Reduktion

Viele Bilder sind überladen. Das Auge kann kaum wahrnehmen was das eigentliche Motiv sein soll. Unruhig wandern unsere Blicke über all die Gegenstände und Einzelheiten des Fotos und wir fragen uns: Was will uns der Fotograf sagen?

Ein Weg um zu einer klaren Bildaussage zu kommen ist die u. a. Reduktion.
Die Reduktion des Inhalts auf das Wesentliche.
In diesem Artikel geht es  darum, dass der wesentliche Bildinhalt die Farbe ist. Das Foto reduziert auf Farbe. Es spielt nicht so sehr eine Rolle, wer oder was im Bild gezeigt wird, sondern eher wie die Farben sich zueinander verhalten.

Newtons Farbkreis aus dem 18. Jahrhundert zeigt welche Farben miteinander harmonieren – die nebeneinander liegenden – und welche konkurrieren – die sich gegenüber liegen. Bereits in so früher Zeit beschäftigten sich Gelehrte und Künstler mit der Wirkung der einzelnen Farben zueinander und auf die menschliche Wahrnehmung.
 (Quelle Wikipedia)
Die gegenüberliegenden Farben werden Komplementärfarben oder auch Gegenfarben  genannt.
Es wirkt als starker Farbkontrast auf unser Auge und kann als interessant empfunden werden solange man es nicht übertreibt. Solche Elemente in ein Bild integriert können schlicht für den Hingucker sorgen – negativ aber auch das Auge vom eigentlichen Motiv ablenken. Dessen sollte man sich auch bewusst werden und deshalb versuchte ich mich in Bildern nur die Farben eine Aussage treffen zu lassen.

Wenn man einmal anfängt nach Farben zu suchen, dann wird man überrascht sein, wie viele Motive sich einem hier bieten. Man muss nur lernen genau hinzusehen und weniger einen bestimmten Gegenstand als mehr das Detail in dem Ganzen zu suchen.

Dieses Schutzeisen an der Hauswand verschwindet fast vollständig in der gewaltigen Farbpracht und trotzdem kann mit dem weißen Querstrich ein stilisiertes Kreuz ausgemacht werden. Gerade die Unterbrechung mit dem weißen Strich bringt noch Dynamik in das Bild in dem die Farben sonst miteinander harmonieren würden (Gelb und Rot sind im Farbkreis nicht weit auseinander).

Wieder hüllen farblich voneinander abgesetzte Flächen den Mittelteil des Bildes ein. Ein Bild von einer Dachrinne wäre wohl nicht sehr interessant – mit dem Spiel der Farben wird jedoch ein Hingucker daraus. Hier sind Gelb und Blau vertreten. Diese liegen sich im Farbkreis gegenüber und sind somit Komplementärfarben. Der Farbkontrast ist stärker als im Bild vorher.

Ein einfacher Aufbau – von jedem ganz einfach zu Hause nachzubauen: drei Blätter Papier, jeweils mit einer Farbe gefüllt unter ein Glas mit flachem Boden gelegt; Wasser ins Glas, ein paar Tropfen Speiseöl und schon kann losgeknipst werden. Viele verschiedene Variationen können gelegt werden und durch die Ölblasen im Wasser werden hier noch zusätzliche Kontrastpunkte gesetzt.
Hier noch ein Beispiel aus der Münchner U-Bahn. In der Station Marienplatz wird man von den ganzen orangen Fliesen förmlich erschlagen. Jedoch gibt es auch Bereiche, die blau gekachelt sind. Diese Übergänge bieten einen willkommenen Kontrast, da Orange und Blau im Farbkreis fast genau gegenüber liegen.

Zum Abschluss noch eine kleine Übung im Bezug auf Farben, Fantasie und bewusstes Sehen. Wenn man üben möchte, seinen Fokus zu schärfen, trainieren, das Wesentliche im großen Ganzen zu sehen, kann jeder für sich schon mal vor der eigenen Haustür anfangen. Übung ist notwendig – denn nur so kommen wir auch auf den Gedanken, Szenen und Alltägliches einmal mit anderen Augen zu sehen.

Folgende Szenerie bietet sich mir jedes Mal, wenn ich am Feierabend mit dem Bus nach Hause fahre.
Wer sieht in diesem Bild das Motiv? Auf den ersten Blick erscheint dieses Bild als heilloses Durcheinander und das Auge weiß nicht, was wichtig ist und was nicht. Ein paar Schritte näher dran bietet sich dann folgendes Bild:
Jetzt könnte man meinen, es geht um eine Seite im nächsten Gartenkatalog des Baumarktes, aber nein – mein Auge wurde von etwas ganz anderem angezogen.

Die Schilder an der Bushaltestelle haben es mir angetan. Das leuchtende Gelb brachte mich darauf, danach zu forschen, was denn wohl den größten Kontrast bieten würde und kam über den oben beschriebenen Farbkreis auf die Farbe Blau. Also zu Hause ein Blatt Papier komplett in Blau ausgedruckt und beim nächsten Mal hinter die Schilder gehalten – et voilá!

Noch ein bisschen mit Lage, Entfernung und Winkel experimentiert, hinterher ein bisschen beschnitten und bearbeitet und schon kann sich das Thema sehen lassen:

Die Bilder der Beispielserie wurden übrigens alle nur mit dem Handy aufgenommen und mit Lightroom mobile bearbeitet! Es braucht kein 1000-Euro-Equipment – es braucht Inspiration und Fantasie! Je mehr Bilder ich mir betrachte – ganz egal ob online oder auf Papier – desto mehr wird meine Fantasie angeregt. Bei Bildern, die mich ansprechen denke ich mir immer gleich „Wie hat der das gemacht?“
Ich dachte auch lange von mir, dass ich überhaupt nicht kreativ bin. Tatsache ist: Jeder kann es lernen kreativ zu sein. Übung macht den Meister! Und Üben heißt die Kamera auspacken und los! Nie war es einfacher als heute mit den Digitalkameras – keine Entwicklungskosten – keine Wartezeit – jeder kann nach ein paar Minuten am Bildschirm sehen, ob das Bild wirkt oder nicht.

Schluss mit Lesen! Raus jetzt – Spielen, probieren, experimentieren, sich was trauen… In diesem Sinne wünsche ich Euch für alle fantasievollen Projekte allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Die Sache mit dem “Ziel-Bild“

Was ist ein Ziel-Bild?
Lange wusste ich nicht, was ich mit diesem Begriff anfangen soll. Wie soll ich vorher wissen, was ich fotografieren will? Um diese Fragestellung geht es bei dem Begriff gar nicht. Es geht darum eine Vorstellung davon zu bekommen, wie das Bild auf den Betrachter wirken und welche Bildaussage getroffen werden soll.

Je länger ich mich mit dem Thema auseinander gesetzt habe und je mehr Bilder ich gesehen und gemacht habe, um so mehr wurde mir klar, was damit gemeint war. Das Bild entsteht bereits im Kopf! Anhand dieser kleinen Geschichte möchte ich Euch meine Überlegungen zum Thema Zielfoto näher bringen:

Ich habe da ja meinen „Lieblings-Baum“. Lange bin ich an ihm vorbei gefahren und habe mir immer wieder geschworen, dass ich ihn irgendwann mal fotografieren will – in der Kategorie „Einzelner Baum“.
In der Woche vor Weihnachten 2015 war es dann soweit. Die ganze Woche über habe ich vom Büro aus jeden Morgen sehnsüchtig die tollen Sonnenaufgänge durch das Fenster beobachtet und mich geärgert, dass ich arbeiten musste. Am 23. hatte ich endlich frei und unternahm auf dem Weg zum Frühstücks-Bäcker einen Abstecher zu dem Baum.

Mein erstes wirklich gutes Foto war im Kasten und eine erste Idee von der Planung und Gestaltung im Vorgriff hat sich mir gezeigt. Wenn man den Ort kennt, den man fotografieren möchte und die Gegebenheiten von Sonnenauf- und -untergang von den Himmelsrichtungen her weiß, macht man schon den ersten großen Schritt zu einem guten Bild.
Auf der Internetseite von 500px habe ich zum ersten mal eine herausragende Bewertung erhalten und bin noch heute mächtig stolz darauf.

Im Laufe des Jahres 2016 kamen dann immer mehr Meldungen von dem sog. „Mega-Vollmond“ im Herbst in den Medien. In meinem Kopf begann ein Plan zu reifen, den Mondaufgang und den Baum zusammen auf ein Bild zu bannen. Da der Mond tendenziell beim Aufgang über dem Horizont optisch größer erscheint, als zu der Zeit wenn er hoch am Himmel steht, habe ich mich Mitte des Jahres wieder auf den Weg gemacht, um schon mal zu testen wie so ein Bild funktionieren könnte. Ich stellte mir den Mond vor, wie er neben dem Stamm jedoch unterhalb der Krone aufgeht.
Das Bild im Dezember war mit einem Weitwinkel aufgenommen und so dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn, dass ich das mit dem Vollmond auch so machen könnte.

Ziemlich ernüchtert stellte ich dann fest, dass mein geplantes Foto so wohl nicht zu Stande kommt. Irgendwie habe ich mich total getäuscht, was das verwendete Objektiv und das gewünschte Ergebnis betraf. Der Baum war zwar wieder schön groß im Bild, dafür der Mond kaum erkennbar als kleiner weißer Punkt im Hintergrund. So etwas will keiner sehen – dieses Bild wurde deshalb auch noch nie veröffentlicht.

Irgendwie musste ich was an meiner Technik ändern. Ich informierte mich eingehend über die verschiedenen Abbildungseigenschaften der unterschiedlichen Objektivtypen und bin schließlich darauf gestoßen, dass nur ein Teleobjektiv über die Kompression der Bildinhalte den gewünschten Effekt erzielen konnte. Aufgrund seiner Eigenschaften konnte ich mit dem Tele weiter vom Baum weg stehen. Den vollen Zoom genutzt würde ich den Baum trotzdem formatfüllend auf das Bild bekommen und zudem den Hintergrund näher an den Vordergrund heranrücken und dadurch größer erscheinen lassen.
Im November – pünktlich zum vorausgesagten Mega-Vollmond-Event – hatten wir dann den gewohnten Nebel. Keine Chance auch nur einen Schimmer des Erdtrabanten zu sehen.
Für Dezember war besseres Wetter vorhergesagt und der Mond angeblich nur wenige Prozent kleiner, als im November. Voller Spannung wartete ich auf den Tag – mit Handy-Apps genau berechnet, wann er aufgeht und wie er genau hinter meinem Baum zu sehen sein wird.
Es zeichnete sich die interessante Konstellation ab, dass zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang nur wenige Minuten verstreichen würden, so dass ich mich auf ein Mega-Farbspektakel freute – bis sich der Osthimmel mit Wolken bedeckte und keine freie Sicht auf den Mond preis gab.

Ein Bild mit dem Tele habe ich trotzdem gemacht, da sich die Alpen schön hinter dem Baum abzeichneten. So hatte ich wenigstens noch ein Bild hatte, welches bei 500px sogar noch besser ankam, als das erste. Ich war also nicht umsonst gekommen.

Ein Vollmondbild habe ich dann doch noch auf eine ganz andere Art und Weise erstellt:

Mit einem abendlichen Bild vom Bad Grönenbacher Schloss und einem Vollmondbild aus meinem Archiv habe ich ein SW-Composing erstellt. Dieses Bild hatte ich so vorher ebenfalls schon im Kopf, jedoch die Konstellation um dies in natura abzulichten hat sich bisher nicht ergeben. Es wurde das bis dahin am besten bewertete Bild von mir auf 500px.

In diesem Sinne – überlegt vorher relativ genau, welches Bild Ihr Euch wünscht – Ihr werdet überrascht sein, wie einfach es dann oft ist diesem Ideal möglichst nahe zu kommen. Die Vision vom fertigen Bild im Kopf zu haben erleichtert die Planung ungemein, da man dann viel besser weiß, auf was alles geachtet werden sollte.

Für diese Vorhaben wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 3


Zum Abschluss der Serie noch die letzten vier Bahnhöfe Olympia-Einkaufszentrum, St. Quirin Platz, Westfriedhof und Wettersteinplatz auf meiner bisherigen Untergrund-Schleife.
Für den Moment ist hiermit Schluss – ich bin mir jedoch sehr sicher, dass ich dem Ruf nach neuen Bildern folgen werde und noch weitere Bahnhöfe erkunden werde.

9. Olympia Einkaufszentrum

Das Olympia Einkaufszentrum wurde ja letztes Jahr mit den tragischen Ereignissen des Amoklaufs deutschlandweit „berühmt“.

Die Hintergleiswände sind mit pyramidenförmigen Edelstahlelementen versehen, die das auf sie treffende Licht reflektieren. An der Decke sind ellipsoid geformte Verstrebungen auf halber Höhe angebracht, an denen die Bahnsteigbeleuchtung angebracht ist. Darüber liegen blau gestrichene und beleuchtete Wände und Decken. Die Rolltreppe in der Verbindung zwischen der U1 und der U3 ist Sonntags nicht so stark frequentiert, so dass sich hier auch mal Bilder mit still stehenden Stufen ergeben können.

10. St. Quirin Platz

Die Station St.-Quirin-Platz ist architektonisch einzigartig und für die Münchner U-Bahn ebenso un­gewöhnlich, da sie zur Seite mit einem großen „Auge“ hin zur Grünanlage „Am Hohen Weg“ geöffnet ist und sich über ihr eine aufwendige muschelförmige Dachkonstruktion aus Glas wölbt.
Die Glaskonstruktion über dem Bahnsteig stellte für die Ingenieure eine große Herausforderung dar, sollte sie doch möglichst preisgünstig hergestellt werden und dennoch den ästhetischen Ansprüchen genügen. Sie überspannt neben Teilen des Bahnsteigs auch die mittig angeordnete, ebenerdige Schalterhalle, von der aus Fahr- und Festtreppen sowie Aufzüge zur Bahnsteigebene führen.
Als einziger Bahnhof ist er mit zwei unmittelbar nebeneinander liegenden Aufzügen ausgestattet, da sich in der Nähe eine Einrichtung der Behindertenbetreuung mit mehreren hundert Plätzen befindet, was diese ungewöhnliche Maßnahme rechtfertigt.

 Von der Ausrichtung her sollte der Bahnhof nur Vormittags oder Nachts besucht werden. Nachmittags knallt die Sonne doch ziemlich hart durch die Scheibe, so dass keine sonderlich tollen Innenaufnahmen möglich sind.


11. Westfriedhof

Der wohl bekannteste Bahnhof auf unserem Weg durch den Münchner Untergrund ist die Station Westfriedhof.
Wegen seiner markanten Beleuchtung mit den überdimensionalen Lampenschirmen hat bestimmt jeder schon einmal ein Bild von ihm gesehen.

11 große Leuchten mit über 3,5 mt Durchmesser werfen rotes, blaues und gelbes Licht auf den Bahnsteig. Die Beleuchtung der Wände und Decke scheint intensiv Blau, so dass man sich ein bisschen wie in einer Höhle vor kommt.

Das Einstiegsbild habe ich an der Einfahrt gemacht und es zeigt eine Langzeitbelichtung eines einfahrenden Zuges. Durch die Fenster scheint das an der Wand angebrachte Hinweisschild des Bahnhofs durch, so dass ein toller Effekt aus Vorder- und Hintergrund entsteht.

Außerdem lohnt es sich hier auch mal aus der Froschperspektive ungewöhnliche Blickwinkel einzufangen. Die ungewöhnlichen Lampenschirme bieten aus nahezu jeder Lage einen imposanten Anblick.

12.  Wettersteinplatz

Über dem Bahnsteig befindet sich ein baulich bedingter Hohlraum, der eventuell zukünftig als automatische Anwohnertiefgarage genutzt werden soll. Zwischengeschosse ohne derzeit erkennbaren Nutzen weisen auf diese Planungen hin, selbst der Aufzug zur Oberfläche hält in dieser Etage bereits.

Der Bahnsteig ist mit 4,40 Metern Raumhöhe vergleichsweise niedrig, durch die spiegelnde Aluminiumdecke wird das aber optisch wieder teilweise aufgehoben. Zudem dient die Decke der Lichtverteilung aus den Leuchtern des Lichtsystemes. Die Außenwände des säulenlosen Bahnsteiges sind in rot beziehungsweise blaugrün gestrichen und erzielen damit eine starke Kontrastwirkung.

So, dass war sie – meine kleine Reise durch die Münchener U-Bahn. Ich hoffe sie war interessant und möchte noch anfügen, dass ich Anfang April noch weitere Bahnhöfe aufsuchen werde. Die Ergebnisse werden dann im Anschluss hier zu sehen sein.

Versprochen!

Bis es soweit ist wünsche ich Euch allen allzeit gutes Licht…

Werner Kutter

Hinweis:
Die Beschreibungen der Stationen sind zum großen Teil aus den Internetseiten von https://www.u-bahn-muenchen.de/ entnommen.

 

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 2


Im zweiten Teil unserer Reise durch den Münchener Untergrund befassen wir uns mit den Stationen Mangfallplatz, Marienplatz, Moosacher-St.-Martins-Platz, Moosach und Münchner Freiheit.

5. Mangfallplatz

Die natürlich belassenen Wände werden durch ein kräftiges rot der Leitstreifenschilder kontrastiert, auch in den Leuchtrohren der Lampenbänder findet es sich wieder. Die Lampen strahlen an einen an der Decke montierten Aluminiumschirm, der das Licht indirekt auf den gesamten Bahnsteig verteilt und dadurch die gesamte Bahnsteighalle hell erstrahlen lässt.

An der nördlichen Außenwand bringt ein großformatiges blaues Kunstwerk ferner einen weiteren Farbakzent in den Bahnhof. Die dort angedeuteten Wassermotive knüpfen an die Herkunft des Münchner Trinkwassers an, das zu großen Teilen aus dem Mangfalltal stammt und über lange Rohrleitungen nach München geleitet wird.

Da die einfahrenden Züge hier aus einer Kurve in die Station kommen lassen sich spannende Lichtspurbilder an der Einfahrt anfertigen. Abstrakt, natürlich oder HDR-Style – erlaubt ist, was gefällt.

6. Marienplatz
Der Bahnhof erschließt den wichtigsten Teil der Altstadt und der Fußgängerzone mit ihren Geschäften und zahlreichen touristischen Attraktionen wie Frauenkirche, Neuem Rathaus (direkt über dem U-Bahnhof) oder Viktualienmarkt.

Endlos erscheinende Lichtbänder umrahmt von orangen Gängen – solche oder ähnliche Bilder hat wohl jeder schon einmal gesehen. Da sich der U-Bahnhof über mehrere, übereinanderliegende Ebenen erstreckt ist hier fast immer viel Betrieb.

Die, meines Wissen nach, längste Rolltreppe der Stadt steht nie still. Trotzdem gibt es in den Verbindungsgängen immer wieder mal Momente in denen alles Menschenleer erscheint. Hier ist der perfekte Ort, um sich in Geduld zu üben und die Fotografie zur Entschleunigung zu nutzen.

7. Moosacher St. Martins Platz

Der Moosacher St. Martins Platz ist eher etwas unbekannt. Gleichwohl ist er fotografisch interessant – präsentiert er doch an seinen Wänden ca. 76.200 Bilder aus dem gesamten Stadtteil Moosach.
Die Bilder sind dabei in chronologischer Reihenfolge angebracht, weswegen sich zum einen eine jahreszeitliche bedingte Farbabfolge ergibt und zum anderen der Jahreszyklus anhand der abgebildeten Natur betrachtet werden kann. Im oberen Wandbereich sind champagnerfarbene gewellte Bleche angebracht, die bis zur Sichtbetondecke nach oben reichen.

8. Moosach

Für mich als „alten“ Memminger war es natürlich schön, ein Schild mit heimatlichem Bezug zu finden. Und das mitten in München!

Der hundertste Bahnhof der Münchner U-Bahn  ist säulenlos, teilweise fällt Tageslicht durch die Oberlichter.
In Moosach werden Elemente der Moosacher Natur gezeigt, die  in stark vergrößerten Abbildungen an weißen Wandpaneelen an den Hintergleiswänden angebracht sind.
Es scheint fast so, als ob ein Fotograf mit Makroobjektiv für die Gestaltung zuständig war.

9. Münchner Freiheit
An der Münchner Freiheit ist blau die Farbe aller Säulen, die Wänder sind in neutralem hellgrau gehalten, die Decken ebenso.

Das Ergebnis wertet den U-Bahnhof sichtbar auf: Gelbe Wände, blau illuminierte Säulen und Spiegel als Deckenverkleidung sorgen für ein attraktives Erscheinungsbild, das auf Helligkeit, Transparenz und Lebendigkeit abzielt.
Hier lässt sich auch gut das Leben und Treiben der Münchner festhalten. z. B. mit längerer Belichtungszeit verwischte Personen erzeugen und so die Emsigkeit, ja die Hektik der Großstadt darstellen. Als Umsteigebahnhof ist hier auch am Sonntag das Passagieraufkommen höher als in den übrigen Bahnhöfen, so dass die Gegebenheiten hier zum Experimentieren einladen.

Nächste Woche geht die Mini-Serie mit den letzten vier Stationen vorerst zu Ende.
Ihr dürft gespannt sein, auf das, was Euch zum Abschluss noch alles erwartet – bis dahin wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

Werner Kutter

Hinweis:
Die Beschreibungen der Stationen sind zum großen Teil aus den Internetseiten von https://www.u-bahn-muenchen.de/ entnommen.

U-Bahn-Fotografie: Die Bahnhöfe Teil 1


Im ersten Teil unserer Reise durch den Münchener Untergrund entführe ich Euch in die Stationen Am Hart, Candidplatz, Georg-Brauchle-Ring und Hasenbergl.
Diese vier Bahnhöfe, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zeigen eindrucksvoll die Möglichkeiten, die sich uns auftun können, wenn man nur einmal hin sieht.
Oft wurde ich während des Fotografierens angesprochen, was ich denn genau mache, was so interessant sei, um hier in der U-Bahn Bilder zu machen – nun, ich denke, die Ergebnisse sprechen für sich.

Farben und Formen, Architektur und Technik – faszinierende Welten lauern im Verborgenen auf den, der sie sehen will…

1. Am Hart

Der Bahnsteig zeigt uns eine imposante Deckenkonstruktion aus weißen Aluminiumtafeln, die das Licht der beiden Lichtbänder aufnehmen und auf den Bahnsteig zurückstrahlen. Wie ein Vogelflügel wird der Bahnsteig auf der gesamten Länge davon überspannt.
Hier bietet sich natürlich an, aus der Mitte heraus die Symmetrie der Anlage zu betonen.
Mit vergleichsweise geringem Aufwand wurde der Bahnhof sehr ansprechend gestaltet, dazu bedarf es gar nicht besonders vieler Farben. Rot, blau und weiß sind die Farben des Bahnhofes, das durchdachte Lichtkonzept und die interessante Deckenform zusammen machen aus einem von der Grundform her an sich langweiligen Bauwerk einen reizvollen Bahnhof.

2. Candidplatz
Der gesamte Bahnsteigbereich, also Wände, Säulen und Decken, ist in einem regenbogenartigen Farbverlauf bemalt. Am Nordende beginnt es mit violett und geht über rot, gelb und grün bis dunkelblau am südlichen Bahnsteigsende.Die Mittelstützen sind mit mattiertem Glas verkleidet, um eine Verschmutzung der Säulen selbst zu verhindern und die Farbflächen zu gliedern. Die ungewöhnliche Deckenform ist bedingt durch einen darüber verlaufenden Abwasserhauptkanal. Prinzipiell wäre sie zwar nur auf einer Seite nötig gewesen, wurde aber aus Symmetriegründen auf beiden Seiten gleich gestaltet.Leider waren bei meinem letzten Besuch im Februar teilweise große Farbablösungen an den Wänden zu sehen. Richtig tolle Bilder, welche den Farbverlauf über die ganze Länge zeigen, sind derzeit nicht möglich.

 

3. Georg-Brauchle-Ring

Hier ist das Spiel der Farben auf großen, sich abwechselnden rechteckigen Platten dominant. Unterbrochen durch einzelne Bilder aus der Umgebung und dem Rest der Welt  kommt man sich vor, als stünde man mitten in einem riesigen Farben-Puzzle. Schön ist außerdem, das dieser Bahnhof mit seiner Höhe von 7,50 mt komplett ohne störende Säule auskommt und so schöne Totalen möglich sind.

Die sichtbare Bauwerkshöhe ist im Vergleich zu früheren Bahnhöfen unüblich, da dort häufig abgehängte Decken eingebaut wurden. Am Georg-Brauchle-Ring wurde hingegen eine spiegelnde Decke aus poliertem Edelstahl angebracht, die den Bahnhof optisch nochmals höher wirken lässt.

4. Hasenbergl

In einem Stadtteil, welcher begründet in der Vergangenheit  nicht gerade den besten Ruf genießt, wird nicht gerade ein kleines Schmuckstück der modernen Architektur erwartet.

Die säulenlose Bahnteighalle ist mit hellgrauem Granitboden ausgelegt, der im mittleren Bereich von vier Reihen dunklerer Dreiecke aufgelockert wird. Der Boden strahlt damit eine gewisse Dynamik aus. Die Hintergleiswände bestehen aus großen Glasplatten, die mit Glasflies aus Glasfasern hinterlegt sind und damit einen Teil des Lichts reflektieren. In der Mitte des Bahnsteigs ist diese Glasfront auf beiden Bahnsteigseiten von einer großen Spiegelfläche unterbrochen. Mittendurch geht das rote Linienband, das ebenfalls aus Glasflächen besteht.

Nächste Woche geht es mit fünf Stationen weiter.
Seid gespannt, was noch alles kommen wird – bis dahin wünsche ich Euch allzeit gutes Licht!

 Werner Kutter

Hinweis:
Die Beschreibungen der Stationen sind zum großen Teil aus den Internetseiten von https://www.u-bahn-muenchen.de/ entnommen.