Fotoprojekt 1: Portraitiere Deine Heimatstadt – Teil 1

Fotoprojekte sind eine ganz tolle Sache, um seine Fähigkeiten zu verbessern. Es geht hierbei darum, für einen definierten Zeitraum eine bestimmte Technik auszuüben, ein bestimmtes Motiv einzufangen oder auch einfach nur ein bestimmtes Thema zu verfolgen.
Es gibt z. B. diese 365-Tage-Challange. Jeden Tag ein Bild aufnehmen, jeden Tag ein Bild posten usw. Jeden Tag ein Bild posten halte ich auf 500px schon eineinhalb Jahre durch. Aber jeden Tag ein Bild machen – da weiß ich, dass ich das nicht durchstehen würde. Vielleicht später einmal, aber für jetzt nehmen wir uns etwas vor, was einfach ist und genau deshalb funktionieren wird:

Portraits Deiner Stadt – Deiner Straße – Deines Ortes. Egal, irgendwas in der Nähe, wo Du arbeitest, lebst, jeden Tag vorbei fährst usw. Es kann auch ein Baum sein, der Dir gefällt und so kannst Du ein Bild machen, ein Jahr lang, immer am ersten Montag im Monat, und nächstes Jahr hast Du einen schönen Baumkalender oder eine Collage für die Wohnzimmerwand.

Ich habe mit den Fotos von Memmingen vor zwei Jahren angefangen. Erstens hat es meinen Blick auf die Dinge verändert und zweitens habe ich Motive und Details in der Stadt „gefunden“, die mich staunen ließen. Seit über 50 Jahren lebe ich hier und doch gab es so viel wovon ich sagen musste: Das ist mir noch nie aufgefallen.
Ich begann als erstes in meiner Mittagspause. Ich arbeite nicht weit vom Zentrum der Stadt und habe die halbe bis dreiviertel Stunde Pause mit einem Fotospaziergang ausgefüllt. Von der Arbeit konnte ich dabei gut abschalten und fotografisch konnte ich durch das bekannte Learning-By-Doing-System viel lernen.
Einmal fiel mir eine eingeschaltete Straßenlampe auf und schon hatte ich die Idee zu einer ungewöhnlichen Perspektive auf ein gewöhnliches Objekt.
Anfangs war mir noch gar nicht klar, auf was ich mich da einlassen. Den ein oder anderen Tag musste ich mich richtig dazu zwingen, los zu gehen. Aber mit jedem Tag an dem ich das durchzog, bekam ich einen anderen Blick auf die Gebäude, die Menschen, die Straßenzüge, ja die ganze Stadt. Mir fielen Details auf, an denen viele Tag täglich achtlos vorbei gehen.
Heute bin ich sehr froh darüber, dass ich das durchgezogen habe. Heute habe ich mehr als tausend Bilder meiner Heimatstadt und ich möchte mal behaupten, da sind welche dabei, die so nicht viele Memminger haben.
Mit der Zeit baut man natürlich weitere „Hürden“ ein. Sehr gerne gehe ich z. B. zur blauen Stunde oder Nachts in die Stadt. Am Stadtbach ist es dann immer besonders Stimmungsvoll. Die Menschen sind weniger, so dass dann auch die Bilder ohne störende Fußgänger ganz ohne Tricks und Photoshop gelingen.
Man kann auch die Ausrüstung „beschneiden“ und z. B. nur mit einer Festbrennweite in die Straßen gehen. Dann wird die Herausforderung darin bestehen, dass man mit den Füssen zoomen muss, weil die gewohnte Zoomlinse daheim geblieben ist. Einen weiteren Vorteil bieten die Linsen in dem dass die Kamera dann nicht mehr so auffällig ist und man sich mal in dem Genre „Street-Fotografie“ versuchen kann.

Die Beschränkung auf Schwarzweiß lässt uns auch vieles nochmal anders sehen. Am besten gleich die Kamera so einstellen, dass die Vorschau in schwarzweiß angezeigt wird. Keine Angst – wer in RAW fotografiert verliert die Farbinformationen nicht! Aber man bekommt vor Ort bereits das Gefühl, wie das Bild wirken wird, bzw. wo noch nachgeregelt werden sollte.
Natürlich gehören auch die Klischee-Bilder der Wahrzeichen der Stadt mit dazu. Hier kann man sich ja auch mal der Herausforderung stellen und sich eine Stunde nur mit diesem einen Gebäude zu beschäftigen, um neue Blickwinkel zu finden und so doch noch Unikate zu erschaffen.
Ungewöhnliche Perspektiven wirken für sich schon interessant. Man verlässt gewohnte Sichtweisen und taucht ein in das Besondere – das manchmal nur einen Schritt neben den täglich gewohnten Wegen liegt.
Das nächste Mal geht’s noch weiter durch Memmingen. Viele weitere Beispiele zeigen Euch, wie man rund um die Uhr tolle Fotos nicht weit von zu Hause schießen kann. In diesem Sinne wünschen ich Euch schöne Sommertage und allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.