Langzeitbelichtung – wie lange ist lang genug?

Bei der Langzeitbelichtung scheiden sich oft die Geister und keiner kann genau sagen, wie lange die Langzeitbelichtung eigentlich sein soll und ab wann ist eine Belichtung eine Langzeitbelichtung?
Abgesehen von den persönlichen Vorlieben gibt es tatsächlich kein Richtig und kein Falsch. Jeder muss für sich selbst und für seinen Geschmack den passenden Stil finden.
Tatsache ist, dass Wasserfälle und Kaskaden in den Schluchten oder einer Klamm je nach Bildaussage mit allen möglichen Geschwindigkeiten fotografiert werden können. Bei schnellen Verschlusszeiten wirken die Wassertropfen wie eingefroren und können z. B. bei einem eingezoomten Detailbild auch sehr toll aussehen.

Ich habe eine Serie mit Bilder unterschiedlicher Belichtungszeiten erstellt und kann anhand derer die Effekte, welche durch die Verlängerung der Verschlusszeit entstehen, anschaulich machen.

Das erste Bild wurde ohne Filter aufgenommen. Da es zum Zeitpunkt der Aufnahme schattig war konnte ich mit ISO 100 und Blende 11 bereits eine Verschlusszeit von 1/10 Sekunde erzielen. Schon mit dieser Belichtungszeit vom Bruchteil einer Sekunde und einer relativ schnellen Fließgeschwindigkeit kann man bei dem Ergebnis von einer Langzeitbelichtung sprechen. Das Wasser hat schon weiße Schlieren und sieht seidig weich aus. Etwas Struktur ist noch vorhanden, was der Spannung im Bild gut tut. Je nach Wassermenge und Fließgeschwindigkeit können bereits bei solchen Belichtungen die Effekte einer Langzeitbelichtung sichtbar werden.

Anschließend habe ich den Pol-Filter aufgesetzt und die Belichtungszeit verlängerte sich hiermit bereits auf 1/4 Sekunden. Ich habe aktuell eine Anfrage erhalten, ob denn die Verwendung eines Polfilters überhaupt Einfluss auf die Verschlusszeit nimmt. Durch dieses Beispiel wäre belegt, dass der Polfilter eine Verlängerung der Belichtung von ein bis zwei Blenden bewirkt (Verdoppelung bis Vervierfachung der Zeit).
In vielen Fällen kann dies bereits ausreichen, um den gewünschten Effekt zu erhalten. Ein Polfilter kommt bei mir im Zusammenhang mit Wasser so gut wie immer zum Einsatz. Er nimmt der Wasseroberfläche den Glanz und mindert Reflektionen. So wird die Wasseroberfläche an vielen Stellen wieder durchsichtig und die Steine auf dem Grund werden sichtbar, was dem Bild zu wesentlich mehr Detailreichtum und Tiefe verhilft.

Dann steckte ich zusätzlich noch einen ND 2 Filter vor den Polfilter. Jetzt kam ich schon auf eine Belichtungszeit von 1 Sekunde. Die Flächen mit dem weißen Schaum werden größer und länger, so dass vom Grund des Baches nicht mehr viel zu erkennen ist. Hier ist für meinen Geschmack für diese Art Bilder die Grenze erreicht. Stärkere Filter braucht es da meiner Meinung nach nicht mehr.

Das nächste Bild wurde mit einem ND 8 Filter aufgenommen und wurde 2 Sekunden belichtet. Das Wasser ist jetzt komplett glatt gezogen und hat jegliche Struktur in den Wellen verloren. Wenn wenig Wasser im Bach oder das Gefälle so gering ist , dass das Wasser nur sehr langsam fließt, kann es durchaus erforderlich werden mit Belichtungen um die zwei Sekunden zu experimentieren. Lieber sicherheitshalber eine Aufnahme mehr machen, als zu Hause festzustellen, dass der Zeitraum noch nicht lang genug gewählt wurde.

Das letzte Bild wurde mit einem ND 64 Filter aufgenommen und hat dann bereits 15 Sekunden Belichtungszeit gebraucht. Das Wasser sieht gegenüber der 2 Sekunden Belichtung nicht anders aus, so dass sich aus der Verlängerung der Verschlusszeit meiner Meinung nach kein Vorteil mehr ergibt. Es ist also mehr oder weniger Zeitverschwendung auf zu lange Belichtungen zu warten.

Selbstverständlich gibt es für diese Art der Fotografie auch Möglichkeiten der Verwendung. Verschlusszeiten von 30 Sekunden und darüber bringen beispielsweise an einem See oder am Meer traumhaft minimalistische Bilder hervor. Ein Stein oder eine Reihe von Buhnen am Strand werden bei diesen langen Zeiten malerisch vom absolut glatt gezogenen Wasser umspült, so dass sich hier ein meditativer Ansatz erreichen lässt.

Die hier beschriebenen Zeiten wurden von mir bei völlig bewölktem Himmel in bewaldeter Umgebung erzielt. Bei Sonnenschein kann der Einsatz von stärkeren Filtern zur Erreichung der Belichtungsverlängerung erforderlich werden. Dies gilt es immer im Einzelfall herauszufinden. Jeder Ort und jede Tageszeit mit der veränderten Belichtungssituation erfordert auch ein Anpassen der Filter bzw. der Blende und Belichtungszeit.
Wichtig ist, dass man mit Stativ und der geringsten ISO-Zahl an die Aufgabe heran geht. Bei weitwinkligen Aufnahmen (z. B. 24 mm) wird mit Blende 11 in der Regel so ziemlich alles im Bild scharf abgebildet.
Von hier ab wird der Normalwert der Belichtung abgelesen und dann mit den passenden Filtern die gewünschte Verschlusszeit herbeigeführt.
Am besten nimmt man sich mal einen Nachmittag Zeit und nimmt seine Ausrüstung mit an einen geeigneten Bachlauf und versucht sich mit den unterschiedlichsten Belichtungszeiten – bis einem das Ergebnis gefällt…

Ich wünsche Euch jetzt ganz viel Spaß beim Experimentieren und vor allem allzeit gutes Licht für die erhofften Bilder

Werner Kutter

Was ist der „Sweet-Spot“?

Wem ist dieser Begriff  im Bereich der Fotografie schon einmal begegnet?

Wikipedia bietet einige Erklärungen zu den verschiedensten Bereichen, in denen dieser Begriff Anwendung findet. In der Rubrik Kameraobjektive steht:
Bei einem Kameraobjektiv ist der Sweet Spot jene Blende, bei der ein Objektiv seine beste Schärfe und besten Kontrast erreicht. Bei Zoom-Objektiven wird mit demselben Begriff auch die optimale Brennweite bezeichnet, also wie weit das Objektiv ausgefahren werden muss, um maximale Schärfe zu erzielen. (Quelle Wikipedia)

Warum ist das jetzt wichtig für mich als Hobbyfotograf?
Um die optimale Schärfe im Foto abbilden zu können, müssen einige Faktoren passen. Der Fokuspunkt muss z. B. bei Landschaftsaufnahmen optimaler Weise auf die sog. hyperfokale Distanz (den Abstand, der die Schärfe bis in den Hintergrund – sprich unendlich – ermöglicht) eingestellt sein, die Kamera wird bestenfalls auf ein Stativ gestellt bzw. absolut ruhig gehalten usw.
Jetzt kann es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen immer noch passieren, dass der Eindruck entsteht, das Bild ist irgendwie matschig und nicht ganz scharf.

Da kommt die optimale Blende zur Sprache. Je nach Qualität des Objektivs gibt es einen mehr oder weniger großen Bereich der Blendenöffnungen, welcher ein optimales Abbildungsergebnis bringt. Auch die bei uns Hobbyfotografen üblichen günstigen Kit-Objektive besitzen eine Bereich in dem sie die beste Schärfe erzielen.
Je günstiger das Objektiv war, um so kleiner wird dieser Bereich sein. Und genau deshalb ist es vorteilhaft, wenn wir diesen Bereich kennen.
Stell Dir vor, Du stehst einmal in Deinem Leben am Grand Canyon und zu Hause am Rechner merkst Du, dass alle Bilder irgendwie unscharf sind…
Ärgerlich, oder?
Wenn ich weiß, in welchem Blendenbereich mein Objektiv am schärfsten abbildet, kann ich in diesen Fällen gezielt diese Blendenöffnung wählen, um das optimale Ergebnis zu erzielen.

Folgender Versuchsaufbau wird dafür erforderlich:

Ich stelle die Kamera auf ein Stativ vor einen Tisch o. ä (in meinem Fall habe ich das Bügelbrett gewählt, weil es gerade unnütz im Weg stand). Der Abstand bleibt für jedes Bild mit diesem Objektiv gleich.

Auf dem Tisch wird in geeigneter Weise ein Motiv aufgestellt, so dass es möglichst gerade steht. Der Abstand der Kamera wird in Abhängigkeit von der Brennweite so gewählt, dass das Schriftstück oder die Testkarte formatfüllend abgebildet wird.

Ich habe mir eine Beilage aus einer großen Fotozeitschrift aufgehoben und benutze diese genau für diese Versuche. Alle meine Objektive habe ich auf diese Weise ausgetestet und beschriftet. Solche Vorlagen kann man sich auch aus dem Internet herunterladen und selber ausdrucken. Allerdings sollte der Ausdruck dann auf Karton geklebt werden, damit des wirklich eben aufgestellt werden kann und keine Abbildungsfehler durch Aufrollen oder Falten im Papier entstehen.

Des weiteren muss darauf geachtet werden, dass Kamera und Objekt parallel zueinander ausgerichtet sind.  Sonst wäre auch hier ein Schärfeabfall zu verzeichnen, der aber auf den unterschiedlichen Entfernungen basiert und nicht auf das Objektiv Rückschlüsse zulässt.

Dann stellen wir die Kamera auf Blendenpriorität (Zeitautomatik, die ISO auf den niedrigsten Wert, den eventuell vorhandenen Bildstabilisator aus (auch der kann beim Einsatz auf einem Stativ zu Unschärfen führen!) und, wenn erforderlich, die Spiegelvorauslösung ein. Auch das Hochklappen des Spiegels bei Spiegelreflexkameras kann für kleinste Schwingungen im Inneren der Kamera führen und die Ergebnisse beeinflussen.
Anschließend fokussieren wir auf die Bildmitte und lösen mit der kleinst möglichen Blende aus. In meinem Fall habe ich das kleine 50 mm Canon-Objektiv genommen mit der Anfangsblende von 1.8.

Jetzt machen wir mit der selben Fokussierung (Fokus auf manuell umschalten!) immer weiter Bilder – jedes mal mit einer um einen Wert weiter geschlossenen Blende bis zu kleinst möglichen Blendenöffnung. In meinem Fall ist das die 22.

Anschließend wird das Ergebnis am Rechner betrachtet:

F 2:

F 8:

F22:

In meinem Fall ist es so, dass in den Bereichen der weit geöffneten Blende von 1.8 bis etwa 5.6 die Schärfe deutlich weicher, verschwommener wirkt. Zwischen 8.0 und 13.0 ist die Schärfe nahezu gleichbleibend gut. Zum Ende hin nimmt sie dann wieder spürbar ab, so dass Bilder mit ganz geschlossener Blende bestimmt schöne Sonnensterne erzeugen, aber nicht die beste Schärfe für die gesamte Szene erreichen.

Der Grund für diese Tatsache liegt im Aufbau und Funktion des Objektivs. Mehrere Linsen sind hier in unterschiedlicher Stärke und Wölbung hintereinander verbaut. Vereinfacht beschrieben kann man es sich so vorstellen:
Wenn bei offener Blende nahezu der gesamte Glaskörper von Licht durchdrungen wird, dann geschieht das nach außen hin an unterschiedlichen Krümmungen und Glasstärken. Deshalb erscheinen diese Bilder gerade zu den Rändern hin erheblich unschärfer.
Bei mittlerer Blende wird das Optimum an Abbildungsleistung erreicht, da hier nur der beste Teil der Linsen benutzt wird, die Randbereiche sind durch die  etwas weiter geschlossene Blende ja abgedeckt, so dass nur die große Mitte des Objektivs zur Abbildung herangezogen wird.
Wird die Blende nun ganz geschlossen zwängt sich das Licht durch eine sehr kleine Öffnung. Da der Einfallswinkel von der Frontlinse her nun erheblich weiter ist, als der Raum, den die Blende lässt, wird das Licht an den Kanten der Blende gebrochen und zur Streuung verleitet. Deshalb ist in diesem Bereich der Bildeindruck wieder insgesamt weicher, manchmal auch gerne einmal „matschig“.
Je nach dem, welche Bildaussage getroffen werden soll spricht natürlich z. B. bei Portraits nichts dagegen, mit offener Blende zu fotografieren. Da ist es ja wichtig, das Motiv vom Hintergrund frei zu stellen und ein weiches Bokeh zu erzeugen.

Wie gesagt, habe ich alle meine Objektive getestet und mit kleinen Aufklebern im Objektivdeckel versehen. So kann ich mich immer rückversichern, was ich im entscheidenden Moment für Einstellungen für die optimale Bildwirkung vornehmen kann. Es ist klar, es wird immer ein Kompromiss sein, denn bei Portraits möchte ich ja einen verschwommenen Hintergrund haben und wähle gerade deshalb eine offene Blende. Besonders bei den weiblichen Models wird es hier auch keine Rolle spielen, wenn die Schärfe dann nicht 100 prozentig ist – wer will schon jede Pore im Gesicht knackscharf sehen? Aber es ist gut zu wissen, woran es noch liegen kann, wenn man das Gefühl hat, die Bilder könnten schärfer sein – nicht immer ist gleich ein Fehlfokus des Objektivs der Grund.

Ich hoffe es waren ein paar nützliche Informationen dabei und wünsche Euch für die Bilder allezeit gutes Licht!

Werner Kutter

Wie fotografiert man eigentlich…

… die Milchstraße?

Wer sich für diese Thematik interessiert, der ist hier genau richtig. In diesem Beitrag möchte ich Euch die Grundlagen der Sternen- und Milchstraßenfotografie näher bringen. Wenn man erst mal weiß, wie es geht, wird man überrascht sein, welche Möglichkeiten einem sich hier eröffnen.

Mit den heute käuflichen Digitalkameras ist es eigentlich leicht , das Sternenzelt einzufangen. Das größte Hindernis auf dem Weg zum gelungenen Bild ist die in Mitteleuropa vorherrschende Lichtverschmutzung in den Nächten. Wie Käseglocken hängen die Lichtkugeln über den Städten und beeinflussen so unser Sehen. Durch das Restlicht der Straßenbeleuchtung kann man in der Nähe von Städten nur sehr wenige Sterne wahrnehmen. Richtet man jetzt die Kamera in den Nachthimmel wird entweder der Himmel schwarz, wenn die Beleuchtung mit im Bild ist, oder der untere Bildrand überbelichtet und damit ausgebrannt dargestellt.

Einzige Abhilfe für dieses Problem ist es, sich eine Gegend zu suchen, in der man möglichst weit von der Zivilisation entfernt ist, oder in ein einsames Tal  fahren, in dem die Berge die Beeinflussung größtmöglich abschirmen.
Bei der Suche kann man sich im Internet helfen lassen. Zum Beispiel auf der Seite Dark Site Finder können Karten mit der vorhandenen Lichtverschmutzung angeschaut werden und im Vorfeld zur Planung mit einbezogen werden.
Es gibt auch Plugins für z. B. Google Earth, wenn man sich damit näher auseinandersetzen will. Einfach mal den Begriff „Lichtverschmutzung“ oder „light pollution map“ in die Suchmaschine Deines Vertrauens eingeben – da wird man sicher fündig!

Eine weitere Einschränkungen bieten ausserdem noch die Mondphasen. So richtig dunkel ist es nämlich nur, wenn entweder kein Mond am Nachthimmel ist oder rund um Neumond. Selbst das vom Mond reflektierte Sonnenlicht beeinflusst die Szene so, dass die Michstraße nicht in ihrer vollen Pracht fotografiert werden kann.

Als ich eines Nachts bei uns ins Tannheimer Tal an den Vilsalpsee gefahren bin, war ich fünf Minuten nach Verlassen des Autos vollständig geplättet. Als sich die Augen an die dunkle Umgebung angepasst hatten, war es tatsächlich möglich, die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen. Ein Anblick, den ich so zu Hause nicht genießen kann.

Überall dort, wo dies nicht möglich ist, wäre es von Vorteil, wenn Du Dir eine App auf Dein Smartphone ziehst, mit der vor Ort der momentane Stand der Milchstraße abgecheckt werden kann. Solche Apps sind z. B. Sun Surveyor, Photo Pills oder The Photographers Ephemeris (TPE). Letztes Jahr habe ich über nützliche Apps einen eigenen Beitrag geschrieben – einfach mal klicken
Es ist nämlich ziemlich mühsam, wenn man Stück für Stück den Nachthimmel mit der Kamera absucht – immer wieder ein Bild macht und die Kamera anschließend wieder fünf Grad weiter dreht – bis man die Milchstraße endlich gefunden hat.

Wenn man sich schließlich an seinen gewünschten Ort befindet, sich unter Umständen mitten in der Nacht aus dem Bett gequält hat und alles eingerichtet ist, dann kommt die Frage aller Fragen: Welche Einstellungen soll ich verwenden? Benjamin J. aus B. würde sagen: „Sag‘ ma‘ Einstellungen Digga!“
Das die Aufnahmen nur mit Hilfe eines stabilen Stativs gelingen, muss ich ja nicht extra erwähnen.
Grundsätzlich ist ein Weitwinkelobjektiv mit großer Blendenöffnung (f 2,8 oder besser) sehr vorteilhaft. Mein Sigma 10-20 hat jedoch als kleinste Blende nur f 3,5 und mit diesem Objektiv kann ich noch brauchbare Bilder schießen. Also Blende ganz öffnen (kleinst möglichen Wert wählen).
Die Verschlusszeit sollte nicht länger als 25 – 30 Sekunden sein, da ansonsten die Sterne bereits nicht mehr scharf sind. Sollte man gar nicht glauben, wie schnell sich doch die Erde dreht.
Bei der ISO-Zahl kommt es jetzt stark auf die Kamera an. Neuere Modelle verkraften schon mal 1600 oder auch 3200 ISO. Profi-Modelle auch noch mehr. Bei Einsteigermodellen oder älteren Kameras kann das zum Problem werden. Wenn mit der ISO nicht so hoch gegangen werden kann, werden die Bilder auf jeden Fall sehr dunkel werden. Das bedeutet, die Belichtungszeit müsste verlängert werden, was zu unscharfen Sternen führt usw.
Für meine Kamera, Canon EOS 70D, mit dem bereits erwähnten Sigma-Weitwinkelobjektiv habe ich folgende Werte als brauchbar ermittelt:
Blende f 3,5, ISO 3200, Belichtungszeit 25 Sekunden

Was auch noch zu erwähnen wäre, ist bei der Bildkomposition auf einen Vordergrund zu achten. Einfach nur den Nachthimmel vor einer schwarzen Landschaft aufzunehmen ist nicht das Rezept für ein schönes Bild.
Wenn es etwas gibt, was in der Dunkelheit zu verschwinden droht, hilft eine Taschenlampe, die man bei der nächtlichen Exkursion sowieso dabei haben wird, sehr gut weiter. Einfach innerhalb der Belichtungszeit für ca. 5 Sekunden das Objekt mit der Taschenlampe anstrahlen und schon hat man etwas interessantes im Vordergrund vor der Milchstraße.
Im Winter gelingen die Bilder besser, als im Sommer, da erstens der Nachthimmel klarer ist und zweitens bei den kühleren Temperaturen das Rauschverhalten des Kamerasensors erheblich besser ist.

Ich hoffe, es war wieder etwas interessantes für Euch dabei. Es gibt im Internet unzählige Abhandlungen zu diesem Thema – manche machen eine kleine Wissenschaft daraus. Für meine Zwecke reichen die genannten Einstellungen, welche von Fall zu Fall im geringen Umfang modifiziert werden können. Probiert es einfach aus.

Ich wünsche Euch für die Ausflüge in die Nachtfotografie trotzdem allzeit gutes Licht, auch wenn augenscheinlich nicht viel davon zu sehen sein wird.

Werner Kutter

 

 

Makros im Wohnzimmer


Was tun, wenn das Wetter so gar nicht zum draußen sein einlädt? Keller aufräumen? Faulenzen? Alte Bilder sichten und aussortieren? Oder vielleicht mal was neues ausprobieren?
Da bin ich doch gleich dafür, neue Techniken zu üben oder zu erlernen. Wie wäre es z. B.. damit: Wir bauen ein provisorisches Studio auf dem Wohnzimmertisch auf und fotografieren mal Dinge des alltäglichen Lebens im Großformat. Makros im Wohnzimmer halt.

Eins vorweg: Nicht immer braucht man für Makros auch ein Makroobjektiv. Die handelsüblichen Objektive lassen auch Nahaufnahmen zu, welche zwar streng genommen keine Makros sind, weil der Maßstab 1:1 oder größer nicht erreicht werden kann, für Hingucker können sie trotzdem sorgen.
Die Mandarine wurde z. B. mit einer Normallinse bei 135 mm aufgenommen und wirkt durch die Durchleuchtung und den engen Bildausschnitt vor dem Fenster auch wie ein Makro.

Bei den Makros im Wohnzimmer geht es darum, Alltägliches einmal durch das Auge des Fotografen zu sehen. Mit ein bisschen Übung kommen einem von ganz alleine spannende Ideen und damit auch tolle Bilder. Ich behaupte von mir, dass ich auch nicht unbedingt der Kreativste bin, doch mit ein bisschen Phantasie können mit den einfachsten Mitteln tolle Ergebnisse erzielt werden.
Hier zum Beispiel ein Wasserglas mit klarem Boden – ein wenig Wasser, ein paar Tropfen Speiseöl – das ganze auf drei farbige Blätter gestellt und senkrecht von oben fotografiert. Eine Minute Aufbau – ein tolles Bild! Das ganze funktioniert natürlich auch auf einer farbigen Tischdecke, einem gemusterten Tuch u. ä.

Bei der ganzen Sache können gleichzeitig mehrere Komponenten trainiert werden: z. B. das manuelle Fokussieren. Dazu den Autofokus ausschalten, im Liveview die maximale Vergrößerung und den zu fokussierenden Ausschnitt wählen und dann von Hand den Fokusring drehen, bis das Objekt der Begierde am schärfsten dargestellt wird.
Selbst die Staubkörner neben dem Stift sind bei der Schärfe noch zu erkennen. Erwähnenswert ist auch, dass bei der Arbeit mit dem Stativ auch unbedingt der interne Verwackelungsschutz am Objektiv oder in der Kamera abgeschaltet werden sollte. Ebenso führt das Einschalten der Spiegelvorauslösung zu schärferen Ergebnissen. Weiter sollte darauf geachtet werden, dass Kamera und Objektiv absolut gerade auf das Motiv ausgerichtet werden, da schon kleinste Abweichungen der Parallelität zu sofortiger Minderung der Schärfe führt. Im Bereich der Nahaufnahme ist die Schärfentiefe manchmal nur wenige Millimeter groß.
An dem eingerollten Blatt ist schön zu sehen, dass nur wenige Millimeter oberhalb der planen Fläche bereits die Unschärfe beginnt.
Ebenso bietet sich an, mit Blitz und/oder Diffusor zu experimentieren und die Lichtlenkung zu beobachten und zu beeinflussen. Eine gute Gelegenheit bietet sich auch einmal den manuellen Modus der Kamera intensiv zu untersuchen. Wie ändert sich die Belichtung bei Veränderung der einzelnen Komponenten Blende, Zeit und ISO? Wie ändert sich die Schärfentiefe bei unterschiedlichen Blendenöffnungen? Wieviel ISO kann die Kamera vertragen, bevor das Rauschen störend wird?
Alles Dinge, die einmal in Ruhe ausprobiert werden können und in Zukunft hilfreich sind – Lesen hilft viel, aber selber machen vertieft das ganze theoretische Wissen um ein Vielffaches. Ein bis zwei Stunden in häuslicher Umgebung ohne Ablenkung durch Witterungseinflüsse können die fotografischen Fähigkeiten enorm voran bringen.
Selbst mit einer handvoll Buntstiften lassen sich die unterschiedlichsten Formen und Farbabfolgen legen, so dass hier der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt sind.

Also traut Euch ruhig einmal mit offenen Augen durch die Wohnung zu gehen und Sachen, die sonst einen ganz anderen Zweck erfüllen, zu fotografieren. Für den Aufbau reicht wie gesagt ein Tisch, wenn möglich am Fenster, leichte Gardinen als Diffusor und schon hat man herrlich weiches Licht und kann los legen. Für ein gutes Gelingen wünsche ich Euch allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Was ist eigentlich ein HDR-Bild?

In diesem Beitrag möchte ich Euch erklären, was es mit dem Begriff „HDR-Bild“ auf sich hat.
Dazu werde ich als erstes erklären,  was das kryptische Kürzel für eine Bedeutung hat. HDR ist die Abkürzung für den englischen Begriff „High Dynamic Range“ was soviel bedeutet, wie grosser Dynamikumfang. Der Dynamikumfang beschreibt den Bereich zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Punkt einer Szene,  bzw. eines Bildes.
Das menschliche Auge ist in Zusammenarbeit mit unserem Gehirn hier jeder  Kamera bzw. dem Sensor in der Kamera weit überlegen.  Unsere Augen können einen Dynamikumfang von 20 Blendenstufen wahrnehmen.  Zum Vergleich: aktuelle Sensoren moderner Spiegelreflexkameras schaffen gerade mal 12 Stufen im unkomprimierten RAW-Modus und 8 Stufen im jpeg-Modus.
Daraus ergiebt sich, dass bei Motiven mit einer großen Bandbreite zwischen hellen und dunklen Bildteilen bei den Kameras Abstriche in kauf genommen werden müssen. Entweder die hellen Bereiche werden überbelichtet  (die Lichter sind ausgefressen) oder die dunklen unterbelichtet  (die Tiefen saufen ab). Soll heißen,  in den Lichtern sind Bereiche rein weiß,  ohne Zeichnung,  bzw. in den Tiefen sind Teile rein schwarz, ebenfalls ohne Informationen für eine Wiederherstellung.  Diese kann man am Computer mit Bildbearbeitungsprogrammen wie z. B. Lightroom versuchen. Werden hier jedoch die Lichter zu sehr zurück genommen,  werden diese Bereiche gerne grau und etwas „matschig „. Bei der Anhebung der Tiefen wiederum stellt sich schnell störendes Rauschen ein, welches ebenfalls ein gutes Bild unbrauchbar machen kann.
Was also tun, um einen möglichst großen Helligkeitsumfang in ein Bild zu bekommen? Hier kommt jetzt die HDR-Technik zum Einsatz. Lange Zeit war dieser Begriff Synonym für fast schon psychodelisch bunte Bilder, welche nichts mehr mit der natürlichen Wahrnehmung zu tun hatten.
Die Programme von damals (z. B. Photomatix oder HDR-Pro) berechneten so knallhart alles zusammen,  dass jegliche Natürlichkeit auf der Strecke blieb. Heute kann man in Lightroom die Bilder ganz „sanft“ verrechnen lassen, um z. B. anschließend die Tiefen ohne Rauschen aufhellen zu können und die natürliche Bildaussage nicht zu zerstören.
Wie ist also die Vorgehensweise,  um zu einem HDR-Bild zu gelangen?
Die besten Ergebnisse erzielt man natürlich vom Stativ aus, da mehrere Aufnahmen der gleiche Szene möglichst kurz hintereinander angefertigt werden müssen. Bei entsprechend kurzen Verschlusszeiten kann es durchaus auch „aus der Hand “ funktionieren,  sicherer ist es jedoch mit einem Stativ. Alle modernen Kameras bieten einen Modus, welcher sogenannte Belichtungsreihen erstellen lässt.  Meist ist der Modus bei den Belichtungskorrektureinstellungen und nennt sich „automatische Belichtungsreihe“, „AEB“ oder ähnlich.

Im Menü wird eingestellt,  wie viele Aufnahmen gemacht werden sollen. Standard wird meist 3 Bilder sein, es können fast immer auch 5, 7 oder sogar 9 Aufnahmen eingestellt werden. Hier muss bitte jeder in seiner Beschreibung der Kamera nachlesen,  wie genau diese Wahl getroffen wird. Beim  Einstellen des Modus wählt man dann noch aus, wie weit die einzelnen  Belichtungen auseinander liegen sollen. Bei drei Bildern wählt man z. B. eine normale, eine um eine Stufe unterbelichtete und damit eine um eine Stufe überbelichtete Aufnahme.
Bei meiner Canon EOS 70D habe ich festgestellt,  dass die Kamera im Live-View-Modus die Aufnahmen direkt nacheinander ausführt, während normal jedes Bild separat ausgelöst werden muss.
Man kann die Belichtungsreihe im manuellen Modus natürlich durch Änderung der Belichtungszeit selbstverständlich auch manuell erstellen – das Ergebnis wird das selbe sein. Doch Vorsicht: Wenn sich Bildteile in Bewegung befinden (z. B.. Wolken) kann die Zeit zwischen den Belichtungen zu lange werden und beim Zusammenfügen entstehen seltsam aussehende Artefakte.

Bei der Auswahl von 3 Belichtungen erhält man als Ergebnis ein normales,

ein zu helles

und ein zu dunkles Bild.

Aus dem zu hellen nimmt das Programm die Infos für die Schatten (dunkle Bildteile) und aus dem zu dunklen die für die Lichter (helle Bildteile). Beides wird mit dem korrekt belichteten Foto verrechnet,  so dass nun beim reduzieren der Lichter und dem Anheben der Schatten mehr Spielraum entsteht. Es können mehr Details wieder hergestellt werden, ohne Störungen im Bild zu erzeugen.

Zusammenfügen lassen sich die Bilder z. B. in Lightroom indem die Bilder markiert werden und mit einem rechten Mausklick zusammenfügen zu… HDR ausgwählt wird. Als Ergebnis erhält man eine neue Datei mit dem Zusatz HDR im Namen und erheblich größerem Dynamikumfang.  Die Weiterentwicklung des Fotos kann dann wie gewohnt erfolgen. Allerdings sollte man trotz aller Reserven das Spiel mit den Reglern nicht übertreiben um einen natürlichen Touch zu behalten.
Es gibt auch Programme, die außerhalb von Photoshop und Lightroom funktionieren z. B. hat Macphun gerade das Programm Aurora HDR 2018 für PC-User auf den Markt gebracht.

Ich hoffe, der ein oder andere Tipp war wieder dabei und die Neugier auch mal so ein Bild zu kreieren ist geweckt. Ich wünsche Euch dafür viel Erfolg und allzeit gutes Licht!
Werner Kutter

Tierfotografie – Mein Hund ist mein Model…


Jeder, der ein Haustier sein eigen nennt und sich für die Fotografie interessiert, möchte auch einmal schöne Bilder von seinem Tier haben. In diesem Beitrag möchte ich anhand einiger Beispiele aufzeigen, was geht und was man unterlassen sollte. Die Tipps gelten unabhängig der Tierart und Rasse.

Zunächst einmal ein paar no-gos – was man vermeiden sollte:

1. Fotografiere nie von oben herab!
Bilder aus der menschlichen Augenhöhe sind bequem und schnell gemacht, sehen gewohnt aus und wirken dadurch leider auch schnell langweilig. Jeder Smartphone-Besitzer kann solche Fotos machen, wir nicht. Wir können es besser!
Besser ist es nämlich, wenn wir uns auf Augenhöhe mit dem Tier begeben – auch wenn es für fast alle Tiere bedeutet, dass wir uns auf den Boden legen müssen!

2. Die Richtige Brennweite verwenden!
Wie bei der normalen Porträtfotografie auch sollten die Weitwinkelbereiche des Objektivs vermieden werden. Der Weitwinkel zwingt uns zwar näher ans Modell heran, führt aber auch zu unschönen Verzerrungen in der Abbildung:

Wir verwenden ein Objektiv, welches oberhalb von 50 mm arbeitet und für Porträts Bilder ohne Verzerrungen erlaubt. Außerdem haben wir so die Möglichkeit, aus der Entfernung zu beobachten und wenn es interessant wird, ein Bild zu machen. Die Kamera wird für Porträts eingestellt, damit der Fokus schön auf dem Tier liegt und der Hintergrund möglichst aus dem Schärfebereich heraus fällt. Also offene Blende, so um die 5.6 – noch weiteres öffnen der Blende birgt die Gefahr, dass die Schnauze scharf ist, jedoch schon die Augen in der Unschärfe liegen. Und wenigstens das nahe liegende Auge sollte scharf sein.

Idealerweise läuft das Tier auf uns zu. Schöner ist es auf jeden Fall, den Blick einzufangen, als das Hinterteil. Porträts bieten sich an in der Frontalansicht
in der Seitenansicht
oder auch aus ungewöhnlichen Winkeln, etwa wenn der Hund über die Schulter blickt.


Ganz besonders interessant finde ich auch, wenn man sich auf Details konzentriert und diese schön zur Geltung bringt, wie z. B. eine Pfote
Im Action-Bereich sind natürlich alle Möglichkeiten offen. Beim Toben im Garten sollte die Kamera jedoch anders, als beim Porträtieren eingestellt werden. Hier empfiehlt es sich, die Kamera auf den Serienbildmodus umzustellen, den Fokus nachführen zu lassen (damit bei Änderung der Entfernung zum Tier das Bild weiter scharf bleibt) und darauf zu achten, dass die Verschlusszeit nicht unter 1/250 s fällt, damit keine Bewegungsunschärfe auftritt. Und dann: Feuer frei!
Schön ist es auch wenn beim Spaziergang, z. B. im Winter einfach mal dokumentiert wird, wie wohl das Tier sich fühlt.
Bleibende Erinnerungen – Momente, festgehalten in einem Bild, das aussagt, wir haben gemeinsam etwas erlebt.
Und nicht zu vergessen auch hier gibt es Details zu entdecken, welche sich irgendwann als kleiner Schatz entpuppen können.
Lasst Eurer Fantasie einfach freien Lauf . Fotografieren heißt auch experimentieren. Learning by doing! Es gibt kein Richtig oder Falsch. Jeder hat seinen eigenen Geschmack und weiß selbst am besten was ihm gefällt. Also los! Raus, Probieren, Machen, Tun!

Ich hoffe ich konnte Euch ein paar Tipps und Anregungen geben und wünsche Euch für das kommende Haustiershooting allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

P.S. In memorian Roy 20.10.2001 – 24.01.2017
Der beste Lehrmeister, den man sich vorstellen konnte…

Das Mysterium – das Histogramm


Das Histogramm erschließt sich noch nicht allen Hobby-Fotografen und wird deshalb auch zu oft nicht beachtet. Was hat es mit diesem mysteriösen Diagramm auf sich? In diesem Beitrag möchte ich den Schleier lüften und eine Einführung in die sinnvolle Verwendung der Grafik geben.

Ein Histogramm ist grundlegend einmal eine grafische Darstellung einer Häufigkeitsverteilung. In der digitalen Fotografie versteht man darunter die Häufigkeit der Helligkeitswerte in einem Bild. Das Histogramm erlaubt uns also eine Aussage zu treffen, über diese vorkommenden Werte und über den Kontrastumfang und die Helligkeit des Bildes.
Eingesetzt werden kann das Tool zur Bewertung des Bildes natürlich in der Nachbearbeitung – wobei es hier dann oft zu spät ist und das Bild nur noch in marginal korrigiert werden kann. Viel besser ist es, wenn man sich das Histogramm schon beim Fotografieren in der Kamera anzeigen lässt und so das Bild bereits vor Ort mit der richtigen, ausgewogenen Belichtung aufgenommen wird. Hier sollte sich jeder einmal schlau machen, wie genau die Anzeige des Histogramms an seiner Kamera aktiviert wird. Soviel vorweg: Es lässt sich bei so gut wie jeder Digitalkamera einblenden.

Schauen wir uns das Histogramm einmal an:
Die Werte unterhalb der Kurve sind die Einstellungen der Kamera bei diesem Bild und spielen erst mal keine Rolle.
Der Graph zeigt von links nach rechts die Häufigkeit des Auftretens von dunklen zu hellen Bildinhalten an.
Wenn jetzt am linken Rand eine Erhebung angezeigt wird, dann ist das ein Signal dafür, dass das Bild eventuell unterbelichtet ist Besteht aber, wie hier beim Sonnenuntergang an der Nordsee, das Bild hauptsächlich aus dunklen Bereichen, dann ist das in Ordnung. Vorsicht ist trotzdem geboten, da ganz am linken Rand eine scharfe Spitze zu sehen ist, was gleichbedeutend ist, dass einige Bildteile rein schwarz sind und somit keine Zeichnung mehr in den Tiefen vorhanden ist. Man sagt in diesem Fall, dass die Tiefen “abgesoffen“ sind. Mit der Über- und Unterbelichtungswarnung kann die Kamera diese Bereiche durch ein Blinken anzeigen und wir können dann entscheiden, ob es sich um bildwichtige Inhalte handelt und somit die Belichtung angepasst werden muss.

Ein ausgewogenes Histogramm lässt an beiden Rändern etwas Luft – bzw. läuft zu den Rändern hin flach aus. Hier sind dann noch genügend Reserven, um in der Nachbearbeitung die Kontraste anzuheben und somit die gesamte Bandbreite auszunutzen, ohne dass die Tiefen absaufen oder die Lichter ausbrennen.

Analog zu den Tiefen verhält es sich auch mit den hellen Bildanteilen, den Lichtern. Wenn die Kurve nach rechts ansteigt, dann besteht die Gefahr, dass es überbelichtete Stellen im Bild gibt, die keine Zeichnung mehr haben. Dann spricht man von “ausgefressenen“ Lichtern. Sollte das Bild jedoch aus hauptsächlich hellen Anteilen bestehen, so ist es auch wieder ganz normal, dass der Graph nach rechts verschoben ist. Wichtig ist jedoch vor allem bei Bildern vom Schnee, dass die Lichter nicht ausgefressen sind und der Schnee noch Zeichnung hat. Sonst würde er zu einem einzig weißen Brei verschmelzen und das Bild wäre nicht mehr zu retten.

Generell ist fest zu halten, dass eher versucht werden sollte, die Belichtung auf die hellen Bildteile auszurichten und eher gering überbelichten, als unterbelichten.  Korrekturen von zu hellen Stellen sind leichter durchzuführen, als zu dunkle Stellen aufhellen zu wollen. Dieses Aufhellen führt in der Regel schnell zu unerwünschtem Rauschen, welches das Bild dann unansehnlich werden lässt. Ein Zurücknehmen der LIchter verzeiht das Material in der Regel eher. Womit wir jetzt an dem Punkt wären, an dem es sich von selbst erklärt, warum es besser ist, das Histogramm bereits vor Ort zu überprüfen. Daheim am PC ist es für umfangreiche Korrekturen zu Spät!

Ganz wichtig noch zu erwähnen: Wann immer es geht und die Kamera es auch zulässt, sollte im RAW-Modus fotografiert werden. Die Bearbeitung ist dann zwar unabdingbar, jedoch sind so viel mehr Informationen in den Rohdaten, als in einem, von der Kamerasoftware komprimierten, jpeg-Bild. Alle Bilder sind bearbeitet – warum die Arbeit der Kamera überlassen, die gar nicht wissen kann, was der Fotograf mit dem Bild aussagen möchte.

Passt also bitte zukünftig schon bei der Aufnahme auf das Histogramm auf, ihr wisst ja jetzt, warum. In diesem Sinne wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Zeit zum fotografieren…


…nehmen ist eine gute Voraussetzung für gelungene Bilder.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ebenso wichtig ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Man kann den Sonnenaufgang nunmal im Sommer nur vor 6 Uhr einfangen. Da muss der Langschläfer schon mal durch!
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die Uhrzeit keine große Rolle spielt, ist es sehr wohl ein großer Unterschied, ob die Sonne flach am Horizont oder steil am Himmel steht. Und das war der größte Fehler, den auch ich sehr lange begangen habe – ich habe zu wenig früh morgens und spät abends fotografiert und diese Gegebenheiten zu lange zu wenig beachtet.

Oder auch bei schlechtem Wetter. Die heute erwerbbaren Kameras sind alle soweit spritzwassergeschützt,  so dass ein leichter Regenschauer der Elektronik nichts ausmacht. Man muss ja nicht direkt in den Dauerregen stehen, aber ein paar Regentropfen kann jede Kamera ab. Generell ist das Fotografieren tagsüber bei bewölktem oder bedecktem Himmel besser, als wenn die Sonne runterknallt. Bei oder kurz nach dem Regenschauer kommen noch viele weiteren Motivmöglichkeiten hinzu, die schnell übersehen werden: Spiegelungen im Wasser, in Pfützen. Oft lassen sich so kuriose Motive ablichten, bei denen die Welt quasi auf dem Kopf steht.

Oder ein schöner Regenbogen spannt sich am Himmel von einer Seite auf die Andere.

Tagsüber bei hellem Sonnenschein sind die Gegebenheiten meist ungünstig. Personen kneifen die Augen zu, Gebäude und deren Teile werfen äußerst kurze Schatten, so dass die dreidimensionalität der Dinge nahezu verloren geht. Viele Motive werden dadurch schlicht flach, kontrastarm und bei vielen Situationen wird der Sensor der Kamera schlicht überfordert, da er bei weitem nicht diesen großen Dynamikumfang, wie das menschliche Auge abbilden kann. Hier wird dann entweder der helle Bildteil überbelichtet oder das dunkle schlicht schwarz. Wenn man nicht gerade Silhouetten im Gegenlicht aufnehmen will, wartet man leichter, bis z. B,. durch eine Wolke das Licht indirekter und diffuser wird.

Die beste Zeit für Fotografen ist, ohne Zweifel, früh morgens oder am Abend. Morgens hat man den Vorteil, dass z. B. an Seen und Gewässern noch kaum Wind herrscht und so die Szenerie allgemein ruhiger ist. Für die Fotografie mit dem vorhandenen Licht (avaiable light) sind die Zeiten wie folgt aufgeteilt:  Die Nacht, die morgendliche Blaue Stunde und die goldene Stunde am Morgen. Am Abend wiederholt sich das Spektakel in umgekehrter Reihenfolge.
In der Nacht ist der Himmel in der Regel tief schwarz. Hier kann allenfalls der Sternenhimmel, mit der Milchstraße rund um Neumond, fotografisch verwertet werden. Ansonsten muss mit zusätzlichem Lichteinsatz fotografiert werden.

Der Begriff mit der blauen und goldenen Stunde soll nicht bedeuten, dass diese Lichtsituation genau diese Zeitspanne anhält –  nein, das ist eher redensartlich gemeint. Denn je nach Jahreszeit und Ort an dem man sich befindet, ändert sich dieser Zeitraum dramatisch. So sind die Phänomene rund um den Äquator fast gar nicht feststellbar, je näher man den Polen kommt, um so länger dauern diese Phasen bis hin zur Mitternachtssonne am Polarkreis, die wiederum die blaue Stunde und die Nacht verhindert.
Noch lange bevor der erste Sonnenstrahl den Horizont erhellt ändert sich das schwarz der Nacht in ein tiefblau – das erste Licht, welches sich fotografisch abbilden lässt.

Nach der blauen Stunde kommt das eigentliche Farbspektakel, wenn die Sonnenstrahlen den Horizont überqueren. Die Sonne muss hierzu noch gar nicht aufgegangen sein – die Farben sind da, angefangen von einem Ton in Richtung Margenta

der später dann  dominiert wird vom Orangerot der Sonne. Die goldene Stunde hat angefangen.

Wenn die Sonne schließlich der Horizont überquert hat, dauert es nicht mehr lange, bis das Farbenspiel zu Ende geht. Rund um die Mittagszeit – etwa zwischen 10 und 16 Uhr im Sommer – ruht der Landschaftsfotograf, da jetzt die denkbar schlechteste Zeit ist für schöne Bilder. Erst am Abend, wiederholt sich das Spiel in umgekehrter Reihenfolge. Dann wird es wieder Zeit seinen Spot aufzusuchen und nach dem besten Bildauschnitt ausschau zu halten.

Damit möchte ich es für heute belassen und wünsche Euch für Eure Sonnenauf- und untergänge allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Der Unterschied zwischen Pol- und ND-Filter


Beim Einsatz von Filtern in der Natur- und Landschaftsfotografie fragt man sich oft: Was bringt das eigentlich? Heute möchte ich Euch anhand von Bildern zeigen, wie die beiden Filtertypen Polfilter und ND-Filter eingesetzt werden können und was sie bewirken.

In meinen Beispielen beziehe ich mich auf die Wirkung der Filter um die Verschlusszeit zu verlängern und so Langzeitbelichtungen möglich zu machen. Warum möchte ich das jetzt haben? Weshalb soll ich mit längerer Verschlusszeit fotografieren?
Wir begeben uns zur Beantwortung dieser Frage in den Nationalpark Harz nach Niedersachsen. Hier am Oberlauf der Warmen Bode habe ich Bilder des fließenden Wassers ohne jeglichen Einsatz von Filter gemacht.
Mir ist klar, dass es sich mit den Bildern von fließendem Wasser verhält, wie mit allem in der Fotografie: der persönliche Geschmack entscheidet. Mir gefallen die Bilder an sich ganz gut, jedoch fehlt mir bei der Ansicht des Wassers, wie es über die Felsen schießt und sich um die Blöcke windet, das gewisse Etwas.

Diese Aufnahmen sind für mich zu gewöhnlich, denn jeder Spaziergänger mit einem halbwegs modernen Smartphone kann solche Aufnahmen machen. Dafür braucht es keine Spiegelreflexkamera und keine besonderen Kenntnisse über die Belichtungstechniken in der Fotografie. Das sind lediglich Schnappschüsse,  die heute jeder im vorbei gehen knipst.

Also: Stativ raus, Kamera drauf geschraubt und mal den ND-Filter ausprobieren.
Der ND-Filter (Neutraldichtefilter oder auch Graufilter) kann direkt auf das Gewinde vorne am Objektiv geschraubt werden oder auch über Adapter und Aufnahmevorrichtungen als Rechteckfilter vors Objektiv geschoben werden.
ND-Filter sind vereinfacht beschrieben, eine graue bis schwarze Scheibe, die es in unterschiedlichen Stärken gibt, welche dann jeweils die Lichtmenge, welche durchs  Objektiv auf den Sensor trifft, reduziert.
Ich besitze ND 8, ND 64 und ND 1000 Filter, welche je nach Einsatz einzeln verwendet werden. Je heller die Umgebung und/oder je länger die Verzögerung ausfallen soll, um so höher muss die Zahl auf dem Filter sein. Für minutenlange Langzeitbelichtungen am Tag, um z. B. Menschen aus Bildern verschwinden zu lassen, wird mindestens der ND 1000 fällig.
In meinem Fall hatte ich Glück, denn es war ein bedeckter Tag und ich war umgeben vom Wald des Harz, so dass es schon von vorne herein nicht allzu hell war.
Mit dem ND8 Filter kann die Belichtung bereits so viel verlängert werden, das auf dem Wasser feine, weisse Schlieren entstehen. Belichtungszeiten von 1 bis 2 Sekunden reichen völlig und schon umschließt  das Wasser seidenweich die Felsblöcke.

Allerdings tritt jetzt auch ein zweiter Effekt in Erscheinung :die Oberfläche des Wassers spiegelt und lässt uns den Grund des Bachs nicht mehr erkennen.  Wen dies stört, der greift einfach zum nächsten Filter : der Polarisationsfilter. Diesen verwende ich jetzt aber nicht zusätzlich,  sondern anstatt dem ND-Filter. Die Abdunklung ist geringer als beim ND 8, dies kompensiere ich dadurch, dass einfach die Blende weiter gescllossen wird. Und wie gesagt: schon 1 Sekunde reicht.  Im folgenden Bild verwendete ich den Polfilter bei Blende 16 und erreichte die gewünschte Belichtungszeit. Dann wird vor dem Auslösen der Ring am Filter so weit gedreht,  bis das Wasser wieder durchsichtig wird.

Die genauen physikalischen Eigenschaften des Filters kann jeder selbst u. a. auf Wikipedia  (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Polarisationsfilter) nachlesen. Was wirklich jeder wissen muss sind die Einsatzmöglichkeiten des Filters:
1. Das Entfernen unerwünschteer Spiegelungen.  Das funktioniert sowohl bei Wasser als auch bei Glas.
2. Das Verstärken von Farben bei Sonnenschein.
Allerdings muss hier für den vollen Effekt ein Winkel von 90 Grad zwischen Sonne un Linse eingehalten werden.  Das bedeutet,  nur wenn Dir die Sonne auf die Schulter scheint, kannst Du den Effekt nutzen. Sonne von vorne oder hinten – keine Chance.

Hier nochmal zum Vergleich die drei Varianten nebeneinander: von oben nach unten: ohne Filter, ND-Filter, Polfilter

Generell ist beim Kauf der Filter schon auf Qualität zu achten, denn die günstigen No-Name-Produkte hinterlassen schnell einen Farbstich auf den Aufnahmen, welcher dann hinterher wieder mühsam entfernt werden muss. Ich hatte am Anfang auch günstige, bin jetzt vor kurzem auf Filter von Haida umgestiegen. Frei nach dem Motto : wer billig kauft kauft zwei mal.

Ich hoffe,  die kurze Einführung war hilfreich und wünsche euch,  wie immer, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Fotoprojekt 1: Portraitiere Deine Heimatstadt – Teil 2


Am Anfang habe ich mir nur vorgestellt, was ich wohl fotografieren würde, wenn ich hier, in Memmingen, im Urlaub wäre. Was wären die Motive, die ich mit nach Hause nehmen wollte? Welche Gebäude, welche Ansichten sind charakteristisch für diese schwäbische Stadt?
Dieses Projekt kann auch ein Langzeitprojekt werden. Solange man nicht weg ziehen muss, kann einen das durchaus mehrere Jahre beschäftigen, ohne den riesigen Aufwand zu verursachen. Warum nicht mal ein bestimmtes Gebäude, einen Baum, ein Denkmal usw. zu den verschiedenen Jahreszeiten abbilden? Möglichkeiten bilden sich hier viele.
Memmingens Fußgängerzone wurde beispielsweise die letzten Jahre aufwändig renoviert. Hier kamen auch Spezialisten der Objektbeleuchtung zum Einsatz.
Und so erstrahlt diese Gasse mit jedem Durchgang in einem neuen Licht.
Ein Standort, ein Motiv und doch immer wieder ganz andere Bilder.

Ganz nebenbei lässt sich so auch einmal der manuelle Modus der Kamera erkunden. Was gibt’s zu verlieren? Ein paar Bilder für den virtuellen Papierkorb! Ihr glaubt gar nicht, wie schnell man den Modus lernen kann – wenn man ihn erst mal ein paar Tage benutzt. Man muss sich nur über die drei wichtigsten Faktoren des „Belichtungsdreiecks“ im Klaren sein:

ISO:
Die  ISO-Zahl bestimmt, wie empfindlich der Sensor auf Licht reagiert. Niedrige ISO – viel Licht wird benötigt; hohe ISO – wenig Licht wird benötigt. Doch Vorsicht: Bei zu hohen ISO-Zahlen droht Rauschen in den dunklen Bereichen der Bilder.

Blende:
Die Blende ist die Größe der Öffnung  im Objektiv. Eine große Blende lässt zwar viel Licht durch, jedoch beschränkt sich der Schärfebereich dann nur auf einen engen Bereich um den Fokuspunkt herum (ideal für Portraitaufnahmen). Je kleiner die Blendenöffnung wird, um so größer wird dieser Bereich, so dass bei optimalen Einstellungen vom Vordergrund bis zum Horizont alles scharf abgebildet ist (optimal für Landschaftsaufnahmen).

Belichtungszeit:
Mit der Belichtungszeit ist die Spanne gemeint, die der Verschluss vor  dem Sensor geöffnet bleibt und das Licht darauf treffen kann. Hier muss entschieden werden, ob man die Szene scharf darstellen will – etwa einen vorbei fahrenden Radler mit 1/500 oder gar 1/1000 Sekunden – oder ob die Bewegung durch „Verwischen“ gezeigt werden soll – dann den Radler doch lieber mit 1/20 Sekunden oder länger belichten.
Bei so einem Langzeitprojekt können auch Zusammenhänge heraus gearbeitet werden. In Memmingen beispielsweise gibt es das Bildnis eines Storchennestes an einem Gebäude.
Schön ist es dann doch, wenn man beweisen kann, dass die Abbildung der Realität entspricht.
Ganz wie von selbst fallen einem dann die Motive förmlich vor die Füße. Man muss sich nur auch die Zeit geben, die Bilder kommen dann oftmals auf einen zu und man braucht nicht suchen.
In der altstädtischen Kulisse der ehemaligen freien Reichsstadt ist es nicht schwer, gute Bilder zu machen. Bei aller Freude an kompletten Straßenzügen, so darf auch hier experimentiert werden und vielleicht ist weniger sogar manchmal mehr.
Es muss nicht immer das gesamte Gebäude abgebildet sein, um interessante Bilder zu machen. Mit solchen Details und Ausschnitten zeigt man sogar, dass man sich Gedanken macht bei der Bildgestaltung und nicht einfach so drauf los knipst.
Vielleicht wurde der Eine oder Andere ja inspiriert und beginnt nun sein persönliches Projekt. Ich würde mich auf jeden Fall freuen und wünsche Euch für alle aktuellen und zukünftigen Vorhaben allzeit gutes Licht!

Werner Kutter