Reisebericht Ramsau, Zauberwald und Hintersee

Rund um Ramsau gibt es viele bekannte Fotospots, von denen jeder die Mühe der Anfahrt und/oder des Spazierweges wert ist. Auch wenn die Bilder tausendfach im Netz kursieren, ist es doch ein Erlebnis, selbst die Aufnahme so zu gestalten, wie man es sich vor seinem geistigen Auge vorgestellt hat. Das Erfolgserlebnis, einmal ein Bild, welches man zuerst in der Galerie eines renommierten Fotografen gesehen hat, selbst zu machen, ist doch unbezahlar.
Beginnen möchte ich mit Ramsau selbst. An der Pfarrkirche St. Sebastian spucken in der Hauptreisezeit Reisebusse ganze Horden an asiatischen Gästen aus, um nach 10 Minuten wieder weiter zu fahren. Der bekannte Spot mit der Ramsauer Ache vor der Kirche ist dann immer wieder kurz total überlaufen. Anfang/Mitte Mai kann man es mit etwas Geduld jedoch leicht abwarten, bis die wuseligen Selfietouristen wieder abtransportiert wurden. Wer sich beim Wetter nicht ganz sicher ist kann sich ja die Bilder der Webcam vorher anschauen. Hier sieht man auch direkt die Postkartenidylle, welche man auf die Speicherkarte bannen will.

Was ich leider nicht wusste, aber auch sehr sehenswert gewesen wäre, ist der Friedhof an der Kirche. Zahlreiche mehr oder weniger ernst zu nehmende Sprüche zieren Gräber, Grabsteine und Kreuze. Nicht selten wird kein Hehl daraus gemacht, wie froh die Hinterbliebenen doch über das Verscheiden waren. Vielleicht nimmt sich ja der eine oder andere mal noch die Zeit und schlendert über die letzte Ruhestätte längst verblichener Einwohner.

Wer möchte kann auch direkt ab der Kirche in Richtung Zauberwald wandern – was allerdings knapp 2 ½ km Strecke und gut 80 Höhenmeter an Wanderung voraussetzt – und dann steht man erst am Beginn der interessanten Strecke.

Wir haben den bequemen Weg gewählt und sind bis zum P4 am südwestlichsten Ende des Hintersees gefahren. Von dort machten wir uns auf, den See zu umrunden und bei dieser Gelegenheit auch den Schwenk durch den Zauberwald zu genießen.
Auf der Südostseite führt der Wanderweg knapp 700 Meter getrennt durch die Leitplanke an der Straße entlang. Ab dem Eingang in den Zauberwald ist man jedoch eins mit der Natur. Gut gekennzeichnete Wege durch den Wald und an der Ramsauer Ache entlang lassen einen den Stress komplett vergessen. Für uns Fotografen tun sich hier auf wenigen hundert Metern dutzende von Möglichkeiten auf, das Wasser von all seinen Seiten zu zeigen. Urgewaltig umtost die Wassermacht den Fels, weich und anschmiegsam schleift das Wasser die Steine glatt.

Für meinen Geschmack hat sich im Bezug auf Wasser die Langzeitbelichtung voll durchgesetzt. Ich benutze hierzu meist eine Kombination aus zwei Filtern: einen ND 8 oder ND 64 Filter, um die Verschlusszeit auf mehrere Sekunden zu verlängern und davor einen Polfilter um die Spiegelungen im Wasser zu minimieren. Verschlusszeiten zwischen 2 und 10 Sekunden reichen mir völlig aus, so dass der ND 1000 Filter nur noch sehr selten zum Einsatz kommt.
Immer wieder tun sich kleine Wege auf, über die man direkt an den Rand des wilden Stroms gelangt.

Schier unermesslich sind die Vielzahl der Szenen, welche man hier entlang des tosenden Baches machen kann. Und am eindrucksvollsten sind genau die Bilder, bei denen man denkt das Stativ wäre direkt im Bach gestanden. Also nah ran und tief runter ist hier die Devise.

Am tiefsten Punkt der Runde wendet man sich dann nach links und folgt den Schildern zum Nordufer des Hintersees. Es geht stetig bergauf und man glaubt erst gar nicht, wie tief man hinabgestiegen ist, da das Fotografieren doch ziemlich vom Verlauf der Strecke ablenkt.

Wieder am Hintersee angekommen ging es für mich als erstes darum, den idealen Platz für das Sonnenaufgangsfoto zu finden. Denn ich wollte am nächsten Morgen um fünf Uhr wieder hier sein, um die morgendliche Stimmung am See einzufangen.
Schnell war er gefunden – der Spot, der tausendfach im Internet zu finden ist. Die Bäume auf den Felsen im See und im Hintergrund der Hochkalter – charakteristischer kann ein Landschaftsbild wohl nicht mehr sein. Im Nachmittagslicht sah die ganze Szene allerdings bei weitem nicht so spektakulär aus.

Da ich in der Dunkelheit nicht gerne Überraschungen erlebe, bin ich gerne am Tag vorher hier und kann bei normalem Tageslicht Parkmöglichkeit und Zuwegung abklären, so dass in aller Frühe keine Hektik aufkommt.

Am betreffenden Morgen waren wir dann zu dritt am See und genossen die Ruhe und die Farben, welcher der Tag mit sich brachte.

Man darf bei allem Beharren auf sein Zielbild natürlich auch nicht verpassen, einmal in eine andere Richtung zu fotografieren. Oft ist diese Ansicht deshalb überraschend schön, gerade weil sie nicht pausenlos im Internet zu finden ist.

Und wieder bewahrheitet sich, dass es sich lohnt, früh aufzustehen und die ersten Stunden des Morgens an einem See zu genießen. Es waren traumhaft schöne Minuten, die leider viel zu schnell vergehen aber Gott sei dank lange in Erinnerung bleiben.

Auf dem Weg zurück durch Ramsau lohnt es sich, erneut an der Kirche anzuhalten – die aufgehende Sonne setzt die Berggipfel hinter der Kirche wirklich gekonnt in Szene so dass erneut gute Positionen für weitere Fotos gesucht werden können.

Ich hoffe ich konnte Euch eine kleine Inspiration geben, einmal diese wunderbare Ecke Bayerns zu besuchen. Wir waren im Mai dort und ich werde noch die eine oder auch andere Erfahrung mit Euch teilen. Bis dahin wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Testbericht Tamron 18 – 400 mm an Canon EOS 70D

Um es gleich vorweg zu sagen:
Ich habe das Objektiv nicht bereitgestellt oder geschenkt bekommen. Ich habe es mir beim Tamron-Verleih ausgeliehen, um es im Rahmen des Workshops bei der Viehscheid zu testen. In diesem Bericht gebe ich nur meine eigene, von außen unbeeinflusste Meinung wider.

Zur Zeit gibt es im Verleih eine Aktion bei der ausgewählte Objektive in der ersten Woche umsonst ausgeliehen werden können.  Das 18 – 400 mm war auch dabei, so dass ich nur die zweite Woche, in der ich auf dem Viehscheid war, bezahlen musste.
(Foto von Tamron)

Begonnen habe ich den Test natürlich gleich nach Erhalt der Linse. Auf einem Spaziergang mit unserem Hund habe ich den Zoombereich und den Autofokus ausgiebig angetestet. Auf den ersten Blick war ich von der Vergrößerungsleistung des doch recht handlichen Objektivs mehr als überrascht.

Ich konnte problemlos eine ca. 600 mt entfernte Baumgruppe anvisieren und brauchbar scharf ablichten.

Spaß machen sollte es natürlich auch beim Einsatz im familiären Bereich, etwa beim Sport der Kinder, oder, wie bei uns, beim Spiel mit dem Hund. Die Nachführung des Autofokus kommt hier leider schnell an seine Grenzen wenn der Hund sich schnell auf einen zu bewegt. Ob das jetzt allein am Objektiv liegt oder u. U. die Kamera hier nicht mehr mitkommt, kann ich nicht beantworten; jedoch war das Scharfstellen im Endbereich zwischen 300 und 400 mm oftmals sehr langwierig.

Am meisten Respekt hatte ich davor, ob die Bilder bei maximaler Vergrößerung auch noch ausreichend scharf sein würden. Hier legt sich jedoch der Bildstabilisator wirklich voll ins Zeug. Alle Bilder wurde aus der Hand ausreichend scharf, so dass sich die Linse gut für nicht all zu schnelle sportliche Aktivitäten eignet. Selbst ein vorbeifliegender Helikopter war gut zu fotografieren.

Die Randabschattung (Vignettierung) lag im erträglichen Bereich und konnte in Lightroom über die automatische Korrektur bequem behoben werden.
Ich habe jetzt die Schärfe nicht bis in den allerletzten Bildwinkel verfolgt und beurteilt – subjektiv würde ich sagen, dass alle Bilder ausreichend scharf sind. Man wird die Linse ja vielleicht als „Immer-Drauf“ mit in den Urlaub nehmen – anspruchsvolle Bilder werden sicherlich mit einem „besseren“ Glas gemacht werden.

Praktischer Weise kann das Ausfahren des Objektivs während des Transports an der Kamera über einen Schalter oben an der Linse verhindert werden. Zum Lieferumfang gehört auch direkt eine Sonnenblende was nicht bei allen Objektiven der Fall ist. Das Handling war trotz der Länge und des Gewichtes von ca. 715 g gut. Man kann mit dem Objektiv durchaus den ganzen Tag auf Pirsch gehen und gute Fotos machen.
(Foto von Tamron)

Der Service bei Tamron mit dem Ausleihen und Zurückschicken hat ebenfalls problemlos funktioniert. Der Versand und die Rücksendung werden pauschal mit einer einmaligen Gebühr in Höhe von 19,- € verrechnet. Die wöchentliche Miete beträgt z. Zt. 37,- €. Die Anschaffung eines solchen Objektivs für eine Canon APS-C-Kamera würde mit ca. 620,- € zu Buche schlagen.

Ich habe das Objektiv dann guten Gewissens wieder zurückgeschickt. Für meine hauptsächlichen Fotoprojekte werde ich es mir nicht extra anschaffen, für Veranstaltungen, wie z. B. der Viehscheid oder im Urlaub, wenn nur ein Objektiv ins Gepäck passt, ist es ein wirklich guter Helfer. Es hat mir doch jeglichen Objektivwechsel während der Veranstaltung erspart. Für die weite Spanne des Zoombereichs macht es wirklich erstaunlich gute Bilder.

Ich hoffe, ich konnte ein paar hilfreiche Tipps geben, sollte sich jemand mit dem Gedanken tragen,  sich ein Ultrazoom-Objektiv zuzulegen.
Für all Eure Projekte wünsche ich Euch natürlich allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Fotoworkshop „Viehscheid im Gunzesrieder Tal“

Das zweite Mal in diesem Jahr hatte ich die Ehre, bei der wunderbaren Manuela Prediger an einem Workshop teilzunehmen. Es war für mich dennoch eine Premiere, denn noch nie hatte ich einen Viehscheid miterlebt – eigentlich eine Schande für einen Bub aus dem Unterallgäu.

Der frühe Vogel fängt den Wurm sagt der Volksmund. Das gilt auch für uns Fotografen und besonders dann, wenn man bei einer Veranstaltung wie dieser Bilder machen möchte, die sich von der Masse abheben. Also war der Treff aller Teilnehmer für 6.45 Uhr ausgemacht und dementsprechend früh musste ich bei mir zu Hause losfahren. Das beste daran war, dass um diese Uhrzeit am Samstag morgen der Verkehr Richtung Sonthofen sehr überschaubar war und es zu keinen Verzögerungen kam.

Pünktlich um sieben kam das vorbestellte Taxi, welches uns hinter ins Tal brachte – weit weg von den ganzen schaulustigen Touristen. Dort stellten wir uns kurz gegenseitig vor und gingen die grundlegenden Kameraeinstellungen für die bevorstehenden Stunden durch. Wertvolle Tipps für außergewöhnliche Perspektiven und Bildausschnitte erhielten wir ebenfalls von unserer überaus kompetenten Kursleiterin, so dass wir bestens vorbereitet auf das Eintreffen der ersten Herde warteten.
Ich entschied mich dafür mit ISO-Automatik und Bledenvorwahl rund um Blende 5.6 ins Rennen zu gehen. Die anfängliche Belichtungskorrektur von +2/3, die ich wegen den vorhandenen Nebelschwaden eingestellt harre, nahm ich kurz darauf wieder zurück.

Die Spannung wurde immer größer, so dass das eine oder andere Mal bereits das Läuten der Kuhglocken wahrgenommen wurde, obwohl niemand in Sichtweite war. Der Schall findet in den engen Gebirgstäler eben immer einen Weg. Als endlich doch die ersten Teilnehmer zu sehen waren, nahmen wir alle unsere Positionen ein, so dass jeder das bestmögliche Sichtfeld für seine Aufnahmen erhielt.

Die große Begeisterung wich auch bald schon der Ernüchterung, dass nur eine kleine Vorhut – das Kranzrind mit einem Begleiter und zwei Jugendlichen Hirten mit ihrer Mutter – weit vor der großen Herde in Richtung Gunzesried liefen. Trotzdem ergriffen alle die Gelegenheit erste Bilder zu machen. Mir persönlich geht es auch immer so, dass ich mich erst an die Sache herantasten muss und dankbar bin, ein paar Testfotos machen zu können, bevor es ernst wird.

Ich hatte mir extra für die Veranstaltung von Tamron ein 18 – 400 mm Objektiv ausgeliehen. Hier zahlte sich der große Zoombereich sofort aus, da ich bereits aus großer Entfernung die ersten Bilder der Herannahenden machen konnte. Näheres zum Objektiv in zwei Wochen im Testbericht der Linse hier im Blog.

Die Kompression der Telebrennweite verdichtet die Szenerie zusätzlilch, so dass die Kraft und Energie der Tiere, welche durch die Hirten mit den Stäben im Zaum gehalten wurden, besonders gut zur Geltung kommt. Die Rinder sind ja doch mehr als einen Meter lang – auf dem Bild wird diese Szenerie so gestaucht, dass, für mich, eine besondere Dramatik entsteht.

Und für die eigene Sicherheit ist ebenfalls gesorgt, da ich rechtzeitig, bevor die Tiere mich erreichen, für ausreichend Sicherheitsabstand sorgen kann. Für die Schärfe im Bild habe ich einen alten Trick von Scott Kelby angewandt. Der empfiehlt, wenn man sich unsicher ist mit langer Brennweite aus der Hand zu fotografieren den Serienbildmodus an der Kamera einzuschalten. Dann so ca. 3 – 5 Bilder machen – die Ausbeute an scharfen Bildern ist so größer, als wenn immer nur ein Bild gemacht wird, kontrolliert wird, wieder fotografiert wird usw.

So warteten wir auch noch die nächste Gruppe einer weiteren Alpe ab, damit jeder Gelegenheit hatte, unsterschiedliche Positionen und Perspektiven auszuprobieren. Denn nichts ist langweiliger, als immer nur auf Augenhöhe zu fotografieren.

Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück, da die neblige Stimmung ausgezeichnet zur Jahreszeit und Veranstaltung passt. Zudem waren bei der Luftfeuchtigkeit und Kälte die dampfenden Tiere genau das, was ich mir vorher als Zielbild in den Kopf gesetzt hatte.

Auch ich begab mich schließlich auf Tauchstation und legte mich im nebelfeuchten Gras auf den Bauch. Es ging ja schließlich darum ungewöhnliche Ansichten zu finden und das gelang mir in diesem Moment sehr gut.
Diese beiden Bilder oben und unten sind die derzeit am meisten beachteten Bilder von mir auf Facebook. 20.000 Menschen haben diese Bilder in der ersten Woche gesehen, hunderte Likes und mehrere Dutzend Kommentare dazu haben mich sehr stolz gemacht.

Unterwegs kamen wir auch ein einem Hof vorbei, an dem wir das Schmücken des Kranzrindes aus nächster Nähe beobachten konnten.
Hier habe ich mir dann auch die Zeit genommen, um einmal die Details der Veranstaltung festzuhalten. Die festlich gerichteten Haare der Teilnehmerinnen
die Anspannung bei den Teilnehmern
oder auch einfach nur die Tracht und Tradition der Veranstaltung selbst

Aprospos ungewöhnliche Ansichten:
Die Rinder selbst sind ja die Hauptakteure bei dieser Veranstaltug. Also warum nicht diese auch mal ungewöhnlich ablichten?

Vom unten und nur die Füße – reicht doch auch um zu zeigen, wo man war.

Kuriose Bilder lassen sich auch erzielen, wenn man bei ca. 1/20 s Belichtungszeit mit der Herde einen sog. „Mitzieher“ versucht. Man könnte fast meinen, die Herde rennt im Galopp vorbei…

Oder einfach mal die Augen offen halten für die kleinen Randerscheinungen, wie den kleinen Jugen, der anscheinend noch zu jung war, um den ganzen Weg zu Fuß zu laufen. Auf Grund seiner Tracht lässt er aber deutlich erkennen, dass er dazu gehört.

Am Scheidplatz angekommen traf uns die gesamte Wucht der versammtelten Touristenschar mit einem Schlag. es war schon ein gewaltiger Unterschied zur Abgeschiedenheit draußen im Tal – doch das gehört mittlerweile auch dazu.

Der Einlauf der Kühe in den Pferch musste schließlich ebenfalls dokumentiert sein, wie auch die Umrahmung des Spektakels mit den unzähligen Schaulustigen aus Nah und Fern.

Hier waren dann auch Portraits der Hirten möglich, denen man die Erleichterung ansah, das alles zu einem guten Ende gekommen ist.

Auch hier boten sich wieder viele Gelegenheiten zu ungewöhnlichen Ansichten und Bildgestaltungen, wie z. B. die Kuh durch den Schellengurt hindurch fotografiert.

Alles in allem war es ein sehr gelungener Workshop dank der Ortskenntnis von Manuela Prediger. sie wusste, wie der Ablauf sein wird und wo die interessantesten Stellen auf dem Weg durch das Tal sind. Allein die Tatsache, dass ich noch nie an einem halben Tag ca. 1000 Fotos gemacht habe spricht dafür, wie viele Möglichkeiten sich hier geboten haben.

Ich hoffe es ist eine kleine Anregung für Euch dabei, auch einmal ausgetretene Pfade zu verlassen und nicht genau da fotografieren zu wollen, wo alle Bilder machen. In diesem Sinne wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

U-Bahn München 2018

Ich habe es wieder getan! Zum insgesamt vierten Mal war ich in München in der U-Bahn und habe fünf weitere Bahnhöfe fotografiert:

Josephsburg:
Der Bahnhof Josephsburg liegt in einer leichten Kurve und besticht durch das schöne, große Schachbrettmuster der Granitfliesen auf dem Fussboden.

Zusammen mit der (eigenwilligen) Beleuchtung hat dieser Bahnhof eine schöne Dynamik.

Die Deckenleuchten sind immer wieder durch bunte Glaslamellen unterbrochen, so dass das bunte Spiel der Farben für zusätzliche optische Reize sorgt.
Interessant sind die Bilder auch dann, wenn nicht alles scharf dargestellt wird. Durch die Beleuchtungssituation fällt es leicht, die Belichtungszeit so zu erhöhen, dass schöne verschwommene Züge oder geisterhafte Menschen auf den Fotos abgebildet werden. Das gibt die Dynamik wieder, welche an einem solchen Platz herrscht. Schließlich dient der U-Bahnhof ja der Fortbewegung – also darf diese Bewegung gerne auch einmal gezeigt werden.

Kreillerstraße:
Dieser Bahnhof ist dank der verwendeten großen Aluminiumplatten extrem hell.
Die Gestaltung ähnelt stark der ebenfalls hell erleuchteten Station Fürstenried West.
Die indirekte Beleuchtung wird dank der gewölbten Decke über den gesamten Bereich des Bahnhofs geleitet.
Vereinzelte Mosaike in den Seitenwänden lockern die metallisch anmutende Beplankung wieder auf und sorgen für Abwechslung an den Wänden.
Für die bestmögliche Bildwirkung sollte in solchen Fällen das Augenmerk auf die Symmetrie gelegt werden. Anhand der Einrichtung oder der Bodenfliesen lässt sich hier schön ein Mittelpunkt auf dem Bahnsteig finden. Und sollten einmal alle Stricke reißen und eine Rolltreppe allzu dominant in eine Ecke des Bildes ragen, dann hilft in letzter Not immer noch Photoshop. Die gute Seite des Bildes einfach gespiegelt über den Makel legen – wer nicht dabei war, weiß schließlich nicht, dass dort etwas störendes war.

Messestadt Ost:
Die Endstation der U2 hat bereits im Außenbereich ein sehenswertes Detail. Es befindet sich nämlich eine Sonnenuhr direkt vor dem Eingang zur U-Bahn, welche die Uhrzeit in ihrer trichterförmigen Umrandung anzeigt.
Im Inneren sind die bewährten Lichtbänder, welche dafür sorgen, dass überall ausreichend Beleuchtung vorhanden ist.
Da es sich hier um einen Endbahnhof handelt, ist das Aufkommen an Fahrgästen relativ gering, so dass entspannt fotografiert werden kann.

Messestadt West:
Mit seinen rostrot- und orangefarbenen Wänden lädt dieser Bahnhof ein, Bilder im Grungelook zu erstellen.
Der säulenlose Bahnhof, mit seinen blau schimmernden Oberlichtern, bietet die perfekte Spielwiese, um mit der Symmetrie der Architektur zu spielen. An der Ostseite ragen noch Fenster des eingebauten Cafes in den Bahnhof, so dass hier die Gleichförmigkeit gebrochen wird.
Fotografisch kann sowohl die Weite der Anlage im Querformat, als auch die Betonung der Farben und Formen im Hochformat genutzt werden.
In der Architekturfotografie ist es eigentlich verpönt, das Objektiv nach oben zu richten. Man will ja schließlich die sog. stürzenden Linien vermeiden. Es gibt keine Regel, die nicht auch gebrochen werden kann – vor allem, wenn es darum geht, Führungslinien zu erzeugen. Die in der Weite zusammenlaufenden Lichtbänder oder auch Seitenwände saugen den Blick des Betrachters förmlich in die Tiefe hinein. Eine bessere Methode die verloren gegangene Dreidimensionalität zu simulieren gibt es nicht.

Moosfeld:
Charakteristisch für diese Station sind die übergroßen Letter an den Wänden, die den Namen des Bahnhofs weithin sichtbar werden lassen.
An den gegenüberliegenden Wänden sind die Letter einmal rot in grau und einmal grau auf rot eingelassen.
Immer wieder reizt es mich, den einfahrenden Zug als „Geisterzug“ ins Bild zu bekommen. Dabei kann ich nicht einmal ein Rezept vorstellen, nach dem das sicher gelingt. Einfach probieren – wenn der Zug in die Station einfährt, den Auslöser betätigen und sich überraschen lassen, was die Kamera zu Tage bringt. Die Belichtungszeit sollte allerdings schon etwas länger sein, damit die Lichtspuren erscheinen können.
Die immer noch futuristisch anmutenden Leuchten passen perfekt zu dem modern gestalteten Bahnhof.
Dieser Bahnhof war wegen dem markanten Schriftzug für diesen Ausflug mein „must-have“. Trotz diverser Unannehmlichkeiten wegen dem eingeschränkten Betrieb dank der Baustelle Sendlinger Tor war es uns gelungen, der U2 bis zum Ende zu folgen und diese schönen Bahnhöfe einzufangen.

Ich hoffe, dieser Ausflug in den Münchener Untergrund hat wieder etwas Spaß gemacht. Ich habe nun 27 Stationen fotografiert und beschrieben. Von den insgesamt hundert Stationen habe ich also noch eine ganze Menge übrig, wenn sich auch nicht jede unbedingt lohnt, fotografiert zu werden.

Die früheren Beiträge findet Ihr unter:

U-Bahn-Fotografie: Grundsätzliches

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 1

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 2

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 3

U-Bahnhöfe Teil 4:

U-Bahnhöfe Teil 5:

Best of U-Bahn München

Sobald ich mich wieder auf den Weg mache, werde ich auch wieder davon berichten. Bis dahin wünsche ich Euch allen für Eure fotografischen Expeditionen allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Hinweis:
Die Beschreibungen der Stationen sind zum großen Teil an die Beschreibungen auf den  Internetseiten von https://www.u-bahn-muenchen.de/ angelehnt.

Wie fotografiert man eigentlich…

… die Milchstraße?

Wer sich für diese Thematik interessiert, der ist hier genau richtig. In diesem Beitrag möchte ich Euch die Grundlagen der Sternen- und Milchstraßenfotografie näher bringen. Wenn man erst mal weiß, wie es geht, wird man überrascht sein, welche Möglichkeiten einem sich hier eröffnen.

Mit den heute käuflichen Digitalkameras ist es eigentlich leicht , das Sternenzelt einzufangen. Das größte Hindernis auf dem Weg zum gelungenen Bild ist die in Mitteleuropa vorherrschende Lichtverschmutzung in den Nächten. Wie Käseglocken hängen die Lichtkugeln über den Städten und beeinflussen so unser Sehen. Durch das Restlicht der Straßenbeleuchtung kann man in der Nähe von Städten nur sehr wenige Sterne wahrnehmen. Richtet man jetzt die Kamera in den Nachthimmel wird entweder der Himmel schwarz, wenn die Beleuchtung mit im Bild ist, oder der untere Bildrand überbelichtet und damit ausgebrannt dargestellt.

Einzige Abhilfe für dieses Problem ist es, sich eine Gegend zu suchen, in der man möglichst weit von der Zivilisation entfernt ist, oder in ein einsames Tal  fahren, in dem die Berge die Beeinflussung größtmöglich abschirmen.
Bei der Suche kann man sich im Internet helfen lassen. Zum Beispiel auf der Seite Dark Site Finder können Karten mit der vorhandenen Lichtverschmutzung angeschaut werden und im Vorfeld zur Planung mit einbezogen werden.
Es gibt auch Plugins für z. B. Google Earth, wenn man sich damit näher auseinandersetzen will. Einfach mal den Begriff „Lichtverschmutzung“ oder „light pollution map“ in die Suchmaschine Deines Vertrauens eingeben – da wird man sicher fündig!

Eine weitere Einschränkungen bieten ausserdem noch die Mondphasen. So richtig dunkel ist es nämlich nur, wenn entweder kein Mond am Nachthimmel ist oder rund um Neumond. Selbst das vom Mond reflektierte Sonnenlicht beeinflusst die Szene so, dass die Michstraße nicht in ihrer vollen Pracht fotografiert werden kann.

Als ich eines Nachts bei uns ins Tannheimer Tal an den Vilsalpsee gefahren bin, war ich fünf Minuten nach Verlassen des Autos vollständig geplättet. Als sich die Augen an die dunkle Umgebung angepasst hatten, war es tatsächlich möglich, die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen. Ein Anblick, den ich so zu Hause nicht genießen kann.

Überall dort, wo dies nicht möglich ist, wäre es von Vorteil, wenn Du Dir eine App auf Dein Smartphone ziehst, mit der vor Ort der momentane Stand der Milchstraße abgecheckt werden kann. Solche Apps sind z. B. Sun Surveyor, Photo Pills oder The Photographers Ephemeris (TPE). Letztes Jahr habe ich über nützliche Apps einen eigenen Beitrag geschrieben – einfach mal klicken
Es ist nämlich ziemlich mühsam, wenn man Stück für Stück den Nachthimmel mit der Kamera absucht – immer wieder ein Bild macht und die Kamera anschließend wieder fünf Grad weiter dreht – bis man die Milchstraße endlich gefunden hat.

Wenn man sich schließlich an seinen gewünschten Ort befindet, sich unter Umständen mitten in der Nacht aus dem Bett gequält hat und alles eingerichtet ist, dann kommt die Frage aller Fragen: Welche Einstellungen soll ich verwenden? Benjamin J. aus B. würde sagen: „Sag‘ ma‘ Einstellungen Digga!“
Das die Aufnahmen nur mit Hilfe eines stabilen Stativs gelingen, muss ich ja nicht extra erwähnen.
Grundsätzlich ist ein Weitwinkelobjektiv mit großer Blendenöffnung (f 2,8 oder besser) sehr vorteilhaft. Mein Sigma 10-20 hat jedoch als kleinste Blende nur f 3,5 und mit diesem Objektiv kann ich noch brauchbare Bilder schießen. Also Blende ganz öffnen (kleinst möglichen Wert wählen).
Die Verschlusszeit sollte nicht länger als 25 – 30 Sekunden sein, da ansonsten die Sterne bereits nicht mehr scharf sind. Sollte man gar nicht glauben, wie schnell sich doch die Erde dreht.
Bei der ISO-Zahl kommt es jetzt stark auf die Kamera an. Neuere Modelle verkraften schon mal 1600 oder auch 3200 ISO. Profi-Modelle auch noch mehr. Bei Einsteigermodellen oder älteren Kameras kann das zum Problem werden. Wenn mit der ISO nicht so hoch gegangen werden kann, werden die Bilder auf jeden Fall sehr dunkel werden. Das bedeutet, die Belichtungszeit müsste verlängert werden, was zu unscharfen Sternen führt usw.
Für meine Kamera, Canon EOS 70D, mit dem bereits erwähnten Sigma-Weitwinkelobjektiv habe ich folgende Werte als brauchbar ermittelt:
Blende f 3,5, ISO 3200, Belichtungszeit 25 Sekunden

Was auch noch zu erwähnen wäre, ist bei der Bildkomposition auf einen Vordergrund zu achten. Einfach nur den Nachthimmel vor einer schwarzen Landschaft aufzunehmen ist nicht das Rezept für ein schönes Bild.
Wenn es etwas gibt, was in der Dunkelheit zu verschwinden droht, hilft eine Taschenlampe, die man bei der nächtlichen Exkursion sowieso dabei haben wird, sehr gut weiter. Einfach innerhalb der Belichtungszeit für ca. 5 Sekunden das Objekt mit der Taschenlampe anstrahlen und schon hat man etwas interessantes im Vordergrund vor der Milchstraße.
Im Winter gelingen die Bilder besser, als im Sommer, da erstens der Nachthimmel klarer ist und zweitens bei den kühleren Temperaturen das Rauschverhalten des Kamerasensors erheblich besser ist.

Ich hoffe, es war wieder etwas interessantes für Euch dabei. Es gibt im Internet unzählige Abhandlungen zu diesem Thema – manche machen eine kleine Wissenschaft daraus. Für meine Zwecke reichen die genannten Einstellungen, welche von Fall zu Fall im geringen Umfang modifiziert werden können. Probiert es einfach aus.

Ich wünsche Euch für die Ausflüge in die Nachtfotografie trotzdem allzeit gutes Licht, auch wenn augenscheinlich nicht viel davon zu sehen sein wird.

Werner Kutter

 

 

Was ist eigentlich ein HDR-Bild?

In diesem Beitrag möchte ich Euch erklären, was es mit dem Begriff „HDR-Bild“ auf sich hat.
Dazu werde ich als erstes erklären,  was das kryptische Kürzel für eine Bedeutung hat. HDR ist die Abkürzung für den englischen Begriff „High Dynamic Range“ was soviel bedeutet, wie grosser Dynamikumfang. Der Dynamikumfang beschreibt den Bereich zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Punkt einer Szene,  bzw. eines Bildes.
Das menschliche Auge ist in Zusammenarbeit mit unserem Gehirn hier jeder  Kamera bzw. dem Sensor in der Kamera weit überlegen.  Unsere Augen können einen Dynamikumfang von 20 Blendenstufen wahrnehmen.  Zum Vergleich: aktuelle Sensoren moderner Spiegelreflexkameras schaffen gerade mal 12 Stufen im unkomprimierten RAW-Modus und 8 Stufen im jpeg-Modus.
Daraus ergiebt sich, dass bei Motiven mit einer großen Bandbreite zwischen hellen und dunklen Bildteilen bei den Kameras Abstriche in kauf genommen werden müssen. Entweder die hellen Bereiche werden überbelichtet  (die Lichter sind ausgefressen) oder die dunklen unterbelichtet  (die Tiefen saufen ab). Soll heißen,  in den Lichtern sind Bereiche rein weiß,  ohne Zeichnung,  bzw. in den Tiefen sind Teile rein schwarz, ebenfalls ohne Informationen für eine Wiederherstellung.  Diese kann man am Computer mit Bildbearbeitungsprogrammen wie z. B. Lightroom versuchen. Werden hier jedoch die Lichter zu sehr zurück genommen,  werden diese Bereiche gerne grau und etwas „matschig „. Bei der Anhebung der Tiefen wiederum stellt sich schnell störendes Rauschen ein, welches ebenfalls ein gutes Bild unbrauchbar machen kann.
Was also tun, um einen möglichst großen Helligkeitsumfang in ein Bild zu bekommen? Hier kommt jetzt die HDR-Technik zum Einsatz. Lange Zeit war dieser Begriff Synonym für fast schon psychodelisch bunte Bilder, welche nichts mehr mit der natürlichen Wahrnehmung zu tun hatten.
Die Programme von damals (z. B. Photomatix oder HDR-Pro) berechneten so knallhart alles zusammen,  dass jegliche Natürlichkeit auf der Strecke blieb. Heute kann man in Lightroom die Bilder ganz „sanft“ verrechnen lassen, um z. B. anschließend die Tiefen ohne Rauschen aufhellen zu können und die natürliche Bildaussage nicht zu zerstören.
Wie ist also die Vorgehensweise,  um zu einem HDR-Bild zu gelangen?
Die besten Ergebnisse erzielt man natürlich vom Stativ aus, da mehrere Aufnahmen der gleiche Szene möglichst kurz hintereinander angefertigt werden müssen. Bei entsprechend kurzen Verschlusszeiten kann es durchaus auch „aus der Hand “ funktionieren,  sicherer ist es jedoch mit einem Stativ. Alle modernen Kameras bieten einen Modus, welcher sogenannte Belichtungsreihen erstellen lässt.  Meist ist der Modus bei den Belichtungskorrektureinstellungen und nennt sich „automatische Belichtungsreihe“, „AEB“ oder ähnlich.

Im Menü wird eingestellt,  wie viele Aufnahmen gemacht werden sollen. Standard wird meist 3 Bilder sein, es können fast immer auch 5, 7 oder sogar 9 Aufnahmen eingestellt werden. Hier muss bitte jeder in seiner Beschreibung der Kamera nachlesen,  wie genau diese Wahl getroffen wird. Beim  Einstellen des Modus wählt man dann noch aus, wie weit die einzelnen  Belichtungen auseinander liegen sollen. Bei drei Bildern wählt man z. B. eine normale, eine um eine Stufe unterbelichtete und damit eine um eine Stufe überbelichtete Aufnahme.
Bei meiner Canon EOS 70D habe ich festgestellt,  dass die Kamera im Live-View-Modus die Aufnahmen direkt nacheinander ausführt, während normal jedes Bild separat ausgelöst werden muss.
Man kann die Belichtungsreihe im manuellen Modus natürlich durch Änderung der Belichtungszeit selbstverständlich auch manuell erstellen – das Ergebnis wird das selbe sein. Doch Vorsicht: Wenn sich Bildteile in Bewegung befinden (z. B.. Wolken) kann die Zeit zwischen den Belichtungen zu lange werden und beim Zusammenfügen entstehen seltsam aussehende Artefakte.

Bei der Auswahl von 3 Belichtungen erhält man als Ergebnis ein normales,

ein zu helles

und ein zu dunkles Bild.

Aus dem zu hellen nimmt das Programm die Infos für die Schatten (dunkle Bildteile) und aus dem zu dunklen die für die Lichter (helle Bildteile). Beides wird mit dem korrekt belichteten Foto verrechnet,  so dass nun beim reduzieren der Lichter und dem Anheben der Schatten mehr Spielraum entsteht. Es können mehr Details wieder hergestellt werden, ohne Störungen im Bild zu erzeugen.

Zusammenfügen lassen sich die Bilder z. B. in Lightroom indem die Bilder markiert werden und mit einem rechten Mausklick zusammenfügen zu… HDR ausgwählt wird. Als Ergebnis erhält man eine neue Datei mit dem Zusatz HDR im Namen und erheblich größerem Dynamikumfang.  Die Weiterentwicklung des Fotos kann dann wie gewohnt erfolgen. Allerdings sollte man trotz aller Reserven das Spiel mit den Reglern nicht übertreiben um einen natürlichen Touch zu behalten.
Es gibt auch Programme, die außerhalb von Photoshop und Lightroom funktionieren z. B. hat Macphun gerade das Programm Aurora HDR 2018 für PC-User auf den Markt gebracht.

Ich hoffe, der ein oder andere Tipp war wieder dabei und die Neugier auch mal so ein Bild zu kreieren ist geweckt. Ich wünsche Euch dafür viel Erfolg und allzeit gutes Licht!
Werner Kutter

Zeit zum fotografieren…


…nehmen ist eine gute Voraussetzung für gelungene Bilder.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ebenso wichtig ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Man kann den Sonnenaufgang nunmal im Sommer nur vor 6 Uhr einfangen. Da muss der Langschläfer schon mal durch!
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die Uhrzeit keine große Rolle spielt, ist es sehr wohl ein großer Unterschied, ob die Sonne flach am Horizont oder steil am Himmel steht. Und das war der größte Fehler, den auch ich sehr lange begangen habe – ich habe zu wenig früh morgens und spät abends fotografiert und diese Gegebenheiten zu lange zu wenig beachtet.

Oder auch bei schlechtem Wetter. Die heute erwerbbaren Kameras sind alle soweit spritzwassergeschützt,  so dass ein leichter Regenschauer der Elektronik nichts ausmacht. Man muss ja nicht direkt in den Dauerregen stehen, aber ein paar Regentropfen kann jede Kamera ab. Generell ist das Fotografieren tagsüber bei bewölktem oder bedecktem Himmel besser, als wenn die Sonne runterknallt. Bei oder kurz nach dem Regenschauer kommen noch viele weiteren Motivmöglichkeiten hinzu, die schnell übersehen werden: Spiegelungen im Wasser, in Pfützen. Oft lassen sich so kuriose Motive ablichten, bei denen die Welt quasi auf dem Kopf steht.

Oder ein schöner Regenbogen spannt sich am Himmel von einer Seite auf die Andere.

Tagsüber bei hellem Sonnenschein sind die Gegebenheiten meist ungünstig. Personen kneifen die Augen zu, Gebäude und deren Teile werfen äußerst kurze Schatten, so dass die dreidimensionalität der Dinge nahezu verloren geht. Viele Motive werden dadurch schlicht flach, kontrastarm und bei vielen Situationen wird der Sensor der Kamera schlicht überfordert, da er bei weitem nicht diesen großen Dynamikumfang, wie das menschliche Auge abbilden kann. Hier wird dann entweder der helle Bildteil überbelichtet oder das dunkle schlicht schwarz. Wenn man nicht gerade Silhouetten im Gegenlicht aufnehmen will, wartet man leichter, bis z. B,. durch eine Wolke das Licht indirekter und diffuser wird.

Die beste Zeit für Fotografen ist, ohne Zweifel, früh morgens oder am Abend. Morgens hat man den Vorteil, dass z. B. an Seen und Gewässern noch kaum Wind herrscht und so die Szenerie allgemein ruhiger ist. Für die Fotografie mit dem vorhandenen Licht (avaiable light) sind die Zeiten wie folgt aufgeteilt:  Die Nacht, die morgendliche Blaue Stunde und die goldene Stunde am Morgen. Am Abend wiederholt sich das Spektakel in umgekehrter Reihenfolge.
In der Nacht ist der Himmel in der Regel tief schwarz. Hier kann allenfalls der Sternenhimmel, mit der Milchstraße rund um Neumond, fotografisch verwertet werden. Ansonsten muss mit zusätzlichem Lichteinsatz fotografiert werden.

Der Begriff mit der blauen und goldenen Stunde soll nicht bedeuten, dass diese Lichtsituation genau diese Zeitspanne anhält –  nein, das ist eher redensartlich gemeint. Denn je nach Jahreszeit und Ort an dem man sich befindet, ändert sich dieser Zeitraum dramatisch. So sind die Phänomene rund um den Äquator fast gar nicht feststellbar, je näher man den Polen kommt, um so länger dauern diese Phasen bis hin zur Mitternachtssonne am Polarkreis, die wiederum die blaue Stunde und die Nacht verhindert.
Noch lange bevor der erste Sonnenstrahl den Horizont erhellt ändert sich das schwarz der Nacht in ein tiefblau – das erste Licht, welches sich fotografisch abbilden lässt.

Nach der blauen Stunde kommt das eigentliche Farbspektakel, wenn die Sonnenstrahlen den Horizont überqueren. Die Sonne muss hierzu noch gar nicht aufgegangen sein – die Farben sind da, angefangen von einem Ton in Richtung Margenta

der später dann  dominiert wird vom Orangerot der Sonne. Die goldene Stunde hat angefangen.

Wenn die Sonne schließlich der Horizont überquert hat, dauert es nicht mehr lange, bis das Farbenspiel zu Ende geht. Rund um die Mittagszeit – etwa zwischen 10 und 16 Uhr im Sommer – ruht der Landschaftsfotograf, da jetzt die denkbar schlechteste Zeit ist für schöne Bilder. Erst am Abend, wiederholt sich das Spiel in umgekehrter Reihenfolge. Dann wird es wieder Zeit seinen Spot aufzusuchen und nach dem besten Bildauschnitt ausschau zu halten.

Damit möchte ich es für heute belassen und wünsche Euch für Eure Sonnenauf- und untergänge allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 2


Diese Woche bewegen wir uns weiter nach Osten, von Norden und Norddeich, auch ein Stück ins Landesinnere und wieder zurück an die Küste bis Harlesiel.

In Norddeich starten die Autofähren nach Norderney und Juist. Hier ist immer was los und bei gutem Wetter lassen sich auch tolle Aufnahmen von Norderneys weithin sichtbarem Wahrzeichen, dem Leuchtturm, machen. Auch in Norddeich reihen sich Hotels, Gaststätten und Fischbuden aneinander. Die hungrige Seele kann hier von allem etwas abbekommen. Frische Seeluft für die Lungen genau so, wie frischen Fisch für den Magen. Und natürlich finden sich hier auch Plätze am Deich, um einen schönen Sonnenuntergang einzufangen.
Norden ist die nordwestlichste Stadt Deutschlands und so etwas, wie der Hauptort hier oben. Auch hier sind Windmühlen zu bestaunen, auch wenn sich rund um eine ein Einkaufszentrum breit gemacht hat, was für mich etwas verwunderlich wirkt. Ein schönes Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und guten Gaststätten und einer kleinen Fußgängerzone lädt zum Verweilen ein. Im Tee-Museum z. B. kann man sich in alle Geheimnisse und Gepflogenheiten rund um den Ostfriesentee einweisen lassen. Mein Tipp zum Essen ist das Restaurant Minna. Hier gibt es eine kleine, feine Karte – sogar ein vom NDR prämiertes Gericht ist darauf zu finden.

Etwas weiter westlich finden wir das Schloss Lütetsburg, direkt an der alten Landstraße zwischen Norden und Hage.

Hier kann das Fotografenherz im Mai/Juni beinahe aus der Brust springen. Im Schlosspark wurde eine überbordende Anzahl von Rhododendren angepflanzt. Hier müssen im Frühjahr ganze Blütenwände stehen – leider war ich erst Ende Juni in der Gegend und die Blüte schon zum Großteil vorbei. Während der Blüte ist das Mitbringen des Makro-Objektivs Pflicht!
Weiter südwestlich im Landesinneren wartet noch ein Kleinod für den Makroliebhaber: das Ewige Meer.

Eine Moorlandschaft der Extraklasse. Blindschleichen, Salamander, Libellen, seltene Pflanzen – wer hier mit der Makro-Linse nicht fündig wird sollte sich ernsthaft ein anderes Hobby suchen. Ein wunderbarer Holzsteg führt mit einem Naturlehrpfad durch das Hochmoor. 90 Minuten sollte man mindestens einplanen – Fotografen natürlich entsprechend mehr!

Etwas weiter südlich, auch südlich von Aurich, befindet sich eine Gedenkstätte der alten Klosteranlage Ihlow. Stahl und Holz bilden die Pfeiler und das Gewölbe des einst größten Gotteshauses zwischen Bremen und Groningen nach. Wanderwege im Wald laden zum flanieren ein, die künstlerische Aufarbeitung der Vergangenheit lädt zum fotografieren ein. So ist für alle etwas dabei, die mit auf Reisen gehen.

Auf dem Weg nach Norden, zurück an die Küste, machen wir noch halt in einem Windkraftanlagen-Park.  Zwischen Westerholt und Esens gibt es eine begehbare Windkraftanlage – natürlich nur für Schwindelfreie!
Die Plattform befindet sich auf einer Höhe von 62 mt und ist über eine
297 Stufen zählende Wendeltreppe im Turm zu erreichen.
Oben angekommen findet man eine geschlossene Plattform mit schräg gestellten Fenstern vor, die bei guter Sicht einen Ausblick bis nach Holland zulässt. Wenn die Menge der Interessenten überschaubar ist, wird auch schon mal die Luke zum Generator und auch die Dachluke für den ungestörten Ausblick geöffnet. Da wurde allerdings selbst mir ein bisschen Mulmig.

Der Ausblick ist, wenn man es verträgt, jedenfalls überwältigend.

Auf unserem weiteren Weg an die Küste befinden wir uns meistens auf der norddeutschen Straße der Windmühlen. Dies bezieht sich jetzt jedoch auf die historischen Windmühlen und nicht die, zahlenmäßig stark überlegenen, modernen Windkraftanlagen.  In vielen kleinen Dörfern kann man sie besichtigen – ein paar wenige sind sogar noch in Betrieb.

Unterschiedlichste Bauformen treffen hier aufeinander. Viele Mühlen sind zwar mittlerweile von Häusern umringt, ein paar wenige stehen noch so frei, dass sich das Anhalten wirklich lohnt.
Auch hier gilt – bei Weitwinkelaufnahmen nicht zu sehr die Kamera nach oben richten, um stürzende Linien zu vermeiden. Man kann es aber auch absichtlich übertreiben und dies als Stilmittel einsetzen – jede Regel lässt sich brechen.
Bei den meisten Küstendörfern sind die Häfen hinter den Deichen geschützt schön angelegt bzw. restauriert. Ein Spaziergang entlang des Wassers lädt immer wieder zum Fotografieren ein – sind doch die unterschiedlichsten Boote und Schiffe am Kai festgemacht.
Bei all den Schönheiten darf auch das Dorfgeschehen ein paar Meter Abseits der Massen nicht vergessen werden. Wenn an den Flaniermeilen sich Besucherströme durch die Gassen drücken, ist im weiter innen liegenden Dorfkern oft auch noch einiges Fotogenes zu entdecken. Nicht selten durchziehen Grachten die Orte und bewegliche Holzbrücken dienen immer noch als Übergang und auch als Fotomotiv.
Ich könnte noch ein paar Wochen weiter schreiben, so sehr habe ich mich in diesen Küstenabschnitt verliebt. Durchwegs freundliche Menschen machen es einem leicht, hier den Urlaub zu verbirngen. Für Eure schönste Jahreszeit, den Urlaub, und die fotografischen Unternehmungen wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 1

Ostfriesland ist reich an Sehenswürdigkeiten. Der kleinste und der höchste Leuchtturm Deutschlands stehen nur 12 km auseinander. Der schiefste Turm der Welt steht ebenfalls hier und nicht in Italien. Berge von Rhododendren im Schloss Lütetsburg im Mai, die Silhouette einer Kirche im Wald – gewöhnliches und außergewöhnliches reihen sich hier in nächster Nähe aneinander; man muss nur noch die Reihenfolge festlegen und los geht’s. 

Fangen wir im Westen an und arbeiten uns ostwärts voran. An spannenden Orten zum Entdecken, Entspannen und Fotografieren mangelt es sicher nicht.

Emden beherbergt gleich zu Beginn jede Menge interessanter Motive – und ich meine jetzt nicht nur den Ottifanten, der sich mit seinem Kopf durch die Wand aus dem Otto – Huus schleichen will.

Gleich gegenüber ist der schöne Hafen an dem man sich den historisch anmutenden Schiffen nähern kann. Backsteinromatik, wohin das Auge schaut. In der Pelzerstrasse 12 beispielsweise wurde die alte Fassade schön restauriert. Im Inneren ist ein Café, in dem Menschen mit Handicap arbeiten.  So hilft ein Besuch und die Einkehr auch noch einem guten Zweck. Und der Ostfiesentee ist wirklich sehr gut!
Fototechnisch ist bei Architekturbildern hauptsächlich darauf zu achten, dass das Objektiv nicht zu stark nach oben gerichtet wird. Wenn im Weitwinkelbereich hier übertrieben wird, dann entstehen die unschönen „stürzenden Linien“ – eigentlich aufrecht stehende Häuser und Türme sehen dann so aus als würden sie nach hinten stürzen.

14 km weiter westlich ist der Knock – der nordwestliche Zipfel Deutschlands. Hier kann man über den Dollart quasi nach Holland spucken. Der alte Fritz steht am Ufer und wacht darüber, dass der Konsum von Tee und Kaffee nicht überhand nimmt.
Hier kann es sehr schöne Sonnenuntergänge geben, welche im Zusammenspiel mit den vorhandenen Figuren und Gebäuden alles bieten werden, was ein Bild braucht: Vordergrund, die Bildmite und der Sonnenuntergang im Hintergrund. 

Der Kirchturm in Suurhuusen, 6 km nördlich von Emden, welcher eine Schräglage von 5,19 Grad aufweist ist der wirklich schiefste auf Erden. Ganz egal, was die Italiener immer behaupten, der berühmte Turm in Pisa hat nur 3,97! Das alles und der höchste deutsche Leuchtturm in Campen (für meinen Geschmack ein hässlicher Stahlturm ohne „Seele“) ist im Umland von Emden zu finden.

Der kleinste Leuchtturm Deutschlands ist wahrscheinlich auch gleichzeitig der bekannteste. Otto Waalkes hat ihn in seinen Kino–Film „Otto der Ausserfriesische“ 1989 eingebaut und ihm so zu Weltruhm verholfen. Der Pilsumer Leuchtturm ist lediglich 15 mt hoch und somit der kleinste aller Leuchttürme hierzulande. Das für die Schifffahrt wichtige Leuchtfeuer befindet sich gar nur auf 11 Metern. Zu beachten gilt hier, wie an fast allen Deichabschnitten, dass das Mitführen von Hunden wg. der Schafhaltung strengstens verboten ist.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt Greetsiel. Ein malerischer Ort mit seinen engen Gassen und kleinen Grachten. Am Ortsrand gleich gegenüber dem Parkplatz begrüßen einen die Zwillings-Windmühlen – das Wahrzeichen von Greetsiel.

Der Ortskern ist autofrei und so ist dem gemütlichen Flanieren nichts im Weg. Zahllose Lokale und Gaststätten laden zum Genießen und Verweilen ein. Nirgends schmecken Fisch und Krabben so gut, wie hier – direkt an der Küste.
Schön ist es hier vor allem in der endlos erscheinenden Abenddämmerung bis zur blauen Stunde. Herrliche Pflasterstraßen und beleuchtete Gebäude geben einen tollen Rahmen für stimmungsvolle Bilder.

Immer wieder interessant ist auch der Ausblick aufs Meer. Von fas allen Stellen an der Küste ist immer mindestens eine der vorgelagerten ostfriesischen Inseln zu sehen.  Von Borkum ganz im Westen vor Holland bis Wangerooge ganz im Osten – immer hat man „Land in Sicht“.

Das nächste Mal führt  uns unsere Rundfahrt von Norden/Norddeich bis nach Harlesiel – und einmal gehen wir dabei sogar noch hoch hinaus! In diesem Sinne wünsche ich Euch bis nächste Woche alles gute und für die Fotos allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

 

Reisebericht Urwald Sababurg

Knapp südlich des Teutoburger Waldes, im nordhessischen Landkreis Kassel liegt der Urwald Sababurg, auch als Urwald im Reinhardswald bekannt.  Er ist ein unter Natur- und Landschaftsschutz stehendes und aus einem Hutewald hervorgegangenes Waldgebiet und zugleich -biotop. In seiner urwüchsigen Form ist er für ganz Mitteleuropa einzigartig.  Er steht seit 1907 unter Schutz und ist damit Hessens ältestes Naturschutzgebiet.

Der „urige“ Charakter des 92 ha[ großen „Urwaldes“ wird geprägt von alten Hutebäumen. Die mächtigen, knorrigen „800 bis 1000-jährigen Eichen“ und dick- oder mehrstämmigen Buchen sind Zeugen einer jahrhundertelangen Bewirtschaftung. Zudem wächst „meterhoher Farn“, was ihm zudem einen ganz eigenen Charme verleiht. Hutewälder dienten früher als Waldweide für die landwirtschaftlichen Haustiere, u. a. Schweine. Im Wald stehen viele alte Eichen und Buchen, die jeder für sich schon ein Naturdenkmal darstellen.

Der Urwaldcharakter wird dadurch verstärkt, das in diesem Bereich seit über 100 Jahren die Pflanzen sich selbst überlassen werden und der Mensch nur im äußersten Notfall eingreift. Überall liegen Totholz und Ruinen mächtiger Bäume, welche im Lauf der Zeit wieder selbst ein Teil der urigen, sich selbst erneuernden Natur werden. Durch diese Maßnahmen entsteht ein einzigartiger Lebensraum für viele Tiere, Pilze und Pflanzen.

Heutzutage zieht er neben Wanderern vor allem Maler und Fotografen an. Auf den gut gepflegten Wegen lässt sich hier die Natur in ihrer ursprünglichsten Form bestaunen. Die wenigen morastigen und feuchten Stellen wurden mit Holzstegen begehbar gemacht, so dass eigentlich jeder, selbst mit Kinderwagen, in den Genuss dieses Spektakels kommen kann.

Es gibt drei markierte Rundwege, die für alle Altersklassen etwas bieten. Die Länge ist mit 1,8 km für den kurzen und 4 km für den längsten angegeben, so dass es selbst für gehfaule keine Ausrede geben dürfte, sich hier der Natur ganz hin zu geben. Wem das zu wenig ist, kann noch den angrenzenden Tierpark besuchen und sich noch das Schloss Sababurg mit ansehen.

Alles in allem ein lohnender Ausflug in Deutschlands Mitte, wir haben hierfür eigens unsere Heimfahrt von Ostfriesland ins Allgäu unterbrochen. Für  zukünftige Wanderungen und Fotoausflüge wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter