Umrundung der Drei Zinnen (Teil 1)

Ein Arbeitskollege hat mir diesen Floh ins Ohr gesetzt. Ich erzählte vom Wunsch auch mal schöne Berggipfel zu fotografieren, doch auf Grund meiner lädierten Knie würde das ja wohl nichts mehr werden. Darauf hin erfuhr ich davon, dass man mit dem Auto quasi bis an den Fuß der Drei Zinnen fahren kann. 

Schnell war die Sehnsucht geweckt und der brennende Wunsch entstand, einmal diese imposanten Gipfel zu fotografieren. Das war dann auch der eigentliche Hauptgrund für unseren Aufenthalt in Südtirol. Bald hatte ich alle Informationen zusammen. Die Auffährt kostet 30 Euro und ist nur von 7 – 19 Uhr möglich – die Rückfahrt übrigens auch! Der Rundweg dauert angeblich nur 3 ½ Stunden – dazu später mehr.

Der Wetterbericht war seit unserer Ankunft in Niederrasen mein wichtigstes Thema. Ständig überprüfte ich die prognosen für die kommenden Tage. Als sich herausstellte, dass die Wetterbedingungen für Montag nahezu optimal sein würden und vor allem das Gewitterrisiko sehr gering war, packte ich Rucksack und Auto und machte mich nach einem ausgiebigen Frühstück auf den Weg.

Ich fuhr tiefer ins Pustertal hinein Richtung Sexten. Bei Toblach bog ich ab Richtung Cortina dˋAmpezzo um schließlich ins Herz der Dolomiten vorzustoßen. Kurz hinter dem Dürrensee musste ich ein weiteres mal abbiegen, um kurze Zeit später, nach unzähligen Kurven und Kehren im Stau vor der Mautstelle zu stehen. Erste Gelegenheit die Umgebung genauer zu betrachten und die bergkulissen zu genießen. Vorher auf der Fahrt war das ja kaum möglich, zu sehr muss man bei dem kurvigen Straßenverlauf aufpassen. Trotz der langen Schlange geht’s doch relativ schnell voran. Nachdem ich die Gebühr entrichtet habe kann ich auch schon die letzten Kehren in Angriff nehmen. Am Großparkplatz wurde ich durch die Einweiser zu einer freien Lücke geleitet und konnte nach dem Aussteigen erst mal das gewaltige Panorama der Sextener Dolomiten genießen.


Ich entschloss mich gegen den Uhrzeigersinn, also auf der Südseite der Drei Zinnen erst einmal zum Paternsattel zu laufen. Ein paar hundert andere Wanderer waren meiner Meinung und so reihte ich mich ein in die lange Schlange der Umrunder.

Schnell hatte ich die Auronzo Hütte hinter mir gelassen und mich auch an die Höhenluft zwischen 2300 und 2500 m gewöhnt. Immer wieder blieb ich stehen und genoss den Anblick. Auch ohne zu wissen, wie die ganzen Spitzen und Gipfel alle beim Vornamen hießen wollte ich die Eindrücke in mich aufsaugen.
Nach anderthalb Kilometer war auch schon die erste Sehenswürdigkeit der Runde , eine kleine Kapelle als Stätte der Andacht, erreicht. Viele stoppten hier und so nahm auch ich das zum Anlass, erst einmal einen geeigneten Ort für die ersten Bilder zu suchen. Ich hatte ein tolles Panorama gesehen, welches an der Kapelle gemacht wurde – allerdings mit deutlich weniger Menschen als an diesem Montag.

Bald ging ich weiter, ständig mit dem Blick Richtung Süden abschweifend, bis zur Lavaredo Hütte. Da sich bei dem tollen Wetter beinahe jeden Meter neue, atemberaubende Aussichten auftaten hatte ich auf diesen ersten etwas mehr als
2, 5 km gar keinen Gedanken an die Drei Zinnen verschwendet. Von der Südseite aus sehen diese sowieso ganz unbekannt aus, da die markanten Bilder alle von der Nordseite sind.

Nach kurzer Rast und ein paar Panoramaaufnahmen – die ich übrigens vorzugsweise im Hochformat aufnehme um beim Zusammenfügen bessere Ergebnisse zu erzielen – ging es weiter. Es folgte der erste, anstrengende Aufstieg von der Hütte auf den Paternsattel. Und da mir der noch nicht reichte stieg ich gleich noch weiter hoch zum Einstieg in den Klettersteig welcher auf den Paternkofel führt.

Im Bild ganz unten sieht man den Sattel – er ist sogar als Hubchrauberlandeplattform ausgelegt. Ich wollte jedoch nicht auf den Gipfel des Paternkofels sondern in ein Bauwerk mit geschichtlichem Hintergrund. Am Einstieg muss man zuerst durch einen langen, von Hand in den Fels getriebenen Stollen der schon im ersten Weltkrieg beim Stellungskampf in den Alpen errichtet wurde. Immer wieder wurden „Fenster“ in die Felswand geschlagen, um die Umgebung und die Gegner zu beobachten. Mir sollte so ein Fenster als Rahmen für ein Bild der Drei Zinnen dienen.

Da die gesamte Runde noch eine ganze Weile zum Weitererzählen dauert, schiebe ich das auf nächste Woche. Seid gespannt, welche Ansichten ich noch alles entdeckt habe. Bis dahin wünsche ich Euch natürlich, wie immer, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

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