Was ist eigentlich ein HDR-Bild?

In diesem Beitrag möchte ich Euch erklären, was es mit dem Begriff „HDR-Bild“ auf sich hat.
Dazu werde ich als erstes erklären,  was das kryptische Kürzel für eine Bedeutung hat. HDR ist die Abkürzung für den englischen Begriff „High Dynamic Range“ was soviel bedeutet, wie grosser Dynamikumfang. Der Dynamikumfang beschreibt den Bereich zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Punkt einer Szene,  bzw. eines Bildes.
Das menschliche Auge ist in Zusammenarbeit mit unserem Gehirn hier jeder  Kamera bzw. dem Sensor in der Kamera weit überlegen.  Unsere Augen können einen Dynamikumfang von 20 Blendenstufen wahrnehmen.  Zum Vergleich: aktuelle Sensoren moderner Spiegelreflexkameras schaffen gerade mal 12 Stufen im unkomprimierten RAW-Modus und 8 Stufen im jpeg-Modus.
Daraus ergiebt sich, dass bei Motiven mit einer großen Bandbreite zwischen hellen und dunklen Bildteilen bei den Kameras Abstriche in kauf genommen werden müssen. Entweder die hellen Bereiche werden überbelichtet  (die Lichter sind ausgefressen) oder die dunklen unterbelichtet  (die Tiefen saufen ab). Soll heißen,  in den Lichtern sind Bereiche rein weiß,  ohne Zeichnung,  bzw. in den Tiefen sind Teile rein schwarz, ebenfalls ohne Informationen für eine Wiederherstellung.  Diese kann man am Computer mit Bildbearbeitungsprogrammen wie z. B. Lightroom versuchen. Werden hier jedoch die Lichter zu sehr zurück genommen,  werden diese Bereiche gerne grau und etwas „matschig „. Bei der Anhebung der Tiefen wiederum stellt sich schnell störendes Rauschen ein, welches ebenfalls ein gutes Bild unbrauchbar machen kann.
Was also tun, um einen möglichst großen Helligkeitsumfang in ein Bild zu bekommen? Hier kommt jetzt die HDR-Technik zum Einsatz. Lange Zeit war dieser Begriff Synonym für fast schon psychodelisch bunte Bilder, welche nichts mehr mit der natürlichen Wahrnehmung zu tun hatten.
Die Programme von damals (z. B. Photomatix oder HDR-Pro) berechneten so knallhart alles zusammen,  dass jegliche Natürlichkeit auf der Strecke blieb. Heute kann man in Lightroom die Bilder ganz „sanft“ verrechnen lassen, um z. B. anschließend die Tiefen ohne Rauschen aufhellen zu können und die natürliche Bildaussage nicht zu zerstören.
Wie ist also die Vorgehensweise,  um zu einem HDR-Bild zu gelangen?
Die besten Ergebnisse erzielt man natürlich vom Stativ aus, da mehrere Aufnahmen der gleiche Szene möglichst kurz hintereinander angefertigt werden müssen. Bei entsprechend kurzen Verschlusszeiten kann es durchaus auch „aus der Hand “ funktionieren,  sicherer ist es jedoch mit einem Stativ. Alle modernen Kameras bieten einen Modus, welcher sogenannte Belichtungsreihen erstellen lässt.  Meist ist der Modus bei den Belichtungskorrektureinstellungen und nennt sich „automatische Belichtungsreihe“, „AEB“ oder ähnlich.

Im Menü wird eingestellt,  wie viele Aufnahmen gemacht werden sollen. Standard wird meist 3 Bilder sein, es können fast immer auch 5, 7 oder sogar 9 Aufnahmen eingestellt werden. Hier muss bitte jeder in seiner Beschreibung der Kamera nachlesen,  wie genau diese Wahl getroffen wird. Beim  Einstellen des Modus wählt man dann noch aus, wie weit die einzelnen  Belichtungen auseinander liegen sollen. Bei drei Bildern wählt man z. B. eine normale, eine um eine Stufe unterbelichtete und damit eine um eine Stufe überbelichtete Aufnahme.
Bei meiner Canon EOS 70D habe ich festgestellt,  dass die Kamera im Live-View-Modus die Aufnahmen direkt nacheinander ausführt, während normal jedes Bild separat ausgelöst werden muss.
Man kann die Belichtungsreihe im manuellen Modus natürlich durch Änderung der Belichtungszeit selbstverständlich auch manuell erstellen – das Ergebnis wird das selbe sein. Doch Vorsicht: Wenn sich Bildteile in Bewegung befinden (z. B.. Wolken) kann die Zeit zwischen den Belichtungen zu lange werden und beim Zusammenfügen entstehen seltsam aussehende Artefakte.

Bei der Auswahl von 3 Belichtungen erhält man als Ergebnis ein normales,

ein zu helles

und ein zu dunkles Bild.

Aus dem zu hellen nimmt das Programm die Infos für die Schatten (dunkle Bildteile) und aus dem zu dunklen die für die Lichter (helle Bildteile). Beides wird mit dem korrekt belichteten Foto verrechnet,  so dass nun beim reduzieren der Lichter und dem Anheben der Schatten mehr Spielraum entsteht. Es können mehr Details wieder hergestellt werden, ohne Störungen im Bild zu erzeugen.

Zusammenfügen lassen sich die Bilder z. B. in Lightroom indem die Bilder markiert werden und mit einem rechten Mausklick zusammenfügen zu… HDR ausgwählt wird. Als Ergebnis erhält man eine neue Datei mit dem Zusatz HDR im Namen und erheblich größerem Dynamikumfang.  Die Weiterentwicklung des Fotos kann dann wie gewohnt erfolgen. Allerdings sollte man trotz aller Reserven das Spiel mit den Reglern nicht übertreiben um einen natürlichen Touch zu behalten.
Es gibt auch Programme, die außerhalb von Photoshop und Lightroom funktionieren z. B. hat Macphun gerade das Programm Aurora HDR 2018 für PC-User auf den Markt gebracht.

Ich hoffe, der ein oder andere Tipp war wieder dabei und die Neugier auch mal so ein Bild zu kreieren ist geweckt. Ich wünsche Euch dafür viel Erfolg und allzeit gutes Licht!
Werner Kutter