Der Unterschied zwischen Pol- und ND-Filter


Beim Einsatz von Filtern in der Natur- und Landschaftsfotografie fragt man sich oft: Was bringt das eigentlich? Heute möchte ich Euch anhand von Bildern zeigen, wie die beiden Filtertypen Polfilter und ND-Filter eingesetzt werden können und was sie bewirken.

In meinen Beispielen beziehe ich mich auf die Wirkung der Filter um die Verschlusszeit zu verlängern und so Langzeitbelichtungen möglich zu machen. Warum möchte ich das jetzt haben? Weshalb soll ich mit längerer Verschlusszeit fotografieren?
Wir begeben uns zur Beantwortung dieser Frage in den Nationalpark Harz nach Niedersachsen. Hier am Oberlauf der Warmen Bode habe ich Bilder des fließenden Wassers ohne jeglichen Einsatz von Filter gemacht.
Mir ist klar, dass es sich mit den Bildern von fließendem Wasser verhält, wie mit allem in der Fotografie: der persönliche Geschmack entscheidet. Mir gefallen die Bilder an sich ganz gut, jedoch fehlt mir bei der Ansicht des Wassers, wie es über die Felsen schießt und sich um die Blöcke windet, das gewisse Etwas.

Diese Aufnahmen sind für mich zu gewöhnlich, denn jeder Spaziergänger mit einem halbwegs modernen Smartphone kann solche Aufnahmen machen. Dafür braucht es keine Spiegelreflexkamera und keine besonderen Kenntnisse über die Belichtungstechniken in der Fotografie. Das sind lediglich Schnappschüsse,  die heute jeder im vorbei gehen knipst.

Also: Stativ raus, Kamera drauf geschraubt und mal den ND-Filter ausprobieren.
Der ND-Filter (Neutraldichtefilter oder auch Graufilter) kann direkt auf das Gewinde vorne am Objektiv geschraubt werden oder auch über Adapter und Aufnahmevorrichtungen als Rechteckfilter vors Objektiv geschoben werden.
ND-Filter sind vereinfacht beschrieben, eine graue bis schwarze Scheibe, die es in unterschiedlichen Stärken gibt, welche dann jeweils die Lichtmenge, welche durchs  Objektiv auf den Sensor trifft, reduziert.
Ich besitze ND 8, ND 64 und ND 1000 Filter, welche je nach Einsatz einzeln verwendet werden. Je heller die Umgebung und/oder je länger die Verzögerung ausfallen soll, um so höher muss die Zahl auf dem Filter sein. Für minutenlange Langzeitbelichtungen am Tag, um z. B. Menschen aus Bildern verschwinden zu lassen, wird mindestens der ND 1000 fällig.
In meinem Fall hatte ich Glück, denn es war ein bedeckter Tag und ich war umgeben vom Wald des Harz, so dass es schon von vorne herein nicht allzu hell war.
Mit dem ND8 Filter kann die Belichtung bereits so viel verlängert werden, das auf dem Wasser feine, weisse Schlieren entstehen. Belichtungszeiten von 1 bis 2 Sekunden reichen völlig und schon umschließt  das Wasser seidenweich die Felsblöcke.

Allerdings tritt jetzt auch ein zweiter Effekt in Erscheinung :die Oberfläche des Wassers spiegelt und lässt uns den Grund des Bachs nicht mehr erkennen.  Wen dies stört, der greift einfach zum nächsten Filter : der Polarisationsfilter. Diesen verwende ich jetzt aber nicht zusätzlich,  sondern anstatt dem ND-Filter. Die Abdunklung ist geringer als beim ND 8, dies kompensiere ich dadurch, dass einfach die Blende weiter gescllossen wird. Und wie gesagt: schon 1 Sekunde reicht.  Im folgenden Bild verwendete ich den Polfilter bei Blende 16 und erreichte die gewünschte Belichtungszeit. Dann wird vor dem Auslösen der Ring am Filter so weit gedreht,  bis das Wasser wieder durchsichtig wird.

Die genauen physikalischen Eigenschaften des Filters kann jeder selbst u. a. auf Wikipedia  (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Polarisationsfilter) nachlesen. Was wirklich jeder wissen muss sind die Einsatzmöglichkeiten des Filters:
1. Das Entfernen unerwünschteer Spiegelungen.  Das funktioniert sowohl bei Wasser als auch bei Glas.
2. Das Verstärken von Farben bei Sonnenschein.
Allerdings muss hier für den vollen Effekt ein Winkel von 90 Grad zwischen Sonne un Linse eingehalten werden.  Das bedeutet,  nur wenn Dir die Sonne auf die Schulter scheint, kannst Du den Effekt nutzen. Sonne von vorne oder hinten – keine Chance.

Hier nochmal zum Vergleich die drei Varianten nebeneinander: von oben nach unten: ohne Filter, ND-Filter, Polfilter

Generell ist beim Kauf der Filter schon auf Qualität zu achten, denn die günstigen No-Name-Produkte hinterlassen schnell einen Farbstich auf den Aufnahmen, welcher dann hinterher wieder mühsam entfernt werden muss. Ich hatte am Anfang auch günstige, bin jetzt vor kurzem auf Filter von Haida umgestiegen. Frei nach dem Motto : wer billig kauft kauft zwei mal.

Ich hoffe,  die kurze Einführung war hilfreich und wünsche euch,  wie immer, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Ein Fotobuch von Saal-Digital

Ein paar Tage lang habe ich die Einladung von Saal Digital in Facebook ignoriert, dann habe ich von den Erfahrungen eines mit mir verlinkten Fotografen gelesen und mich dazu entschieden, mich doch zu bewerben. Und siehe da, prompt erhielt ich die Einladung als Fotobuchtester aktiv zu werden….

Ich habe also die Bewerbung im Internet ausgefüllt – kein Problem mit dem Online-Formular und habe angegeben, dass ich gerade an einem Projekt arbeite, bei dem ich ein Fotobuch über mein Lieblingsmotiv, den Eistobel, erstellen möchte. Als Referenz habe ich noch meine Portfolioseite bei Adobe angegeben. Postwendend habe ich die Antwort erhalten, dass die Bewerbung geprüft wird und zwei Tage später erhielt ich doch tatsächlich die Zusage, dass ich als Tester einen Gutschein in Höhe von 25 ,- EUR erhalte, welchen ich bei einer Fotobuchbestellung in den nächsten zwei Wochen einlösen kann.

Also habe ich sofort die Internetseite von Saal Digital aufgesucht und die Software für die Fotobucherstellung heruntergeladen. Die Installation auf meinem Rechner (Windows 10) verlief schnell und problemlos. Anschließend habe ich aus meiner Cloud die Bilder bestimmt, welche für das Buch geeignet sind. Diese ebenfalls auf den Rechner geladen und schon konnte ich mit der Erstellung des Fotobuchs beginnen.
Jeder, der schon einmal ein Fotobuch gemacht hat, wird intuitiv auch mit dieser Software zurecht kommen. Das Layout, die Hintergründe, das Einfügen der Bilder und Texte – alles läuft wie geschmiert.

Am Montag Abend habe ich dann auch gleich noch die Bestellung abgeschlossen. Und jetzt kommts: Die Daten habe ich am 24.07. um 20:48 Uhr übermittelt und bereits am nächsten Tag habe ich um halb Elf das Mail mit der Versandbestätigung erhalten. Ich habe ja schon einige Fotobücher bestellt – einfache und qualitativ hochwertige – aber noch nie ist die Bestellung quasi über Nacht abgearbeitet und versandfertig gemacht worden.

Und was soll ich sagen – am nächsten Tag war das Buch tatsächlich in meinem Briefkasten! Bei Saal-Digital hat man keine leeren Versprechungen gemacht, sondern einfach genial schnell abgeliefert!
Qualitativ ist es auf jeden Fall ein Fotobuch der Oberklasse. Besonders die Lay-flat-Bindung ohne störenden Falz in der Mitte hat mir sehr gut gefallen. Hier kann man Panoramabilder über 2 Seiten Format füllend drucken lassen oder auch Bilder nebeneinander seiten übergreifend anordnen, ohne dass das Bild unterbrochen und der Genuss getrübt wird.

Der Druck war absolut farbecht, so dass keinerlei Unterschied zu den eingesandten Bildern zu erkennen ist. Auch die Schärfe ist beeindruckend (ich wusste gar nicht, dass ich so scharfe Bilder machen kann!).  Schön ist auch, dass kein störendes Logo auf dem Buchumschlag ablenkt. Der verschwindend kleine Barcode kann gegen Gebühr auch noch weggelassen werden.
Die Auswahl an Größen und Formaten und die Möglichkeiten der Ausstattung vom Buchcover bis zur Geschenkbox lassen wirklich keine Wünsche offen.

Mein Fazit:
Nachdem ich bereits seit Jahren immer wieder zumindest ein Jahrbuch erstellt und dabei immer wieder andere Hersteller von Fotobüchern ausprobiert habe, kann ich zu dem Buch von Saal-Digital nur sagen: 5 von 5 Sternen. Besser und vor allem schneller geht es wirklich nicht! Vielen Dank, dass ich diese Erfahrung machen durfte.

Werner Kutter

Am Scheideweg

Früher oder später ist es bei jedem soweit. Man stellt fest, dass man auf der Stelle tritt und sich nicht mehr so recht motivieren kann. Die anfänglichen Fortschritte werden kleiner und durch das ganze Wissen, welches man sich angeeignet hat, wird die Messlatte für die eigenen Bilder immer höher gelegt. Man hat die Anfängerfehler hinter sich gelassen. Du fotografierst nicht mehr nur auf Augenhöhe (fast alle Anfänger schießen alle ihre Fotos aus ein und der selben Position: Hinstehen, Kamera vor’s Gesicht und abdrücken), legst Dich auch mal hin, gehst wenigstens in die Hocke oder steigst irgendwo drauf um eine neue Position und eine nicht alltägliche Perspektive zu finden. Und jetzt hast Du den Eindruck, dass die Bilder eher schlechter anstatt besser werden.

Ich habe das alles auch durch gemacht. Höhen und Tiefen wechslen sich ab. Ich habe gelesen, Videos geschaut und immer gedacht: So tolle Bilder möchte ich auch mal machen. Je mehr Theorie man sich aneignet, um so mehr steigt der Anspruch und um so enttäuschter ist man, wenn man den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird. Das ist ganz normal! Wenn wir erst mal anfangen uns zu verbessern, kommt automatisch auch ein Punkt, an dem wir glauben, dass es nicht mehr weiter voran geht.

Zuerst einmal muss man wissen, dass auch die besten der Besten nicht „Das Eine Foto“ einfach so im Vorübergehen schießen. Oft sind tage- und monatelange Vorbereitungen und stundenlanges Probieren und Justieren dem eigentlichen Bild voraus gegangen. Von tausenden „Versuchen“ kommt vielleicht nur ein Top-Bild zustande. Man muss erheblich mehr Fotos machen, um ein gutes Bild zu erhalten. Und das geht uns allen so – auch den bestbezahlten Profifotografen! Dessen muss man sich erst mal bewusst werden und darüber wird viel zu selten geschrieben.

Man braucht viel Geduld, denn wenn man sich zurück erinnert, wird man feststellen, dass wir z. B, das Rechnen auch nicht innerhalb eines Wochenendes gelernt haben. Wir sind alle o um die 10, 12 Jahre zur Schule gegangen und haben immer wieder gelernt, geübt und  wiederholt, bis wir schließlich die Prüfung geschafft haben. Warum also glauben wir, dass eine teure Kamera uns über Nacht zum Starfotografen macht? Ja, es bedarf des Lernens und vielleicht auch ein bisschen Arbeit, um sich die Fähigkeiten anzueignen. Die wenigsten sind so große Talente, dass über Nacht die ganz großen Aufträge kommen und diese erfolgreich abgearbeitet werden können.
Ich „gönne“ mir beispielsweise jedes Jahr einen VHS-Fotoworkshop. Der kostet nicht die Welt, bringt aber immer neuen Input und Kontakte zu Menschen, die auch gerne fotografieren. Zur Zeit schaue ich mich  nach einer Fotoreise nach Island um. Ich weiß, dass ich da noch eine Weile sparen muss, aber ich habe mir vorgenommen jetzt lieber darauf zu sparen, als eine neue Kamera zu kaufen.

Eine teure Kanera macht aus einem alten,hässlichen Haus auch kein Empire State Building. Das Haus bleibt hässlich und alt, egal wieviel ich für meine Ausrüstung und Ausbildung ausgebe. Ich muss schon auch zu den tollen Orten gehen, um die tollen Bilder zu bekommen.
Hört auf, immer mehr Zubehör oder immer neuere und vermeindlich bessere Kameras zu kaufen. Investiere in Fotografie nicht in Material zum Fotografieren. Geh raus und fotografiere!
Anstatt in Kameras und Objektive zu investieren, geb‘ das Geld lieber dafür aus, zu interessanten Orten zu reisen. Joe McNally hat einmal gesagt: If you want to photograph more interesting things you have to stay in front of more interesting things. Verlasse die Komfortzone – geh raus – reise – erlebe was. Die Niagarafälle kann man hier zu Lande nun mal nicht vom Wohnzimmerfenster aus fotografieren! Da muss man schon nach Nordamerika. Es muss ja nicht gleich eine Weltreise sein – der nächste Sonnenaufgang an einem Weiher in Deiner Umgebung hat auch einen großen Reiz.

Sei Dir bewusst, dass gerade in der Landschaftsfotografie die besten Bilder nur früh am Morgen oder Abends bei oder nach Sonnenuntergang entstehen werden. Das ist das harte Los, aber es lohnt sich.

Ich werde nie das unbeschreibliche Kribbeln vergessen, dass mich bei meinem ersten Sonnenaufgangs-Shooting in Österreich am Mondsee beschlich. Als die ersten Sonnenstrahlen an den Berghängen entlang sich Richtung See aufmachten, mir den neuen Tag zu bringen und das dunkle Blau der Nacht zu vertreiben – da bekomme ich heute noch Gänsehaut.

Und irgendwann kommt dann der Tag, an dem Du mit Deiner Art der Fotografie und Bearbeitung zufrieden bist. Du fragst Dich nicht mehr, ob Du alles richtig machst, wie in den Lehrbüchern beschrieben oder wie diie Anderen immer sagen. Nein, Du bist so zufrieden,  so wie Du es machst. Denn Du hast Deinen eigenen Stil entwickelt und bist jetzt genau so gut, wie Du immer sein wolltest.

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass Ihr die Zeit nutzt, um mehr zum fotografieren zu gehen und wünsche Euch für diese Vorhaben wie immer allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Platypod – das Keinstativ-Stativ


Es gibt so viele Momente in denen man zum Fotografieren ein Stativ benötigt, es aber nicht erlaubt ist oder man aus gewichtsgründen keines mitgenommen hat. Was macht man dann? Dann kommt das Platypod zum Einsatz und hilft uns aus der Patsche. Denn das Platypod ist kein Stativ im herkömmlichen Sinne und somit sogar dort erlaubt, an denen sonst Stative verboten sind.

Am Wochenende habe ich es beim Wandern dabei gehabt und ausgiebig getestet.  Um es vorweg zu nehmen : es gibt keine Ausrede mehr, von wegen kein Stativ dabei und so! Für das Platypod ist inner und überall Platz und es ist so universell einsetzbar, so  dass es für den Alltagsgebrauch vollkommen ausreicht. Schluss also mit der Stativ-Schlepperei beim Familienausflug.
Zur Zeit ist es nur direkt beim Hersteller in den USA per Internet bestellbar (platypodpro). Ich habe meins am 5. Juli bestellt und die Lieferung erfolgte promt am 12. Juli – da kann man nichts sagen.  Die schicke Schachtel enthält dann  die Platte und die 4 Schraubfüße, sowie einen Stoffbeutel.  Der von mir abgebildete Kugelkopf ist nicht im Lieferumfang enthalten!
Die Platte kann dann als Stativ-Ersatz universell eingesetzt werden. auf glatten, ebenen Untergründen (z. B. Pflaster oder Beton) kann die Platte auch direkt aufgelegt werden. Wenn der Untergrung uneben oder schief ist werden die Schraubfüsse, welche mittels Magnet in ihrer Aufbewahrungsbox gehalten werden, zum Einsatz kommen.
Diese können auf drei Arten verwendet werden:
1. mit der Spitze in weichen Untergrund (z. B. Wiese) drücken und so ein verrutschen verhindern
2. mit der Gummikappe auf empfindlichen Oberflächen (z. B. Möbel), um verkratzen zu verhindern und
3. mit der glatten Seite z. B.  auf Felsen oder unebenem Gelände.
Über das leichtgängige Gewinde lassen sich die Abstände zum Boden individuell einstellen und über eine Rundmutter auch sichern, so dass ein versehentliches Verstellen ausbleibt.
Das Platypod Max ist ausgelegt für Spiegelreflexkameras. Laut Aussage des Herstellers trägt die Platte alles, was der darauf montierte Stativkopf tragen kann. Dies kann ich nur bestätigen. Ich war am Sonntag wandern und habe bei dieser Gelegenheit das Platypod „eingeweiht“.
Ich konnte die Kamera sogar inkl. des montierten Unterbaus an meinem Schultergurt tragen, wenn ich die Konstruktion nicht wieder auseinanderbauen wollte. Es erlaubt mir, bodennahe Aufnahmen von Seen und Bachläufen ebenso wie alle anderen Landschaftsaufnahmen für die ich sonst ein Stativ zusätzlich hätte schleppen müssen.
Die Platte ist etwa so groß wie ein kleines Tablet und ist gewichtsmäßig kaum zu spüren. Der Kugelkopf ist mit wenigen Umdrehungen auf- und wieder abgeschraubt – alles in allem eine gelungene Erfindung, die mir das Fotografieren auf Wanderungen leichte macht. Die Aufbewahrungsbox für die Füsse kann ebenso entfernt werden wie auch beispielsweise ein Gürtel oder Zurrgurt durch die Schlitze gezogen werden kann. Mit diesen Hilfsmitteln kann das Platypod auch ganz leicht an zylindrischen Gengenständen befestigt werden.
Sogar zum Einsatz als „Fotofalle“ für die Wildlife-Fotografie kann es verwendet werden. Es sind ausreichend Löcher vorhanden, um die Platte an Holzpfosten zu spaxen.

Ich werde das Teil auf jeden Fall sehr oft verwenden – beim Wandern wird es jedes mal mit im Rucksack sein. Von mir gibt es auf jeden Fall ein „Empfehlenswert“, auch wenn der zugegeben hohe Preis von derzeit 99,- $ zzgl. Versand doch einige Abschreckung verursacht.
Für die Wandersaison und alle weiteren Unternehmungen im Bereich der Fotografie wünsche ich Euch wieder mal allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

Fotoprojekt 1: Portraitiere Deine Heimatstadt – Teil 2


Am Anfang habe ich mir nur vorgestellt, was ich wohl fotografieren würde, wenn ich hier, in Memmingen, im Urlaub wäre. Was wären die Motive, die ich mit nach Hause nehmen wollte? Welche Gebäude, welche Ansichten sind charakteristisch für diese schwäbische Stadt?
Dieses Projekt kann auch ein Langzeitprojekt werden. Solange man nicht weg ziehen muss, kann einen das durchaus mehrere Jahre beschäftigen, ohne den riesigen Aufwand zu verursachen. Warum nicht mal ein bestimmtes Gebäude, einen Baum, ein Denkmal usw. zu den verschiedenen Jahreszeiten abbilden? Möglichkeiten bilden sich hier viele.
Memmingens Fußgängerzone wurde beispielsweise die letzten Jahre aufwändig renoviert. Hier kamen auch Spezialisten der Objektbeleuchtung zum Einsatz.
Und so erstrahlt diese Gasse mit jedem Durchgang in einem neuen Licht.
Ein Standort, ein Motiv und doch immer wieder ganz andere Bilder.

Ganz nebenbei lässt sich so auch einmal der manuelle Modus der Kamera erkunden. Was gibt’s zu verlieren? Ein paar Bilder für den virtuellen Papierkorb! Ihr glaubt gar nicht, wie schnell man den Modus lernen kann – wenn man ihn erst mal ein paar Tage benutzt. Man muss sich nur über die drei wichtigsten Faktoren des „Belichtungsdreiecks“ im Klaren sein:

ISO:
Die  ISO-Zahl bestimmt, wie empfindlich der Sensor auf Licht reagiert. Niedrige ISO – viel Licht wird benötigt; hohe ISO – wenig Licht wird benötigt. Doch Vorsicht: Bei zu hohen ISO-Zahlen droht Rauschen in den dunklen Bereichen der Bilder.

Blende:
Die Blende ist die Größe der Öffnung  im Objektiv. Eine große Blende lässt zwar viel Licht durch, jedoch beschränkt sich der Schärfebereich dann nur auf einen engen Bereich um den Fokuspunkt herum (ideal für Portraitaufnahmen). Je kleiner die Blendenöffnung wird, um so größer wird dieser Bereich, so dass bei optimalen Einstellungen vom Vordergrund bis zum Horizont alles scharf abgebildet ist (optimal für Landschaftsaufnahmen).

Belichtungszeit:
Mit der Belichtungszeit ist die Spanne gemeint, die der Verschluss vor  dem Sensor geöffnet bleibt und das Licht darauf treffen kann. Hier muss entschieden werden, ob man die Szene scharf darstellen will – etwa einen vorbei fahrenden Radler mit 1/500 oder gar 1/1000 Sekunden – oder ob die Bewegung durch „Verwischen“ gezeigt werden soll – dann den Radler doch lieber mit 1/20 Sekunden oder länger belichten.
Bei so einem Langzeitprojekt können auch Zusammenhänge heraus gearbeitet werden. In Memmingen beispielsweise gibt es das Bildnis eines Storchennestes an einem Gebäude.
Schön ist es dann doch, wenn man beweisen kann, dass die Abbildung der Realität entspricht.
Ganz wie von selbst fallen einem dann die Motive förmlich vor die Füße. Man muss sich nur auch die Zeit geben, die Bilder kommen dann oftmals auf einen zu und man braucht nicht suchen.
In der altstädtischen Kulisse der ehemaligen freien Reichsstadt ist es nicht schwer, gute Bilder zu machen. Bei aller Freude an kompletten Straßenzügen, so darf auch hier experimentiert werden und vielleicht ist weniger sogar manchmal mehr.
Es muss nicht immer das gesamte Gebäude abgebildet sein, um interessante Bilder zu machen. Mit solchen Details und Ausschnitten zeigt man sogar, dass man sich Gedanken macht bei der Bildgestaltung und nicht einfach so drauf los knipst.
Vielleicht wurde der Eine oder Andere ja inspiriert und beginnt nun sein persönliches Projekt. Ich würde mich auf jeden Fall freuen und wünsche Euch für alle aktuellen und zukünftigen Vorhaben allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Fotoprojekt 1: Portraitiere Deine Heimatstadt – Teil 1

Fotoprojekte sind eine ganz tolle Sache, um seine Fähigkeiten zu verbessern. Es geht hierbei darum, für einen definierten Zeitraum eine bestimmte Technik auszuüben, ein bestimmtes Motiv einzufangen oder auch einfach nur ein bestimmtes Thema zu verfolgen.
Es gibt z. B. diese 365-Tage-Challange. Jeden Tag ein Bild aufnehmen, jeden Tag ein Bild posten usw. Jeden Tag ein Bild posten halte ich auf 500px schon eineinhalb Jahre durch. Aber jeden Tag ein Bild machen – da weiß ich, dass ich das nicht durchstehen würde. Vielleicht später einmal, aber für jetzt nehmen wir uns etwas vor, was einfach ist und genau deshalb funktionieren wird:

Portraits Deiner Stadt – Deiner Straße – Deines Ortes. Egal, irgendwas in der Nähe, wo Du arbeitest, lebst, jeden Tag vorbei fährst usw. Es kann auch ein Baum sein, der Dir gefällt und so kannst Du ein Bild machen, ein Jahr lang, immer am ersten Montag im Monat, und nächstes Jahr hast Du einen schönen Baumkalender oder eine Collage für die Wohnzimmerwand.

Ich habe mit den Fotos von Memmingen vor zwei Jahren angefangen. Erstens hat es meinen Blick auf die Dinge verändert und zweitens habe ich Motive und Details in der Stadt „gefunden“, die mich staunen ließen. Seit über 50 Jahren lebe ich hier und doch gab es so viel wovon ich sagen musste: Das ist mir noch nie aufgefallen.
Ich begann als erstes in meiner Mittagspause. Ich arbeite nicht weit vom Zentrum der Stadt und habe die halbe bis dreiviertel Stunde Pause mit einem Fotospaziergang ausgefüllt. Von der Arbeit konnte ich dabei gut abschalten und fotografisch konnte ich durch das bekannte Learning-By-Doing-System viel lernen.
Einmal fiel mir eine eingeschaltete Straßenlampe auf und schon hatte ich die Idee zu einer ungewöhnlichen Perspektive auf ein gewöhnliches Objekt.
Anfangs war mir noch gar nicht klar, auf was ich mich da einlassen. Den ein oder anderen Tag musste ich mich richtig dazu zwingen, los zu gehen. Aber mit jedem Tag an dem ich das durchzog, bekam ich einen anderen Blick auf die Gebäude, die Menschen, die Straßenzüge, ja die ganze Stadt. Mir fielen Details auf, an denen viele Tag täglich achtlos vorbei gehen.
Heute bin ich sehr froh darüber, dass ich das durchgezogen habe. Heute habe ich mehr als tausend Bilder meiner Heimatstadt und ich möchte mal behaupten, da sind welche dabei, die so nicht viele Memminger haben.
Mit der Zeit baut man natürlich weitere „Hürden“ ein. Sehr gerne gehe ich z. B. zur blauen Stunde oder Nachts in die Stadt. Am Stadtbach ist es dann immer besonders Stimmungsvoll. Die Menschen sind weniger, so dass dann auch die Bilder ohne störende Fußgänger ganz ohne Tricks und Photoshop gelingen.
Man kann auch die Ausrüstung „beschneiden“ und z. B. nur mit einer Festbrennweite in die Straßen gehen. Dann wird die Herausforderung darin bestehen, dass man mit den Füssen zoomen muss, weil die gewohnte Zoomlinse daheim geblieben ist. Einen weiteren Vorteil bieten die Linsen in dem dass die Kamera dann nicht mehr so auffällig ist und man sich mal in dem Genre „Street-Fotografie“ versuchen kann.

Die Beschränkung auf Schwarzweiß lässt uns auch vieles nochmal anders sehen. Am besten gleich die Kamera so einstellen, dass die Vorschau in schwarzweiß angezeigt wird. Keine Angst – wer in RAW fotografiert verliert die Farbinformationen nicht! Aber man bekommt vor Ort bereits das Gefühl, wie das Bild wirken wird, bzw. wo noch nachgeregelt werden sollte.
Natürlich gehören auch die Klischee-Bilder der Wahrzeichen der Stadt mit dazu. Hier kann man sich ja auch mal der Herausforderung stellen und sich eine Stunde nur mit diesem einen Gebäude zu beschäftigen, um neue Blickwinkel zu finden und so doch noch Unikate zu erschaffen.
Ungewöhnliche Perspektiven wirken für sich schon interessant. Man verlässt gewohnte Sichtweisen und taucht ein in das Besondere – das manchmal nur einen Schritt neben den täglich gewohnten Wegen liegt.
Das nächste Mal geht’s noch weiter durch Memmingen. Viele weitere Beispiele zeigen Euch, wie man rund um die Uhr tolle Fotos nicht weit von zu Hause schießen kann. In diesem Sinne wünschen ich Euch schöne Sommertage und allzeit gutes Licht!

Werner Kutter