Multiplikation einer Person

Ich habe ja schon einen Beitrag darüber geschrieben, wie man unerwünschte Personen aus seinen Bildern entfernen kann. Diesmal möchte ich genau das Gegenteil beschreiben: Wie man eine Person im Bild mehrfach darstellen kann:

In Zeiten von Covid 19 hat mein Drang draußen zu fotografieren stark gelitten. Vielleicht ist es ja aber auch nur eine gelungene Ausrede und man steckt wirklich in einem kleinen kreativen Tief und es fällt einem nichts mehr ein, wie man sein fotografisches Talent weiterentwickeln soll.
Ich hatte diese Art von Bildern schon oft gesehen und für mich auch eine Vision im Kopf, wie ich es im eigenen Garten durchführen wollte. Anfang Mai haben wir unsere alte, morsche Hochterrasse abgebrochen und ich war dabei die Unterkonstruktion für die neue Terrasse auszurichten. Sonntags haben die Bohrmaschinen und Kreissägen bekanntlich Feiertag und so kam es mir in den Sinn, diese Multipersonenaufnahme einmal zu versuchen.

Ich war am Ende selbst überrascht, wie schnell ich die ganze Sache erledigt hatte – aber jetzt einmal Schritt für Schritt:
Am Anfang steht die Idee. Was möchte ich darstellen? Personen, die um einen Tisch sitzen? Unterschiedliche Sportarten betreiben?
Bei mir war es, aus aktuellem Anlass der Terassenbau. Ich stellte also die Kamera in den Garten, so dass diese den gesamten Bereich in dem gewählten Ausschnitt abbilden konnte. Als Modus wählte ich die Blendenvorwahl A. Die Blende stellte ich auf 11, damit ein möglichst großer Bereich scharf abgebildet wird. Fokussiert habe ich auf den Grill links vorne, damit zwischen diesem Punkt und dem Haus alles im Schärfeberiech liegt.

Wichtig ist, dass jetzt die Kamera wirklich nicht mehr verändert wird, damit später alle einzelnen Bilder deckungsgleich sind.
Zudem sollte darauf geachtet werden, dass die Aufnahmen möglichst bei gleichartiger Lichtsituation gemacht werden. Wie man auf meinen Einzelaufnahmen sieht, zogen immer wieder Wolken durch und der Unterschied ist in den Bildern deutlich zu sehen.
ISO auf 100 bzw. den niedrigst möglichen Wert der jeweiligen Kamera (es sei denn, es wäre so dunkel, dass dann die Verschlusszeit über 1/250 s steigen würde und die Person unscharf werden könnte) und die Kamera sucht sich dann selbst die passende Verschlusszeit, um ein ausgewogen belichtetes Bild aufzunehmen.

Wenn kein Helfer zur Hand ist, der entweder die Kamera auslöst oder als Model dient, dann stellt Ihr die Kamera, so wie ich, auf Selbstauslösung mit 10 Sekunden Verzögerung und platziert euch in der Zwischenzeit günstig im Bild.
Wenn es irgendwie geht versucht Überlappungen zu vermeiden – es spart in der Nachbearbeitung viel Zeit, wenn man dann nicht so genau arbeiten muss, um die Person korrekt sichtbar werden zu lassen.

Ich habe die gezeigten fünf Bilder gemacht und diese dann in den Computer geladen und die Bearbeitung in Lightroom gestartet. Es geht natürlich auch mit anderen Bearbeitungsprogrammen – wichtig ist jedoch, dass das Programm zum Zusammenfügen der Bilder mit Ebenen (Layern) arbeitet – und deshalb benutze ich zum Abschluss Photoshop.
In Lightroom habe ich die Auswahl getroffen, welche Bilder sich für die Zusammenführung eignen. Dann habe ich versucht, den Bildern alle etwa die gleiche Grundhelligkeit zu verschaffen, damit keine großen Unterschiede sichtbar werden.

Wenn die sog. Grundentwicklung (Lightroom ist ja eigentlich nur ein Programm, um RAW-Dateien zu bearbeiten) durch ist und ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, markiere ich die ausgewählten Bilder und exportiere diese nach Photoshop.
Hierzu kann man der Einfachheit halber mit der rechten Maustaste auf eines der markierten Bilder klicken und aus dem Kontextmenü den Befehl „Bearbeiten in“ – „in Photoshop als Ebenen öffnen“ auswählen. Schon öffnet sich Photoshop und die Bilder liegen übereinander gestapelt in einer Datei.

Jetzt wird über jede Ebene oberhalb der untersten eine schwarze Maske gelegt. Entweder indem man gleichzeitig die ALT-Taste gedrückt hält, wenn man auf das Symbol für die Maskierung klickt oder eine weiße Maske erstellt und diese mit STRG+i in eine schwarze Maske invertiert (umkehrt). Das gesamte Bild oberhalb dem darunter liegenden wird somit ausgeblendet (ausmaskiert).
Auf dieser Maske wird anschließend mit einem weißen Pinsel der Bereich sichtbar gemacht, in dem sich der abgebildete Mensch befindet. Das macht man dann Schritt für Schritt mit jeder weiter darüber liegenden Ebene so. Schwarze Maske erstellen – den Bereich der Person mit einem weißen Pinsel wieder sichtbar machen – fertig!
Das sind genau die weißen Bereiche auf dem Bild oben, welche den Bereich des Bildes anzeigen, der sichtbar gemacht wurde.
Das ist der ganze Trick hinter dem Bild der Fünflinge:

Also Ihr seht – man kann durchaus kreativ aus der Krise heraus kommen. Wenig Aufwand – große Wirkung! Ich hoffe, Ihr findet Spaß einem Projekt, wie diesem. Für gelungene Aufnahmen wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Bad Uracher Wasserfall

Die Wanderung am Bad Uracher Wasserfall hat mich fotografisch sehr überrascht, hat mich doch der eigentliche „Star“ des Tages, der Wasserfall, nicht so sehr begeistert. Um so mehr die Stromschnellen und kleinen Wasserspielereien auf dem Weg zum vermeindlichen Highlight…

Die Anfahrt nach Bad Urach war kurzweilig führt sie doch für uns aus dem Allgäu quasi einmal quer durch die Schwäbische Alb. Nachdem wir an Bad Urach auf der gut zu fahrenden Bundesstraße in gänze vorbei waren konnten wir auch schon die Schilder zur Attraktion sehen. Auf dem geräumigen Wanderparkplatz Uracher Wasserfälle kann es in der Hauptsaison ganz schön eng werden – wir waren am Karfreitag 2018 dort und es hatte schon mehr als genügend Andrang. Also besser nicht zu spät kommen!

Nachdem wir ein Parkticket gelöst und im Auto hinterlegt hatten liefen wir auch gleich los. Immer in Richtung Süden leiten uns die Schilder am Brühlbach entlang. Und schon hatten mich die Motive gefangen. Wir sind nicht weit gekommen und schon musste ich den Rucksack von den Schultern ziehen und das Stativ aufbauen.
Christine und Hope mussten ganz schön Geduld aufbringen, denn jetzt war ich schon in meinem Element noch lange bevor wir den Wasserfall erreicht hatten.
Also Kamera aufs Stativ geschnallt, den richtigen Bildausschnitt gewählt, scharf gestellt und dann kamen wieder mal meine „Zauberfilter“ zum Einsatz. Die dunklen Scheiben vor dem Objektiv lassen weniger Licht durch und so muss ich an der Kamera die Belichtungszeit verlängern. Dies führt wiederum dazu, dass das Wasser seidig weiche Schleier bekommt, die spielerisch zwischen den Felsen hindurch ihren Weg suchen.

Mir gefällt dieser Look unheimlich gut, jedes Foto dauert allerdings dann auch etwas länger, als üblich. Da die Kamera durch den Filter hindurch nicht mehr scharf stellen kann gilt es bei jeder neuen Szene erneut – Filter ab, scharf stellen und Filter wieder drauf.
Die Belichtungszeit liegt dann, je nach Umgebungslicht und verwendetem Filter zwischen einer und bis zu 30 Sekunden.
Nach einigen Spielereien am Wasser kann ich jedoch empfehlen, die Sache nicht bis zum Äußersten zu treiben. Eine bis vier Sekunden sind in den allermeisten Fällen bei Bächen und Flüssen ausreichend. Zu lange Belichtungszeiten lassen die weißen Schlieren auf dem Wasser zu hell werden und dann kann es sein, das wegen der fehlenden Struktur im Wasser das Ganze wie Milch aussieht.
Als geeignete Filter kommen hier einmal ein sog. Polfilter und/oder Neutraldichtefilter (ND-Filter) zum Einsatz. Der Polfilter ist in der Lage Spiegelungen auf der Wasseroberfläche abzumildern (wenn ich den Grund des Baches sehen möchte) oder auch zu verstärken (wenn ich z. B. eine Spiegelung auf einem glatten See intensivieren möchte). Zudem kann er Blau- und Grüntöne in der Landschaftsfotografie verstärken wenn der Filter in einem 90-Grad-Winkel zur Sonne eingesetzt wird.
Den ND-Filter gibt es in unterschiedlichen Abstufungen. Je größer die Zahl (z. B. ND 8 oder ND 1000) um so dunkler ist die Glasscheibe und um so weniger Licht lässt der Filter in Richtung Objektiv durch.
Das hat zur Folge, dass die Belichtungszeit (ND 8 z. B. 3 fach oder ND 1000 10 fach) verlängert werden muss. So bekommen ich es hin, dass ich mitten am Tag ein Bild mit einer Belichtungszeit von 2 Sekunden nicht überbelichte.
Wer noch mehr über die Arbeit mit Filtern erfahren möchte, dem sei mein Beitrag „Der Unterschied zwischen Pol- und ND-Filter“ empfohlen.

Endlich erreichen wir den Wasserfall. Aus 37 Metern Höhe kommt einem hier das Wasser entgegen und verteilt natürlich eine entsprechende Gischt.
Ich tue mir sehr schwer, einen Blickwinkel zu finden, um das ganze Spektakel entsprechend ausdrucksvoll einzufangen. Deswegen bin ich etwas enttäuscht, weil ich von manchen Stellen aus einfach kein gutes Bild bekomme. Man muss schon ganz an den Rand des Wassers stehen, um freie Sicht zu haben -. von dort aus ist es aber dann kaum möglich die gesamte Szenerie auf ein Bild zu bekommen. Zudem bin ich pausenlos am Trockenwischen des Objektivs, so dass mir die kleinen Stromschnellen deutlich sympatischer waren.

Wir machen uns an den Aufstieg über die schmalen Wege und Treppen. Immer wieder hat man Gelegenheit nochmal nahe an das Wasser heranzutreten und eine kleine Dusche zu nehmen. Schließlich oben angekommen freuen wir uns über den großen Bereich, an dem man sich Erfrischungen kaufen, grillen oder einfach nur rasten kann.
Für die Mittagspause haben wir natürlich vorgesorgt und gönnen uns eine ausgiebige Pause. Noch ein kurzer Blick zur Kante, über die das Wasser in die Tiefe rauscht und weiter geht’s – diesmal bleiben wir auf der Höhe und laufen den Wanderweg in Richtung Burgruine Hohenurach. Von dort aus genießen wir noch eine Weile den grandiosen Blick ins „Ländle“ bevor wir uns wieder an den Abstieg und schlussendlich auf den Heimweg machen.

Eine wunderschöne Runde war das in der wunderschönen Schwäbischen Alb. Die Tour war die lange Anfahrt wert und ich wünsche Euch für ähnliche Unternehmungen bestes Wetter und für Eure Bilder allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Schloss Lichtenstein

Die Wanderung zum Schloss Lichtenstein bei Honau im Landkreis Reutlingen haben wir gleich zwei Mal im letzten Jahr gemacht. Und das nicht, weil es uns das erste Mal soviel Spaß gemacht hat, sondern…

Schon beim Aussteigen aus dem Auto geht der Blick andächtig und ungläubig zugleich nach oben. Es scheint unmöglich, wie das Gebäude an die Kante zum Abgrund gebaut wurde und doch steht es da immer noch.
Schloss Lichtenstein wird auch als das Märchenschloss Württembergs bezeichnet, wurde dort doch erst 2009 noch eine Verfilmung des Märchens Dornröschen abgedreht. Von März bis November ist es mit einer Führung für die Öffentlichkeit zugänglich, ohne Führung gelangt man nur in den Innenraum und kann von dort aus die prächtige Aussicht genießen.

Wir parken unser Auto auf einem öffentlichen Parkplatz im Ort und nehmen den vorbeiführenden Fußweg Richtung Echazquelle. Vorbei am Sportplatz und einer großen Forellenzucht führt uns der Weg an den Fuß des Berges, auf welchem das Schloss thront.
Ein schöner Picknickplatz lädt zum Verweilen ein und so werden wir gewahr, dass wir uns hier an der Quelle des Flüsschens Echaz befinden. Dieser wird ca. 23 km weiter in den Neckar münden und befindet sich ca. 250 m unterhalb unseres eigentlichen Ziels.
Was uns zum Manko des ersten Versuchs des Besuchs im Schloss bringt: Keiner von uns hat damit gerechnet, dass Anfang März hier noch Schnee liegen könnte.

Das Schild mit dem Hinweis auf den Alpinen Pfad nahmen wir noch wohlwollend zur Kenntnis, gleichwohl wurden wir nur kurze Zeit später eines besseren belehrt. Der Schnee auf dem Pfad wurde immer mehr und unglücklicherweise hat die umgestürzten Bäume auch noch keiner weggeschafft.
Am Anfang ist man noch frohen Mutes und denkt sich, dass das alles ja gleich viel besser werden würde – bis schließlich der Punkt kommt, an dem man normalerweise nicht weiter gehen würde, aber der Rückweg bergab über harschen Schnee ohne Krampen erst recht nicht mehr möglich ist.
Im Schneckentempo kämpften wir uns fast 2 Stunden durchs Gehölz und erreichten schließlich überglücklich das Schloss, welches wider erwarten noch nicht geöffnet war…

Das war der Moment, an dem man sich schwört, schon allein wegen der Tortur bei besserer Witterung und geräumten Weg den Aufstieg ein zweites Mal zu wagen.
Das war dann im September der Fall. Bei strahlend blauem Himmel und mit deutlich besseren Wegen sind wir den Pfad wieder hoch gestiegen – auch um uns selbst zu beweisen, dass es unter 2 Stunden zu schaffen ist.
Diesmal waren die Tore auch geöffnet, so dass ich meine gewünschten Bilder vom Schloss am Abgrund machen konnte .
Trotz des guten Wetters war nicht so viel Betrieb, als dass es unmöglich gewesen wäre mein Stativ aufzustellen. Panoramen mache ich gerne vom Stativ aus, da sich die Bilder oft leichter zusammensetzen lassen, wenn man den Rundblick nicht verwackelt.
Kleiner Tipp am Rande:
Für Panoramen mache ich die einzelnen Bilder immer im Hochformat – damit braucht man zwar mehr Einzelaufnahmen, aber man hat dann oben und unten mehr Raum, um das fertige Bild dann Ausrichten und/oder Zuschneiden zu können.

Ein paar Runden durch den Innenraum drehten wir, machten kurz Rast mit einer leckeren Brotzeit und genossen das Panorama mit dem Blick hinaus ins Schwabenländle.
Klar – man kann auch bis fast vor die Haustür mit dem Auto hier hoch fahren, aber ich denke das der Sinn und Zweck eines Ausflugs für uns doch immer noch in der körperlichen Bewegung liegt. 3 – 4 Stunden an der frischen Luft zu sein und sich zu bewegen ist doch auf jeden Fall besser, als immer alles direkt aus dem Auto heraus zu erledigen.
Wir haben ja auch noch unseren vierbeinigen Begleiter – die hat es auch lieber zu laufen, als zu fahren.

Um solche Aussichten genießen zu dürfen nimmt man doch gerne ein paar Strapazen auf sich. Für Eure Ausflüge wünsche ich Euch, wie immer, nur das beste Wetter und für die dabei entstehenden Fotografien allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Eine Wanderung an die Selkefälle

Zugegeben, wenn man vorhat, den Wasserfall zu fotografieren kann man hinfahren, am Straßenrand parken und einfach an die Selke runter gehen und los legen. Aber wer will das schon? Es gibt doch den wunderschönen Höhenwanderweg oberhalb des Tals, von dem aus sich herrliche Ausblicke auftun und der Körper und die Ausdauer ein wenig gefordert werden.

Wir parken unser Auto gleich nach einer Brücke über die Selke südlich von Mägdesprung in Fahrtrichtung Harzgerode rechts am Wald. Schnell schlüpfen wir in unsere Wanderschuhe und schon geht es los auf die gut 5 km lange Runde mit ca. 100 Höhenmeter.

Wir haben die Runde bewusst so gewählt, denn hier kommt gleich zu Beginn ein langer, zäher Anstieg, der mit einem herrlichen Ausblick an der Köthener Hütte gekrönt wird. Ab hier hat man den Berg erklommen und der Weg schlängelt sich durch den Wald am Hang entlang.

Interessant wird der Steig wieder in dem Bereich in dem er als Pionierweg betitelt ist. Hier kann der Wanderer durch einen Tunnel durch den Felsen marschieren und dieser Abschnitt kann als sehr abenteuerlich bezeichnet werden. Über uns der blaue Himmel, unter uns das Selketal – Wandererherz was willst du mehr?

Kurz nach dem Felsdurchbruch geht es auch schon wieder abwärts. Moderat abfallend windet sich der Weg immer noch am Berg entlang ins Selketal hinab. Abenteuerliche Brücken, die wenig vertrauenserweckend aussehen, führen über Rinnsale, die zur Regenzeit und/oder Schneeschmelze sicherlich viel Wasser führen können.

Unten an der Kreisstraße werden wir dann auch gleich von den im Harz typischen Hexen im Garten einer ehemaligen Gaststätte empfangen. Der Hexenkult ist vor allem rund um die sog. Walpurgisnacht im Harz äußerst lebendig. Für alle die dies interessiert sollte die Zeit um den ersten Mai auf jeden Fall für einen Aufenthalt im Harz reserviert sein. Am Hexentanzplatz in Thale und auch rund um den Brocken ist dann jede Menge geboten.

Der Wanderweg hat uns in luftiger Höhe am Selkefall vorbeigeführt. Wir gehen jetzt an der Selke entlang auf dem Wanderweg wieder in Richtung Auto zurück. Wie eingangs erwähnt hätten wir es uns auch leichter machen können, aber wir sind ja zum Wandern hier und nicht nur zum Fotografieren.

 Nach kurzer Zeit kommen wir zwei Kehren weiter endlich am ersehnten Wasserfall an. Hier hatten wir Glück, da das Wetter doch genügend Wasser für uns vorgehalten hat und die Felsen so sehr fotogen vom Wasser umspült wurden.

Ausreichend Plätze zum Picknicken und Entspannen sind rund um den Wasserfall vorhanden. So konnten meine Frau und unser Hund die dringend benötigte Pause machen und den Blick auf die Wassermassen geniesssen.
Ich bewaffnete mich mit Kamera, Stativ und Filter und machte mich rund um die Stromschnellen auf die Suche nach den besten Motiven. Barfuß durchquerte ich die Selke, was mit den rutschigen Steinen und der Ausrüstung in den Händen ein riskantes Unterfangen war. Gut, dass die Strömung nicht so stark war. So konnte ich ohne Kollateralschaden den Weg hin und zurück hinter mich bringen.
Und immer schön mit Filter arbeiten, so dass die Belichtungszeit in einem Bereich von mehreren Sekunden lag, was das Wasser dann schön geschmeidig weich erscheinen lässt.
Das eine oder andere Mal wartete ich geduldig, bis die anderen Wanderer ihre Selfies fertig hatten – meine Bilder, so ganz ohne störende Personen, habe ich noch immer bekommen.

Nun konnte ich meine Bilder machen. Mal Panoramanas die die gesamte Breite des Wasserfalls abdeckten, mal nur Details – einzelne Felsblöcke welche besonders schön vom Wasser umspült wurden. Das eine oder andere Mal wartete ich geduldig, bis die anderen Wanderer ihre Selfies fertig hatten – meine Bilder, so ganz ohne störende Personen, habe ich noch immer bekommen. Die Ausbeute war wirklich ergiebig, sodass ich sehr zufrieden den Rückweg zum Auto antrat.

Ich wünsche Euch für Eure Wanderungen bestes Wetter und für die Bilder, die bei diesen Gelegenheiten entstehen wie immer allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Eine Runde um den Oderteich

Der Oderteich im Harz ist ein historisch sehenswertes Bauwerk, entstand er doch bereits im frühen 18. Jahrhundert und war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die größte Talsperre Deutschlands. Mehrmals sind wir schon mit dem Auto über die Staumauer gefahren und haben den See bei allen Wasserständen gesehen. Doch im Sommer 2018 stockte uns doch der Atem, war der Stausee doch bis auf restliche 15 Prozent leergelaufen.

Die lange trockene Periode im Dürresommer 2018 hat fast alle Zuströme versiegen lassen und den Wasserstand an das hier sichtbare Minimum getrieben.
Ursprünglich benutzte man das aufgestaute Wasser dazu, um in den Sankt Andreasberger Bergwerken die Wasserräder für die Erzgewinnung antreiben zu können. Hierzu wurde der Rehberger Graben geschaffen und dieser leitet noch heute über seine mehr als sieben Kilometer Länge das Wasser zur Grube Samson, an der heute ein Wasserkraftwerk damit betrieben wird.

Die markanten Felsen rund um den Teich, die sonst nur einen kleinen Teil, ihren Rücken, preisgeben lagen in diesem August gänzlich frei – sogar die, die sonst metertief unter Wasser lagen und nie das Tageslicht erblickten.
Auch in anderen Talsperren, für deren Errichtung teils ganze Dörfer umgesiedelt wurden, traten alte Gebäudeteile und Grundmauern wieder hervor. Gespenstische Anblicke, die man nur selten genießen kann.

Davon unbeeindruckt lassen wir unser Auto am Parkplatz westlich der Überfahrt stehen und begeben uns auf den Rundweg, welcher trotz allem eine tolle Wanderung bietet.
Von Beginn an kann man ganz am Ufer spazieren und je nach Wasserstand mehr oder weniger der bekannten, weil markanten Felsen bestaunen. Immer wieder muss ich anhalten, um zu fotografieren. Bei Niedrigwasser ist der Anblick des steil abfallenden Ufers mit den, wie aufgeschichtet daliegenden Felsblöcken interessant. Bei normalem Wasserstand mache ich mit entsprechenden Filtern vor dem Objektiv Langzeitbelichtungen der Felsen, so dass das Wasser um diese herum absolut seidig weich erscheint. Schöne Bilder zum Entspannen.
Für solche Aufnahmen wähle ich zuerst einen Polfilter. Diesen setzte ich dazu ein, um entweder die Spiegelung aus dem Wasser zu nehmen, um zu zeigen, was sich unter der Wasseroberfläche verbirgt, oder, wenn es das Motiv verlangt, die Spiegelung zu verstärken. Dies kommt vor, wenn sich beispielsweise eine interessante Bergformation im Wasser spiegelt und diese dann schön klar auf das Bild soll.
Dann wähle ich zusätzlich einen oder zwei ND-Filter, um die Belichtungszeit auch am Tage so zu verlängern, dass für das fertige Bild mehrere Sekunden oder sogar Minuten belichtet wird. Dadurch kommt der weiche Look des Wassers ins Bild.

Nach ein paar hundert Meter zweigt der Weg nach Westen vom Ufer ab – es beginnt eine Zone mit besonderem Naturschutz, da hier Brutplätze der Wasservögel liegen. Ein kurzer Blick zurück lässt uns die imposante Staumauer erkennen und gibt die Sicht frei auf die Ingenieurskunst der früheren Zeiten.

Schnell erreicht man im weiteren Verlauf eine Weggabelung, die für uns auch schon den Umkehrpunkt bedeutet. An der Brücke über den Zulauf ist auch ein kleine Rastmöglichkeit, so dass sich die Mitnahme einer Brotzeit rentiert. Auf der Ostseite der etwa 30 ha großen Wasserfläche geht es wieder Richtung Staumauer zurück.

Hier ist es immer wieder erstaunlich, wenn man die Größenvergleiche zwischen den Wanderern und den Felsblöcken anstellen kann. Wie klein der Mensch doch ist, wenn man ihn mit der großen Urtümlichkeit der Natur vergleichen kann. Immer wieder wird mir bewusst, wie viel Wasser hier fehlt und somit – wie trocken dieser Sommer in Wirklichkeit war.
Das Fassungsvermögen des Oderteichs umfasst knappe 1,7 Millionen Kubikmeter! Rechne das mal in Wassereimer um…

… na ja, egal. Wer will schon wissen, dass es 1700 Milliarden 10 Liter Eimer sind? Unvorstellbar!

Teils über Holzbohlen, teils über frisch angelegte, gemulchte Wege führen uns die Wanderschilder wieder Richtung Süden, auf den Staudamm zu. Immer wieder laden Aussichtspunkte zum Verweilen und Genießen ein. Selbst wenn ausreichend Wasser im Teich ist hat man viele Gelegenheiten, die Seele baumeln zu lassen. Einfach mal hinsetzen und der Natur zuhören, was sie zu sagen hat. Das vielstimmige Vogelgezwitscher hat, meiner Meinung nach, in den letzten Jahren ziemlich nachgelassen. Da lohnt es sich schon in den wenigen Momenten, die wir haben, einmal genauer hin zu hören. Irgendwo zwitschert, plätschert oder quakt bestimmt etwas.

Zurück an der Staumauer, die immerhin beachtliche 17 m an Höhe misst, überqueren wir diese parallel zur Straße und erreichen so nach knapp 4,5 km wieder den Ausgangspunkt unseres Spaziergangs.

Übrigens entstanden hier auch meine „Selfies“, welche seit diesem Tag zu meinem Markenzeichen geworden sind. Mein Blick auf die Natur war in diesem Sommer 2018 das Sinnbild dafür, dass wir alle auf uns und die Natur besser acht geben sollten.

Ich hoffe, das es bei Dir in der Nähe auch etwas interessantes zu entdecken gibt und wünsche Dir für Ausflüge, Wanderungen und Spaziergänge gutes Wetter und für die Bilder die bei dieser Gelegenheit entstehen allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Professionelles Fotobuch von Saal Digital

Ich hatte das große Glück und bekam einen Gutschein zum Test eines Fotobuchs aus der Professional Line. Als Fotograf bin ich sehr dankbar, dass ich ab sofort mein Portfolio im entsprechenden Profirahmen präsentieren darf.

Mit der intuitiv zu bedienenden Software ist das Buch einfach erstellt und schnell und professionell gestaltet. Jetzt nur noch im Warenkorb bezahlen und schon am dritten Tag nach der Bestellung liegt das Werk im Briefkasten. Hohe Qualität und schneller Versand trotz der aufwendigen Produktion sind mir lieb gewordene Eigenschaften, die Saal Digital von der Masse abheben.

Ich habe die Version mit mattem Fotopapier und dem High-End-Druck gewählt. Vollständig begeistert bin ich von der Qualität meiner Bilder. Teilweise kann man eine Art 3D-Effekt auf den Bildern vermuten, so detailliert und farbecht sind die Fotos.

Ebenfalls gefällt mir die sog. Layflat-Bindung, welche seitenübergreifendem Druck ohne störenden Falz erlaubt. Gerade für mich als Natur- und Landschaftsfotograf ein unschätzbarer Vorteil beim Druck von Panoramen. Die gesamte Breite des Buches kann formatfüllend ausgenutzt werden.

Feine Details, wie beispielsweise der Sonnenstern auf dem Bild oben, werden absolut scharf wiedergegeben.
Gerade für die wichtigen Momente des Lebens ist diese Art der Präsentation richtig. Ob Hochzeit, Taufe oder sonstige Feste, welche in geeignetem Rahmen in Erinnerung bleiben sollen – die Professional Line ist das Beste, was mit den Bildern passieren kann.

Mir gefällt besonders, dass in der matten Version die Bilder so herrlich unaufdringlich wirken und doch ihre gesamte Brillanz zur Geltung kommt. Der hochwertige und edle Einband liegt gut in der Hand, so dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen will. Das Blättern in den lieb gewordenen Erinnerungen wird so immer wieder zum Erlebnis.

Die Farben sind toll und lebendig. Die Bilder sehen alle genau so aus, wie ich sie in Lightroom vorbereitet habe. Keine Farbabweichung, kein Rauschen – nichts stört bei der Betrachtung.

Alles in allem ist das Fotobuch aus der Professional Line genau das, was der Name schon sagt: Professionell!
Ich kann es, trotz des etwas höherem Preis, uneingeschränkt empfehlen. Qualität kostet und mit der Ausführung wird jeder mehr als zufrieden sein. Schön ist auch, dass kein Barcode oder Hersteller-Logo auf dem Umschlag ablenkt.

Um Bilder für die Professional Line anfertigen zu können wünsche ich Euch allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Langzeitbelichtung – wie lange ist lang genug?

Bei der Langzeitbelichtung scheiden sich oft die Geister und keiner kann genau sagen, wie lange die Langzeitbelichtung eigentlich sein soll und ab wann ist eine Belichtung eine Langzeitbelichtung?
Abgesehen von den persönlichen Vorlieben gibt es tatsächlich kein Richtig und kein Falsch. Jeder muss für sich selbst und für seinen Geschmack den passenden Stil finden.
Tatsache ist, dass Wasserfälle und Kaskaden in den Schluchten oder einer Klamm je nach Bildaussage mit allen möglichen Geschwindigkeiten fotografiert werden können. Bei schnellen Verschlusszeiten wirken die Wassertropfen wie eingefroren und können z. B. bei einem eingezoomten Detailbild auch sehr toll aussehen.

Ich habe eine Serie mit Bilder unterschiedlicher Belichtungszeiten erstellt und kann anhand derer die Effekte, welche durch die Verlängerung der Verschlusszeit entstehen, anschaulich machen.

Das erste Bild wurde ohne Filter aufgenommen. Da es zum Zeitpunkt der Aufnahme schattig war konnte ich mit ISO 100 und Blende 11 bereits eine Verschlusszeit von 1/10 Sekunde erzielen. Schon mit dieser Belichtungszeit vom Bruchteil einer Sekunde und einer relativ schnellen Fließgeschwindigkeit kann man bei dem Ergebnis von einer Langzeitbelichtung sprechen. Das Wasser hat schon weiße Schlieren und sieht seidig weich aus. Etwas Struktur ist noch vorhanden, was der Spannung im Bild gut tut. Je nach Wassermenge und Fließgeschwindigkeit können bereits bei solchen Belichtungen die Effekte einer Langzeitbelichtung sichtbar werden.

Anschließend habe ich den Pol-Filter aufgesetzt und die Belichtungszeit verlängerte sich hiermit bereits auf 1/4 Sekunden. Ich habe aktuell eine Anfrage erhalten, ob denn die Verwendung eines Polfilters überhaupt Einfluss auf die Verschlusszeit nimmt. Durch dieses Beispiel wäre belegt, dass der Polfilter eine Verlängerung der Belichtung von ein bis zwei Blenden bewirkt (Verdoppelung bis Vervierfachung der Zeit).
In vielen Fällen kann dies bereits ausreichen, um den gewünschten Effekt zu erhalten. Ein Polfilter kommt bei mir im Zusammenhang mit Wasser so gut wie immer zum Einsatz. Er nimmt der Wasseroberfläche den Glanz und mindert Reflektionen. So wird die Wasseroberfläche an vielen Stellen wieder durchsichtig und die Steine auf dem Grund werden sichtbar, was dem Bild zu wesentlich mehr Detailreichtum und Tiefe verhilft.

Dann steckte ich zusätzlich noch einen ND 2 Filter vor den Polfilter. Jetzt kam ich schon auf eine Belichtungszeit von 1 Sekunde. Die Flächen mit dem weißen Schaum werden größer und länger, so dass vom Grund des Baches nicht mehr viel zu erkennen ist. Hier ist für meinen Geschmack für diese Art Bilder die Grenze erreicht. Stärkere Filter braucht es da meiner Meinung nach nicht mehr.

Das nächste Bild wurde mit einem ND 8 Filter aufgenommen und wurde 2 Sekunden belichtet. Das Wasser ist jetzt komplett glatt gezogen und hat jegliche Struktur in den Wellen verloren. Wenn wenig Wasser im Bach oder das Gefälle so gering ist , dass das Wasser nur sehr langsam fließt, kann es durchaus erforderlich werden mit Belichtungen um die zwei Sekunden zu experimentieren. Lieber sicherheitshalber eine Aufnahme mehr machen, als zu Hause festzustellen, dass der Zeitraum noch nicht lang genug gewählt wurde.

Das letzte Bild wurde mit einem ND 64 Filter aufgenommen und hat dann bereits 15 Sekunden Belichtungszeit gebraucht. Das Wasser sieht gegenüber der 2 Sekunden Belichtung nicht anders aus, so dass sich aus der Verlängerung der Verschlusszeit meiner Meinung nach kein Vorteil mehr ergibt. Es ist also mehr oder weniger Zeitverschwendung auf zu lange Belichtungen zu warten.

Selbstverständlich gibt es für diese Art der Fotografie auch Möglichkeiten der Verwendung. Verschlusszeiten von 30 Sekunden und darüber bringen beispielsweise an einem See oder am Meer traumhaft minimalistische Bilder hervor. Ein Stein oder eine Reihe von Buhnen am Strand werden bei diesen langen Zeiten malerisch vom absolut glatt gezogenen Wasser umspült, so dass sich hier ein meditativer Ansatz erreichen lässt.

Die hier beschriebenen Zeiten wurden von mir bei völlig bewölktem Himmel in bewaldeter Umgebung erzielt. Bei Sonnenschein kann der Einsatz von stärkeren Filtern zur Erreichung der Belichtungsverlängerung erforderlich werden. Dies gilt es immer im Einzelfall herauszufinden. Jeder Ort und jede Tageszeit mit der veränderten Belichtungssituation erfordert auch ein Anpassen der Filter bzw. der Blende und Belichtungszeit.
Wichtig ist, dass man mit Stativ und der geringsten ISO-Zahl an die Aufgabe heran geht. Bei weitwinkligen Aufnahmen (z. B. 24 mm) wird mit Blende 11 in der Regel so ziemlich alles im Bild scharf abgebildet.
Von hier ab wird der Normalwert der Belichtung abgelesen und dann mit den passenden Filtern die gewünschte Verschlusszeit herbeigeführt.
Am besten nimmt man sich mal einen Nachmittag Zeit und nimmt seine Ausrüstung mit an einen geeigneten Bachlauf und versucht sich mit den unterschiedlichsten Belichtungszeiten – bis einem das Ergebnis gefällt…

Ich wünsche Euch jetzt ganz viel Spaß beim Experimentieren und vor allem allzeit gutes Licht für die erhofften Bilder

Werner Kutter

Durch das Hochmoor bei Torfhaus

Der Ort Torfhaus war ist die höchst gelegene Siedlung Niedersachsens. Jahrzehntelang war hier der beliebteste und beste Aussichtspunkt für die Westdeutschen um den höchsten Gipfel des deutschen Mittelgebirges, den Brocken, zu sehen. Riesige Richtfunkantennen sowie Sendemaste für Rundfunk- und Fernsehsignale sicherten in den Zeiten des kalten Krieges den Nachrichtenfluss und die Telefonverbindung zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik Deutschland. Zum Abhören des grenzüberschreitenden Telefonverkehrs hat die russische Besatzung auf dem Brocken schließlich Spionageanlagen errichtet und diese mit einer meterhohen Betonmauer gegen unerwünschte Blicke verwehrt.

Heute führt ein herrlicher Naturkundepfad durch dieses Hochmoor. Immer wieder kommt der Brocken in seiner ganzen Pracht in unser Blickfeld. Herrliche Wollgrasbüschel, Moose und andere Moorpflanzen säumen den Weg. Stellenweise wurde ein Holzbohlensteg direkt über das Moor gebaut, so dass die Erlebnisse besonders intensiv werden können.
Allerdings wird der Blick oft auf die abgestorbenen und teils wild verstreut liegenden Bäume gelenkt. Im Nationalpark Harz wird nach dem Prinzip vorgegangen, dass der Mensch nicht mehr in den Lauf der Natur eingreift und so darf man schon mal erschrecken, wenn es hier mitunter wild aussieht.

Die immer trockener werdenden Sommer machen auch vor dem Nationalpark nicht halt. So kommt es, dass in der eigentlich regenreichen Region jetzt auch der Borkenkäfer und Pilzbefall dem Baumbestand arg zusetzt. Und hier auf der Runde kann man sich davon aus nächster Nähe ein Bild davon machen.

Wer auch immer wieder vorkommt ist der Luchs. Immer wieder werden der wieder heimischen Wildkatze Denkmäler errichtet. Auf dem Weg von Torfhaus nach Bad Harzburg wurde ein Luchsgehege samt Beobachtungsplattform an der sog. Rabenklippe errichtet, auf der man auch der Fütterung der „Raubtiere“ beiwohnen kann. Rund 200 Jahre nach ihrer Ausrottung hat 1999 das Land Niedersachsen die Wiederansiedlung der Katze beschlossen. Der wunderschöne Luchs sollte in seine alte Heimat, den Harz zurückkehren und das scheint heute gelungen zu sein.

Der Rundweg durchs Hochmoor kann, dank der guten Anbindung an das vorhandene Wanderwegenetz beliebig ausgedehnt oder auch verkürzt werden. Sonniges Wetter mit schöner Fernsicht auf den Brocken macht die Anstrengungen natürlich angenehmer. Man kann auch von hier aus über den sog. Goetheweg die Brockenbesteigung zu Fuß anstreben und anschließend beispielsweise mit der Brockenbahn Richtung Wernigerode den Rückweg antreten. Der Fantasie und Wanderlust sind im Harz nahezu keine Grenzen gesetzt.

Was an der Aussicht von Torfhaus zum Brocken natürlich auch sehr gelegen kommt, ist das Licht am Morgen zum Sonnenaufgang. Wer sich früh genug aus dem Bett quälen kann und hier hochfährt, der wird hinter dem Torfhaus Nationalpark-Besucherzentrum am Beginn des Fusswegs mit einer tollen landschaftlichen Komposition belohnt, welche in keinem Portfolio fehlen sollte.

Die führende Linie des Weges lenkt den Betrachter ins Bild hinein – direkt auf den markanten Gipfel des Brockens hin, so dass das Bild eine enorme Tiefe erhält. Hier sind alle Elemente einer starken Komposition vorhanden – ein Vordergrund mit dem Weg und den flankierenden Felsen und dem Geländer, eine Bildmitte mit den einzelnen Stufen der bewaldeten Hügel und ein starker Hintergrund mit dem bekannten Gipfelabbild und der imposanten Färbung des morgendlichen Himmels.
Selbst den größten Morgenmuffel sollte bei diesem Anblick in freier Natur eine kleine Gänsehaut heimsuchen.

Für Wanderungen wie diese wünsche ich Euch, wie immer, nur das beste Wetter und für Eure Bilder, die dabei entstehen, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Das Bodetal bei Thale

Thale ist rund um die Walpurgisnacht Mekka der Hexen und Magier. Hier liegt der berühmt berüchtigte Hexentanzplatz von dem aus der Sage nach die alten Weiber auf ihren fliegenden Besen in Richtung Brocken starten um dem Teufel zu huldigen. Rund um den Bahnhof in Thale kommt alles zusammen. Hier sind die Parkplätze angelegt und auch der Eingang zur Thale Erlebniswelt mit Hochseilgarten, Seilbahnen und Infopavilliions.

Und hier tritt die Bode aus dem Harz heraus und ergießt sich über Quedlinburg bis in die Magdeburger Börde. Das Bodetal ist wildromantisch und beherbergt noch eine weitere Sage. Gegenüber dem Hexentanzplatz besteht der Aussichtspunkt um den eine märchenhafte Geschichte erzählt wird.
Demnach verfolgte einst Ritter Bodo von Böhmen die Königstocher Brunhilde, die auf ihrem Schimmel vor der ungewollten Vermählung floh. Just an der Stelle setzte die Prinzessin zum Sprung über die Schlucht an und überwand den Abgrund unter Verlust ihres Krönchens. Der Verfolger stürzte in die Tiefe und wurde in einen schwarzen Hund verwandelt, der seitdem die Krone bewacht. Zudem gab der Ritter dem Fluss seinen heutigen Namen. Im Fels ist bis heute der Abdruck des Pferdehufs zu bestaunen – so stark war das Tier bei seinem Absprung gegen den Granit getreten. Unten im Tal kann man heute in der Gaststätte Königsruhe eine kleine Brotzeit genießen und sich dem Flair dieses reizvollen Abschnitts hingeben.

Der einfache Wanderweg folgt der Bode mehr oder weniger stetig. Im Bereich der Teufelsbrücke müssen einige Steigungen überwunden werden, so dass der Weg etwas oberhalb des Bachlaufes entlangführt. Wer möchte und gut zu Fuß ist kann die Strecke bis Treseburg laufen und von dort mit dem Bus wieder nach Thale zurückfahren.

Ich habe die zahlreichen Gelegenheiten dazu genutzt, um wieder einmal Langzeitbelichtungen zu machen. Hierfür ist natürlich ein Stativ unbedingt erforderlich, da es unmöglich ist die Kamera so lange still zu halten. Alternativ kann die Kamera auch auf einer Brüstung oder Felsblock oder Ähnlichem abgelegt werden – dann sind allerdings die Möglichkeiten stark limitiert.

Ich verwende hauptsächlich Rechteckfilter mit 100 mm Breite. Um die Spiegelung des Wassers etwas abzumildern verwende ich in fast allen Fällen einen Polfilter. Mit diesem lese ich dann die erforderliche Belichtungszeit an der Kamera ab und setzte dann zusätzlich, nach Bedarf, noch Neutraldichtefilter (ND-Filter) davor.

So komme ich schnell auf Belichtungszeiten zwischen einer und vier Sekunden, was für den von mir gewünschten Effekt sehr gut ausreicht.

Ich wünsche Euch für die Wanderung gutes Wetter und für die Bilder allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Der Jahresrückblick 2019

O. k. ich habe keine 100.000 Follower, ich nenne mich nicht Influencer und habe auch noch keine Bücher geschrieben – doch trotzdem bin ich auf ein paar Sachen stolz, die ich in 2019 erreicht habe. Und die möchte ich Euch gerne mitteilen und so das Jahr nochmal ein klein wenig Revue passieren lassen.
Es ist viel passiert, schauen wir’s uns an:

Nach dem Osterurlaub im Harz haben wir auf der Heimfahrt noch einen Schlenker über Heidelberg gemacht. Dort haben wir Freunde besucht und auch am Sonntag einen Tag in Frankfurt verbracht. Beim Spaziergang durch die Stadt habe ich auch immer wieder einen Blick zum Himmel geworfen, da immer wieder dicke, fette Wolken auftauchten und ich doch noch den Sonnenuntergang mit der Skyline von Mainhattan fotografieren wollte. Wolken am Himmel sind immer schön, doch wenn die Bewölkung zu dicht wird kann es auch schnell wieder ins Gegenteil umschlagen.
Also warteten wir geduldig ab, bis es Zeit wurde sich auf der Flößerbrücke in Stellung zu bringen. Am Nachmittag hatte ich mir beim Rundgang bereits einen Standort ausgesucht und zum Glück war der noch frei. Mehrere Fotografen hatten schon die Stative ausgepackt und warteten, so wie ich, auf den richtigen Moment.
Laut PhotoPills, eine App zur Bestimmung des Sonnenstandes abhängig von Standort und Uhrzeit, sollte der Sonnenuntergang genau zwischen den Hochhäusern im Finanzdistrikt stattfinden. Und die Wolken meinten es auch gut mit uns: Hinter der Skyline war klarer Himmel, so dass die Sonne schön zwischen den Häuserschluchten durchscheinen konnte. Im Vordergrund war eine tiefe, dicke Wolkenschicht welche dramatisch und bedrohlich vor der Szene zu liegen kam und von der tief stehenden Sonne von unten erleuchtet wurde. Ein Anblick der mich an Independance Day erinnerte.
So hatte ich mein persönlich bestes Bild bereits vor Mai im Kasten und dies sollte auch das Bild mit der größten Resonanz in den sozialen Medien für mich werden.

Nach der Rückkehr und dem genannten Erfolg des Bildes reifte in mir der Plan, für die Zukunft etwas aufbauen zu wollen was mir unglaublich viel Spaß macht und etwas „Taschengeld“ einbringen könnte – ich gründete meine Firma „Werner’s Fototräume“.
Da mir bereits Flächen in Aussicht gestellt wurden, um Bilder auszustellen, wollte ich alles richtigmachen und holte mir den Gewerbeschein auf der Gemeinde. Schnell waren die Formalitäten erledigt und so konnte ich an die Bestellung der Leinwände gehen, die ich ausstellen wollte.
Ein bunter Querschnitt meines bisherigen Schaffens hängt seit Juni jetzt in der Ergotherapiepraxis von Uwe Wahl in Memmingen. Nach vorheriger Terminvereinbarung können die Exponate besichtigt werden (Tel.: 08331/9246985). P. S.: Die Bilder kann man natürlich auch kaufen und zu Hause in aller Ruhe betrachten!

Im Frühsommer stand die Renovierung unserer Küche an. Damit die Tapete an der Arbeitsfläche und hinter dem Ceranfeld geschützt wird, wollten wir dort zuerst eine Rückwand vom Möbelhaus anbringen lassen. Nach langem hin und her befanden wir, dass es doch standesgemäßer wäre, wenn es bei einem Fotografen in der Küche auch ein Bild als Küchenrückwand zu bestaunen gibt. Also habe ich meine Panoramaaufnahmen durchsucht, welche Bilder sich für diese Verwendung eignen könnten. Nach kurzem Suchen bin dann tatsächlich auch fündig geworden, da ich im Frühjahr am Hopfensee bei Füssen war, da ich an dem Abend einen schönen Sonnenuntergang vermutete.
Leider blieb das Farbspektakel aus, aber wenn man schon mal da ist, dann macht man natürlich Bilder. Und für diesen Zweck, hinter Glas in einer Küche zu enden, waren die Bilder mit dezenteren Farben sowieso viel besser geeignet.

Der Sommerurlaub musste aus privaten Gründen umgeworfen werden, so dass ich nicht in das sehr fotogene Elbsandsteingebirge fahren durfte. Als Entschädigung wählten wir jedoch die Dolomiten, was mich zu meinem körperlichen Höhepunkt bringt: Die Umrundung der Drei Zinnen.
Untrainiert und fern der Heimat bin ich dort in über 2500 m Höhe den über 9 km langen Rundwanderweg mit Kamera, zwei Wechselobjektiven (Ultraweitwinkel und Telezoom), Proviant und Wasser im Rucksack und meinem Stativ in der Hand gegangen. Atemberaubende Aussichten machten die, für mich gewaltigen, Anstrengungen vergessen. Ich hätte es selbst nicht geglaubt, dass ich es mit einem schmerzenden Knie und der Teilprothese im anderen schaffen würde und so konnte ich alle Bedenken überwinden und das für mich bis dahin größte Abenteuer erleben.

Im selben Zeitraum erhielt ich von meinem besten Arbeitskollegen die Anfrage, besser gesagt den Auftrag, seine Hochzeit zu fotografieren. Für einen Natur- und Landschaftsfotografen gleichwohl eine Ehre wie auch eine sehr große Herausforderung, da mir meine Motive sonst nicht weglaufen können. Und meinem „Lieblingskollegen“ konnte ich sowieso noch nie etwas ausschlagen. Da es sich „nur“ um eine standesamtliche Trauung mit Feier im engsten Familienkreis handelte dachte ich mir: Das schaffst Du schon.
Also setzte ich alles daran, so viele Infos wie möglich zu erhalten und siehe da: dem Paar haben meine Bilder sehr gut gefallen.
Ich bin dankbar dafür, dass ich die Erfahrung machen durfte und nun weiß, dass ich 1. Menschen fotografieren kann und 2. kein Hochzeitsfotograf werde.

Von dem Erfolg beflügelt nahm ich dann auch gleich die nächste Herausforderung an, von einer benachbarten Abteilung ein Abschiedsbild für deren scheidenden Chef zu machen. Ich hatte ja jetzt Erfahrung und natürlich auch gleich eine Idee, als ich hörte wo das Shooting stattfinden sollte. Allzuviel kann ich über diese Sache noch nicht berichten, da die feierliche Übergabe zu Ehre der Verabschiedung noch nicht stattgefunden hat und eine Überraschung bleiben soll.
Nur soviel: Die Bilder haben großen Gefallen gefunden.

Zum Jahresabschluss habe ich es nun auch zum zweiten Mal geschafft, für die Weihnachtskarte der DLRG Memmingen/Unterallgäu das Motiv zu liefern. Dankenswerterweise erhalte ich immer eine Karte für mich zur Archivierung und so bin ich stolz darauf, dass so mein Name über diese schöne Aktion in der Gegend in Umlauf kommt. Ich werde mich auch in 2020 bemühen wieder ein Bild für gemeinnützige Institutionen zur Verfügung zu stellen.

Die größte Ehre wurde mir von meinem Arbeitgeber gemacht. Ich hatte bereits im Februar den Sonnenaufgang am neuen Umspannwerk bei mir zu Hause in Woringen fotografiert. Dieses Bild habe ich dem Kollegen zukommen lassen, der das Umspannwerk geplant und als Bauleiter errichtet hatte. So kam das Bild im Unternehmen in Umlauf und landete schließlich auch in unserer Abteilung für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Von da an ging alles ganz schnell: Nachdem ich das o. k. zur weiteren Verwendung gegeben habe wurde das Bild zuerst auf Instagram im Feed der Lechwerke AG veröffentlicht. Anschließend gelang es mehrfach in die Präsentationen von Bilanzen und des Jahresabschlusses. Als im August nun die LEW Verteilnetz GmbH, bei der ich angestellt bin, ihre neue Webseite veröffentlichte traf mich fast der Schlag: Mein Bild war der Opener in die Welt der LVN – es zeirt fortan die Homepage von www.lew-verteilnetz.de

Das war der wesentlicihe Überblick über mein persönliches 2019.
Viel ist passiert, ich habe wieder jede Menge dazu gelernt und bin der Meinung: Da geht noch was!
Insofern wünsche ich Euch allen einen guten Rutsch und viel Erfolg – vor allem aber Gesundheit – in 2020.
Allzeit gutes Licht!

Werner Kutter