. Belichtungszeiten von 1 bis 2 Sekunden reichen völlig und schon umschließt  das Wasser seidenweich die Felsblöcke.

Allerdings tritt jetzt auch ein zweiter Effekt in Erscheinung :die Oberfläche des Wassers spiegelt und lässt uns den Grund des Bachs nicht mehr erkennen.  Wen dies stört, der greift einfach zum nächsten Filter : der Polarisationsfilter. Diesen verwende ich jetzt aber nicht zusätzlich,  sondern anstatt dem ND-Filter. Die Abdunklung ist geringer als beim ND 8, dies kompensiere ich dadurch, dass einfach die Blende weiter gescllossen wird. Und wie gesagt: schon 1 Sekunde reicht.  Im folgenden Bild verwendete ich den Polfilter bei Blende 16 und erreichte die gewünschte Belichtungszeit. Dann wird vor dem Auslösen der Ring am Filter so weit gedreht,  bis das Wasser wieder durchsichtig wird.

Die genauen physikalischen Eigenschaften des Filters kann jeder selbst u. a. auf Wikipedia  (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Polarisationsfilter) nachlesen. Was wirklich jeder wissen muss sind die Einsatzmöglichkeiten des Filters:
1. Das Entfernen unerwünschteer Spiegelungen.  Das funktioniert sowohl bei Wasser als auch bei Glas.
2. Das Verstärken von Farben bei Sonnenschein.
Allerdings muss hier für den vollen Effekt ein Winkel von 90 Grad zwischen Sonne un Linse eingehalten werden.  Das bedeutet,  nur wenn Dir die Sonne auf die Schulter scheint, kannst Du den Effekt nutzen. Sonne von vorne oder hinten – keine Chance.

Hier nochmal zum Vergleich die drei Varianten nebeneinander: von oben nach unten: ohne Filter, ND-Filter, Polfilter

Generell ist beim Kauf der Filter schon auf Qualität zu achten, denn die günstigen No-Name-Produkte hinterlassen schnell einen Farbstich auf den Aufnahmen, welcher dann hinterher wieder mühsam entfernt werden muss. Ich hatte am Anfang auch günstige, bin jetzt vor kurzem auf Filter von Haida umgestiegen. Frei nach dem Motto : wer billig kauft kauft zwei mal.

Ich hoffe,  die kurze Einführung war hilfreich und wünsche euch,  wie immer, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Platypod – das Keinstativ-Stativ


Es gibt so viele Momente in denen man zum Fotografieren ein Stativ benötigt, es aber nicht erlaubt ist oder man aus gewichtsgründen keines mitgenommen hat. Was macht man dann? Dann kommt das Platypod zum Einsatz und hilft uns aus der Patsche. Denn das Platypod ist kein Stativ im herkömmlichen Sinne und somit sogar dort erlaubt, an denen sonst Stative verboten sind.

Am Wochenende habe ich es beim Wandern dabei gehabt und ausgiebig getestet.  Um es vorweg zu nehmen : es gibt keine Ausrede mehr, von wegen kein Stativ dabei und so! Für das Platypod ist inner und überall Platz und es ist so universell einsetzbar, so  dass es für den Alltagsgebrauch vollkommen ausreicht. Schluss also mit der Stativ-Schlepperei beim Familienausflug.
Zur Zeit ist es nur direkt beim Hersteller in den USA per Internet bestellbar (platypodpro). Ich habe meins am 5. Juli bestellt und die Lieferung erfolgte promt am 12. Juli – da kann man nichts sagen.  Die schicke Schachtel enthält dann  die Platte und die 4 Schraubfüße, sowie einen Stoffbeutel.  Der von mir abgebildete Kugelkopf ist nicht im Lieferumfang enthalten!
Die Platte kann dann als Stativ-Ersatz universell eingesetzt werden. auf glatten, ebenen Untergründen (z. B. Pflaster oder Beton) kann die Platte auch direkt aufgelegt werden. Wenn der Untergrung uneben oder schief ist werden die Schraubfüsse, welche mittels Magnet in ihrer Aufbewahrungsbox gehalten werden, zum Einsatz kommen.
Diese können auf drei Arten verwendet werden:
1. mit der Spitze in weichen Untergrund (z. B. Wiese) drücken und so ein verrutschen verhindern
2. mit der Gummikappe auf empfindlichen Oberflächen (z. B. Möbel), um verkratzen zu verhindern und
3. mit der glatten Seite z. B.  auf Felsen oder unebenem Gelände.
Über das leichtgängige Gewinde lassen sich die Abstände zum Boden individuell einstellen und über eine Rundmutter auch sichern, so dass ein versehentliches Verstellen ausbleibt.
Das Platypod Max ist ausgelegt für Spiegelreflexkameras. Laut Aussage des Herstellers trägt die Platte alles, was der darauf montierte Stativkopf tragen kann. Dies kann ich nur bestätigen. Ich war am Sonntag wandern und habe bei dieser Gelegenheit das Platypod „eingeweiht“.
Ich konnte die Kamera sogar inkl. des montierten Unterbaus an meinem Schultergurt tragen, wenn ich die Konstruktion nicht wieder auseinanderbauen wollte. Es erlaubt mir, bodennahe Aufnahmen von Seen und Bachläufen ebenso wie alle anderen Landschaftsaufnahmen für die ich sonst ein Stativ zusätzlich hätte schleppen müssen.
Die Platte ist etwa so groß wie ein kleines Tablet und ist gewichtsmäßig kaum zu spüren. Der Kugelkopf ist mit wenigen Umdrehungen auf- und wieder abgeschraubt – alles in allem eine gelungene Erfindung, die mir das Fotografieren auf Wanderungen leichte macht. Die Aufbewahrungsbox für die Füsse kann ebenso entfernt werden wie auch beispielsweise ein Gürtel oder Zurrgurt durch die Schlitze gezogen werden kann. Mit diesen Hilfsmitteln kann das Platypod auch ganz leicht an zylindrischen Gengenständen befestigt werden.
Sogar zum Einsatz als „Fotofalle“ für die Wildlife-Fotografie kann es verwendet werden. Es sind ausreichend Löcher vorhanden, um die Platte an Holzpfosten zu spaxen.

Ich werde das Teil auf jeden Fall sehr oft verwenden – beim Wandern wird es jedes mal mit im Rucksack sein. Von mir gibt es auf jeden Fall ein „Empfehlenswert“, auch wenn der zugegeben hohe Preis von derzeit 99,- $ zzgl. Versand doch einige Abschreckung verursacht.
Für die Wandersaison und alle weiteren Unternehmungen im Bereich der Fotografie wünsche ich Euch wieder mal allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Fotoprojekt 1: Portraitiere Deine Heimatstadt – Teil 2


Am Anfang habe ich mir nur vorgestellt, was ich wohl fotografieren würde, wenn ich hier, in Memmingen, im Urlaub wäre. Was wären die Motive, die ich mit nach Hause nehmen wollte? Welche Gebäude, welche Ansichten sind charakteristisch für diese schwäbische Stadt?
Dieses Projekt kann auch ein Langzeitprojekt werden. Solange man nicht weg ziehen muss, kann einen das durchaus mehrere Jahre beschäftigen, ohne den riesigen Aufwand zu verursachen. Warum nicht mal ein bestimmtes Gebäude, einen Baum, ein Denkmal usw. zu den verschiedenen Jahreszeiten abbilden? Möglichkeiten bilden sich hier viele.
Memmingens Fußgängerzone wurde beispielsweise die letzten Jahre aufwändig renoviert. Hier kamen auch Spezialisten der Objektbeleuchtung zum Einsatz.
Und so erstrahlt diese Gasse mit jedem Durchgang in einem neuen Licht.
Ein Standort, ein Motiv und doch immer wieder ganz andere Bilder.

Ganz nebenbei lässt sich so auch einmal der manuelle Modus der Kamera erkunden. Was gibt’s zu verlieren? Ein paar Bilder für den virtuellen Papierkorb! Ihr glaubt gar nicht, wie schnell man den Modus lernen kann – wenn man ihn erst mal ein paar Tage benutzt. Man muss sich nur über die drei wichtigsten Faktoren des „Belichtungsdreiecks“ im Klaren sein:

ISO:
Die  ISO-Zahl bestimmt, wie empfindlich der Sensor auf Licht reagiert. Niedrige ISO – viel Licht wird benötigt; hohe ISO – wenig Licht wird benötigt. Doch Vorsicht: Bei zu hohen ISO-Zahlen droht Rauschen in den dunklen Bereichen der Bilder.

Blende:
Die Blende ist die Größe der Öffnung  im Objektiv. Eine große Blende lässt zwar viel Licht durch, jedoch beschränkt sich der Schärfebereich dann nur auf einen engen Bereich um den Fokuspunkt herum (ideal für Portraitaufnahmen). Je kleiner die Blendenöffnung wird, um so größer wird dieser Bereich, so dass bei optimalen Einstellungen vom Vordergrund bis zum Horizont alles scharf abgebildet ist (optimal für Landschaftsaufnahmen).

Belichtungszeit:
Mit der Belichtungszeit ist die Spanne gemeint, die der Verschluss vor  dem Sensor geöffnet bleibt und das Licht darauf treffen kann. Hier muss entschieden werden, ob man die Szene scharf darstellen will – etwa einen vorbei fahrenden Radler mit 1/500 oder gar 1/1000 Sekunden – oder ob die Bewegung durch „Verwischen“ gezeigt werden soll – dann den Radler doch lieber mit 1/20 Sekunden oder länger belichten.
Bei so einem Langzeitprojekt können auch Zusammenhänge heraus gearbeitet werden. In Memmingen beispielsweise gibt es das Bildnis eines Storchennestes an einem Gebäude.
Schön ist es dann doch, wenn man beweisen kann, dass die Abbildung der Realität entspricht.
Ganz wie von selbst fallen einem dann die Motive förmlich vor die Füße. Man muss sich nur auch die Zeit geben, die Bilder kommen dann oftmals auf einen zu und man braucht nicht suchen.
In der altstädtischen Kulisse der ehemaligen freien Reichsstadt ist es nicht schwer, gute Bilder zu machen. Bei aller Freude an kompletten Straßenzügen, so darf auch hier experimentiert werden und vielleicht ist weniger sogar manchmal mehr.
Es muss nicht immer das gesamte Gebäude abgebildet sein, um interessante Bilder zu machen. Mit solchen Details und Ausschnitten zeigt man sogar, dass man sich Gedanken macht bei der Bildgestaltung und nicht einfach so drauf los knipst.
Vielleicht wurde der Eine oder Andere ja inspiriert und beginnt nun sein persönliches Projekt. Ich würde mich auf jeden Fall freuen und wünsche Euch für alle aktuellen und zukünftigen Vorhaben allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Fotoprojekt 1: Portraitiere Deine Heimatstadt – Teil 1

Fotoprojekte sind eine ganz tolle Sache, um seine Fähigkeiten zu verbessern. Es geht hierbei darum, für einen definierten Zeitraum eine bestimmte Technik auszuüben, ein bestimmtes Motiv einzufangen oder auch einfach nur ein bestimmtes Thema zu verfolgen.
Es gibt z. B. diese 365-Tage-Challange. Jeden Tag ein Bild aufnehmen, jeden Tag ein Bild posten usw. Jeden Tag ein Bild posten halte ich auf 500px schon eineinhalb Jahre durch. Aber jeden Tag ein Bild machen – da weiß ich, dass ich das nicht durchstehen würde. Vielleicht später einmal, aber für jetzt nehmen wir uns etwas vor, was einfach ist und genau deshalb funktionieren wird:

Portraits Deiner Stadt – Deiner Straße – Deines Ortes. Egal, irgendwas in der Nähe, wo Du arbeitest, lebst, jeden Tag vorbei fährst usw. Es kann auch ein Baum sein, der Dir gefällt und so kannst Du ein Bild machen, ein Jahr lang, immer am ersten Montag im Monat, und nächstes Jahr hast Du einen schönen Baumkalender oder eine Collage für die Wohnzimmerwand.

Ich habe mit den Fotos von Memmingen vor zwei Jahren angefangen. Erstens hat es meinen Blick auf die Dinge verändert und zweitens habe ich Motive und Details in der Stadt „gefunden“, die mich staunen ließen. Seit über 50 Jahren lebe ich hier und doch gab es so viel wovon ich sagen musste: Das ist mir noch nie aufgefallen.
Ich begann als erstes in meiner Mittagspause. Ich arbeite nicht weit vom Zentrum der Stadt und habe die halbe bis dreiviertel Stunde Pause mit einem Fotospaziergang ausgefüllt. Von der Arbeit konnte ich dabei gut abschalten und fotografisch konnte ich durch das bekannte Learning-By-Doing-System viel lernen.
Einmal fiel mir eine eingeschaltete Straßenlampe auf und schon hatte ich die Idee zu einer ungewöhnlichen Perspektive auf ein gewöhnliches Objekt.
Anfangs war mir noch gar nicht klar, auf was ich mich da einlassen. Den ein oder anderen Tag musste ich mich richtig dazu zwingen, los zu gehen. Aber mit jedem Tag an dem ich das durchzog, bekam ich einen anderen Blick auf die Gebäude, die Menschen, die Straßenzüge, ja die ganze Stadt. Mir fielen Details auf, an denen viele Tag täglich achtlos vorbei gehen.
Heute bin ich sehr froh darüber, dass ich das durchgezogen habe. Heute habe ich mehr als tausend Bilder meiner Heimatstadt und ich möchte mal behaupten, da sind welche dabei, die so nicht viele Memminger haben.
Mit der Zeit baut man natürlich weitere „Hürden“ ein. Sehr gerne gehe ich z. B. zur blauen Stunde oder Nachts in die Stadt. Am Stadtbach ist es dann immer besonders Stimmungsvoll. Die Menschen sind weniger, so dass dann auch die Bilder ohne störende Fußgänger ganz ohne Tricks und Photoshop gelingen.
Man kann auch die Ausrüstung „beschneiden“ und z. B. nur mit einer Festbrennweite in die Straßen gehen. Dann wird die Herausforderung darin bestehen, dass man mit den Füssen zoomen muss, weil die gewohnte Zoomlinse daheim geblieben ist. Einen weiteren Vorteil bieten die Linsen in dem dass die Kamera dann nicht mehr so auffällig ist und man sich mal in dem Genre „Street-Fotografie“ versuchen kann.

Die Beschränkung auf Schwarzweiß lässt uns auch vieles nochmal anders sehen. Am besten gleich die Kamera so einstellen, dass die Vorschau in schwarzweiß angezeigt wird. Keine Angst – wer in RAW fotografiert verliert die Farbinformationen nicht! Aber man bekommt vor Ort bereits das Gefühl, wie das Bild wirken wird, bzw. wo noch nachgeregelt werden sollte.
Natürlich gehören auch die Klischee-Bilder der Wahrzeichen der Stadt mit dazu. Hier kann man sich ja auch mal der Herausforderung stellen und sich eine Stunde nur mit diesem einen Gebäude zu beschäftigen, um neue Blickwinkel zu finden und so doch noch Unikate zu erschaffen.
Ungewöhnliche Perspektiven wirken für sich schon interessant. Man verlässt gewohnte Sichtweisen und taucht ein in das Besondere – das manchmal nur einen Schritt neben den täglich gewohnten Wegen liegt.
Das nächste Mal geht’s noch weiter durch Memmingen. Viele weitere Beispiele zeigen Euch, wie man rund um die Uhr tolle Fotos nicht weit von zu Hause schießen kann. In diesem Sinne wünschen ich Euch schöne Sommertage und allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

 

Ein Besuch in einem Bauernhof-Museum

Schätzungsweise an die 30 Museumsdörfer oder Freilichtmuseen gibt es in Deutschland. Eines also garantiert auch in Deiner Nähe. Hier können sowohl Detail-, als auch Architektur- oder Landschaftsaufnahmen verwirklicht werden.
Alte Häuser haben ihren eigenen Charme. Wenn sie dann noch liebevoll restauriert und gepflegt sind, ist es doch nur klar, dass sie von uns ins rechte Licht gerückt werden.
Hier ist die Experimentierfreudigkeit des Fotografen gefragt. Vielen Szenen ist, trotz der Beschränkung aufs Wesentliche, ein weiteres Motiv abzuringen. Denn wo ein Bild gut ist
kann immer noch ein zweites Bild lauern, welches auch nicht schlecht sein muss.
Also ruhig Zeit lassen und alle Möglichkeiten ausnutzen. Die Fotografie ist nicht dazu da, um möglichst schnell von einem Motiv zum nächsten zu hetzen, sondern um geduldig die vielen Facetten des Augenblicks zu genießen.
Warum nicht mal die Gelegenheit nutzen und was neues probieren. z. B. Blumen aus der Ameisenperspektive
und dann auch gleich noch mit dem bewussten Überbelichten als High-Key-Bild:

Holz in allen Varianten ist hier groß vertreten. Details von Ornamenten und Türen bieten sich ebenso an
wie die Muster und Strukturen des Fachwerks der Häuser.
Sollten auch Verkaufsstände oder Kunsthandwerker vor Ort sein, wird die Motivvielfalt gleich noch größer.
Keramik, Porzellan, Holz und Glas sind beliebte Ausstellungsstücke, die sowohl dekorativ sind, als auch fotogen.
Die Baukunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ist auch heute noch bestaunenswert. Mit welch einfachen Mitteln die Gebäude geplant und errichtet wurden erstaunt mich immer wieder aufs Neue.
Liebevolle Details, wie diese Hausglocke
sind erst bei genauem Hinsehen zu entdecken. Und hinsehen lohnt sich immer wieder.
So kann ein Tag recht kurzweilig gestaltet werden und auch als Familienausflug taugen diese Museen. Denn neben dem Fotografieren bleibt auch noch jede Menge Zeit, um sich um die Angehörigen zu kümmern. Vielleicht lässt sich ja der eine oder andere von den gemachten Fotos inspirieren und möchte selbst mit dem Fotografieren beginnen.
Für diese und ähnliche Unternehmungen wünsche ich Euch schon mal allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Gestaltungsregeln in der Fotografie – Teil 2


Diese Woche geht es weiter mit den grundlegenden Gestaltungsregeln in der Fotografie.

Führende Linien
Ein Foto ist das zweidimensionale Abbild unserer dreidimensionalen Welt. Es ist oft schwierig, den Charme und alle Details, die der Betrachter vor Ort wahr nehmen kann in ein Bild zu transportieren. Das Bild wirkt flach und ohne besonderen Reiz. Gute Hilfen für eine bessere Wahrnehmung und Mittel, um Struktur ins Bild zu bringen, sind Führungslinien. Wo immer diese auftreten bieten sie sich an, ins Bild integriert zu werden. Sie können helfen, den Blick des Menschen zum zentralen Punkt im Bild zu lenken. Das Auge des Betrachters „flüchtet“ dank der Linien zu diesem Ort im Bild. Sie können uns ein Gefühl von Tiefe, der fehlenden dritten Dimension im Bild, vermitteln und uns so mehr über die Ausdehnung des Motivs rüber bringen.

Eine ganz besondere Kraft geht von Diagonalen aus. Sie bringen besonders viel Spannung ins Bild. Aufwärts gerichtet (von links unten nach rechts oben) lassen Sie uns eine positive Dynamik wahrnehmen. Ihnen wird nachgesagt, sie würden Freude und Optimismus ins Bild bringen, während abfallende Diagonalen Pessimismus ausdrücken.
Führungslinien verstecken sich überall in der Natur. Ob als wasserführender Kanal oder Fassadenverkleidung, die uns den Weg in den Himmel weist.

Das Motiv einrahmen
Viele Fotos wirken um einiges schöner, wenn sie einen gewissen Rahmen besitzen. Natürliche Rahmen sind in der Architekturfotografie beispielsweise Fenster, Tore, Durchgänge, Korridore etc., während in der Landschaftsfotografie gern zwischen Hecken, Zweigen und Bäumen hindurch fotografiert wird. Der Vordergrund sollte dabei relativ dunkel sein und der Hintergrund (das eigentliche Motiv) in seinen natürlichen Farben erscheinen. Die korrekte Belichtung sollte auf dem Hintergrund liegen; wenn die grünen Blätter im Vordergrund zu dunkel ausfallen ist dies absolut in Ordnung.
Beim Fotografieren durch einen Zaun, ein Gitter oder einen Käfig (zum Beispiel bei der Tierphotographie) lässt sich ebenfalls ein interessanter Rahmen schaffen. Befindet sich das Motiv ein gutes Stück dahinter, so kann der Rahmen in Unschärfe verfallen und das Motiv wird besonders hervorgehoben.

Rahmen sind nicht nur ein reizvolles Mittel um das Motiv hervorzuheben, sie erzeugen auch eine Tiefenwirkung. Zudem kann man mit Rahmen manchmal unerwünschte Bildelemente ausblenden.

In der Nachbearbeitung kann so ein Rahmen auch nachträglich als sog. Vignette gesetzt werden, um dem Bild einen Abschluss zu geben. Dabei werden die Bildecken und/oder die Ränder geringfügig abgedunkelt und so der Mittelpunkt des Fotos mehr betont. Der Blick wird eher zentriert und man lässt sich nicht von dem Geschehen am Rand des Bildes ablenken.

Wiederholungen – Muster

Wiederholungen von gleichen Gegenständen können interessante Muster abgeben. Auf Plätzen z. B, aufgereihte Stühle und Tische können ebenso interessante Abfolgen abbilden, wie auch in meinem Beispiel die herbstlichen Kürbisstände. Dort kann man dann nach Herzenslust experimentieren.
Die Magie der Muster wird dann nur noch davon übertroffen, wenn irgendwas das Muster durchbricht. Dann wird der Blick sofort auf die offensichtliche „Fehlerstelle“ hingezogen und man ist so zu sagen gleich im Bild.

Größenvergleiche
Um besser verdeutlichen zu können, wie groß oder klein das Motiv wirklich ist, können Größenvergleiche mit Alltäglichem Klarheit verschaffen.
Wenn wir nicht selbst vor Ort waren können wir nicht abschätzen, wie hoch der Wasserfall in Natura ist. Stellen wir einen Menschen davor und nehmen diesen mit ins Bild, so werden die Ausmaße schnell klar.
In diesem Beispiel von einem Kunstgegenstand wurde ein Spinnennetz nachgebildet. Das alleinige Fotografieren des Werkes bringt uns keine „Daten“ über die tatsächlichen Ausmaße.

Wenn wir jetzt einen Mensch in relation setzen, dann wird uns schnell bewusst, dass das Netz ganz andere Dimensionen einnimmt, als es das Original tun würde.

So kann auch in die andere Richtung experimentiert werden und z. B, in Modellbauausttellungen oder Miniaturwelten die Illusion vom Riesen neben dem Kirchturm erzeugt werden.

Bleibt mir nur noch Euch viel Spaß zu wünschen und zu hoffen, dass Ihr neue Impulse aufnehmen konntet und auch möglichst bald in die Tat umsetzt. Für alle Eure Vorhaben wünsche ich Euch wie immer allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Gestaltungsregeln in der Fotografie – Teil 1

In der Fotografie gibt es, wie überall, bestimmte Regel, die ein Bild sehenswert machen. Regeln des Design,
Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Aber um diese zu brechen, muss man erst mal wissen, das diese existiert.

Das Motiv
Zu aller erst konzentrieren wir uns auf das Motiv selbst. Wir sollten uns bei jedem Klick fragen, ist das, was ich zeigen möchte gut sichtbar? Manchmal neigen wir dazu viel zu viel in ein Bild hineinpacken zu wollen. Das Ergebnis ist dann ein Bild, welches entweder überladen ist, oder das Wesentliche in seiner Umgebung verschwindet. Wir sind vor Ort und wissen, was uns in diesem Moment wichtig war. Der Betrachter war nicht dabei und kann unsere Gedanken nicht lesen. Wenn ein Bild eine Erklärung benötigt, damit es verstanden wird, ist es nicht gut!
In dem Foto ist eine Landschaft zu sehen, der Holz Ball in der Mitte stört eher, als das man darauf kommt, dass dieser das eigentliche Motiv ist.

Den Rahmen füllen – mit dem was wichtig ist. Ein berühmter Lehrsatz der Fotografie ist: Wenn das Bild nicht gut ist, warst Du nicht nahe genug dran. Ein Bild ist nicht dann vollkommen, wenn alles drin ist – ein Bild ist dann gut, wenn nichts mehr weggelassen werden kann. Beschränken wir uns also auf das Wesentliche und bringen dieses bestmöglich zur Geltung.

So lenkt nichts davon ab – die Holzkugel ist definitiv das Motiv. Doch wie und wo soll die Kugel im Bild erscheinen? Das bringt uns zu der Jahrtausend-Regel:

Die Drittel-Regel oder die Sage vom goldenen Schntt
Die Drittel-Regel ist definitiv einfacher zu erklären und zu verstehen, als die, zugegebenermaßen technisch richtigere, Regel vom goldenen Schnitt. Da sich diese bereits aus der Antike überliefern lässt, habe ich sie, respektlos, in der Überschrift als „Sage“ tituliert. Sie ist mehr als das. Sie ist die alte, überlieferte Weisheit, was das menschliche Auge als spannend, interessant wahrnimmt. Rein theoretisch lässt sich diese Regel laut Wikipedia so erklären: Als Goldener Schnitt wird das Teilungsverhältnis einer Strecke bezeichnet, bei dem das Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil entspricht.

In diesem Bild ist das Motiv mittig platziert, rechts und links davon passiert nichts Interessantes – insgesamt ein langweiliges Bild ohne gewisses Etwas.

Soweit die graue Theorie – in der Praxis hat keiner Maßband und Taschenrechner dabei, um die Gleichung (a+b)/a = a/b aufzulösen. Aber es ist, denke ich, gut, einmal davon gehört zu haben. Viel einfacher ist es, sich vorzustellen, dass das Bild durch 2 senkrechte und 2 waagrechte Linien in 9 gleich große Teile aufgeteilt wird. Bei den meisten Kameras lässt sich dieses Raster im Live-View auf dem Monitor oder auch im Sucher einblenden. So lässt sich bereits vor Ort die Komposition optimal ausrichten. Optimal wäre dann, wenn das Objekt der Begierde sich an einem Schnittpunkt der Linien befindet. So wie hier der Holz Ball jetzt mehr zum linken Rand ausgerichtet wurde und das Bild jetzt ein wenig mehr Dynamik erhält.

In der Landschaftsfotografie sind die waagrechten Linien wichtig für die Bildaufteilung in Land/Himmel. Nach Möglichkeit lässt man die Horizontlinie nie in der Mitte verlaufen, sondern teilt man das Bild immer in 1/3 zu 2/3. Ist der Himmel uninteressant, so wird er nicht mehr als das obere Drittel des Bildes ausmachen. Ist der Himmel dramatisch, die Wolken mega angeleuchtet, so darf er auch mal zwei Drittel des Bildes ausmachen. Das vielleicht einzige Mal, an dem die Horizontlinie mittig ausgerichtet gehört, ist bei Spiegelungen. Wenn sich z. B. ein Berg im ruhigen Wasser eines Bergsees spiegelt, dann kann die Symmetrie der Szene natürlich durch eine mittige Anordnung betont werden.

Der Einsatz der Blende als Stilmittel
Die Kombination aus Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert beeinflusst maßgeblich die Belichtung des Bildes. Je größer die Blendenzahl, umso kleiner die Blendenöffnung, umso länger muss belichtet werden oder empfindlicher (hohe ISO) muss der Sensor eingestellt werden, um zum gleichen Ergebnis zu kommen.

Mit der Blende kann aber auch die Bildaussage verändert werden. Das Auge geht zuerst zum hellsten oder schärfsten Teil des Bildes. Über die Blendenöffnung können wir schön steuern was und wieviel scharf abgebildet wird.
Eine kleine Blendenzahl bedeutet dass die Blende weit geöffnet ist. Im Beispiel habe ich Blende 3,5 eingestellt und auf die erste Stele scharf gestellt.
 Nur diese wird scharf abgebildet, der Bereich dahinter ist unscharf. Wird nun die Blende geschlossen, wie etwa im zweiten Bild auf Blende 9, dann wird der scharf gestellte Bereich größer.

Schließen wir die Blende noch weiter, im Beispiel auf Blende 22, wird alles scharf – sogar die Schrift auf dem großen Stein im Hintergrund wird lesbar.

So können wir wunderbar das Auge des Betrachters lenken. Wichtig ist, dass der Teil, der die Bildaussage trägt, scharf ist so dass das Auge gleicht erkennen kann, was das eigentliche Motiv ist. In der Portraitfotografie gelten andere Maßstäbe, als in der Landschaftsfotografien.
Bei den Portraits liegt die Gewichtung auf der Person. Nach Möglichkeit soll hier auf das Auge scharf gestellt werden – dann wird das Foto als gut angesehen. Der Hintergrund hinter der Person ist unwichtig und soll möglichst in Unschärfe verschwinden. Also müssen wir mit weit offener Blende fotografieren, damit möglichst wenig scharf abgebildet ist.
In der Landschaftsfotografie möchten wir gerne sehr viel scharf sehen. Von der Blume im Vordergrund bis zum Sonnenuntergang im Hintergrund wollen wir möglichst eine durchgehende Schärfe erzielen. Hierzu fotografieren wir mit einer geschlossenen Blende (große Blendenzahl).

Die Perspektive
Durch die Wahl der Perspektive ändert sich die Bildaussage oft dramatisch. In der Fotografie ist bei vielen die Abbildung eines allein stehenden Baumes ein regelrechter Kult.

Auf diesen Baum bin ich zugelaufen und während ich näher kam, änderte sich die Perspektive und auch das, was ich vermeintlich zu sehen glaubte. Es handelte sich nämlich nicht um einen Baum, sondern um 2, die je nach Standort aussahen, als ob sie eins wären.
Genau betrachtet kann man auch sagen, dass es immer mehr als ein Bild gibt – egal was fotografiert wird. Mit einer Standortänderung oder auch nur mit einem kleinen Schwenk der Kamera tun sich oft ganz neue Ansichten auf. Manchmal steckt ein komplett neues Foto in einer Ansicht, wenn wir von Quer- auf Hochformat schwenken, manchmal wenn wir nur einen Schritt zur Seite gehen.
In der Praxis bedeutet dies, dass man auch mal andere Wege gehen sollte. Warum nicht mal auf den Boden liegen und aus der Froschperspektive schießen? Warum nicht mal in die Hocke gehen oder auf eine Leiter steigen. Jede Perspektive ist interessanter als die Sicht aus der gewohnten Augenhöhe!

Nächste Woche geht es weiter mit Teil 2 der Grundlagen über die Gestaltungsregeln in der Fotografie. Bis dahin wünsche ich Euch allen wie gewohnt allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

 

Langzeitbelichtung in der Klamm…

Ich war zum fotografieren bereits zwei mal in der Breitachklamm. Sie ist ein Einschnitt der Breitach in den Nagelfluh südwestlich von Oberstdorf in den Allgäuer Alpen. Die Breitach ist der Zusammenfluss verschiedener Bergbäche aus dem Kleinwalsertal. Auf dem Weg nach Norden hat sie nach der letzten Eiszeit auf über zwei Kilometern eine bis zu 150 mt tiefe Schluch ins Gestein gewaschen – die Breitachklamm. Sie ist die tiefste Schlucht Mitteleuropas. Nach deren Durchfluss wird nur ein Kilometer nördlich von Oberstdorf aus der Breitach und der Trettach die Iller.

Obwohl die Klamm zu jeder Jahreszeit ihren Reiz hat ist es gerade der Winter, welcher mich immer wieder zum wandern und fotografieren in ihr einlädt. Grundsätzlich ist die Klamm ganzjährig geöffnet. Gerade in der Übergangs- und Winterzeit empfiehlt es sich tagesaktuelle Infos unter

https://www.breitachklamm.com

ein zu holen. Besonders während der Schneeschmelze und bei starkem Schneefall kann es durchaus sein, dass die Klamm geschlossen bleibt.

Die Klamm ist mit festem Schuhwerk gut begehbar. Auf gut geschotterten Wegen und perfekt gepflegten Stegen kann man den grandiosen Anblick der Schaffenskraft von Wasser und Zeit genießen. Für die Fotografie ist es natürlich am bequemsten, wenn man die Aufnahmen „aus der Hand“ macht. Zur Aufstellung eines Stativs ist der Weg stellenweise sehr eng. An einigen Passagen  ist es durchaus möglich, das Stativ aufzustellen und sich an Langzeitbelichtungen zu machen.

Im Sommer bietet die Klamm einen kühlen Zufluchtsort vor der immer wieder auftretenden Hitze. Die Temperaturen sind dann immer noch angenehm, da der Hauptabschnitt der Klamm so tief liegt, dass die Sonne nur wenige Minuten bis ganz nach unten durchkommt.

Dafür ist es im Winter dann schon sehr empfindlich kalt – das kalte Wasser tut dann noch sein übriges. Nichts desto trotz ist im Winter die Zeit, in der die Natur die imposantesten Kapriolen darbietet. Meter hohe Eisskulpturen schmücken den sonst so nackten Fels und lassen einen das ein ums andere Mal in ungläubiges Staunen verfallen.
In den Weihnachtsferien werden stimmungsvolle Fackelwanderungen angeboten. Hier bekommt man für einen kleinen Aufpreis an der Kasse eine Fackel und kann in ihrem Schein die Begehung in der Dunkelheit durchführen.
Zusammenfassend darf nochmal gesagt werden, dass die Breitachklamm zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Ausflugsziel ist. Zahlreiche Wanderwege, welche auch die Klamm beinhalen, lassen uns einen abwechslungsreichen Tag erleben. Die angrenzende Bergregion der Allgäuer Alpen und nicht zuletzt Oberstdorf und das Kleinwalsertal bieten zudem noch viele Möglichkeiten um hier z. B. seinen Urlaub zu verbringen.
In diesem Sinne wünsche ich Euch Hals- und Beinbruch bei Euren Unternehmungen in der Allgäuer Bergwelt und für die Fotografie natürlich wie immer allzeit gutes Licht!

Werner Kutter