Die Sache mit dem “Ziel-Bild“

Was ist ein Ziel-Bild?
Lange wusste ich nicht, was ich mit diesem Begriff anfangen soll. Wie soll ich vorher wissen, was ich fotografieren will? Um diese Fragestellung geht es bei dem Begriff gar nicht. Es geht darum eine Vorstellung davon zu bekommen, wie das Bild auf den Betrachter wirken und welche Bildaussage getroffen werden soll.

Je länger ich mich mit dem Thema auseinander gesetzt habe und je mehr Bilder ich gesehen und gemacht habe, um so mehr wurde mir klar, was damit gemeint war. Das Bild entsteht bereits im Kopf! Anhand dieser kleinen Geschichte möchte ich Euch meine Überlegungen zum Thema Zielfoto näher bringen:

Ich habe da ja meinen „Lieblings-Baum“. Lange bin ich an ihm vorbei gefahren und habe mir immer wieder geschworen, dass ich ihn irgendwann mal fotografieren will – in der Kategorie „Einzelner Baum“.
In der Woche vor Weihnachten 2015 war es dann soweit. Die ganze Woche über habe ich vom Büro aus jeden Morgen sehnsüchtig die tollen Sonnenaufgänge durch das Fenster beobachtet und mich geärgert, dass ich arbeiten musste. Am 23. hatte ich endlich frei und unternahm auf dem Weg zum Frühstücks-Bäcker einen Abstecher zu dem Baum.

Mein erstes wirklich gutes Foto war im Kasten und eine erste Idee von der Planung und Gestaltung im Vorgriff hat sich mir gezeigt. Wenn man den Ort kennt, den man fotografieren möchte und die Gegebenheiten von Sonnenauf- und -untergang von den Himmelsrichtungen her weiß, macht man schon den ersten großen Schritt zu einem guten Bild.
Auf der Internetseite von 500px habe ich zum ersten mal eine herausragende Bewertung erhalten und bin noch heute mächtig stolz darauf.

Im Laufe des Jahres 2016 kamen dann immer mehr Meldungen von dem sog. „Mega-Vollmond“ im Herbst in den Medien. In meinem Kopf begann ein Plan zu reifen, den Mondaufgang und den Baum zusammen auf ein Bild zu bannen. Da der Mond tendenziell beim Aufgang über dem Horizont optisch größer erscheint, als zu der Zeit wenn er hoch am Himmel steht, habe ich mich Mitte des Jahres wieder auf den Weg gemacht, um schon mal zu testen wie so ein Bild funktionieren könnte. Ich stellte mir den Mond vor, wie er neben dem Stamm jedoch unterhalb der Krone aufgeht.
Das Bild im Dezember war mit einem Weitwinkel aufgenommen und so dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn, dass ich das mit dem Vollmond auch so machen könnte.

Ziemlich ernüchtert stellte ich dann fest, dass mein geplantes Foto so wohl nicht zu Stande kommt. Irgendwie habe ich mich total getäuscht, was das verwendete Objektiv und das gewünschte Ergebnis betraf. Der Baum war zwar wieder schön groß im Bild, dafür der Mond kaum erkennbar als kleiner weißer Punkt im Hintergrund. So etwas will keiner sehen – dieses Bild wurde deshalb auch noch nie veröffentlicht.

Irgendwie musste ich was an meiner Technik ändern. Ich informierte mich eingehend über die verschiedenen Abbildungseigenschaften der unterschiedlichen Objektivtypen und bin schließlich darauf gestoßen, dass nur ein Teleobjektiv über die Kompression der Bildinhalte den gewünschten Effekt erzielen konnte. Aufgrund seiner Eigenschaften konnte ich mit dem Tele weiter vom Baum weg stehen. Den vollen Zoom genutzt würde ich den Baum trotzdem formatfüllend auf das Bild bekommen und zudem den Hintergrund näher an den Vordergrund heranrücken und dadurch größer erscheinen lassen.
Im November – pünktlich zum vorausgesagten Mega-Vollmond-Event – hatten wir dann den gewohnten Nebel. Keine Chance auch nur einen Schimmer des Erdtrabanten zu sehen.
Für Dezember war besseres Wetter vorhergesagt und der Mond angeblich nur wenige Prozent kleiner, als im November. Voller Spannung wartete ich auf den Tag – mit Handy-Apps genau berechnet, wann er aufgeht und wie er genau hinter meinem Baum zu sehen sein wird.
Es zeichnete sich die interessante Konstellation ab, dass zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang nur wenige Minuten verstreichen würden, so dass ich mich auf ein Mega-Farbspektakel freute – bis sich der Osthimmel mit Wolken bedeckte und keine freie Sicht auf den Mond preis gab.

Ein Bild mit dem Tele habe ich trotzdem gemacht, da sich die Alpen schön hinter dem Baum abzeichneten. So hatte ich wenigstens noch ein Bild hatte, welches bei 500px sogar noch besser ankam, als das erste. Ich war also nicht umsonst gekommen.

Ein Vollmondbild habe ich dann doch noch auf eine ganz andere Art und Weise erstellt:

Mit einem abendlichen Bild vom Bad Grönenbacher Schloss und einem Vollmondbild aus meinem Archiv habe ich ein SW-Composing erstellt. Dieses Bild hatte ich so vorher ebenfalls schon im Kopf, jedoch die Konstellation um dies in natura abzulichten hat sich bisher nicht ergeben. Es wurde das bis dahin am besten bewertete Bild von mir auf 500px.

In diesem Sinne – überlegt vorher relativ genau, welches Bild Ihr Euch wünscht – Ihr werdet überrascht sein, wie einfach es dann oft ist diesem Ideal möglichst nahe zu kommen. Die Vision vom fertigen Bild im Kopf zu haben erleichtert die Planung ungemein, da man dann viel besser weiß, auf was alles geachtet werden sollte.

Für diese Vorhaben wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

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