Tierfotografie – Mein Hund ist mein Model…


Jeder, der ein Haustier sein eigen nennt und sich für die Fotografie interessiert, möchte auch einmal schöne Bilder von seinem Tier haben. In diesem Beitrag möchte ich anhand einiger Beispiele aufzeigen, was geht und was man unterlassen sollte. Die Tipps gelten unabhängig der Tierart und Rasse.

Zunächst einmal ein paar no-gos – was man vermeiden sollte:

1. Fotografiere nie von oben herab!
Bilder aus der menschlichen Augenhöhe sind bequem und schnell gemacht, sehen gewohnt aus und wirken dadurch leider auch schnell langweilig. Jeder Smartphone-Besitzer kann solche Fotos machen, wir nicht. Wir können es besser!
Besser ist es nämlich, wenn wir uns auf Augenhöhe mit dem Tier begeben – auch wenn es für fast alle Tiere bedeutet, dass wir uns auf den Boden legen müssen!

2. Die Richtige Brennweite verwenden!
Wie bei der normalen Porträtfotografie auch sollten die Weitwinkelbereiche des Objektivs vermieden werden. Der Weitwinkel zwingt uns zwar näher ans Modell heran, führt aber auch zu unschönen Verzerrungen in der Abbildung:

Wir verwenden ein Objektiv, welches oberhalb von 50 mm arbeitet und für Porträts Bilder ohne Verzerrungen erlaubt. Außerdem haben wir so die Möglichkeit, aus der Entfernung zu beobachten und wenn es interessant wird, ein Bild zu machen. Die Kamera wird für Porträts eingestellt, damit der Fokus schön auf dem Tier liegt und der Hintergrund möglichst aus dem Schärfebereich heraus fällt. Also offene Blende, so um die 5.6 – noch weiteres öffnen der Blende birgt die Gefahr, dass die Schnauze scharf ist, jedoch schon die Augen in der Unschärfe liegen. Und wenigstens das nahe liegende Auge sollte scharf sein.

Idealerweise läuft das Tier auf uns zu. Schöner ist es auf jeden Fall, den Blick einzufangen, als das Hinterteil. Porträts bieten sich an in der Frontalansicht
in der Seitenansicht
oder auch aus ungewöhnlichen Winkeln, etwa wenn der Hund über die Schulter blickt.


Ganz besonders interessant finde ich auch, wenn man sich auf Details konzentriert und diese schön zur Geltung bringt, wie z. B. eine Pfote
Im Action-Bereich sind natürlich alle Möglichkeiten offen. Beim Toben im Garten sollte die Kamera jedoch anders, als beim Porträtieren eingestellt werden. Hier empfiehlt es sich, die Kamera auf den Serienbildmodus umzustellen, den Fokus nachführen zu lassen (damit bei Änderung der Entfernung zum Tier das Bild weiter scharf bleibt) und darauf zu achten, dass die Verschlusszeit nicht unter 1/250 s fällt, damit keine Bewegungsunschärfe auftritt. Und dann: Feuer frei!
Schön ist es auch wenn beim Spaziergang, z. B. im Winter einfach mal dokumentiert wird, wie wohl das Tier sich fühlt.
Bleibende Erinnerungen – Momente, festgehalten in einem Bild, das aussagt, wir haben gemeinsam etwas erlebt.
Und nicht zu vergessen auch hier gibt es Details zu entdecken, welche sich irgendwann als kleiner Schatz entpuppen können.
Lasst Eurer Fantasie einfach freien Lauf . Fotografieren heißt auch experimentieren. Learning by doing! Es gibt kein Richtig oder Falsch. Jeder hat seinen eigenen Geschmack und weiß selbst am besten was ihm gefällt. Also los! Raus, Probieren, Machen, Tun!

Ich hoffe ich konnte Euch ein paar Tipps und Anregungen geben und wünsche Euch für das kommende Haustiershooting allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

P.S. In memorian Roy 20.10.2001 – 24.01.2017
Der beste Lehrmeister, den man sich vorstellen konnte…

Das Mysterium – das Histogramm


Das Histogramm erschließt sich noch nicht allen Hobby-Fotografen und wird deshalb auch zu oft nicht beachtet. Was hat es mit diesem mysteriösen Diagramm auf sich? In diesem Beitrag möchte ich den Schleier lüften und eine Einführung in die sinnvolle Verwendung der Grafik geben.

Ein Histogramm ist grundlegend einmal eine grafische Darstellung einer Häufigkeitsverteilung. In der digitalen Fotografie versteht man darunter die Häufigkeit der Helligkeitswerte in einem Bild. Das Histogramm erlaubt uns also eine Aussage zu treffen, über diese vorkommenden Werte und über den Kontrastumfang und die Helligkeit des Bildes.
Eingesetzt werden kann das Tool zur Bewertung des Bildes natürlich in der Nachbearbeitung – wobei es hier dann oft zu spät ist und das Bild nur noch in marginal korrigiert werden kann. Viel besser ist es, wenn man sich das Histogramm schon beim Fotografieren in der Kamera anzeigen lässt und so das Bild bereits vor Ort mit der richtigen, ausgewogenen Belichtung aufgenommen wird. Hier sollte sich jeder einmal schlau machen, wie genau die Anzeige des Histogramms an seiner Kamera aktiviert wird. Soviel vorweg: Es lässt sich bei so gut wie jeder Digitalkamera einblenden.

Schauen wir uns das Histogramm einmal an:
Die Werte unterhalb der Kurve sind die Einstellungen der Kamera bei diesem Bild und spielen erst mal keine Rolle.
Der Graph zeigt von links nach rechts die Häufigkeit des Auftretens von dunklen zu hellen Bildinhalten an.
Wenn jetzt am linken Rand eine Erhebung angezeigt wird, dann ist das ein Signal dafür, dass das Bild eventuell unterbelichtet ist Besteht aber, wie hier beim Sonnenuntergang an der Nordsee, das Bild hauptsächlich aus dunklen Bereichen, dann ist das in Ordnung. Vorsicht ist trotzdem geboten, da ganz am linken Rand eine scharfe Spitze zu sehen ist, was gleichbedeutend ist, dass einige Bildteile rein schwarz sind und somit keine Zeichnung mehr in den Tiefen vorhanden ist. Man sagt in diesem Fall, dass die Tiefen “abgesoffen“ sind. Mit der Über- und Unterbelichtungswarnung kann die Kamera diese Bereiche durch ein Blinken anzeigen und wir können dann entscheiden, ob es sich um bildwichtige Inhalte handelt und somit die Belichtung angepasst werden muss.

Ein ausgewogenes Histogramm lässt an beiden Rändern etwas Luft – bzw. läuft zu den Rändern hin flach aus. Hier sind dann noch genügend Reserven, um in der Nachbearbeitung die Kontraste anzuheben und somit die gesamte Bandbreite auszunutzen, ohne dass die Tiefen absaufen oder die Lichter ausbrennen.

Analog zu den Tiefen verhält es sich auch mit den hellen Bildanteilen, den Lichtern. Wenn die Kurve nach rechts ansteigt, dann besteht die Gefahr, dass es überbelichtete Stellen im Bild gibt, die keine Zeichnung mehr haben. Dann spricht man von “ausgefressenen“ Lichtern. Sollte das Bild jedoch aus hauptsächlich hellen Anteilen bestehen, so ist es auch wieder ganz normal, dass der Graph nach rechts verschoben ist. Wichtig ist jedoch vor allem bei Bildern vom Schnee, dass die Lichter nicht ausgefressen sind und der Schnee noch Zeichnung hat. Sonst würde er zu einem einzig weißen Brei verschmelzen und das Bild wäre nicht mehr zu retten.

Generell ist fest zu halten, dass eher versucht werden sollte, die Belichtung auf die hellen Bildteile auszurichten und eher gering überbelichten, als unterbelichten.  Korrekturen von zu hellen Stellen sind leichter durchzuführen, als zu dunkle Stellen aufhellen zu wollen. Dieses Aufhellen führt in der Regel schnell zu unerwünschtem Rauschen, welches das Bild dann unansehnlich werden lässt. Ein Zurücknehmen der LIchter verzeiht das Material in der Regel eher. Womit wir jetzt an dem Punkt wären, an dem es sich von selbst erklärt, warum es besser ist, das Histogramm bereits vor Ort zu überprüfen. Daheim am PC ist es für umfangreiche Korrekturen zu Spät!

Ganz wichtig noch zu erwähnen: Wann immer es geht und die Kamera es auch zulässt, sollte im RAW-Modus fotografiert werden. Die Bearbeitung ist dann zwar unabdingbar, jedoch sind so viel mehr Informationen in den Rohdaten, als in einem, von der Kamerasoftware komprimierten, jpeg-Bild. Alle Bilder sind bearbeitet – warum die Arbeit der Kamera überlassen, die gar nicht wissen kann, was der Fotograf mit dem Bild aussagen möchte.

Passt also bitte zukünftig schon bei der Aufnahme auf das Histogramm auf, ihr wisst ja jetzt, warum. In diesem Sinne wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Zeit zum fotografieren…


…nehmen ist eine gute Voraussetzung für gelungene Bilder.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ebenso wichtig ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Man kann den Sonnenaufgang nunmal im Sommer nur vor 6 Uhr einfangen. Da muss der Langschläfer schon mal durch!
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die Uhrzeit keine große Rolle spielt, ist es sehr wohl ein großer Unterschied, ob die Sonne flach am Horizont oder steil am Himmel steht. Und das war der größte Fehler, den auch ich sehr lange begangen habe – ich habe zu wenig früh morgens und spät abends fotografiert und diese Gegebenheiten zu lange zu wenig beachtet.

Oder auch bei schlechtem Wetter. Die heute erwerbbaren Kameras sind alle soweit spritzwassergeschützt,  so dass ein leichter Regenschauer der Elektronik nichts ausmacht. Man muss ja nicht direkt in den Dauerregen stehen, aber ein paar Regentropfen kann jede Kamera ab. Generell ist das Fotografieren tagsüber bei bewölktem oder bedecktem Himmel besser, als wenn die Sonne runterknallt. Bei oder kurz nach dem Regenschauer kommen noch viele weiteren Motivmöglichkeiten hinzu, die schnell übersehen werden: Spiegelungen im Wasser, in Pfützen. Oft lassen sich so kuriose Motive ablichten, bei denen die Welt quasi auf dem Kopf steht.

Oder ein schöner Regenbogen spannt sich am Himmel von einer Seite auf die Andere.

Tagsüber bei hellem Sonnenschein sind die Gegebenheiten meist ungünstig. Personen kneifen die Augen zu, Gebäude und deren Teile werfen äußerst kurze Schatten, so dass die dreidimensionalität der Dinge nahezu verloren geht. Viele Motive werden dadurch schlicht flach, kontrastarm und bei vielen Situationen wird der Sensor der Kamera schlicht überfordert, da er bei weitem nicht diesen großen Dynamikumfang, wie das menschliche Auge abbilden kann. Hier wird dann entweder der helle Bildteil überbelichtet oder das dunkle schlicht schwarz. Wenn man nicht gerade Silhouetten im Gegenlicht aufnehmen will, wartet man leichter, bis z. B,. durch eine Wolke das Licht indirekter und diffuser wird.

Die beste Zeit für Fotografen ist, ohne Zweifel, früh morgens oder am Abend. Morgens hat man den Vorteil, dass z. B. an Seen und Gewässern noch kaum Wind herrscht und so die Szenerie allgemein ruhiger ist. Für die Fotografie mit dem vorhandenen Licht (avaiable light) sind die Zeiten wie folgt aufgeteilt:  Die Nacht, die morgendliche Blaue Stunde und die goldene Stunde am Morgen. Am Abend wiederholt sich das Spektakel in umgekehrter Reihenfolge.
In der Nacht ist der Himmel in der Regel tief schwarz. Hier kann allenfalls der Sternenhimmel, mit der Milchstraße rund um Neumond, fotografisch verwertet werden. Ansonsten muss mit zusätzlichem Lichteinsatz fotografiert werden.

Der Begriff mit der blauen und goldenen Stunde soll nicht bedeuten, dass diese Lichtsituation genau diese Zeitspanne anhält –  nein, das ist eher redensartlich gemeint. Denn je nach Jahreszeit und Ort an dem man sich befindet, ändert sich dieser Zeitraum dramatisch. So sind die Phänomene rund um den Äquator fast gar nicht feststellbar, je näher man den Polen kommt, um so länger dauern diese Phasen bis hin zur Mitternachtssonne am Polarkreis, die wiederum die blaue Stunde und die Nacht verhindert.
Noch lange bevor der erste Sonnenstrahl den Horizont erhellt ändert sich das schwarz der Nacht in ein tiefblau – das erste Licht, welches sich fotografisch abbilden lässt.

Nach der blauen Stunde kommt das eigentliche Farbspektakel, wenn die Sonnenstrahlen den Horizont überqueren. Die Sonne muss hierzu noch gar nicht aufgegangen sein – die Farben sind da, angefangen von einem Ton in Richtung Margenta

der später dann  dominiert wird vom Orangerot der Sonne. Die goldene Stunde hat angefangen.

Wenn die Sonne schließlich der Horizont überquert hat, dauert es nicht mehr lange, bis das Farbenspiel zu Ende geht. Rund um die Mittagszeit – etwa zwischen 10 und 16 Uhr im Sommer – ruht der Landschaftsfotograf, da jetzt die denkbar schlechteste Zeit ist für schöne Bilder. Erst am Abend, wiederholt sich das Spiel in umgekehrter Reihenfolge. Dann wird es wieder Zeit seinen Spot aufzusuchen und nach dem besten Bildauschnitt ausschau zu halten.

Damit möchte ich es für heute belassen und wünsche Euch für Eure Sonnenauf- und untergänge allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 2


Diese Woche bewegen wir uns weiter nach Osten, von Norden und Norddeich, auch ein Stück ins Landesinnere und wieder zurück an die Küste bis Harlesiel.

In Norddeich starten die Autofähren nach Norderney und Juist. Hier ist immer was los und bei gutem Wetter lassen sich auch tolle Aufnahmen von Norderneys weithin sichtbarem Wahrzeichen, dem Leuchtturm, machen. Auch in Norddeich reihen sich Hotels, Gaststätten und Fischbuden aneinander. Die hungrige Seele kann hier von allem etwas abbekommen. Frische Seeluft für die Lungen genau so, wie frischen Fisch für den Magen. Und natürlich finden sich hier auch Plätze am Deich, um einen schönen Sonnenuntergang einzufangen.
Norden ist die nordwestlichste Stadt Deutschlands und so etwas, wie der Hauptort hier oben. Auch hier sind Windmühlen zu bestaunen, auch wenn sich rund um eine ein Einkaufszentrum breit gemacht hat, was für mich etwas verwunderlich wirkt. Ein schönes Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und guten Gaststätten und einer kleinen Fußgängerzone lädt zum Verweilen ein. Im Tee-Museum z. B. kann man sich in alle Geheimnisse und Gepflogenheiten rund um den Ostfriesentee einweisen lassen. Mein Tipp zum Essen ist das Restaurant Minna. Hier gibt es eine kleine, feine Karte – sogar ein vom NDR prämiertes Gericht ist darauf zu finden.

Etwas weiter westlich finden wir das Schloss Lütetsburg, direkt an der alten Landstraße zwischen Norden und Hage.

Hier kann das Fotografenherz im Mai/Juni beinahe aus der Brust springen. Im Schlosspark wurde eine überbordende Anzahl von Rhododendren angepflanzt. Hier müssen im Frühjahr ganze Blütenwände stehen – leider war ich erst Ende Juni in der Gegend und die Blüte schon zum Großteil vorbei. Während der Blüte ist das Mitbringen des Makro-Objektivs Pflicht!
Weiter südwestlich im Landesinneren wartet noch ein Kleinod für den Makroliebhaber: das Ewige Meer.

Eine Moorlandschaft der Extraklasse. Blindschleichen, Salamander, Libellen, seltene Pflanzen – wer hier mit der Makro-Linse nicht fündig wird sollte sich ernsthaft ein anderes Hobby suchen. Ein wunderbarer Holzsteg führt mit einem Naturlehrpfad durch das Hochmoor. 90 Minuten sollte man mindestens einplanen – Fotografen natürlich entsprechend mehr!

Etwas weiter südlich, auch südlich von Aurich, befindet sich eine Gedenkstätte der alten Klosteranlage Ihlow. Stahl und Holz bilden die Pfeiler und das Gewölbe des einst größten Gotteshauses zwischen Bremen und Groningen nach. Wanderwege im Wald laden zum flanieren ein, die künstlerische Aufarbeitung der Vergangenheit lädt zum fotografieren ein. So ist für alle etwas dabei, die mit auf Reisen gehen.

Auf dem Weg nach Norden, zurück an die Küste, machen wir noch halt in einem Windkraftanlagen-Park.  Zwischen Westerholt und Esens gibt es eine begehbare Windkraftanlage – natürlich nur für Schwindelfreie!
Die Plattform befindet sich auf einer Höhe von 62 mt und ist über eine
297 Stufen zählende Wendeltreppe im Turm zu erreichen.
Oben angekommen findet man eine geschlossene Plattform mit schräg gestellten Fenstern vor, die bei guter Sicht einen Ausblick bis nach Holland zulässt. Wenn die Menge der Interessenten überschaubar ist, wird auch schon mal die Luke zum Generator und auch die Dachluke für den ungestörten Ausblick geöffnet. Da wurde allerdings selbst mir ein bisschen Mulmig.

Der Ausblick ist, wenn man es verträgt, jedenfalls überwältigend.

Auf unserem weiteren Weg an die Küste befinden wir uns meistens auf der norddeutschen Straße der Windmühlen. Dies bezieht sich jetzt jedoch auf die historischen Windmühlen und nicht die, zahlenmäßig stark überlegenen, modernen Windkraftanlagen.  In vielen kleinen Dörfern kann man sie besichtigen – ein paar wenige sind sogar noch in Betrieb.

Unterschiedlichste Bauformen treffen hier aufeinander. Viele Mühlen sind zwar mittlerweile von Häusern umringt, ein paar wenige stehen noch so frei, dass sich das Anhalten wirklich lohnt.
Auch hier gilt – bei Weitwinkelaufnahmen nicht zu sehr die Kamera nach oben richten, um stürzende Linien zu vermeiden. Man kann es aber auch absichtlich übertreiben und dies als Stilmittel einsetzen – jede Regel lässt sich brechen.
Bei den meisten Küstendörfern sind die Häfen hinter den Deichen geschützt schön angelegt bzw. restauriert. Ein Spaziergang entlang des Wassers lädt immer wieder zum Fotografieren ein – sind doch die unterschiedlichsten Boote und Schiffe am Kai festgemacht.
Bei all den Schönheiten darf auch das Dorfgeschehen ein paar Meter Abseits der Massen nicht vergessen werden. Wenn an den Flaniermeilen sich Besucherströme durch die Gassen drücken, ist im weiter innen liegenden Dorfkern oft auch noch einiges Fotogenes zu entdecken. Nicht selten durchziehen Grachten die Orte und bewegliche Holzbrücken dienen immer noch als Übergang und auch als Fotomotiv.
Ich könnte noch ein paar Wochen weiter schreiben, so sehr habe ich mich in diesen Küstenabschnitt verliebt. Durchwegs freundliche Menschen machen es einem leicht, hier den Urlaub zu verbirngen. Für Eure schönste Jahreszeit, den Urlaub, und die fotografischen Unternehmungen wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Reisebericht Ostfriesland Teil 1

Ostfriesland ist reich an Sehenswürdigkeiten. Der kleinste und der höchste Leuchtturm Deutschlands stehen nur 12 km auseinander. Der schiefste Turm der Welt steht ebenfalls hier und nicht in Italien. Berge von Rhododendren im Schloss Lütetsburg im Mai, die Silhouette einer Kirche im Wald – gewöhnliches und außergewöhnliches reihen sich hier in nächster Nähe aneinander; man muss nur noch die Reihenfolge festlegen und los geht’s. 

Fangen wir im Westen an und arbeiten uns ostwärts voran. An spannenden Orten zum Entdecken, Entspannen und Fotografieren mangelt es sicher nicht.

Emden beherbergt gleich zu Beginn jede Menge interessanter Motive – und ich meine jetzt nicht nur den Ottifanten, der sich mit seinem Kopf durch die Wand aus dem Otto – Huus schleichen will.

Gleich gegenüber ist der schöne Hafen an dem man sich den historisch anmutenden Schiffen nähern kann. Backsteinromatik, wohin das Auge schaut. In der Pelzerstrasse 12 beispielsweise wurde die alte Fassade schön restauriert. Im Inneren ist ein Café, in dem Menschen mit Handicap arbeiten.  So hilft ein Besuch und die Einkehr auch noch einem guten Zweck. Und der Ostfiesentee ist wirklich sehr gut!
Fototechnisch ist bei Architekturbildern hauptsächlich darauf zu achten, dass das Objektiv nicht zu stark nach oben gerichtet wird. Wenn im Weitwinkelbereich hier übertrieben wird, dann entstehen die unschönen „stürzenden Linien“ – eigentlich aufrecht stehende Häuser und Türme sehen dann so aus als würden sie nach hinten stürzen.

14 km weiter westlich ist der Knock – der nordwestliche Zipfel Deutschlands. Hier kann man über den Dollart quasi nach Holland spucken. Der alte Fritz steht am Ufer und wacht darüber, dass der Konsum von Tee und Kaffee nicht überhand nimmt.
Hier kann es sehr schöne Sonnenuntergänge geben, welche im Zusammenspiel mit den vorhandenen Figuren und Gebäuden alles bieten werden, was ein Bild braucht: Vordergrund, die Bildmite und der Sonnenuntergang im Hintergrund. 

Der Kirchturm in Suurhuusen, 6 km nördlich von Emden, welcher eine Schräglage von 5,19 Grad aufweist ist der wirklich schiefste auf Erden. Ganz egal, was die Italiener immer behaupten, der berühmte Turm in Pisa hat nur 3,97! Das alles und der höchste deutsche Leuchtturm in Campen (für meinen Geschmack ein hässlicher Stahlturm ohne „Seele“) ist im Umland von Emden zu finden.

Der kleinste Leuchtturm Deutschlands ist wahrscheinlich auch gleichzeitig der bekannteste. Otto Waalkes hat ihn in seinen Kino–Film „Otto der Ausserfriesische“ 1989 eingebaut und ihm so zu Weltruhm verholfen. Der Pilsumer Leuchtturm ist lediglich 15 mt hoch und somit der kleinste aller Leuchttürme hierzulande. Das für die Schifffahrt wichtige Leuchtfeuer befindet sich gar nur auf 11 Metern. Zu beachten gilt hier, wie an fast allen Deichabschnitten, dass das Mitführen von Hunden wg. der Schafhaltung strengstens verboten ist.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt Greetsiel. Ein malerischer Ort mit seinen engen Gassen und kleinen Grachten. Am Ortsrand gleich gegenüber dem Parkplatz begrüßen einen die Zwillings-Windmühlen – das Wahrzeichen von Greetsiel.

Der Ortskern ist autofrei und so ist dem gemütlichen Flanieren nichts im Weg. Zahllose Lokale und Gaststätten laden zum Genießen und Verweilen ein. Nirgends schmecken Fisch und Krabben so gut, wie hier – direkt an der Küste.
Schön ist es hier vor allem in der endlos erscheinenden Abenddämmerung bis zur blauen Stunde. Herrliche Pflasterstraßen und beleuchtete Gebäude geben einen tollen Rahmen für stimmungsvolle Bilder.

Immer wieder interessant ist auch der Ausblick aufs Meer. Von fas allen Stellen an der Küste ist immer mindestens eine der vorgelagerten ostfriesischen Inseln zu sehen.  Von Borkum ganz im Westen vor Holland bis Wangerooge ganz im Osten – immer hat man „Land in Sicht“.

Das nächste Mal führt  uns unsere Rundfahrt von Norden/Norddeich bis nach Harlesiel – und einmal gehen wir dabei sogar noch hoch hinaus! In diesem Sinne wünsche ich Euch bis nächste Woche alles gute und für die Fotos allzeit gutes Licht.

Werner Kutter