Umrundung der Drei Zinnen (Teil 1)

Ein Arbeitskollege hat mir diesen Floh ins Ohr gesetzt. Ich erzählte vom Wunsch auch mal schöne Berggipfel zu fotografieren, doch auf Grund meiner lädierten Knie würde das ja wohl nichts mehr werden. Darauf hin erfuhr ich davon, dass man mit dem Auto quasi bis an den Fuß der Drei Zinnen fahren kann. 

Schnell war die Sehnsucht geweckt und der brennende Wunsch entstand, einmal diese imposanten Gipfel zu fotografieren. Das war dann auch der eigentliche Hauptgrund für unseren Aufenthalt in Südtirol. Bald hatte ich alle Informationen zusammen. Die Auffährt kostet 30 Euro und ist nur von 7 – 19 Uhr möglich – die Rückfahrt übrigens auch! Der Rundweg dauert angeblich nur 3 ½ Stunden – dazu später mehr.

Der Wetterbericht war seit unserer Ankunft in Niederrasen mein wichtigstes Thema. Ständig überprüfte ich die prognosen für die kommenden Tage. Als sich herausstellte, dass die Wetterbedingungen für Montag nahezu optimal sein würden und vor allem das Gewitterrisiko sehr gering war, packte ich Rucksack und Auto und machte mich nach einem ausgiebigen Frühstück auf den Weg.

Ich fuhr tiefer ins Pustertal hinein Richtung Sexten. Bei Toblach bog ich ab Richtung Cortina dˋAmpezzo um schließlich ins Herz der Dolomiten vorzustoßen. Kurz hinter dem Dürrensee musste ich ein weiteres mal abbiegen, um kurze Zeit später, nach unzähligen Kurven und Kehren im Stau vor der Mautstelle zu stehen. Erste Gelegenheit die Umgebung genauer zu betrachten und die bergkulissen zu genießen. Vorher auf der Fahrt war das ja kaum möglich, zu sehr muss man bei dem kurvigen Straßenverlauf aufpassen. Trotz der langen Schlange geht’s doch relativ schnell voran. Nachdem ich die Gebühr entrichtet habe kann ich auch schon die letzten Kehren in Angriff nehmen. Am Großparkplatz wurde ich durch die Einweiser zu einer freien Lücke geleitet und konnte nach dem Aussteigen erst mal das gewaltige Panorama der Sextener Dolomiten genießen.


Ich entschloss mich gegen den Uhrzeigersinn, also auf der Südseite der Drei Zinnen erst einmal zum Paternsattel zu laufen. Ein paar hundert andere Wanderer waren meiner Meinung und so reihte ich mich ein in die lange Schlange der Umrunder.

Schnell hatte ich die Auronzo Hütte hinter mir gelassen und mich auch an die Höhenluft zwischen 2300 und 2500 m gewöhnt. Immer wieder blieb ich stehen und genoss den Anblick. Auch ohne zu wissen, wie die ganzen Spitzen und Gipfel alle beim Vornamen hießen wollte ich die Eindrücke in mich aufsaugen.
Nach anderthalb Kilometer war auch schon die erste Sehenswürdigkeit der Runde , eine kleine Kapelle als Stätte der Andacht, erreicht. Viele stoppten hier und so nahm auch ich das zum Anlass, erst einmal einen geeigneten Ort für die ersten Bilder zu suchen. Ich hatte ein tolles Panorama gesehen, welches an der Kapelle gemacht wurde – allerdings mit deutlich weniger Menschen als an diesem Montag.

Bald ging ich weiter, ständig mit dem Blick Richtung Süden abschweifend, bis zur Lavaredo Hütte. Da sich bei dem tollen Wetter beinahe jeden Meter neue, atemberaubende Aussichten auftaten hatte ich auf diesen ersten etwas mehr als
2, 5 km gar keinen Gedanken an die Drei Zinnen verschwendet. Von der Südseite aus sehen diese sowieso ganz unbekannt aus, da die markanten Bilder alle von der Nordseite sind.

Nach kurzer Rast und ein paar Panoramaaufnahmen – die ich übrigens vorzugsweise im Hochformat aufnehme um beim Zusammenfügen bessere Ergebnisse zu erzielen – ging es weiter. Es folgte der erste, anstrengende Aufstieg von der Hütte auf den Paternsattel. Und da mir der noch nicht reichte stieg ich gleich noch weiter hoch zum Einstieg in den Klettersteig welcher auf den Paternkofel führt.

Im Bild ganz unten sieht man den Sattel – er ist sogar als Hubchrauberlandeplattform ausgelegt. Ich wollte jedoch nicht auf den Gipfel des Paternkofels sondern in ein Bauwerk mit geschichtlichem Hintergrund. Am Einstieg muss man zuerst durch einen langen, von Hand in den Fels getriebenen Stollen der schon im ersten Weltkrieg beim Stellungskampf in den Alpen errichtet wurde. Immer wieder wurden „Fenster“ in die Felswand geschlagen, um die Umgebung und die Gegner zu beobachten. Mir sollte so ein Fenster als Rahmen für ein Bild der Drei Zinnen dienen.

Da die gesamte Runde noch eine ganze Weile zum Weitererzählen dauert, schiebe ich das auf nächste Woche. Seid gespannt, welche Ansichten ich noch alles entdeckt habe. Bis dahin wünsche ich Euch natürlich, wie immer, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Gsieser Tal

Der Besuch in diesem Tal war eigentlich ein Unfall. Er war nur der Tatsache geschuldet, dass wir bei der Zufahrt zum Pragser Wildsee zu spät dran waren und nicht mehr durchgelassen wurden. Was heißt zu spät? Wir sind genau um 10.00 Uhr vom Kreisverkehr im Pustertal in die Straße eingebogen. Bis zum entscheidenden Kreisel, an dem der Verkehr sich in Richtung See und Plätzwies aufteilt, waren es höchstens 2 Minuten – zuviel. So musste ein Plan B her, der sich jedoch schnell als Glücksfall entpuppte. Wir hatten das Gsiesertal schon auf dem Schirm, jedoch keine fixe Idee, wann wir dort hin fahren wollten.

Vorbei an schönen Orten, markant aufragenden Kirchen und Bergbauernhöfen schlängelt sich die Straße eingerahmt von waldigen Hängen kilometerweit bis St. Magdalena, ganz am Ende des Tals. Am Ende des Ortes wiederum erwartet uns am letzten Kreisverkehr die Talschlusshütte. Von der Beschreibung her sollte hier die Wanderung starten. Wer sich gut vorbereitet hatte, der weiß, das man hier noch ein paar hundert Meter Laufstrecke sparen kann und noch zu einem weiter hinten im Tal liegenden Parkplatz fahren kann.

Jetzt heißt es endgültig Auto abstellen und die Wanderschuhe schnüren. Denn nun folgen wir zu Fuß den Schildern zur Kradorfer Hütte.

Moderat steigend folgen wir dem gut begehbaren Forstweg. Überall scheint Wasser aus den Hängen zu kommen und es sammelt sich schließlich in einem herrlich erfrischenden Bergbach. Dieser leitet uns mehr oder weniger stetig bis zur Hütte hoch.

An einigen Stellen können wir erst den Hund nicht davon abhalten, sich im Bach zu baden – schließlich bin ich es selbst, der nur noch langsam vorankommt, da ich immer wieder Bilder machen „muss“. Und Langzeitbelichtungen am Wasser brauchen schon mal Zeit. Wenn ich die Belichtungszeit mittels Polfilter und Graufilter in den Bereich mehrerer Sekunden verlängere, geht ohne Stativ nichts mehr. Bis dann die Komposition passt und alles eingerichtet ist, gehen schon ein paar Minuten ins Land. 

Schließlich kamen wir doch noch gut oben an und gönnten uns eine wirklich empfehlenswerte Brotzeit auf der Kradorfer Hütte.

Das Spiegelei waren eigentlich drei, die Bratkartoffel sensationell und der Südtiroler Schinken sagenhaft. Das alles zusammen in einer Pfanne – unschlagbar!

Der Rückweg bergab war dann der reinste Verdauungsspaziergang. Wir wählten die Route neben der Straße, auf dem gut begehbaren Wanderweg vorbei an wiederkäuenden Kühen, Schmetterlingen und Silberdisteln. Hin und wieder kamen wir auch wieder dem Bergbach sehr nahe, was vor allem unseren Hund sehr freute. Jede Erfrischung ist bei der warmen Witterung willkommen. 


Für alle, die mit der Höhe Probleme bekommen könnten, zur Info:
St. Magdalena liegt auf 1400 m Höhe .

Für Bergwanderungen wünsche ich Euch alle, dass das Wetter passt und für die Fotos natürlich allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Pragser Wildsee

Ich habe den Pragser Wildsee während meines Aufenthalts im Pustertal zweimal besucht. Einmal zum Fotografieren des Sonnenaufgangs und einmal am Vormittag zur Umrundung. Und ich möchte gleich vorausschicken: Ich muss mit der Begeisterung brechen, die andere für diesen Ort haben.

Dank des Internets und einer Fernsehserie mit dem Schauspieler Terence Hill erlebt dieser See einen immensen Zulauf. Die Idylle bekommt hier ganz schnell ihre Risse.

Ein ruhiges Plätzchen zu finden um den Anblick zu genießen ist schlichtweg unmöglich. 
Morgens um sechs tummeln sich bereits Scharen an Fotografen und Schaulustigen am Bootshaus. In den Hängen an den Sitzbänken, von denen aus man den schönsten Überblick hat, wimmelt es von Stativen.
Ich habe mich ans Ende der Schlange gesellt, um „mein“ Sonnenaufgangsfoto zu erhalten und musste da auch noch aufpassen, dass nicht noch der ein oder andere am Wasser steht und die Spiegelung bewundert.
Da der Himmel im Verhältnis zum restlichen Bild doch recht hell war, setzte ich für dieses Bild einen Verlaufsfilter ein. Dieser Filter bietet die Möglichkeit den oberen Bildteil abzudunkeln und damit die im Schatten liegenden Bildteile etwas aus der Dunkelheit hervorzuholen.
So habe nun auch ich ein Bild, dass tausende andere Fotobegeisterte auch auch haben und habe mir geschworen, nicht mehr hinter den schon millionenfach geschossenen Fotos her zu fahren. Lieber die ausgetretenen Wege verlassen und etwas eigenes kreieren.

Was in aller Früh um halb Sechs noch kein Problem darstellt wird im Lauf des Tages aber noch verstärkt. Bei der Zufahrt zum See gilt es in den Sommermonaten strenge Zeiten zu beachten, denn zwischen 10 und 15 Uhr wird die Zufahrt zum See durch die Polizei abgeriegelt. Zu Beginn der Sperrung wird man noch auf den Parkplatz an der Säge geleitet und kann mit dem Bus bis zum See fahren, wenn dieser Parkplatz jedoch ebenfalls voll ist wird man gnadenlos wieder zurück geschickt.

Wir beginnen die Runde, so wie alle anderen auch, am Hotel und gehen nach links zum Bootshaus. Im Film diente dieses als Wohnhaus vom Ranger Pietro (Terence Hill). Hier reiht man sich selbst morgens um 6 zum Sonnenaufgang in eine große Schar von Fotografen ein, die alle ihr Bild vom Stelzenhaus im See machen wollen. Vor allem die Plätze weiter oben, bei den wenigen Bänken im Hang, sind sehr begehrt hat man hier doch die Spiegelung des Berges voll im See. Das Alpenglühen zu Sonnenaufgang ist schon spitze, das muss ich schon zugeben. Wenngleich sich in den Dolomiten noch weitere tolle Massive für solche Bilder befinden, die bei weitem nicht so überlaufen sind.

Am Ufer oder auf dem Weg daneben gehen wir bis zur Brücke um die Seite zu wechseln. Die Spiegelung des Bergmassivs ist schon sehenswert, doch leider bleibt der See dank der Ruderboote nur selten ruhig.

Nach kurzem Marsch durch den Wald kommt auch schon der, einzige, Anstieg auf der Runde. Immer wieder mussten wir halten, um den Anblick zu genießen und Fotos zu machen. Nach dem Abstieg über teils rutschig glatte Steine landen wir im Geröllfeld und lassen erstmal den Hund ausgiebig baden. Das Wasser ist wirklich so kalt, wie es grün ist. Wie unser Hund das immer aushält ist uns ein Rätsel.

Etwa 200 m weiter kommen wir an einem riesigen Feld mit „Steinmännchen“ vorbei. Hier hält die gesamte Wanderer Schar andächtig an und erfreut sich an den kunstvollen „Bauwerken“.

Dann sind wir auch schon am Badestrand auf der Hinterseite des Sees angekommen. Hier tummeln sich Jung und Alt im und am See und es gibt auch öffentliche Toiletten. Tatsächlich trauen sich auch einige Menschen ins kühle Nass.

Über den breiten Forstweg kommen wir schnell wieder nach vorne und schauen uns noch die Kapelle und die weiteren Gebäude, die im Film u. a. als Polizeistation dienten, an. 

Froh, dem Strom der Spaziergänger wieder entkommen zu sein, gönnen wir uns noch ein Eis und schauen dem emsigen Treiben noch ein Weilchen zu, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen.

Auf dem Rückweg machten wir noch Halt an einer Kirche, die mich sehr an die Kirche in Ramsau erinnerte. Schnell noch ein Panorama machen – Frau und Hund warten im schattigen Auto – und zurück geht die Fahrt, um die nächsten Ausflüge zu planen.

Nützliche Infos:
Der Pragser Wildsee befindet sich auf 1496 m Höhe. Das ist nicht zu unterschätzen, wenn man die Höhenlage nicht gewohnt ist.

Ich wünsche Euch für Wanderungen trockenes Wetter und für Eure Bilder immer ein paar Wolken am Himmel, aber vor allem allzeit gutes Licht!


Werner Kutter

Südtirol

Ich möchte in den nächsten Wochen von unserer Reise nach Südtirol berichten. Von den Wanderungen und den Bildern, die ich dabei geschossen habe.
Damit ich mich nicht ständig wiederhole möchte ich ein paar allgemein gültige Erkenntnisse der 10 Tage gleich vorweg schicken.

O. K. Ich weiß ich kann nicht über ganz Südtirol „urteilen“ – wir waren ja nur rund ums Pustertal. Doch vieles gilt sicherlich auch an anderen Orten.

Ich werde zuerst über unsere erlebnisreiche Wanderungen berichten und zum Schluss noch einen Artikel schreiben, in dem ich über unsere Unterkunft und die besuchten Restaurants erzähle. Das soll die Reportage insgesamt noch abrunden.

Aber jetzt erst mal der Reihe nach und hier kommen die allgemeinen Hinweise:

1.Die Höhe

Da viele Menschen es nicht gewohnt sind sich in der Höhe zu bewegen gilt mein besonderer Hinweis dieser Tatsache. Weite Teile Südtirols liegen über 1000 m. Fährt man dann noch ein wenig rum und hoch und wandert noch ein paar Steigungen ist man schnell nahe der 2000 m, ohne es gross zu bemerken. Deshalb Augen auf bei der Routenplanung und die Höhe mit beachten. Ich werde versuchen, nach bestem Wissen, bei jeder Wanderung die Höhenlage und die zurückzulegenden Höhenmeter anzugeben.

Alle Angaben beziehen sich auf unseren Aufenthalt im August 2019. Eventuelle spätere Änderungen kann ich leider nicht mit einfliessen lassen.

2. Die Verkehrsregeln 

Auf den teils sehr kurvigen Landstraßen bemerkt man schnell den Unterschied zwischen Einheimischen und Urlaubern; Die Touris halten sich an die Verkehrsregeln. Die Einheimischen überholen generell immer, wenn man sich ans Tempolimit hält – und zwar trotz Überholverbot! Beispielsweise war ich dabei einen der häufig zu findenden Radfahrer zu überholen, als ich gleichzeitig noch von einem Motorrad überholt wurde – es war ja noch ein dreiviertel Meter Platz auf der Straße. Also die Nerven schonen und alles etwas lockerer sehen – die deutsche Korrektheit ist im Urlaub fehl am Platze.

Dazu kommt noch, dass auf der einzigen Hauptstraße im Pustertal mehrmals am Tag der Verkehrsinfarkt droht. Morgens, Mittags und Abends gibt es an den neuralgischen Knoten, Einmündungen und Kreisverkehren zwischen Bruneck und Sexten immer wieder aus heiterem Himmel Staus. Geduld ist hier das einzige, was hilft.

3. Italienisch – Deutsch – Englisch 

Die Italiener sprechen Italienisch. Die Südtiroler deutsch und italienisch. Nur Englisch will fast keiner sprechen. Kommt man mit deutsch nicht weiter, hilft ganz bestimmt auch kein Versuch auf Englisch. Da sind sie stur. Die gängigen Begriffe sollte man schon wissen, denn wenn der Gegenüber merkt, dass man es wenigstens versucht, fallen ihm auch ein paar deutsche Vokabeln ein.

In den folgenden Wochen möchte ich Euch mitnehmen an den Pragser Wildsee, den Dürrensee, an den Fuß der Drei Zinnen und in weitere sehenswerte Täler. Das Pustertal mit seinen Seitenarmen ist ein Eldorado für Wanderer und lohnenswert für Fotografen.

Nächste Woche gehts los mit Teil 1 – bis dahin eine gute Zeit und allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Zeitsprung

Habt Ihr Euch auch schon einmal gefragt, wie die Bilder gemacht werden in denen sich die Skyline vor dem farbenfrohen Himmel eines Sonnenuntergangs abhebt und gleichzeitig schon die Beleuchtung in der Stadt und den Büros brennt?  Wenn ja, dann seid Ihr hier richtig.

Das Geheimnis liegt nämlich darin, dass es mehr als eine Aufnahme braucht, um diese Szene zu erschaffen. Das wichtigste dabei ist, dass man für so ein Bild die Kamera an Ort und Stelle belässt und zu zwei verschiedenen Tageszeiten die exakt gleiche Aufnahme macht. Ich habe das dieses Jahr in Heidelberg gemacht und hier ist das Ergebnis:

Das schwierigste dabei war tatsächlich, sich zusammenzureißen und die Kamera stehen zu lassen. Ich bin es auch gewohnt, mit der Kamera unterschiedlichste Ansichten und Blickwinkel festzuhalten. Doch diese Technik verzeiht keinen Positionswechsel. Der Bildausschnitt muss absolut übereinstimmen.

Ich machte eine Aufnahme zum Sonnenuntergang, schön mit Blende 22 für den Sonnenstern:

Der Vordergrund und die Burg waren mir hier eindeutig zu dunkel. Klar könnte man auch ein HDR anfertigen und die Tiefen so retten, doch mir kam eine bessere Idee.

Dazu hieß es geduldig bleiben und darauf warten, dass in der Stadt die Lichter angehen und ein weiteres Bild mit dem gleichen Ausschnitt machen, welches den Vordergrund richtig belichtet rüberbringt:

Hier reicht auch Blende 11 oder 13 – bei Weitwinkelaufnahmen ist die Bildschärfe bei mittleren Blendenöffnungen am besten. Die längere Belichtungszeit in der Dunkelheit hat auch noch den schönen Nebeneffekt, dass in meinem Beispiel der Neckar jetzt etwas glatt gezogen wird und nun für meinen Geschmack besser aussieht, als mit den ganzen Wellen.

Beide Bilder habe ich zuerst in Lightroom „entwickelt“, da ich im RAW-Format meine Bilder aufnehme. Anschließend werden beide im Photoshop als Ebenen geöffnet und liegen somit übereinander.
Als Grundlage nehme ich das Bild vom Sonnenuntergang in welches ich dann die Lichter der Stadt „hineinmalen“ werde.

Das Bild von der blauen Stunde wird mit einer schwarzen Ebenen Maske versehen und nur die Bereiche, welche sichtbar sein sollen, werden mit einem Pinsel und der Vordergrundfarbe Weiß von der schwarzen Maske befreit. Der Pinsel sollte möglichst weich sein und die Deckkraft kann ruhig auf 25% reduziert werden so dass der Effekt nicht sofort voll durchscheint. Je nach Bedarf dann einfach mehrfach über die Stelle malen, bis die gewünschte Stärke erreicht ist.

Wenn man beide Ebenen einblendet, so ist die Stadtansicht mit dem weich gezeichneten Wasser und der Straßen- und Schlossbeleuchtung auf dem Bild des Sonnenuntergangs sichtbar geworden. Beide Ebenen werden zu einer Ebene verschmolzen mit der Tastenkombination
„Shift – Strg – Alt – E“ (alle vier Tasten gleichzeitig drücken!)

Auf dieser Ebene können jetzt noch finale Korrekturen die das gesamte Bild betreffen, wie z. B. Sensorflecken entfernen usw., durchgeführt werden.

Diese Technik lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen. So können z. B. auch sog. Levitationsbilder gemacht werden. Erst die leere Szene fotografieren und dann eine Person (auf einem Hocker o. ä.) ablichten und dann beides kombinieren – nur ohne die Stuhlbeine. Schon sieht es aus, als ob die Person schwebt. Mit mehreren Bildern derselben Szene lassen sich auch einfach Menschen aus dem Motiv entfernen, wenn sie sich zwischen den Aufnahmen bewegen. Einfach den gewünschten Bereich mit einer Ebene, auf der niemand zu sehen ist, übermalen und das Bild ist sauber.
Eine weitere Möglichkeit ist auch, Bilder von Sternenspuren oder die Milchstraße in einer Aufnahme zu machen und den Vordergrund – das Gebäude oder die Berge o. ä. – mit einer extremen Langzeitbelichtung (mehrere Minuten) zu fotografieren und dann beides zu kombinieren. So vermeidet man den Einsatz von Lampen, um den Vordergrund aufzuhellen und alle Bildteile zeigen nur das tatsächlich vorhanden Umgebungslicht.

Der Hintergrund besteht aus ca. 40 Bildern mit 25 Sekunden Belichtungszeit für die Sternspuren und der Vordergrund mit der Kapelle wurde ca. 6 Minuten belichtet, um das Gebäude vom Restlicht der Umgebung sichtbar werden zu lassen.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – solange man beim Zusammensetzen darauf achtet, dass die Bilder gut übereinander passen. So lassen sich zeitlich völlig verschiedene Momente zu einem Bild zusammenfügen.

Ich wünsche Euch viele Ideen und zum Fotografieren allzeit gutes Licht.

Werner Kutter



Mein Portfolio-Buch von Saal-Digital

Zur Gründung meines „Unternehmens“ Werner’s Fototräume war klar, dass ich als Fotograf meine besten Werke angemessen präsentieren möchte.

Mein erster Anlaufpunkt war klar: Saal-Digital. Die Qualität die ich hier schon einmal bekam, hatte mich überzeugt

Umschlag

Bei der Vorstellung meiner Bilder kommt es mir natürlich darauf an, dass die Bilder so wiedergegeben werden, wie ich es bei der Bearbeitung vorgesehen habe. Und zwar sowohl in Farbe als auch schwarzweiß

Innenseiten

Die Layflat-Bindung war für mich ebenfalls sehr wichtig, da ich meine Bilder gerne im 16:9 Format gestalte und sie so gerne etwas breiter werden.

ohne Falz

Als „Luxus“ habe ich mir einen gepolsterten Umschlag gegönnt. Das Buch fasst sich schöner an und wirkt sehr edel

hochwertige Verarbeitung

Mit der Bearbeitungszeit von gerade mal zwei Tagen ist es so ziemlich das schnellste Buch, welches man im Internet bestellen kann. Qualität hat ihren Preis, der ist es aber auf jeden Fall wert.

Allzeit gutes Licht!

Viele Grüße Werner

Warum der richtige Zeitpunkt eine große Rolle spielt…


Der richtige Zeitpunkt kann in der Fotografie, besonders in der Landschaftsfotografie, von entscheidender Rolle sein, da es einen großen Unterschied zwischen einem guten und einem außergewöhnlichen Bild ausmacht.

Im Januar und Anfang Februar habe ich beinahe jeden Morgen den Aufgang der Sonne hinter dem Umspannwerk Woringen mit einem großen, imposanten Gittermast auf dem Weg zur Arbeit bewundert. Der Himmel leuchtete in den unterschiedlichsten Farben und die Stahlmassen hoben sich schön vom Hintergrund ab. Abends auf dem Heimweg war die ganze Szenerie viel unscheinbarer – ja, da stehen technische Bauteile in der Landschaft rum und verschandeln die Aussicht.

An einem Wochenende mitte Februar schließlich habe ich mich um 6.15 Uhr aus dem Bett geschlichen und Position bezogen. Anhand meiner Ergebnisse wurde mir schnell klar – Timing ist alles.

Um 6.55 Uhr ist noch das tiefe dunkle Blau der gerade vergangenen blauen Stunde am Himmel und bietet einen herrlichen farblichen Kontrast zum goldgelben bis orangen Sonnenaufgang.  Es scheint als würde der Horizont auf der gesamten Breite zu brennen. Da sich Blau und Gelb im Farbkreis genau gegenüberstehen empfinden wir diesen Kontrast als besonders stark und reagieren dementsprechend darauf.

Bereits 8 Minuten später, um 7.03 Uhr ist die Helligkeit soweit fortgeschritten, dass das Blau im Himmel schon nicht mehr so intensiv ist. Von der Lichtbrechung der Sonnenstrahlen in der Atmosphäre kommen noch ein paar mehr Magentatöne zum Vorschein. Alles scheint jetzt ein bisschen weicher, rosa oder auch lila zu sein und der harte Kontrast zwischen den Komplementärfarben Blau und Gelb wird abgeschwächt.

 

Weitere 2 Minuten später, um 7.05 Uhr ist es bereits so hell, dass die Farben insgesamt zu verblassen scheinen. Das Blau der Nacht wird immmer weiter zurückgedrängt und die Helligkeit dominiert so stark, dass die Farbigkeit in den Hintergrund tritt.

Sobald die Sonne erst einmal den Horizont erreicht, bzw. überschritten hat, ist in Richtung Sonne zu fotografieren uninteressant. Die tiefstehende Sonne überstrahlt alles und das Bild ist weitaus kontrastärmer als noch wenige Minuten zuvor. So ist alles eine Frage der Kürze der Zeit und umso wichtiger ist es, rechtzeitig vor Ort zu sein und/oder vorher den Ort des Geschehens genauestens zu erkunden, um am entscheidenden Tag nicht auch noch wertvolle Minuten mit der Suche nach dem optimalen Platz zu vergeuden. Richtig gutes Licht hat man oft nur zehn bis zwanzig Minuten!
Ich habe um zehn nach Sieben alles zusammengepackt und bin zum Frühstück nach Hause gefahren – das hat mir mehr gebracht, als noch auf ein „Wunder“ zu warten.

Und auf jeden Fall schaut ein Panorama am Besten im Panoramaformat aus…

Ebenfalls erwähnenswert ist es, dass trotzt des tiefblauen Himmels es hilfreich ist, wenn Wolken oder, wie in meinem Fall, wenigstens ein Kondensstreifen am Himmel ist. Ein blank geputzter Himmel ohne Struktur ist ebenfalls langweilig und kann nicht zu einer Aufwertung des Bildes beitragen.

Darum empfehle ich: Den Wetterbericht genau studieren und im Zweifelsfall lieber eine Stunde früher aufstehen und vor Ort sein, als einen einmaligen Moment zu verpassen.

Allzeit gutes Licht

Liebe Grüße

Werner Kutter

Reisebericht Naturschutzgebiet Weitsee – Reit im Winkl – Biathlonzentrum Ruhpolding


Weniger bekannt und dementsprechend auch geringer besucht und nicht überlaufen ist das Naturschutzgebiet Weitsee. Es liegt mit den drei Seen Weitsee, Mittersee, Lödensee direkt an der Bundesstraße B 305 zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl.

Zahlreiche, kostenpflichtige, Parkplätze laden ein, das Auto abzustellen und die Wanderschuhe zu schnüren. Gut ausgeschilderte Wanderwege lassen das Wanderherz auch in diesem Tal höher schlagen. Fast alle Touren lassen sich als Runde gehen, so dass die Rückkehr zum Auto wirklich abwechslungsreich bleibt, da für Hin- und Rückweg nicht derselbe Weg genommen werden muss.

Wir nahmen uns vor den Lödensee und den Mittersee zu umrunden was ein sehr schöner, leichter Spaziergang werden sollte. Vom Parkplatz aus nahmen wir eine Unterführung, um die Bundesstraße zu queren. Die sicherste Alternative, die man sich vorstellen kann, jedoch stellte sich heraus, dass die Unterführung wohl eher dem Abfluss von Schmelzwasser dienen sollte, als Fußgängern die Querung zu ermöglichen.

Anschließend folgten wir den Wanderwegen und Trampelpfaden und gingen gegen den Uhrzeigersinn um die beiden Seen. Die Gesamtstrecke belief sich auf ca. 5 km – alles sehr flach und übersichtlich.

Die erste Tat an diesem Tag war, unseren Hund baden zu schicken. Nachdem die vorangegangenen beiden Tage verregnet waren hatte sich bei ihr ein kleiner Lagerkoller eingestellt. Umso größer war die Freude jetzt, dass sie  aus dem kühlen Nass apportieren durfte.

Das Vorankommen gestaltete sich dann auch noch aus einem weiteren Grund als ziemlich langwierig: Ich musste immer wieder stehen bleiben und nicht nur die Natur genießen sondern auch sie auf den Chip meiner Kamera bannen. Mal den See und die Berge, mal nur den See, mal nur die Berge oder Pflanzen am Wegesrand – kurz gesagt ich wollte alles fotografieren, was nicht weglaufen konnte.

Im Anschluss besuchten wir noch Reit im Winkl und haben hier eine Runde durch die Ortsmitte gedreht. Am Dorfplatz empfing uns eine Holzskulptur – genannt „Der Schifahrer“. Eine ausgemusterte Gondel eines Sesselliftes lud im Hintergrund zum Verweilen ein.

An den Hausfassaden sahen wir überall wieder tolle Malereien. Ganze Geschichten wurden hier erzählt, so dass der Blick öfter nach oben ging, als nach vorne. In der Vorsaison präsentierte sich der Ort überaus aufgeräumt und ruhig – einzig die Suche nach einer Gelegenheit zum Mittagessen gestaltete sich schwierig, da die allermeisten Lokale erst abends öffneten.

Ebenfalls an der B 305 befindet sich das Bundesleistungszentrum des deutschen Biathlonsports. Die Chiemgau-Arena ist wohl jedem ein Begriff, der den Wintersport am Fernseher verfolgt.

Auch in der schneearmen Zeit kann man die Anlage besichtigen und an einigen Tagen finden sogar Führungen statt. So kann man mit eigenen Augen einmal die Schießstände betrachten, die man sonst ja nur aus den Fernsehübertragungen kennt.

Selbst im Mai waren noch Trainingsgruppen auf Rollskier unterwegs – das Trainingszentrum schläft anscheinend nie.
Vor dem Eingang empfängt uns eine Skulptur zu Ehren des erfolgreichen Biathleten Ricco Groß. Das zu der Anlage auch Skisprungschanzen gehören, war mir neu. Das weitläufige Gelände bot viele Motive, die ich so im TV noch nicht gesehen hatte.

Von der Tribüne aus kann der Schießstand genau überblickt werden und man kann sich die Atmosphäre gut vorstellen, wenn hier einer nach dem anderen seine Schießübungen während des Wettkampfs ausübt.
Alles in allem war es ein mehr als gelungener Tag mit vielen schönen Eindrücken aus den verschiedensten Richtungen. Das Berchtesgadener Land ist doch überaus abwechslungsreich und sehr interessant.

Ich hoffe es war wieder etwas für Euch dabei. Für all Eure Unternehmungen wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Königssee und Malerwinkel


Der Königssee ist ein wahrer Touristenmagnet. Aus aller Herren Länder kommen hier Menschen zusammen, um diesen wirklich schön gelegenen See zu bestaunen. Da für die Elektroboote bei Hunden in diesem Jahr ein Maulkorbzwang eingeführt wurde haben wir uns die Überfahrt zur Kirche St. Barthotlomä und dem Obersee gespart. Sollte sich jemand auf den Weg machen wollen: sehr früh kommen und Nebensaison nutzen! Um in eines der ersten Schiffe zu gelangen muss man früh da sein. Sollte man erst gegen Mittag übersetzen wimmelt es an allen sehenswerten Stellen von Touristen und schöne Bilder sind dann nur noch schwer zu bekommen.
Wenn man in Schönau vom Großparkplatz an der Jenner Bahn die Hauptstraße Richtung Königssee läuft kann man sich auch in der Vorsaison gut vorstellen, was sich hier für eine Menschenmenge Richtung Ufer schlängelt, wenn Hochsaison herrscht. Wir waren froh kein Gedränge und Geschiebe erleben zu müssen und konnten uns so in aller Ruhe die Auslagen der Souveniershops ansehen.

Am Schiffsanleger angekommen haben wir uns nach links gewendet und sind am Ufer hinter den Bootshäusern in den Wald marschiert.

Die Malerwinkelrunde ist klasse ausgeschildert und die angesprochenen Aussichtspunkte bieten einen wirklich schönen Blick über den See.

Die Aussicht vom Malerwinkel selbst über den See bis St. Bartholomä ist die bei Landschaftsmalern beliebteste Ansicht des Königssees. Hier wurde quasi der Standard für die klassischen Königsseebilder gesetzt.
Aber Vorsicht! Nicht schon hier die ganzen Bilder verschießen – es folgt noch ein toller Spot, der einen fast noch schöneren Aus- und Überblick bietet!

Der Weg ist breit und gut befestigt. In leichten Anstiegen windet er sich durch den dichten Wald, so dass die Strecke auch im Sommer gut zu gehen ist, da wirklich viel Schatten herrscht. Nach etwas mehr als dem halben Weg zurück zum Parkplatz hat man den höchsten Punkt erreicht. Von hier kann man noch einen Abstecher zur Rabenwand machen.

Ein wenig Trittsicherheit ist hier schon gefragt, aber der Ausblick ist spektakulär. Man ist einige Meter höher als am Malerwinkel und so ist, gutes Wetter vorausgesetzt, auch die Fernsicht einfach toll.

Dieser Weg ist gut gekennzeichnet jedoch nicht so bequem ausgebaut. Hier muss man mehrfach über Wurzeln und Felsblöcke steigen und deshalb ist hier auch dringend festes Schuhwerk angesagt. Der Abstecher dauert einfach etwa eine halbe Stunde, die Pause am Aussichtspunkt kann man aber umso mehr genießen.

Nachdem man wieder zum Hauptweg zurückgelaufen ist geht es nach kurzem Abstieg aus dem Wald heraus; an der Talstation der Jenner Bahn vorbei zurück zum Parkplatz. Alles in allem ist diese Runde ca. 5 km lang und sollte in 2 – 3 Stunden zu schaffen sein. Immer abhängig von der Zeit, in der man die Aussicht von den jeweiligen Punkten aus genießen möchte. Die Höhendifferenz beträgt ungefähr 190 Meter. Bis auf den Abstecher zur Rabenwand sind es durchwegs sehr gut begehbare und breite Fusswege.

Wer mal in der Gegend ist sollte sich diese Rund auf keinen Fall entgehen lassen. Für all Eure Vorhaben wünsche ich Euch, wie immer, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ramsau, Zauberwald und Hintersee

Rund um Ramsau gibt es viele bekannte Fotospots, von denen jeder die Mühe der Anfahrt und/oder des Spazierweges wert ist. Auch wenn die Bilder tausendfach im Netz kursieren, ist es doch ein Erlebnis, selbst die Aufnahme so zu gestalten, wie man es sich vor seinem geistigen Auge vorgestellt hat. Das Erfolgserlebnis, einmal ein Bild, welches man zuerst in der Galerie eines renommierten Fotografen gesehen hat, selbst zu machen, ist doch unbezahlar.
Beginnen möchte ich mit Ramsau selbst. An der Pfarrkirche St. Sebastian spucken in der Hauptreisezeit Reisebusse ganze Horden an asiatischen Gästen aus, um nach 10 Minuten wieder weiter zu fahren. Der bekannte Spot mit der Ramsauer Ache vor der Kirche ist dann immer wieder kurz total überlaufen. Anfang/Mitte Mai kann man es mit etwas Geduld jedoch leicht abwarten, bis die wuseligen Selfietouristen wieder abtransportiert wurden. Wer sich beim Wetter nicht ganz sicher ist kann sich ja die Bilder der Webcam vorher anschauen. Hier sieht man auch direkt die Postkartenidylle, welche man auf die Speicherkarte bannen will.

Was ich leider nicht wusste, aber auch sehr sehenswert gewesen wäre, ist der Friedhof an der Kirche. Zahlreiche mehr oder weniger ernst zu nehmende Sprüche zieren Gräber, Grabsteine und Kreuze. Nicht selten wird kein Hehl daraus gemacht, wie froh die Hinterbliebenen doch über das Verscheiden waren. Vielleicht nimmt sich ja der eine oder andere mal noch die Zeit und schlendert über die letzte Ruhestätte längst verblichener Einwohner.

Wer möchte kann auch direkt ab der Kirche in Richtung Zauberwald wandern – was allerdings knapp 2 ½ km Strecke und gut 80 Höhenmeter an Wanderung voraussetzt – und dann steht man erst am Beginn der interessanten Strecke.

Wir haben den bequemen Weg gewählt und sind bis zum P4 am südwestlichsten Ende des Hintersees gefahren. Von dort machten wir uns auf, den See zu umrunden und bei dieser Gelegenheit auch den Schwenk durch den Zauberwald zu genießen.
Auf der Südostseite führt der Wanderweg knapp 700 Meter getrennt durch die Leitplanke an der Straße entlang. Ab dem Eingang in den Zauberwald ist man jedoch eins mit der Natur. Gut gekennzeichnete Wege durch den Wald und an der Ramsauer Ache entlang lassen einen den Stress komplett vergessen. Für uns Fotografen tun sich hier auf wenigen hundert Metern dutzende von Möglichkeiten auf, das Wasser von all seinen Seiten zu zeigen. Urgewaltig umtost die Wassermacht den Fels, weich und anschmiegsam schleift das Wasser die Steine glatt.

Für meinen Geschmack hat sich im Bezug auf Wasser die Langzeitbelichtung voll durchgesetzt. Ich benutze hierzu meist eine Kombination aus zwei Filtern: einen ND 8 oder ND 64 Filter, um die Verschlusszeit auf mehrere Sekunden zu verlängern und davor einen Polfilter um die Spiegelungen im Wasser zu minimieren. Verschlusszeiten zwischen 2 und 10 Sekunden reichen mir völlig aus, so dass der ND 1000 Filter nur noch sehr selten zum Einsatz kommt.
Immer wieder tun sich kleine Wege auf, über die man direkt an den Rand des wilden Stroms gelangt.

Schier unermesslich sind die Vielzahl der Szenen, welche man hier entlang des tosenden Baches machen kann. Und am eindrucksvollsten sind genau die Bilder, bei denen man denkt das Stativ wäre direkt im Bach gestanden. Also nah ran und tief runter ist hier die Devise.

Am tiefsten Punkt der Runde wendet man sich dann nach links und folgt den Schildern zum Nordufer des Hintersees. Es geht stetig bergauf und man glaubt erst gar nicht, wie tief man hinabgestiegen ist, da das Fotografieren doch ziemlich vom Verlauf der Strecke ablenkt.

Wieder am Hintersee angekommen ging es für mich als erstes darum, den idealen Platz für das Sonnenaufgangsfoto zu finden. Denn ich wollte am nächsten Morgen um fünf Uhr wieder hier sein, um die morgendliche Stimmung am See einzufangen.
Schnell war er gefunden – der Spot, der tausendfach im Internet zu finden ist. Die Bäume auf den Felsen im See und im Hintergrund der Hochkalter – charakteristischer kann ein Landschaftsbild wohl nicht mehr sein. Im Nachmittagslicht sah die ganze Szene allerdings bei weitem nicht so spektakulär aus.

Da ich in der Dunkelheit nicht gerne Überraschungen erlebe, bin ich gerne am Tag vorher hier und kann bei normalem Tageslicht Parkmöglichkeit und Zuwegung abklären, so dass in aller Frühe keine Hektik aufkommt.

Am betreffenden Morgen waren wir dann zu dritt am See und genossen die Ruhe und die Farben, welcher der Tag mit sich brachte.

Man darf bei allem Beharren auf sein Zielbild natürlich auch nicht verpassen, einmal in eine andere Richtung zu fotografieren. Oft ist diese Ansicht deshalb überraschend schön, gerade weil sie nicht pausenlos im Internet zu finden ist.

Und wieder bewahrheitet sich, dass es sich lohnt, früh aufzustehen und die ersten Stunden des Morgens an einem See zu genießen. Es waren traumhaft schöne Minuten, die leider viel zu schnell vergehen aber Gott sei dank lange in Erinnerung bleiben.

Auf dem Weg zurück durch Ramsau lohnt es sich, erneut an der Kirche anzuhalten – die aufgehende Sonne setzt die Berggipfel hinter der Kirche wirklich gekonnt in Szene so dass erneut gute Positionen für weitere Fotos gesucht werden können.

Ich hoffe ich konnte Euch eine kleine Inspiration geben, einmal diese wunderbare Ecke Bayerns zu besuchen. Wir waren im Mai dort und ich werde noch die eine oder auch andere Erfahrung mit Euch teilen. Bis dahin wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter