Am Dürrensee

Der Dürrensee liegt kurz nach dem Toblacher See (Dobiaccosee) an der Straße zwischen Toblach und Cortina d´Ampezzo. Am Parkplatz Drei Zinnen Blick wird auch gleich plakativ vom Tor zu den Dolomiten geschrieben. Und dieses Tor wurde auch so errichtet, dass man durch dem Bogen genau zu den Drei Zinnen sehen kann.

Von hier aus kann man in ca. 3 ½ Stunden zur Drei Zinnen Hütte aufsteigen. Wir gehen aber vorher rechts weg in Richtung See. Der Kiesweg lässt sich gut gehen, wenn man sich mit den Radfahrern einig wird.

Die Steigung ist kaum merklich und schon bald sehen wir das Ufer des Dürrensees vor uns. Die Umrundung soll als kleine Scouting-Runde dienen, denn beim vorbeifahren auf dem Weg zu der Drei Zinnen Umrundung habe ich mir eingebildet, dass die schroffen Felsnadeln bei Sonnenaufgang bestimmt einen spektakulären Anblick ergeben würden.

Bevor ich allerdings morgens um halb sechs im dunkeln durchs Unterholz irre, schaue ich mir gern vorher an, wo es Sinn macht, sich aufzustellen und vor allem, wie man da hin kommt. Sp schlendern wir eine zeit lang an der Uferlinie entlang, um zu sehen von wo aus man die Beste Sicht auf die Berge und vor allem auf eine mögliche Spiegelung der Gipfel im See hat. In aller Frühe ist der Wellengang in der Regel sehr gering, so dass ich doch berechtigte Hoffnung habe auf einem Bild gleich zweimal die Berge drauf zu bekommen.

In den Morgenstunden ist es in der ‚Regel an Gewässern immer ruhiger, als am Abend. Dies ist ein weiterer Grund dafür, Sonnenaufgangsmotive zu suchen. Wenn kein Lüftchen weht bleibt die Wasseroberfläche glatt, wie ein Spiegel und so sollte man dann auch die Berge schön im Wasser gespiegelt sehen.
Die weitere Runde um den See ist schön, man kann sehr leicht gehen da keine nennenswerte Steigungen oder Hindernisse das Vergnügen trüben. Auf der Straßenseite des Sees habe ich dann noch ein paar mal den Verkehr abgewartet, um den Straßenverlauf zu den Bergen hin ohne Fahrzeuge aufs Bild zu bekommen.

Die Ansicht hatte für mich etwas von Patagonien. Von den Torres del Paine gibt es ähnliche Aufnahmen, nur die hier sind in den Dolomiten und zeigen die atemberaubende Cristallogruppe südlich des Sees. Da die Straße den Blick direkt auf die Berge zuführt gibt es dem Bild eine schöne Linienführung und mehr Tiefe.

Am Freitag morgen bin ich dann um halb fünf aufgestanden und mit dem Auto die knappe dreiviertel Stunde von Rasen an den See gefahren. Wenigstens ist in der Früh kein Verkehr, so dass man hier keine Zeit für etwaige Staus mit einberechnen muss.
Der Sonnenaufgang war für sechs Uhr angesagt und ich musste ja noch ein paar Meter vom Parkplatz (diesmal direkt am Seeufer) bis an die ausgesuchte Stelle laufen.
Wenn man dann dem Zauber der blauen Stunde verfällt, dann würde man ja am liebsten sofort am erst besten Platz das Stativ aufstellen und losfotografieren.
Ich empfehle jedoch genau in diesen Fällen ruhig zu bleiben und mit der Kamera zuerst ohne Stativ ein paar Bildausschnitte anzuschauen. Erst wenn man das gewünschte Bild vor sich sieht, dann stellt man sein Stativ auf und richtet sich ein.

Mir stockte schon ein paar mal der Atem, als der Zauber begann. Erst war alles in das satte Nachtblau gehüllt, als plötzlich ein orangerotes Glimmen die Bergspitzen förmlich leuchten ließ. immer mehr zog sich die Nacht zurück und mehr Licht brachte auch mehr Farben ins Spiel.

Zwischenzeitlich kam dann doch eine leichte Brise auf, so dass die Spiegelungen nicht zustande kamen. Als jedoch die Sonne über den Horizont kam und die Berge direkt anleuchtete war auch der See wieder ruhig.

Hier nutzte ich den Polfilter einmal in der anderen Richtung. Normal wird dieser ja eingesetzt, um Spiegelungen zu minimieren. Ich hätte ihn so drehen können, dass das Wasser durchscheintund der Grund des Sees sichtbar wird. Doch das wollte ich ja in diesem Fall nicht. Also drehte ich den Filter solange, bis ich an der Kamera die best mögliche Spiegelung erkannte. Zum Glück ließ der Wind ein paar Minuten nach, so dass ich dann doch noch schöne, klare Bilder der orange leuchtenden Bergspitzen im See machen konnte.

Zum Schluss kamen dann auch noch ein paar Nebelschwaden und Wolkenfetzen hereingeschwebt, die der ganzen Szenerie noch einen schönen Touch gaben.
Alles in allem hatte ich für die Bilder nur eine Stunde Zeit am Morgen. Das blaue Bild mit den orangen Spitzen war um 5:33 Uhr und das letzte um 6:34 Uhr.
Da ist also nicht viel Zeit, um noch nach Orten und Motiven zu suchen – da sollte alles passen und man konzentriert sich nur noch auf das Fotografieren.

Auch hier, wie bei allen Südtirol-Folgen, noch mein Hinweis:
Der Dürrensee befindet sich auf 1400 m! Die Umrundung bringt keine nennenswerten Anstiege mit sich – aber die Höhe selbst kann bei empfindlichen Personen schon Probleme bereiten.

Für solche und ähnliche Projekte wünsche ich Euch natürlich wie immer und von ganzem Herzen allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Königssee und Malerwinkel


Der Königssee ist ein wahrer Touristenmagnet. Aus aller Herren Länder kommen hier Menschen zusammen, um diesen wirklich schön gelegenen See zu bestaunen. Da für die Elektroboote bei Hunden in diesem Jahr ein Maulkorbzwang eingeführt wurde haben wir uns die Überfahrt zur Kirche St. Barthotlomä und dem Obersee gespart. Sollte sich jemand auf den Weg machen wollen: sehr früh kommen und Nebensaison nutzen! Um in eines der ersten Schiffe zu gelangen muss man früh da sein. Sollte man erst gegen Mittag übersetzen wimmelt es an allen sehenswerten Stellen von Touristen und schöne Bilder sind dann nur noch schwer zu bekommen.
Wenn man in Schönau vom Großparkplatz an der Jenner Bahn die Hauptstraße Richtung Königssee läuft kann man sich auch in der Vorsaison gut vorstellen, was sich hier für eine Menschenmenge Richtung Ufer schlängelt, wenn Hochsaison herrscht. Wir waren froh kein Gedränge und Geschiebe erleben zu müssen und konnten uns so in aller Ruhe die Auslagen der Souveniershops ansehen.

Am Schiffsanleger angekommen haben wir uns nach links gewendet und sind am Ufer hinter den Bootshäusern in den Wald marschiert.

Die Malerwinkelrunde ist klasse ausgeschildert und die angesprochenen Aussichtspunkte bieten einen wirklich schönen Blick über den See.

Die Aussicht vom Malerwinkel selbst über den See bis St. Bartholomä ist die bei Landschaftsmalern beliebteste Ansicht des Königssees. Hier wurde quasi der Standard für die klassischen Königsseebilder gesetzt.
Aber Vorsicht! Nicht schon hier die ganzen Bilder verschießen – es folgt noch ein toller Spot, der einen fast noch schöneren Aus- und Überblick bietet!

Der Weg ist breit und gut befestigt. In leichten Anstiegen windet er sich durch den dichten Wald, so dass die Strecke auch im Sommer gut zu gehen ist, da wirklich viel Schatten herrscht. Nach etwas mehr als dem halben Weg zurück zum Parkplatz hat man den höchsten Punkt erreicht. Von hier kann man noch einen Abstecher zur Rabenwand machen.

Ein wenig Trittsicherheit ist hier schon gefragt, aber der Ausblick ist spektakulär. Man ist einige Meter höher als am Malerwinkel und so ist, gutes Wetter vorausgesetzt, auch die Fernsicht einfach toll.

Dieser Weg ist gut gekennzeichnet jedoch nicht so bequem ausgebaut. Hier muss man mehrfach über Wurzeln und Felsblöcke steigen und deshalb ist hier auch dringend festes Schuhwerk angesagt. Der Abstecher dauert einfach etwa eine halbe Stunde, die Pause am Aussichtspunkt kann man aber umso mehr genießen.

Nachdem man wieder zum Hauptweg zurückgelaufen ist geht es nach kurzem Abstieg aus dem Wald heraus; an der Talstation der Jenner Bahn vorbei zurück zum Parkplatz. Alles in allem ist diese Runde ca. 5 km lang und sollte in 2 – 3 Stunden zu schaffen sein. Immer abhängig von der Zeit, in der man die Aussicht von den jeweiligen Punkten aus genießen möchte. Die Höhendifferenz beträgt ungefähr 190 Meter. Bis auf den Abstecher zur Rabenwand sind es durchwegs sehr gut begehbare und breite Fusswege.

Wer mal in der Gegend ist sollte sich diese Rund auf keinen Fall entgehen lassen. Für all Eure Vorhaben wünsche ich Euch, wie immer, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ramsau, Zauberwald und Hintersee

Rund um Ramsau gibt es viele bekannte Fotospots, von denen jeder die Mühe der Anfahrt und/oder des Spazierweges wert ist. Auch wenn die Bilder tausendfach im Netz kursieren, ist es doch ein Erlebnis, selbst die Aufnahme so zu gestalten, wie man es sich vor seinem geistigen Auge vorgestellt hat. Das Erfolgserlebnis, einmal ein Bild, welches man zuerst in der Galerie eines renommierten Fotografen gesehen hat, selbst zu machen, ist doch unbezahlar.
Beginnen möchte ich mit Ramsau selbst. An der Pfarrkirche St. Sebastian spucken in der Hauptreisezeit Reisebusse ganze Horden an asiatischen Gästen aus, um nach 10 Minuten wieder weiter zu fahren. Der bekannte Spot mit der Ramsauer Ache vor der Kirche ist dann immer wieder kurz total überlaufen. Anfang/Mitte Mai kann man es mit etwas Geduld jedoch leicht abwarten, bis die wuseligen Selfietouristen wieder abtransportiert wurden. Wer sich beim Wetter nicht ganz sicher ist kann sich ja die Bilder der Webcam vorher anschauen. Hier sieht man auch direkt die Postkartenidylle, welche man auf die Speicherkarte bannen will.

Was ich leider nicht wusste, aber auch sehr sehenswert gewesen wäre, ist der Friedhof an der Kirche. Zahlreiche mehr oder weniger ernst zu nehmende Sprüche zieren Gräber, Grabsteine und Kreuze. Nicht selten wird kein Hehl daraus gemacht, wie froh die Hinterbliebenen doch über das Verscheiden waren. Vielleicht nimmt sich ja der eine oder andere mal noch die Zeit und schlendert über die letzte Ruhestätte längst verblichener Einwohner.

Wer möchte kann auch direkt ab der Kirche in Richtung Zauberwald wandern – was allerdings knapp 2 ½ km Strecke und gut 80 Höhenmeter an Wanderung voraussetzt – und dann steht man erst am Beginn der interessanten Strecke.

Wir haben den bequemen Weg gewählt und sind bis zum P4 am südwestlichsten Ende des Hintersees gefahren. Von dort machten wir uns auf, den See zu umrunden und bei dieser Gelegenheit auch den Schwenk durch den Zauberwald zu genießen.
Auf der Südostseite führt der Wanderweg knapp 700 Meter getrennt durch die Leitplanke an der Straße entlang. Ab dem Eingang in den Zauberwald ist man jedoch eins mit der Natur. Gut gekennzeichnete Wege durch den Wald und an der Ramsauer Ache entlang lassen einen den Stress komplett vergessen. Für uns Fotografen tun sich hier auf wenigen hundert Metern dutzende von Möglichkeiten auf, das Wasser von all seinen Seiten zu zeigen. Urgewaltig umtost die Wassermacht den Fels, weich und anschmiegsam schleift das Wasser die Steine glatt.

Für meinen Geschmack hat sich im Bezug auf Wasser die Langzeitbelichtung voll durchgesetzt. Ich benutze hierzu meist eine Kombination aus zwei Filtern: einen ND 8 oder ND 64 Filter, um die Verschlusszeit auf mehrere Sekunden zu verlängern und davor einen Polfilter um die Spiegelungen im Wasser zu minimieren. Verschlusszeiten zwischen 2 und 10 Sekunden reichen mir völlig aus, so dass der ND 1000 Filter nur noch sehr selten zum Einsatz kommt.
Immer wieder tun sich kleine Wege auf, über die man direkt an den Rand des wilden Stroms gelangt.

Schier unermesslich sind die Vielzahl der Szenen, welche man hier entlang des tosenden Baches machen kann. Und am eindrucksvollsten sind genau die Bilder, bei denen man denkt das Stativ wäre direkt im Bach gestanden. Also nah ran und tief runter ist hier die Devise.

Am tiefsten Punkt der Runde wendet man sich dann nach links und folgt den Schildern zum Nordufer des Hintersees. Es geht stetig bergauf und man glaubt erst gar nicht, wie tief man hinabgestiegen ist, da das Fotografieren doch ziemlich vom Verlauf der Strecke ablenkt.

Wieder am Hintersee angekommen ging es für mich als erstes darum, den idealen Platz für das Sonnenaufgangsfoto zu finden. Denn ich wollte am nächsten Morgen um fünf Uhr wieder hier sein, um die morgendliche Stimmung am See einzufangen.
Schnell war er gefunden – der Spot, der tausendfach im Internet zu finden ist. Die Bäume auf den Felsen im See und im Hintergrund der Hochkalter – charakteristischer kann ein Landschaftsbild wohl nicht mehr sein. Im Nachmittagslicht sah die ganze Szene allerdings bei weitem nicht so spektakulär aus.

Da ich in der Dunkelheit nicht gerne Überraschungen erlebe, bin ich gerne am Tag vorher hier und kann bei normalem Tageslicht Parkmöglichkeit und Zuwegung abklären, so dass in aller Frühe keine Hektik aufkommt.

Am betreffenden Morgen waren wir dann zu dritt am See und genossen die Ruhe und die Farben, welcher der Tag mit sich brachte.

Man darf bei allem Beharren auf sein Zielbild natürlich auch nicht verpassen, einmal in eine andere Richtung zu fotografieren. Oft ist diese Ansicht deshalb überraschend schön, gerade weil sie nicht pausenlos im Internet zu finden ist.

Und wieder bewahrheitet sich, dass es sich lohnt, früh aufzustehen und die ersten Stunden des Morgens an einem See zu genießen. Es waren traumhaft schöne Minuten, die leider viel zu schnell vergehen aber Gott sei dank lange in Erinnerung bleiben.

Auf dem Weg zurück durch Ramsau lohnt es sich, erneut an der Kirche anzuhalten – die aufgehende Sonne setzt die Berggipfel hinter der Kirche wirklich gekonnt in Szene so dass erneut gute Positionen für weitere Fotos gesucht werden können.

Ich hoffe ich konnte Euch eine kleine Inspiration geben, einmal diese wunderbare Ecke Bayerns zu besuchen. Wir waren im Mai dort und ich werde noch die eine oder auch andere Erfahrung mit Euch teilen. Bis dahin wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Workshop „Ostrachwellen“ im Hintersteiner Tal

Aller guten Dinge sind drei!
Den alten Spruch kennt jeder und so habe ich mich relativ kurzfristig entschlossen, bei Manuela Prediger in diesem Jahr noch einen dritten Workshop zu besuchen.
Nach den Lichtern der Stadt im Frühjahr und dem Viehscheid Gunzesried vor vier Wochen sind nun die Ostrach und die Langzeitbelichtungen am Wasser dran.
Meine Lieblingsdisziplin!
Warum nehme ich dann am Workshop teil?
Weil ich immer auf der Suche nach Inspiration bin und mir das Fotografieren in Gesellschaft von anderen einfach viel mehr Spaß macht!

Pünktlich um viertel vor neun trafen wir uns an der vereinbarten Bushaltestelle am Wanderparkplatz in Hinterstein. So konnten wir uns den kleinen „Luxus“ erlauben, den ersten Teil der Strecke mit dem Linienbus zurückzulegen und die Kräfte fürs kreative Fotografieren aufsparen. An der Haltestelle am Elektrizitätswerk stiegen wir wieder aus und es folgte eine kleine Vorstellungsrunde; schließlich unterhält man sich gleich viel besser, wenn man sich zumindest beim Namen kennt. Dann ging es runter an die Ostrach. Hier wurden noch kurz die Grundlagen besprochen, welche die Arbeit mit Langzeitbelichtungen leichter machen. Welche Filterarten gibt es? Welcher Filter wird wann eingesetzt? Wie stelle ich die Kamera richtig ein. Was muss bei der Verwendung eines Stativs beachtet werden? Lauter kleine Details, die uns aber später bei der „Arbeit“ zwischen den Felsen die Sache ungemein erleichterten. Zum Thema Filter habe ich letztes Jahr bereits einen eigenen Beitrag geschrieben.

Wieder einmal zahlte es sich aus, jemanden zu haben der Ortskenntnis besitzt und die wirklich sehenswerten Locations kennt. Auf einer Wanderung durchs Hintersteiner Tal würde man an diesen Stellen glatt vorbei laufen. Doch Manuela hat sich die Strecke vorab angesehen und so den ein oder anderen Schleichweg gefunden um wirklich einmalige Aufnahmen zu erhalten. Dabei wird selbstverständlich immer größter Wert darauf gelegt die Natur in diesem Landschaftsschutzgebiet nicht mehr als erlaubt zu belasten.

Ich habe mir vorab zu Hause auch so meine Gedanken gemacht, was ich noch gerne ausprobieren möchte und dabei festgestellt, dass ich den sog. Bulb-Modus meiner Kameras so gut wie noch nie benutzt hatte. Dieser Modus erlaubt Aufnahmen über das zeitliche Limit der allermeisten Kameras von 30 Sekunden hinaus. Manche Marken haben ein B für Bulb am Programmwahlrad, andere wiederum schalten in diesen Modus, wenn man bei manueller Einstellung die Belichtungszeit einfach über die 30 Sekunden hinaus verlängert. in diesem Fall bleibt der Verschluss so lange offen, wie der Auslöser gedrückt gehalten wird (unbedingt einen arretierbaren Fernauslöser verwenden).

Also suchte ich mir eine Stelle an der ich damit experimentieren konnte. Da die Schlucht am Morgen noch schön im Schatten lag war ich ziemlich überrascht, wie schnell man Verschlusszeiten von über einer Minute erreichen kann. Ich schloss die Blende auf 16, stellte den niedrigsten ISO Wert von 64 ein und habe mir von der Kamera im Blendenprioritäts-Modus (A oder Av) die erforderliche Belichtungszeit anzeigen lassen. Dieser lag bei einer Sekunde. Diesen Wert gab ich in meine Smartphone-App von Rollei ein (Rollei-Moments ist eine kostenlose App zur Berechnung Verschlusszeit beim Einsatz von einem oder mehreren Filtern)  und bin bei einem Filter ND 6 schon auf eine Minute und vier Sekunden benötigter Verschlusszeit gekommen. ND 6 bedeutet, dass der Filter so stark verdunkelt, dass sich die „normale“ Belichtungszeit sechs mal verdoppelt – also insgesamt 64 mal länger wird (1x2x2x2x2x2x2=64). Das Praktische an der App ist, dass auch gleich ein Countdown gestartet werden kann und so stellte ich meine ersten Versuche mit „Ultralangzeitbelichtungen“ an.

Das Charakteristische an diesen Bildern ist, dass das Wasser extrem glatt gezogen wirkt und Stellen an denen Steine oder ähnliches vom Wasser berührt oder überspült werden sind extrem weich – fast wie gemalt. Mir gefällt dieser Effekt – wie insgesamt die Langzeitbelichtung immer wieder überraschende Ergebnisse bringt, da ja unser Auge nicht die Eindrücke über diesen langen Zeitraum sammelt und das so nie gesehen werden kann.

Bei dieser Art von Fotografie ist es natürlich unumgänglich, ein Stativ zu verwenden oder die Kamera sonst irgendwie sicher abzulegen. Keiner kann die Kamera so lange still halten um ein scharfes Bild zu erhalten. Die Faustformel sagt aus, dass die Umkehrung der Brennweite in etwa der Zeit entspricht, die verwacklungsfreies Fotografieren ermöglicht. Also z. B. bei einer Brennweite von 50 mm gilt 1/50 s als längst möglich Belichtungszeit für ein scharfes Foto aus der Hand. Die gängigen Bildstabilisatoren an Objektiv und Kamera versprechen zwar noch längere Zeiten – wer ein knack scharfes Bild will, dem sei gesagt, dass an einem Stativ definitiv nichts vorbei geht. Erste Regel unter Landschaftsfotografen: Heirate Dein Stativ!

Hier mal zur Veranschaulichung zwei Belichtungen übereinander gelegt:

Das obere Bild wurde mit 13 Sekunden belichtet und zeigt im auslaufenden Wasser deutlich weniger Details als die untere, 4 Sekunden-Belichtung. Es ist reine Geschmackssache, welches Bild einen mehr anspricht. In der Fotografie gibt es kein Richtig oder Falsch. Es ist schließlich eine Kunstform.

Gelegenheit zur Panoramafotografie bot sich ebenfalls.
Da es sich hier um keine Gebäude handelt, ist man beim Anfertigen eines Panoramas relativ schnell fertig. Es gibt kaum Chancen, dass Bildfehler wegen der Drehung der Kamera sichtbar werden – es gibt ja kaum geraden Linien in der Natur. Für ein Panorama werden mehrere Aufnahmen gemacht und es wird darauf geachtet, dass mindestens 25 Prozent des Bildinhaltes überlappen. Anschließend werden die Bilder am Computer zusammengefügt und das jeweilige Programm rechnet die Puzzlestücke so zusammen, dass keine leeren Bildstellen übrig bleiben. Den Aufwand, hier Panoramawinkel und ähnliche Utensilien mit in die Schlucht zu schleppen kann man sich sparen. Sogar Aufnahmen „aus der Hand“ werden, etwas Übung vorausgesetzt, zu brauchbaren Ergebnissen führen.

Aber Vorsicht: Die Aufnahmen der ganzen Szene führen oft dazu, dass das Bild etwas überladen wirkt und der Betrachter gar nicht herausfinden kann, was das eigentliche Motiv sein soll. Oft wirkt es besser, sich nur auf einzelne, kleine Elemente der gesamten Szene zu beschränken. Einen Gegenstand – hier der vom Wasser umspülte Felsen – isoliert darzustellen gibt dem Bild Klarheit.
Im Herbst darf natürlich das obligatorische Blatt auf dem Stein nicht fehlen. Quasi ein Stein-Portrait.

Schön ist es, wenn man bei Gestaltung auf die Linienführung achten kann. Die ganzen Grundlagen der Blickführung und Bildgestaltung können hier trainiert werden. Ein perfektes Übungsgelände für den ambitionierten Hobbyfotografen.  So bringen die S-Kurve
oder auch einfach nur eine Diagonale und ein Sonnenstern
zusätzlich Spannung ins Bild. Ebenso ist es schön, wenn sich die Blätter der umstehenden Bäume im Bach spiegeln und ihn so stellenweise blutrot färben:
Bei dem momentan vorherrschenden Lichtbedingungen in diesem wunderbaren Herbst ist es eigentlich schwieriger kein gutes Bild zu machen als anders herum. Genießen wir die Jahreszeit noch, so lange das Wetter hält.

In diesem Sinne: Geht raus, macht Fotos – die Zeit ist genau jetzt die richtige!

Allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Fotoworkshop „Viehscheid im Gunzesrieder Tal“

Das zweite Mal in diesem Jahr hatte ich die Ehre, bei der wunderbaren Manuela Prediger an einem Workshop teilzunehmen. Es war für mich dennoch eine Premiere, denn noch nie hatte ich einen Viehscheid miterlebt – eigentlich eine Schande für einen Bub aus dem Unterallgäu.

Der frühe Vogel fängt den Wurm sagt der Volksmund. Das gilt auch für uns Fotografen und besonders dann, wenn man bei einer Veranstaltung wie dieser Bilder machen möchte, die sich von der Masse abheben. Also war der Treff aller Teilnehmer für 6.45 Uhr ausgemacht und dementsprechend früh musste ich bei mir zu Hause losfahren. Das beste daran war, dass um diese Uhrzeit am Samstag morgen der Verkehr Richtung Sonthofen sehr überschaubar war und es zu keinen Verzögerungen kam.

Pünktlich um sieben kam das vorbestellte Taxi, welches uns hinter ins Tal brachte – weit weg von den ganzen schaulustigen Touristen. Dort stellten wir uns kurz gegenseitig vor und gingen die grundlegenden Kameraeinstellungen für die bevorstehenden Stunden durch. Wertvolle Tipps für außergewöhnliche Perspektiven und Bildausschnitte erhielten wir ebenfalls von unserer überaus kompetenten Kursleiterin, so dass wir bestens vorbereitet auf das Eintreffen der ersten Herde warteten.
Ich entschied mich dafür mit ISO-Automatik und Bledenvorwahl rund um Blende 5.6 ins Rennen zu gehen. Die anfängliche Belichtungskorrektur von +2/3, die ich wegen den vorhandenen Nebelschwaden eingestellt harre, nahm ich kurz darauf wieder zurück.

Die Spannung wurde immer größer, so dass das eine oder andere Mal bereits das Läuten der Kuhglocken wahrgenommen wurde, obwohl niemand in Sichtweite war. Der Schall findet in den engen Gebirgstäler eben immer einen Weg. Als endlich doch die ersten Teilnehmer zu sehen waren, nahmen wir alle unsere Positionen ein, so dass jeder das bestmögliche Sichtfeld für seine Aufnahmen erhielt.

Die große Begeisterung wich auch bald schon der Ernüchterung, dass nur eine kleine Vorhut – das Kranzrind mit einem Begleiter und zwei Jugendlichen Hirten mit ihrer Mutter – weit vor der großen Herde in Richtung Gunzesried liefen. Trotzdem ergriffen alle die Gelegenheit erste Bilder zu machen. Mir persönlich geht es auch immer so, dass ich mich erst an die Sache herantasten muss und dankbar bin, ein paar Testfotos machen zu können, bevor es ernst wird.

Ich hatte mir extra für die Veranstaltung von Tamron ein 18 – 400 mm Objektiv ausgeliehen. Hier zahlte sich der große Zoombereich sofort aus, da ich bereits aus großer Entfernung die ersten Bilder der Herannahenden machen konnte. Näheres zum Objektiv in zwei Wochen im Testbericht der Linse hier im Blog.

Die Kompression der Telebrennweite verdichtet die Szenerie zusätzlilch, so dass die Kraft und Energie der Tiere, welche durch die Hirten mit den Stäben im Zaum gehalten wurden, besonders gut zur Geltung kommt. Die Rinder sind ja doch mehr als einen Meter lang – auf dem Bild wird diese Szenerie so gestaucht, dass, für mich, eine besondere Dramatik entsteht.

Und für die eigene Sicherheit ist ebenfalls gesorgt, da ich rechtzeitig, bevor die Tiere mich erreichen, für ausreichend Sicherheitsabstand sorgen kann. Für die Schärfe im Bild habe ich einen alten Trick von Scott Kelby angewandt. Der empfiehlt, wenn man sich unsicher ist mit langer Brennweite aus der Hand zu fotografieren den Serienbildmodus an der Kamera einzuschalten. Dann so ca. 3 – 5 Bilder machen – die Ausbeute an scharfen Bildern ist so größer, als wenn immer nur ein Bild gemacht wird, kontrolliert wird, wieder fotografiert wird usw.

So warteten wir auch noch die nächste Gruppe einer weiteren Alpe ab, damit jeder Gelegenheit hatte, unsterschiedliche Positionen und Perspektiven auszuprobieren. Denn nichts ist langweiliger, als immer nur auf Augenhöhe zu fotografieren.

Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück, da die neblige Stimmung ausgezeichnet zur Jahreszeit und Veranstaltung passt. Zudem waren bei der Luftfeuchtigkeit und Kälte die dampfenden Tiere genau das, was ich mir vorher als Zielbild in den Kopf gesetzt hatte.

Auch ich begab mich schließlich auf Tauchstation und legte mich im nebelfeuchten Gras auf den Bauch. Es ging ja schließlich darum ungewöhnliche Ansichten zu finden und das gelang mir in diesem Moment sehr gut.
Diese beiden Bilder oben und unten sind die derzeit am meisten beachteten Bilder von mir auf Facebook. 20.000 Menschen haben diese Bilder in der ersten Woche gesehen, hunderte Likes und mehrere Dutzend Kommentare dazu haben mich sehr stolz gemacht.

Unterwegs kamen wir auch ein einem Hof vorbei, an dem wir das Schmücken des Kranzrindes aus nächster Nähe beobachten konnten.
Hier habe ich mir dann auch die Zeit genommen, um einmal die Details der Veranstaltung festzuhalten. Die festlich gerichteten Haare der Teilnehmerinnen
die Anspannung bei den Teilnehmern
oder auch einfach nur die Tracht und Tradition der Veranstaltung selbst

Aprospos ungewöhnliche Ansichten:
Die Rinder selbst sind ja die Hauptakteure bei dieser Veranstaltug. Also warum nicht diese auch mal ungewöhnlich ablichten?

Vom unten und nur die Füße – reicht doch auch um zu zeigen, wo man war.

Kuriose Bilder lassen sich auch erzielen, wenn man bei ca. 1/20 s Belichtungszeit mit der Herde einen sog. „Mitzieher“ versucht. Man könnte fast meinen, die Herde rennt im Galopp vorbei…

Oder einfach mal die Augen offen halten für die kleinen Randerscheinungen, wie den kleinen Jugen, der anscheinend noch zu jung war, um den ganzen Weg zu Fuß zu laufen. Auf Grund seiner Tracht lässt er aber deutlich erkennen, dass er dazu gehört.

Am Scheidplatz angekommen traf uns die gesamte Wucht der versammtelten Touristenschar mit einem Schlag. es war schon ein gewaltiger Unterschied zur Abgeschiedenheit draußen im Tal – doch das gehört mittlerweile auch dazu.

Der Einlauf der Kühe in den Pferch musste schließlich ebenfalls dokumentiert sein, wie auch die Umrahmung des Spektakels mit den unzähligen Schaulustigen aus Nah und Fern.

Hier waren dann auch Portraits der Hirten möglich, denen man die Erleichterung ansah, das alles zu einem guten Ende gekommen ist.

Auch hier boten sich wieder viele Gelegenheiten zu ungewöhnlichen Ansichten und Bildgestaltungen, wie z. B. die Kuh durch den Schellengurt hindurch fotografiert.

Alles in allem war es ein sehr gelungener Workshop dank der Ortskenntnis von Manuela Prediger. sie wusste, wie der Ablauf sein wird und wo die interessantesten Stellen auf dem Weg durch das Tal sind. Allein die Tatsache, dass ich noch nie an einem halben Tag ca. 1000 Fotos gemacht habe spricht dafür, wie viele Möglichkeiten sich hier geboten haben.

Ich hoffe es ist eine kleine Anregung für Euch dabei, auch einmal ausgetretene Pfade zu verlassen und nicht genau da fotografieren zu wollen, wo alle Bilder machen. In diesem Sinne wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Wie bilde ich mich weiter?

Ohne Weiterbildung geht’s nicht weiter! Auch nicht im Hobby! Deshalb möchte ich heute den Anstoß geben, sich doch mal intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen und einen Fotokurs zu besuchen.
Es lohnt sich!
Versprochen!

Jedes Jahr gönne ich mir mindestens einen Kurs zu einem Thema, welches mich interessiert und bei dem ich noch Entwicklungsmöglichkeiten sehe. So nutze ich jedes Mal die Gelegenheit, mir frische Ideen und Inspirationen zu holen.
Erst letzten Freitag Abend habe ich mich wieder einmal weitergebildet. Und zwar mit einem Workshop zu dem Thema „Lichter der Nacht“ der VHS Memmingen.

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe den Kurs nicht besucht, um einen Beitrag zu verfassen, sondern wirklich aus eigenem Interesse. Ich habe den Kurs auch regulär gebucht und bezahlt und bin nicht Mitarbeiter in der VHS.
Die Idee zu diesem Post kam mir erst jetzt im Laufe dieser Woche nachdem ich den Workshop besucht habe.

Manuela Prediger ist selbstständige Fotografin und leitet neben ihren eigenen Workshops auch immer wieder Kurse bei den VHS-Anbietern im ganzen Allgäu. Sie ist als Profi genau die richtige, um alle aufkommenden Fragestellungen ausführlich zu beantworten und der Gruppe die nötige Anleitung zu geben, um mit schönen Fotos nach Hause zu gehen.

Einen Kurs bei einer VHS vor Ort kann sich eigentlich jeder leisten. Er kostet je nach Art und Umfang im Schnitt zwischen 20 und 50 Euro und ist das Geld jedenfalls wert. Da man alleine immer schnell eine Ausrede findet um nicht zum Fotografieren zu gehen, übt und lernt es sich in der Gemeinschaft Gleichgesinnter leichter und unbeschwerter. Der Austausch  mit den Kollegen hilft mir immer sehr. Jeder hat ein eigenes Auge und sieht die Szene und Situation anders. Anregungen sind somit unumgänglich und jeder profitiert von jedem.

Beispielhaft möchte ich hier den Workshop-Ablauf des VHS-Kurses „Lichter der Nacht“ aus Memmingen wiedergeben:

Nach einer kurzen Einführung in das Thema „Fotografieren bei wenig Licht“ und einer Vorstellungsrunde ging es raus in die kalte Dunkelheit. Wir hatten noch Glück, denn bis einen Abend zuvor herrschten in Memmingen zweistellige Minusgrade. Leichter Schneefall setzte ein und schon überlegte jeder, ob das nun gut oder schlecht für die Fotos und die Ausrüstung sein kann.
Ruhig und sachlich wurden die Bedenken bezüglich der Kameras und Objektive durch die Kursleiterin ausgeräumt. Moderne Kameras sind heute alle so abgedichtet, dass die Schneeflocken der Technik nichts anhaben können. Im Gegenteil – die Flecken durch die Schneeflocken können auch als ein Stilelement in das Bild integriert werden.

In der ersten Aufgabenstellung ging es darum, die Wirkung der Blende bei Gegenlichtsituationen besser zu verstehen. So wurden zuerst mit weit geöffneter Blende (z. B. 4,0 oder 5,6) Bilder der Leuchte an der Stadtmauer aufgenommen.

Anschließend wurden wir gebeten, die Blende, so weit es das Objektiv zulässt, zu schließen (in meinem Fall Blende 22). Die dadurch entstehenden längeren Belichtungszeiten spielten keine Rolle, da alle Teilnehmer vorbildlich vom Stativ aus fotografierten. Das Ergebnis waren schöne Sterne aus der Lichtquelle, die je nach Art und Bauweise des Objektivs eine unterschiedliche Anzahl von Strahlen erzeugten.

Der selbe Effekt läßt sich  auch mit mehreren Leuchten erzielen und kann auch tagsüber beim Fotografieren in die Sonne tolle Effekte mit sich bringen. Jeder kennt doch bestimmt die traumhaften Bilder eines Sonnenunterganges, bei dem einen die Sonnensterne mit ihren langen Strahlen ins Bild hineinziehen wollen.

Dann half uns der Zufall weiter:

Der Räumdienst der Stadt Memmingen kam den Gehweg entlang gefahren. Ein Traktor kam uns mit voller Beleuchtung näher und entfernte sich anschließend im Rückwärtsgang auch wieder. Schnell war die Idee geboren, bei derLangzeitbelichtung mit dem Einsatz einer Taschenlampe Kreativität einzubringen. Den Möglichkeiten sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Den Anfang machte Manuela. Sie hatte extra für diese Versuche eine Taschenlampe dabei, welche sie nun, mit den Armen kreisend, im Laufschritt auf uns zu bewegte. Durch die Tatsache, dass sich der Mensch schnell weiterbewegt und die Lichtquelle der Lampe viel heller ist als die Umgebung, ist der Mensch für die Kamera unsichtbar und nur die Lichtspuren werden auf dem Sensor registriert.

Ein Teilnehmer erbarmte sich einige Minuten später, um Manuela abzulösen und gleich wurden die Wünsche nach Formen laut geäußert. Ein Herz sollte es sein, welches nach mehreren Versuchen auch wirklich gut erkennbar präsentiert wurde.

Dann wurden die Wünsche spezieller. Es sollte ein Wort geschrieben werden. Nachdem bei den ersten Versuchen die Synchronisation zwischen Schreiber und Fotografen nicht ganz rund lief und nur einzelne Buchstaben, wenn überhaupt, auf die Speicherkarte gebannt wurden, stellten sich bald tolle Ergebnisse ein.

Sogar das gelegentliche Blinken der Taschenlampe konnte als kreatives Element gefallen finden. Manuela erwies sich als perfekte Buchstabiererin und brachte es fertig, dass alle Buchstaben nahezu gleich groß und gerade geschrieben waren.


Anschließend wandten wir uns weiteren Locations zu. Der Memminger Marktplatz und die dort beginnende Fußgängerzone bildeten einen würdigen Rahmen für die abschließenden Fotos.
Das Schöne am Lernen in der Gruppe ist auch, dass Manuela uns immer wieder zusammen rief, um uns besonders gelungene Aufnahmen einzelner Teilnehmer zu zeigen und anhand derer die Grundlagen der Bildgestaltung näher brachte. So wurde jeder dazu ermutigt einmal neue Blickwinkel und Positionen zu versuchen, denn auch ein Bild aus der Froschperspektive kann sehr spannend sein.

Hier konnten wir immer wieder staunend erleben, dass durchs Bild laufende Personen dank der Langzeitbelichtung nicht auf dem fertigen Foto zu sehen sind. Nur das, was still verharrt, wird auch abgebildet.
Hier wurde außerdem nochmal vertieft, wie man in der Dunkelheit manuell scharf stellt, da nämlich bei zu wenig Licht der Autofokus nicht mehr funktioniert. Also das Objektiv auf Manuell umstellen und selbst am Ring drehen ist jetzt die Devise.

Das Ensemble des Marktplatzes mit dem wunderschön beleuchteten Rathaus bildet aber auch eine traumhafte Kulisse. Hier an einem Abend alle möglichen Blickwinkel zu finden, ist schlicht unmöglich.

Ich habe auch versucht das Ganze als Panorama einzufangen, jedoch sind auf Grund der Breite der Gebäude sind die Möglichkeiten ohne spezielle Panorama-Ausrüstung doch sehr limitiert.

Dann lieber noch ein paar Spielereien mit den vorbei fahrenden Autos – Lichtspuren, die unser Auge zum Motiv (hier der Martinsturm) hin geleiten, sind auch immer wieder neu und sehenswert. Hier ist es unmöglich zwei gleiche Bilder zu schießen, denn jedes Auto fährt anders.


Zum Abschluss versuchte ich noch die Übung mit dem Einrahmen des Motivs durch die örtlichen Gegebenheiten. Und hier stellte sich mir bei der Bearbeitung auch gleich noch die nächste Frage: Farbe oder Schwarzweiß?

Ich finde, beide Bilder haben etwas.

Als die Kälte drohte, uns in alle Glieder zu fahren, waren die drei Stunden auch schon wieder vorbei. Wir gingen die Erfahrungen nochmal kurz durch und jeder zeigte sich begeistert, wie einfach die Nachtfotografie doch sein kann, wenn man nur ein paar Regeln einhält:
Alle Aufnahmen vom Stativ aus, kleine ISO-Zahl einstellen für wenig Bildrauschen, Fern-  oder Selbstauslöser verwenden, wenn nötig die Spiegelvorauslösung aktivieren um manuelle Unschärfen durch die Bedienung der Kamera auszuschließen und am Objektiv oder der Kamera den Bildstabilisator deaktivieren.
Bei gutem Kontrast der angestrahlten Gebäude kann der Autofokus sogar noch gute Ergebnisse bringen, so dass nicht in jedem Fall manuell fokussiert werden muss. Sollte es doch erforderlich werden, so empfiehlt es sich den Live-View der Kamera zu aktivieren und auf die maximale Vergrößerung der Anzeige zu gehen. Jetzt kann man auch in der Dunkelheit den passenden Bildausschnitt suchen und darauf manuell am Objektiv scharf stellen.

Wer die Bilder in voller Auflösung sehen möchte,  der kann dies in folgendem Online-Album tun: https://spark.adobe.com/page/ADvryqkBql8jK/

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss:
Ich habe mir vor Jahren schon angewöhnt, nach jedem Workshop ein kleines Fotobuch zu erstellen. So kann ich, so lange die Erinnerung noch frisch ist, die einzelnen Aufgaben und Versuche, welche ich unternommen habe, festhalten und über die Jahre die eigene Entwicklung in der Fotografie verfolgen.
Ich kann es Euch nur empfehlen, denn ich habe bei mir erhebliche Fortschritte über die Jahre gesehen, welche mich schließlich dazu gebracht haben, das Hobby bis hier hin zu vertiefen. Der Rückblick und die Erkenntnis der sichtbaren Verbesserung der Fähigkeiten motiviert ungemein.

Natürlich will ich damit nicht generell sagen, dass Lesen oder auch Video-Tutorials für die Weiterbildung ungeeignet sind. Das Entscheidende dabei ist nur, dass man danach auch raus gehen muss um das Erlernte anzuwenden. In so einem Kurs fällt es mir jedenfalls leichter, Neues auszuprobieren und ich habe die Gelegenheit direkt nochmal um Unterstützung oder einen Rat zu bitten. Das Machen macht*s!

In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du auch einen Kurs für Deine Belange findest und bei all Deinen fotografischen Vorhaben in nächster Zeit allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

U-Bahn München 2018

Ich habe es wieder getan! Zum insgesamt vierten Mal war ich in München in der U-Bahn und habe fünf weitere Bahnhöfe fotografiert:

Josephsburg:
Der Bahnhof Josephsburg liegt in einer leichten Kurve und besticht durch das schöne, große Schachbrettmuster der Granitfliesen auf dem Fussboden.

Zusammen mit der (eigenwilligen) Beleuchtung hat dieser Bahnhof eine schöne Dynamik.

Die Deckenleuchten sind immer wieder durch bunte Glaslamellen unterbrochen, so dass das bunte Spiel der Farben für zusätzliche optische Reize sorgt.
Interessant sind die Bilder auch dann, wenn nicht alles scharf dargestellt wird. Durch die Beleuchtungssituation fällt es leicht, die Belichtungszeit so zu erhöhen, dass schöne verschwommene Züge oder geisterhafte Menschen auf den Fotos abgebildet werden. Das gibt die Dynamik wieder, welche an einem solchen Platz herrscht. Schließlich dient der U-Bahnhof ja der Fortbewegung – also darf diese Bewegung gerne auch einmal gezeigt werden.

Kreillerstraße:
Dieser Bahnhof ist dank der verwendeten großen Aluminiumplatten extrem hell.
Die Gestaltung ähnelt stark der ebenfalls hell erleuchteten Station Fürstenried West.
Die indirekte Beleuchtung wird dank der gewölbten Decke über den gesamten Bereich des Bahnhofs geleitet.
Vereinzelte Mosaike in den Seitenwänden lockern die metallisch anmutende Beplankung wieder auf und sorgen für Abwechslung an den Wänden.
Für die bestmögliche Bildwirkung sollte in solchen Fällen das Augenmerk auf die Symmetrie gelegt werden. Anhand der Einrichtung oder der Bodenfliesen lässt sich hier schön ein Mittelpunkt auf dem Bahnsteig finden. Und sollten einmal alle Stricke reißen und eine Rolltreppe allzu dominant in eine Ecke des Bildes ragen, dann hilft in letzter Not immer noch Photoshop. Die gute Seite des Bildes einfach gespiegelt über den Makel legen – wer nicht dabei war, weiß schließlich nicht, dass dort etwas störendes war.

Messestadt Ost:
Die Endstation der U2 hat bereits im Außenbereich ein sehenswertes Detail. Es befindet sich nämlich eine Sonnenuhr direkt vor dem Eingang zur U-Bahn, welche die Uhrzeit in ihrer trichterförmigen Umrandung anzeigt.
Im Inneren sind die bewährten Lichtbänder, welche dafür sorgen, dass überall ausreichend Beleuchtung vorhanden ist.
Da es sich hier um einen Endbahnhof handelt, ist das Aufkommen an Fahrgästen relativ gering, so dass entspannt fotografiert werden kann.

Messestadt West:
Mit seinen rostrot- und orangefarbenen Wänden lädt dieser Bahnhof ein, Bilder im Grungelook zu erstellen.
Der säulenlose Bahnhof, mit seinen blau schimmernden Oberlichtern, bietet die perfekte Spielwiese, um mit der Symmetrie der Architektur zu spielen. An der Ostseite ragen noch Fenster des eingebauten Cafes in den Bahnhof, so dass hier die Gleichförmigkeit gebrochen wird.
Fotografisch kann sowohl die Weite der Anlage im Querformat, als auch die Betonung der Farben und Formen im Hochformat genutzt werden.
In der Architekturfotografie ist es eigentlich verpönt, das Objektiv nach oben zu richten. Man will ja schließlich die sog. stürzenden Linien vermeiden. Es gibt keine Regel, die nicht auch gebrochen werden kann – vor allem, wenn es darum geht, Führungslinien zu erzeugen. Die in der Weite zusammenlaufenden Lichtbänder oder auch Seitenwände saugen den Blick des Betrachters förmlich in die Tiefe hinein. Eine bessere Methode die verloren gegangene Dreidimensionalität zu simulieren gibt es nicht.

Moosfeld:
Charakteristisch für diese Station sind die übergroßen Letter an den Wänden, die den Namen des Bahnhofs weithin sichtbar werden lassen.
An den gegenüberliegenden Wänden sind die Letter einmal rot in grau und einmal grau auf rot eingelassen.
Immer wieder reizt es mich, den einfahrenden Zug als „Geisterzug“ ins Bild zu bekommen. Dabei kann ich nicht einmal ein Rezept vorstellen, nach dem das sicher gelingt. Einfach probieren – wenn der Zug in die Station einfährt, den Auslöser betätigen und sich überraschen lassen, was die Kamera zu Tage bringt. Die Belichtungszeit sollte allerdings schon etwas länger sein, damit die Lichtspuren erscheinen können.
Die immer noch futuristisch anmutenden Leuchten passen perfekt zu dem modern gestalteten Bahnhof.
Dieser Bahnhof war wegen dem markanten Schriftzug für diesen Ausflug mein „must-have“. Trotz diverser Unannehmlichkeiten wegen dem eingeschränkten Betrieb dank der Baustelle Sendlinger Tor war es uns gelungen, der U2 bis zum Ende zu folgen und diese schönen Bahnhöfe einzufangen.

Ich hoffe, dieser Ausflug in den Münchener Untergrund hat wieder etwas Spaß gemacht. Ich habe nun 27 Stationen fotografiert und beschrieben. Von den insgesamt hundert Stationen habe ich also noch eine ganze Menge übrig, wenn sich auch nicht jede unbedingt lohnt, fotografiert zu werden.

Die früheren Beiträge findet Ihr unter:

U-Bahn-Fotografie: Grundsätzliches

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 1

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 2

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 3

U-Bahnhöfe Teil 4:

U-Bahnhöfe Teil 5:

Best of U-Bahn München

Sobald ich mich wieder auf den Weg mache, werde ich auch wieder davon berichten. Bis dahin wünsche ich Euch allen für Eure fotografischen Expeditionen allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Hinweis:
Die Beschreibungen der Stationen sind zum großen Teil an die Beschreibungen auf den  Internetseiten von https://www.u-bahn-muenchen.de/ angelehnt.

Reisebericht Ostfriesland Teil 2


Diese Woche bewegen wir uns weiter nach Osten, von Norden und Norddeich, auch ein Stück ins Landesinnere und wieder zurück an die Küste bis Harlesiel.

In Norddeich starten die Autofähren nach Norderney und Juist. Hier ist immer was los und bei gutem Wetter lassen sich auch tolle Aufnahmen von Norderneys weithin sichtbarem Wahrzeichen, dem Leuchtturm, machen. Auch in Norddeich reihen sich Hotels, Gaststätten und Fischbuden aneinander. Die hungrige Seele kann hier von allem etwas abbekommen. Frische Seeluft für die Lungen genau so, wie frischen Fisch für den Magen. Und natürlich finden sich hier auch Plätze am Deich, um einen schönen Sonnenuntergang einzufangen.
Norden ist die nordwestlichste Stadt Deutschlands und so etwas, wie der Hauptort hier oben. Auch hier sind Windmühlen zu bestaunen, auch wenn sich rund um eine ein Einkaufszentrum breit gemacht hat, was für mich etwas verwunderlich wirkt. Ein schönes Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und guten Gaststätten und einer kleinen Fußgängerzone lädt zum Verweilen ein. Im Tee-Museum z. B. kann man sich in alle Geheimnisse und Gepflogenheiten rund um den Ostfriesentee einweisen lassen. Mein Tipp zum Essen ist das Restaurant Minna. Hier gibt es eine kleine, feine Karte – sogar ein vom NDR prämiertes Gericht ist darauf zu finden.

Etwas weiter westlich finden wir das Schloss Lütetsburg, direkt an der alten Landstraße zwischen Norden und Hage.

Hier kann das Fotografenherz im Mai/Juni beinahe aus der Brust springen. Im Schlosspark wurde eine überbordende Anzahl von Rhododendren angepflanzt. Hier müssen im Frühjahr ganze Blütenwände stehen – leider war ich erst Ende Juni in der Gegend und die Blüte schon zum Großteil vorbei. Während der Blüte ist das Mitbringen des Makro-Objektivs Pflicht!
Weiter südwestlich im Landesinneren wartet noch ein Kleinod für den Makroliebhaber: das Ewige Meer.

Eine Moorlandschaft der Extraklasse. Blindschleichen, Salamander, Libellen, seltene Pflanzen – wer hier mit der Makro-Linse nicht fündig wird sollte sich ernsthaft ein anderes Hobby suchen. Ein wunderbarer Holzsteg führt mit einem Naturlehrpfad durch das Hochmoor. 90 Minuten sollte man mindestens einplanen – Fotografen natürlich entsprechend mehr!

Etwas weiter südlich, auch südlich von Aurich, befindet sich eine Gedenkstätte der alten Klosteranlage Ihlow. Stahl und Holz bilden die Pfeiler und das Gewölbe des einst größten Gotteshauses zwischen Bremen und Groningen nach. Wanderwege im Wald laden zum flanieren ein, die künstlerische Aufarbeitung der Vergangenheit lädt zum fotografieren ein. So ist für alle etwas dabei, die mit auf Reisen gehen.

Auf dem Weg nach Norden, zurück an die Küste, machen wir noch halt in einem Windkraftanlagen-Park.  Zwischen Westerholt und Esens gibt es eine begehbare Windkraftanlage – natürlich nur für Schwindelfreie!
Die Plattform befindet sich auf einer Höhe von 62 mt und ist über eine
297 Stufen zählende Wendeltreppe im Turm zu erreichen.
Oben angekommen findet man eine geschlossene Plattform mit schräg gestellten Fenstern vor, die bei guter Sicht einen Ausblick bis nach Holland zulässt. Wenn die Menge der Interessenten überschaubar ist, wird auch schon mal die Luke zum Generator und auch die Dachluke für den ungestörten Ausblick geöffnet. Da wurde allerdings selbst mir ein bisschen Mulmig.

Der Ausblick ist, wenn man es verträgt, jedenfalls überwältigend.

Auf unserem weiteren Weg an die Küste befinden wir uns meistens auf der norddeutschen Straße der Windmühlen. Dies bezieht sich jetzt jedoch auf die historischen Windmühlen und nicht die, zahlenmäßig stark überlegenen, modernen Windkraftanlagen.  In vielen kleinen Dörfern kann man sie besichtigen – ein paar wenige sind sogar noch in Betrieb.

Unterschiedlichste Bauformen treffen hier aufeinander. Viele Mühlen sind zwar mittlerweile von Häusern umringt, ein paar wenige stehen noch so frei, dass sich das Anhalten wirklich lohnt.
Auch hier gilt – bei Weitwinkelaufnahmen nicht zu sehr die Kamera nach oben richten, um stürzende Linien zu vermeiden. Man kann es aber auch absichtlich übertreiben und dies als Stilmittel einsetzen – jede Regel lässt sich brechen.
Bei den meisten Küstendörfern sind die Häfen hinter den Deichen geschützt schön angelegt bzw. restauriert. Ein Spaziergang entlang des Wassers lädt immer wieder zum Fotografieren ein – sind doch die unterschiedlichsten Boote und Schiffe am Kai festgemacht.
Bei all den Schönheiten darf auch das Dorfgeschehen ein paar Meter Abseits der Massen nicht vergessen werden. Wenn an den Flaniermeilen sich Besucherströme durch die Gassen drücken, ist im weiter innen liegenden Dorfkern oft auch noch einiges Fotogenes zu entdecken. Nicht selten durchziehen Grachten die Orte und bewegliche Holzbrücken dienen immer noch als Übergang und auch als Fotomotiv.
Ich könnte noch ein paar Wochen weiter schreiben, so sehr habe ich mich in diesen Küstenabschnitt verliebt. Durchwegs freundliche Menschen machen es einem leicht, hier den Urlaub zu verbirngen. Für Eure schönste Jahreszeit, den Urlaub, und die fotografischen Unternehmungen wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 1

Ostfriesland ist reich an Sehenswürdigkeiten. Der kleinste und der höchste Leuchtturm Deutschlands stehen nur 12 km auseinander. Der schiefste Turm der Welt steht ebenfalls hier und nicht in Italien. Berge von Rhododendren im Schloss Lütetsburg im Mai, die Silhouette einer Kirche im Wald – gewöhnliches und außergewöhnliches reihen sich hier in nächster Nähe aneinander; man muss nur noch die Reihenfolge festlegen und los geht’s. 

Fangen wir im Westen an und arbeiten uns ostwärts voran. An spannenden Orten zum Entdecken, Entspannen und Fotografieren mangelt es sicher nicht.

Emden beherbergt gleich zu Beginn jede Menge interessanter Motive – und ich meine jetzt nicht nur den Ottifanten, der sich mit seinem Kopf durch die Wand aus dem Otto – Huus schleichen will.

Gleich gegenüber ist der schöne Hafen an dem man sich den historisch anmutenden Schiffen nähern kann. Backsteinromatik, wohin das Auge schaut. In der Pelzerstrasse 12 beispielsweise wurde die alte Fassade schön restauriert. Im Inneren ist ein Café, in dem Menschen mit Handicap arbeiten.  So hilft ein Besuch und die Einkehr auch noch einem guten Zweck. Und der Ostfiesentee ist wirklich sehr gut!
Fototechnisch ist bei Architekturbildern hauptsächlich darauf zu achten, dass das Objektiv nicht zu stark nach oben gerichtet wird. Wenn im Weitwinkelbereich hier übertrieben wird, dann entstehen die unschönen „stürzenden Linien“ – eigentlich aufrecht stehende Häuser und Türme sehen dann so aus als würden sie nach hinten stürzen.

14 km weiter westlich ist der Knock – der nordwestliche Zipfel Deutschlands. Hier kann man über den Dollart quasi nach Holland spucken. Der alte Fritz steht am Ufer und wacht darüber, dass der Konsum von Tee und Kaffee nicht überhand nimmt.
Hier kann es sehr schöne Sonnenuntergänge geben, welche im Zusammenspiel mit den vorhandenen Figuren und Gebäuden alles bieten werden, was ein Bild braucht: Vordergrund, die Bildmite und der Sonnenuntergang im Hintergrund. 

Der Kirchturm in Suurhuusen, 6 km nördlich von Emden, welcher eine Schräglage von 5,19 Grad aufweist ist der wirklich schiefste auf Erden. Ganz egal, was die Italiener immer behaupten, der berühmte Turm in Pisa hat nur 3,97! Das alles und der höchste deutsche Leuchtturm in Campen (für meinen Geschmack ein hässlicher Stahlturm ohne „Seele“) ist im Umland von Emden zu finden.

Der kleinste Leuchtturm Deutschlands ist wahrscheinlich auch gleichzeitig der bekannteste. Otto Waalkes hat ihn in seinen Kino–Film „Otto der Ausserfriesische“ 1989 eingebaut und ihm so zu Weltruhm verholfen. Der Pilsumer Leuchtturm ist lediglich 15 mt hoch und somit der kleinste aller Leuchttürme hierzulande. Das für die Schifffahrt wichtige Leuchtfeuer befindet sich gar nur auf 11 Metern. Zu beachten gilt hier, wie an fast allen Deichabschnitten, dass das Mitführen von Hunden wg. der Schafhaltung strengstens verboten ist.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt Greetsiel. Ein malerischer Ort mit seinen engen Gassen und kleinen Grachten. Am Ortsrand gleich gegenüber dem Parkplatz begrüßen einen die Zwillings-Windmühlen – das Wahrzeichen von Greetsiel.

Der Ortskern ist autofrei und so ist dem gemütlichen Flanieren nichts im Weg. Zahllose Lokale und Gaststätten laden zum Genießen und Verweilen ein. Nirgends schmecken Fisch und Krabben so gut, wie hier – direkt an der Küste.
Schön ist es hier vor allem in der endlos erscheinenden Abenddämmerung bis zur blauen Stunde. Herrliche Pflasterstraßen und beleuchtete Gebäude geben einen tollen Rahmen für stimmungsvolle Bilder.

Immer wieder interessant ist auch der Ausblick aufs Meer. Von fas allen Stellen an der Küste ist immer mindestens eine der vorgelagerten ostfriesischen Inseln zu sehen.  Von Borkum ganz im Westen vor Holland bis Wangerooge ganz im Osten – immer hat man „Land in Sicht“.

Das nächste Mal führt  uns unsere Rundfahrt von Norden/Norddeich bis nach Harlesiel – und einmal gehen wir dabei sogar noch hoch hinaus! In diesem Sinne wünsche ich Euch bis nächste Woche alles gute und für die Fotos allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

 

Reisebericht Urwald Sababurg

Knapp südlich des Teutoburger Waldes, im nordhessischen Landkreis Kassel liegt der Urwald Sababurg, auch als Urwald im Reinhardswald bekannt.  Er ist ein unter Natur- und Landschaftsschutz stehendes und aus einem Hutewald hervorgegangenes Waldgebiet und zugleich -biotop. In seiner urwüchsigen Form ist er für ganz Mitteleuropa einzigartig.  Er steht seit 1907 unter Schutz und ist damit Hessens ältestes Naturschutzgebiet.

Der „urige“ Charakter des 92 ha[ großen „Urwaldes“ wird geprägt von alten Hutebäumen. Die mächtigen, knorrigen „800 bis 1000-jährigen Eichen“ und dick- oder mehrstämmigen Buchen sind Zeugen einer jahrhundertelangen Bewirtschaftung. Zudem wächst „meterhoher Farn“, was ihm zudem einen ganz eigenen Charme verleiht. Hutewälder dienten früher als Waldweide für die landwirtschaftlichen Haustiere, u. a. Schweine. Im Wald stehen viele alte Eichen und Buchen, die jeder für sich schon ein Naturdenkmal darstellen.

Der Urwaldcharakter wird dadurch verstärkt, das in diesem Bereich seit über 100 Jahren die Pflanzen sich selbst überlassen werden und der Mensch nur im äußersten Notfall eingreift. Überall liegen Totholz und Ruinen mächtiger Bäume, welche im Lauf der Zeit wieder selbst ein Teil der urigen, sich selbst erneuernden Natur werden. Durch diese Maßnahmen entsteht ein einzigartiger Lebensraum für viele Tiere, Pilze und Pflanzen.

Heutzutage zieht er neben Wanderern vor allem Maler und Fotografen an. Auf den gut gepflegten Wegen lässt sich hier die Natur in ihrer ursprünglichsten Form bestaunen. Die wenigen morastigen und feuchten Stellen wurden mit Holzstegen begehbar gemacht, so dass eigentlich jeder, selbst mit Kinderwagen, in den Genuss dieses Spektakels kommen kann.

Es gibt drei markierte Rundwege, die für alle Altersklassen etwas bieten. Die Länge ist mit 1,8 km für den kurzen und 4 km für den längsten angegeben, so dass es selbst für gehfaule keine Ausrede geben dürfte, sich hier der Natur ganz hin zu geben. Wem das zu wenig ist, kann noch den angrenzenden Tierpark besuchen und sich noch das Schloss Sababurg mit ansehen.

Alles in allem ein lohnender Ausflug in Deutschlands Mitte, wir haben hierfür eigens unsere Heimfahrt von Ostfriesland ins Allgäu unterbrochen. Für  zukünftige Wanderungen und Fotoausflüge wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter