Ein Besuch in einem Bauernhof-Museum

Schätzungsweise an die 30 Museumsdörfer oder Freilichtmuseen gibt es in Deutschland. Eines also garantiert auch in Deiner Nähe. Hier können sowohl Detail-, als auch Architektur- oder Landschaftsaufnahmen verwirklicht werden.
Alte Häuser haben ihren eigenen Charme. Wenn sie dann noch liebevoll restauriert und gepflegt sind, ist es doch nur klar, dass sie von uns ins rechte Licht gerückt werden.
Hier ist die Experimentierfreudigkeit des Fotografen gefragt. Vielen Szenen ist, trotz der Beschränkung aufs Wesentliche, ein weiteres Motiv abzuringen. Denn wo ein Bild gut ist
kann immer noch ein zweites Bild lauern, welches auch nicht schlecht sein muss.
Also ruhig Zeit lassen und alle Möglichkeiten ausnutzen. Die Fotografie ist nicht dazu da, um möglichst schnell von einem Motiv zum nächsten zu hetzen, sondern um geduldig die vielen Facetten des Augenblicks zu genießen.
Warum nicht mal die Gelegenheit nutzen und was neues probieren. z. B. Blumen aus der Ameisenperspektive
und dann auch gleich noch mit dem bewussten Überbelichten als High-Key-Bild:

Holz in allen Varianten ist hier groß vertreten. Details von Ornamenten und Türen bieten sich ebenso an
wie die Muster und Strukturen des Fachwerks der Häuser.
Sollten auch Verkaufsstände oder Kunsthandwerker vor Ort sein, wird die Motivvielfalt gleich noch größer.
Keramik, Porzellan, Holz und Glas sind beliebte Ausstellungsstücke, die sowohl dekorativ sind, als auch fotogen.
Die Baukunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ist auch heute noch bestaunenswert. Mit welch einfachen Mitteln die Gebäude geplant und errichtet wurden erstaunt mich immer wieder aufs Neue.
Liebevolle Details, wie diese Hausglocke
sind erst bei genauem Hinsehen zu entdecken. Und hinsehen lohnt sich immer wieder.
So kann ein Tag recht kurzweilig gestaltet werden und auch als Familienausflug taugen diese Museen. Denn neben dem Fotografieren bleibt auch noch jede Menge Zeit, um sich um die Angehörigen zu kümmern. Vielleicht lässt sich ja der eine oder andere von den gemachten Fotos inspirieren und möchte selbst mit dem Fotografieren beginnen.
Für diese und ähnliche Unternehmungen wünsche ich Euch schon mal allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Ein Besuch in der Völklinger Hütte

Das Saarland ist nicht gerade arm an Sehenswürdigkeiten, jedoch eines sticht ganz klar hervor und wird meiner Meinung nach viel zu selten erwähnt: Die UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte Völklinger Hütte. Die Völklinger Hütte wurde 1873 gegründet und war Mittelpunkt der Roheisenerzeugung im saarländischen Völklingen. 1986 stillgelegt erhob die UNESCO  das Eisenwerk als Industriedenkmal in den Rang eines Weltkulturerbes der Menschheit.

Mein „Geheimtipp“ gleich zu Anfang: Wer das Freiluftmuseum zum ersten Mal besucht, sich einen Überblick verschaffen oder nur mal ein paar coole Bilder schießen will, dem sei der Dienstagnachmittag ans Herz gelegt. Da ist ab 15.00 Uhr freier Eintritt! Bis 18.00 Uhr hat man dann 3 Stunden Zeit und kommt da ganz schön rum. Bei meinen bisherigen zwei Besuchen hat mir dieses Zeitfenster jedes Mal vollauf gereicht.

Das ganze Gelände ist über einen markierten Rundgang zu erkunden.  Die Bereiche sind reichlich mit Schautafeln bestückt, so dass neben den Motiven noch einiges an Informationen mitgenommen werden kann.
Da große Teile der Anlage auch Indoor liegen, ist man relativ unabhängig vom Wetter. Detailaufnahmen sind genau so möglich, wie auch großflächige Aufnahmen ganzer Förderbandanlagen.
Lost-Places-Charakter hat das Gelände ebenfalls. Viele noch nicht ausgeschlachtete Elektroanlagen zogen mich in ihren Bann (ich bin halt nun mal ausgebildeter Elektromeister).
Im Bereich der Hochofengruppe kann man über einige Treppen und Stiegen bis zur Aussichtsplattform in über 40 Metern Höhe aufsteigen. Von dort aus bietet sich ein toller Überblick über das ganze Gelände und die Stadt.
Aus heutiger Sicht gar nicht auszudenken, was das in damaliger Zeit für ein Gestank und Lärm gewesen sein muss, neben dem die Menschen ihre Arbeit zu verrichten hatten.
Teils skurrile Warnschilder zeugen von den Anfängen des Arbeitsschutzes im beginnenden Industriezeitalter.
Imposant sind vor allem in der sog. Gebläsehalle die riesigen Gasmaschinen welche den Wind für die Hochöfen erzeugten.
In der Gebläsehalle, sowie in Teilen des übrigen Geländes werden jährlich wechselnde Ausstellungen präsentiert. Im Jahr 2015 waren Schädel ausgestellt, letztes Jahr war unter dem Thema Buddha u. a. eine sehenswerte Bilderasstellung des großen Fotografen Steve McCurry zu sehen.
Ob im innern
oder außen
die Motive scheinen nicht aus zu gehen. Oft lohnt sich auch mal ein kurzer Blick auf den Boden, wo Rost und Wasser einen interessanten Rahmen für Spiegelungen bilden können.

Zur Ausrüstung: Empfehlenswert ist auf jeden Fall ein Stativ. Im Innenbereich ist es unverzichtbar – die Chance das Bild zu verwackeln ist hier einfach zu groß. Ein Zoomobjektiv von 17 – 70 mm, wie ich es verwende ist allemal ausreichen. Einen Blitz würde ich persönlich jetzt nicht mitschleppen, da das vorhandene Licht für eine schöne Stimmung auf den Fotos sorgt. Von reinen Architektur- bis hin zu Lost-Places-Bildern ist hier alles möglich.
Wie gesagt: Der kostenlose Dienstag Nachmittag reicht, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Das Gelände bietet zweifelsfrei so viel Potenzial, um mehrere Tage zu füllen. Nähere Auskünfte über die aktuellen Ausstellungen, die Öffnungszeiten und Eintrittspreise findet Ihr unter
www.voelklinger-huette.org

Wer mal in der Gegend ist, sollte sich das alles nicht entgehen lassen. Lasst Euch treiben, inspirieren und habt Vertrauen! Es ist fast nicht möglich hier schlechte Bilder zu machen.
Im Innenbereich ist ein Stativ zwingend erforderlich, welches jedoch problemlos aufgestellt werden darf.
Für Fotografen wird eine extra Erklärung ausgehändigt, mit der man bestätigt, keine kommerzielle Nutzung der Bilder anzustreben. Ansonsten habe ich bei meinen Besuchen keine Einschränkungen erlebt.

Für den Besuch, aber auch für die sonstigen Unternehmungen im kommenden Sommer wünsche ich Euch, wie gewohnt, allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Gestaltungsregeln in der Fotografie – Teil 2


Diese Woche geht es weiter mit den grundlegenden Gestaltungsregeln in der Fotografie.

Führende Linien
Ein Foto ist das zweidimensionale Abbild unserer dreidimensionalen Welt. Es ist oft schwierig, den Charme und alle Details, die der Betrachter vor Ort wahr nehmen kann in ein Bild zu transportieren. Das Bild wirkt flach und ohne besonderen Reiz. Gute Hilfen für eine bessere Wahrnehmung und Mittel, um Struktur ins Bild zu bringen, sind Führungslinien. Wo immer diese auftreten bieten sie sich an, ins Bild integriert zu werden. Sie können helfen, den Blick des Menschen zum zentralen Punkt im Bild zu lenken. Das Auge des Betrachters „flüchtet“ dank der Linien zu diesem Ort im Bild. Sie können uns ein Gefühl von Tiefe, der fehlenden dritten Dimension im Bild, vermitteln und uns so mehr über die Ausdehnung des Motivs rüber bringen.

Eine ganz besondere Kraft geht von Diagonalen aus. Sie bringen besonders viel Spannung ins Bild. Aufwärts gerichtet (von links unten nach rechts oben) lassen Sie uns eine positive Dynamik wahrnehmen. Ihnen wird nachgesagt, sie würden Freude und Optimismus ins Bild bringen, während abfallende Diagonalen Pessimismus ausdrücken.
Führungslinien verstecken sich überall in der Natur. Ob als wasserführender Kanal oder Fassadenverkleidung, die uns den Weg in den Himmel weist.

Das Motiv einrahmen
Viele Fotos wirken um einiges schöner, wenn sie einen gewissen Rahmen besitzen. Natürliche Rahmen sind in der Architekturfotografie beispielsweise Fenster, Tore, Durchgänge, Korridore etc., während in der Landschaftsfotografie gern zwischen Hecken, Zweigen und Bäumen hindurch fotografiert wird. Der Vordergrund sollte dabei relativ dunkel sein und der Hintergrund (das eigentliche Motiv) in seinen natürlichen Farben erscheinen. Die korrekte Belichtung sollte auf dem Hintergrund liegen; wenn die grünen Blätter im Vordergrund zu dunkel ausfallen ist dies absolut in Ordnung.
Beim Fotografieren durch einen Zaun, ein Gitter oder einen Käfig (zum Beispiel bei der Tierphotographie) lässt sich ebenfalls ein interessanter Rahmen schaffen. Befindet sich das Motiv ein gutes Stück dahinter, so kann der Rahmen in Unschärfe verfallen und das Motiv wird besonders hervorgehoben.

Rahmen sind nicht nur ein reizvolles Mittel um das Motiv hervorzuheben, sie erzeugen auch eine Tiefenwirkung. Zudem kann man mit Rahmen manchmal unerwünschte Bildelemente ausblenden.

In der Nachbearbeitung kann so ein Rahmen auch nachträglich als sog. Vignette gesetzt werden, um dem Bild einen Abschluss zu geben. Dabei werden die Bildecken und/oder die Ränder geringfügig abgedunkelt und so der Mittelpunkt des Fotos mehr betont. Der Blick wird eher zentriert und man lässt sich nicht von dem Geschehen am Rand des Bildes ablenken.

Wiederholungen – Muster

Wiederholungen von gleichen Gegenständen können interessante Muster abgeben. Auf Plätzen z. B, aufgereihte Stühle und Tische können ebenso interessante Abfolgen abbilden, wie auch in meinem Beispiel die herbstlichen Kürbisstände. Dort kann man dann nach Herzenslust experimentieren.
Die Magie der Muster wird dann nur noch davon übertroffen, wenn irgendwas das Muster durchbricht. Dann wird der Blick sofort auf die offensichtliche „Fehlerstelle“ hingezogen und man ist so zu sagen gleich im Bild.

Größenvergleiche
Um besser verdeutlichen zu können, wie groß oder klein das Motiv wirklich ist, können Größenvergleiche mit Alltäglichem Klarheit verschaffen.
Wenn wir nicht selbst vor Ort waren können wir nicht abschätzen, wie hoch der Wasserfall in Natura ist. Stellen wir einen Menschen davor und nehmen diesen mit ins Bild, so werden die Ausmaße schnell klar.
In diesem Beispiel von einem Kunstgegenstand wurde ein Spinnennetz nachgebildet. Das alleinige Fotografieren des Werkes bringt uns keine „Daten“ über die tatsächlichen Ausmaße.

Wenn wir jetzt einen Mensch in relation setzen, dann wird uns schnell bewusst, dass das Netz ganz andere Dimensionen einnimmt, als es das Original tun würde.

So kann auch in die andere Richtung experimentiert werden und z. B, in Modellbauausttellungen oder Miniaturwelten die Illusion vom Riesen neben dem Kirchturm erzeugt werden.

Bleibt mir nur noch Euch viel Spaß zu wünschen und zu hoffen, dass Ihr neue Impulse aufnehmen konntet und auch möglichst bald in die Tat umsetzt. Für alle Eure Vorhaben wünsche ich Euch wie immer allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

 

Gestaltungsregeln in der Fotografie – Teil 1

In der Fotografie gibt es, wie überall, bestimmte Regel, die ein Bild sehenswert machen. Regeln des Design,
Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Aber um diese zu brechen, muss man erst mal wissen, das diese existiert.

Das Motiv
Zu aller erst konzentrieren wir uns auf das Motiv selbst. Wir sollten uns bei jedem Klick fragen, ist das, was ich zeigen möchte gut sichtbar? Manchmal neigen wir dazu viel zu viel in ein Bild hineinpacken zu wollen. Das Ergebnis ist dann ein Bild, welches entweder überladen ist, oder das Wesentliche in seiner Umgebung verschwindet. Wir sind vor Ort und wissen, was uns in diesem Moment wichtig war. Der Betrachter war nicht dabei und kann unsere Gedanken nicht lesen. Wenn ein Bild eine Erklärung benötigt, damit es verstanden wird, ist es nicht gut!
In dem Foto ist eine Landschaft zu sehen, der Holz Ball in der Mitte stört eher, als das man darauf kommt, dass dieser das eigentliche Motiv ist.

Den Rahmen füllen – mit dem was wichtig ist. Ein berühmter Lehrsatz der Fotografie ist: Wenn das Bild nicht gut ist, warst Du nicht nahe genug dran. Ein Bild ist nicht dann vollkommen, wenn alles drin ist – ein Bild ist dann gut, wenn nichts mehr weggelassen werden kann. Beschränken wir uns also auf das Wesentliche und bringen dieses bestmöglich zur Geltung.

So lenkt nichts davon ab – die Holzkugel ist definitiv das Motiv. Doch wie und wo soll die Kugel im Bild erscheinen? Das bringt uns zu der Jahrtausend-Regel:

Die Drittel-Regel oder die Sage vom goldenen Schntt
Die Drittel-Regel ist definitiv einfacher zu erklären und zu verstehen, als die, zugegebenermaßen technisch richtigere, Regel vom goldenen Schnitt. Da sich diese bereits aus der Antike überliefern lässt, habe ich sie, respektlos, in der Überschrift als „Sage“ tituliert. Sie ist mehr als das. Sie ist die alte, überlieferte Weisheit, was das menschliche Auge als spannend, interessant wahrnimmt. Rein theoretisch lässt sich diese Regel laut Wikipedia so erklären: Als Goldener Schnitt wird das Teilungsverhältnis einer Strecke bezeichnet, bei dem das Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil entspricht.

In diesem Bild ist das Motiv mittig platziert, rechts und links davon passiert nichts Interessantes – insgesamt ein langweiliges Bild ohne gewisses Etwas.

Soweit die graue Theorie – in der Praxis hat keiner Maßband und Taschenrechner dabei, um die Gleichung (a+b)/a = a/b aufzulösen. Aber es ist, denke ich, gut, einmal davon gehört zu haben. Viel einfacher ist es, sich vorzustellen, dass das Bild durch 2 senkrechte und 2 waagrechte Linien in 9 gleich große Teile aufgeteilt wird. Bei den meisten Kameras lässt sich dieses Raster im Live-View auf dem Monitor oder auch im Sucher einblenden. So lässt sich bereits vor Ort die Komposition optimal ausrichten. Optimal wäre dann, wenn das Objekt der Begierde sich an einem Schnittpunkt der Linien befindet. So wie hier der Holz Ball jetzt mehr zum linken Rand ausgerichtet wurde und das Bild jetzt ein wenig mehr Dynamik erhält.

In der Landschaftsfotografie sind die waagrechten Linien wichtig für die Bildaufteilung in Land/Himmel. Nach Möglichkeit lässt man die Horizontlinie nie in der Mitte verlaufen, sondern teilt man das Bild immer in 1/3 zu 2/3. Ist der Himmel uninteressant, so wird er nicht mehr als das obere Drittel des Bildes ausmachen. Ist der Himmel dramatisch, die Wolken mega angeleuchtet, so darf er auch mal zwei Drittel des Bildes ausmachen. Das vielleicht einzige Mal, an dem die Horizontlinie mittig ausgerichtet gehört, ist bei Spiegelungen. Wenn sich z. B. ein Berg im ruhigen Wasser eines Bergsees spiegelt, dann kann die Symmetrie der Szene natürlich durch eine mittige Anordnung betont werden.

Der Einsatz der Blende als Stilmittel
Die Kombination aus Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert beeinflusst maßgeblich die Belichtung des Bildes. Je größer die Blendenzahl, umso kleiner die Blendenöffnung, umso länger muss belichtet werden oder empfindlicher (hohe ISO) muss der Sensor eingestellt werden, um zum gleichen Ergebnis zu kommen.

Mit der Blende kann aber auch die Bildaussage verändert werden. Das Auge geht zuerst zum hellsten oder schärfsten Teil des Bildes. Über die Blendenöffnung können wir schön steuern was und wieviel scharf abgebildet wird.
Eine kleine Blendenzahl bedeutet dass die Blende weit geöffnet ist. Im Beispiel habe ich Blende 3,5 eingestellt und auf die erste Stele scharf gestellt.
 Nur diese wird scharf abgebildet, der Bereich dahinter ist unscharf. Wird nun die Blende geschlossen, wie etwa im zweiten Bild auf Blende 9, dann wird der scharf gestellte Bereich größer.

Schließen wir die Blende noch weiter, im Beispiel auf Blende 22, wird alles scharf – sogar die Schrift auf dem großen Stein im Hintergrund wird lesbar.

So können wir wunderbar das Auge des Betrachters lenken. Wichtig ist, dass der Teil, der die Bildaussage trägt, scharf ist so dass das Auge gleicht erkennen kann, was das eigentliche Motiv ist. In der Portraitfotografie gelten andere Maßstäbe, als in der Landschaftsfotografien.
Bei den Portraits liegt die Gewichtung auf der Person. Nach Möglichkeit soll hier auf das Auge scharf gestellt werden – dann wird das Foto als gut angesehen. Der Hintergrund hinter der Person ist unwichtig und soll möglichst in Unschärfe verschwinden. Also müssen wir mit weit offener Blende fotografieren, damit möglichst wenig scharf abgebildet ist.
In der Landschaftsfotografie möchten wir gerne sehr viel scharf sehen. Von der Blume im Vordergrund bis zum Sonnenuntergang im Hintergrund wollen wir möglichst eine durchgehende Schärfe erzielen. Hierzu fotografieren wir mit einer geschlossenen Blende (große Blendenzahl).

Die Perspektive
Durch die Wahl der Perspektive ändert sich die Bildaussage oft dramatisch. In der Fotografie ist bei vielen die Abbildung eines allein stehenden Baumes ein regelrechter Kult.

Auf diesen Baum bin ich zugelaufen und während ich näher kam, änderte sich die Perspektive und auch das, was ich vermeintlich zu sehen glaubte. Es handelte sich nämlich nicht um einen Baum, sondern um 2, die je nach Standort aussahen, als ob sie eins wären.
Genau betrachtet kann man auch sagen, dass es immer mehr als ein Bild gibt – egal was fotografiert wird. Mit einer Standortänderung oder auch nur mit einem kleinen Schwenk der Kamera tun sich oft ganz neue Ansichten auf. Manchmal steckt ein komplett neues Foto in einer Ansicht, wenn wir von Quer- auf Hochformat schwenken, manchmal wenn wir nur einen Schritt zur Seite gehen.
In der Praxis bedeutet dies, dass man auch mal andere Wege gehen sollte. Warum nicht mal auf den Boden liegen und aus der Froschperspektive schießen? Warum nicht mal in die Hocke gehen oder auf eine Leiter steigen. Jede Perspektive ist interessanter als die Sicht aus der gewohnten Augenhöhe!

Nächste Woche geht es weiter mit Teil 2 der Grundlagen über die Gestaltungsregeln in der Fotografie. Bis dahin wünsche ich Euch allen wie gewohnt allzeit gutes Licht!

Werner Kutter