Langzeitbelichtung an einem Bach…


… am Beispiel Eistobel bei Isny:

Der Eistobel ist ein Abschnitt der Oberen Argen bei Grünenbach, südlich von Isny.  Kaskaden, Wasserfälle und Strudellöcher machen den besonderen Reiz des Eistobels aus. Genauere Informationen zu Öffnungszeiten und Geologie bietet die Seite http://eistobel.de.

Ich habe dem Eistobel zwei Besuche zum fotografieren abgestattet und kann sagen, dass es sich zu jeder Jahreszeit lohnt, sich hier ein bisschen mit Fotowandern die Zeit zu vertreiben.


Im Herbst glänzt die Gegend dank der Laubbäume auch mit einem schönen Farbenspiel im umgebenden Wald. Ab dem Parkplatz an der Argentobelbrücke kann der Abstieg in die Schlucht in Angriff genommen werden. Es sei hier gleich von vornherein darauf hingewiesen, dass auf Grund des Geländes die Wanderung nur mit festem Schuhwerk und Trittsicherheit durchgeführt werden sollte.
Schon hier empfängt einen der Mischwald mit seinen Formen und Farben – der Blick sollte jedoch stets auf den steil nach unten führenden Weg gerichtet sein, gilt es doch knapp 100 Höhenmeter zu überwinden.


Unten an der Argen angekommen deutet zunächst nichts auf irgendetwas spektakuläres hin. Jedoch ist an den Wochenenden bei schönem Wetter anhand der Besucherströme schnell klar: Da kommt noch was.
Man wandert auf gut gepflegtem Weg flussaufwärts und hat das kühle Nass stets an seiner linken Seite.

Die eigentliche Spielwiese zum fotografieren ist dann zwischen den ersten Wasserfällen und dem sog. Zwinger. Hier ist das Gelände so erschlossen, dass man quasi in den Stromschnellen seine Kamera aufbauen kann und tolle Motive findet.
Weiter als bis zum Zwinger (ein Eisensteg welcher über die Felsbrocken führt) bin ich noch nicht gegangen, da mir die sich bietenden Möglichkeiten in diesem Bereich genügten.
Hier gibt es so viele Positionen, dass man direkt erschlagen wird von allen Möglichkeiten.

Über den schmalen Nebenlauf kann auch ein Stativ aufgestellt werden, so dass dort auch tolle Effekte erzielt werden können.
Ich habe für diese Bilder mit dem seidigen Wasser lediglich einen Polfilter verwendet und die Blende auf die kleinst mögiliche Öffnung eingestellt um eine längere Belichtungszeit bei ISO 100 zu erreichen. Mit Zeiten zwischen einer und vier Sekunden sind die Effekte ausreichend und den Polfilter drehe ich so, dass störende Spiegelungen des Wassers ausgeschlossen werden.
So kann man noch die Struktur der unter Wasser liegenden Steine erkennen und das Bild bekommt mehr Tiefe.
Im Winter macht der Tobel seinem Namen alle Ehre – die Argen ist bei lang anhaltendem Frost fast vollständig gefroren und teilweise begehbar (auf eigene Gefahr!). Lange Eiszapfen und frostige Gebilde schmücken die umliegenden Hänge und Abbruchkanten.

Für den steilen Abstieg und auf den Steigungen auf dem Tobelweg sind in dieser Zeit Spikes bzw. Steigeisen an den Wanderschuhen extrem von Vorteil. Von einer Begehung „nur“ mit Turnschuhen oder ähnlichem Schuhwerk ist dringend abzuraten! Der Tobel ist offiziell nicht geöffnet, jede Begehung erfolgt absolut auf eigene Gefahr!
An der gleichen Stelle, den Stromschnellen vor dem Zwinger, sind dann schöne Langzeitbelichtungen an den wenigen offenen Stellen möglich.
Hier habe ich jedoch einen ND-Filter verwendet, um Belichtungszeiten von um die 20 bis 30 Sekunden zu erhalten. In einigen Fällen rentiert sich auch eine Schwarz-Weiß-Umwandlung wobei dann die Eisstrukturen besonders deutlich zu Tage treten.

Wer also mutig und vorsichtig zugleich ist und ein paar Tricks mit Filtern, Kamera und Stativ beherrscht wird garantiert mit tollen Bildern belohnt. In diesem Sinne wünsche ich Euch für diese Tour Hals- und Beinbruch und für die Bilder allzeit gutes Licht.

Werner Kutter

 

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