Reisebericht Ramsau, Zauberwald und Hintersee

Rund um Ramsau gibt es viele bekannte Fotospots, von denen jeder die Mühe der Anfahrt und/oder des Spazierweges wert ist. Auch wenn die Bilder tausendfach im Netz kursieren, ist es doch ein Erlebnis, selbst die Aufnahme so zu gestalten, wie man es sich vor seinem geistigen Auge vorgestellt hat. Das Erfolgserlebnis, einmal ein Bild, welches man zuerst in der Galerie eines renommierten Fotografen gesehen hat, selbst zu machen, ist doch unbezahlar.
Beginnen möchte ich mit Ramsau selbst. An der Pfarrkirche St. Sebastian spucken in der Hauptreisezeit Reisebusse ganze Horden an asiatischen Gästen aus, um nach 10 Minuten wieder weiter zu fahren. Der bekannte Spot mit der Ramsauer Ache vor der Kirche ist dann immer wieder kurz total überlaufen. Anfang/Mitte Mai kann man es mit etwas Geduld jedoch leicht abwarten, bis die wuseligen Selfietouristen wieder abtransportiert wurden. Wer sich beim Wetter nicht ganz sicher ist kann sich ja die Bilder der Webcam vorher anschauen. Hier sieht man auch direkt die Postkartenidylle, welche man auf die Speicherkarte bannen will.

Was ich leider nicht wusste, aber auch sehr sehenswert gewesen wäre, ist der Friedhof an der Kirche. Zahlreiche mehr oder weniger ernst zu nehmende Sprüche zieren Gräber, Grabsteine und Kreuze. Nicht selten wird kein Hehl daraus gemacht, wie froh die Hinterbliebenen doch über das Verscheiden waren. Vielleicht nimmt sich ja der eine oder andere mal noch die Zeit und schlendert über die letzte Ruhestätte längst verblichener Einwohner.

Wer möchte kann auch direkt ab der Kirche in Richtung Zauberwald wandern – was allerdings knapp 2 ½ km Strecke und gut 80 Höhenmeter an Wanderung voraussetzt – und dann steht man erst am Beginn der interessanten Strecke.

Wir haben den bequemen Weg gewählt und sind bis zum P4 am südwestlichsten Ende des Hintersees gefahren. Von dort machten wir uns auf, den See zu umrunden und bei dieser Gelegenheit auch den Schwenk durch den Zauberwald zu genießen.
Auf der Südostseite führt der Wanderweg knapp 700 Meter getrennt durch die Leitplanke an der Straße entlang. Ab dem Eingang in den Zauberwald ist man jedoch eins mit der Natur. Gut gekennzeichnete Wege durch den Wald und an der Ramsauer Ache entlang lassen einen den Stress komplett vergessen. Für uns Fotografen tun sich hier auf wenigen hundert Metern dutzende von Möglichkeiten auf, das Wasser von all seinen Seiten zu zeigen. Urgewaltig umtost die Wassermacht den Fels, weich und anschmiegsam schleift das Wasser die Steine glatt.

Für meinen Geschmack hat sich im Bezug auf Wasser die Langzeitbelichtung voll durchgesetzt. Ich benutze hierzu meist eine Kombination aus zwei Filtern: einen ND 8 oder ND 64 Filter, um die Verschlusszeit auf mehrere Sekunden zu verlängern und davor einen Polfilter um die Spiegelungen im Wasser zu minimieren. Verschlusszeiten zwischen 2 und 10 Sekunden reichen mir völlig aus, so dass der ND 1000 Filter nur noch sehr selten zum Einsatz kommt.
Immer wieder tun sich kleine Wege auf, über die man direkt an den Rand des wilden Stroms gelangt.

Schier unermesslich sind die Vielzahl der Szenen, welche man hier entlang des tosenden Baches machen kann. Und am eindrucksvollsten sind genau die Bilder, bei denen man denkt das Stativ wäre direkt im Bach gestanden. Also nah ran und tief runter ist hier die Devise.

Am tiefsten Punkt der Runde wendet man sich dann nach links und folgt den Schildern zum Nordufer des Hintersees. Es geht stetig bergauf und man glaubt erst gar nicht, wie tief man hinabgestiegen ist, da das Fotografieren doch ziemlich vom Verlauf der Strecke ablenkt.

Wieder am Hintersee angekommen ging es für mich als erstes darum, den idealen Platz für das Sonnenaufgangsfoto zu finden. Denn ich wollte am nächsten Morgen um fünf Uhr wieder hier sein, um die morgendliche Stimmung am See einzufangen.
Schnell war er gefunden – der Spot, der tausendfach im Internet zu finden ist. Die Bäume auf den Felsen im See und im Hintergrund der Hochkalter – charakteristischer kann ein Landschaftsbild wohl nicht mehr sein. Im Nachmittagslicht sah die ganze Szene allerdings bei weitem nicht so spektakulär aus.

Da ich in der Dunkelheit nicht gerne Überraschungen erlebe, bin ich gerne am Tag vorher hier und kann bei normalem Tageslicht Parkmöglichkeit und Zuwegung abklären, so dass in aller Frühe keine Hektik aufkommt.

Am betreffenden Morgen waren wir dann zu dritt am See und genossen die Ruhe und die Farben, welcher der Tag mit sich brachte.

Man darf bei allem Beharren auf sein Zielbild natürlich auch nicht verpassen, einmal in eine andere Richtung zu fotografieren. Oft ist diese Ansicht deshalb überraschend schön, gerade weil sie nicht pausenlos im Internet zu finden ist.

Und wieder bewahrheitet sich, dass es sich lohnt, früh aufzustehen und die ersten Stunden des Morgens an einem See zu genießen. Es waren traumhaft schöne Minuten, die leider viel zu schnell vergehen aber Gott sei dank lange in Erinnerung bleiben.

Auf dem Weg zurück durch Ramsau lohnt es sich, erneut an der Kirche anzuhalten – die aufgehende Sonne setzt die Berggipfel hinter der Kirche wirklich gekonnt in Szene so dass erneut gute Positionen für weitere Fotos gesucht werden können.

Ich hoffe ich konnte Euch eine kleine Inspiration geben, einmal diese wunderbare Ecke Bayerns zu besuchen. Wir waren im Mai dort und ich werde noch die eine oder auch andere Erfahrung mit Euch teilen. Bis dahin wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Workshop „Ostrachwellen“ im Hintersteiner Tal

Aller guten Dinge sind drei!
Den alten Spruch kennt jeder und so habe ich mich relativ kurzfristig entschlossen, bei Manuela Prediger in diesem Jahr noch einen dritten Workshop zu besuchen.
Nach den Lichtern der Stadt im Frühjahr und dem Viehscheid Gunzesried vor vier Wochen sind nun die Ostrach und die Langzeitbelichtungen am Wasser dran.
Meine Lieblingsdisziplin!
Warum nehme ich dann am Workshop teil?
Weil ich immer auf der Suche nach Inspiration bin und mir das Fotografieren in Gesellschaft von anderen einfach viel mehr Spaß macht!

Pünktlich um viertel vor neun trafen wir uns an der vereinbarten Bushaltestelle am Wanderparkplatz in Hinterstein. So konnten wir uns den kleinen „Luxus“ erlauben, den ersten Teil der Strecke mit dem Linienbus zurückzulegen und die Kräfte fürs kreative Fotografieren aufsparen. An der Haltestelle am Elektrizitätswerk stiegen wir wieder aus und es folgte eine kleine Vorstellungsrunde; schließlich unterhält man sich gleich viel besser, wenn man sich zumindest beim Namen kennt. Dann ging es runter an die Ostrach. Hier wurden noch kurz die Grundlagen besprochen, welche die Arbeit mit Langzeitbelichtungen leichter machen. Welche Filterarten gibt es? Welcher Filter wird wann eingesetzt? Wie stelle ich die Kamera richtig ein. Was muss bei der Verwendung eines Stativs beachtet werden? Lauter kleine Details, die uns aber später bei der „Arbeit“ zwischen den Felsen die Sache ungemein erleichterten. Zum Thema Filter habe ich letztes Jahr bereits einen eigenen Beitrag geschrieben.

Wieder einmal zahlte es sich aus, jemanden zu haben der Ortskenntnis besitzt und die wirklich sehenswerten Locations kennt. Auf einer Wanderung durchs Hintersteiner Tal würde man an diesen Stellen glatt vorbei laufen. Doch Manuela hat sich die Strecke vorab angesehen und so den ein oder anderen Schleichweg gefunden um wirklich einmalige Aufnahmen zu erhalten. Dabei wird selbstverständlich immer größter Wert darauf gelegt die Natur in diesem Landschaftsschutzgebiet nicht mehr als erlaubt zu belasten.

Ich habe mir vorab zu Hause auch so meine Gedanken gemacht, was ich noch gerne ausprobieren möchte und dabei festgestellt, dass ich den sog. Bulb-Modus meiner Kameras so gut wie noch nie benutzt hatte. Dieser Modus erlaubt Aufnahmen über das zeitliche Limit der allermeisten Kameras von 30 Sekunden hinaus. Manche Marken haben ein B für Bulb am Programmwahlrad, andere wiederum schalten in diesen Modus, wenn man bei manueller Einstellung die Belichtungszeit einfach über die 30 Sekunden hinaus verlängert. in diesem Fall bleibt der Verschluss so lange offen, wie der Auslöser gedrückt gehalten wird (unbedingt einen arretierbaren Fernauslöser verwenden).

Also suchte ich mir eine Stelle an der ich damit experimentieren konnte. Da die Schlucht am Morgen noch schön im Schatten lag war ich ziemlich überrascht, wie schnell man Verschlusszeiten von über einer Minute erreichen kann. Ich schloss die Blende auf 16, stellte den niedrigsten ISO Wert von 64 ein und habe mir von der Kamera im Blendenprioritäts-Modus (A oder Av) die erforderliche Belichtungszeit anzeigen lassen. Dieser lag bei einer Sekunde. Diesen Wert gab ich in meine Smartphone-App von Rollei ein (Rollei-Moments ist eine kostenlose App zur Berechnung Verschlusszeit beim Einsatz von einem oder mehreren Filtern)  und bin bei einem Filter ND 6 schon auf eine Minute und vier Sekunden benötigter Verschlusszeit gekommen. ND 6 bedeutet, dass der Filter so stark verdunkelt, dass sich die „normale“ Belichtungszeit sechs mal verdoppelt – also insgesamt 64 mal länger wird (1x2x2x2x2x2x2=64). Das Praktische an der App ist, dass auch gleich ein Countdown gestartet werden kann und so stellte ich meine ersten Versuche mit „Ultralangzeitbelichtungen“ an.

Das Charakteristische an diesen Bildern ist, dass das Wasser extrem glatt gezogen wirkt und Stellen an denen Steine oder ähnliches vom Wasser berührt oder überspült werden sind extrem weich – fast wie gemalt. Mir gefällt dieser Effekt – wie insgesamt die Langzeitbelichtung immer wieder überraschende Ergebnisse bringt, da ja unser Auge nicht die Eindrücke über diesen langen Zeitraum sammelt und das so nie gesehen werden kann.

Bei dieser Art von Fotografie ist es natürlich unumgänglich, ein Stativ zu verwenden oder die Kamera sonst irgendwie sicher abzulegen. Keiner kann die Kamera so lange still halten um ein scharfes Bild zu erhalten. Die Faustformel sagt aus, dass die Umkehrung der Brennweite in etwa der Zeit entspricht, die verwacklungsfreies Fotografieren ermöglicht. Also z. B. bei einer Brennweite von 50 mm gilt 1/50 s als längst möglich Belichtungszeit für ein scharfes Foto aus der Hand. Die gängigen Bildstabilisatoren an Objektiv und Kamera versprechen zwar noch längere Zeiten – wer ein knack scharfes Bild will, dem sei gesagt, dass an einem Stativ definitiv nichts vorbei geht. Erste Regel unter Landschaftsfotografen: Heirate Dein Stativ!

Hier mal zur Veranschaulichung zwei Belichtungen übereinander gelegt:

Das obere Bild wurde mit 13 Sekunden belichtet und zeigt im auslaufenden Wasser deutlich weniger Details als die untere, 4 Sekunden-Belichtung. Es ist reine Geschmackssache, welches Bild einen mehr anspricht. In der Fotografie gibt es kein Richtig oder Falsch. Es ist schließlich eine Kunstform.

Gelegenheit zur Panoramafotografie bot sich ebenfalls.
Da es sich hier um keine Gebäude handelt, ist man beim Anfertigen eines Panoramas relativ schnell fertig. Es gibt kaum Chancen, dass Bildfehler wegen der Drehung der Kamera sichtbar werden – es gibt ja kaum geraden Linien in der Natur. Für ein Panorama werden mehrere Aufnahmen gemacht und es wird darauf geachtet, dass mindestens 25 Prozent des Bildinhaltes überlappen. Anschließend werden die Bilder am Computer zusammengefügt und das jeweilige Programm rechnet die Puzzlestücke so zusammen, dass keine leeren Bildstellen übrig bleiben. Den Aufwand, hier Panoramawinkel und ähnliche Utensilien mit in die Schlucht zu schleppen kann man sich sparen. Sogar Aufnahmen „aus der Hand“ werden, etwas Übung vorausgesetzt, zu brauchbaren Ergebnissen führen.

Aber Vorsicht: Die Aufnahmen der ganzen Szene führen oft dazu, dass das Bild etwas überladen wirkt und der Betrachter gar nicht herausfinden kann, was das eigentliche Motiv sein soll. Oft wirkt es besser, sich nur auf einzelne, kleine Elemente der gesamten Szene zu beschränken. Einen Gegenstand – hier der vom Wasser umspülte Felsen – isoliert darzustellen gibt dem Bild Klarheit.
Im Herbst darf natürlich das obligatorische Blatt auf dem Stein nicht fehlen. Quasi ein Stein-Portrait.

Schön ist es, wenn man bei Gestaltung auf die Linienführung achten kann. Die ganzen Grundlagen der Blickführung und Bildgestaltung können hier trainiert werden. Ein perfektes Übungsgelände für den ambitionierten Hobbyfotografen.  So bringen die S-Kurve
oder auch einfach nur eine Diagonale und ein Sonnenstern
zusätzlich Spannung ins Bild. Ebenso ist es schön, wenn sich die Blätter der umstehenden Bäume im Bach spiegeln und ihn so stellenweise blutrot färben:
Bei dem momentan vorherrschenden Lichtbedingungen in diesem wunderbaren Herbst ist es eigentlich schwieriger kein gutes Bild zu machen als anders herum. Genießen wir die Jahreszeit noch, so lange das Wetter hält.

In diesem Sinne: Geht raus, macht Fotos – die Zeit ist genau jetzt die richtige!

Allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Wie bilde ich mich weiter?

Ohne Weiterbildung geht’s nicht weiter! Auch nicht im Hobby! Deshalb möchte ich heute den Anstoß geben, sich doch mal intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen und einen Fotokurs zu besuchen.
Es lohnt sich!
Versprochen!

Jedes Jahr gönne ich mir mindestens einen Kurs zu einem Thema, welches mich interessiert und bei dem ich noch Entwicklungsmöglichkeiten sehe. So nutze ich jedes Mal die Gelegenheit, mir frische Ideen und Inspirationen zu holen.
Erst letzten Freitag Abend habe ich mich wieder einmal weitergebildet. Und zwar mit einem Workshop zu dem Thema „Lichter der Nacht“ der VHS Memmingen.

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe den Kurs nicht besucht, um einen Beitrag zu verfassen, sondern wirklich aus eigenem Interesse. Ich habe den Kurs auch regulär gebucht und bezahlt und bin nicht Mitarbeiter in der VHS.
Die Idee zu diesem Post kam mir erst jetzt im Laufe dieser Woche nachdem ich den Workshop besucht habe.

Manuela Prediger ist selbstständige Fotografin und leitet neben ihren eigenen Workshops auch immer wieder Kurse bei den VHS-Anbietern im ganzen Allgäu. Sie ist als Profi genau die richtige, um alle aufkommenden Fragestellungen ausführlich zu beantworten und der Gruppe die nötige Anleitung zu geben, um mit schönen Fotos nach Hause zu gehen.

Einen Kurs bei einer VHS vor Ort kann sich eigentlich jeder leisten. Er kostet je nach Art und Umfang im Schnitt zwischen 20 und 50 Euro und ist das Geld jedenfalls wert. Da man alleine immer schnell eine Ausrede findet um nicht zum Fotografieren zu gehen, übt und lernt es sich in der Gemeinschaft Gleichgesinnter leichter und unbeschwerter. Der Austausch  mit den Kollegen hilft mir immer sehr. Jeder hat ein eigenes Auge und sieht die Szene und Situation anders. Anregungen sind somit unumgänglich und jeder profitiert von jedem.

Beispielhaft möchte ich hier den Workshop-Ablauf des VHS-Kurses „Lichter der Nacht“ aus Memmingen wiedergeben:

Nach einer kurzen Einführung in das Thema „Fotografieren bei wenig Licht“ und einer Vorstellungsrunde ging es raus in die kalte Dunkelheit. Wir hatten noch Glück, denn bis einen Abend zuvor herrschten in Memmingen zweistellige Minusgrade. Leichter Schneefall setzte ein und schon überlegte jeder, ob das nun gut oder schlecht für die Fotos und die Ausrüstung sein kann.
Ruhig und sachlich wurden die Bedenken bezüglich der Kameras und Objektive durch die Kursleiterin ausgeräumt. Moderne Kameras sind heute alle so abgedichtet, dass die Schneeflocken der Technik nichts anhaben können. Im Gegenteil – die Flecken durch die Schneeflocken können auch als ein Stilelement in das Bild integriert werden.

In der ersten Aufgabenstellung ging es darum, die Wirkung der Blende bei Gegenlichtsituationen besser zu verstehen. So wurden zuerst mit weit geöffneter Blende (z. B. 4,0 oder 5,6) Bilder der Leuchte an der Stadtmauer aufgenommen.

Anschließend wurden wir gebeten, die Blende, so weit es das Objektiv zulässt, zu schließen (in meinem Fall Blende 22). Die dadurch entstehenden längeren Belichtungszeiten spielten keine Rolle, da alle Teilnehmer vorbildlich vom Stativ aus fotografierten. Das Ergebnis waren schöne Sterne aus der Lichtquelle, die je nach Art und Bauweise des Objektivs eine unterschiedliche Anzahl von Strahlen erzeugten.

Der selbe Effekt läßt sich  auch mit mehreren Leuchten erzielen und kann auch tagsüber beim Fotografieren in die Sonne tolle Effekte mit sich bringen. Jeder kennt doch bestimmt die traumhaften Bilder eines Sonnenunterganges, bei dem einen die Sonnensterne mit ihren langen Strahlen ins Bild hineinziehen wollen.

Dann half uns der Zufall weiter:

Der Räumdienst der Stadt Memmingen kam den Gehweg entlang gefahren. Ein Traktor kam uns mit voller Beleuchtung näher und entfernte sich anschließend im Rückwärtsgang auch wieder. Schnell war die Idee geboren, bei derLangzeitbelichtung mit dem Einsatz einer Taschenlampe Kreativität einzubringen. Den Möglichkeiten sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Den Anfang machte Manuela. Sie hatte extra für diese Versuche eine Taschenlampe dabei, welche sie nun, mit den Armen kreisend, im Laufschritt auf uns zu bewegte. Durch die Tatsache, dass sich der Mensch schnell weiterbewegt und die Lichtquelle der Lampe viel heller ist als die Umgebung, ist der Mensch für die Kamera unsichtbar und nur die Lichtspuren werden auf dem Sensor registriert.

Ein Teilnehmer erbarmte sich einige Minuten später, um Manuela abzulösen und gleich wurden die Wünsche nach Formen laut geäußert. Ein Herz sollte es sein, welches nach mehreren Versuchen auch wirklich gut erkennbar präsentiert wurde.

Dann wurden die Wünsche spezieller. Es sollte ein Wort geschrieben werden. Nachdem bei den ersten Versuchen die Synchronisation zwischen Schreiber und Fotografen nicht ganz rund lief und nur einzelne Buchstaben, wenn überhaupt, auf die Speicherkarte gebannt wurden, stellten sich bald tolle Ergebnisse ein.

Sogar das gelegentliche Blinken der Taschenlampe konnte als kreatives Element gefallen finden. Manuela erwies sich als perfekte Buchstabiererin und brachte es fertig, dass alle Buchstaben nahezu gleich groß und gerade geschrieben waren.


Anschließend wandten wir uns weiteren Locations zu. Der Memminger Marktplatz und die dort beginnende Fußgängerzone bildeten einen würdigen Rahmen für die abschließenden Fotos.
Das Schöne am Lernen in der Gruppe ist auch, dass Manuela uns immer wieder zusammen rief, um uns besonders gelungene Aufnahmen einzelner Teilnehmer zu zeigen und anhand derer die Grundlagen der Bildgestaltung näher brachte. So wurde jeder dazu ermutigt einmal neue Blickwinkel und Positionen zu versuchen, denn auch ein Bild aus der Froschperspektive kann sehr spannend sein.

Hier konnten wir immer wieder staunend erleben, dass durchs Bild laufende Personen dank der Langzeitbelichtung nicht auf dem fertigen Foto zu sehen sind. Nur das, was still verharrt, wird auch abgebildet.
Hier wurde außerdem nochmal vertieft, wie man in der Dunkelheit manuell scharf stellt, da nämlich bei zu wenig Licht der Autofokus nicht mehr funktioniert. Also das Objektiv auf Manuell umstellen und selbst am Ring drehen ist jetzt die Devise.

Das Ensemble des Marktplatzes mit dem wunderschön beleuchteten Rathaus bildet aber auch eine traumhafte Kulisse. Hier an einem Abend alle möglichen Blickwinkel zu finden, ist schlicht unmöglich.

Ich habe auch versucht das Ganze als Panorama einzufangen, jedoch sind auf Grund der Breite der Gebäude sind die Möglichkeiten ohne spezielle Panorama-Ausrüstung doch sehr limitiert.

Dann lieber noch ein paar Spielereien mit den vorbei fahrenden Autos – Lichtspuren, die unser Auge zum Motiv (hier der Martinsturm) hin geleiten, sind auch immer wieder neu und sehenswert. Hier ist es unmöglich zwei gleiche Bilder zu schießen, denn jedes Auto fährt anders.


Zum Abschluss versuchte ich noch die Übung mit dem Einrahmen des Motivs durch die örtlichen Gegebenheiten. Und hier stellte sich mir bei der Bearbeitung auch gleich noch die nächste Frage: Farbe oder Schwarzweiß?

Ich finde, beide Bilder haben etwas.

Als die Kälte drohte, uns in alle Glieder zu fahren, waren die drei Stunden auch schon wieder vorbei. Wir gingen die Erfahrungen nochmal kurz durch und jeder zeigte sich begeistert, wie einfach die Nachtfotografie doch sein kann, wenn man nur ein paar Regeln einhält:
Alle Aufnahmen vom Stativ aus, kleine ISO-Zahl einstellen für wenig Bildrauschen, Fern-  oder Selbstauslöser verwenden, wenn nötig die Spiegelvorauslösung aktivieren um manuelle Unschärfen durch die Bedienung der Kamera auszuschließen und am Objektiv oder der Kamera den Bildstabilisator deaktivieren.
Bei gutem Kontrast der angestrahlten Gebäude kann der Autofokus sogar noch gute Ergebnisse bringen, so dass nicht in jedem Fall manuell fokussiert werden muss. Sollte es doch erforderlich werden, so empfiehlt es sich den Live-View der Kamera zu aktivieren und auf die maximale Vergrößerung der Anzeige zu gehen. Jetzt kann man auch in der Dunkelheit den passenden Bildausschnitt suchen und darauf manuell am Objektiv scharf stellen.

Wer die Bilder in voller Auflösung sehen möchte,  der kann dies in folgendem Online-Album tun: https://spark.adobe.com/page/ADvryqkBql8jK/

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss:
Ich habe mir vor Jahren schon angewöhnt, nach jedem Workshop ein kleines Fotobuch zu erstellen. So kann ich, so lange die Erinnerung noch frisch ist, die einzelnen Aufgaben und Versuche, welche ich unternommen habe, festhalten und über die Jahre die eigene Entwicklung in der Fotografie verfolgen.
Ich kann es Euch nur empfehlen, denn ich habe bei mir erhebliche Fortschritte über die Jahre gesehen, welche mich schließlich dazu gebracht haben, das Hobby bis hier hin zu vertiefen. Der Rückblick und die Erkenntnis der sichtbaren Verbesserung der Fähigkeiten motiviert ungemein.

Natürlich will ich damit nicht generell sagen, dass Lesen oder auch Video-Tutorials für die Weiterbildung ungeeignet sind. Das Entscheidende dabei ist nur, dass man danach auch raus gehen muss um das Erlernte anzuwenden. In so einem Kurs fällt es mir jedenfalls leichter, Neues auszuprobieren und ich habe die Gelegenheit direkt nochmal um Unterstützung oder einen Rat zu bitten. Das Machen macht*s!

In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du auch einen Kurs für Deine Belange findest und bei all Deinen fotografischen Vorhaben in nächster Zeit allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Wie fotografiert man eigentlich…

… die Milchstraße?

Wer sich für diese Thematik interessiert, der ist hier genau richtig. In diesem Beitrag möchte ich Euch die Grundlagen der Sternen- und Milchstraßenfotografie näher bringen. Wenn man erst mal weiß, wie es geht, wird man überrascht sein, welche Möglichkeiten einem sich hier eröffnen.

Mit den heute käuflichen Digitalkameras ist es eigentlich leicht , das Sternenzelt einzufangen. Das größte Hindernis auf dem Weg zum gelungenen Bild ist die in Mitteleuropa vorherrschende Lichtverschmutzung in den Nächten. Wie Käseglocken hängen die Lichtkugeln über den Städten und beeinflussen so unser Sehen. Durch das Restlicht der Straßenbeleuchtung kann man in der Nähe von Städten nur sehr wenige Sterne wahrnehmen. Richtet man jetzt die Kamera in den Nachthimmel wird entweder der Himmel schwarz, wenn die Beleuchtung mit im Bild ist, oder der untere Bildrand überbelichtet und damit ausgebrannt dargestellt.

Einzige Abhilfe für dieses Problem ist es, sich eine Gegend zu suchen, in der man möglichst weit von der Zivilisation entfernt ist, oder in ein einsames Tal  fahren, in dem die Berge die Beeinflussung größtmöglich abschirmen.
Bei der Suche kann man sich im Internet helfen lassen. Zum Beispiel auf der Seite Dark Site Finder können Karten mit der vorhandenen Lichtverschmutzung angeschaut werden und im Vorfeld zur Planung mit einbezogen werden.
Es gibt auch Plugins für z. B. Google Earth, wenn man sich damit näher auseinandersetzen will. Einfach mal den Begriff „Lichtverschmutzung“ oder „light pollution map“ in die Suchmaschine Deines Vertrauens eingeben – da wird man sicher fündig!

Eine weitere Einschränkungen bieten ausserdem noch die Mondphasen. So richtig dunkel ist es nämlich nur, wenn entweder kein Mond am Nachthimmel ist oder rund um Neumond. Selbst das vom Mond reflektierte Sonnenlicht beeinflusst die Szene so, dass die Michstraße nicht in ihrer vollen Pracht fotografiert werden kann.

Als ich eines Nachts bei uns ins Tannheimer Tal an den Vilsalpsee gefahren bin, war ich fünf Minuten nach Verlassen des Autos vollständig geplättet. Als sich die Augen an die dunkle Umgebung angepasst hatten, war es tatsächlich möglich, die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen. Ein Anblick, den ich so zu Hause nicht genießen kann.

Überall dort, wo dies nicht möglich ist, wäre es von Vorteil, wenn Du Dir eine App auf Dein Smartphone ziehst, mit der vor Ort der momentane Stand der Milchstraße abgecheckt werden kann. Solche Apps sind z. B. Sun Surveyor, Photo Pills oder The Photographers Ephemeris (TPE). Letztes Jahr habe ich über nützliche Apps einen eigenen Beitrag geschrieben – einfach mal klicken
Es ist nämlich ziemlich mühsam, wenn man Stück für Stück den Nachthimmel mit der Kamera absucht – immer wieder ein Bild macht und die Kamera anschließend wieder fünf Grad weiter dreht – bis man die Milchstraße endlich gefunden hat.

Wenn man sich schließlich an seinen gewünschten Ort befindet, sich unter Umständen mitten in der Nacht aus dem Bett gequält hat und alles eingerichtet ist, dann kommt die Frage aller Fragen: Welche Einstellungen soll ich verwenden? Benjamin J. aus B. würde sagen: „Sag‘ ma‘ Einstellungen Digga!“
Das die Aufnahmen nur mit Hilfe eines stabilen Stativs gelingen, muss ich ja nicht extra erwähnen.
Grundsätzlich ist ein Weitwinkelobjektiv mit großer Blendenöffnung (f 2,8 oder besser) sehr vorteilhaft. Mein Sigma 10-20 hat jedoch als kleinste Blende nur f 3,5 und mit diesem Objektiv kann ich noch brauchbare Bilder schießen. Also Blende ganz öffnen (kleinst möglichen Wert wählen).
Die Verschlusszeit sollte nicht länger als 25 – 30 Sekunden sein, da ansonsten die Sterne bereits nicht mehr scharf sind. Sollte man gar nicht glauben, wie schnell sich doch die Erde dreht.
Bei der ISO-Zahl kommt es jetzt stark auf die Kamera an. Neuere Modelle verkraften schon mal 1600 oder auch 3200 ISO. Profi-Modelle auch noch mehr. Bei Einsteigermodellen oder älteren Kameras kann das zum Problem werden. Wenn mit der ISO nicht so hoch gegangen werden kann, werden die Bilder auf jeden Fall sehr dunkel werden. Das bedeutet, die Belichtungszeit müsste verlängert werden, was zu unscharfen Sternen führt usw.
Für meine Kamera, Canon EOS 70D, mit dem bereits erwähnten Sigma-Weitwinkelobjektiv habe ich folgende Werte als brauchbar ermittelt:
Blende f 3,5, ISO 3200, Belichtungszeit 25 Sekunden

Was auch noch zu erwähnen wäre, ist bei der Bildkomposition auf einen Vordergrund zu achten. Einfach nur den Nachthimmel vor einer schwarzen Landschaft aufzunehmen ist nicht das Rezept für ein schönes Bild.
Wenn es etwas gibt, was in der Dunkelheit zu verschwinden droht, hilft eine Taschenlampe, die man bei der nächtlichen Exkursion sowieso dabei haben wird, sehr gut weiter. Einfach innerhalb der Belichtungszeit für ca. 5 Sekunden das Objekt mit der Taschenlampe anstrahlen und schon hat man etwas interessantes im Vordergrund vor der Milchstraße.
Im Winter gelingen die Bilder besser, als im Sommer, da erstens der Nachthimmel klarer ist und zweitens bei den kühleren Temperaturen das Rauschverhalten des Kamerasensors erheblich besser ist.

Ich hoffe, es war wieder etwas interessantes für Euch dabei. Es gibt im Internet unzählige Abhandlungen zu diesem Thema – manche machen eine kleine Wissenschaft daraus. Für meine Zwecke reichen die genannten Einstellungen, welche von Fall zu Fall im geringen Umfang modifiziert werden können. Probiert es einfach aus.

Ich wünsche Euch für die Ausflüge in die Nachtfotografie trotzdem allzeit gutes Licht, auch wenn augenscheinlich nicht viel davon zu sehen sein wird.

Werner Kutter

 

 

Quick-Tipps und schlaue Sprüche


In aller Welt gibt es Sprichwörter und Sprüche, die immer auch einen wahren Kern haben. z. B. kennt jeder Fotograf den Spruch „Wenn die Sonne lacht, nimm Blende 8!“. So oder so ähnlich haben sich zu allen Zeiten selbst die Gelehrten, die Besten der Besten immer wieder Eselsbrücken gebaut, um im Ernstfall zu wissen, wie sie mit der jeweiligen Situation umgehen sollen. In diesem Beitrag möchte ich Euch mal ein paar solcher Sätze näher bringen und „eindeutschen“, die vor allem immer wieder aus Amerika zu uns herüber schwappen. Denn wie sagte schon Goethes Faust? Das also ist des Pudels Kern…

 1. Die „sunny-16-rule“ von Bryan Peterson:
Hierbei geht es um die Vereinfachung des Zusammenspiels von Blende, Belichtungszeit und ISO bei der manuellen Einstellung der Kamera.
Bryan Peterson lehrt, wollen wir ein durchgehend scharfes Bild (vom Vordergrund bis in den Hintergrund), dann benötigen wir eine weit geschlossene Blende. Bei Sonnenschein können wir die Blende auf 16 schließen. Um dann eine korrekte Belichtung zu erhalten werden einfach ISO und die Belichtungszeit gleich gesetzt. Also ISO 100 = 1/100 s Belichtung. Wenn die Zeit noch kürzer sein soll (um etwa Bewegung einzufrieren), dann wird im selben Maße, wie die Belichtung verkürzt wird, die ISO erhöht – z. B, 1/800 s entspricht dann ISO 800. Auf diese Weise werden die Bilder immer ausgewogen belichtet – so lange die Sonne scheint!
Es gibt also noch mehr Möglichkeiten außer Blende 8, wenn die Sonne lacht!
2. Die „loony- 11 – rule“ von David Bergman:
Das  Gegenteil von sonnigen Tagen ist hier die Vollmondnacht. Den Vollmond zu fotografieren hat mich bei meinem ersten Versuch ziemlich überrascht. Man steht in der Dunkelheit und denkt instinktiv daran, dass die Belichtungszeit ziemlich lang sein müsste. Die Kamera lässt sich von dem hohen Anteil schwarz im Sucher bei der internen Belichtungsmessung ebenfalls irritieren. Und so kommt es, dass man bei viel zu langer Belichtungszeit und möglichst offener Blende ein schwarzes Bild mit weißem Fleck erhält. Jeder von uns hat aber schon gesehen, dass es Bilder gibt, auf denen Details der Krater auf der Mondoberfläche zu sehen sind. Der Trick ist: Der Vollmond ist so hell, dass relativ kurze Verschlusszeiten bei mittlerer Blende und sogar niedrigem ISO möglich sind.
Der Fotograf David Bergman hat das in seiner loony-11-rule abgekürzt. Die Regel besagt, ähnlich derer von Bryan Peterson, dass bei Blende 11 die Verschlusszeit und die ISO gleich gesetzt werden können. Also auch hier: Zeit 1/100 s – ISO 100 und Zeit 1/250 s – ISO 250. Die selbe Regel – nur mit Blende 11 statt 16!

3. Der Satz: „When you photograph people in color, you photograph their clothes. But when you photograph people in black and white, you photograph their souls“ von Red Grant:
Sein Leitsatz war eigentlich: If you can see it, you can shoot it – alles was Du sehen kannst, kannst Du auch fotografieren. Doch noch intensiver finde ich den Satz über die Porträtfotografie.  Die farbigen Bilder zeigen, wie die Menschen gekleidet sind, die Schwarzweiß-Fotos hingegen blicken direkt in ihre Seelen. Durch das Weglassen der eventuell ablenkenden Farben wird der Blick auf den Menschen selbst gerichtet und wenn dann das Bild und die Person gut sind, dann hat man das Gefühl durch die Augen in das Innerste des Menschen eintauchen zu können.
Also versucht doch mal einzutauchen in die hohe Kunst der Schwarzweiß-Fotografie – auch oder gerade bei Porträts.

 4. Der Satz: „Gear is good but vision is better“ von David DuChemin
Dieser Satz zielt auf die heutige Mentalität ab, immer das Neuste und somit vermeintlich Beste besitzen zu wollen, ab. Jede neue Kamera versppricht uns noch bessere, noch schärfere Bilder in noch höherer Auflösung.  Allzu leicht vergisst man dabei, dass das Bild nicht die Kamera allein macht, sondern in erster Linie derjenige, der den Auslöser drückt. Die Kamera ist nur unser Werkzeug!
Bitte nicht falsch verstehen – die Ausrüstung ist schon wichtig, aber nicht der alleinige Grund für gute Fotos. Genau so wichtig, wenn nicht sogar wichtiger ist die Vision, der Plan, ein Zielbild zu haben und auf dieses hinzuarbeiten .
Also bitte im kommenden Weihnachtsgeschäft vielleicht auch einmal daran denken, seine Fähigkeiten im Umgang mit der Kamera zu verbessern und lieber mal in einen Fotokurs investieren als gleich die neueste Kamera zu kaufen.
Dieses Bild habe ich vor zwei Jahren mit der selben Kamera aufgenommen, mit der ich auch heute noch fotografiere. Es war das erste von vielen besseren Bildern, die mir nur gelungen sind, weil ich fotografiert habe. Weil ich weiter gemacht habe, die Kamera besser verstanden habe, neues probierte und nicht, weil ich jedes Jahr ein neues Gerät anschaffte.
5. Der Satz: „If you want more interesting pictures, stand in front of more interesting things“ von Joe McNally
Dieser Satz ist die logische Konsequenz aus dem vorher gesagten.  Ich kann tausende von Euro für das beste Equipment der Welt ausgeben und habe dann vielleicht kein Geld mehr, um an tolle Orte zu reisen und dieses dort zu verwenden. Der Eiffelturm steht nun mal in Paris und kann auch mit dem besten Teleobjektiv nicht vom dem Allgäu aus fotografiert werden. Gute Fotos hängen auch ganz stark davon ab, wo man fotografieren geht. Denn auch die Niagara Fälle habe ich nicht in meinem Garten.
 
6. Der Satz: „If your photos aren*t good enough, you werent close enough“ von David Capa
Mit den heute zu erwerbenden Megazoomlinsen ist es ganz aus der Mode gekommen, was früher automatisch gemacht wurde. Mit den Füßen zoomen – sich bewegen, näher ran gehen, den gesamten Bildbereich ausfüllen.
Häufig machen wir den Fehler und wollen möglichst viel in einer Aufnahme abbilden.

Interessanter sind jedoch meist die Bilder, die sich auf das Wesentliche beschränken und Format füllend sich einzig und allein dem Motiv widmen.  Dazu kann es auch mal helfen, den einen oder anderen Schritt näher ran zu gehen, die Perspektive ändern und in die Knie gehen oder gar auf den Boden legen. Ganz nah dran sein bedeutet auch Nähe zeigen, Intimität, alles unwichtige ausblenden. Getreu dem Motto: Weniger ist mehr! Versucht doch einmal eine ganze Woche lang mit einer Festbrennweite zu fotografieren. Ihr werdet sehen, wie sich Euer Verhalten ändern wird.
So will ich es für diese Woche beschließen – der Beitrag ist sowieso schon viel zu lange geraten – und wünsche Euch, dass der eine oder andere Spruch Euch genau dann einfällt, wenn er am dringendsten gebraucht wird.
Allzeit gutes Licht!
Werner Kutter

Das Mysterium – das Histogramm


Das Histogramm erschließt sich noch nicht allen Hobby-Fotografen und wird deshalb auch zu oft nicht beachtet. Was hat es mit diesem mysteriösen Diagramm auf sich? In diesem Beitrag möchte ich den Schleier lüften und eine Einführung in die sinnvolle Verwendung der Grafik geben.

Ein Histogramm ist grundlegend einmal eine grafische Darstellung einer Häufigkeitsverteilung. In der digitalen Fotografie versteht man darunter die Häufigkeit der Helligkeitswerte in einem Bild. Das Histogramm erlaubt uns also eine Aussage zu treffen, über diese vorkommenden Werte und über den Kontrastumfang und die Helligkeit des Bildes.
Eingesetzt werden kann das Tool zur Bewertung des Bildes natürlich in der Nachbearbeitung – wobei es hier dann oft zu spät ist und das Bild nur noch in marginal korrigiert werden kann. Viel besser ist es, wenn man sich das Histogramm schon beim Fotografieren in der Kamera anzeigen lässt und so das Bild bereits vor Ort mit der richtigen, ausgewogenen Belichtung aufgenommen wird. Hier sollte sich jeder einmal schlau machen, wie genau die Anzeige des Histogramms an seiner Kamera aktiviert wird. Soviel vorweg: Es lässt sich bei so gut wie jeder Digitalkamera einblenden.

Schauen wir uns das Histogramm einmal an:
Die Werte unterhalb der Kurve sind die Einstellungen der Kamera bei diesem Bild und spielen erst mal keine Rolle.
Der Graph zeigt von links nach rechts die Häufigkeit des Auftretens von dunklen zu hellen Bildinhalten an.
Wenn jetzt am linken Rand eine Erhebung angezeigt wird, dann ist das ein Signal dafür, dass das Bild eventuell unterbelichtet ist Besteht aber, wie hier beim Sonnenuntergang an der Nordsee, das Bild hauptsächlich aus dunklen Bereichen, dann ist das in Ordnung. Vorsicht ist trotzdem geboten, da ganz am linken Rand eine scharfe Spitze zu sehen ist, was gleichbedeutend ist, dass einige Bildteile rein schwarz sind und somit keine Zeichnung mehr in den Tiefen vorhanden ist. Man sagt in diesem Fall, dass die Tiefen “abgesoffen“ sind. Mit der Über- und Unterbelichtungswarnung kann die Kamera diese Bereiche durch ein Blinken anzeigen und wir können dann entscheiden, ob es sich um bildwichtige Inhalte handelt und somit die Belichtung angepasst werden muss.

Ein ausgewogenes Histogramm lässt an beiden Rändern etwas Luft – bzw. läuft zu den Rändern hin flach aus. Hier sind dann noch genügend Reserven, um in der Nachbearbeitung die Kontraste anzuheben und somit die gesamte Bandbreite auszunutzen, ohne dass die Tiefen absaufen oder die Lichter ausbrennen.

Analog zu den Tiefen verhält es sich auch mit den hellen Bildanteilen, den Lichtern. Wenn die Kurve nach rechts ansteigt, dann besteht die Gefahr, dass es überbelichtete Stellen im Bild gibt, die keine Zeichnung mehr haben. Dann spricht man von “ausgefressenen“ Lichtern. Sollte das Bild jedoch aus hauptsächlich hellen Anteilen bestehen, so ist es auch wieder ganz normal, dass der Graph nach rechts verschoben ist. Wichtig ist jedoch vor allem bei Bildern vom Schnee, dass die Lichter nicht ausgefressen sind und der Schnee noch Zeichnung hat. Sonst würde er zu einem einzig weißen Brei verschmelzen und das Bild wäre nicht mehr zu retten.

Generell ist fest zu halten, dass eher versucht werden sollte, die Belichtung auf die hellen Bildteile auszurichten und eher gering überbelichten, als unterbelichten.  Korrekturen von zu hellen Stellen sind leichter durchzuführen, als zu dunkle Stellen aufhellen zu wollen. Dieses Aufhellen führt in der Regel schnell zu unerwünschtem Rauschen, welches das Bild dann unansehnlich werden lässt. Ein Zurücknehmen der LIchter verzeiht das Material in der Regel eher. Womit wir jetzt an dem Punkt wären, an dem es sich von selbst erklärt, warum es besser ist, das Histogramm bereits vor Ort zu überprüfen. Daheim am PC ist es für umfangreiche Korrekturen zu Spät!

Ganz wichtig noch zu erwähnen: Wann immer es geht und die Kamera es auch zulässt, sollte im RAW-Modus fotografiert werden. Die Bearbeitung ist dann zwar unabdingbar, jedoch sind so viel mehr Informationen in den Rohdaten, als in einem, von der Kamerasoftware komprimierten, jpeg-Bild. Alle Bilder sind bearbeitet – warum die Arbeit der Kamera überlassen, die gar nicht wissen kann, was der Fotograf mit dem Bild aussagen möchte.

Passt also bitte zukünftig schon bei der Aufnahme auf das Histogramm auf, ihr wisst ja jetzt, warum. In diesem Sinne wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Fotoprojekt 1: Portraitiere Deine Heimatstadt – Teil 2


Am Anfang habe ich mir nur vorgestellt, was ich wohl fotografieren würde, wenn ich hier, in Memmingen, im Urlaub wäre. Was wären die Motive, die ich mit nach Hause nehmen wollte? Welche Gebäude, welche Ansichten sind charakteristisch für diese schwäbische Stadt?
Dieses Projekt kann auch ein Langzeitprojekt werden. Solange man nicht weg ziehen muss, kann einen das durchaus mehrere Jahre beschäftigen, ohne den riesigen Aufwand zu verursachen. Warum nicht mal ein bestimmtes Gebäude, einen Baum, ein Denkmal usw. zu den verschiedenen Jahreszeiten abbilden? Möglichkeiten bilden sich hier viele.
Memmingens Fußgängerzone wurde beispielsweise die letzten Jahre aufwändig renoviert. Hier kamen auch Spezialisten der Objektbeleuchtung zum Einsatz.
Und so erstrahlt diese Gasse mit jedem Durchgang in einem neuen Licht.
Ein Standort, ein Motiv und doch immer wieder ganz andere Bilder.

Ganz nebenbei lässt sich so auch einmal der manuelle Modus der Kamera erkunden. Was gibt’s zu verlieren? Ein paar Bilder für den virtuellen Papierkorb! Ihr glaubt gar nicht, wie schnell man den Modus lernen kann – wenn man ihn erst mal ein paar Tage benutzt. Man muss sich nur über die drei wichtigsten Faktoren des „Belichtungsdreiecks“ im Klaren sein:

ISO:
Die  ISO-Zahl bestimmt, wie empfindlich der Sensor auf Licht reagiert. Niedrige ISO – viel Licht wird benötigt; hohe ISO – wenig Licht wird benötigt. Doch Vorsicht: Bei zu hohen ISO-Zahlen droht Rauschen in den dunklen Bereichen der Bilder.

Blende:
Die Blende ist die Größe der Öffnung  im Objektiv. Eine große Blende lässt zwar viel Licht durch, jedoch beschränkt sich der Schärfebereich dann nur auf einen engen Bereich um den Fokuspunkt herum (ideal für Portraitaufnahmen). Je kleiner die Blendenöffnung wird, um so größer wird dieser Bereich, so dass bei optimalen Einstellungen vom Vordergrund bis zum Horizont alles scharf abgebildet ist (optimal für Landschaftsaufnahmen).

Belichtungszeit:
Mit der Belichtungszeit ist die Spanne gemeint, die der Verschluss vor  dem Sensor geöffnet bleibt und das Licht darauf treffen kann. Hier muss entschieden werden, ob man die Szene scharf darstellen will – etwa einen vorbei fahrenden Radler mit 1/500 oder gar 1/1000 Sekunden – oder ob die Bewegung durch „Verwischen“ gezeigt werden soll – dann den Radler doch lieber mit 1/20 Sekunden oder länger belichten.
Bei so einem Langzeitprojekt können auch Zusammenhänge heraus gearbeitet werden. In Memmingen beispielsweise gibt es das Bildnis eines Storchennestes an einem Gebäude.
Schön ist es dann doch, wenn man beweisen kann, dass die Abbildung der Realität entspricht.
Ganz wie von selbst fallen einem dann die Motive förmlich vor die Füße. Man muss sich nur auch die Zeit geben, die Bilder kommen dann oftmals auf einen zu und man braucht nicht suchen.
In der altstädtischen Kulisse der ehemaligen freien Reichsstadt ist es nicht schwer, gute Bilder zu machen. Bei aller Freude an kompletten Straßenzügen, so darf auch hier experimentiert werden und vielleicht ist weniger sogar manchmal mehr.
Es muss nicht immer das gesamte Gebäude abgebildet sein, um interessante Bilder zu machen. Mit solchen Details und Ausschnitten zeigt man sogar, dass man sich Gedanken macht bei der Bildgestaltung und nicht einfach so drauf los knipst.
Vielleicht wurde der Eine oder Andere ja inspiriert und beginnt nun sein persönliches Projekt. Ich würde mich auf jeden Fall freuen und wünsche Euch für alle aktuellen und zukünftigen Vorhaben allzeit gutes Licht!

Werner Kutter