Reisebericht Ostfriesland Teil 2


Diese Woche bewegen wir uns weiter nach Osten, von Norden und Norddeich, auch ein Stück ins Landesinnere und wieder zurück an die Küste bis Harlesiel.

In Norddeich starten die Autofähren nach Norderney und Juist. Hier ist immer was los und bei gutem Wetter lassen sich auch tolle Aufnahmen von Norderneys weithin sichtbarem Wahrzeichen, dem Leuchtturm, machen. Auch in Norddeich reihen sich Hotels, Gaststätten und Fischbuden aneinander. Die hungrige Seele kann hier von allem etwas abbekommen. Frische Seeluft für die Lungen genau so, wie frischen Fisch für den Magen. Und natürlich finden sich hier auch Plätze am Deich, um einen schönen Sonnenuntergang einzufangen.
Norden ist die nordwestlichste Stadt Deutschlands und so etwas, wie der Hauptort hier oben. Auch hier sind Windmühlen zu bestaunen, auch wenn sich rund um eine ein Einkaufszentrum breit gemacht hat, was für mich etwas verwunderlich wirkt. Ein schönes Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und guten Gaststätten und einer kleinen Fußgängerzone lädt zum Verweilen ein. Im Tee-Museum z. B. kann man sich in alle Geheimnisse und Gepflogenheiten rund um den Ostfriesentee einweisen lassen. Mein Tipp zum Essen ist das Restaurant Minna. Hier gibt es eine kleine, feine Karte – sogar ein vom NDR prämiertes Gericht ist darauf zu finden.

Etwas weiter westlich finden wir das Schloss Lütetsburg, direkt an der alten Landstraße zwischen Norden und Hage.

Hier kann das Fotografenherz im Mai/Juni beinahe aus der Brust springen. Im Schlosspark wurde eine überbordende Anzahl von Rhododendren angepflanzt. Hier müssen im Frühjahr ganze Blütenwände stehen – leider war ich erst Ende Juni in der Gegend und die Blüte schon zum Großteil vorbei. Während der Blüte ist das Mitbringen des Makro-Objektivs Pflicht!
Weiter südwestlich im Landesinneren wartet noch ein Kleinod für den Makroliebhaber: das Ewige Meer.

Eine Moorlandschaft der Extraklasse. Blindschleichen, Salamander, Libellen, seltene Pflanzen – wer hier mit der Makro-Linse nicht fündig wird sollte sich ernsthaft ein anderes Hobby suchen. Ein wunderbarer Holzsteg führt mit einem Naturlehrpfad durch das Hochmoor. 90 Minuten sollte man mindestens einplanen – Fotografen natürlich entsprechend mehr!

Etwas weiter südlich, auch südlich von Aurich, befindet sich eine Gedenkstätte der alten Klosteranlage Ihlow. Stahl und Holz bilden die Pfeiler und das Gewölbe des einst größten Gotteshauses zwischen Bremen und Groningen nach. Wanderwege im Wald laden zum flanieren ein, die künstlerische Aufarbeitung der Vergangenheit lädt zum fotografieren ein. So ist für alle etwas dabei, die mit auf Reisen gehen.

Auf dem Weg nach Norden, zurück an die Küste, machen wir noch halt in einem Windkraftanlagen-Park.  Zwischen Westerholt und Esens gibt es eine begehbare Windkraftanlage – natürlich nur für Schwindelfreie!
Die Plattform befindet sich auf einer Höhe von 62 mt und ist über eine
297 Stufen zählende Wendeltreppe im Turm zu erreichen.
Oben angekommen findet man eine geschlossene Plattform mit schräg gestellten Fenstern vor, die bei guter Sicht einen Ausblick bis nach Holland zulässt. Wenn die Menge der Interessenten überschaubar ist, wird auch schon mal die Luke zum Generator und auch die Dachluke für den ungestörten Ausblick geöffnet. Da wurde allerdings selbst mir ein bisschen Mulmig.

Der Ausblick ist, wenn man es verträgt, jedenfalls überwältigend.

Auf unserem weiteren Weg an die Küste befinden wir uns meistens auf der norddeutschen Straße der Windmühlen. Dies bezieht sich jetzt jedoch auf die historischen Windmühlen und nicht die, zahlenmäßig stark überlegenen, modernen Windkraftanlagen.  In vielen kleinen Dörfern kann man sie besichtigen – ein paar wenige sind sogar noch in Betrieb.

Unterschiedlichste Bauformen treffen hier aufeinander. Viele Mühlen sind zwar mittlerweile von Häusern umringt, ein paar wenige stehen noch so frei, dass sich das Anhalten wirklich lohnt.
Auch hier gilt – bei Weitwinkelaufnahmen nicht zu sehr die Kamera nach oben richten, um stürzende Linien zu vermeiden. Man kann es aber auch absichtlich übertreiben und dies als Stilmittel einsetzen – jede Regel lässt sich brechen.
Bei den meisten Küstendörfern sind die Häfen hinter den Deichen geschützt schön angelegt bzw. restauriert. Ein Spaziergang entlang des Wassers lädt immer wieder zum Fotografieren ein – sind doch die unterschiedlichsten Boote und Schiffe am Kai festgemacht.
Bei all den Schönheiten darf auch das Dorfgeschehen ein paar Meter Abseits der Massen nicht vergessen werden. Wenn an den Flaniermeilen sich Besucherströme durch die Gassen drücken, ist im weiter innen liegenden Dorfkern oft auch noch einiges Fotogenes zu entdecken. Nicht selten durchziehen Grachten die Orte und bewegliche Holzbrücken dienen immer noch als Übergang und auch als Fotomotiv.
Ich könnte noch ein paar Wochen weiter schreiben, so sehr habe ich mich in diesen Küstenabschnitt verliebt. Durchwegs freundliche Menschen machen es einem leicht, hier den Urlaub zu verbirngen. Für Eure schönste Jahreszeit, den Urlaub, und die fotografischen Unternehmungen wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

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