Wie bilde ich mich weiter?

Ohne Weiterbildung geht’s nicht weiter! Auch nicht im Hobby! Deshalb möchte ich heute den Anstoß geben, sich doch mal intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen und einen Fotokurs zu besuchen.
Es lohnt sich!
Versprochen!

Jedes Jahr gönne ich mir mindestens einen Kurs zu einem Thema, welches mich interessiert und bei dem ich noch Entwicklungsmöglichkeiten sehe. So nutze ich jedes Mal die Gelegenheit, mir frische Ideen und Inspirationen zu holen.
Erst letzten Freitag Abend habe ich mich wieder einmal weitergebildet. Und zwar mit einem Workshop zu dem Thema „Lichter der Nacht“ der VHS Memmingen.

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe den Kurs nicht besucht, um einen Beitrag zu verfassen, sondern wirklich aus eigenem Interesse. Ich habe den Kurs auch regulär gebucht und bezahlt und bin nicht Mitarbeiter in der VHS.
Die Idee zu diesem Post kam mir erst jetzt im Laufe dieser Woche nachdem ich den Workshop besucht habe.

Manuela Prediger ist selbstständige Fotografin und leitet neben ihren eigenen Workshops auch immer wieder Kurse bei den VHS-Anbietern im ganzen Allgäu. Sie ist als Profi genau die richtige, um alle aufkommenden Fragestellungen ausführlich zu beantworten und der Gruppe die nötige Anleitung zu geben, um mit schönen Fotos nach Hause zu gehen.

Einen Kurs bei einer VHS vor Ort kann sich eigentlich jeder leisten. Er kostet je nach Art und Umfang im Schnitt zwischen 20 und 50 Euro und ist das Geld jedenfalls wert. Da man alleine immer schnell eine Ausrede findet um nicht zum Fotografieren zu gehen, übt und lernt es sich in der Gemeinschaft Gleichgesinnter leichter und unbeschwerter. Der Austausch  mit den Kollegen hilft mir immer sehr. Jeder hat ein eigenes Auge und sieht die Szene und Situation anders. Anregungen sind somit unumgänglich und jeder profitiert von jedem.

Beispielhaft möchte ich hier den Workshop-Ablauf des VHS-Kurses „Lichter der Nacht“ aus Memmingen wiedergeben:

Nach einer kurzen Einführung in das Thema „Fotografieren bei wenig Licht“ und einer Vorstellungsrunde ging es raus in die kalte Dunkelheit. Wir hatten noch Glück, denn bis einen Abend zuvor herrschten in Memmingen zweistellige Minusgrade. Leichter Schneefall setzte ein und schon überlegte jeder, ob das nun gut oder schlecht für die Fotos und die Ausrüstung sein kann.
Ruhig und sachlich wurden die Bedenken bezüglich der Kameras und Objektive durch die Kursleiterin ausgeräumt. Moderne Kameras sind heute alle so abgedichtet, dass die Schneeflocken der Technik nichts anhaben können. Im Gegenteil – die Flecken durch die Schneeflocken können auch als ein Stilelement in das Bild integriert werden.

In der ersten Aufgabenstellung ging es darum, die Wirkung der Blende bei Gegenlichtsituationen besser zu verstehen. So wurden zuerst mit weit geöffneter Blende (z. B. 4,0 oder 5,6) Bilder der Leuchte an der Stadtmauer aufgenommen.

Anschließend wurden wir gebeten, die Blende, so weit es das Objektiv zulässt, zu schließen (in meinem Fall Blende 22). Die dadurch entstehenden längeren Belichtungszeiten spielten keine Rolle, da alle Teilnehmer vorbildlich vom Stativ aus fotografierten. Das Ergebnis waren schöne Sterne aus der Lichtquelle, die je nach Art und Bauweise des Objektivs eine unterschiedliche Anzahl von Strahlen erzeugten.

Der selbe Effekt läßt sich  auch mit mehreren Leuchten erzielen und kann auch tagsüber beim Fotografieren in die Sonne tolle Effekte mit sich bringen. Jeder kennt doch bestimmt die traumhaften Bilder eines Sonnenunterganges, bei dem einen die Sonnensterne mit ihren langen Strahlen ins Bild hineinziehen wollen.

Dann half uns der Zufall weiter:

Der Räumdienst der Stadt Memmingen kam den Gehweg entlang gefahren. Ein Traktor kam uns mit voller Beleuchtung näher und entfernte sich anschließend im Rückwärtsgang auch wieder. Schnell war die Idee geboren, bei derLangzeitbelichtung mit dem Einsatz einer Taschenlampe Kreativität einzubringen. Den Möglichkeiten sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Den Anfang machte Manuela. Sie hatte extra für diese Versuche eine Taschenlampe dabei, welche sie nun, mit den Armen kreisend, im Laufschritt auf uns zu bewegte. Durch die Tatsache, dass sich der Mensch schnell weiterbewegt und die Lichtquelle der Lampe viel heller ist als die Umgebung, ist der Mensch für die Kamera unsichtbar und nur die Lichtspuren werden auf dem Sensor registriert.

Ein Teilnehmer erbarmte sich einige Minuten später, um Manuela abzulösen und gleich wurden die Wünsche nach Formen laut geäußert. Ein Herz sollte es sein, welches nach mehreren Versuchen auch wirklich gut erkennbar präsentiert wurde.

Dann wurden die Wünsche spezieller. Es sollte ein Wort geschrieben werden. Nachdem bei den ersten Versuchen die Synchronisation zwischen Schreiber und Fotografen nicht ganz rund lief und nur einzelne Buchstaben, wenn überhaupt, auf die Speicherkarte gebannt wurden, stellten sich bald tolle Ergebnisse ein.

Sogar das gelegentliche Blinken der Taschenlampe konnte als kreatives Element gefallen finden. Manuela erwies sich als perfekte Buchstabiererin und brachte es fertig, dass alle Buchstaben nahezu gleich groß und gerade geschrieben waren.


Anschließend wandten wir uns weiteren Locations zu. Der Memminger Marktplatz und die dort beginnende Fußgängerzone bildeten einen würdigen Rahmen für die abschließenden Fotos.
Das Schöne am Lernen in der Gruppe ist auch, dass Manuela uns immer wieder zusammen rief, um uns besonders gelungene Aufnahmen einzelner Teilnehmer zu zeigen und anhand derer die Grundlagen der Bildgestaltung näher brachte. So wurde jeder dazu ermutigt einmal neue Blickwinkel und Positionen zu versuchen, denn auch ein Bild aus der Froschperspektive kann sehr spannend sein.

Hier konnten wir immer wieder staunend erleben, dass durchs Bild laufende Personen dank der Langzeitbelichtung nicht auf dem fertigen Foto zu sehen sind. Nur das, was still verharrt, wird auch abgebildet.
Hier wurde außerdem nochmal vertieft, wie man in der Dunkelheit manuell scharf stellt, da nämlich bei zu wenig Licht der Autofokus nicht mehr funktioniert. Also das Objektiv auf Manuell umstellen und selbst am Ring drehen ist jetzt die Devise.

Das Ensemble des Marktplatzes mit dem wunderschön beleuchteten Rathaus bildet aber auch eine traumhafte Kulisse. Hier an einem Abend alle möglichen Blickwinkel zu finden, ist schlicht unmöglich.

Ich habe auch versucht das Ganze als Panorama einzufangen, jedoch sind auf Grund der Breite der Gebäude sind die Möglichkeiten ohne spezielle Panorama-Ausrüstung doch sehr limitiert.

Dann lieber noch ein paar Spielereien mit den vorbei fahrenden Autos – Lichtspuren, die unser Auge zum Motiv (hier der Martinsturm) hin geleiten, sind auch immer wieder neu und sehenswert. Hier ist es unmöglich zwei gleiche Bilder zu schießen, denn jedes Auto fährt anders.


Zum Abschluss versuchte ich noch die Übung mit dem Einrahmen des Motivs durch die örtlichen Gegebenheiten. Und hier stellte sich mir bei der Bearbeitung auch gleich noch die nächste Frage: Farbe oder Schwarzweiß?

Ich finde, beide Bilder haben etwas.

Als die Kälte drohte, uns in alle Glieder zu fahren, waren die drei Stunden auch schon wieder vorbei. Wir gingen die Erfahrungen nochmal kurz durch und jeder zeigte sich begeistert, wie einfach die Nachtfotografie doch sein kann, wenn man nur ein paar Regeln einhält:
Alle Aufnahmen vom Stativ aus, kleine ISO-Zahl einstellen für wenig Bildrauschen, Fern-  oder Selbstauslöser verwenden, wenn nötig die Spiegelvorauslösung aktivieren um manuelle Unschärfen durch die Bedienung der Kamera auszuschließen und am Objektiv oder der Kamera den Bildstabilisator deaktivieren.
Bei gutem Kontrast der angestrahlten Gebäude kann der Autofokus sogar noch gute Ergebnisse bringen, so dass nicht in jedem Fall manuell fokussiert werden muss. Sollte es doch erforderlich werden, so empfiehlt es sich den Live-View der Kamera zu aktivieren und auf die maximale Vergrößerung der Anzeige zu gehen. Jetzt kann man auch in der Dunkelheit den passenden Bildausschnitt suchen und darauf manuell am Objektiv scharf stellen.

Wer die Bilder in voller Auflösung sehen möchte,  der kann dies in folgendem Online-Album tun: https://spark.adobe.com/page/ADvryqkBql8jK/

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss:
Ich habe mir vor Jahren schon angewöhnt, nach jedem Workshop ein kleines Fotobuch zu erstellen. So kann ich, so lange die Erinnerung noch frisch ist, die einzelnen Aufgaben und Versuche, welche ich unternommen habe, festhalten und über die Jahre die eigene Entwicklung in der Fotografie verfolgen.
Ich kann es Euch nur empfehlen, denn ich habe bei mir erhebliche Fortschritte über die Jahre gesehen, welche mich schließlich dazu gebracht haben, das Hobby bis hier hin zu vertiefen. Der Rückblick und die Erkenntnis der sichtbaren Verbesserung der Fähigkeiten motiviert ungemein.

Natürlich will ich damit nicht generell sagen, dass Lesen oder auch Video-Tutorials für die Weiterbildung ungeeignet sind. Das Entscheidende dabei ist nur, dass man danach auch raus gehen muss um das Erlernte anzuwenden. In so einem Kurs fällt es mir jedenfalls leichter, Neues auszuprobieren und ich habe die Gelegenheit direkt nochmal um Unterstützung oder einen Rat zu bitten. Das Machen macht*s!

In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du auch einen Kurs für Deine Belange findest und bei all Deinen fotografischen Vorhaben in nächster Zeit allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

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