Wie fotografiert man eigentlich…

… die Milchstraße?

Wer sich für diese Thematik interessiert, der ist hier genau richtig. In diesem Beitrag möchte ich Euch die Grundlagen der Sternen- und Milchstraßenfotografie näher bringen. Wenn man erst mal weiß, wie es geht, wird man überrascht sein, welche Möglichkeiten einem sich hier eröffnen.

Mit den heute käuflichen Digitalkameras ist es eigentlich leicht , das Sternenzelt einzufangen. Das größte Hindernis auf dem Weg zum gelungenen Bild ist die in Mitteleuropa vorherrschende Lichtverschmutzung in den Nächten. Wie Käseglocken hängen die Lichtkugeln über den Städten und beeinflussen so unser Sehen. Durch das Restlicht der Straßenbeleuchtung kann man in der Nähe von Städten nur sehr wenige Sterne wahrnehmen. Richtet man jetzt die Kamera in den Nachthimmel wird entweder der Himmel schwarz, wenn die Beleuchtung mit im Bild ist, oder der untere Bildrand überbelichtet und damit ausgebrannt dargestellt.

Einzige Abhilfe für dieses Problem ist es, sich eine Gegend zu suchen, in der man möglichst weit von der Zivilisation entfernt ist, oder in ein einsames Tal  fahren, in dem die Berge die Beeinflussung größtmöglich abschirmen.
Bei der Suche kann man sich im Internet helfen lassen. Zum Beispiel auf der Seite Dark Site Finder können Karten mit der vorhandenen Lichtverschmutzung angeschaut werden und im Vorfeld zur Planung mit einbezogen werden.
Es gibt auch Plugins für z. B. Google Earth, wenn man sich damit näher auseinandersetzen will. Einfach mal den Begriff „Lichtverschmutzung“ oder „light pollution map“ in die Suchmaschine Deines Vertrauens eingeben – da wird man sicher fündig!

Eine weitere Einschränkungen bieten ausserdem noch die Mondphasen. So richtig dunkel ist es nämlich nur, wenn entweder kein Mond am Nachthimmel ist oder rund um Neumond. Selbst das vom Mond reflektierte Sonnenlicht beeinflusst die Szene so, dass die Michstraße nicht in ihrer vollen Pracht fotografiert werden kann.

Als ich eines Nachts bei uns ins Tannheimer Tal an den Vilsalpsee gefahren bin, war ich fünf Minuten nach Verlassen des Autos vollständig geplättet. Als sich die Augen an die dunkle Umgebung angepasst hatten, war es tatsächlich möglich, die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen. Ein Anblick, den ich so zu Hause nicht genießen kann.

Überall dort, wo dies nicht möglich ist, wäre es von Vorteil, wenn Du Dir eine App auf Dein Smartphone ziehst, mit der vor Ort der momentane Stand der Milchstraße abgecheckt werden kann. Solche Apps sind z. B. Sun Surveyor, Photo Pills oder The Photographers Ephemeris (TPE). Letztes Jahr habe ich über nützliche Apps einen eigenen Beitrag geschrieben – einfach mal klicken
Es ist nämlich ziemlich mühsam, wenn man Stück für Stück den Nachthimmel mit der Kamera absucht – immer wieder ein Bild macht und die Kamera anschließend wieder fünf Grad weiter dreht – bis man die Milchstraße endlich gefunden hat.

Wenn man sich schließlich an seinen gewünschten Ort befindet, sich unter Umständen mitten in der Nacht aus dem Bett gequält hat und alles eingerichtet ist, dann kommt die Frage aller Fragen: Welche Einstellungen soll ich verwenden? Benjamin J. aus B. würde sagen: „Sag‘ ma‘ Einstellungen Digga!“
Das die Aufnahmen nur mit Hilfe eines stabilen Stativs gelingen, muss ich ja nicht extra erwähnen.
Grundsätzlich ist ein Weitwinkelobjektiv mit großer Blendenöffnung (f 2,8 oder besser) sehr vorteilhaft. Mein Sigma 10-20 hat jedoch als kleinste Blende nur f 3,5 und mit diesem Objektiv kann ich noch brauchbare Bilder schießen. Also Blende ganz öffnen (kleinst möglichen Wert wählen).
Die Verschlusszeit sollte nicht länger als 25 – 30 Sekunden sein, da ansonsten die Sterne bereits nicht mehr scharf sind. Sollte man gar nicht glauben, wie schnell sich doch die Erde dreht.
Bei der ISO-Zahl kommt es jetzt stark auf die Kamera an. Neuere Modelle verkraften schon mal 1600 oder auch 3200 ISO. Profi-Modelle auch noch mehr. Bei Einsteigermodellen oder älteren Kameras kann das zum Problem werden. Wenn mit der ISO nicht so hoch gegangen werden kann, werden die Bilder auf jeden Fall sehr dunkel werden. Das bedeutet, die Belichtungszeit müsste verlängert werden, was zu unscharfen Sternen führt usw.
Für meine Kamera, Canon EOS 70D, mit dem bereits erwähnten Sigma-Weitwinkelobjektiv habe ich folgende Werte als brauchbar ermittelt:
Blende f 3,5, ISO 3200, Belichtungszeit 25 Sekunden

Was auch noch zu erwähnen wäre, ist bei der Bildkomposition auf einen Vordergrund zu achten. Einfach nur den Nachthimmel vor einer schwarzen Landschaft aufzunehmen ist nicht das Rezept für ein schönes Bild.
Wenn es etwas gibt, was in der Dunkelheit zu verschwinden droht, hilft eine Taschenlampe, die man bei der nächtlichen Exkursion sowieso dabei haben wird, sehr gut weiter. Einfach innerhalb der Belichtungszeit für ca. 5 Sekunden das Objekt mit der Taschenlampe anstrahlen und schon hat man etwas interessantes im Vordergrund vor der Milchstraße.
Im Winter gelingen die Bilder besser, als im Sommer, da erstens der Nachthimmel klarer ist und zweitens bei den kühleren Temperaturen das Rauschverhalten des Kamerasensors erheblich besser ist.

Ich hoffe, es war wieder etwas interessantes für Euch dabei. Es gibt im Internet unzählige Abhandlungen zu diesem Thema – manche machen eine kleine Wissenschaft daraus. Für meine Zwecke reichen die genannten Einstellungen, welche von Fall zu Fall im geringen Umfang modifiziert werden können. Probiert es einfach aus.

Ich wünsche Euch für die Ausflüge in die Nachtfotografie trotzdem allzeit gutes Licht, auch wenn augenscheinlich nicht viel davon zu sehen sein wird.

Werner Kutter

 

 

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