Eine Wanderung an die Selkefälle

Zugegeben, wenn man vorhat, den Wasserfall zu fotografieren kann man hinfahren, am Straßenrand parken und einfach an die Selke runter gehen und los legen. Aber wer will das schon? Es gibt doch den wunderschönen Höhenwanderweg oberhalb des Tals, von dem aus sich herrliche Ausblicke auftun und der Körper und die Ausdauer ein wenig gefordert werden.

Wir parken unser Auto gleich nach einer Brücke über die Selke südlich von Mägdesprung in Fahrtrichtung Harzgerode rechts am Wald. Schnell schlüpfen wir in unsere Wanderschuhe und schon geht es los auf die gut 5 km lange Runde mit ca. 100 Höhenmeter.

Wir haben die Runde bewusst so gewählt, denn hier kommt gleich zu Beginn ein langer, zäher Anstieg, der mit einem herrlichen Ausblick an der Köthener Hütte gekrönt wird. Ab hier hat man den Berg erklommen und der Weg schlängelt sich durch den Wald am Hang entlang.

Interessant wird der Steig wieder in dem Bereich in dem er als Pionierweg betitelt ist. Hier kann der Wanderer durch einen Tunnel durch den Felsen marschieren und dieser Abschnitt kann als sehr abenteuerlich bezeichnet werden. Über uns der blaue Himmel, unter uns das Selketal – Wandererherz was willst du mehr?

Kurz nach dem Felsdurchbruch geht es auch schon wieder abwärts. Moderat abfallend windet sich der Weg immer noch am Berg entlang ins Selketal hinab. Abenteuerliche Brücken, die wenig vertrauenserweckend aussehen, führen über Rinnsale, die zur Regenzeit und/oder Schneeschmelze sicherlich viel Wasser führen können.

Unten an der Kreisstraße werden wir dann auch gleich von den im Harz typischen Hexen im Garten einer ehemaligen Gaststätte empfangen. Der Hexenkult ist vor allem rund um die sog. Walpurgisnacht im Harz äußerst lebendig. Für alle die dies interessiert sollte die Zeit um den ersten Mai auf jeden Fall für einen Aufenthalt im Harz reserviert sein. Am Hexentanzplatz in Thale und auch rund um den Brocken ist dann jede Menge geboten.

Der Wanderweg hat uns in luftiger Höhe am Selkefall vorbeigeführt. Wir gehen jetzt an der Selke entlang auf dem Wanderweg wieder in Richtung Auto zurück. Wie eingangs erwähnt hätten wir es uns auch leichter machen können, aber wir sind ja zum Wandern hier und nicht nur zum Fotografieren.

 Nach kurzer Zeit kommen wir zwei Kehren weiter endlich am ersehnten Wasserfall an. Hier hatten wir Glück, da das Wetter doch genügend Wasser für uns vorgehalten hat und die Felsen so sehr fotogen vom Wasser umspült wurden.

Ausreichend Plätze zum Picknicken und Entspannen sind rund um den Wasserfall vorhanden. So konnten meine Frau und unser Hund die dringend benötigte Pause machen und den Blick auf die Wassermassen geniesssen.
Ich bewaffnete mich mit Kamera, Stativ und Filter und machte mich rund um die Stromschnellen auf die Suche nach den besten Motiven. Barfuß durchquerte ich die Selke, was mit den rutschigen Steinen und der Ausrüstung in den Händen ein riskantes Unterfangen war. Gut, dass die Strömung nicht so stark war. So konnte ich ohne Kollateralschaden den Weg hin und zurück hinter mich bringen.
Und immer schön mit Filter arbeiten, so dass die Belichtungszeit in einem Bereich von mehreren Sekunden lag, was das Wasser dann schön geschmeidig weich erscheinen lässt.
Das eine oder andere Mal wartete ich geduldig, bis die anderen Wanderer ihre Selfies fertig hatten – meine Bilder, so ganz ohne störende Personen, habe ich noch immer bekommen.

Nun konnte ich meine Bilder machen. Mal Panoramanas die die gesamte Breite des Wasserfalls abdeckten, mal nur Details – einzelne Felsblöcke welche besonders schön vom Wasser umspült wurden. Das eine oder andere Mal wartete ich geduldig, bis die anderen Wanderer ihre Selfies fertig hatten – meine Bilder, so ganz ohne störende Personen, habe ich noch immer bekommen. Die Ausbeute war wirklich ergiebig, sodass ich sehr zufrieden den Rückweg zum Auto antrat.

Ich wünsche Euch für Eure Wanderungen bestes Wetter und für die Bilder, die bei diesen Gelegenheiten entstehen wie immer allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Eine Runde um den Oderteich

Der Oderteich im Harz ist ein historisch sehenswertes Bauwerk, entstand er doch bereits im frühen 18. Jahrhundert und war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die größte Talsperre Deutschlands. Mehrmals sind wir schon mit dem Auto über die Staumauer gefahren und haben den See bei allen Wasserständen gesehen. Doch im Sommer 2018 stockte uns doch der Atem, war der Stausee doch bis auf restliche 15 Prozent leergelaufen.

Die lange trockene Periode im Dürresommer 2018 hat fast alle Zuströme versiegen lassen und den Wasserstand an das hier sichtbare Minimum getrieben.
Ursprünglich benutzte man das aufgestaute Wasser dazu, um in den Sankt Andreasberger Bergwerken die Wasserräder für die Erzgewinnung antreiben zu können. Hierzu wurde der Rehberger Graben geschaffen und dieser leitet noch heute über seine mehr als sieben Kilometer Länge das Wasser zur Grube Samson, an der heute ein Wasserkraftwerk damit betrieben wird.

Die markanten Felsen rund um den Teich, die sonst nur einen kleinen Teil, ihren Rücken, preisgeben lagen in diesem August gänzlich frei – sogar die, die sonst metertief unter Wasser lagen und nie das Tageslicht erblickten.
Auch in anderen Talsperren, für deren Errichtung teils ganze Dörfer umgesiedelt wurden, traten alte Gebäudeteile und Grundmauern wieder hervor. Gespenstische Anblicke, die man nur selten genießen kann.

Davon unbeeindruckt lassen wir unser Auto am Parkplatz westlich der Überfahrt stehen und begeben uns auf den Rundweg, welcher trotz allem eine tolle Wanderung bietet.
Von Beginn an kann man ganz am Ufer spazieren und je nach Wasserstand mehr oder weniger der bekannten, weil markanten Felsen bestaunen. Immer wieder muss ich anhalten, um zu fotografieren. Bei Niedrigwasser ist der Anblick des steil abfallenden Ufers mit den, wie aufgeschichtet daliegenden Felsblöcken interessant. Bei normalem Wasserstand mache ich mit entsprechenden Filtern vor dem Objektiv Langzeitbelichtungen der Felsen, so dass das Wasser um diese herum absolut seidig weich erscheint. Schöne Bilder zum Entspannen.
Für solche Aufnahmen wähle ich zuerst einen Polfilter. Diesen setzte ich dazu ein, um entweder die Spiegelung aus dem Wasser zu nehmen, um zu zeigen, was sich unter der Wasseroberfläche verbirgt, oder, wenn es das Motiv verlangt, die Spiegelung zu verstärken. Dies kommt vor, wenn sich beispielsweise eine interessante Bergformation im Wasser spiegelt und diese dann schön klar auf das Bild soll.
Dann wähle ich zusätzlich einen oder zwei ND-Filter, um die Belichtungszeit auch am Tage so zu verlängern, dass für das fertige Bild mehrere Sekunden oder sogar Minuten belichtet wird. Dadurch kommt der weiche Look des Wassers ins Bild.

Nach ein paar hundert Meter zweigt der Weg nach Westen vom Ufer ab – es beginnt eine Zone mit besonderem Naturschutz, da hier Brutplätze der Wasservögel liegen. Ein kurzer Blick zurück lässt uns die imposante Staumauer erkennen und gibt die Sicht frei auf die Ingenieurskunst der früheren Zeiten.

Schnell erreicht man im weiteren Verlauf eine Weggabelung, die für uns auch schon den Umkehrpunkt bedeutet. An der Brücke über den Zulauf ist auch ein kleine Rastmöglichkeit, so dass sich die Mitnahme einer Brotzeit rentiert. Auf der Ostseite der etwa 30 ha großen Wasserfläche geht es wieder Richtung Staumauer zurück.

Hier ist es immer wieder erstaunlich, wenn man die Größenvergleiche zwischen den Wanderern und den Felsblöcken anstellen kann. Wie klein der Mensch doch ist, wenn man ihn mit der großen Urtümlichkeit der Natur vergleichen kann. Immer wieder wird mir bewusst, wie viel Wasser hier fehlt und somit – wie trocken dieser Sommer in Wirklichkeit war.
Das Fassungsvermögen des Oderteichs umfasst knappe 1,7 Millionen Kubikmeter! Rechne das mal in Wassereimer um…

… na ja, egal. Wer will schon wissen, dass es 1700 Milliarden 10 Liter Eimer sind? Unvorstellbar!

Teils über Holzbohlen, teils über frisch angelegte, gemulchte Wege führen uns die Wanderschilder wieder Richtung Süden, auf den Staudamm zu. Immer wieder laden Aussichtspunkte zum Verweilen und Genießen ein. Selbst wenn ausreichend Wasser im Teich ist hat man viele Gelegenheiten, die Seele baumeln zu lassen. Einfach mal hinsetzen und der Natur zuhören, was sie zu sagen hat. Das vielstimmige Vogelgezwitscher hat, meiner Meinung nach, in den letzten Jahren ziemlich nachgelassen. Da lohnt es sich schon in den wenigen Momenten, die wir haben, einmal genauer hin zu hören. Irgendwo zwitschert, plätschert oder quakt bestimmt etwas.

Zurück an der Staumauer, die immerhin beachtliche 17 m an Höhe misst, überqueren wir diese parallel zur Straße und erreichen so nach knapp 4,5 km wieder den Ausgangspunkt unseres Spaziergangs.

Übrigens entstanden hier auch meine „Selfies“, welche seit diesem Tag zu meinem Markenzeichen geworden sind. Mein Blick auf die Natur war in diesem Sommer 2018 das Sinnbild dafür, dass wir alle auf uns und die Natur besser acht geben sollten.

Ich hoffe, das es bei Dir in der Nähe auch etwas interessantes zu entdecken gibt und wünsche Dir für Ausflüge, Wanderungen und Spaziergänge gutes Wetter und für die Bilder die bei dieser Gelegenheit entstehen allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Durch das Hochmoor bei Torfhaus

Der Ort Torfhaus war ist die höchst gelegene Siedlung Niedersachsens. Jahrzehntelang war hier der beliebteste und beste Aussichtspunkt für die Westdeutschen um den höchsten Gipfel des deutschen Mittelgebirges, den Brocken, zu sehen. Riesige Richtfunkantennen sowie Sendemaste für Rundfunk- und Fernsehsignale sicherten in den Zeiten des kalten Krieges den Nachrichtenfluss und die Telefonverbindung zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik Deutschland. Zum Abhören des grenzüberschreitenden Telefonverkehrs hat die russische Besatzung auf dem Brocken schließlich Spionageanlagen errichtet und diese mit einer meterhohen Betonmauer gegen unerwünschte Blicke verwehrt.

Heute führt ein herrlicher Naturkundepfad durch dieses Hochmoor. Immer wieder kommt der Brocken in seiner ganzen Pracht in unser Blickfeld. Herrliche Wollgrasbüschel, Moose und andere Moorpflanzen säumen den Weg. Stellenweise wurde ein Holzbohlensteg direkt über das Moor gebaut, so dass die Erlebnisse besonders intensiv werden können.
Allerdings wird der Blick oft auf die abgestorbenen und teils wild verstreut liegenden Bäume gelenkt. Im Nationalpark Harz wird nach dem Prinzip vorgegangen, dass der Mensch nicht mehr in den Lauf der Natur eingreift und so darf man schon mal erschrecken, wenn es hier mitunter wild aussieht.

Die immer trockener werdenden Sommer machen auch vor dem Nationalpark nicht halt. So kommt es, dass in der eigentlich regenreichen Region jetzt auch der Borkenkäfer und Pilzbefall dem Baumbestand arg zusetzt. Und hier auf der Runde kann man sich davon aus nächster Nähe ein Bild davon machen.

Wer auch immer wieder vorkommt ist der Luchs. Immer wieder werden der wieder heimischen Wildkatze Denkmäler errichtet. Auf dem Weg von Torfhaus nach Bad Harzburg wurde ein Luchsgehege samt Beobachtungsplattform an der sog. Rabenklippe errichtet, auf der man auch der Fütterung der „Raubtiere“ beiwohnen kann. Rund 200 Jahre nach ihrer Ausrottung hat 1999 das Land Niedersachsen die Wiederansiedlung der Katze beschlossen. Der wunderschöne Luchs sollte in seine alte Heimat, den Harz zurückkehren und das scheint heute gelungen zu sein.

Der Rundweg durchs Hochmoor kann, dank der guten Anbindung an das vorhandene Wanderwegenetz beliebig ausgedehnt oder auch verkürzt werden. Sonniges Wetter mit schöner Fernsicht auf den Brocken macht die Anstrengungen natürlich angenehmer. Man kann auch von hier aus über den sog. Goetheweg die Brockenbesteigung zu Fuß anstreben und anschließend beispielsweise mit der Brockenbahn Richtung Wernigerode den Rückweg antreten. Der Fantasie und Wanderlust sind im Harz nahezu keine Grenzen gesetzt.

Was an der Aussicht von Torfhaus zum Brocken natürlich auch sehr gelegen kommt, ist das Licht am Morgen zum Sonnenaufgang. Wer sich früh genug aus dem Bett quälen kann und hier hochfährt, der wird hinter dem Torfhaus Nationalpark-Besucherzentrum am Beginn des Fusswegs mit einer tollen landschaftlichen Komposition belohnt, welche in keinem Portfolio fehlen sollte.

Die führende Linie des Weges lenkt den Betrachter ins Bild hinein – direkt auf den markanten Gipfel des Brockens hin, so dass das Bild eine enorme Tiefe erhält. Hier sind alle Elemente einer starken Komposition vorhanden – ein Vordergrund mit dem Weg und den flankierenden Felsen und dem Geländer, eine Bildmitte mit den einzelnen Stufen der bewaldeten Hügel und ein starker Hintergrund mit dem bekannten Gipfelabbild und der imposanten Färbung des morgendlichen Himmels.
Selbst den größten Morgenmuffel sollte bei diesem Anblick in freier Natur eine kleine Gänsehaut heimsuchen.

Für Wanderungen wie diese wünsche ich Euch, wie immer, nur das beste Wetter und für Eure Bilder, die dabei entstehen, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Das Bodetal bei Thale

Thale ist rund um die Walpurgisnacht Mekka der Hexen und Magier. Hier liegt der berühmt berüchtigte Hexentanzplatz von dem aus der Sage nach die alten Weiber auf ihren fliegenden Besen in Richtung Brocken starten um dem Teufel zu huldigen. Rund um den Bahnhof in Thale kommt alles zusammen. Hier sind die Parkplätze angelegt und auch der Eingang zur Thale Erlebniswelt mit Hochseilgarten, Seilbahnen und Infopavilliions.

Und hier tritt die Bode aus dem Harz heraus und ergießt sich über Quedlinburg bis in die Magdeburger Börde. Das Bodetal ist wildromantisch und beherbergt noch eine weitere Sage. Gegenüber dem Hexentanzplatz besteht der Aussichtspunkt um den eine märchenhafte Geschichte erzählt wird.
Demnach verfolgte einst Ritter Bodo von Böhmen die Königstocher Brunhilde, die auf ihrem Schimmel vor der ungewollten Vermählung floh. Just an der Stelle setzte die Prinzessin zum Sprung über die Schlucht an und überwand den Abgrund unter Verlust ihres Krönchens. Der Verfolger stürzte in die Tiefe und wurde in einen schwarzen Hund verwandelt, der seitdem die Krone bewacht. Zudem gab der Ritter dem Fluss seinen heutigen Namen. Im Fels ist bis heute der Abdruck des Pferdehufs zu bestaunen – so stark war das Tier bei seinem Absprung gegen den Granit getreten. Unten im Tal kann man heute in der Gaststätte Königsruhe eine kleine Brotzeit genießen und sich dem Flair dieses reizvollen Abschnitts hingeben.

Der einfache Wanderweg folgt der Bode mehr oder weniger stetig. Im Bereich der Teufelsbrücke müssen einige Steigungen überwunden werden, so dass der Weg etwas oberhalb des Bachlaufes entlangführt. Wer möchte und gut zu Fuß ist kann die Strecke bis Treseburg laufen und von dort mit dem Bus wieder nach Thale zurückfahren.

Ich habe die zahlreichen Gelegenheiten dazu genutzt, um wieder einmal Langzeitbelichtungen zu machen. Hierfür ist natürlich ein Stativ unbedingt erforderlich, da es unmöglich ist die Kamera so lange still zu halten. Alternativ kann die Kamera auch auf einer Brüstung oder Felsblock oder Ähnlichem abgelegt werden – dann sind allerdings die Möglichkeiten stark limitiert.

Ich verwende hauptsächlich Rechteckfilter mit 100 mm Breite. Um die Spiegelung des Wassers etwas abzumildern verwende ich in fast allen Fällen einen Polfilter. Mit diesem lese ich dann die erforderliche Belichtungszeit an der Kamera ab und setzte dann zusätzlich, nach Bedarf, noch Neutraldichtefilter (ND-Filter) davor.

So komme ich schnell auf Belichtungszeiten zwischen einer und vier Sekunden, was für den von mir gewünschten Effekt sehr gut ausreicht.

Ich wünsche Euch für die Wanderung gutes Wetter und für die Bilder allzeit gutes Licht!

Werner Kutter