Warum der richtige Zeitpunkt eine große Rolle spielt…


Der richtige Zeitpunkt kann in der Fotografie, besonders in der Landschaftsfotografie, von entscheidender Rolle sein, da es einen großen Unterschied zwischen einem guten und einem außergewöhnlichen Bild ausmacht.

Im Januar und Anfang Februar habe ich beinahe jeden Morgen den Aufgang der Sonne hinter dem Umspannwerk Woringen mit einem großen, imposanten Gittermast auf dem Weg zur Arbeit bewundert. Der Himmel leuchtete in den unterschiedlichsten Farben und die Stahlmassen hoben sich schön vom Hintergrund ab. Abends auf dem Heimweg war die ganze Szenerie viel unscheinbarer – ja, da stehen technische Bauteile in der Landschaft rum und verschandeln die Aussicht.

An einem Wochenende mitte Februar schließlich habe ich mich um 6.15 Uhr aus dem Bett geschlichen und Position bezogen. Anhand meiner Ergebnisse wurde mir schnell klar – Timing ist alles.

Um 6.55 Uhr ist noch das tiefe dunkle Blau der gerade vergangenen blauen Stunde am Himmel und bietet einen herrlichen farblichen Kontrast zum goldgelben bis orangen Sonnenaufgang.  Es scheint als würde der Horizont auf der gesamten Breite zu brennen. Da sich Blau und Gelb im Farbkreis genau gegenüberstehen empfinden wir diesen Kontrast als besonders stark und reagieren dementsprechend darauf.

Bereits 8 Minuten später, um 7.03 Uhr ist die Helligkeit soweit fortgeschritten, dass das Blau im Himmel schon nicht mehr so intensiv ist. Von der Lichtbrechung der Sonnenstrahlen in der Atmosphäre kommen noch ein paar mehr Magentatöne zum Vorschein. Alles scheint jetzt ein bisschen weicher, rosa oder auch lila zu sein und der harte Kontrast zwischen den Komplementärfarben Blau und Gelb wird abgeschwächt.

 

Weitere 2 Minuten später, um 7.05 Uhr ist es bereits so hell, dass die Farben insgesamt zu verblassen scheinen. Das Blau der Nacht wird immmer weiter zurückgedrängt und die Helligkeit dominiert so stark, dass die Farbigkeit in den Hintergrund tritt.

Sobald die Sonne erst einmal den Horizont erreicht, bzw. überschritten hat, ist in Richtung Sonne zu fotografieren uninteressant. Die tiefstehende Sonne überstrahlt alles und das Bild ist weitaus kontrastärmer als noch wenige Minuten zuvor. So ist alles eine Frage der Kürze der Zeit und umso wichtiger ist es, rechtzeitig vor Ort zu sein und/oder vorher den Ort des Geschehens genauestens zu erkunden, um am entscheidenden Tag nicht auch noch wertvolle Minuten mit der Suche nach dem optimalen Platz zu vergeuden. Richtig gutes Licht hat man oft nur zehn bis zwanzig Minuten!
Ich habe um zehn nach Sieben alles zusammengepackt und bin zum Frühstück nach Hause gefahren – das hat mir mehr gebracht, als noch auf ein „Wunder“ zu warten.

Und auf jeden Fall schaut ein Panorama am Besten im Panoramaformat aus…

Ebenfalls erwähnenswert ist es, dass trotzt des tiefblauen Himmels es hilfreich ist, wenn Wolken oder, wie in meinem Fall, wenigstens ein Kondensstreifen am Himmel ist. Ein blank geputzter Himmel ohne Struktur ist ebenfalls langweilig und kann nicht zu einer Aufwertung des Bildes beitragen.

Darum empfehle ich: Den Wetterbericht genau studieren und im Zweifelsfall lieber eine Stunde früher aufstehen und vor Ort sein, als einen einmaligen Moment zu verpassen.

Allzeit gutes Licht

Liebe Grüße

Werner Kutter

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