U-Bahn München 2018

Ich habe es wieder getan! Zum insgesamt vierten Mal war ich in München in der U-Bahn und habe fünf weitere Bahnhöfe fotografiert:

Josephsburg:
Der Bahnhof Josephsburg liegt in einer leichten Kurve und besticht durch das schöne, große Schachbrettmuster der Granitfliesen auf dem Fussboden.

Zusammen mit der (eigenwilligen) Beleuchtung hat dieser Bahnhof eine schöne Dynamik.

Die Deckenleuchten sind immer wieder durch bunte Glaslamellen unterbrochen, so dass das bunte Spiel der Farben für zusätzliche optische Reize sorgt.
Interessant sind die Bilder auch dann, wenn nicht alles scharf dargestellt wird. Durch die Beleuchtungssituation fällt es leicht, die Belichtungszeit so zu erhöhen, dass schöne verschwommene Züge oder geisterhafte Menschen auf den Fotos abgebildet werden. Das gibt die Dynamik wieder, welche an einem solchen Platz herrscht. Schließlich dient der U-Bahnhof ja der Fortbewegung – also darf diese Bewegung gerne auch einmal gezeigt werden.

Kreillerstraße:
Dieser Bahnhof ist dank der verwendeten großen Aluminiumplatten extrem hell.
Die Gestaltung ähnelt stark der ebenfalls hell erleuchteten Station Fürstenried West.
Die indirekte Beleuchtung wird dank der gewölbten Decke über den gesamten Bereich des Bahnhofs geleitet.
Vereinzelte Mosaike in den Seitenwänden lockern die metallisch anmutende Beplankung wieder auf und sorgen für Abwechslung an den Wänden.
Für die bestmögliche Bildwirkung sollte in solchen Fällen das Augenmerk auf die Symmetrie gelegt werden. Anhand der Einrichtung oder der Bodenfliesen lässt sich hier schön ein Mittelpunkt auf dem Bahnsteig finden. Und sollten einmal alle Stricke reißen und eine Rolltreppe allzu dominant in eine Ecke des Bildes ragen, dann hilft in letzter Not immer noch Photoshop. Die gute Seite des Bildes einfach gespiegelt über den Makel legen – wer nicht dabei war, weiß schließlich nicht, dass dort etwas störendes war.

Messestadt Ost:
Die Endstation der U2 hat bereits im Außenbereich ein sehenswertes Detail. Es befindet sich nämlich eine Sonnenuhr direkt vor dem Eingang zur U-Bahn, welche die Uhrzeit in ihrer trichterförmigen Umrandung anzeigt.
Im Inneren sind die bewährten Lichtbänder, welche dafür sorgen, dass überall ausreichend Beleuchtung vorhanden ist.
Da es sich hier um einen Endbahnhof handelt, ist das Aufkommen an Fahrgästen relativ gering, so dass entspannt fotografiert werden kann.

Messestadt West:
Mit seinen rostrot- und orangefarbenen Wänden lädt dieser Bahnhof ein, Bilder im Grungelook zu erstellen.
Der säulenlose Bahnhof, mit seinen blau schimmernden Oberlichtern, bietet die perfekte Spielwiese, um mit der Symmetrie der Architektur zu spielen. An der Ostseite ragen noch Fenster des eingebauten Cafes in den Bahnhof, so dass hier die Gleichförmigkeit gebrochen wird.
Fotografisch kann sowohl die Weite der Anlage im Querformat, als auch die Betonung der Farben und Formen im Hochformat genutzt werden.
In der Architekturfotografie ist es eigentlich verpönt, das Objektiv nach oben zu richten. Man will ja schließlich die sog. stürzenden Linien vermeiden. Es gibt keine Regel, die nicht auch gebrochen werden kann – vor allem, wenn es darum geht, Führungslinien zu erzeugen. Die in der Weite zusammenlaufenden Lichtbänder oder auch Seitenwände saugen den Blick des Betrachters förmlich in die Tiefe hinein. Eine bessere Methode die verloren gegangene Dreidimensionalität zu simulieren gibt es nicht.

Moosfeld:
Charakteristisch für diese Station sind die übergroßen Letter an den Wänden, die den Namen des Bahnhofs weithin sichtbar werden lassen.
An den gegenüberliegenden Wänden sind die Letter einmal rot in grau und einmal grau auf rot eingelassen.
Immer wieder reizt es mich, den einfahrenden Zug als „Geisterzug“ ins Bild zu bekommen. Dabei kann ich nicht einmal ein Rezept vorstellen, nach dem das sicher gelingt. Einfach probieren – wenn der Zug in die Station einfährt, den Auslöser betätigen und sich überraschen lassen, was die Kamera zu Tage bringt. Die Belichtungszeit sollte allerdings schon etwas länger sein, damit die Lichtspuren erscheinen können.
Die immer noch futuristisch anmutenden Leuchten passen perfekt zu dem modern gestalteten Bahnhof.
Dieser Bahnhof war wegen dem markanten Schriftzug für diesen Ausflug mein „must-have“. Trotz diverser Unannehmlichkeiten wegen dem eingeschränkten Betrieb dank der Baustelle Sendlinger Tor war es uns gelungen, der U2 bis zum Ende zu folgen und diese schönen Bahnhöfe einzufangen.

Ich hoffe, dieser Ausflug in den Münchener Untergrund hat wieder etwas Spaß gemacht. Ich habe nun 27 Stationen fotografiert und beschrieben. Von den insgesamt hundert Stationen habe ich also noch eine ganze Menge übrig, wenn sich auch nicht jede unbedingt lohnt, fotografiert zu werden.

Die früheren Beiträge findet Ihr unter:

U-Bahn-Fotografie: Grundsätzliches

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 1

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 2

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 3

U-Bahnhöfe Teil 4:

U-Bahnhöfe Teil 5:

Best of U-Bahn München

Sobald ich mich wieder auf den Weg mache, werde ich auch wieder davon berichten. Bis dahin wünsche ich Euch allen für Eure fotografischen Expeditionen allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Hinweis:
Die Beschreibungen der Stationen sind zum großen Teil an die Beschreibungen auf den  Internetseiten von https://www.u-bahn-muenchen.de/ angelehnt.

Was ist eigentlich ein HDR-Bild?

In diesem Beitrag möchte ich Euch erklären, was es mit dem Begriff „HDR-Bild“ auf sich hat.
Dazu werde ich als erstes erklären,  was das kryptische Kürzel für eine Bedeutung hat. HDR ist die Abkürzung für den englischen Begriff „High Dynamic Range“ was soviel bedeutet, wie grosser Dynamikumfang. Der Dynamikumfang beschreibt den Bereich zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Punkt einer Szene,  bzw. eines Bildes.
Das menschliche Auge ist in Zusammenarbeit mit unserem Gehirn hier jeder  Kamera bzw. dem Sensor in der Kamera weit überlegen.  Unsere Augen können einen Dynamikumfang von 20 Blendenstufen wahrnehmen.  Zum Vergleich: aktuelle Sensoren moderner Spiegelreflexkameras schaffen gerade mal 12 Stufen im unkomprimierten RAW-Modus und 8 Stufen im jpeg-Modus.
Daraus ergiebt sich, dass bei Motiven mit einer großen Bandbreite zwischen hellen und dunklen Bildteilen bei den Kameras Abstriche in kauf genommen werden müssen. Entweder die hellen Bereiche werden überbelichtet  (die Lichter sind ausgefressen) oder die dunklen unterbelichtet  (die Tiefen saufen ab). Soll heißen,  in den Lichtern sind Bereiche rein weiß,  ohne Zeichnung,  bzw. in den Tiefen sind Teile rein schwarz, ebenfalls ohne Informationen für eine Wiederherstellung.  Diese kann man am Computer mit Bildbearbeitungsprogrammen wie z. B. Lightroom versuchen. Werden hier jedoch die Lichter zu sehr zurück genommen,  werden diese Bereiche gerne grau und etwas „matschig „. Bei der Anhebung der Tiefen wiederum stellt sich schnell störendes Rauschen ein, welches ebenfalls ein gutes Bild unbrauchbar machen kann.
Was also tun, um einen möglichst großen Helligkeitsumfang in ein Bild zu bekommen? Hier kommt jetzt die HDR-Technik zum Einsatz. Lange Zeit war dieser Begriff Synonym für fast schon psychodelisch bunte Bilder, welche nichts mehr mit der natürlichen Wahrnehmung zu tun hatten.
Die Programme von damals (z. B. Photomatix oder HDR-Pro) berechneten so knallhart alles zusammen,  dass jegliche Natürlichkeit auf der Strecke blieb. Heute kann man in Lightroom die Bilder ganz „sanft“ verrechnen lassen, um z. B. anschließend die Tiefen ohne Rauschen aufhellen zu können und die natürliche Bildaussage nicht zu zerstören.
Wie ist also die Vorgehensweise,  um zu einem HDR-Bild zu gelangen?
Die besten Ergebnisse erzielt man natürlich vom Stativ aus, da mehrere Aufnahmen der gleiche Szene möglichst kurz hintereinander angefertigt werden müssen. Bei entsprechend kurzen Verschlusszeiten kann es durchaus auch „aus der Hand “ funktionieren,  sicherer ist es jedoch mit einem Stativ. Alle modernen Kameras bieten einen Modus, welcher sogenannte Belichtungsreihen erstellen lässt.  Meist ist der Modus bei den Belichtungskorrektureinstellungen und nennt sich „automatische Belichtungsreihe“, „AEB“ oder ähnlich.

Im Menü wird eingestellt,  wie viele Aufnahmen gemacht werden sollen. Standard wird meist 3 Bilder sein, es können fast immer auch 5, 7 oder sogar 9 Aufnahmen eingestellt werden. Hier muss bitte jeder in seiner Beschreibung der Kamera nachlesen,  wie genau diese Wahl getroffen wird. Beim  Einstellen des Modus wählt man dann noch aus, wie weit die einzelnen  Belichtungen auseinander liegen sollen. Bei drei Bildern wählt man z. B. eine normale, eine um eine Stufe unterbelichtete und damit eine um eine Stufe überbelichtete Aufnahme.
Bei meiner Canon EOS 70D habe ich festgestellt,  dass die Kamera im Live-View-Modus die Aufnahmen direkt nacheinander ausführt, während normal jedes Bild separat ausgelöst werden muss.
Man kann die Belichtungsreihe im manuellen Modus natürlich durch Änderung der Belichtungszeit selbstverständlich auch manuell erstellen – das Ergebnis wird das selbe sein. Doch Vorsicht: Wenn sich Bildteile in Bewegung befinden (z. B.. Wolken) kann die Zeit zwischen den Belichtungen zu lange werden und beim Zusammenfügen entstehen seltsam aussehende Artefakte.

Bei der Auswahl von 3 Belichtungen erhält man als Ergebnis ein normales,

ein zu helles

und ein zu dunkles Bild.

Aus dem zu hellen nimmt das Programm die Infos für die Schatten (dunkle Bildteile) und aus dem zu dunklen die für die Lichter (helle Bildteile). Beides wird mit dem korrekt belichteten Foto verrechnet,  so dass nun beim reduzieren der Lichter und dem Anheben der Schatten mehr Spielraum entsteht. Es können mehr Details wieder hergestellt werden, ohne Störungen im Bild zu erzeugen.

Zusammenfügen lassen sich die Bilder z. B. in Lightroom indem die Bilder markiert werden und mit einem rechten Mausklick zusammenfügen zu… HDR ausgwählt wird. Als Ergebnis erhält man eine neue Datei mit dem Zusatz HDR im Namen und erheblich größerem Dynamikumfang.  Die Weiterentwicklung des Fotos kann dann wie gewohnt erfolgen. Allerdings sollte man trotz aller Reserven das Spiel mit den Reglern nicht übertreiben um einen natürlichen Touch zu behalten.
Es gibt auch Programme, die außerhalb von Photoshop und Lightroom funktionieren z. B. hat Macphun gerade das Programm Aurora HDR 2018 für PC-User auf den Markt gebracht.

Ich hoffe, der ein oder andere Tipp war wieder dabei und die Neugier auch mal so ein Bild zu kreieren ist geweckt. Ich wünsche Euch dafür viel Erfolg und allzeit gutes Licht!
Werner Kutter

Zeit zum fotografieren…


…nehmen ist eine gute Voraussetzung für gelungene Bilder.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ebenso wichtig ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Man kann den Sonnenaufgang nunmal im Sommer nur vor 6 Uhr einfangen. Da muss der Langschläfer schon mal durch!
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die Uhrzeit keine große Rolle spielt, ist es sehr wohl ein großer Unterschied, ob die Sonne flach am Horizont oder steil am Himmel steht. Und das war der größte Fehler, den auch ich sehr lange begangen habe – ich habe zu wenig früh morgens und spät abends fotografiert und diese Gegebenheiten zu lange zu wenig beachtet.

Oder auch bei schlechtem Wetter. Die heute erwerbbaren Kameras sind alle soweit spritzwassergeschützt,  so dass ein leichter Regenschauer der Elektronik nichts ausmacht. Man muss ja nicht direkt in den Dauerregen stehen, aber ein paar Regentropfen kann jede Kamera ab. Generell ist das Fotografieren tagsüber bei bewölktem oder bedecktem Himmel besser, als wenn die Sonne runterknallt. Bei oder kurz nach dem Regenschauer kommen noch viele weiteren Motivmöglichkeiten hinzu, die schnell übersehen werden: Spiegelungen im Wasser, in Pfützen. Oft lassen sich so kuriose Motive ablichten, bei denen die Welt quasi auf dem Kopf steht.

Oder ein schöner Regenbogen spannt sich am Himmel von einer Seite auf die Andere.

Tagsüber bei hellem Sonnenschein sind die Gegebenheiten meist ungünstig. Personen kneifen die Augen zu, Gebäude und deren Teile werfen äußerst kurze Schatten, so dass die dreidimensionalität der Dinge nahezu verloren geht. Viele Motive werden dadurch schlicht flach, kontrastarm und bei vielen Situationen wird der Sensor der Kamera schlicht überfordert, da er bei weitem nicht diesen großen Dynamikumfang, wie das menschliche Auge abbilden kann. Hier wird dann entweder der helle Bildteil überbelichtet oder das dunkle schlicht schwarz. Wenn man nicht gerade Silhouetten im Gegenlicht aufnehmen will, wartet man leichter, bis z. B,. durch eine Wolke das Licht indirekter und diffuser wird.

Die beste Zeit für Fotografen ist, ohne Zweifel, früh morgens oder am Abend. Morgens hat man den Vorteil, dass z. B. an Seen und Gewässern noch kaum Wind herrscht und so die Szenerie allgemein ruhiger ist. Für die Fotografie mit dem vorhandenen Licht (avaiable light) sind die Zeiten wie folgt aufgeteilt:  Die Nacht, die morgendliche Blaue Stunde und die goldene Stunde am Morgen. Am Abend wiederholt sich das Spektakel in umgekehrter Reihenfolge.
In der Nacht ist der Himmel in der Regel tief schwarz. Hier kann allenfalls der Sternenhimmel, mit der Milchstraße rund um Neumond, fotografisch verwertet werden. Ansonsten muss mit zusätzlichem Lichteinsatz fotografiert werden.

Der Begriff mit der blauen und goldenen Stunde soll nicht bedeuten, dass diese Lichtsituation genau diese Zeitspanne anhält –  nein, das ist eher redensartlich gemeint. Denn je nach Jahreszeit und Ort an dem man sich befindet, ändert sich dieser Zeitraum dramatisch. So sind die Phänomene rund um den Äquator fast gar nicht feststellbar, je näher man den Polen kommt, um so länger dauern diese Phasen bis hin zur Mitternachtssonne am Polarkreis, die wiederum die blaue Stunde und die Nacht verhindert.
Noch lange bevor der erste Sonnenstrahl den Horizont erhellt ändert sich das schwarz der Nacht in ein tiefblau – das erste Licht, welches sich fotografisch abbilden lässt.

Nach der blauen Stunde kommt das eigentliche Farbspektakel, wenn die Sonnenstrahlen den Horizont überqueren. Die Sonne muss hierzu noch gar nicht aufgegangen sein – die Farben sind da, angefangen von einem Ton in Richtung Margenta

der später dann  dominiert wird vom Orangerot der Sonne. Die goldene Stunde hat angefangen.

Wenn die Sonne schließlich der Horizont überquert hat, dauert es nicht mehr lange, bis das Farbenspiel zu Ende geht. Rund um die Mittagszeit – etwa zwischen 10 und 16 Uhr im Sommer – ruht der Landschaftsfotograf, da jetzt die denkbar schlechteste Zeit ist für schöne Bilder. Erst am Abend, wiederholt sich das Spiel in umgekehrter Reihenfolge. Dann wird es wieder Zeit seinen Spot aufzusuchen und nach dem besten Bildauschnitt ausschau zu halten.

Damit möchte ich es für heute belassen und wünsche Euch für Eure Sonnenauf- und untergänge allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 2


Diese Woche bewegen wir uns weiter nach Osten, von Norden und Norddeich, auch ein Stück ins Landesinnere und wieder zurück an die Küste bis Harlesiel.

In Norddeich starten die Autofähren nach Norderney und Juist. Hier ist immer was los und bei gutem Wetter lassen sich auch tolle Aufnahmen von Norderneys weithin sichtbarem Wahrzeichen, dem Leuchtturm, machen. Auch in Norddeich reihen sich Hotels, Gaststätten und Fischbuden aneinander. Die hungrige Seele kann hier von allem etwas abbekommen. Frische Seeluft für die Lungen genau so, wie frischen Fisch für den Magen. Und natürlich finden sich hier auch Plätze am Deich, um einen schönen Sonnenuntergang einzufangen.
Norden ist die nordwestlichste Stadt Deutschlands und so etwas, wie der Hauptort hier oben. Auch hier sind Windmühlen zu bestaunen, auch wenn sich rund um eine ein Einkaufszentrum breit gemacht hat, was für mich etwas verwunderlich wirkt. Ein schönes Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und guten Gaststätten und einer kleinen Fußgängerzone lädt zum Verweilen ein. Im Tee-Museum z. B. kann man sich in alle Geheimnisse und Gepflogenheiten rund um den Ostfriesentee einweisen lassen. Mein Tipp zum Essen ist das Restaurant Minna. Hier gibt es eine kleine, feine Karte – sogar ein vom NDR prämiertes Gericht ist darauf zu finden.

Etwas weiter westlich finden wir das Schloss Lütetsburg, direkt an der alten Landstraße zwischen Norden und Hage.

Hier kann das Fotografenherz im Mai/Juni beinahe aus der Brust springen. Im Schlosspark wurde eine überbordende Anzahl von Rhododendren angepflanzt. Hier müssen im Frühjahr ganze Blütenwände stehen – leider war ich erst Ende Juni in der Gegend und die Blüte schon zum Großteil vorbei. Während der Blüte ist das Mitbringen des Makro-Objektivs Pflicht!
Weiter südwestlich im Landesinneren wartet noch ein Kleinod für den Makroliebhaber: das Ewige Meer.

Eine Moorlandschaft der Extraklasse. Blindschleichen, Salamander, Libellen, seltene Pflanzen – wer hier mit der Makro-Linse nicht fündig wird sollte sich ernsthaft ein anderes Hobby suchen. Ein wunderbarer Holzsteg führt mit einem Naturlehrpfad durch das Hochmoor. 90 Minuten sollte man mindestens einplanen – Fotografen natürlich entsprechend mehr!

Etwas weiter südlich, auch südlich von Aurich, befindet sich eine Gedenkstätte der alten Klosteranlage Ihlow. Stahl und Holz bilden die Pfeiler und das Gewölbe des einst größten Gotteshauses zwischen Bremen und Groningen nach. Wanderwege im Wald laden zum flanieren ein, die künstlerische Aufarbeitung der Vergangenheit lädt zum fotografieren ein. So ist für alle etwas dabei, die mit auf Reisen gehen.

Auf dem Weg nach Norden, zurück an die Küste, machen wir noch halt in einem Windkraftanlagen-Park.  Zwischen Westerholt und Esens gibt es eine begehbare Windkraftanlage – natürlich nur für Schwindelfreie!
Die Plattform befindet sich auf einer Höhe von 62 mt und ist über eine
297 Stufen zählende Wendeltreppe im Turm zu erreichen.
Oben angekommen findet man eine geschlossene Plattform mit schräg gestellten Fenstern vor, die bei guter Sicht einen Ausblick bis nach Holland zulässt. Wenn die Menge der Interessenten überschaubar ist, wird auch schon mal die Luke zum Generator und auch die Dachluke für den ungestörten Ausblick geöffnet. Da wurde allerdings selbst mir ein bisschen Mulmig.

Der Ausblick ist, wenn man es verträgt, jedenfalls überwältigend.

Auf unserem weiteren Weg an die Küste befinden wir uns meistens auf der norddeutschen Straße der Windmühlen. Dies bezieht sich jetzt jedoch auf die historischen Windmühlen und nicht die, zahlenmäßig stark überlegenen, modernen Windkraftanlagen.  In vielen kleinen Dörfern kann man sie besichtigen – ein paar wenige sind sogar noch in Betrieb.

Unterschiedlichste Bauformen treffen hier aufeinander. Viele Mühlen sind zwar mittlerweile von Häusern umringt, ein paar wenige stehen noch so frei, dass sich das Anhalten wirklich lohnt.
Auch hier gilt – bei Weitwinkelaufnahmen nicht zu sehr die Kamera nach oben richten, um stürzende Linien zu vermeiden. Man kann es aber auch absichtlich übertreiben und dies als Stilmittel einsetzen – jede Regel lässt sich brechen.
Bei den meisten Küstendörfern sind die Häfen hinter den Deichen geschützt schön angelegt bzw. restauriert. Ein Spaziergang entlang des Wassers lädt immer wieder zum Fotografieren ein – sind doch die unterschiedlichsten Boote und Schiffe am Kai festgemacht.
Bei all den Schönheiten darf auch das Dorfgeschehen ein paar Meter Abseits der Massen nicht vergessen werden. Wenn an den Flaniermeilen sich Besucherströme durch die Gassen drücken, ist im weiter innen liegenden Dorfkern oft auch noch einiges Fotogenes zu entdecken. Nicht selten durchziehen Grachten die Orte und bewegliche Holzbrücken dienen immer noch als Übergang und auch als Fotomotiv.
Ich könnte noch ein paar Wochen weiter schreiben, so sehr habe ich mich in diesen Küstenabschnitt verliebt. Durchwegs freundliche Menschen machen es einem leicht, hier den Urlaub zu verbirngen. Für Eure schönste Jahreszeit, den Urlaub, und die fotografischen Unternehmungen wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 1

Ostfriesland ist reich an Sehenswürdigkeiten. Der kleinste und der höchste Leuchtturm Deutschlands stehen nur 12 km auseinander. Der schiefste Turm der Welt steht ebenfalls hier und nicht in Italien. Berge von Rhododendren im Schloss Lütetsburg im Mai, die Silhouette einer Kirche im Wald – gewöhnliches und außergewöhnliches reihen sich hier in nächster Nähe aneinander; man muss nur noch die Reihenfolge festlegen und los geht’s. 

Fangen wir im Westen an und arbeiten uns ostwärts voran. An spannenden Orten zum Entdecken, Entspannen und Fotografieren mangelt es sicher nicht.

Emden beherbergt gleich zu Beginn jede Menge interessanter Motive – und ich meine jetzt nicht nur den Ottifanten, der sich mit seinem Kopf durch die Wand aus dem Otto – Huus schleichen will.

Gleich gegenüber ist der schöne Hafen an dem man sich den historisch anmutenden Schiffen nähern kann. Backsteinromatik, wohin das Auge schaut. In der Pelzerstrasse 12 beispielsweise wurde die alte Fassade schön restauriert. Im Inneren ist ein Café, in dem Menschen mit Handicap arbeiten.  So hilft ein Besuch und die Einkehr auch noch einem guten Zweck. Und der Ostfiesentee ist wirklich sehr gut!
Fototechnisch ist bei Architekturbildern hauptsächlich darauf zu achten, dass das Objektiv nicht zu stark nach oben gerichtet wird. Wenn im Weitwinkelbereich hier übertrieben wird, dann entstehen die unschönen „stürzenden Linien“ – eigentlich aufrecht stehende Häuser und Türme sehen dann so aus als würden sie nach hinten stürzen.

14 km weiter westlich ist der Knock – der nordwestliche Zipfel Deutschlands. Hier kann man über den Dollart quasi nach Holland spucken. Der alte Fritz steht am Ufer und wacht darüber, dass der Konsum von Tee und Kaffee nicht überhand nimmt.
Hier kann es sehr schöne Sonnenuntergänge geben, welche im Zusammenspiel mit den vorhandenen Figuren und Gebäuden alles bieten werden, was ein Bild braucht: Vordergrund, die Bildmite und der Sonnenuntergang im Hintergrund. 

Der Kirchturm in Suurhuusen, 6 km nördlich von Emden, welcher eine Schräglage von 5,19 Grad aufweist ist der wirklich schiefste auf Erden. Ganz egal, was die Italiener immer behaupten, der berühmte Turm in Pisa hat nur 3,97! Das alles und der höchste deutsche Leuchtturm in Campen (für meinen Geschmack ein hässlicher Stahlturm ohne „Seele“) ist im Umland von Emden zu finden.

Der kleinste Leuchtturm Deutschlands ist wahrscheinlich auch gleichzeitig der bekannteste. Otto Waalkes hat ihn in seinen Kino–Film „Otto der Ausserfriesische“ 1989 eingebaut und ihm so zu Weltruhm verholfen. Der Pilsumer Leuchtturm ist lediglich 15 mt hoch und somit der kleinste aller Leuchttürme hierzulande. Das für die Schifffahrt wichtige Leuchtfeuer befindet sich gar nur auf 11 Metern. Zu beachten gilt hier, wie an fast allen Deichabschnitten, dass das Mitführen von Hunden wg. der Schafhaltung strengstens verboten ist.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt Greetsiel. Ein malerischer Ort mit seinen engen Gassen und kleinen Grachten. Am Ortsrand gleich gegenüber dem Parkplatz begrüßen einen die Zwillings-Windmühlen – das Wahrzeichen von Greetsiel.

Der Ortskern ist autofrei und so ist dem gemütlichen Flanieren nichts im Weg. Zahllose Lokale und Gaststätten laden zum Genießen und Verweilen ein. Nirgends schmecken Fisch und Krabben so gut, wie hier – direkt an der Küste.
Schön ist es hier vor allem in der endlos erscheinenden Abenddämmerung bis zur blauen Stunde. Herrliche Pflasterstraßen und beleuchtete Gebäude geben einen tollen Rahmen für stimmungsvolle Bilder.

Immer wieder interessant ist auch der Ausblick aufs Meer. Von fas allen Stellen an der Küste ist immer mindestens eine der vorgelagerten ostfriesischen Inseln zu sehen.  Von Borkum ganz im Westen vor Holland bis Wangerooge ganz im Osten – immer hat man „Land in Sicht“.

Das nächste Mal führt  uns unsere Rundfahrt von Norden/Norddeich bis nach Harlesiel – und einmal gehen wir dabei sogar noch hoch hinaus! In diesem Sinne wünsche ich Euch bis nächste Woche alles gute und für die Fotos allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

 

Ein Besuch in einem Bauernhof-Museum

Schätzungsweise an die 30 Museumsdörfer oder Freilichtmuseen gibt es in Deutschland. Eines also garantiert auch in Deiner Nähe. Hier können sowohl Detail-, als auch Architektur- oder Landschaftsaufnahmen verwirklicht werden.
Alte Häuser haben ihren eigenen Charme. Wenn sie dann noch liebevoll restauriert und gepflegt sind, ist es doch nur klar, dass sie von uns ins rechte Licht gerückt werden.
Hier ist die Experimentierfreudigkeit des Fotografen gefragt. Vielen Szenen ist, trotz der Beschränkung aufs Wesentliche, ein weiteres Motiv abzuringen. Denn wo ein Bild gut ist
kann immer noch ein zweites Bild lauern, welches auch nicht schlecht sein muss.
Also ruhig Zeit lassen und alle Möglichkeiten ausnutzen. Die Fotografie ist nicht dazu da, um möglichst schnell von einem Motiv zum nächsten zu hetzen, sondern um geduldig die vielen Facetten des Augenblicks zu genießen.
Warum nicht mal die Gelegenheit nutzen und was neues probieren. z. B. Blumen aus der Ameisenperspektive
und dann auch gleich noch mit dem bewussten Überbelichten als High-Key-Bild:

Holz in allen Varianten ist hier groß vertreten. Details von Ornamenten und Türen bieten sich ebenso an
wie die Muster und Strukturen des Fachwerks der Häuser.
Sollten auch Verkaufsstände oder Kunsthandwerker vor Ort sein, wird die Motivvielfalt gleich noch größer.
Keramik, Porzellan, Holz und Glas sind beliebte Ausstellungsstücke, die sowohl dekorativ sind, als auch fotogen.
Die Baukunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ist auch heute noch bestaunenswert. Mit welch einfachen Mitteln die Gebäude geplant und errichtet wurden erstaunt mich immer wieder aufs Neue.
Liebevolle Details, wie diese Hausglocke
sind erst bei genauem Hinsehen zu entdecken. Und hinsehen lohnt sich immer wieder.
So kann ein Tag recht kurzweilig gestaltet werden und auch als Familienausflug taugen diese Museen. Denn neben dem Fotografieren bleibt auch noch jede Menge Zeit, um sich um die Angehörigen zu kümmern. Vielleicht lässt sich ja der eine oder andere von den gemachten Fotos inspirieren und möchte selbst mit dem Fotografieren beginnen.
Für diese und ähnliche Unternehmungen wünsche ich Euch schon mal allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Best of U-Bahn München


Wie versprochen möchte ich nochmal einen Querschnitt über die vielzähligen Möglichkeiten in der Münchner U-Bahn zeigen. Für die Vorbereitung solcher Touren lest bitte den Artikel über die Grundlagen.
Bei der Durchsicht meiner Bilder sind mir ein paar Sachen aufgefallen, denen ich in der Serie zuvor wenig Beachtung geschenkt habe. Deshalb möchte ich hier noch auf ein paar „Besonderheiten“ eingehen und einen genaueren Blick auf folgende Details werfen.

Rolltreppen XXL
Am Marienplatz sind die Rolltreppen vom U-Bahn-Geschoss an der Stammstrecke vorbei in den Fussgängerbereich auf Grund ihrer Länge absolut sehenswert. Hier machen sich sowohl Farb-, als auch Schwarzweiss-Aufnahmen absolut Sinn.
Die Rolltreppe leer abzulichten ist freilich eine Geduldsprobe, aber durchaus möglich, wie man hier sehen kann.
In der Station Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) ist auch eine Rolltreppe sehenswert, die auf Grund des geringeren Personenaufkommens auch mal im Stillstand geschossen werden kann. Aufnahmen ohne störende Personen bekommt man hier in der Regel schneller in den Kasten.
Sie ist nicht so lang, wie die am Marienplatz aber auch in Schwarzweiß absolut fotogen.
Eine Rolltreppe in Seitenansicht kann auch ein Eyecatcher sein, wie ebenfalls im OEZ besichtigt werden kann.
Interessant sind auch Menschen, welche die Rolltreppe benutzen und während dieser Zeit ganz andere Dinge tun. Eine Art von Streetphotografie kann damit gestaltet werden. Wenn man schon die Menschen nicht völlig ausblenden kann, dann werden sie wenigstens als Stil-Element ins Bild eingebaut.

Die Kunst am Bild

Ist das Kunst oder kann das weg? Bei manchem Beitrag in HDR-Aufmachung darf man sich das getrost fragen. Die U-Bahn bietet auch für diese Art der Fotografie zahllose Möglichkeiten. Einfahrende Züge in Geisterzüge zu verwandeln oder diese zu spiegeln macht richtig Spaß.

Es gibt für alles 2 Ansichten. Mal kann man die Lichtspuren natürlich lassen
mal werden sie verfremdet. Erlaubt ist, was gefällt – und was gefallen soll, das bestimmt immer noch der Künstler selbst.
Ein hereinfahrender Zug lässt meist durch die Scheiben die Tafeln mit dem Stationsnamen durchscheinen. Für diese Bilder stellt man sich am Besten ganz am Anfang des Bahnsteigs auf – dort ist der Zug am schnellsten.
Wem dieser Effekt zu schwach erscheint, der macht noch eine Aufnahme vom gleichen Standort aus – nur ohne Zug und blendet die beiden Bilder in Photoshop zusammen. Auch solch ein Bild kann verfremdet werden.

Apropos Geisterbahn:
Es wurden schon Züge in Spiegeln gesichtet, die nicht auf dem Gleis standen – und das nicht nur auf Bahnsteig 33 2/3!
Und manchmal weiß man vor lauter Schildern schon nicht mehr, wo man ist…
Gut wenn man dann einen Plan hat, den man in Ruhe studieren kann, während um einen herum die Welt in Hektik versinkt.
Wenn es wieder kalt wird und man keine rechte Lust auf fotografieren im Freien hat, dann ist die richtige Zeit wieder nach München zu gehen und den ein oder anderen Sonntag in der U-Bahn zu verbringen. Dort ist man von der Witterung unabhängig und so richtig kalt wird einem hier auch nicht.
Vielleicht sieht man sich ja mal auf einer spannenden Tour – bis dahin verbleibe ich, wie immer  mit dem gut gemeinten Wunsch: Allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reduktion

Viele Bilder sind überladen. Das Auge kann kaum wahrnehmen was das eigentliche Motiv sein soll. Unruhig wandern unsere Blicke über all die Gegenstände und Einzelheiten des Fotos und wir fragen uns: Was will uns der Fotograf sagen?

Ein Weg um zu einer klaren Bildaussage zu kommen ist die u. a. Reduktion.
Die Reduktion des Inhalts auf das Wesentliche.
In diesem Artikel geht es  darum, dass der wesentliche Bildinhalt die Farbe ist. Das Foto reduziert auf Farbe. Es spielt nicht so sehr eine Rolle, wer oder was im Bild gezeigt wird, sondern eher wie die Farben sich zueinander verhalten.

Newtons Farbkreis aus dem 18. Jahrhundert zeigt welche Farben miteinander harmonieren – die nebeneinander liegenden – und welche konkurrieren – die sich gegenüber liegen. Bereits in so früher Zeit beschäftigten sich Gelehrte und Künstler mit der Wirkung der einzelnen Farben zueinander und auf die menschliche Wahrnehmung.
 (Quelle Wikipedia)
Die gegenüberliegenden Farben werden Komplementärfarben oder auch Gegenfarben  genannt.
Es wirkt als starker Farbkontrast auf unser Auge und kann als interessant empfunden werden solange man es nicht übertreibt. Solche Elemente in ein Bild integriert können schlicht für den Hingucker sorgen – negativ aber auch das Auge vom eigentlichen Motiv ablenken. Dessen sollte man sich auch bewusst werden und deshalb versuchte ich mich in Bildern nur die Farben eine Aussage treffen zu lassen.

Wenn man einmal anfängt nach Farben zu suchen, dann wird man überrascht sein, wie viele Motive sich einem hier bieten. Man muss nur lernen genau hinzusehen und weniger einen bestimmten Gegenstand als mehr das Detail in dem Ganzen zu suchen.

Dieses Schutzeisen an der Hauswand verschwindet fast vollständig in der gewaltigen Farbpracht und trotzdem kann mit dem weißen Querstrich ein stilisiertes Kreuz ausgemacht werden. Gerade die Unterbrechung mit dem weißen Strich bringt noch Dynamik in das Bild in dem die Farben sonst miteinander harmonieren würden (Gelb und Rot sind im Farbkreis nicht weit auseinander).

Wieder hüllen farblich voneinander abgesetzte Flächen den Mittelteil des Bildes ein. Ein Bild von einer Dachrinne wäre wohl nicht sehr interessant – mit dem Spiel der Farben wird jedoch ein Hingucker daraus. Hier sind Gelb und Blau vertreten. Diese liegen sich im Farbkreis gegenüber und sind somit Komplementärfarben. Der Farbkontrast ist stärker als im Bild vorher.

Ein einfacher Aufbau – von jedem ganz einfach zu Hause nachzubauen: drei Blätter Papier, jeweils mit einer Farbe gefüllt unter ein Glas mit flachem Boden gelegt; Wasser ins Glas, ein paar Tropfen Speiseöl und schon kann losgeknipst werden. Viele verschiedene Variationen können gelegt werden und durch die Ölblasen im Wasser werden hier noch zusätzliche Kontrastpunkte gesetzt.
Hier noch ein Beispiel aus der Münchner U-Bahn. In der Station Marienplatz wird man von den ganzen orangen Fliesen förmlich erschlagen. Jedoch gibt es auch Bereiche, die blau gekachelt sind. Diese Übergänge bieten einen willkommenen Kontrast, da Orange und Blau im Farbkreis fast genau gegenüber liegen.

Zum Abschluss noch eine kleine Übung im Bezug auf Farben, Fantasie und bewusstes Sehen. Wenn man üben möchte, seinen Fokus zu schärfen, trainieren, das Wesentliche im großen Ganzen zu sehen, kann jeder für sich schon mal vor der eigenen Haustür anfangen. Übung ist notwendig – denn nur so kommen wir auch auf den Gedanken, Szenen und Alltägliches einmal mit anderen Augen zu sehen.

Folgende Szenerie bietet sich mir jedes Mal, wenn ich am Feierabend mit dem Bus nach Hause fahre.
Wer sieht in diesem Bild das Motiv? Auf den ersten Blick erscheint dieses Bild als heilloses Durcheinander und das Auge weiß nicht, was wichtig ist und was nicht. Ein paar Schritte näher dran bietet sich dann folgendes Bild:
Jetzt könnte man meinen, es geht um eine Seite im nächsten Gartenkatalog des Baumarktes, aber nein – mein Auge wurde von etwas ganz anderem angezogen.

Die Schilder an der Bushaltestelle haben es mir angetan. Das leuchtende Gelb brachte mich darauf, danach zu forschen, was denn wohl den größten Kontrast bieten würde und kam über den oben beschriebenen Farbkreis auf die Farbe Blau. Also zu Hause ein Blatt Papier komplett in Blau ausgedruckt und beim nächsten Mal hinter die Schilder gehalten – et voilá!

Noch ein bisschen mit Lage, Entfernung und Winkel experimentiert, hinterher ein bisschen beschnitten und bearbeitet und schon kann sich das Thema sehen lassen:

Die Bilder der Beispielserie wurden übrigens alle nur mit dem Handy aufgenommen und mit Lightroom mobile bearbeitet! Es braucht kein 1000-Euro-Equipment – es braucht Inspiration und Fantasie! Je mehr Bilder ich mir betrachte – ganz egal ob online oder auf Papier – desto mehr wird meine Fantasie angeregt. Bei Bildern, die mich ansprechen denke ich mir immer gleich „Wie hat der das gemacht?“
Ich dachte auch lange von mir, dass ich überhaupt nicht kreativ bin. Tatsache ist: Jeder kann es lernen kreativ zu sein. Übung macht den Meister! Und Üben heißt die Kamera auspacken und los! Nie war es einfacher als heute mit den Digitalkameras – keine Entwicklungskosten – keine Wartezeit – jeder kann nach ein paar Minuten am Bildschirm sehen, ob das Bild wirkt oder nicht.

Schluss mit Lesen! Raus jetzt – Spielen, probieren, experimentieren, sich was trauen… In diesem Sinne wünsche ich Euch für alle fantasievollen Projekte allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 1


Im ersten Teil unserer Reise durch den Münchener Untergrund entführe ich Euch in die Stationen Am Hart, Candidplatz, Georg-Brauchle-Ring und Hasenbergl.
Diese vier Bahnhöfe, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zeigen eindrucksvoll die Möglichkeiten, die sich uns auftun können, wenn man nur einmal hin sieht.
Oft wurde ich während des Fotografierens angesprochen, was ich denn genau mache, was so interessant sei, um hier in der U-Bahn Bilder zu machen – nun, ich denke, die Ergebnisse sprechen für sich.

Farben und Formen, Architektur und Technik – faszinierende Welten lauern im Verborgenen auf den, der sie sehen will…

1. Am Hart

Der Bahnsteig zeigt uns eine imposante Deckenkonstruktion aus weißen Aluminiumtafeln, die das Licht der beiden Lichtbänder aufnehmen und auf den Bahnsteig zurückstrahlen. Wie ein Vogelflügel wird der Bahnsteig auf der gesamten Länge davon überspannt.
Hier bietet sich natürlich an, aus der Mitte heraus die Symmetrie der Anlage zu betonen.
Mit vergleichsweise geringem Aufwand wurde der Bahnhof sehr ansprechend gestaltet, dazu bedarf es gar nicht besonders vieler Farben. Rot, blau und weiß sind die Farben des Bahnhofes, das durchdachte Lichtkonzept und die interessante Deckenform zusammen machen aus einem von der Grundform her an sich langweiligen Bauwerk einen reizvollen Bahnhof.

2. Candidplatz
Der gesamte Bahnsteigbereich, also Wände, Säulen und Decken, ist in einem regenbogenartigen Farbverlauf bemalt. Am Nordende beginnt es mit violett und geht über rot, gelb und grün bis dunkelblau am südlichen Bahnsteigsende.Die Mittelstützen sind mit mattiertem Glas verkleidet, um eine Verschmutzung der Säulen selbst zu verhindern und die Farbflächen zu gliedern. Die ungewöhnliche Deckenform ist bedingt durch einen darüber verlaufenden Abwasserhauptkanal. Prinzipiell wäre sie zwar nur auf einer Seite nötig gewesen, wurde aber aus Symmetriegründen auf beiden Seiten gleich gestaltet.Leider waren bei meinem letzten Besuch im Februar teilweise große Farbablösungen an den Wänden zu sehen. Richtig tolle Bilder, welche den Farbverlauf über die ganze Länge zeigen, sind derzeit nicht möglich.

 

3. Georg-Brauchle-Ring

Hier ist das Spiel der Farben auf großen, sich abwechselnden rechteckigen Platten dominant. Unterbrochen durch einzelne Bilder aus der Umgebung und dem Rest der Welt  kommt man sich vor, als stünde man mitten in einem riesigen Farben-Puzzle. Schön ist außerdem, das dieser Bahnhof mit seiner Höhe von 7,50 mt komplett ohne störende Säule auskommt und so schöne Totalen möglich sind.

Die sichtbare Bauwerkshöhe ist im Vergleich zu früheren Bahnhöfen unüblich, da dort häufig abgehängte Decken eingebaut wurden. Am Georg-Brauchle-Ring wurde hingegen eine spiegelnde Decke aus poliertem Edelstahl angebracht, die den Bahnhof optisch nochmals höher wirken lässt.

4. Hasenbergl

In einem Stadtteil, welcher begründet in der Vergangenheit  nicht gerade den besten Ruf genießt, wird nicht gerade ein kleines Schmuckstück der modernen Architektur erwartet.

Die säulenlose Bahnteighalle ist mit hellgrauem Granitboden ausgelegt, der im mittleren Bereich von vier Reihen dunklerer Dreiecke aufgelockert wird. Der Boden strahlt damit eine gewisse Dynamik aus. Die Hintergleiswände bestehen aus großen Glasplatten, die mit Glasflies aus Glasfasern hinterlegt sind und damit einen Teil des Lichts reflektieren. In der Mitte des Bahnsteigs ist diese Glasfront auf beiden Bahnsteigseiten von einer großen Spiegelfläche unterbrochen. Mittendurch geht das rote Linienband, das ebenfalls aus Glasflächen besteht.

Nächste Woche geht es mit fünf Stationen weiter.
Seid gespannt, was noch alles kommen wird – bis dahin wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

 Werner Kutter

Hinweis:
Die Beschreibungen der Stationen sind zum großen Teil aus den Internetseiten von https://www.u-bahn-muenchen.de/ entnommen.