Gestaltungsregeln in der Fotografie – Teil 2


Diese Woche geht es weiter mit den grundlegenden Gestaltungsregeln in der Fotografie.

Führende Linien
Ein Foto ist das zweidimensionale Abbild unserer dreidimensionalen Welt. Es ist oft schwierig, den Charme und alle Details, die der Betrachter vor Ort wahr nehmen kann in ein Bild zu transportieren. Das Bild wirkt flach und ohne besonderen Reiz. Gute Hilfen für eine bessere Wahrnehmung und Mittel, um Struktur ins Bild zu bringen, sind Führungslinien. Wo immer diese auftreten bieten sie sich an, ins Bild integriert zu werden. Sie können helfen, den Blick des Menschen zum zentralen Punkt im Bild zu lenken. Das Auge des Betrachters „flüchtet“ dank der Linien zu diesem Ort im Bild. Sie können uns ein Gefühl von Tiefe, der fehlenden dritten Dimension im Bild, vermitteln und uns so mehr über die Ausdehnung des Motivs rüber bringen.

Eine ganz besondere Kraft geht von Diagonalen aus. Sie bringen besonders viel Spannung ins Bild. Aufwärts gerichtet (von links unten nach rechts oben) lassen Sie uns eine positive Dynamik wahrnehmen. Ihnen wird nachgesagt, sie würden Freude und Optimismus ins Bild bringen, während abfallende Diagonalen Pessimismus ausdrücken.
Führungslinien verstecken sich überall in der Natur. Ob als wasserführender Kanal oder Fassadenverkleidung, die uns den Weg in den Himmel weist.

Das Motiv einrahmen
Viele Fotos wirken um einiges schöner, wenn sie einen gewissen Rahmen besitzen. Natürliche Rahmen sind in der Architekturfotografie beispielsweise Fenster, Tore, Durchgänge, Korridore etc., während in der Landschaftsfotografie gern zwischen Hecken, Zweigen und Bäumen hindurch fotografiert wird. Der Vordergrund sollte dabei relativ dunkel sein und der Hintergrund (das eigentliche Motiv) in seinen natürlichen Farben erscheinen. Die korrekte Belichtung sollte auf dem Hintergrund liegen; wenn die grünen Blätter im Vordergrund zu dunkel ausfallen ist dies absolut in Ordnung.
Beim Fotografieren durch einen Zaun, ein Gitter oder einen Käfig (zum Beispiel bei der Tierphotographie) lässt sich ebenfalls ein interessanter Rahmen schaffen. Befindet sich das Motiv ein gutes Stück dahinter, so kann der Rahmen in Unschärfe verfallen und das Motiv wird besonders hervorgehoben.

Rahmen sind nicht nur ein reizvolles Mittel um das Motiv hervorzuheben, sie erzeugen auch eine Tiefenwirkung. Zudem kann man mit Rahmen manchmal unerwünschte Bildelemente ausblenden.

In der Nachbearbeitung kann so ein Rahmen auch nachträglich als sog. Vignette gesetzt werden, um dem Bild einen Abschluss zu geben. Dabei werden die Bildecken und/oder die Ränder geringfügig abgedunkelt und so der Mittelpunkt des Fotos mehr betont. Der Blick wird eher zentriert und man lässt sich nicht von dem Geschehen am Rand des Bildes ablenken.

Wiederholungen – Muster

Wiederholungen von gleichen Gegenständen können interessante Muster abgeben. Auf Plätzen z. B, aufgereihte Stühle und Tische können ebenso interessante Abfolgen abbilden, wie auch in meinem Beispiel die herbstlichen Kürbisstände. Dort kann man dann nach Herzenslust experimentieren.
Die Magie der Muster wird dann nur noch davon übertroffen, wenn irgendwas das Muster durchbricht. Dann wird der Blick sofort auf die offensichtliche „Fehlerstelle“ hingezogen und man ist so zu sagen gleich im Bild.

Größenvergleiche
Um besser verdeutlichen zu können, wie groß oder klein das Motiv wirklich ist, können Größenvergleiche mit Alltäglichem Klarheit verschaffen.
Wenn wir nicht selbst vor Ort waren können wir nicht abschätzen, wie hoch der Wasserfall in Natura ist. Stellen wir einen Menschen davor und nehmen diesen mit ins Bild, so werden die Ausmaße schnell klar.
In diesem Beispiel von einem Kunstgegenstand wurde ein Spinnennetz nachgebildet. Das alleinige Fotografieren des Werkes bringt uns keine „Daten“ über die tatsächlichen Ausmaße.

Wenn wir jetzt einen Mensch in relation setzen, dann wird uns schnell bewusst, dass das Netz ganz andere Dimensionen einnimmt, als es das Original tun würde.

So kann auch in die andere Richtung experimentiert werden und z. B, in Modellbauausttellungen oder Miniaturwelten die Illusion vom Riesen neben dem Kirchturm erzeugt werden.

Bleibt mir nur noch Euch viel Spaß zu wünschen und zu hoffen, dass Ihr neue Impulse aufnehmen konntet und auch möglichst bald in die Tat umsetzt. Für alle Eure Vorhaben wünsche ich Euch wie immer allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

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