Nachbearbeitung pro & contra

Immer wieder wird mir die Frage gestellt:
„Sind deine Bilder bearbeitet?“
Die Antwort ist so simpel, wie ehrlich: Ja, sind sie.
Und heute möchte ich erklären, warum das so ist:

Selbst die alten Meister der Analog-Zeit haben Retusche, Beschneidung und Nachbelichtung betrieben. Wer ein wenig im Internet recherchiert wird herausfinden, das und wie selbst Schwarzweiß-Bilder der Ikonen der Fotografie vor über 50 Jahren nicht nur entwickelt sondern auch bearbeitet wurden.

Vielleicht sollte ich vor diesem Hintergrund auch wirklich nicht mehr von der Bearbeitung sprechen, sondern auch eher von einer Entwicklung meiner Bilder. Ich bin jetzt nicht der Spezialist für Composing und Fantasy-Bilder – ich liebe es eher die Umgebung möglichst detailliert und farbenfroh darzustellen.

Moderne Kameras (nicht nur Spiegelreflexkameras auch Handys) sind in der Lage ein digitales Negativ aufzunehmen – das sog. RAW-Format. In diesem Format sind nur die reinen Farb- und Hellingkeitsinformationen jedes einzelnen Pixels des Chips gespeichert – ohne kamerainterne Komprimierung. Deshalb sind diese Dateien auch größer als die JPEG-Bilder, die schließlich gedruckt oder veröffentlicht werden.
Ein JPEG-Bild direkt aus der Kamera wurde bereits durch die interne Software des jeweiligen Kameraherstellers bearbeitet. Es wurden beispielsweise, je nach Voreinstellungen (sog. Picture-Styles) der Kontrast angehoben, die Sättigung der Farben optimiert und das Bild insgesamt geschärft.
Im Endeffekt ist jedes Bild, wenn man so will,bearbeitet. Die Kamera nimmt einem die Arbeit zwar ab, aber man hat selbst wenig Einfluss darauf, was im Einzelfall passiert.

Programme wie z. B. Adobe Lightroom oder Photoshop überlassen es dem Benutzer, wie er welche Bildteile bearbeiten will. Ein JPEG-Bild ist komprimiert. Das bedeutet, dass die Datenmenge begrenzt wurde auf die Bildteile von denen die Kamera dachte, dass sie wichtig sind.
Wenn jedoch ich, als Fotograf oder auch Künstler, einen ganz bestimmten Look erzeugen will oder nur ganz bestimmte Bereiche eines Bildes hervorheben oder abdunkeln möchte, dann bleibt mir nichts besseres übrig, als selbst Hand anzulegen. Am meisten Informationen steckt hierfür natürlich in der unkomprimierten RAW-Version der Aufnahme. Und hier werden wir auch schon wieder von der Kamera getäuscht. Die Anzeige auf der Rückseite ist nämlich auch eine JPEG-Version des Bildes – es sieht oft toll aus, farblich ansprechend und knack scharf.
Zu Hause am PC überrascht uns die Datei dann aber mit einer total flauen, unschön wirkenden Version des Gesehenen. Hier greift jetzt das zuvor geschriebene: Das RAW-Bild ist definitiv unbearbeitet und benötigt ein wenig Anstrengung unsererseits.

Hier als Beispiel eine Langzeitbelichtung vom Lechfall bei Füssen:

So kommt das Bild unbearbeitet aus der Kamera…

Wenn wir nur ein klein wenig mit den Reglern spielen kann das Ergebnis gleich viel kraftvoller aussehen. Das Ganze dauert keine 5 Minuten und dieses Ergebnis ist der wohl verdiente Lohn:

Hierzu ist lediglich Lightroom erforderlich. Keine komplizierten Ebenenmasken u. ä. in Photoshop oder die Verwendung von Plugins.
Folgende Einstellungen habe ich gewählt, um das flaue Negativ in ein ansehnliche Bild zu verwandeln:
Zuerst habe ich die Farben etwas kräftiger betont in dem ich den Kamerastil im Abschnitt Kamerakalibrierung auf „Landschaft“ gesetzt habe.
Dann gehe ich immer auf die Palette „Grundeinstellungen“ und kümmere mich um die generelle Wahrnehmung des Bildes.
Hier gehe ich fast immer mit den Lichtern runter und helle die Schatten (Tiefen) etwas auf. Wenn hier zu stark aufgehellt wird kann das Bild in diesen Bereichen ein starkes Rauschen zeigen. Kontrast, Dynamik und Details lasse ich fast immer bei +15 stehen. Jeder muss hier für sein Kamera-Objektiv-Duo die passenden Einstellungen finden – bei mir funktioniert es mit +15 gut.
Zum Schluss setzte ich noch den Weiß- und den Schwarz-Punkt, um dem Kontrast noch den letzten Punch zu geben. Kontrolliert hierbei immer das Bild selbst und auch das Histogramm, ob es irgendwo Bereiche gibt, in denen die Lichter ausbrennen oder die dunklen Bereiche absaufen.
Die nächsten Schritte sind wieder einfacher:
Bei der Gradationskurve stelle ich den Graph auf „mittleren Kontrast“.
Bei Details habe ich mir eine Grundeinstellung gespeichert, welche bei Landschaftsfotos gut passt:  Schärfe auf 80, Radius 0,8 und die Details auf die Hälfte von der Schärfe – in diesem Fall 40. Mit der Maskierung wähle ich dann bei gedrückter ALT-Taste einen Wert, bei dem die Flächen nicht geschärft und somit nur Kanten und Komturen hervorgehoben werden. Sollte es Rauschen geben, wähle ich eine Einstellung bei der Rauschreduzierung, die in Summe mit der Schärfe den Wert von 100 nicht übersteigt. Hier wäre 20 das Maximum, jedoch ist für dies Bild keine Korrektur notwendig.
Eine Vignette ist Geschmackssache, ich nehme eine Leichte mit einem Wert zwischen 10 und 15 im Feld „Effekte“.
Die Objektivkorrekturen sind bei mir immer an. So werden Verzerrungen automatisch beseitigt und die chromatische Aberration lasse ich auch vom Programm heraus rechnen.
In seltenen Fällen, wenn es stürzende Linien zu sehen gibt, versuche ich über die Funktionen im Bereich „`Transformieren“ eine Besserung zu erzielen.

Bestimmte Einstellungen, welche immer wieder gleich vorgenommen werden, habe ich als Voreinstellung gespeichert, welche ich bereits beim Import auf die Bilder anwende und so viel Zeit sparen kann.

Wer fleißig ist und noch mehr heraus holen will, dem sei empfohlen eine Belichtungsreihe mit mindestens 3 unterschiedlichen Belichtungen aufzunehmen. In diesem Fall habe ich eine normal belichtete mit einer 2 Stufen über- und einer 2 Stufen unterbelichteten Aufnahme zu einem HDR verrechnen lassen. Dies macht Lightroom mittlerweile sehr gut, wobei der Schwerpunkt auf einer möglichst natürlichen Darstellung liegt.

Unschwer ist zu erkennen, das hiermit nochmal deutlich mehr Details aus der Aufnahme herausgearbeitet wurde.
Für dieses Ergebnis habe ich jedoch eine Bearbeitung in Photoshop mit Verwendung eines Plug ins auf die Grundentwicklung in Lightroom oben drauf geschlagen.

Ich hoffe, ich konnte hiermit zeigen, dass eine Bildbearbeitung Sinn macht und nicht immer als „Manipulation“ verteufelt werden sollte. Jedes Bild, welches in den Medien erscheint, ist bearbeitet. Macht Euch das immer klar. Die Bearbeitung ist erforderlich, da ein RAW-Foto keine Leser zum Kiosk rennen lässt.

In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Spaß bei der Bildbearbeitung und allzeit gutes Licht beim Fotografieren.

Werner Kutter

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