Eine Runde um den Oderteich

Der Oderteich im Harz ist ein historisch sehenswertes Bauwerk, entstand er doch bereits im frühen 18. Jahrhundert und war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die größte Talsperre Deutschlands. Mehrmals sind wir schon mit dem Auto über die Staumauer gefahren und haben den See bei allen Wasserständen gesehen. Doch im Sommer 2018 stockte uns doch der Atem, war der Stausee doch bis auf restliche 15 Prozent leergelaufen.

Die lange trockene Periode im Dürresommer 2018 hat fast alle Zuströme versiegen lassen und den Wasserstand an das hier sichtbare Minimum getrieben.
Ursprünglich benutzte man das aufgestaute Wasser dazu, um in den Sankt Andreasberger Bergwerken die Wasserräder für die Erzgewinnung antreiben zu können. Hierzu wurde der Rehberger Graben geschaffen und dieser leitet noch heute über seine mehr als sieben Kilometer Länge das Wasser zur Grube Samson, an der heute ein Wasserkraftwerk damit betrieben wird.

Die markanten Felsen rund um den Teich, die sonst nur einen kleinen Teil, ihren Rücken, preisgeben lagen in diesem August gänzlich frei – sogar die, die sonst metertief unter Wasser lagen und nie das Tageslicht erblickten.
Auch in anderen Talsperren, für deren Errichtung teils ganze Dörfer umgesiedelt wurden, traten alte Gebäudeteile und Grundmauern wieder hervor. Gespenstische Anblicke, die man nur selten genießen kann.

Davon unbeeindruckt lassen wir unser Auto am Parkplatz westlich der Überfahrt stehen und begeben uns auf den Rundweg, welcher trotz allem eine tolle Wanderung bietet.
Von Beginn an kann man ganz am Ufer spazieren und je nach Wasserstand mehr oder weniger der bekannten, weil markanten Felsen bestaunen. Immer wieder muss ich anhalten, um zu fotografieren. Bei Niedrigwasser ist der Anblick des steil abfallenden Ufers mit den, wie aufgeschichtet daliegenden Felsblöcken interessant. Bei normalem Wasserstand mache ich mit entsprechenden Filtern vor dem Objektiv Langzeitbelichtungen der Felsen, so dass das Wasser um diese herum absolut seidig weich erscheint. Schöne Bilder zum Entspannen.
Für solche Aufnahmen wähle ich zuerst einen Polfilter. Diesen setzte ich dazu ein, um entweder die Spiegelung aus dem Wasser zu nehmen, um zu zeigen, was sich unter der Wasseroberfläche verbirgt, oder, wenn es das Motiv verlangt, die Spiegelung zu verstärken. Dies kommt vor, wenn sich beispielsweise eine interessante Bergformation im Wasser spiegelt und diese dann schön klar auf das Bild soll.
Dann wähle ich zusätzlich einen oder zwei ND-Filter, um die Belichtungszeit auch am Tage so zu verlängern, dass für das fertige Bild mehrere Sekunden oder sogar Minuten belichtet wird. Dadurch kommt der weiche Look des Wassers ins Bild.

Nach ein paar hundert Meter zweigt der Weg nach Westen vom Ufer ab – es beginnt eine Zone mit besonderem Naturschutz, da hier Brutplätze der Wasservögel liegen. Ein kurzer Blick zurück lässt uns die imposante Staumauer erkennen und gibt die Sicht frei auf die Ingenieurskunst der früheren Zeiten.

Schnell erreicht man im weiteren Verlauf eine Weggabelung, die für uns auch schon den Umkehrpunkt bedeutet. An der Brücke über den Zulauf ist auch ein kleine Rastmöglichkeit, so dass sich die Mitnahme einer Brotzeit rentiert. Auf der Ostseite der etwa 30 ha großen Wasserfläche geht es wieder Richtung Staumauer zurück.

Hier ist es immer wieder erstaunlich, wenn man die Größenvergleiche zwischen den Wanderern und den Felsblöcken anstellen kann. Wie klein der Mensch doch ist, wenn man ihn mit der großen Urtümlichkeit der Natur vergleichen kann. Immer wieder wird mir bewusst, wie viel Wasser hier fehlt und somit – wie trocken dieser Sommer in Wirklichkeit war.
Das Fassungsvermögen des Oderteichs umfasst knappe 1,7 Millionen Kubikmeter! Rechne das mal in Wassereimer um…

… na ja, egal. Wer will schon wissen, dass es 1700 Milliarden 10 Liter Eimer sind? Unvorstellbar!

Teils über Holzbohlen, teils über frisch angelegte, gemulchte Wege führen uns die Wanderschilder wieder Richtung Süden, auf den Staudamm zu. Immer wieder laden Aussichtspunkte zum Verweilen und Genießen ein. Selbst wenn ausreichend Wasser im Teich ist hat man viele Gelegenheiten, die Seele baumeln zu lassen. Einfach mal hinsetzen und der Natur zuhören, was sie zu sagen hat. Das vielstimmige Vogelgezwitscher hat, meiner Meinung nach, in den letzten Jahren ziemlich nachgelassen. Da lohnt es sich schon in den wenigen Momenten, die wir haben, einmal genauer hin zu hören. Irgendwo zwitschert, plätschert oder quakt bestimmt etwas.

Zurück an der Staumauer, die immerhin beachtliche 17 m an Höhe misst, überqueren wir diese parallel zur Straße und erreichen so nach knapp 4,5 km wieder den Ausgangspunkt unseres Spaziergangs.

Übrigens entstanden hier auch meine „Selfies“, welche seit diesem Tag zu meinem Markenzeichen geworden sind. Mein Blick auf die Natur war in diesem Sommer 2018 das Sinnbild dafür, dass wir alle auf uns und die Natur besser acht geben sollten.

Ich hoffe, das es bei Dir in der Nähe auch etwas interessantes zu entdecken gibt und wünsche Dir für Ausflüge, Wanderungen und Spaziergänge gutes Wetter und für die Bilder die bei dieser Gelegenheit entstehen allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.