Am Dürrensee

Der Dürrensee liegt kurz nach dem Toblacher See (Dobiaccosee) an der Straße zwischen Toblach und Cortina d´Ampezzo. Am Parkplatz Drei Zinnen Blick wird auch gleich plakativ vom Tor zu den Dolomiten geschrieben. Und dieses Tor wurde auch so errichtet, dass man durch dem Bogen genau zu den Drei Zinnen sehen kann.

Von hier aus kann man in ca. 3 ½ Stunden zur Drei Zinnen Hütte aufsteigen. Wir gehen aber vorher rechts weg in Richtung See. Der Kiesweg lässt sich gut gehen, wenn man sich mit den Radfahrern einig wird.

Die Steigung ist kaum merklich und schon bald sehen wir das Ufer des Dürrensees vor uns. Die Umrundung soll als kleine Scouting-Runde dienen, denn beim vorbeifahren auf dem Weg zu der Drei Zinnen Umrundung habe ich mir eingebildet, dass die schroffen Felsnadeln bei Sonnenaufgang bestimmt einen spektakulären Anblick ergeben würden.

Bevor ich allerdings morgens um halb sechs im dunkeln durchs Unterholz irre, schaue ich mir gern vorher an, wo es Sinn macht, sich aufzustellen und vor allem, wie man da hin kommt. Sp schlendern wir eine zeit lang an der Uferlinie entlang, um zu sehen von wo aus man die Beste Sicht auf die Berge und vor allem auf eine mögliche Spiegelung der Gipfel im See hat. In aller Frühe ist der Wellengang in der Regel sehr gering, so dass ich doch berechtigte Hoffnung habe auf einem Bild gleich zweimal die Berge drauf zu bekommen.

In den Morgenstunden ist es in der ‚Regel an Gewässern immer ruhiger, als am Abend. Dies ist ein weiterer Grund dafür, Sonnenaufgangsmotive zu suchen. Wenn kein Lüftchen weht bleibt die Wasseroberfläche glatt, wie ein Spiegel und so sollte man dann auch die Berge schön im Wasser gespiegelt sehen.
Die weitere Runde um den See ist schön, man kann sehr leicht gehen da keine nennenswerte Steigungen oder Hindernisse das Vergnügen trüben. Auf der Straßenseite des Sees habe ich dann noch ein paar mal den Verkehr abgewartet, um den Straßenverlauf zu den Bergen hin ohne Fahrzeuge aufs Bild zu bekommen.

Die Ansicht hatte für mich etwas von Patagonien. Von den Torres del Paine gibt es ähnliche Aufnahmen, nur die hier sind in den Dolomiten und zeigen die atemberaubende Cristallogruppe südlich des Sees. Da die Straße den Blick direkt auf die Berge zuführt gibt es dem Bild eine schöne Linienführung und mehr Tiefe.

Am Freitag morgen bin ich dann um halb fünf aufgestanden und mit dem Auto die knappe dreiviertel Stunde von Rasen an den See gefahren. Wenigstens ist in der Früh kein Verkehr, so dass man hier keine Zeit für etwaige Staus mit einberechnen muss.
Der Sonnenaufgang war für sechs Uhr angesagt und ich musste ja noch ein paar Meter vom Parkplatz (diesmal direkt am Seeufer) bis an die ausgesuchte Stelle laufen.
Wenn man dann dem Zauber der blauen Stunde verfällt, dann würde man ja am liebsten sofort am erst besten Platz das Stativ aufstellen und losfotografieren.
Ich empfehle jedoch genau in diesen Fällen ruhig zu bleiben und mit der Kamera zuerst ohne Stativ ein paar Bildausschnitte anzuschauen. Erst wenn man das gewünschte Bild vor sich sieht, dann stellt man sein Stativ auf und richtet sich ein.

Mir stockte schon ein paar mal der Atem, als der Zauber begann. Erst war alles in das satte Nachtblau gehüllt, als plötzlich ein orangerotes Glimmen die Bergspitzen förmlich leuchten ließ. immer mehr zog sich die Nacht zurück und mehr Licht brachte auch mehr Farben ins Spiel.

Zwischenzeitlich kam dann doch eine leichte Brise auf, so dass die Spiegelungen nicht zustande kamen. Als jedoch die Sonne über den Horizont kam und die Berge direkt anleuchtete war auch der See wieder ruhig.

Hier nutzte ich den Polfilter einmal in der anderen Richtung. Normal wird dieser ja eingesetzt, um Spiegelungen zu minimieren. Ich hätte ihn so drehen können, dass das Wasser durchscheintund der Grund des Sees sichtbar wird. Doch das wollte ich ja in diesem Fall nicht. Also drehte ich den Filter solange, bis ich an der Kamera die best mögliche Spiegelung erkannte. Zum Glück ließ der Wind ein paar Minuten nach, so dass ich dann doch noch schöne, klare Bilder der orange leuchtenden Bergspitzen im See machen konnte.

Zum Schluss kamen dann auch noch ein paar Nebelschwaden und Wolkenfetzen hereingeschwebt, die der ganzen Szenerie noch einen schönen Touch gaben.
Alles in allem hatte ich für die Bilder nur eine Stunde Zeit am Morgen. Das blaue Bild mit den orangen Spitzen war um 5:33 Uhr und das letzte um 6:34 Uhr.
Da ist also nicht viel Zeit, um noch nach Orten und Motiven zu suchen – da sollte alles passen und man konzentriert sich nur noch auf das Fotografieren.

Auch hier, wie bei allen Südtirol-Folgen, noch mein Hinweis:
Der Dürrensee befindet sich auf 1400 m! Die Umrundung bringt keine nennenswerten Anstiege mit sich – aber die Höhe selbst kann bei empfindlichen Personen schon Probleme bereiten.

Für solche und ähnliche Projekte wünsche ich Euch natürlich wie immer und von ganzem Herzen allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Fotoprojekt 1: Portraitiere Deine Heimatstadt – Teil 1

Fotoprojekte sind eine ganz tolle Sache, um seine Fähigkeiten zu verbessern. Es geht hierbei darum, für einen definierten Zeitraum eine bestimmte Technik auszuüben, ein bestimmtes Motiv einzufangen oder auch einfach nur ein bestimmtes Thema zu verfolgen.
Es gibt z. B. diese 365-Tage-Challange. Jeden Tag ein Bild aufnehmen, jeden Tag ein Bild posten usw. Jeden Tag ein Bild posten halte ich auf 500px schon eineinhalb Jahre durch. Aber jeden Tag ein Bild machen – da weiß ich, dass ich das nicht durchstehen würde. Vielleicht später einmal, aber für jetzt nehmen wir uns etwas vor, was einfach ist und genau deshalb funktionieren wird:

Portraits Deiner Stadt – Deiner Straße – Deines Ortes. Egal, irgendwas in der Nähe, wo Du arbeitest, lebst, jeden Tag vorbei fährst usw. Es kann auch ein Baum sein, der Dir gefällt und so kannst Du ein Bild machen, ein Jahr lang, immer am ersten Montag im Monat, und nächstes Jahr hast Du einen schönen Baumkalender oder eine Collage für die Wohnzimmerwand.

Ich habe mit den Fotos von Memmingen vor zwei Jahren angefangen. Erstens hat es meinen Blick auf die Dinge verändert und zweitens habe ich Motive und Details in der Stadt „gefunden“, die mich staunen ließen. Seit über 50 Jahren lebe ich hier und doch gab es so viel wovon ich sagen musste: Das ist mir noch nie aufgefallen.
Ich begann als erstes in meiner Mittagspause. Ich arbeite nicht weit vom Zentrum der Stadt und habe die halbe bis dreiviertel Stunde Pause mit einem Fotospaziergang ausgefüllt. Von der Arbeit konnte ich dabei gut abschalten und fotografisch konnte ich durch das bekannte Learning-By-Doing-System viel lernen.
Einmal fiel mir eine eingeschaltete Straßenlampe auf und schon hatte ich die Idee zu einer ungewöhnlichen Perspektive auf ein gewöhnliches Objekt.
Anfangs war mir noch gar nicht klar, auf was ich mich da einlassen. Den ein oder anderen Tag musste ich mich richtig dazu zwingen, los zu gehen. Aber mit jedem Tag an dem ich das durchzog, bekam ich einen anderen Blick auf die Gebäude, die Menschen, die Straßenzüge, ja die ganze Stadt. Mir fielen Details auf, an denen viele Tag täglich achtlos vorbei gehen.
Heute bin ich sehr froh darüber, dass ich das durchgezogen habe. Heute habe ich mehr als tausend Bilder meiner Heimatstadt und ich möchte mal behaupten, da sind welche dabei, die so nicht viele Memminger haben.
Mit der Zeit baut man natürlich weitere „Hürden“ ein. Sehr gerne gehe ich z. B. zur blauen Stunde oder Nachts in die Stadt. Am Stadtbach ist es dann immer besonders Stimmungsvoll. Die Menschen sind weniger, so dass dann auch die Bilder ohne störende Fußgänger ganz ohne Tricks und Photoshop gelingen.
Man kann auch die Ausrüstung „beschneiden“ und z. B. nur mit einer Festbrennweite in die Straßen gehen. Dann wird die Herausforderung darin bestehen, dass man mit den Füssen zoomen muss, weil die gewohnte Zoomlinse daheim geblieben ist. Einen weiteren Vorteil bieten die Linsen in dem dass die Kamera dann nicht mehr so auffällig ist und man sich mal in dem Genre „Street-Fotografie“ versuchen kann.

Die Beschränkung auf Schwarzweiß lässt uns auch vieles nochmal anders sehen. Am besten gleich die Kamera so einstellen, dass die Vorschau in schwarzweiß angezeigt wird. Keine Angst – wer in RAW fotografiert verliert die Farbinformationen nicht! Aber man bekommt vor Ort bereits das Gefühl, wie das Bild wirken wird, bzw. wo noch nachgeregelt werden sollte.
Natürlich gehören auch die Klischee-Bilder der Wahrzeichen der Stadt mit dazu. Hier kann man sich ja auch mal der Herausforderung stellen und sich eine Stunde nur mit diesem einen Gebäude zu beschäftigen, um neue Blickwinkel zu finden und so doch noch Unikate zu erschaffen.
Ungewöhnliche Perspektiven wirken für sich schon interessant. Man verlässt gewohnte Sichtweisen und taucht ein in das Besondere – das manchmal nur einen Schritt neben den täglich gewohnten Wegen liegt.
Das nächste Mal geht’s noch weiter durch Memmingen. Viele weitere Beispiele zeigen Euch, wie man rund um die Uhr tolle Fotos nicht weit von zu Hause schießen kann. In diesem Sinne wünschen ich Euch schöne Sommertage und allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

 

Nützliche Apps für Fotografen


Die letzten beiden Wochen haben wir über die Hardware zum besseren Urlaubsfoto gesprochen. Doch es gibt auch Software welche hilfreich sein kann – insbesondere beim letzten Punkt der vorigen Woche, der Vorbereitung.
Beinahe jeder nennt heute ein Smartphone sein Eigen. Für diese gibt es zahllose mehr oder weniger sinnvolle Programme, sog. Apps, für Fotografen.
Das Beste ist, dass einige sogar kostenlos zu erhalten sind.

ND-Filter-Rechner:

 

 

 

 

 

Diese App berechnet ausgehend von der Belichtungszeit ohne Filter,  die Zeit, welche man einstellen muss, wenn man einen ND-Filter benutzt. So kann die Kamera im manuellen Modus perfekt auf den verwendeten Filter eingestellt werden.
Zuerst lässt man die Kamera die aktuelle Belichtungszeit ohne Filter errechnen. Diese Zeit wählt man in der App aus und gibt vor, wie stark der eingesetzte ND-Filter abdunkelt. Automatisch berechnet die App die erforderliche Zeit, um wieder zum gleichen Belichtungsergebnis zu kommen. Im manuellen Modus an der Kamera könnt Ihr jetzt die Blenden-Zeit-Kombination einstellen und das Foto schießen und werdet ein korrekt belichtetes Bild erhalten.

DOF-Calculator:


Mit diesem Rechner könnt Ihr berechnen lassen wie groß der Schärfentiefebereich jeweils ist, wenn eine bestimmte Kombination aus Brennweite und Blende gewählt wird.
Dies wird benötigt, wenn der Bereich, der im Foto scharf sein soll bestimmte Grenzen haben soll.
Mit wenigen Klicks ist der Kameratyp berstimmt – die Sensorgröße hat ebenfalls Einfluss auf den Bereich, welcher scharf abgebildet wird.
Anschließend nur noch die Brennweite einstellen und jeweils für die benutzte Blendenöffnung die Schärfentiefe berechnen lassen. So kann man auch mit diesem Bereich „spielen“ und abschätzen, ab wann das komplette Bild vom Vordergrund bis in den Hintergrund scharf sein wird.

Photo Tools:

Diese App ist eine Sammlung mehrerer Tools und Berechnungsprogramme allerdings auf Englisch. Die beiden vorgenannten Rechner sind hier u. a. ebenfalls integriert sowie noch zahlreiche weitere Utilities, wie z. B. ein Timer oder der Farbkreis. Es können ebenso Checklisten angelegt oder Notizen gespeichert, wie auch die Hyperfokaldistanz berechnet werden. Eine sehr umfangreiche Sammlung, welche ich nie vollständig genutzt habe. Wer sich an den englischen Bezeichnungen für die Fototechnik nicht stört, findet hier wirklich alles, was man berechnen oder notieren kann.

Sun Surveyor:

Diese App kostet ca.  5 € hilft aber ungemein viel bei der Planung von Sonnenverlauf, Mondphasen und der Sichtbarkeit des Milchstraßenzentrums. Ich habe die App lange genutzt, da Photopills nur für Apple-Geräte verfügbar war und bin immer gut damit gefahren.
Als Vorabinfo ist bei der Planung schon sehr hilfreich zu wissen, ob z. B. das Zentrum der Milchstraße überhaupt sichtbar sein wird.
Die Zeiten von Sonnenauf- und -untergang müssen jetzt auch nicht mehr mühsam im Internet recherchiert werden. Jetzt hat man die komplette Datenbank in der Hosentasche. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass die Zeiten immer aktualisiert zum jeweiligen Standort passen und dieser sich für Planungen überallhin verschieben lässt.

Photopills:

Die Mutter aller Sonne-Mond-und-Sternen-Programmen. Nicht wenige Fotografen haben sich nur wegen der App ein I-Phone zuglegt – die App ist bis vor kurzem ausschließlich für die Apple-Produkte erhältlich gewesen.
Es handelt sich hierbei um einen Mix aus sun surveyor und photo tools. Die wichtigsten Eigenschaften beider Programme wurden hier vereint, kostet allerdings mit ca. 10 € auch am meisten und ist erst kurz auch für Android verfügbar.
Hier ist alles übersichtlich abrufbar, was mit der Fotografie und unseren wichtigsten Sternen und Planeten zu tun hat.
Genaue Termine der Mondphasen, schöne Darstellung der goldenen und blauen Stunde (die Hauptzeiten für Landschaftsfotografen) und einfache Planung für alle Milchstraßenfotografen – hier wurde an fast alles gedacht. Zusätzlich noch die wichtigsten Berechnungstools aus den vorstehenden Apps – rundum eine gelungene Sammlung für Hobbyfotografen und auch Profis.

Google Maps:
Zu Google Maps muss ich wahrscheinlich nicht viel sagen. Googles Kartendienst kann inzwischen auch Wanderwege und -routen berechnen, anzeigen und navigieren. Wenn man in der Umgebung fremd ist ein unverzichtbarer Helfer um den richtigen Weg zu finden. Und seitdem die Navigation zu Fuß auch gut funktioniert kann man das Programm auch auf dem Weg zum Fotospot gut gebrauchen.

Eine Wetter-App:
Hier gibt es viele Anbieter die übers Jahr gesehen die selben guten oder schlechten Wetteraussichten ankündigen wie die Anderen auch. Länger als 2 Tage im Voraus sollte man mit allen Wettervorhersagen nicht gehen.
Für manche Unternehmungen ist es nun einmal unverzichtbar einigermaßen zu wissen, was das Wetter macht. Für die kommende Nacht und den darauf folgenden Tag sind die Prognosen bei allen Anbietern recht brauchbar, so dass man schon ziemlich genau abschätzen kann, ob es sich lohnt die Rucksäcke zu packen und los zu ziehen.

Lightroom Mobile:
Dies ist ein Zusatzprogramm von Adobe Lightroom, welches nur im Zusammenhang mit dem Abo von Adobe genutzt werden kann. Am interessantesten für mich ist, dass im Programm eine Kamera integriert ist, welche ebenfalls im RAW-Modus Fotos abspeichert. So ist der Informationsumfang vom Handy-Bild ebenfalls größer und die Bearbeitung kann intensiver durchgeführt werden.
Ansonsten ist es ein Bildbearbeitungsprogramm welches viele Funktionalitäten vom echten Lightroom beinhaltet. Für kurze Anpassungen unterwegs – bevor man die Bilder in den sozialen Medien teilt – ist es sehr gut geeignet. Man sieht gleich, ob das Bild potential zu mehr hat, oder nicht.

Da man es auch hier, wie mit vielem Anderen auch, schnell übertreiben kann belasse ich es jetzt mal mit diesen Programmen. Mehr wird der Hobbyfotograf in der Regel nicht brauchen. Für die ein oder andere Unternehmung wünsche ich Euch deshalb schon mal im Voraus allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Die Sache mit dem “Ziel-Bild“

Was ist ein Ziel-Bild?
Lange wusste ich nicht, was ich mit diesem Begriff anfangen soll. Wie soll ich vorher wissen, was ich fotografieren will? Um diese Fragestellung geht es bei dem Begriff gar nicht. Es geht darum eine Vorstellung davon zu bekommen, wie das Bild auf den Betrachter wirken und welche Bildaussage getroffen werden soll.

Je länger ich mich mit dem Thema auseinander gesetzt habe und je mehr Bilder ich gesehen und gemacht habe, um so mehr wurde mir klar, was damit gemeint war. Das Bild entsteht bereits im Kopf! Anhand dieser kleinen Geschichte möchte ich Euch meine Überlegungen zum Thema Zielfoto näher bringen:

Ich habe da ja meinen „Lieblings-Baum“. Lange bin ich an ihm vorbei gefahren und habe mir immer wieder geschworen, dass ich ihn irgendwann mal fotografieren will – in der Kategorie „Einzelner Baum“.
In der Woche vor Weihnachten 2015 war es dann soweit. Die ganze Woche über habe ich vom Büro aus jeden Morgen sehnsüchtig die tollen Sonnenaufgänge durch das Fenster beobachtet und mich geärgert, dass ich arbeiten musste. Am 23. hatte ich endlich frei und unternahm auf dem Weg zum Frühstücks-Bäcker einen Abstecher zu dem Baum.

Mein erstes wirklich gutes Foto war im Kasten und eine erste Idee von der Planung und Gestaltung im Vorgriff hat sich mir gezeigt. Wenn man den Ort kennt, den man fotografieren möchte und die Gegebenheiten von Sonnenauf- und -untergang von den Himmelsrichtungen her weiß, macht man schon den ersten großen Schritt zu einem guten Bild.
Auf der Internetseite von 500px habe ich zum ersten mal eine herausragende Bewertung erhalten und bin noch heute mächtig stolz darauf.

Im Laufe des Jahres 2016 kamen dann immer mehr Meldungen von dem sog. „Mega-Vollmond“ im Herbst in den Medien. In meinem Kopf begann ein Plan zu reifen, den Mondaufgang und den Baum zusammen auf ein Bild zu bannen. Da der Mond tendenziell beim Aufgang über dem Horizont optisch größer erscheint, als zu der Zeit wenn er hoch am Himmel steht, habe ich mich Mitte des Jahres wieder auf den Weg gemacht, um schon mal zu testen wie so ein Bild funktionieren könnte. Ich stellte mir den Mond vor, wie er neben dem Stamm jedoch unterhalb der Krone aufgeht.
Das Bild im Dezember war mit einem Weitwinkel aufgenommen und so dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn, dass ich das mit dem Vollmond auch so machen könnte.

Ziemlich ernüchtert stellte ich dann fest, dass mein geplantes Foto so wohl nicht zu Stande kommt. Irgendwie habe ich mich total getäuscht, was das verwendete Objektiv und das gewünschte Ergebnis betraf. Der Baum war zwar wieder schön groß im Bild, dafür der Mond kaum erkennbar als kleiner weißer Punkt im Hintergrund. So etwas will keiner sehen – dieses Bild wurde deshalb auch noch nie veröffentlicht.

Irgendwie musste ich was an meiner Technik ändern. Ich informierte mich eingehend über die verschiedenen Abbildungseigenschaften der unterschiedlichen Objektivtypen und bin schließlich darauf gestoßen, dass nur ein Teleobjektiv über die Kompression der Bildinhalte den gewünschten Effekt erzielen konnte. Aufgrund seiner Eigenschaften konnte ich mit dem Tele weiter vom Baum weg stehen. Den vollen Zoom genutzt würde ich den Baum trotzdem formatfüllend auf das Bild bekommen und zudem den Hintergrund näher an den Vordergrund heranrücken und dadurch größer erscheinen lassen.
Im November – pünktlich zum vorausgesagten Mega-Vollmond-Event – hatten wir dann den gewohnten Nebel. Keine Chance auch nur einen Schimmer des Erdtrabanten zu sehen.
Für Dezember war besseres Wetter vorhergesagt und der Mond angeblich nur wenige Prozent kleiner, als im November. Voller Spannung wartete ich auf den Tag – mit Handy-Apps genau berechnet, wann er aufgeht und wie er genau hinter meinem Baum zu sehen sein wird.
Es zeichnete sich die interessante Konstellation ab, dass zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang nur wenige Minuten verstreichen würden, so dass ich mich auf ein Mega-Farbspektakel freute – bis sich der Osthimmel mit Wolken bedeckte und keine freie Sicht auf den Mond preis gab.

Ein Bild mit dem Tele habe ich trotzdem gemacht, da sich die Alpen schön hinter dem Baum abzeichneten. So hatte ich wenigstens noch ein Bild hatte, welches bei 500px sogar noch besser ankam, als das erste. Ich war also nicht umsonst gekommen.

Ein Vollmondbild habe ich dann doch noch auf eine ganz andere Art und Weise erstellt:

Mit einem abendlichen Bild vom Bad Grönenbacher Schloss und einem Vollmondbild aus meinem Archiv habe ich ein SW-Composing erstellt. Dieses Bild hatte ich so vorher ebenfalls schon im Kopf, jedoch die Konstellation um dies in natura abzulichten hat sich bisher nicht ergeben. Es wurde das bis dahin am besten bewertete Bild von mir auf 500px.

In diesem Sinne – überlegt vorher relativ genau, welches Bild Ihr Euch wünscht – Ihr werdet überrascht sein, wie einfach es dann oft ist diesem Ideal möglichst nahe zu kommen. Die Vision vom fertigen Bild im Kopf zu haben erleichtert die Planung ungemein, da man dann viel besser weiß, auf was alles geachtet werden sollte.

Für diese Vorhaben wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Anfängerfehler Teil 3


5. Die falsche Tageszeit

Morgenstund‘ hat Gold im Mund.
Ein altes Sprichwort, dass jedoch für die Landschaftsfotografie absolut zutreffend ist – denn ein Sonnenaufgang lässt sich in unseren Breiten nun mal nicht Mittags aufnehmen. Man muss schon seinen inneren Schweinehund überwinden, um im Sommer zum Erfolg zu kommen. Aber wer sich vorher über die zu erwartenden Wetterverhältnisse schlau macht, wird jedenfalls nicht enttäuscht werden.
In der folgenden Bilderserie ist schön zu sehen, wie sich auch die Lichtstimmung im Verlauf des Sonnenaufgangs ändert. Das beste Licht ist nämlich unmittelbar bevor die Sonne über den Horizont kommt…

Anfangs dominiert noch das nächtliche Blau die Szenerie. Schüchtern und langsam bahnen sich die ersten Strahlen ihren Weg, um den Nachthimmel zu vertreiben. Für solche Bilder ist unbedingt der Einsatz eines Stativs zu empfehlen oder die Kamera anderweitig gegen Verwackeln zu sichern.


Sobald die Sonne dem Horizont näher kommt nehmen die wärmeren Farbtöne zu und verdrängen nach und nach das kühle Blau der Nacht.

Es wird immer heller und die Farbstimmung ist meiner Meinung nach eigentlich jetzt am schönsten und intensivsten.

Sobald die ersten Sonnenstrahlen richtig das frühmorgendliche Glühen ablösen, nimmt das Orange zu und der Magenta-Anteil verschwindet langsam. Schön weich schmiegt sich das goldene Licht an den Hängen und Bergspitzen entlang, bereit die Szene ganz zu übernehmen.

Wenn die Sonne dann sichtbar wird, hat das Farbspektakel ein Ende. Orange überwiegt nun und bestreicht nun die Hügel und das Wasser mit Wärme. Es ist immer noch ein schönes Licht – besser als das harte Licht zur Mittagszeit, welches speziell im Sommer durch die senkrechte Stellung der Sonne mit kurzen Schatten und greller Anstrahlung für wenig Tiefe und Kontrast in den Urlaubsbildern sorgt.
Für mich hat sich das Aufstehen um 4 Uhr im Juli definitiv gelohnt.

An Abend vollzieht sich das Spektakel selbstverständlich in umgekehrter Reihenfolge erneut. Das Orange verschwindet dann langsam während der sogenannten goldenen Stunde. Die Sonne weicht dem nächtlichen Blauschwarz und kurze Zeit nach dem eigentlichen Sonnenuntergang bleibt für die sogenannte „Blaue Stunde“ noch dieser tiefblaue Nachthimmel, welcher ebenfalls noch sehr stimmungsvolle Bilder entstehen lassen. Für solche Aufnahmen an einem See hat sich jedoch bewährt, am Morgen zu kommen, da es um diese Zeit in der Regel windstill ist und somit der See weniger unruhig ist als beispielsweise am Abend.

6. Achte auf den Rand und den Hintergrund


Das Bild zeigt eine unglaublich schöne Winterstimmung. Feine Nebelschwaden ziehen über den Bach, die tief stehende Sonne zaubert feine Lichtreflexe auf das Wasser – und doch stört das Brückenteil in der rechten oberen Ecke. Jetzt kommt noch dazu, dass ich den Ausschnitt schon enger gewählt habe – ich habe das Foto in Lightroom beschnitten – so dass im Original noch viel mehr störende Elemente rechts am Rand entlang sichtbar waren. Mehr von der Brücke, aber auch ein Geländer am Rand des betonierten Brückenfundamentes.
Das Bild ist erst im Januar 2017 entstanden. Ich bin also trotzdem, dass ich mich schon sehr viel weiter entwickelt habe, immer noch nicht davor gefeit, vor lauter Begeisterung die Bilder vor Ort richtig zu beurteilen. Nur ein kleiner Schwenk, ein Schritt nach vorn oder zur Seite und das Bild wäre perfekt. So lange man vor Ort ist kann das alles schnell und problemlos bereinigt werden. Es müssen keine aufwändigen Retuschen mit Photoshop etc. gemacht werden, um unerwünschte Bildinhalte zu beseitigen.

Oft kommt es auch vor, das wir auf Erinnerungsfotos uns in der Szenerie so platzieren, dass im Hintergrund auffällige Straßenschilder mit im Bild sind. Rote Stopp-Schilder fallen da natürlich besonders krass auf. Auch gibt es viele Aufnahmen bei denen ein Baum aus dem Kopf des Abgelichteten zu wachsen scheint. In der Anfangszeit wird das, wie schon mal gesagt, wenig stören – wer sich jedoch wirklich weiter entwickeln möchte, der wird sich früher oder (selten) später sehr daran stören.

Immer schön wach bleiben und vor Ort genau kontrollieren, was man fotografiert hat! In diesem Sinne wünsche ich Euch allzeit gutes Licht.
Werner Kutter