Fotoworkshop „Viehscheid im Gunzesrieder Tal“

Das zweite Mal in diesem Jahr hatte ich die Ehre, bei der wunderbaren Manuela Prediger an einem Workshop teilzunehmen. Es war für mich dennoch eine Premiere, denn noch nie hatte ich einen Viehscheid miterlebt – eigentlich eine Schande für einen Bub aus dem Unterallgäu.

Der frühe Vogel fängt den Wurm sagt der Volksmund. Das gilt auch für uns Fotografen und besonders dann, wenn man bei einer Veranstaltung wie dieser Bilder machen möchte, die sich von der Masse abheben. Also war der Treff aller Teilnehmer für 6.45 Uhr ausgemacht und dementsprechend früh musste ich bei mir zu Hause losfahren. Das beste daran war, dass um diese Uhrzeit am Samstag morgen der Verkehr Richtung Sonthofen sehr überschaubar war und es zu keinen Verzögerungen kam.

Pünktlich um sieben kam das vorbestellte Taxi, welches uns hinter ins Tal brachte – weit weg von den ganzen schaulustigen Touristen. Dort stellten wir uns kurz gegenseitig vor und gingen die grundlegenden Kameraeinstellungen für die bevorstehenden Stunden durch. Wertvolle Tipps für außergewöhnliche Perspektiven und Bildausschnitte erhielten wir ebenfalls von unserer überaus kompetenten Kursleiterin, so dass wir bestens vorbereitet auf das Eintreffen der ersten Herde warteten.
Ich entschied mich dafür mit ISO-Automatik und Bledenvorwahl rund um Blende 5.6 ins Rennen zu gehen. Die anfängliche Belichtungskorrektur von +2/3, die ich wegen den vorhandenen Nebelschwaden eingestellt harre, nahm ich kurz darauf wieder zurück.

Die Spannung wurde immer größer, so dass das eine oder andere Mal bereits das Läuten der Kuhglocken wahrgenommen wurde, obwohl niemand in Sichtweite war. Der Schall findet in den engen Gebirgstäler eben immer einen Weg. Als endlich doch die ersten Teilnehmer zu sehen waren, nahmen wir alle unsere Positionen ein, so dass jeder das bestmögliche Sichtfeld für seine Aufnahmen erhielt.

Die große Begeisterung wich auch bald schon der Ernüchterung, dass nur eine kleine Vorhut – das Kranzrind mit einem Begleiter und zwei Jugendlichen Hirten mit ihrer Mutter – weit vor der großen Herde in Richtung Gunzesried liefen. Trotzdem ergriffen alle die Gelegenheit erste Bilder zu machen. Mir persönlich geht es auch immer so, dass ich mich erst an die Sache herantasten muss und dankbar bin, ein paar Testfotos machen zu können, bevor es ernst wird.

Ich hatte mir extra für die Veranstaltung von Tamron ein 18 – 400 mm Objektiv ausgeliehen. Hier zahlte sich der große Zoombereich sofort aus, da ich bereits aus großer Entfernung die ersten Bilder der Herannahenden machen konnte. Näheres zum Objektiv in zwei Wochen im Testbericht der Linse hier im Blog.

Die Kompression der Telebrennweite verdichtet die Szenerie zusätzlilch, so dass die Kraft und Energie der Tiere, welche durch die Hirten mit den Stäben im Zaum gehalten wurden, besonders gut zur Geltung kommt. Die Rinder sind ja doch mehr als einen Meter lang – auf dem Bild wird diese Szenerie so gestaucht, dass, für mich, eine besondere Dramatik entsteht.

Und für die eigene Sicherheit ist ebenfalls gesorgt, da ich rechtzeitig, bevor die Tiere mich erreichen, für ausreichend Sicherheitsabstand sorgen kann. Für die Schärfe im Bild habe ich einen alten Trick von Scott Kelby angewandt. Der empfiehlt, wenn man sich unsicher ist mit langer Brennweite aus der Hand zu fotografieren den Serienbildmodus an der Kamera einzuschalten. Dann so ca. 3 – 5 Bilder machen – die Ausbeute an scharfen Bildern ist so größer, als wenn immer nur ein Bild gemacht wird, kontrolliert wird, wieder fotografiert wird usw.

So warteten wir auch noch die nächste Gruppe einer weiteren Alpe ab, damit jeder Gelegenheit hatte, unsterschiedliche Positionen und Perspektiven auszuprobieren. Denn nichts ist langweiliger, als immer nur auf Augenhöhe zu fotografieren.

Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück, da die neblige Stimmung ausgezeichnet zur Jahreszeit und Veranstaltung passt. Zudem waren bei der Luftfeuchtigkeit und Kälte die dampfenden Tiere genau das, was ich mir vorher als Zielbild in den Kopf gesetzt hatte.

Auch ich begab mich schließlich auf Tauchstation und legte mich im nebelfeuchten Gras auf den Bauch. Es ging ja schließlich darum ungewöhnliche Ansichten zu finden und das gelang mir in diesem Moment sehr gut.
Diese beiden Bilder oben und unten sind die derzeit am meisten beachteten Bilder von mir auf Facebook. 20.000 Menschen haben diese Bilder in der ersten Woche gesehen, hunderte Likes und mehrere Dutzend Kommentare dazu haben mich sehr stolz gemacht.

Unterwegs kamen wir auch ein einem Hof vorbei, an dem wir das Schmücken des Kranzrindes aus nächster Nähe beobachten konnten.
Hier habe ich mir dann auch die Zeit genommen, um einmal die Details der Veranstaltung festzuhalten. Die festlich gerichteten Haare der Teilnehmerinnen
die Anspannung bei den Teilnehmern
oder auch einfach nur die Tracht und Tradition der Veranstaltung selbst

Aprospos ungewöhnliche Ansichten:
Die Rinder selbst sind ja die Hauptakteure bei dieser Veranstaltug. Also warum nicht diese auch mal ungewöhnlich ablichten?

Vom unten und nur die Füße – reicht doch auch um zu zeigen, wo man war.

Kuriose Bilder lassen sich auch erzielen, wenn man bei ca. 1/20 s Belichtungszeit mit der Herde einen sog. „Mitzieher“ versucht. Man könnte fast meinen, die Herde rennt im Galopp vorbei…

Oder einfach mal die Augen offen halten für die kleinen Randerscheinungen, wie den kleinen Jugen, der anscheinend noch zu jung war, um den ganzen Weg zu Fuß zu laufen. Auf Grund seiner Tracht lässt er aber deutlich erkennen, dass er dazu gehört.

Am Scheidplatz angekommen traf uns die gesamte Wucht der versammtelten Touristenschar mit einem Schlag. es war schon ein gewaltiger Unterschied zur Abgeschiedenheit draußen im Tal – doch das gehört mittlerweile auch dazu.

Der Einlauf der Kühe in den Pferch musste schließlich ebenfalls dokumentiert sein, wie auch die Umrahmung des Spektakels mit den unzähligen Schaulustigen aus Nah und Fern.

Hier waren dann auch Portraits der Hirten möglich, denen man die Erleichterung ansah, das alles zu einem guten Ende gekommen ist.

Auch hier boten sich wieder viele Gelegenheiten zu ungewöhnlichen Ansichten und Bildgestaltungen, wie z. B. die Kuh durch den Schellengurt hindurch fotografiert.

Alles in allem war es ein sehr gelungener Workshop dank der Ortskenntnis von Manuela Prediger. sie wusste, wie der Ablauf sein wird und wo die interessantesten Stellen auf dem Weg durch das Tal sind. Allein die Tatsache, dass ich noch nie an einem halben Tag ca. 1000 Fotos gemacht habe spricht dafür, wie viele Möglichkeiten sich hier geboten haben.

Ich hoffe es ist eine kleine Anregung für Euch dabei, auch einmal ausgetretene Pfade zu verlassen und nicht genau da fotografieren zu wollen, wo alle Bilder machen. In diesem Sinne wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Was ist eigentlich ein HDR-Bild?

In diesem Beitrag möchte ich Euch erklären, was es mit dem Begriff „HDR-Bild“ auf sich hat.
Dazu werde ich als erstes erklären,  was das kryptische Kürzel für eine Bedeutung hat. HDR ist die Abkürzung für den englischen Begriff „High Dynamic Range“ was soviel bedeutet, wie grosser Dynamikumfang. Der Dynamikumfang beschreibt den Bereich zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Punkt einer Szene,  bzw. eines Bildes.
Das menschliche Auge ist in Zusammenarbeit mit unserem Gehirn hier jeder  Kamera bzw. dem Sensor in der Kamera weit überlegen.  Unsere Augen können einen Dynamikumfang von 20 Blendenstufen wahrnehmen.  Zum Vergleich: aktuelle Sensoren moderner Spiegelreflexkameras schaffen gerade mal 12 Stufen im unkomprimierten RAW-Modus und 8 Stufen im jpeg-Modus.
Daraus ergiebt sich, dass bei Motiven mit einer großen Bandbreite zwischen hellen und dunklen Bildteilen bei den Kameras Abstriche in kauf genommen werden müssen. Entweder die hellen Bereiche werden überbelichtet  (die Lichter sind ausgefressen) oder die dunklen unterbelichtet  (die Tiefen saufen ab). Soll heißen,  in den Lichtern sind Bereiche rein weiß,  ohne Zeichnung,  bzw. in den Tiefen sind Teile rein schwarz, ebenfalls ohne Informationen für eine Wiederherstellung.  Diese kann man am Computer mit Bildbearbeitungsprogrammen wie z. B. Lightroom versuchen. Werden hier jedoch die Lichter zu sehr zurück genommen,  werden diese Bereiche gerne grau und etwas „matschig „. Bei der Anhebung der Tiefen wiederum stellt sich schnell störendes Rauschen ein, welches ebenfalls ein gutes Bild unbrauchbar machen kann.
Was also tun, um einen möglichst großen Helligkeitsumfang in ein Bild zu bekommen? Hier kommt jetzt die HDR-Technik zum Einsatz. Lange Zeit war dieser Begriff Synonym für fast schon psychodelisch bunte Bilder, welche nichts mehr mit der natürlichen Wahrnehmung zu tun hatten.
Die Programme von damals (z. B. Photomatix oder HDR-Pro) berechneten so knallhart alles zusammen,  dass jegliche Natürlichkeit auf der Strecke blieb. Heute kann man in Lightroom die Bilder ganz „sanft“ verrechnen lassen, um z. B. anschließend die Tiefen ohne Rauschen aufhellen zu können und die natürliche Bildaussage nicht zu zerstören.
Wie ist also die Vorgehensweise,  um zu einem HDR-Bild zu gelangen?
Die besten Ergebnisse erzielt man natürlich vom Stativ aus, da mehrere Aufnahmen der gleiche Szene möglichst kurz hintereinander angefertigt werden müssen. Bei entsprechend kurzen Verschlusszeiten kann es durchaus auch „aus der Hand “ funktionieren,  sicherer ist es jedoch mit einem Stativ. Alle modernen Kameras bieten einen Modus, welcher sogenannte Belichtungsreihen erstellen lässt.  Meist ist der Modus bei den Belichtungskorrektureinstellungen und nennt sich „automatische Belichtungsreihe“, „AEB“ oder ähnlich.

Im Menü wird eingestellt,  wie viele Aufnahmen gemacht werden sollen. Standard wird meist 3 Bilder sein, es können fast immer auch 5, 7 oder sogar 9 Aufnahmen eingestellt werden. Hier muss bitte jeder in seiner Beschreibung der Kamera nachlesen,  wie genau diese Wahl getroffen wird. Beim  Einstellen des Modus wählt man dann noch aus, wie weit die einzelnen  Belichtungen auseinander liegen sollen. Bei drei Bildern wählt man z. B. eine normale, eine um eine Stufe unterbelichtete und damit eine um eine Stufe überbelichtete Aufnahme.
Bei meiner Canon EOS 70D habe ich festgestellt,  dass die Kamera im Live-View-Modus die Aufnahmen direkt nacheinander ausführt, während normal jedes Bild separat ausgelöst werden muss.
Man kann die Belichtungsreihe im manuellen Modus natürlich durch Änderung der Belichtungszeit selbstverständlich auch manuell erstellen – das Ergebnis wird das selbe sein. Doch Vorsicht: Wenn sich Bildteile in Bewegung befinden (z. B.. Wolken) kann die Zeit zwischen den Belichtungen zu lange werden und beim Zusammenfügen entstehen seltsam aussehende Artefakte.

Bei der Auswahl von 3 Belichtungen erhält man als Ergebnis ein normales,

ein zu helles

und ein zu dunkles Bild.

Aus dem zu hellen nimmt das Programm die Infos für die Schatten (dunkle Bildteile) und aus dem zu dunklen die für die Lichter (helle Bildteile). Beides wird mit dem korrekt belichteten Foto verrechnet,  so dass nun beim reduzieren der Lichter und dem Anheben der Schatten mehr Spielraum entsteht. Es können mehr Details wieder hergestellt werden, ohne Störungen im Bild zu erzeugen.

Zusammenfügen lassen sich die Bilder z. B. in Lightroom indem die Bilder markiert werden und mit einem rechten Mausklick zusammenfügen zu… HDR ausgwählt wird. Als Ergebnis erhält man eine neue Datei mit dem Zusatz HDR im Namen und erheblich größerem Dynamikumfang.  Die Weiterentwicklung des Fotos kann dann wie gewohnt erfolgen. Allerdings sollte man trotz aller Reserven das Spiel mit den Reglern nicht übertreiben um einen natürlichen Touch zu behalten.
Es gibt auch Programme, die außerhalb von Photoshop und Lightroom funktionieren z. B. hat Macphun gerade das Programm Aurora HDR 2018 für PC-User auf den Markt gebracht.

Ich hoffe, der ein oder andere Tipp war wieder dabei und die Neugier auch mal so ein Bild zu kreieren ist geweckt. Ich wünsche Euch dafür viel Erfolg und allzeit gutes Licht!
Werner Kutter

Tierfotografie – Mein Hund ist mein Model…


Jeder, der ein Haustier sein eigen nennt und sich für die Fotografie interessiert, möchte auch einmal schöne Bilder von seinem Tier haben. In diesem Beitrag möchte ich anhand einiger Beispiele aufzeigen, was geht und was man unterlassen sollte. Die Tipps gelten unabhängig der Tierart und Rasse.

Zunächst einmal ein paar no-gos – was man vermeiden sollte:

1. Fotografiere nie von oben herab!
Bilder aus der menschlichen Augenhöhe sind bequem und schnell gemacht, sehen gewohnt aus und wirken dadurch leider auch schnell langweilig. Jeder Smartphone-Besitzer kann solche Fotos machen, wir nicht. Wir können es besser!
Besser ist es nämlich, wenn wir uns auf Augenhöhe mit dem Tier begeben – auch wenn es für fast alle Tiere bedeutet, dass wir uns auf den Boden legen müssen!

2. Die Richtige Brennweite verwenden!
Wie bei der normalen Porträtfotografie auch sollten die Weitwinkelbereiche des Objektivs vermieden werden. Der Weitwinkel zwingt uns zwar näher ans Modell heran, führt aber auch zu unschönen Verzerrungen in der Abbildung:

Wir verwenden ein Objektiv, welches oberhalb von 50 mm arbeitet und für Porträts Bilder ohne Verzerrungen erlaubt. Außerdem haben wir so die Möglichkeit, aus der Entfernung zu beobachten und wenn es interessant wird, ein Bild zu machen. Die Kamera wird für Porträts eingestellt, damit der Fokus schön auf dem Tier liegt und der Hintergrund möglichst aus dem Schärfebereich heraus fällt. Also offene Blende, so um die 5.6 – noch weiteres öffnen der Blende birgt die Gefahr, dass die Schnauze scharf ist, jedoch schon die Augen in der Unschärfe liegen. Und wenigstens das nahe liegende Auge sollte scharf sein.

Idealerweise läuft das Tier auf uns zu. Schöner ist es auf jeden Fall, den Blick einzufangen, als das Hinterteil. Porträts bieten sich an in der Frontalansicht
in der Seitenansicht
oder auch aus ungewöhnlichen Winkeln, etwa wenn der Hund über die Schulter blickt.


Ganz besonders interessant finde ich auch, wenn man sich auf Details konzentriert und diese schön zur Geltung bringt, wie z. B. eine Pfote
Im Action-Bereich sind natürlich alle Möglichkeiten offen. Beim Toben im Garten sollte die Kamera jedoch anders, als beim Porträtieren eingestellt werden. Hier empfiehlt es sich, die Kamera auf den Serienbildmodus umzustellen, den Fokus nachführen zu lassen (damit bei Änderung der Entfernung zum Tier das Bild weiter scharf bleibt) und darauf zu achten, dass die Verschlusszeit nicht unter 1/250 s fällt, damit keine Bewegungsunschärfe auftritt. Und dann: Feuer frei!
Schön ist es auch wenn beim Spaziergang, z. B. im Winter einfach mal dokumentiert wird, wie wohl das Tier sich fühlt.
Bleibende Erinnerungen – Momente, festgehalten in einem Bild, das aussagt, wir haben gemeinsam etwas erlebt.
Und nicht zu vergessen auch hier gibt es Details zu entdecken, welche sich irgendwann als kleiner Schatz entpuppen können.
Lasst Eurer Fantasie einfach freien Lauf . Fotografieren heißt auch experimentieren. Learning by doing! Es gibt kein Richtig oder Falsch. Jeder hat seinen eigenen Geschmack und weiß selbst am besten was ihm gefällt. Also los! Raus, Probieren, Machen, Tun!

Ich hoffe ich konnte Euch ein paar Tipps und Anregungen geben und wünsche Euch für das kommende Haustiershooting allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

P.S. In memorian Roy 20.10.2001 – 24.01.2017
Der beste Lehrmeister, den man sich vorstellen konnte…

Das Mysterium – das Histogramm


Das Histogramm erschließt sich noch nicht allen Hobby-Fotografen und wird deshalb auch zu oft nicht beachtet. Was hat es mit diesem mysteriösen Diagramm auf sich? In diesem Beitrag möchte ich den Schleier lüften und eine Einführung in die sinnvolle Verwendung der Grafik geben.

Ein Histogramm ist grundlegend einmal eine grafische Darstellung einer Häufigkeitsverteilung. In der digitalen Fotografie versteht man darunter die Häufigkeit der Helligkeitswerte in einem Bild. Das Histogramm erlaubt uns also eine Aussage zu treffen, über diese vorkommenden Werte und über den Kontrastumfang und die Helligkeit des Bildes.
Eingesetzt werden kann das Tool zur Bewertung des Bildes natürlich in der Nachbearbeitung – wobei es hier dann oft zu spät ist und das Bild nur noch in marginal korrigiert werden kann. Viel besser ist es, wenn man sich das Histogramm schon beim Fotografieren in der Kamera anzeigen lässt und so das Bild bereits vor Ort mit der richtigen, ausgewogenen Belichtung aufgenommen wird. Hier sollte sich jeder einmal schlau machen, wie genau die Anzeige des Histogramms an seiner Kamera aktiviert wird. Soviel vorweg: Es lässt sich bei so gut wie jeder Digitalkamera einblenden.

Schauen wir uns das Histogramm einmal an:
Die Werte unterhalb der Kurve sind die Einstellungen der Kamera bei diesem Bild und spielen erst mal keine Rolle.
Der Graph zeigt von links nach rechts die Häufigkeit des Auftretens von dunklen zu hellen Bildinhalten an.
Wenn jetzt am linken Rand eine Erhebung angezeigt wird, dann ist das ein Signal dafür, dass das Bild eventuell unterbelichtet ist Besteht aber, wie hier beim Sonnenuntergang an der Nordsee, das Bild hauptsächlich aus dunklen Bereichen, dann ist das in Ordnung. Vorsicht ist trotzdem geboten, da ganz am linken Rand eine scharfe Spitze zu sehen ist, was gleichbedeutend ist, dass einige Bildteile rein schwarz sind und somit keine Zeichnung mehr in den Tiefen vorhanden ist. Man sagt in diesem Fall, dass die Tiefen “abgesoffen“ sind. Mit der Über- und Unterbelichtungswarnung kann die Kamera diese Bereiche durch ein Blinken anzeigen und wir können dann entscheiden, ob es sich um bildwichtige Inhalte handelt und somit die Belichtung angepasst werden muss.

Ein ausgewogenes Histogramm lässt an beiden Rändern etwas Luft – bzw. läuft zu den Rändern hin flach aus. Hier sind dann noch genügend Reserven, um in der Nachbearbeitung die Kontraste anzuheben und somit die gesamte Bandbreite auszunutzen, ohne dass die Tiefen absaufen oder die Lichter ausbrennen.

Analog zu den Tiefen verhält es sich auch mit den hellen Bildanteilen, den Lichtern. Wenn die Kurve nach rechts ansteigt, dann besteht die Gefahr, dass es überbelichtete Stellen im Bild gibt, die keine Zeichnung mehr haben. Dann spricht man von “ausgefressenen“ Lichtern. Sollte das Bild jedoch aus hauptsächlich hellen Anteilen bestehen, so ist es auch wieder ganz normal, dass der Graph nach rechts verschoben ist. Wichtig ist jedoch vor allem bei Bildern vom Schnee, dass die Lichter nicht ausgefressen sind und der Schnee noch Zeichnung hat. Sonst würde er zu einem einzig weißen Brei verschmelzen und das Bild wäre nicht mehr zu retten.

Generell ist fest zu halten, dass eher versucht werden sollte, die Belichtung auf die hellen Bildteile auszurichten und eher gering überbelichten, als unterbelichten.  Korrekturen von zu hellen Stellen sind leichter durchzuführen, als zu dunkle Stellen aufhellen zu wollen. Dieses Aufhellen führt in der Regel schnell zu unerwünschtem Rauschen, welches das Bild dann unansehnlich werden lässt. Ein Zurücknehmen der LIchter verzeiht das Material in der Regel eher. Womit wir jetzt an dem Punkt wären, an dem es sich von selbst erklärt, warum es besser ist, das Histogramm bereits vor Ort zu überprüfen. Daheim am PC ist es für umfangreiche Korrekturen zu Spät!

Ganz wichtig noch zu erwähnen: Wann immer es geht und die Kamera es auch zulässt, sollte im RAW-Modus fotografiert werden. Die Bearbeitung ist dann zwar unabdingbar, jedoch sind so viel mehr Informationen in den Rohdaten, als in einem, von der Kamerasoftware komprimierten, jpeg-Bild. Alle Bilder sind bearbeitet – warum die Arbeit der Kamera überlassen, die gar nicht wissen kann, was der Fotograf mit dem Bild aussagen möchte.

Passt also bitte zukünftig schon bei der Aufnahme auf das Histogramm auf, ihr wisst ja jetzt, warum. In diesem Sinne wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Zeit zum fotografieren…


…nehmen ist eine gute Voraussetzung für gelungene Bilder.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ebenso wichtig ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Man kann den Sonnenaufgang nunmal im Sommer nur vor 6 Uhr einfangen. Da muss der Langschläfer schon mal durch!
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die Uhrzeit keine große Rolle spielt, ist es sehr wohl ein großer Unterschied, ob die Sonne flach am Horizont oder steil am Himmel steht. Und das war der größte Fehler, den auch ich sehr lange begangen habe – ich habe zu wenig früh morgens und spät abends fotografiert und diese Gegebenheiten zu lange zu wenig beachtet.

Oder auch bei schlechtem Wetter. Die heute erwerbbaren Kameras sind alle soweit spritzwassergeschützt,  so dass ein leichter Regenschauer der Elektronik nichts ausmacht. Man muss ja nicht direkt in den Dauerregen stehen, aber ein paar Regentropfen kann jede Kamera ab. Generell ist das Fotografieren tagsüber bei bewölktem oder bedecktem Himmel besser, als wenn die Sonne runterknallt. Bei oder kurz nach dem Regenschauer kommen noch viele weiteren Motivmöglichkeiten hinzu, die schnell übersehen werden: Spiegelungen im Wasser, in Pfützen. Oft lassen sich so kuriose Motive ablichten, bei denen die Welt quasi auf dem Kopf steht.

Oder ein schöner Regenbogen spannt sich am Himmel von einer Seite auf die Andere.

Tagsüber bei hellem Sonnenschein sind die Gegebenheiten meist ungünstig. Personen kneifen die Augen zu, Gebäude und deren Teile werfen äußerst kurze Schatten, so dass die dreidimensionalität der Dinge nahezu verloren geht. Viele Motive werden dadurch schlicht flach, kontrastarm und bei vielen Situationen wird der Sensor der Kamera schlicht überfordert, da er bei weitem nicht diesen großen Dynamikumfang, wie das menschliche Auge abbilden kann. Hier wird dann entweder der helle Bildteil überbelichtet oder das dunkle schlicht schwarz. Wenn man nicht gerade Silhouetten im Gegenlicht aufnehmen will, wartet man leichter, bis z. B,. durch eine Wolke das Licht indirekter und diffuser wird.

Die beste Zeit für Fotografen ist, ohne Zweifel, früh morgens oder am Abend. Morgens hat man den Vorteil, dass z. B. an Seen und Gewässern noch kaum Wind herrscht und so die Szenerie allgemein ruhiger ist. Für die Fotografie mit dem vorhandenen Licht (avaiable light) sind die Zeiten wie folgt aufgeteilt:  Die Nacht, die morgendliche Blaue Stunde und die goldene Stunde am Morgen. Am Abend wiederholt sich das Spektakel in umgekehrter Reihenfolge.
In der Nacht ist der Himmel in der Regel tief schwarz. Hier kann allenfalls der Sternenhimmel, mit der Milchstraße rund um Neumond, fotografisch verwertet werden. Ansonsten muss mit zusätzlichem Lichteinsatz fotografiert werden.

Der Begriff mit der blauen und goldenen Stunde soll nicht bedeuten, dass diese Lichtsituation genau diese Zeitspanne anhält –  nein, das ist eher redensartlich gemeint. Denn je nach Jahreszeit und Ort an dem man sich befindet, ändert sich dieser Zeitraum dramatisch. So sind die Phänomene rund um den Äquator fast gar nicht feststellbar, je näher man den Polen kommt, um so länger dauern diese Phasen bis hin zur Mitternachtssonne am Polarkreis, die wiederum die blaue Stunde und die Nacht verhindert.
Noch lange bevor der erste Sonnenstrahl den Horizont erhellt ändert sich das schwarz der Nacht in ein tiefblau – das erste Licht, welches sich fotografisch abbilden lässt.

Nach der blauen Stunde kommt das eigentliche Farbspektakel, wenn die Sonnenstrahlen den Horizont überqueren. Die Sonne muss hierzu noch gar nicht aufgegangen sein – die Farben sind da, angefangen von einem Ton in Richtung Margenta

der später dann  dominiert wird vom Orangerot der Sonne. Die goldene Stunde hat angefangen.

Wenn die Sonne schließlich der Horizont überquert hat, dauert es nicht mehr lange, bis das Farbenspiel zu Ende geht. Rund um die Mittagszeit – etwa zwischen 10 und 16 Uhr im Sommer – ruht der Landschaftsfotograf, da jetzt die denkbar schlechteste Zeit ist für schöne Bilder. Erst am Abend, wiederholt sich das Spiel in umgekehrter Reihenfolge. Dann wird es wieder Zeit seinen Spot aufzusuchen und nach dem besten Bildauschnitt ausschau zu halten.

Damit möchte ich es für heute belassen und wünsche Euch für Eure Sonnenauf- und untergänge allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 2


Diese Woche bewegen wir uns weiter nach Osten, von Norden und Norddeich, auch ein Stück ins Landesinnere und wieder zurück an die Küste bis Harlesiel.

In Norddeich starten die Autofähren nach Norderney und Juist. Hier ist immer was los und bei gutem Wetter lassen sich auch tolle Aufnahmen von Norderneys weithin sichtbarem Wahrzeichen, dem Leuchtturm, machen. Auch in Norddeich reihen sich Hotels, Gaststätten und Fischbuden aneinander. Die hungrige Seele kann hier von allem etwas abbekommen. Frische Seeluft für die Lungen genau so, wie frischen Fisch für den Magen. Und natürlich finden sich hier auch Plätze am Deich, um einen schönen Sonnenuntergang einzufangen.
Norden ist die nordwestlichste Stadt Deutschlands und so etwas, wie der Hauptort hier oben. Auch hier sind Windmühlen zu bestaunen, auch wenn sich rund um eine ein Einkaufszentrum breit gemacht hat, was für mich etwas verwunderlich wirkt. Ein schönes Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und guten Gaststätten und einer kleinen Fußgängerzone lädt zum Verweilen ein. Im Tee-Museum z. B. kann man sich in alle Geheimnisse und Gepflogenheiten rund um den Ostfriesentee einweisen lassen. Mein Tipp zum Essen ist das Restaurant Minna. Hier gibt es eine kleine, feine Karte – sogar ein vom NDR prämiertes Gericht ist darauf zu finden.

Etwas weiter westlich finden wir das Schloss Lütetsburg, direkt an der alten Landstraße zwischen Norden und Hage.

Hier kann das Fotografenherz im Mai/Juni beinahe aus der Brust springen. Im Schlosspark wurde eine überbordende Anzahl von Rhododendren angepflanzt. Hier müssen im Frühjahr ganze Blütenwände stehen – leider war ich erst Ende Juni in der Gegend und die Blüte schon zum Großteil vorbei. Während der Blüte ist das Mitbringen des Makro-Objektivs Pflicht!
Weiter südwestlich im Landesinneren wartet noch ein Kleinod für den Makroliebhaber: das Ewige Meer.

Eine Moorlandschaft der Extraklasse. Blindschleichen, Salamander, Libellen, seltene Pflanzen – wer hier mit der Makro-Linse nicht fündig wird sollte sich ernsthaft ein anderes Hobby suchen. Ein wunderbarer Holzsteg führt mit einem Naturlehrpfad durch das Hochmoor. 90 Minuten sollte man mindestens einplanen – Fotografen natürlich entsprechend mehr!

Etwas weiter südlich, auch südlich von Aurich, befindet sich eine Gedenkstätte der alten Klosteranlage Ihlow. Stahl und Holz bilden die Pfeiler und das Gewölbe des einst größten Gotteshauses zwischen Bremen und Groningen nach. Wanderwege im Wald laden zum flanieren ein, die künstlerische Aufarbeitung der Vergangenheit lädt zum fotografieren ein. So ist für alle etwas dabei, die mit auf Reisen gehen.

Auf dem Weg nach Norden, zurück an die Küste, machen wir noch halt in einem Windkraftanlagen-Park.  Zwischen Westerholt und Esens gibt es eine begehbare Windkraftanlage – natürlich nur für Schwindelfreie!
Die Plattform befindet sich auf einer Höhe von 62 mt und ist über eine
297 Stufen zählende Wendeltreppe im Turm zu erreichen.
Oben angekommen findet man eine geschlossene Plattform mit schräg gestellten Fenstern vor, die bei guter Sicht einen Ausblick bis nach Holland zulässt. Wenn die Menge der Interessenten überschaubar ist, wird auch schon mal die Luke zum Generator und auch die Dachluke für den ungestörten Ausblick geöffnet. Da wurde allerdings selbst mir ein bisschen Mulmig.

Der Ausblick ist, wenn man es verträgt, jedenfalls überwältigend.

Auf unserem weiteren Weg an die Küste befinden wir uns meistens auf der norddeutschen Straße der Windmühlen. Dies bezieht sich jetzt jedoch auf die historischen Windmühlen und nicht die, zahlenmäßig stark überlegenen, modernen Windkraftanlagen.  In vielen kleinen Dörfern kann man sie besichtigen – ein paar wenige sind sogar noch in Betrieb.

Unterschiedlichste Bauformen treffen hier aufeinander. Viele Mühlen sind zwar mittlerweile von Häusern umringt, ein paar wenige stehen noch so frei, dass sich das Anhalten wirklich lohnt.
Auch hier gilt – bei Weitwinkelaufnahmen nicht zu sehr die Kamera nach oben richten, um stürzende Linien zu vermeiden. Man kann es aber auch absichtlich übertreiben und dies als Stilmittel einsetzen – jede Regel lässt sich brechen.
Bei den meisten Küstendörfern sind die Häfen hinter den Deichen geschützt schön angelegt bzw. restauriert. Ein Spaziergang entlang des Wassers lädt immer wieder zum Fotografieren ein – sind doch die unterschiedlichsten Boote und Schiffe am Kai festgemacht.
Bei all den Schönheiten darf auch das Dorfgeschehen ein paar Meter Abseits der Massen nicht vergessen werden. Wenn an den Flaniermeilen sich Besucherströme durch die Gassen drücken, ist im weiter innen liegenden Dorfkern oft auch noch einiges Fotogenes zu entdecken. Nicht selten durchziehen Grachten die Orte und bewegliche Holzbrücken dienen immer noch als Übergang und auch als Fotomotiv.
Ich könnte noch ein paar Wochen weiter schreiben, so sehr habe ich mich in diesen Küstenabschnitt verliebt. Durchwegs freundliche Menschen machen es einem leicht, hier den Urlaub zu verbirngen. Für Eure schönste Jahreszeit, den Urlaub, und die fotografischen Unternehmungen wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 1

Ostfriesland ist reich an Sehenswürdigkeiten. Der kleinste und der höchste Leuchtturm Deutschlands stehen nur 12 km auseinander. Der schiefste Turm der Welt steht ebenfalls hier und nicht in Italien. Berge von Rhododendren im Schloss Lütetsburg im Mai, die Silhouette einer Kirche im Wald – gewöhnliches und außergewöhnliches reihen sich hier in nächster Nähe aneinander; man muss nur noch die Reihenfolge festlegen und los geht’s. 

Fangen wir im Westen an und arbeiten uns ostwärts voran. An spannenden Orten zum Entdecken, Entspannen und Fotografieren mangelt es sicher nicht.

Emden beherbergt gleich zu Beginn jede Menge interessanter Motive – und ich meine jetzt nicht nur den Ottifanten, der sich mit seinem Kopf durch die Wand aus dem Otto – Huus schleichen will.

Gleich gegenüber ist der schöne Hafen an dem man sich den historisch anmutenden Schiffen nähern kann. Backsteinromatik, wohin das Auge schaut. In der Pelzerstrasse 12 beispielsweise wurde die alte Fassade schön restauriert. Im Inneren ist ein Café, in dem Menschen mit Handicap arbeiten.  So hilft ein Besuch und die Einkehr auch noch einem guten Zweck. Und der Ostfiesentee ist wirklich sehr gut!
Fototechnisch ist bei Architekturbildern hauptsächlich darauf zu achten, dass das Objektiv nicht zu stark nach oben gerichtet wird. Wenn im Weitwinkelbereich hier übertrieben wird, dann entstehen die unschönen „stürzenden Linien“ – eigentlich aufrecht stehende Häuser und Türme sehen dann so aus als würden sie nach hinten stürzen.

14 km weiter westlich ist der Knock – der nordwestliche Zipfel Deutschlands. Hier kann man über den Dollart quasi nach Holland spucken. Der alte Fritz steht am Ufer und wacht darüber, dass der Konsum von Tee und Kaffee nicht überhand nimmt.
Hier kann es sehr schöne Sonnenuntergänge geben, welche im Zusammenspiel mit den vorhandenen Figuren und Gebäuden alles bieten werden, was ein Bild braucht: Vordergrund, die Bildmite und der Sonnenuntergang im Hintergrund. 

Der Kirchturm in Suurhuusen, 6 km nördlich von Emden, welcher eine Schräglage von 5,19 Grad aufweist ist der wirklich schiefste auf Erden. Ganz egal, was die Italiener immer behaupten, der berühmte Turm in Pisa hat nur 3,97! Das alles und der höchste deutsche Leuchtturm in Campen (für meinen Geschmack ein hässlicher Stahlturm ohne „Seele“) ist im Umland von Emden zu finden.

Der kleinste Leuchtturm Deutschlands ist wahrscheinlich auch gleichzeitig der bekannteste. Otto Waalkes hat ihn in seinen Kino–Film „Otto der Ausserfriesische“ 1989 eingebaut und ihm so zu Weltruhm verholfen. Der Pilsumer Leuchtturm ist lediglich 15 mt hoch und somit der kleinste aller Leuchttürme hierzulande. Das für die Schifffahrt wichtige Leuchtfeuer befindet sich gar nur auf 11 Metern. Zu beachten gilt hier, wie an fast allen Deichabschnitten, dass das Mitführen von Hunden wg. der Schafhaltung strengstens verboten ist.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt Greetsiel. Ein malerischer Ort mit seinen engen Gassen und kleinen Grachten. Am Ortsrand gleich gegenüber dem Parkplatz begrüßen einen die Zwillings-Windmühlen – das Wahrzeichen von Greetsiel.

Der Ortskern ist autofrei und so ist dem gemütlichen Flanieren nichts im Weg. Zahllose Lokale und Gaststätten laden zum Genießen und Verweilen ein. Nirgends schmecken Fisch und Krabben so gut, wie hier – direkt an der Küste.
Schön ist es hier vor allem in der endlos erscheinenden Abenddämmerung bis zur blauen Stunde. Herrliche Pflasterstraßen und beleuchtete Gebäude geben einen tollen Rahmen für stimmungsvolle Bilder.

Immer wieder interessant ist auch der Ausblick aufs Meer. Von fas allen Stellen an der Küste ist immer mindestens eine der vorgelagerten ostfriesischen Inseln zu sehen.  Von Borkum ganz im Westen vor Holland bis Wangerooge ganz im Osten – immer hat man „Land in Sicht“.

Das nächste Mal führt  uns unsere Rundfahrt von Norden/Norddeich bis nach Harlesiel – und einmal gehen wir dabei sogar noch hoch hinaus! In diesem Sinne wünsche ich Euch bis nächste Woche alles gute und für die Fotos allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

 

Reisebericht Urwald Sababurg

Knapp südlich des Teutoburger Waldes, im nordhessischen Landkreis Kassel liegt der Urwald Sababurg, auch als Urwald im Reinhardswald bekannt.  Er ist ein unter Natur- und Landschaftsschutz stehendes und aus einem Hutewald hervorgegangenes Waldgebiet und zugleich -biotop. In seiner urwüchsigen Form ist er für ganz Mitteleuropa einzigartig.  Er steht seit 1907 unter Schutz und ist damit Hessens ältestes Naturschutzgebiet.

Der „urige“ Charakter des 92 ha[ großen „Urwaldes“ wird geprägt von alten Hutebäumen. Die mächtigen, knorrigen „800 bis 1000-jährigen Eichen“ und dick- oder mehrstämmigen Buchen sind Zeugen einer jahrhundertelangen Bewirtschaftung. Zudem wächst „meterhoher Farn“, was ihm zudem einen ganz eigenen Charme verleiht. Hutewälder dienten früher als Waldweide für die landwirtschaftlichen Haustiere, u. a. Schweine. Im Wald stehen viele alte Eichen und Buchen, die jeder für sich schon ein Naturdenkmal darstellen.

Der Urwaldcharakter wird dadurch verstärkt, das in diesem Bereich seit über 100 Jahren die Pflanzen sich selbst überlassen werden und der Mensch nur im äußersten Notfall eingreift. Überall liegen Totholz und Ruinen mächtiger Bäume, welche im Lauf der Zeit wieder selbst ein Teil der urigen, sich selbst erneuernden Natur werden. Durch diese Maßnahmen entsteht ein einzigartiger Lebensraum für viele Tiere, Pilze und Pflanzen.

Heutzutage zieht er neben Wanderern vor allem Maler und Fotografen an. Auf den gut gepflegten Wegen lässt sich hier die Natur in ihrer ursprünglichsten Form bestaunen. Die wenigen morastigen und feuchten Stellen wurden mit Holzstegen begehbar gemacht, so dass eigentlich jeder, selbst mit Kinderwagen, in den Genuss dieses Spektakels kommen kann.

Es gibt drei markierte Rundwege, die für alle Altersklassen etwas bieten. Die Länge ist mit 1,8 km für den kurzen und 4 km für den längsten angegeben, so dass es selbst für gehfaule keine Ausrede geben dürfte, sich hier der Natur ganz hin zu geben. Wem das zu wenig ist, kann noch den angrenzenden Tierpark besuchen und sich noch das Schloss Sababurg mit ansehen.

Alles in allem ein lohnender Ausflug in Deutschlands Mitte, wir haben hierfür eigens unsere Heimfahrt von Ostfriesland ins Allgäu unterbrochen. Für  zukünftige Wanderungen und Fotoausflüge wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Harz: Die Teufelsmauer bei Thale

Spricht man einen Harzer auf die Teufelsmauer an, so kann es durchaus passieren, dass man zunächst nach Blankenburg geschickt wird. Hier gibt es nämlich eine offizielle Wanderroute mit dem Namen „teuflischer Wanderspass„. Den Bildern auf der Webseite der Tourismusinfo von Blankenburg  ist aber zu entnehmen, dass die beschriebenen bizarren Felsformationen, verwitterten Gesteine und markanten Klippen relativ stark mit Bäumen eingewachsen sind. Immer wieder durchbrechen die Steinformationen zwischen Blankenburg und Thale das ansonsten eher landwirtschaftlich geprägte Harzvorland.

Mein Ziel war eher der Abschnitt der Mauer bei Thale – genauer gesagt Weddersleben. Hier war aus Google Maps bei der Recherche ersichtlich, dass die Steine relativ frei in der Landschaft stehen und ich mir so für den geplanten Sonnenuntergang interessante Hintergründe für die Bilder erhoffte. Leider spielte mir das Wetter nicht in die Karten – die Sonne zeigte sich überhaupt nicht, so dass mir nichts übrig blieb, als den Himmel dramatisch in Szene zu setzen.

Die Sage um die Teufelsmauer handelt davon, dass zwischen dem Teufel und Gott eine  Wette lief, bei der Gott dem Teufel das Land als Gewinn versprach, welches der Teufel binnen einer Nacht mit einer Mauers umgeben konnte.

Zwischen Weddersleben und Warnstedt reihen sich auf einer Länge von zwei Kilometern der Königsstein, die Mittelsteine und die Papensteine aneinander.  Um deren Abbau zu verhindern wurden die Felsirppen bereits 1833 und 1852 unter Schutz gestellt. Der Abschnitt bei Weddersleben ist außerdem seit 1935 als Naturschutzgebiet gesichert und zählt damit zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands.

Gut beschildert und exzellent ausgebaute Wege und Absperrungen erleichtern es einem, die Gegend zu erkunden. Man kommt sich zwischen all den unwirklich erscheinenden Formen schon ein bisschen ausserirdisch vor. Durch die Lage eignen sich sowohl der Sonnenauf- als auch der Sonnenuntergang für schöne, farbenprächtige Aufnahmen der Felsen im Widerschein des Lichts. Über die bekannten Hilfsmittel für Fotografen lassen sich bequem die optimalen Zeiten für diese Art Bilder übers Jahr bestimmen (z. B. PhotoPills oder Sun Surveyor). Was fehlt ist dann nur noch das passende Wetter – so, wie bei mir…

Ich wünsche Euch für Eure Vorhaben wie immer gutes Gelingen und allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Harz: Die Bodefälle bei Braunlage

Christine fragt mich eben noch, ob sie mir das Stativ abnehmen soll, ich bin aber voll konzentriert dabei die letzten Aufnahmen für das Panorama des Wasserfalls zu machen und reagiere nicht auf ihr Angebot. Also nehme ich Stativ samt Kamera selbst in die Hand, drehe mich um und suche mit den Augen die Steine nach einem gangbaren Weg ab. Der erste Schritt gelingt noch, aber beim nächsten komme ich auf der glitschigen Oberfläche ins rutschen und merke, wie in Zeitlupe, dass ich in Schieflage komme und das Gleichgewicht verliere. Rechts hinten das Smartphone in der Gesässtasche. Links vorne die Kamera auf dem Stativ in der Hand. Ich taumle nach links – vorsicht, die Kamera darf mir nicht entgleiten – ich wanke nach rechts – nur nicht nach hinten fallen! Nach einer gefühlten 360 Grad Wendung schlage ich rechts mit dem Oberschenkel zwischen 2 Felsen ein. Platsch – Hose und Schuhe durchnässt, leichte Prellungen der Weichteile unterhalb der Hüfte, aber das Equipment ist heil geblieben. Am Abend bei der Sichtung der Bilder weiß ich aber sofort: das Panorama war jede Mühe und jeden blauen Fleck wert. 

Die Bodefälle befinden sich nordöstlich von Braunlage am Oberlauf der Warmen Bode. Vom Grossparkplatz an der Wurmbergbahn aus sind der untere und der obere Wasserfall bequem auf guten Wanderwegen zu erreichen. Granitblöcke bilden die Grundlage, damit das Wasser tosend und in Kaskaden in die Tiefe rauschen kann. Der Weg führt, selten weit vom Wasser entfernt, beschattet durch die umstehenden Bäume leicht ansteigend immer tiefer in den Nationalpark Harz hinein. Feste Schuhe sind die einzige Voraussetzung, um hier gut voran zu kommen. Der Weg ist gut ausgeschildert und so kann sich der Fotograf ganz auf die herrliche Natur konzentrieren, um die beste Perspektive für seine Bilder zu finden. Die örtlichen Gegebenheiten laden förmlich dazu ein, immer wieder Wege in die Bode zu suchen, um möglichst nahe an den Windungen des Wassers zu sein.

Der Lauf des Wassers wird auch diesmal am besten mit Langzeitbelichtungen festgehalten. Aus dem Bericht der letzten Woche vom Ilsetal wissen wir ja noch, wie einfach es ist trotz aufgesetztem Filter eine  korrekte Belichtung zu erzielen. Hier kann man ja auch mal ins experimentieren verfallen und beispielsweise ein Panorama eines der Wasserfälle oder bei, geeigneten Lichtverhältnissen, ein HDR-Bild aus unterschiedlich belichteten Aufnahmen der gleichen Szene erstellen .

Ganz korrekt müsste für ein Panorama die Kamera auf dem Stativ mit einem Nodalpunktadapter montiert werden. Dieser Adapter sorgt für eine korrekte Drehung der Kamera und vermindert damit Verzerrungen, da der Sensor nicht genau über der Stativschraube sitzt und so die Drehung hinter dem Sensor statt findet. Auffallend ist es auf jeden Fall in der Architektur, hier im Harz am Bachlauf wird die eventuell entstehende Verzerrung so gering sein und durch die natürlich vorhandene Unebenheit von Mutter Natur nicht ins Auge fallen.

Immer wieder kann man die Felsen im Bach gut zu Fuss erreichen und so die Bilder dramatisch komponieren. Entsprechende Vorsicht natürlich  vorausgesetzt – damit nicht, wie eingangs beschrieben, Mensch oder Technik zu Schaden kommt. Sicherheit geht auf jeden Fall immer vor Dramatik.

Man möchte nicht glauben, wie schnell hier zwei, drei Stunden vergehen und man immer noch das Gefühl hat, nicht alles fotografiert zu haben. Für die Wanderzeit und die damit verbundenen Fotoausflüge wünsche ich Euch allen natürlich, wie immer, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter