Quick-Tipps und schlaue Sprüche


In aller Welt gibt es Sprichwörter und Sprüche, die immer auch einen wahren Kern haben. z. B. kennt jeder Fotograf den Spruch „Wenn die Sonne lacht, nimm Blende 8!“. So oder so ähnlich haben sich zu allen Zeiten selbst die Gelehrten, die Besten der Besten immer wieder Eselsbrücken gebaut, um im Ernstfall zu wissen, wie sie mit der jeweiligen Situation umgehen sollen. In diesem Beitrag möchte ich Euch mal ein paar solcher Sätze näher bringen und „eindeutschen“, die vor allem immer wieder aus Amerika zu uns herüber schwappen. Denn wie sagte schon Goethes Faust? Das also ist des Pudels Kern…

 1. Die „sunny-16-rule“ von Bryan Peterson:
Hierbei geht es um die Vereinfachung des Zusammenspiels von Blende, Belichtungszeit und ISO bei der manuellen Einstellung der Kamera.
Bryan Peterson lehrt, wollen wir ein durchgehend scharfes Bild (vom Vordergrund bis in den Hintergrund), dann benötigen wir eine weit geschlossene Blende. Bei Sonnenschein können wir die Blende auf 16 schließen. Um dann eine korrekte Belichtung zu erhalten werden einfach ISO und die Belichtungszeit gleich gesetzt. Also ISO 100 = 1/100 s Belichtung. Wenn die Zeit noch kürzer sein soll (um etwa Bewegung einzufrieren), dann wird im selben Maße, wie die Belichtung verkürzt wird, die ISO erhöht – z. B, 1/800 s entspricht dann ISO 800. Auf diese Weise werden die Bilder immer ausgewogen belichtet – so lange die Sonne scheint!
Es gibt also noch mehr Möglichkeiten außer Blende 8, wenn die Sonne lacht!
2. Die „loony- 11 – rule“ von David Bergman:
Das  Gegenteil von sonnigen Tagen ist hier die Vollmondnacht. Den Vollmond zu fotografieren hat mich bei meinem ersten Versuch ziemlich überrascht. Man steht in der Dunkelheit und denkt instinktiv daran, dass die Belichtungszeit ziemlich lang sein müsste. Die Kamera lässt sich von dem hohen Anteil schwarz im Sucher bei der internen Belichtungsmessung ebenfalls irritieren. Und so kommt es, dass man bei viel zu langer Belichtungszeit und möglichst offener Blende ein schwarzes Bild mit weißem Fleck erhält. Jeder von uns hat aber schon gesehen, dass es Bilder gibt, auf denen Details der Krater auf der Mondoberfläche zu sehen sind. Der Trick ist: Der Vollmond ist so hell, dass relativ kurze Verschlusszeiten bei mittlerer Blende und sogar niedrigem ISO möglich sind.
Der Fotograf David Bergman hat das in seiner loony-11-rule abgekürzt. Die Regel besagt, ähnlich derer von Bryan Peterson, dass bei Blende 11 die Verschlusszeit und die ISO gleich gesetzt werden können. Also auch hier: Zeit 1/100 s – ISO 100 und Zeit 1/250 s – ISO 250. Die selbe Regel – nur mit Blende 11 statt 16!

3. Der Satz: „When you photograph people in color, you photograph their clothes. But when you photograph people in black and white, you photograph their souls“ von Red Grant:
Sein Leitsatz war eigentlich: If you can see it, you can shoot it – alles was Du sehen kannst, kannst Du auch fotografieren. Doch noch intensiver finde ich den Satz über die Porträtfotografie.  Die farbigen Bilder zeigen, wie die Menschen gekleidet sind, die Schwarzweiß-Fotos hingegen blicken direkt in ihre Seelen. Durch das Weglassen der eventuell ablenkenden Farben wird der Blick auf den Menschen selbst gerichtet und wenn dann das Bild und die Person gut sind, dann hat man das Gefühl durch die Augen in das Innerste des Menschen eintauchen zu können.
Also versucht doch mal einzutauchen in die hohe Kunst der Schwarzweiß-Fotografie – auch oder gerade bei Porträts.

 4. Der Satz: „Gear is good but vision is better“ von David DuChemin
Dieser Satz zielt auf die heutige Mentalität ab, immer das Neuste und somit vermeintlich Beste besitzen zu wollen, ab. Jede neue Kamera versppricht uns noch bessere, noch schärfere Bilder in noch höherer Auflösung.  Allzu leicht vergisst man dabei, dass das Bild nicht die Kamera allein macht, sondern in erster Linie derjenige, der den Auslöser drückt. Die Kamera ist nur unser Werkzeug!
Bitte nicht falsch verstehen – die Ausrüstung ist schon wichtig, aber nicht der alleinige Grund für gute Fotos. Genau so wichtig, wenn nicht sogar wichtiger ist die Vision, der Plan, ein Zielbild zu haben und auf dieses hinzuarbeiten .
Also bitte im kommenden Weihnachtsgeschäft vielleicht auch einmal daran denken, seine Fähigkeiten im Umgang mit der Kamera zu verbessern und lieber mal in einen Fotokurs investieren als gleich die neueste Kamera zu kaufen.
Dieses Bild habe ich vor zwei Jahren mit der selben Kamera aufgenommen, mit der ich auch heute noch fotografiere. Es war das erste von vielen besseren Bildern, die mir nur gelungen sind, weil ich fotografiert habe. Weil ich weiter gemacht habe, die Kamera besser verstanden habe, neues probierte und nicht, weil ich jedes Jahr ein neues Gerät anschaffte.
5. Der Satz: „If you want more interesting pictures, stand in front of more interesting things“ von Joe McNally
Dieser Satz ist die logische Konsequenz aus dem vorher gesagten.  Ich kann tausende von Euro für das beste Equipment der Welt ausgeben und habe dann vielleicht kein Geld mehr, um an tolle Orte zu reisen und dieses dort zu verwenden. Der Eiffelturm steht nun mal in Paris und kann auch mit dem besten Teleobjektiv nicht vom dem Allgäu aus fotografiert werden. Gute Fotos hängen auch ganz stark davon ab, wo man fotografieren geht. Denn auch die Niagara Fälle habe ich nicht in meinem Garten.
 
6. Der Satz: „If your photos aren*t good enough, you werent close enough“ von David Capa
Mit den heute zu erwerbenden Megazoomlinsen ist es ganz aus der Mode gekommen, was früher automatisch gemacht wurde. Mit den Füßen zoomen – sich bewegen, näher ran gehen, den gesamten Bildbereich ausfüllen.
Häufig machen wir den Fehler und wollen möglichst viel in einer Aufnahme abbilden.

Interessanter sind jedoch meist die Bilder, die sich auf das Wesentliche beschränken und Format füllend sich einzig und allein dem Motiv widmen.  Dazu kann es auch mal helfen, den einen oder anderen Schritt näher ran zu gehen, die Perspektive ändern und in die Knie gehen oder gar auf den Boden legen. Ganz nah dran sein bedeutet auch Nähe zeigen, Intimität, alles unwichtige ausblenden. Getreu dem Motto: Weniger ist mehr! Versucht doch einmal eine ganze Woche lang mit einer Festbrennweite zu fotografieren. Ihr werdet sehen, wie sich Euer Verhalten ändern wird.
So will ich es für diese Woche beschließen – der Beitrag ist sowieso schon viel zu lange geraten – und wünsche Euch, dass der eine oder andere Spruch Euch genau dann einfällt, wenn er am dringendsten gebraucht wird.
Allzeit gutes Licht!
Werner Kutter

David DuChemin – Das Handwerkszeug des Fotografen


Heute möchte ich einmal einen Tipp los werden für ein wirklich sinnvolles Buch, welches mich viel weiter gebracht hat. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich erhalte für diese und auch zukünftige Empfehlungen kein Honorar – diese Tipps sind, wie alles andere, meine persönliche Erfahrung und meine Meinung.

Ich beobachte David DuChemin schon länger. Er hat einen Podcast auf Youtube und schon viele gute Bücher, E-Books und Lehrvideos für Fotografen veröffentlicht. Mit diesem Buch, welches 2015 erschien, hat er einen Workshop im Buchformat verfasst. Für mich ist es das Non-Plus-Ultra an Lehrbüchern für die heutige Digitalfotografie.

In 60 Kapitel/Workshops führt er dem Leser die vielen verschiedenen Facetten der Fotografie vor Augen und öffnet einem diese.
Das Entscheidende am Buch ist jedoch die Tatsache, dass unter seiner Anleitung nicht nur die Theorie begreifbarer wird, sondern er auch immer wieder dazu auffordert, das Buch zur Seite zu legen um zu fotografieren.  Er gibt immer wieder eine kleine „Hausaufgabe“ mit auf den Weg, um sofort die eigene Technik zu verbessern und die Phantasie anzuregen. Mir hat er quasi immer wieder „in den Hintern getreten“, so dass ich endlich kapiert habe wie man bessere Fotos macht: Nämlich durch Fotografieren! Ausprobieren! Ausgetretene Pfade verlassen und neue Wege gehen! Andere Positionen/Sichtweisen wählen! Experimentieren!

Die ersten sechs Workshops decken die Grundlagen der Fotografie ab. Es geht um grundsätzliche Themen, wie die Sichtweise oder entscheidenden Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man den Auslöser drückt. Je ein Kapitel über das Histogramm und den Zusammenhang zwischen Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert runden den ersten Teil des Buches ab.

Ab Workshop sieben geht er mehr an die kreativen Techniken ein. Er lädt ein, auch mal längere Verschlusszeiten zu verwenden und
z. B. sog. Mitzieher oder absichtliche Kamerabewegungen als Stilmittel einzusetzen.

Ein weiterer Block beschäftigt sich mit dem Thema Schärfe/Unschärfe. Wie kann ich mein Hauptmotiv im Vordergrund vom Hintergrund isolieren? Wie bekomme ich den größtmöglichen Bereich im Bild scharf? Welche Wirkung hat eine große oder kleine Blendenöffnung auf das Ergebnis in der Kamera? Welches Objektiv kommt wann zum Einsatz? Mit vielen verschiedenen Übungsaufgaben kann man für sich selbst all diese Fragen beantworten.

Weiter geht’s mit der Definition der Wirkung von Farben. Wie kann ich Farben miteinander kombinieren oder auch ganz weg lassen – wann verwende ich Schwarzweiß? Welche Beziehungen haben die Farben in dem sog. Farbkreis zueinander? Stimmige Beíspielbilder zeigen anschaulich, was uns der Autor erklären möchte.

Wie kann die Lenkung des Betrachters im Bild erfolgen? Welche Wirkung haben Linien im Bild? Welche verschiedenen Formen nehmen wir, teils unbewusst, wahr und welche Wirkung haben diese auf uns? Man bekommt sehr schnell ein Gefühl dafür, welche kleinen Kniffe einem Bild zu mehr Tiefe  verhilft und es so interessanter werden lässt.

Ein sehr großer Bereich beschäftigt sich mit dem Hauptthema der Fotografie: dem Licht. Es gibt die verschiedensten Lichtsituationen und für jede gibt es eine Lösung um gute Bilder entstehen zu lassen. Grundsätzlich muss jeder lernen, erst einmal die Richtung des Lichts zu sehen. Dann können auch bei Situationen in denen
z. B. das Licht von der Seite kommt oder bei Gegenlicht ganz tolle Bilder entstehen.

Alles in allem geht es in diesem Buch vor allem um eins: um die Praxis. Es wird einem in jedem Workshop deutlich gemacht, dass nur durch Übung das Handwerk des Fotografen erlernt werden kann.

Bezugsquelle: Das Handwerkszeug des Fotografen: In 60 Workshops zu besseren Fotos(Affiliate-Link)

In diesem Sinne würde ich sagen, dass genau jetzt der richtige Augenblick ist, um den Computer auszuschalten und fotografieren zu gehen. Ich wünsche Euch für all die Projekte und Vorhaben in Zukunft allzeit gutes Licht.

Werner Kutter