5 Tipps für bessere Fotos


Wer kennt sie nicht – Tipps für bessere Kameras, Ausrüstung, Bücher und Workshops. Eins haben sie alle gemeinsam: Sie kosten Geld. In diesem Beitrag möchte ich Euch fünf Tipps näher bringen, die erstens nichts kosten und zweitens trotzdem viel bringen wenn es darum geht seine Skills zu verbessern. Los gehts:

1 Vorausplanen:

Gute Planung ist unerlässlich. Nicht nur die Wettervorhersage, sondern auch die Anfahrt und die Umgebung kann man vorab checken und kommt so besser und verlässlicher zum Ziel.
Bekanntlich ist ja der Morgen und der Abend die beste Zeit zum fotografieren selbst. Was spricht also dagegen, über die Mittagszeit schon mal vorab die gewünschte Location anzuschauen. Wo kann ich parken, wie lange laufe ich zu zum gewünschten Ort, wo sind die besten Stellen, um das Stativ und die Kamera aufzustellen? All diese Fragen lassen sich ohne Stress vorab klären, so dass man zur besten Zeit entspannt sein Equipment einrichten kann und gerüstet ist, sobald z. B, der Sonnenuntergang einsetzt.
Schon von zu Hause lässt sich vorausplanen. Über Programme wie z. B. Google Earth kann man schon vom Wohnzimmer aus mal einen Abstecher an den Urlaubsort machen. Oft sind schon Bilder eingestellt, so dass man sich mögliche Spots schon im Vorfeld notieren kann. Über Apps wie z. B, Photo Pills oder Sun Surveyor (beide gibt es auch als kostenlose Versionen mit geringerem Programmumfang) können im Voraus die Zeiten für Sonnenaufgang und -untergang erfasst und auch der Sonnenstand vor Ort angeschaut werden. (siehe auch Beitrag: Nützliche Apps für Fotografen)
2. In RAW fotografieren:
Zum Thema Nachbearbeitung selbst habe ich schon einen Beitrag geschrieben (Pro und Contra Nachbearbeitung). Deshalb hier nur nochmal kurz quasi als Zusammenfassung:
In der digitalen Zeit findet immer eine Nachbearbeitung statt. Entweder wir überlassen dies der Kamera und fotografieren im Dateiformat jpeg, oder wir übernehmen diese Arbeiten selbst. Es darf also niemand behaupten, seine Bilder sind nicht bearbeitet, denn zumindest die Kamera, mit der ihr die Bilder aufnehmt,  bearbeitet und komprimiert die Bilder im jpeg-Format.
Wer der Kamera nicht die Entscheidung überlassen will, welche Bildbereiche wie bearbeitet werden, der muss schon selbst Hand anlegen. Um hierfür die best möglichen Voraussetzungen zu haben, der sollte im sog. RAW-Modus oder RAW-Format fotografieren. Dann nämlich werden die Rohdaten auf die Speicherkarte geschrieben und keinerlei Manipulation vorgenommen.
Im ersten Moment sehen die Bilder erschreckend flau aus – was daran liegt, dass die kamerainterne Bearbeitung ja vermieden wurde.
Hier sind jedoch alle Reserven enthalten, um selbst zu einem überaus ansehnlichen Ergebnis zu kommen. Die Kamera geht nach Schema F vor und bearbeitet das Bild mit den voreingestellten Parametern immer gleich und komprimiert ziemlich stark, so dass nachträgliche Änderungen meist nicht mehr spurlos möglich sind. Auch Bildteile, die wir gerne separat behandeln würden (z. B. den Himmel abdunkeln u. ä.) werden genau gleich wie alles andere bearbeitet.
Eine selektive Bearbeitung, welche in der Regel zu einem ausgewogenerem Ergebnis führt, kann nur von uns selbst durchgeführt werden. Denn nur der Fotograf selbst weiß, wie intensiv die Farben wirklich waren und welche Bildinhalte eventuell besonders herausgestellt werden sollten.
3. Tiefe position wählen:
Unser ganzes Leben betrachten wir immer alles auf Augenhöhe. Denn die Augen können wir nicht auf den Boden legen, um mal einen anderen Blickwinkel einzunehmen.
Aber unsere Kameras können wir doch aus der Hand legen! Probiert es doch beim nächsten mal gleich aus. Legt die Kamera auf den Boden, auf einen Felsen oder Baumstumpf o. ä. Ihr werdet überrascht sein, wie ungewöhnlich schön dann die Aufnahmen werden. Der Wow-Effekt stellt sich sofort ein, da diese Sichtweise nicht unserer Normalansicht entspricht.
Ganz besonders ansprechend sind auch Bilder von Bächen dicht über dem Wasserspiegel – der Betrachter fühlt sich hier sofort so, als wäre er mittendrin statt nur dabei!

4. Trips rund um Neumond:
Gerade für Nachtaufnahmen mit Sternenhimmel empfiehlt es sich, genau den Mondkalender zu studieren. Rund um Neumond sind die Sterne und die Milchstraße deutlich besser zu sehen, als zu den übrigen Mondphasen.
Das Licht, welches vom Mond reflektiert wird, ist in der Tat so stark, dass neben der störenden Straßen- und Gebäudebeleuchtung unserer Städte auch dieses dazu führt, dass das Sternenzelt nicht in seiner ganzen Pracht wahrgenommen werden kann.
Wer also nicht gerade den Vollmond ablichten will, dem sei geraten er solle die 5 Tage rund um Neumond nutzen, um wunderbare Nachtansichten des Alls zu erhalten.
 5. Früher vor Ort sein, als andere:
Mit dem letzten Tipp schließt sich quasi der Kreis. Er hängt unmittelbar mit dem ersten Tipp zusammen – der Planung.
Viele interessante Plätze werden natürlich auch von anderen Fotografen und Schaulustigen besucht. Deshalb ist bei der ganzen Planung immer zu berücksichtigen, dass wir früher da sein sollten, als die Anderen. Nur dann haben wir freies Feld und können uneingeschränkt entscheiden, wo wir uns hinstellen, um die vermeintlich beste Position für das Bild der Bilder zu erhalten. Generell gilt: mindestens 30 Minuten vor Sonnenaufgang da zu sein, sollte das Minimum sein, was anzustreben ist. Ausreichend Zeit im Vorfeld einplanen ist ein Muss, das um so schwerer wiegt, um so beliebter der Spot ist. Vielleicht kommt man ja nur ein mal im Leben genau hier vorbei. Oder während des Urlaubs lässt das Wetter nur einen Abend für das ultimative Sonnenuntergagsbild zu. Schade wer hier zu spät kommt und immer störende Menschen im Bild hat.

Ich hoffe, es war wieder einmal was für den Einen oder Anderen dabei und Ihr könnt es direkt umsetzen. Ich verbleibe derweil mit den besten Wünschen nach allzeit gutem Licht.
Werner Kutter

Am Scheideweg

Früher oder später ist es bei jedem soweit. Man stellt fest, dass man auf der Stelle tritt und sich nicht mehr so recht motivieren kann. Die anfänglichen Fortschritte werden kleiner und durch das ganze Wissen, welches man sich angeeignet hat, wird die Messlatte für die eigenen Bilder immer höher gelegt. Man hat die Anfängerfehler hinter sich gelassen. Du fotografierst nicht mehr nur auf Augenhöhe (fast alle Anfänger schießen alle ihre Fotos aus ein und der selben Position: Hinstehen, Kamera vor’s Gesicht und abdrücken), legst Dich auch mal hin, gehst wenigstens in die Hocke oder steigst irgendwo drauf um eine neue Position und eine nicht alltägliche Perspektive zu finden. Und jetzt hast Du den Eindruck, dass die Bilder eher schlechter anstatt besser werden.

Ich habe das alles auch durch gemacht. Höhen und Tiefen wechslen sich ab. Ich habe gelesen, Videos geschaut und immer gedacht: So tolle Bilder möchte ich auch mal machen. Je mehr Theorie man sich aneignet, um so mehr steigt der Anspruch und um so enttäuschter ist man, wenn man den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird. Das ist ganz normal! Wenn wir erst mal anfangen uns zu verbessern, kommt automatisch auch ein Punkt, an dem wir glauben, dass es nicht mehr weiter voran geht.

Zuerst einmal muss man wissen, dass auch die besten der Besten nicht „Das Eine Foto“ einfach so im Vorübergehen schießen. Oft sind tage- und monatelange Vorbereitungen und stundenlanges Probieren und Justieren dem eigentlichen Bild voraus gegangen. Von tausenden „Versuchen“ kommt vielleicht nur ein Top-Bild zustande. Man muss erheblich mehr Fotos machen, um ein gutes Bild zu erhalten. Und das geht uns allen so – auch den bestbezahlten Profifotografen! Dessen muss man sich erst mal bewusst werden und darüber wird viel zu selten geschrieben.

Man braucht viel Geduld, denn wenn man sich zurück erinnert, wird man feststellen, dass wir z. B, das Rechnen auch nicht innerhalb eines Wochenendes gelernt haben. Wir sind alle o um die 10, 12 Jahre zur Schule gegangen und haben immer wieder gelernt, geübt und  wiederholt, bis wir schließlich die Prüfung geschafft haben. Warum also glauben wir, dass eine teure Kamera uns über Nacht zum Starfotografen macht? Ja, es bedarf des Lernens und vielleicht auch ein bisschen Arbeit, um sich die Fähigkeiten anzueignen. Die wenigsten sind so große Talente, dass über Nacht die ganz großen Aufträge kommen und diese erfolgreich abgearbeitet werden können.
Ich „gönne“ mir beispielsweise jedes Jahr einen VHS-Fotoworkshop. Der kostet nicht die Welt, bringt aber immer neuen Input und Kontakte zu Menschen, die auch gerne fotografieren. Zur Zeit schaue ich mich  nach einer Fotoreise nach Island um. Ich weiß, dass ich da noch eine Weile sparen muss, aber ich habe mir vorgenommen jetzt lieber darauf zu sparen, als eine neue Kamera zu kaufen.

Eine teure Kanera macht aus einem alten,hässlichen Haus auch kein Empire State Building. Das Haus bleibt hässlich und alt, egal wieviel ich für meine Ausrüstung und Ausbildung ausgebe. Ich muss schon auch zu den tollen Orten gehen, um die tollen Bilder zu bekommen.
Hört auf, immer mehr Zubehör oder immer neuere und vermeindlich bessere Kameras zu kaufen. Investiere in Fotografie nicht in Material zum Fotografieren. Geh raus und fotografiere!
Anstatt in Kameras und Objektive zu investieren, geb‘ das Geld lieber dafür aus, zu interessanten Orten zu reisen. Joe McNally hat einmal gesagt: If you want to photograph more interesting things you have to stay in front of more interesting things. Verlasse die Komfortzone – geh raus – reise – erlebe was. Die Niagarafälle kann man hier zu Lande nun mal nicht vom Wohnzimmerfenster aus fotografieren! Da muss man schon nach Nordamerika. Es muss ja nicht gleich eine Weltreise sein – der nächste Sonnenaufgang an einem Weiher in Deiner Umgebung hat auch einen großen Reiz.

Sei Dir bewusst, dass gerade in der Landschaftsfotografie die besten Bilder nur früh am Morgen oder Abends bei oder nach Sonnenuntergang entstehen werden. Das ist das harte Los, aber es lohnt sich.

Ich werde nie das unbeschreibliche Kribbeln vergessen, dass mich bei meinem ersten Sonnenaufgangs-Shooting in Österreich am Mondsee beschlich. Als die ersten Sonnenstrahlen an den Berghängen entlang sich Richtung See aufmachten, mir den neuen Tag zu bringen und das dunkle Blau der Nacht zu vertreiben – da bekomme ich heute noch Gänsehaut.

Und irgendwann kommt dann der Tag, an dem Du mit Deiner Art der Fotografie und Bearbeitung zufrieden bist. Du fragst Dich nicht mehr, ob Du alles richtig machst, wie in den Lehrbüchern beschrieben oder wie diie Anderen immer sagen. Nein, Du bist so zufrieden,  so wie Du es machst. Denn Du hast Deinen eigenen Stil entwickelt und bist jetzt genau so gut, wie Du immer sein wolltest.

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass Ihr die Zeit nutzt, um mehr zum fotografieren zu gehen und wünsche Euch für diese Vorhaben wie immer allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Nachbearbeitung pro & contra

Immer wieder wird mir die Frage gestellt:
„Sind deine Bilder bearbeitet?“
Die Antwort ist so simpel, wie ehrlich: Ja, sind sie.
Und heute möchte ich erklären, warum das so ist:

Selbst die alten Meister der Analog-Zeit haben Retusche, Beschneidung und Nachbelichtung betrieben. Wer ein wenig im Internet recherchiert wird herausfinden, das und wie selbst Schwarzweiß-Bilder der Ikonen der Fotografie vor über 50 Jahren nicht nur entwickelt sondern auch bearbeitet wurden.

Vielleicht sollte ich vor diesem Hintergrund auch wirklich nicht mehr von der Bearbeitung sprechen, sondern auch eher von einer Entwicklung meiner Bilder. Ich bin jetzt nicht der Spezialist für Composing und Fantasy-Bilder – ich liebe es eher die Umgebung möglichst detailliert und farbenfroh darzustellen.

Moderne Kameras (nicht nur Spiegelreflexkameras auch Handys) sind in der Lage ein digitales Negativ aufzunehmen – das sog. RAW-Format. In diesem Format sind nur die reinen Farb- und Hellingkeitsinformationen jedes einzelnen Pixels des Chips gespeichert – ohne kamerainterne Komprimierung. Deshalb sind diese Dateien auch größer als die JPEG-Bilder, die schließlich gedruckt oder veröffentlicht werden.
Ein JPEG-Bild direkt aus der Kamera wurde bereits durch die interne Software des jeweiligen Kameraherstellers bearbeitet. Es wurden beispielsweise, je nach Voreinstellungen (sog. Picture-Styles) der Kontrast angehoben, die Sättigung der Farben optimiert und das Bild insgesamt geschärft.
Im Endeffekt ist jedes Bild, wenn man so will,bearbeitet. Die Kamera nimmt einem die Arbeit zwar ab, aber man hat selbst wenig Einfluss darauf, was im Einzelfall passiert.

Programme wie z. B. Adobe Lightroom oder Photoshop überlassen es dem Benutzer, wie er welche Bildteile bearbeiten will. Ein JPEG-Bild ist komprimiert. Das bedeutet, dass die Datenmenge begrenzt wurde auf die Bildteile von denen die Kamera dachte, dass sie wichtig sind.
Wenn jedoch ich, als Fotograf oder auch Künstler, einen ganz bestimmten Look erzeugen will oder nur ganz bestimmte Bereiche eines Bildes hervorheben oder abdunkeln möchte, dann bleibt mir nichts besseres übrig, als selbst Hand anzulegen. Am meisten Informationen steckt hierfür natürlich in der unkomprimierten RAW-Version der Aufnahme. Und hier werden wir auch schon wieder von der Kamera getäuscht. Die Anzeige auf der Rückseite ist nämlich auch eine JPEG-Version des Bildes – es sieht oft toll aus, farblich ansprechend und knack scharf.
Zu Hause am PC überrascht uns die Datei dann aber mit einer total flauen, unschön wirkenden Version des Gesehenen. Hier greift jetzt das zuvor geschriebene: Das RAW-Bild ist definitiv unbearbeitet und benötigt ein wenig Anstrengung unsererseits.

Hier als Beispiel eine Langzeitbelichtung vom Lechfall bei Füssen:

So kommt das Bild unbearbeitet aus der Kamera…

Wenn wir nur ein klein wenig mit den Reglern spielen kann das Ergebnis gleich viel kraftvoller aussehen. Das Ganze dauert keine 5 Minuten und dieses Ergebnis ist der wohl verdiente Lohn:

Hierzu ist lediglich Lightroom erforderlich. Keine komplizierten Ebenenmasken u. ä. in Photoshop oder die Verwendung von Plugins.
Folgende Einstellungen habe ich gewählt, um das flaue Negativ in ein ansehnliche Bild zu verwandeln:
Zuerst habe ich die Farben etwas kräftiger betont in dem ich den Kamerastil im Abschnitt Kamerakalibrierung auf „Landschaft“ gesetzt habe.
Dann gehe ich immer auf die Palette „Grundeinstellungen“ und kümmere mich um die generelle Wahrnehmung des Bildes.
Hier gehe ich fast immer mit den Lichtern runter und helle die Schatten (Tiefen) etwas auf. Wenn hier zu stark aufgehellt wird kann das Bild in diesen Bereichen ein starkes Rauschen zeigen. Kontrast, Dynamik und Details lasse ich fast immer bei +15 stehen. Jeder muss hier für sein Kamera-Objektiv-Duo die passenden Einstellungen finden – bei mir funktioniert es mit +15 gut.
Zum Schluss setzte ich noch den Weiß- und den Schwarz-Punkt, um dem Kontrast noch den letzten Punch zu geben. Kontrolliert hierbei immer das Bild selbst und auch das Histogramm, ob es irgendwo Bereiche gibt, in denen die Lichter ausbrennen oder die dunklen Bereiche absaufen.
Die nächsten Schritte sind wieder einfacher:
Bei der Gradationskurve stelle ich den Graph auf „mittleren Kontrast“.
Bei Details habe ich mir eine Grundeinstellung gespeichert, welche bei Landschaftsfotos gut passt:  Schärfe auf 80, Radius 0,8 und die Details auf die Hälfte von der Schärfe – in diesem Fall 40. Mit der Maskierung wähle ich dann bei gedrückter ALT-Taste einen Wert, bei dem die Flächen nicht geschärft und somit nur Kanten und Komturen hervorgehoben werden. Sollte es Rauschen geben, wähle ich eine Einstellung bei der Rauschreduzierung, die in Summe mit der Schärfe den Wert von 100 nicht übersteigt. Hier wäre 20 das Maximum, jedoch ist für dies Bild keine Korrektur notwendig.
Eine Vignette ist Geschmackssache, ich nehme eine Leichte mit einem Wert zwischen 10 und 15 im Feld „Effekte“.
Die Objektivkorrekturen sind bei mir immer an. So werden Verzerrungen automatisch beseitigt und die chromatische Aberration lasse ich auch vom Programm heraus rechnen.
In seltenen Fällen, wenn es stürzende Linien zu sehen gibt, versuche ich über die Funktionen im Bereich „`Transformieren“ eine Besserung zu erzielen.

Bestimmte Einstellungen, welche immer wieder gleich vorgenommen werden, habe ich als Voreinstellung gespeichert, welche ich bereits beim Import auf die Bilder anwende und so viel Zeit sparen kann.

Wer fleißig ist und noch mehr heraus holen will, dem sei empfohlen eine Belichtungsreihe mit mindestens 3 unterschiedlichen Belichtungen aufzunehmen. In diesem Fall habe ich eine normal belichtete mit einer 2 Stufen über- und einer 2 Stufen unterbelichteten Aufnahme zu einem HDR verrechnen lassen. Dies macht Lightroom mittlerweile sehr gut, wobei der Schwerpunkt auf einer möglichst natürlichen Darstellung liegt.

Unschwer ist zu erkennen, das hiermit nochmal deutlich mehr Details aus der Aufnahme herausgearbeitet wurde.
Für dieses Ergebnis habe ich jedoch eine Bearbeitung in Photoshop mit Verwendung eines Plug ins auf die Grundentwicklung in Lightroom oben drauf geschlagen.

Ich hoffe, ich konnte hiermit zeigen, dass eine Bildbearbeitung Sinn macht und nicht immer als „Manipulation“ verteufelt werden sollte. Jedes Bild, welches in den Medien erscheint, ist bearbeitet. Macht Euch das immer klar. Die Bearbeitung ist erforderlich, da ein RAW-Foto keine Leser zum Kiosk rennen lässt.

In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Spaß bei der Bildbearbeitung und allzeit gutes Licht beim Fotografieren.

Werner Kutter

Anfängerfehler Teil 2


Weiter geht’s und keine Angst, es tut nicht weh – ich habe das alles am eigenen Leib erfahren und fotografiere heute immer noch!

3. zuviel Theorie

Ich war lange Zeit der irrigen Meinung, ich müsste nur noch das nächste Buch oder die neueste Zeitschrift lesen, um besser zu werden.
Das stimmt definitiv nicht!
Du wirst nicht besser nur durch mehr lesen oder mehr Videos sondern allein durch mehr Fotos! Vergeude also nicht zuviel Zeit zu Hause beim Lesen. Gehe raus und fotografiere!
Bitte nicht falsch verstehen – grundlegende Informationen braucht jeder.
Das Kamerahandbuch z. B. sollte man sich schon einmal durchgeschaut haben, um einen Überblick über die Menüs und Knöpfe an seinem Apparat zu erhalten. Besser noch, man besorgt sich ein Kamera-Buch, geschrieben von einem Fotografen. Der erklärt die trockene Materie anhand von Praxisbeispielen und ist meist besser, als die eingedeutschten Beschreibungen der Hersteller. Auch wichtig sind die Grundlagen der Bildgestaltung und Fototechniken. Vieles davon wird im Laufe der Zeit hier Thema werden. Am besten dabei bleiben und an jedem Samstag gespannt sein, was das nächste Kapitel bringt!

Dein zukünftiges Motto sollte sein:
Das Fotografieren selbst lernt man jedoch am Besten durch das Fotografieren.
So einfach ist das.

Ich gönne mir beispielsweise mindestens einmal im Jahr einen Workshop – und wenn es auch „nur“ ein VHS-Kurs ist – egal! Du bekommst neuen Input – neue Ideen – lernst neue Leute kennen und siehst was und wie andere fotografieren. Man sieht andere Perspektiven und Bildausschnitte. Vor allem aber konzentriert man sich auf die eine Sache: Fotos machen. Und gerade bei der örtlichen VHS kostet es nicht die Welt und bringt jede Menge Spaß. Wenn man dann das erste Mal mit richtig guten Bildern heim kommt – das motiviert ungemein!
Wie für alles im Leben gilt auch bei der Fotografie: man lernt nie aus! Und für Aus- und Weiterbildung ist es nie zu spät und für dieses Hobby ist man auch nie zu alt.

Heute im Zeitalter der digitalen  Kameras kostet die „Lehrzeit“ nicht mehr viel Geld und Zeit. Man muss nicht mehr eine Woche warten, bis der Film voll und entwickelt ist, um zu sehen, dass dreiviertel der Bilder Ausschuss sind. Es ist ein unglaublicher Vorteil, gleich nach den Aufnahmen das Ergebnis am PC zu sehen und seine Lehren daraus zu ziehen. Es macht nichts mehr aus, wenn eine Blume oder ein Baum hundert mal aus den verschiedensten Positionen fotografiert wird – man muss es ja keinem zeigen. Es zählt nur das eine Bild – das Bild welches scharf, richtig belichtet und gut komponiert ist.
Dieses Bild wird stolz gezeigt!

4. Die Wahl der Perspektive

Wie schon einmal erwähnt ist die Wahl des Aufnahmestandpunktes oft von entscheidender Bedeutung. Die gewöhnliche Ansicht auf Augenhöhe ist oft wenig spannend, da wir tagtäglich so unterwegs sind. Es tritt schon ein gewisser „Gewöhnungseffekt“ ein.
Warum nicht mal auf den Boden legen? Oder auf eine Bank oder Treppe steigen? Natürlich dürfen wir hier keine unnötigen Risiken eingehen und z. B. in den Bergen die befestigten Wege verlassen, um ungesichert irgend welche Felsen zu besteigen. Aber neue, nicht alltägliche Sichtweisen überraschen uns immer wieder und machen die Bilder gleich viel interessanter.

Ich hätte das Gebäude auch ganz normal aufnehmen können, doch so habe ich mehrere Gestaltungskomponenten genutzt. Die Schiene am rechten Bildrand zieht den Blick als Führungslinie geradezu ins Bild hinein und gibt dem Foto mehr Tiefe. O.k., das Bild an sich ist jetzt nicht der Brüller, jedoch demonstriert es für mich ganz ansehnlich, dass mit dem Wechsel in die Froschperspektive oft auch Hilfslinien gefunden werden können, welche das Bild plastischer erscheinen lassen.
Wir dürfen nie vergessen, dass das Fotografieren eine dreidimensionale Szene auf ein zweidimensionales Medium zusammenstaucht. Um tiefgängige Bilder entstehen zu lassen, sind solche Hilfsmittel unabdingbar.

Also öfter mal auf den Boden schmeißen und dann abdrücken. In diesem Sinne wünsche ich Euch einen trockenen Untergrund und allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Fehler, die (fast) jeder zu Anfang macht…


…ich übrigens auch!

Gerade in der Anfangszeit ist es eher Knipserei als Fotografie. Aber es ist gut so. Vieles kann man erst lernen, wenn man mal die Fehler gemacht und erkannt hat. Fehler machen ist also gut – wenn man auch aus ihnen lernt. Immer noch besser zu fotografieren und Fehler machen, als Equipment kaufen und dann nichts unternehmen.

Einige der häufigsten Fehler habe ich mir aufgeschrieben und auch die Hilfe dazu, möglichst daraus zu lernen und sie zukünftig zu vermeiden. Hier im ersten Teil habe ich zwei Dinge aufgeführt, die jeder mit der Zeit bemerken wird. Einiges muss man jedoch erst mal gesagt bekommen, um sie überhaupt als Fehler wahr zu nehmen. So ging es mir lange Zeit mit dem Ersten:

  1. schiefer Horizont

    In meiner Anfangsphase habe ich das wirklich nicht als störend wahr genommen. Erst als man mich immer wieder darauf hinwies hat sich mein Blick dafür geändert  Wenn ich heute bei Instagram oder 500px durch die Bilder scrolle stechen mir diese Bilder regelrecht ins Auge – ich glaube ich bin mittlerweile allergisch dagegen.
    Jeder, der irgendwann mal als Fotograf ernst genommen werden will sollte unbedingt auf dieses Detail achten. Man kann den schönsten Sonnenuntergang am Meer einfangen – wenn das Wasser aus dem Bild auszulaufen droht, wird keiner dem Bild ein „like“ da lassen. Sobald die Horizontlinie im Bild zu sehen ist, sollte sie gerade sein. An besten gleich beim Fotografieren darauf achten, denn später bei der Bildbearbeitung kann sich durch die Beschneidung beim gerade richten die gesamte Bildwirkung ins Negative verändern.
    Am einfachsten also eine kleine Wasserwaage auf den Blitzschuh stecken, die Libelle im Stativ nutzen, um dieses gerade auszurichten, die Gitternetzlinien im Live-View-Modus einblenden lassen oder, sofern vorhanden, die Wasserwaage der Kamera nutzen und nie wieder schiefe Bilder machen.

    Glaub mir, irgendwann kommt der Tag an dem Du beginnst Dich furchtbar über schiefe Horizonte zu ärgern und ja, auch Hobbyfotografen nehmen ihre Bilder ernst.
  2. zu wenig Zeit nehmen
    Genz lange Zeit habe ich geglaubt, dass die Profis ein Motiv sehen, die Kamera aufbauen, abdrücken und fertig. Maximal 2-3 Aufnahme, dann ist die Szene im Kasten war meine Annahme.
    Falsch gedacht!
    Fotografie hat viel mit Geduld und ausprobieren zu tun. Selbst der Profi macht manchmal über hundert Bilder, bis das eine dabei ist, das er verkaufen kann. Oft kommt er an mehrerenTagen nacheinander zu ein und derselben Stelle, bis alles so passt, wie er es sich vorstellt.
    Ich habe bei mir fest gestellt, dass ich zweierlei Arten von Fotos mache.
    Einmal die, wenn ich beim Wandern bin und im Vorbeigehen ein paar Schnappschüsse mache. Das sind dann auch wirklich Schnappschüsse. Gute Bilder auf die Art zu machen ist reine Glückssache. Oft ist da dann zu wenig Zeit, um mehr zu probieren, andere Aufnahmewinkel zu testen und einfach mehr Möglichkeiten auszuschöpfen. Und zu Hause ärgere ich mich dann, weil ich feststelle, dass vielleicht nur ein halber Meter weiter zur Seite das Bild viel besser ausgesehen hätte.

    Scott Kelby (amerikanischer Fotograf und Photoshop-Guru) sagte in einem Onlinekurs: „You have to work the Scene.“ – Du musst die Situation bearbeiten. So lange, bis das bestmögliche Ergebnis, sprich Bild, heraus kommt.
    Das bringt mich zur zweiten Art Fotos:
    Wenn ich nicht zum Wandern sondern zum Fotografieren gehe. Ich bereite mich dann auf die Bilder vor. Ich schaue mir an, wo interessante Motive lauern, wann der beste Sonnenstand ist – Infos die sich jeder leicht im Internet beschaffen kann. Wenige Minuten (vielleicht mal eine halbe Stunde) Vorbereitung werden sich im Endergebnis auf jeden Fall auszahlen.
    Und dann vor Ort: Zeit lassen – aufs Fotografieren konzentrieren -die gesamte Szenerie aufarbeiten.
    Auch mal einen Schritt zur Seite gehen, irgendwo draufsteigen, auf den Boden legen – nicht immer nur auf Augenhöhe fotografieren sondern ungewöhnliche Perspektiven suchen und verwenden.

    Ich mache selbstverständlich noch diese typischen „Kamera-hoch-und-abdrücken-Schnappschüsse“. Die gehören auch immer noch dazu – aber das richtige Fotografieren wird trotzdem immer mehr… In diesem Sinne wünsche ich Dir für heute und die Zukunft allzeit gutes Licht!
    Werner Kutter