Südtirol

Ich möchte in den nächsten Wochen von unserer Reise nach Südtirol berichten. Von den Wanderungen und den Bildern, die ich dabei geschossen habe.
Damit ich mich nicht ständig wiederhole möchte ich ein paar allgemein gültige Erkenntnisse der 10 Tage gleich vorweg schicken.

O. K. Ich weiß ich kann nicht über ganz Südtirol „urteilen“ – wir waren ja nur rund ums Pustertal. Doch vieles gilt sicherlich auch an anderen Orten.

Ich werde zuerst über unsere erlebnisreiche Wanderungen berichten und zum Schluss noch einen Artikel schreiben, in dem ich über unsere Unterkunft und die besuchten Restaurants erzähle. Das soll die Reportage insgesamt noch abrunden.

Aber jetzt erst mal der Reihe nach und hier kommen die allgemeinen Hinweise:

1.Die Höhe

Da viele Menschen es nicht gewohnt sind sich in der Höhe zu bewegen gilt mein besonderer Hinweis dieser Tatsache. Weite Teile Südtirols liegen über 1000 m. Fährt man dann noch ein wenig rum und hoch und wandert noch ein paar Steigungen ist man schnell nahe der 2000 m, ohne es gross zu bemerken. Deshalb Augen auf bei der Routenplanung und die Höhe mit beachten. Ich werde versuchen, nach bestem Wissen, bei jeder Wanderung die Höhenlage und die zurückzulegenden Höhenmeter anzugeben.

Alle Angaben beziehen sich auf unseren Aufenthalt im August 2019. Eventuelle spätere Änderungen kann ich leider nicht mit einfliessen lassen.

2. Die Verkehrsregeln 

Auf den teils sehr kurvigen Landstraßen bemerkt man schnell den Unterschied zwischen Einheimischen und Urlaubern; Die Touris halten sich an die Verkehrsregeln. Die Einheimischen überholen generell immer, wenn man sich ans Tempolimit hält – und zwar trotz Überholverbot! Beispielsweise war ich dabei einen der häufig zu findenden Radfahrer zu überholen, als ich gleichzeitig noch von einem Motorrad überholt wurde – es war ja noch ein dreiviertel Meter Platz auf der Straße. Also die Nerven schonen und alles etwas lockerer sehen – die deutsche Korrektheit ist im Urlaub fehl am Platze.

Dazu kommt noch, dass auf der einzigen Hauptstraße im Pustertal mehrmals am Tag der Verkehrsinfarkt droht. Morgens, Mittags und Abends gibt es an den neuralgischen Knoten, Einmündungen und Kreisverkehren zwischen Bruneck und Sexten immer wieder aus heiterem Himmel Staus. Geduld ist hier das einzige, was hilft.

3. Italienisch – Deutsch – Englisch 

Die Italiener sprechen Italienisch. Die Südtiroler deutsch und italienisch. Nur Englisch will fast keiner sprechen. Kommt man mit deutsch nicht weiter, hilft ganz bestimmt auch kein Versuch auf Englisch. Da sind sie stur. Die gängigen Begriffe sollte man schon wissen, denn wenn der Gegenüber merkt, dass man es wenigstens versucht, fallen ihm auch ein paar deutsche Vokabeln ein.

In den folgenden Wochen möchte ich Euch mitnehmen an den Pragser Wildsee, den Dürrensee, an den Fuß der Drei Zinnen und in weitere sehenswerte Täler. Das Pustertal mit seinen Seitenarmen ist ein Eldorado für Wanderer und lohnenswert für Fotografen.

Nächste Woche gehts los mit Teil 1 – bis dahin eine gute Zeit und allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Zeitsprung

Habt Ihr Euch auch schon einmal gefragt, wie die Bilder gemacht werden in denen sich die Skyline vor dem farbenfrohen Himmel eines Sonnenuntergangs abhebt und gleichzeitig schon die Beleuchtung in der Stadt und den Büros brennt?  Wenn ja, dann seid Ihr hier richtig.

Das Geheimnis liegt nämlich darin, dass es mehr als eine Aufnahme braucht, um diese Szene zu erschaffen. Das wichtigste dabei ist, dass man für so ein Bild die Kamera an Ort und Stelle belässt und zu zwei verschiedenen Tageszeiten die exakt gleiche Aufnahme macht. Ich habe das dieses Jahr in Heidelberg gemacht und hier ist das Ergebnis:

Das schwierigste dabei war tatsächlich, sich zusammenzureißen und die Kamera stehen zu lassen. Ich bin es auch gewohnt, mit der Kamera unterschiedlichste Ansichten und Blickwinkel festzuhalten. Doch diese Technik verzeiht keinen Positionswechsel. Der Bildausschnitt muss absolut übereinstimmen.

Ich machte eine Aufnahme zum Sonnenuntergang, schön mit Blende 22 für den Sonnenstern:

Der Vordergrund und die Burg waren mir hier eindeutig zu dunkel. Klar könnte man auch ein HDR anfertigen und die Tiefen so retten, doch mir kam eine bessere Idee.

Dazu hieß es geduldig bleiben und darauf warten, dass in der Stadt die Lichter angehen und ein weiteres Bild mit dem gleichen Ausschnitt machen, welches den Vordergrund richtig belichtet rüberbringt:

Hier reicht auch Blende 11 oder 13 – bei Weitwinkelaufnahmen ist die Bildschärfe bei mittleren Blendenöffnungen am besten. Die längere Belichtungszeit in der Dunkelheit hat auch noch den schönen Nebeneffekt, dass in meinem Beispiel der Neckar jetzt etwas glatt gezogen wird und nun für meinen Geschmack besser aussieht, als mit den ganzen Wellen.

Beide Bilder habe ich zuerst in Lightroom „entwickelt“, da ich im RAW-Format meine Bilder aufnehme. Anschließend werden beide im Photoshop als Ebenen geöffnet und liegen somit übereinander.
Als Grundlage nehme ich das Bild vom Sonnenuntergang in welches ich dann die Lichter der Stadt „hineinmalen“ werde.

Das Bild von der blauen Stunde wird mit einer schwarzen Ebenen Maske versehen und nur die Bereiche, welche sichtbar sein sollen, werden mit einem Pinsel und der Vordergrundfarbe Weiß von der schwarzen Maske befreit. Der Pinsel sollte möglichst weich sein und die Deckkraft kann ruhig auf 25% reduziert werden so dass der Effekt nicht sofort voll durchscheint. Je nach Bedarf dann einfach mehrfach über die Stelle malen, bis die gewünschte Stärke erreicht ist.

Wenn man beide Ebenen einblendet, so ist die Stadtansicht mit dem weich gezeichneten Wasser und der Straßen- und Schlossbeleuchtung auf dem Bild des Sonnenuntergangs sichtbar geworden. Beide Ebenen werden zu einer Ebene verschmolzen mit der Tastenkombination
„Shift – Strg – Alt – E“ (alle vier Tasten gleichzeitig drücken!)

Auf dieser Ebene können jetzt noch finale Korrekturen die das gesamte Bild betreffen, wie z. B. Sensorflecken entfernen usw., durchgeführt werden.

Diese Technik lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen. So können z. B. auch sog. Levitationsbilder gemacht werden. Erst die leere Szene fotografieren und dann eine Person (auf einem Hocker o. ä.) ablichten und dann beides kombinieren – nur ohne die Stuhlbeine. Schon sieht es aus, als ob die Person schwebt. Mit mehreren Bildern derselben Szene lassen sich auch einfach Menschen aus dem Motiv entfernen, wenn sie sich zwischen den Aufnahmen bewegen. Einfach den gewünschten Bereich mit einer Ebene, auf der niemand zu sehen ist, übermalen und das Bild ist sauber.
Eine weitere Möglichkeit ist auch, Bilder von Sternenspuren oder die Milchstraße in einer Aufnahme zu machen und den Vordergrund – das Gebäude oder die Berge o. ä. – mit einer extremen Langzeitbelichtung (mehrere Minuten) zu fotografieren und dann beides zu kombinieren. So vermeidet man den Einsatz von Lampen, um den Vordergrund aufzuhellen und alle Bildteile zeigen nur das tatsächlich vorhanden Umgebungslicht.

Der Hintergrund besteht aus ca. 40 Bildern mit 25 Sekunden Belichtungszeit für die Sternspuren und der Vordergrund mit der Kapelle wurde ca. 6 Minuten belichtet, um das Gebäude vom Restlicht der Umgebung sichtbar werden zu lassen.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – solange man beim Zusammensetzen darauf achtet, dass die Bilder gut übereinander passen. So lassen sich zeitlich völlig verschiedene Momente zu einem Bild zusammenfügen.

Ich wünsche Euch viele Ideen und zum Fotografieren allzeit gutes Licht.

Werner Kutter



Mein Portfolio-Buch von Saal-Digital

Zur Gründung meines „Unternehmens“ Werner’s Fototräume war klar, dass ich als Fotograf meine besten Werke angemessen präsentieren möchte.

Mein erster Anlaufpunkt war klar: Saal-Digital. Die Qualität die ich hier schon einmal bekam, hatte mich überzeugt

Umschlag

Bei der Vorstellung meiner Bilder kommt es mir natürlich darauf an, dass die Bilder so wiedergegeben werden, wie ich es bei der Bearbeitung vorgesehen habe. Und zwar sowohl in Farbe als auch schwarzweiß

Innenseiten

Die Layflat-Bindung war für mich ebenfalls sehr wichtig, da ich meine Bilder gerne im 16:9 Format gestalte und sie so gerne etwas breiter werden.

ohne Falz

Als „Luxus“ habe ich mir einen gepolsterten Umschlag gegönnt. Das Buch fasst sich schöner an und wirkt sehr edel

hochwertige Verarbeitung

Mit der Bearbeitungszeit von gerade mal zwei Tagen ist es so ziemlich das schnellste Buch, welches man im Internet bestellen kann. Qualität hat ihren Preis, der ist es aber auf jeden Fall wert.

Allzeit gutes Licht!

Viele Grüße Werner

Warum der richtige Zeitpunkt eine große Rolle spielt…


Der richtige Zeitpunkt kann in der Fotografie, besonders in der Landschaftsfotografie, von entscheidender Rolle sein, da es einen großen Unterschied zwischen einem guten und einem außergewöhnlichen Bild ausmacht.

Im Januar und Anfang Februar habe ich beinahe jeden Morgen den Aufgang der Sonne hinter dem Umspannwerk Woringen mit einem großen, imposanten Gittermast auf dem Weg zur Arbeit bewundert. Der Himmel leuchtete in den unterschiedlichsten Farben und die Stahlmassen hoben sich schön vom Hintergrund ab. Abends auf dem Heimweg war die ganze Szenerie viel unscheinbarer – ja, da stehen technische Bauteile in der Landschaft rum und verschandeln die Aussicht.

An einem Wochenende mitte Februar schließlich habe ich mich um 6.15 Uhr aus dem Bett geschlichen und Position bezogen. Anhand meiner Ergebnisse wurde mir schnell klar – Timing ist alles.

Um 6.55 Uhr ist noch das tiefe dunkle Blau der gerade vergangenen blauen Stunde am Himmel und bietet einen herrlichen farblichen Kontrast zum goldgelben bis orangen Sonnenaufgang.  Es scheint als würde der Horizont auf der gesamten Breite zu brennen. Da sich Blau und Gelb im Farbkreis genau gegenüberstehen empfinden wir diesen Kontrast als besonders stark und reagieren dementsprechend darauf.

Bereits 8 Minuten später, um 7.03 Uhr ist die Helligkeit soweit fortgeschritten, dass das Blau im Himmel schon nicht mehr so intensiv ist. Von der Lichtbrechung der Sonnenstrahlen in der Atmosphäre kommen noch ein paar mehr Magentatöne zum Vorschein. Alles scheint jetzt ein bisschen weicher, rosa oder auch lila zu sein und der harte Kontrast zwischen den Komplementärfarben Blau und Gelb wird abgeschwächt.

 

Weitere 2 Minuten später, um 7.05 Uhr ist es bereits so hell, dass die Farben insgesamt zu verblassen scheinen. Das Blau der Nacht wird immmer weiter zurückgedrängt und die Helligkeit dominiert so stark, dass die Farbigkeit in den Hintergrund tritt.

Sobald die Sonne erst einmal den Horizont erreicht, bzw. überschritten hat, ist in Richtung Sonne zu fotografieren uninteressant. Die tiefstehende Sonne überstrahlt alles und das Bild ist weitaus kontrastärmer als noch wenige Minuten zuvor. So ist alles eine Frage der Kürze der Zeit und umso wichtiger ist es, rechtzeitig vor Ort zu sein und/oder vorher den Ort des Geschehens genauestens zu erkunden, um am entscheidenden Tag nicht auch noch wertvolle Minuten mit der Suche nach dem optimalen Platz zu vergeuden. Richtig gutes Licht hat man oft nur zehn bis zwanzig Minuten!
Ich habe um zehn nach Sieben alles zusammengepackt und bin zum Frühstück nach Hause gefahren – das hat mir mehr gebracht, als noch auf ein „Wunder“ zu warten.

Und auf jeden Fall schaut ein Panorama am Besten im Panoramaformat aus…

Ebenfalls erwähnenswert ist es, dass trotzt des tiefblauen Himmels es hilfreich ist, wenn Wolken oder, wie in meinem Fall, wenigstens ein Kondensstreifen am Himmel ist. Ein blank geputzter Himmel ohne Struktur ist ebenfalls langweilig und kann nicht zu einer Aufwertung des Bildes beitragen.

Darum empfehle ich: Den Wetterbericht genau studieren und im Zweifelsfall lieber eine Stunde früher aufstehen und vor Ort sein, als einen einmaligen Moment zu verpassen.

Allzeit gutes Licht

Liebe Grüße

Werner Kutter

Reisebericht Naturschutzgebiet Weitsee – Reit im Winkl – Biathlonzentrum Ruhpolding


Weniger bekannt und dementsprechend auch geringer besucht und nicht überlaufen ist das Naturschutzgebiet Weitsee. Es liegt mit den drei Seen Weitsee, Mittersee, Lödensee direkt an der Bundesstraße B 305 zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl.

Zahlreiche, kostenpflichtige, Parkplätze laden ein, das Auto abzustellen und die Wanderschuhe zu schnüren. Gut ausgeschilderte Wanderwege lassen das Wanderherz auch in diesem Tal höher schlagen. Fast alle Touren lassen sich als Runde gehen, so dass die Rückkehr zum Auto wirklich abwechslungsreich bleibt, da für Hin- und Rückweg nicht derselbe Weg genommen werden muss.

Wir nahmen uns vor den Lödensee und den Mittersee zu umrunden was ein sehr schöner, leichter Spaziergang werden sollte. Vom Parkplatz aus nahmen wir eine Unterführung, um die Bundesstraße zu queren. Die sicherste Alternative, die man sich vorstellen kann, jedoch stellte sich heraus, dass die Unterführung wohl eher dem Abfluss von Schmelzwasser dienen sollte, als Fußgängern die Querung zu ermöglichen.

Anschließend folgten wir den Wanderwegen und Trampelpfaden und gingen gegen den Uhrzeigersinn um die beiden Seen. Die Gesamtstrecke belief sich auf ca. 5 km – alles sehr flach und übersichtlich.

Die erste Tat an diesem Tag war, unseren Hund baden zu schicken. Nachdem die vorangegangenen beiden Tage verregnet waren hatte sich bei ihr ein kleiner Lagerkoller eingestellt. Umso größer war die Freude jetzt, dass sie  aus dem kühlen Nass apportieren durfte.

Das Vorankommen gestaltete sich dann auch noch aus einem weiteren Grund als ziemlich langwierig: Ich musste immer wieder stehen bleiben und nicht nur die Natur genießen sondern auch sie auf den Chip meiner Kamera bannen. Mal den See und die Berge, mal nur den See, mal nur die Berge oder Pflanzen am Wegesrand – kurz gesagt ich wollte alles fotografieren, was nicht weglaufen konnte.

Im Anschluss besuchten wir noch Reit im Winkl und haben hier eine Runde durch die Ortsmitte gedreht. Am Dorfplatz empfing uns eine Holzskulptur – genannt „Der Schifahrer“. Eine ausgemusterte Gondel eines Sesselliftes lud im Hintergrund zum Verweilen ein.

An den Hausfassaden sahen wir überall wieder tolle Malereien. Ganze Geschichten wurden hier erzählt, so dass der Blick öfter nach oben ging, als nach vorne. In der Vorsaison präsentierte sich der Ort überaus aufgeräumt und ruhig – einzig die Suche nach einer Gelegenheit zum Mittagessen gestaltete sich schwierig, da die allermeisten Lokale erst abends öffneten.

Ebenfalls an der B 305 befindet sich das Bundesleistungszentrum des deutschen Biathlonsports. Die Chiemgau-Arena ist wohl jedem ein Begriff, der den Wintersport am Fernseher verfolgt.

Auch in der schneearmen Zeit kann man die Anlage besichtigen und an einigen Tagen finden sogar Führungen statt. So kann man mit eigenen Augen einmal die Schießstände betrachten, die man sonst ja nur aus den Fernsehübertragungen kennt.

Selbst im Mai waren noch Trainingsgruppen auf Rollskier unterwegs – das Trainingszentrum schläft anscheinend nie.
Vor dem Eingang empfängt uns eine Skulptur zu Ehren des erfolgreichen Biathleten Ricco Groß. Das zu der Anlage auch Skisprungschanzen gehören, war mir neu. Das weitläufige Gelände bot viele Motive, die ich so im TV noch nicht gesehen hatte.

Von der Tribüne aus kann der Schießstand genau überblickt werden und man kann sich die Atmosphäre gut vorstellen, wenn hier einer nach dem anderen seine Schießübungen während des Wettkampfs ausübt.
Alles in allem war es ein mehr als gelungener Tag mit vielen schönen Eindrücken aus den verschiedensten Richtungen. Das Berchtesgadener Land ist doch überaus abwechslungsreich und sehr interessant.

Ich hoffe es war wieder etwas für Euch dabei. Für all Eure Unternehmungen wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Königssee und Malerwinkel


Der Königssee ist ein wahrer Touristenmagnet. Aus aller Herren Länder kommen hier Menschen zusammen, um diesen wirklich schön gelegenen See zu bestaunen. Da für die Elektroboote bei Hunden in diesem Jahr ein Maulkorbzwang eingeführt wurde haben wir uns die Überfahrt zur Kirche St. Barthotlomä und dem Obersee gespart. Sollte sich jemand auf den Weg machen wollen: sehr früh kommen und Nebensaison nutzen! Um in eines der ersten Schiffe zu gelangen muss man früh da sein. Sollte man erst gegen Mittag übersetzen wimmelt es an allen sehenswerten Stellen von Touristen und schöne Bilder sind dann nur noch schwer zu bekommen.
Wenn man in Schönau vom Großparkplatz an der Jenner Bahn die Hauptstraße Richtung Königssee läuft kann man sich auch in der Vorsaison gut vorstellen, was sich hier für eine Menschenmenge Richtung Ufer schlängelt, wenn Hochsaison herrscht. Wir waren froh kein Gedränge und Geschiebe erleben zu müssen und konnten uns so in aller Ruhe die Auslagen der Souveniershops ansehen.

Am Schiffsanleger angekommen haben wir uns nach links gewendet und sind am Ufer hinter den Bootshäusern in den Wald marschiert.

Die Malerwinkelrunde ist klasse ausgeschildert und die angesprochenen Aussichtspunkte bieten einen wirklich schönen Blick über den See.

Die Aussicht vom Malerwinkel selbst über den See bis St. Bartholomä ist die bei Landschaftsmalern beliebteste Ansicht des Königssees. Hier wurde quasi der Standard für die klassischen Königsseebilder gesetzt.
Aber Vorsicht! Nicht schon hier die ganzen Bilder verschießen – es folgt noch ein toller Spot, der einen fast noch schöneren Aus- und Überblick bietet!

Der Weg ist breit und gut befestigt. In leichten Anstiegen windet er sich durch den dichten Wald, so dass die Strecke auch im Sommer gut zu gehen ist, da wirklich viel Schatten herrscht. Nach etwas mehr als dem halben Weg zurück zum Parkplatz hat man den höchsten Punkt erreicht. Von hier kann man noch einen Abstecher zur Rabenwand machen.

Ein wenig Trittsicherheit ist hier schon gefragt, aber der Ausblick ist spektakulär. Man ist einige Meter höher als am Malerwinkel und so ist, gutes Wetter vorausgesetzt, auch die Fernsicht einfach toll.

Dieser Weg ist gut gekennzeichnet jedoch nicht so bequem ausgebaut. Hier muss man mehrfach über Wurzeln und Felsblöcke steigen und deshalb ist hier auch dringend festes Schuhwerk angesagt. Der Abstecher dauert einfach etwa eine halbe Stunde, die Pause am Aussichtspunkt kann man aber umso mehr genießen.

Nachdem man wieder zum Hauptweg zurückgelaufen ist geht es nach kurzem Abstieg aus dem Wald heraus; an der Talstation der Jenner Bahn vorbei zurück zum Parkplatz. Alles in allem ist diese Runde ca. 5 km lang und sollte in 2 – 3 Stunden zu schaffen sein. Immer abhängig von der Zeit, in der man die Aussicht von den jeweiligen Punkten aus genießen möchte. Die Höhendifferenz beträgt ungefähr 190 Meter. Bis auf den Abstecher zur Rabenwand sind es durchwegs sehr gut begehbare und breite Fusswege.

Wer mal in der Gegend ist sollte sich diese Rund auf keinen Fall entgehen lassen. Für all Eure Vorhaben wünsche ich Euch, wie immer, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ramsau, Zauberwald und Hintersee

Rund um Ramsau gibt es viele bekannte Fotospots, von denen jeder die Mühe der Anfahrt und/oder des Spazierweges wert ist. Auch wenn die Bilder tausendfach im Netz kursieren, ist es doch ein Erlebnis, selbst die Aufnahme so zu gestalten, wie man es sich vor seinem geistigen Auge vorgestellt hat. Das Erfolgserlebnis, einmal ein Bild, welches man zuerst in der Galerie eines renommierten Fotografen gesehen hat, selbst zu machen, ist doch unbezahlar.
Beginnen möchte ich mit Ramsau selbst. An der Pfarrkirche St. Sebastian spucken in der Hauptreisezeit Reisebusse ganze Horden an asiatischen Gästen aus, um nach 10 Minuten wieder weiter zu fahren. Der bekannte Spot mit der Ramsauer Ache vor der Kirche ist dann immer wieder kurz total überlaufen. Anfang/Mitte Mai kann man es mit etwas Geduld jedoch leicht abwarten, bis die wuseligen Selfietouristen wieder abtransportiert wurden. Wer sich beim Wetter nicht ganz sicher ist kann sich ja die Bilder der Webcam vorher anschauen. Hier sieht man auch direkt die Postkartenidylle, welche man auf die Speicherkarte bannen will.

Was ich leider nicht wusste, aber auch sehr sehenswert gewesen wäre, ist der Friedhof an der Kirche. Zahlreiche mehr oder weniger ernst zu nehmende Sprüche zieren Gräber, Grabsteine und Kreuze. Nicht selten wird kein Hehl daraus gemacht, wie froh die Hinterbliebenen doch über das Verscheiden waren. Vielleicht nimmt sich ja der eine oder andere mal noch die Zeit und schlendert über die letzte Ruhestätte längst verblichener Einwohner.

Wer möchte kann auch direkt ab der Kirche in Richtung Zauberwald wandern – was allerdings knapp 2 ½ km Strecke und gut 80 Höhenmeter an Wanderung voraussetzt – und dann steht man erst am Beginn der interessanten Strecke.

Wir haben den bequemen Weg gewählt und sind bis zum P4 am südwestlichsten Ende des Hintersees gefahren. Von dort machten wir uns auf, den See zu umrunden und bei dieser Gelegenheit auch den Schwenk durch den Zauberwald zu genießen.
Auf der Südostseite führt der Wanderweg knapp 700 Meter getrennt durch die Leitplanke an der Straße entlang. Ab dem Eingang in den Zauberwald ist man jedoch eins mit der Natur. Gut gekennzeichnete Wege durch den Wald und an der Ramsauer Ache entlang lassen einen den Stress komplett vergessen. Für uns Fotografen tun sich hier auf wenigen hundert Metern dutzende von Möglichkeiten auf, das Wasser von all seinen Seiten zu zeigen. Urgewaltig umtost die Wassermacht den Fels, weich und anschmiegsam schleift das Wasser die Steine glatt.

Für meinen Geschmack hat sich im Bezug auf Wasser die Langzeitbelichtung voll durchgesetzt. Ich benutze hierzu meist eine Kombination aus zwei Filtern: einen ND 8 oder ND 64 Filter, um die Verschlusszeit auf mehrere Sekunden zu verlängern und davor einen Polfilter um die Spiegelungen im Wasser zu minimieren. Verschlusszeiten zwischen 2 und 10 Sekunden reichen mir völlig aus, so dass der ND 1000 Filter nur noch sehr selten zum Einsatz kommt.
Immer wieder tun sich kleine Wege auf, über die man direkt an den Rand des wilden Stroms gelangt.

Schier unermesslich sind die Vielzahl der Szenen, welche man hier entlang des tosenden Baches machen kann. Und am eindrucksvollsten sind genau die Bilder, bei denen man denkt das Stativ wäre direkt im Bach gestanden. Also nah ran und tief runter ist hier die Devise.

Am tiefsten Punkt der Runde wendet man sich dann nach links und folgt den Schildern zum Nordufer des Hintersees. Es geht stetig bergauf und man glaubt erst gar nicht, wie tief man hinabgestiegen ist, da das Fotografieren doch ziemlich vom Verlauf der Strecke ablenkt.

Wieder am Hintersee angekommen ging es für mich als erstes darum, den idealen Platz für das Sonnenaufgangsfoto zu finden. Denn ich wollte am nächsten Morgen um fünf Uhr wieder hier sein, um die morgendliche Stimmung am See einzufangen.
Schnell war er gefunden – der Spot, der tausendfach im Internet zu finden ist. Die Bäume auf den Felsen im See und im Hintergrund der Hochkalter – charakteristischer kann ein Landschaftsbild wohl nicht mehr sein. Im Nachmittagslicht sah die ganze Szene allerdings bei weitem nicht so spektakulär aus.

Da ich in der Dunkelheit nicht gerne Überraschungen erlebe, bin ich gerne am Tag vorher hier und kann bei normalem Tageslicht Parkmöglichkeit und Zuwegung abklären, so dass in aller Frühe keine Hektik aufkommt.

Am betreffenden Morgen waren wir dann zu dritt am See und genossen die Ruhe und die Farben, welcher der Tag mit sich brachte.

Man darf bei allem Beharren auf sein Zielbild natürlich auch nicht verpassen, einmal in eine andere Richtung zu fotografieren. Oft ist diese Ansicht deshalb überraschend schön, gerade weil sie nicht pausenlos im Internet zu finden ist.

Und wieder bewahrheitet sich, dass es sich lohnt, früh aufzustehen und die ersten Stunden des Morgens an einem See zu genießen. Es waren traumhaft schöne Minuten, die leider viel zu schnell vergehen aber Gott sei dank lange in Erinnerung bleiben.

Auf dem Weg zurück durch Ramsau lohnt es sich, erneut an der Kirche anzuhalten – die aufgehende Sonne setzt die Berggipfel hinter der Kirche wirklich gekonnt in Szene so dass erneut gute Positionen für weitere Fotos gesucht werden können.

Ich hoffe ich konnte Euch eine kleine Inspiration geben, einmal diese wunderbare Ecke Bayerns zu besuchen. Wir waren im Mai dort und ich werde noch die eine oder auch andere Erfahrung mit Euch teilen. Bis dahin wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Workshop „Ostrachwellen“ im Hintersteiner Tal

Aller guten Dinge sind drei!
Den alten Spruch kennt jeder und so habe ich mich relativ kurzfristig entschlossen, bei Manuela Prediger in diesem Jahr noch einen dritten Workshop zu besuchen.
Nach den Lichtern der Stadt im Frühjahr und dem Viehscheid Gunzesried vor vier Wochen sind nun die Ostrach und die Langzeitbelichtungen am Wasser dran.
Meine Lieblingsdisziplin!
Warum nehme ich dann am Workshop teil?
Weil ich immer auf der Suche nach Inspiration bin und mir das Fotografieren in Gesellschaft von anderen einfach viel mehr Spaß macht!

Pünktlich um viertel vor neun trafen wir uns an der vereinbarten Bushaltestelle am Wanderparkplatz in Hinterstein. So konnten wir uns den kleinen „Luxus“ erlauben, den ersten Teil der Strecke mit dem Linienbus zurückzulegen und die Kräfte fürs kreative Fotografieren aufsparen. An der Haltestelle am Elektrizitätswerk stiegen wir wieder aus und es folgte eine kleine Vorstellungsrunde; schließlich unterhält man sich gleich viel besser, wenn man sich zumindest beim Namen kennt. Dann ging es runter an die Ostrach. Hier wurden noch kurz die Grundlagen besprochen, welche die Arbeit mit Langzeitbelichtungen leichter machen. Welche Filterarten gibt es? Welcher Filter wird wann eingesetzt? Wie stelle ich die Kamera richtig ein. Was muss bei der Verwendung eines Stativs beachtet werden? Lauter kleine Details, die uns aber später bei der „Arbeit“ zwischen den Felsen die Sache ungemein erleichterten. Zum Thema Filter habe ich letztes Jahr bereits einen eigenen Beitrag geschrieben.

Wieder einmal zahlte es sich aus, jemanden zu haben der Ortskenntnis besitzt und die wirklich sehenswerten Locations kennt. Auf einer Wanderung durchs Hintersteiner Tal würde man an diesen Stellen glatt vorbei laufen. Doch Manuela hat sich die Strecke vorab angesehen und so den ein oder anderen Schleichweg gefunden um wirklich einmalige Aufnahmen zu erhalten. Dabei wird selbstverständlich immer größter Wert darauf gelegt die Natur in diesem Landschaftsschutzgebiet nicht mehr als erlaubt zu belasten.

Ich habe mir vorab zu Hause auch so meine Gedanken gemacht, was ich noch gerne ausprobieren möchte und dabei festgestellt, dass ich den sog. Bulb-Modus meiner Kameras so gut wie noch nie benutzt hatte. Dieser Modus erlaubt Aufnahmen über das zeitliche Limit der allermeisten Kameras von 30 Sekunden hinaus. Manche Marken haben ein B für Bulb am Programmwahlrad, andere wiederum schalten in diesen Modus, wenn man bei manueller Einstellung die Belichtungszeit einfach über die 30 Sekunden hinaus verlängert. in diesem Fall bleibt der Verschluss so lange offen, wie der Auslöser gedrückt gehalten wird (unbedingt einen arretierbaren Fernauslöser verwenden).

Also suchte ich mir eine Stelle an der ich damit experimentieren konnte. Da die Schlucht am Morgen noch schön im Schatten lag war ich ziemlich überrascht, wie schnell man Verschlusszeiten von über einer Minute erreichen kann. Ich schloss die Blende auf 16, stellte den niedrigsten ISO Wert von 64 ein und habe mir von der Kamera im Blendenprioritäts-Modus (A oder Av) die erforderliche Belichtungszeit anzeigen lassen. Dieser lag bei einer Sekunde. Diesen Wert gab ich in meine Smartphone-App von Rollei ein (Rollei-Moments ist eine kostenlose App zur Berechnung Verschlusszeit beim Einsatz von einem oder mehreren Filtern)  und bin bei einem Filter ND 6 schon auf eine Minute und vier Sekunden benötigter Verschlusszeit gekommen. ND 6 bedeutet, dass der Filter so stark verdunkelt, dass sich die „normale“ Belichtungszeit sechs mal verdoppelt – also insgesamt 64 mal länger wird (1x2x2x2x2x2x2=64). Das Praktische an der App ist, dass auch gleich ein Countdown gestartet werden kann und so stellte ich meine ersten Versuche mit „Ultralangzeitbelichtungen“ an.

Das Charakteristische an diesen Bildern ist, dass das Wasser extrem glatt gezogen wirkt und Stellen an denen Steine oder ähnliches vom Wasser berührt oder überspült werden sind extrem weich – fast wie gemalt. Mir gefällt dieser Effekt – wie insgesamt die Langzeitbelichtung immer wieder überraschende Ergebnisse bringt, da ja unser Auge nicht die Eindrücke über diesen langen Zeitraum sammelt und das so nie gesehen werden kann.

Bei dieser Art von Fotografie ist es natürlich unumgänglich, ein Stativ zu verwenden oder die Kamera sonst irgendwie sicher abzulegen. Keiner kann die Kamera so lange still halten um ein scharfes Bild zu erhalten. Die Faustformel sagt aus, dass die Umkehrung der Brennweite in etwa der Zeit entspricht, die verwacklungsfreies Fotografieren ermöglicht. Also z. B. bei einer Brennweite von 50 mm gilt 1/50 s als längst möglich Belichtungszeit für ein scharfes Foto aus der Hand. Die gängigen Bildstabilisatoren an Objektiv und Kamera versprechen zwar noch längere Zeiten – wer ein knack scharfes Bild will, dem sei gesagt, dass an einem Stativ definitiv nichts vorbei geht. Erste Regel unter Landschaftsfotografen: Heirate Dein Stativ!

Hier mal zur Veranschaulichung zwei Belichtungen übereinander gelegt:

Das obere Bild wurde mit 13 Sekunden belichtet und zeigt im auslaufenden Wasser deutlich weniger Details als die untere, 4 Sekunden-Belichtung. Es ist reine Geschmackssache, welches Bild einen mehr anspricht. In der Fotografie gibt es kein Richtig oder Falsch. Es ist schließlich eine Kunstform.

Gelegenheit zur Panoramafotografie bot sich ebenfalls.
Da es sich hier um keine Gebäude handelt, ist man beim Anfertigen eines Panoramas relativ schnell fertig. Es gibt kaum Chancen, dass Bildfehler wegen der Drehung der Kamera sichtbar werden – es gibt ja kaum geraden Linien in der Natur. Für ein Panorama werden mehrere Aufnahmen gemacht und es wird darauf geachtet, dass mindestens 25 Prozent des Bildinhaltes überlappen. Anschließend werden die Bilder am Computer zusammengefügt und das jeweilige Programm rechnet die Puzzlestücke so zusammen, dass keine leeren Bildstellen übrig bleiben. Den Aufwand, hier Panoramawinkel und ähnliche Utensilien mit in die Schlucht zu schleppen kann man sich sparen. Sogar Aufnahmen „aus der Hand“ werden, etwas Übung vorausgesetzt, zu brauchbaren Ergebnissen führen.

Aber Vorsicht: Die Aufnahmen der ganzen Szene führen oft dazu, dass das Bild etwas überladen wirkt und der Betrachter gar nicht herausfinden kann, was das eigentliche Motiv sein soll. Oft wirkt es besser, sich nur auf einzelne, kleine Elemente der gesamten Szene zu beschränken. Einen Gegenstand – hier der vom Wasser umspülte Felsen – isoliert darzustellen gibt dem Bild Klarheit.
Im Herbst darf natürlich das obligatorische Blatt auf dem Stein nicht fehlen. Quasi ein Stein-Portrait.

Schön ist es, wenn man bei Gestaltung auf die Linienführung achten kann. Die ganzen Grundlagen der Blickführung und Bildgestaltung können hier trainiert werden. Ein perfektes Übungsgelände für den ambitionierten Hobbyfotografen.  So bringen die S-Kurve
oder auch einfach nur eine Diagonale und ein Sonnenstern
zusätzlich Spannung ins Bild. Ebenso ist es schön, wenn sich die Blätter der umstehenden Bäume im Bach spiegeln und ihn so stellenweise blutrot färben:
Bei dem momentan vorherrschenden Lichtbedingungen in diesem wunderbaren Herbst ist es eigentlich schwieriger kein gutes Bild zu machen als anders herum. Genießen wir die Jahreszeit noch, so lange das Wetter hält.

In diesem Sinne: Geht raus, macht Fotos – die Zeit ist genau jetzt die richtige!

Allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Testbericht Tamron 18 – 400 mm an Canon EOS 70D

Um es gleich vorweg zu sagen:
Ich habe das Objektiv nicht bereitgestellt oder geschenkt bekommen. Ich habe es mir beim Tamron-Verleih ausgeliehen, um es im Rahmen des Workshops bei der Viehscheid zu testen. In diesem Bericht gebe ich nur meine eigene, von außen unbeeinflusste Meinung wider.

Zur Zeit gibt es im Verleih eine Aktion bei der ausgewählte Objektive in der ersten Woche umsonst ausgeliehen werden können.  Das 18 – 400 mm war auch dabei, so dass ich nur die zweite Woche, in der ich auf dem Viehscheid war, bezahlen musste.
(Foto von Tamron)

Begonnen habe ich den Test natürlich gleich nach Erhalt der Linse. Auf einem Spaziergang mit unserem Hund habe ich den Zoombereich und den Autofokus ausgiebig angetestet. Auf den ersten Blick war ich von der Vergrößerungsleistung des doch recht handlichen Objektivs mehr als überrascht.

Ich konnte problemlos eine ca. 600 mt entfernte Baumgruppe anvisieren und brauchbar scharf ablichten.

Spaß machen sollte es natürlich auch beim Einsatz im familiären Bereich, etwa beim Sport der Kinder, oder, wie bei uns, beim Spiel mit dem Hund. Die Nachführung des Autofokus kommt hier leider schnell an seine Grenzen wenn der Hund sich schnell auf einen zu bewegt. Ob das jetzt allein am Objektiv liegt oder u. U. die Kamera hier nicht mehr mitkommt, kann ich nicht beantworten; jedoch war das Scharfstellen im Endbereich zwischen 300 und 400 mm oftmals sehr langwierig.

Am meisten Respekt hatte ich davor, ob die Bilder bei maximaler Vergrößerung auch noch ausreichend scharf sein würden. Hier legt sich jedoch der Bildstabilisator wirklich voll ins Zeug. Alle Bilder wurde aus der Hand ausreichend scharf, so dass sich die Linse gut für nicht all zu schnelle sportliche Aktivitäten eignet. Selbst ein vorbeifliegender Helikopter war gut zu fotografieren.

Die Randabschattung (Vignettierung) lag im erträglichen Bereich und konnte in Lightroom über die automatische Korrektur bequem behoben werden.
Ich habe jetzt die Schärfe nicht bis in den allerletzten Bildwinkel verfolgt und beurteilt – subjektiv würde ich sagen, dass alle Bilder ausreichend scharf sind. Man wird die Linse ja vielleicht als „Immer-Drauf“ mit in den Urlaub nehmen – anspruchsvolle Bilder werden sicherlich mit einem „besseren“ Glas gemacht werden.

Praktischer Weise kann das Ausfahren des Objektivs während des Transports an der Kamera über einen Schalter oben an der Linse verhindert werden. Zum Lieferumfang gehört auch direkt eine Sonnenblende was nicht bei allen Objektiven der Fall ist. Das Handling war trotz der Länge und des Gewichtes von ca. 715 g gut. Man kann mit dem Objektiv durchaus den ganzen Tag auf Pirsch gehen und gute Fotos machen.
(Foto von Tamron)

Der Service bei Tamron mit dem Ausleihen und Zurückschicken hat ebenfalls problemlos funktioniert. Der Versand und die Rücksendung werden pauschal mit einer einmaligen Gebühr in Höhe von 19,- € verrechnet. Die wöchentliche Miete beträgt z. Zt. 37,- €. Die Anschaffung eines solchen Objektivs für eine Canon APS-C-Kamera würde mit ca. 620,- € zu Buche schlagen.

Ich habe das Objektiv dann guten Gewissens wieder zurückgeschickt. Für meine hauptsächlichen Fotoprojekte werde ich es mir nicht extra anschaffen, für Veranstaltungen, wie z. B. der Viehscheid oder im Urlaub, wenn nur ein Objektiv ins Gepäck passt, ist es ein wirklich guter Helfer. Es hat mir doch jeglichen Objektivwechsel während der Veranstaltung erspart. Für die weite Spanne des Zoombereichs macht es wirklich erstaunlich gute Bilder.

Ich hoffe, ich konnte ein paar hilfreiche Tipps geben, sollte sich jemand mit dem Gedanken tragen,  sich ein Ultrazoom-Objektiv zuzulegen.
Für all Eure Projekte wünsche ich Euch natürlich allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Fotoworkshop „Viehscheid im Gunzesrieder Tal“

Das zweite Mal in diesem Jahr hatte ich die Ehre, bei der wunderbaren Manuela Prediger an einem Workshop teilzunehmen. Es war für mich dennoch eine Premiere, denn noch nie hatte ich einen Viehscheid miterlebt – eigentlich eine Schande für einen Bub aus dem Unterallgäu.

Der frühe Vogel fängt den Wurm sagt der Volksmund. Das gilt auch für uns Fotografen und besonders dann, wenn man bei einer Veranstaltung wie dieser Bilder machen möchte, die sich von der Masse abheben. Also war der Treff aller Teilnehmer für 6.45 Uhr ausgemacht und dementsprechend früh musste ich bei mir zu Hause losfahren. Das beste daran war, dass um diese Uhrzeit am Samstag morgen der Verkehr Richtung Sonthofen sehr überschaubar war und es zu keinen Verzögerungen kam.

Pünktlich um sieben kam das vorbestellte Taxi, welches uns hinter ins Tal brachte – weit weg von den ganzen schaulustigen Touristen. Dort stellten wir uns kurz gegenseitig vor und gingen die grundlegenden Kameraeinstellungen für die bevorstehenden Stunden durch. Wertvolle Tipps für außergewöhnliche Perspektiven und Bildausschnitte erhielten wir ebenfalls von unserer überaus kompetenten Kursleiterin, so dass wir bestens vorbereitet auf das Eintreffen der ersten Herde warteten.
Ich entschied mich dafür mit ISO-Automatik und Bledenvorwahl rund um Blende 5.6 ins Rennen zu gehen. Die anfängliche Belichtungskorrektur von +2/3, die ich wegen den vorhandenen Nebelschwaden eingestellt harre, nahm ich kurz darauf wieder zurück.

Die Spannung wurde immer größer, so dass das eine oder andere Mal bereits das Läuten der Kuhglocken wahrgenommen wurde, obwohl niemand in Sichtweite war. Der Schall findet in den engen Gebirgstäler eben immer einen Weg. Als endlich doch die ersten Teilnehmer zu sehen waren, nahmen wir alle unsere Positionen ein, so dass jeder das bestmögliche Sichtfeld für seine Aufnahmen erhielt.

Die große Begeisterung wich auch bald schon der Ernüchterung, dass nur eine kleine Vorhut – das Kranzrind mit einem Begleiter und zwei Jugendlichen Hirten mit ihrer Mutter – weit vor der großen Herde in Richtung Gunzesried liefen. Trotzdem ergriffen alle die Gelegenheit erste Bilder zu machen. Mir persönlich geht es auch immer so, dass ich mich erst an die Sache herantasten muss und dankbar bin, ein paar Testfotos machen zu können, bevor es ernst wird.

Ich hatte mir extra für die Veranstaltung von Tamron ein 18 – 400 mm Objektiv ausgeliehen. Hier zahlte sich der große Zoombereich sofort aus, da ich bereits aus großer Entfernung die ersten Bilder der Herannahenden machen konnte. Näheres zum Objektiv in zwei Wochen im Testbericht der Linse hier im Blog.

Die Kompression der Telebrennweite verdichtet die Szenerie zusätzlilch, so dass die Kraft und Energie der Tiere, welche durch die Hirten mit den Stäben im Zaum gehalten wurden, besonders gut zur Geltung kommt. Die Rinder sind ja doch mehr als einen Meter lang – auf dem Bild wird diese Szenerie so gestaucht, dass, für mich, eine besondere Dramatik entsteht.

Und für die eigene Sicherheit ist ebenfalls gesorgt, da ich rechtzeitig, bevor die Tiere mich erreichen, für ausreichend Sicherheitsabstand sorgen kann. Für die Schärfe im Bild habe ich einen alten Trick von Scott Kelby angewandt. Der empfiehlt, wenn man sich unsicher ist mit langer Brennweite aus der Hand zu fotografieren den Serienbildmodus an der Kamera einzuschalten. Dann so ca. 3 – 5 Bilder machen – die Ausbeute an scharfen Bildern ist so größer, als wenn immer nur ein Bild gemacht wird, kontrolliert wird, wieder fotografiert wird usw.

So warteten wir auch noch die nächste Gruppe einer weiteren Alpe ab, damit jeder Gelegenheit hatte, unsterschiedliche Positionen und Perspektiven auszuprobieren. Denn nichts ist langweiliger, als immer nur auf Augenhöhe zu fotografieren.

Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück, da die neblige Stimmung ausgezeichnet zur Jahreszeit und Veranstaltung passt. Zudem waren bei der Luftfeuchtigkeit und Kälte die dampfenden Tiere genau das, was ich mir vorher als Zielbild in den Kopf gesetzt hatte.

Auch ich begab mich schließlich auf Tauchstation und legte mich im nebelfeuchten Gras auf den Bauch. Es ging ja schließlich darum ungewöhnliche Ansichten zu finden und das gelang mir in diesem Moment sehr gut.
Diese beiden Bilder oben und unten sind die derzeit am meisten beachteten Bilder von mir auf Facebook. 20.000 Menschen haben diese Bilder in der ersten Woche gesehen, hunderte Likes und mehrere Dutzend Kommentare dazu haben mich sehr stolz gemacht.

Unterwegs kamen wir auch ein einem Hof vorbei, an dem wir das Schmücken des Kranzrindes aus nächster Nähe beobachten konnten.
Hier habe ich mir dann auch die Zeit genommen, um einmal die Details der Veranstaltung festzuhalten. Die festlich gerichteten Haare der Teilnehmerinnen
die Anspannung bei den Teilnehmern
oder auch einfach nur die Tracht und Tradition der Veranstaltung selbst

Aprospos ungewöhnliche Ansichten:
Die Rinder selbst sind ja die Hauptakteure bei dieser Veranstaltug. Also warum nicht diese auch mal ungewöhnlich ablichten?

Vom unten und nur die Füße – reicht doch auch um zu zeigen, wo man war.

Kuriose Bilder lassen sich auch erzielen, wenn man bei ca. 1/20 s Belichtungszeit mit der Herde einen sog. „Mitzieher“ versucht. Man könnte fast meinen, die Herde rennt im Galopp vorbei…

Oder einfach mal die Augen offen halten für die kleinen Randerscheinungen, wie den kleinen Jugen, der anscheinend noch zu jung war, um den ganzen Weg zu Fuß zu laufen. Auf Grund seiner Tracht lässt er aber deutlich erkennen, dass er dazu gehört.

Am Scheidplatz angekommen traf uns die gesamte Wucht der versammtelten Touristenschar mit einem Schlag. es war schon ein gewaltiger Unterschied zur Abgeschiedenheit draußen im Tal – doch das gehört mittlerweile auch dazu.

Der Einlauf der Kühe in den Pferch musste schließlich ebenfalls dokumentiert sein, wie auch die Umrahmung des Spektakels mit den unzähligen Schaulustigen aus Nah und Fern.

Hier waren dann auch Portraits der Hirten möglich, denen man die Erleichterung ansah, das alles zu einem guten Ende gekommen ist.

Auch hier boten sich wieder viele Gelegenheiten zu ungewöhnlichen Ansichten und Bildgestaltungen, wie z. B. die Kuh durch den Schellengurt hindurch fotografiert.

Alles in allem war es ein sehr gelungener Workshop dank der Ortskenntnis von Manuela Prediger. sie wusste, wie der Ablauf sein wird und wo die interessantesten Stellen auf dem Weg durch das Tal sind. Allein die Tatsache, dass ich noch nie an einem halben Tag ca. 1000 Fotos gemacht habe spricht dafür, wie viele Möglichkeiten sich hier geboten haben.

Ich hoffe es ist eine kleine Anregung für Euch dabei, auch einmal ausgetretene Pfade zu verlassen und nicht genau da fotografieren zu wollen, wo alle Bilder machen. In diesem Sinne wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter